Neue Bacher
Gärinefiagurlg in Gießen
— 'Vfipof'it Fonts ne: Eine Fahrt in _ _ r > .d andere märkische Stirn- mungöbilder. Re^arns Universal-Bibliothct Rr.6957. — Die Tragödie im Hause K a t t e. Schicksale und Gestalten märkischer Junker. Universal-Dibliothek Ur. 6958. Der alte Schadow und andere Lebensbilder. Universal- Bibliothek Olr. 6959. — Alle drei Bände aus Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" ausgewählt und herausgegeben von Dr. Siegmund Hirsch. Geh. je 40 Pf., geb. je 80 Pf. — 82/84. — Mit sicherem Blick für das Lebendige und zeitlos Wertvolle in Fontanes umfangreichem Werk hat der Herausgeber die schönsten Kapitel aus den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" zu den vorliegenden Auswahlbändchen zusammengestellt. Fontane ist der angenehmste Reisebegleiter, den man sich denken kann, denn er versteht zu plaudern, ohne zu langweilen oder zu ermüden. In einer Fülle von Stimmungsbildern, Anekdoten, kultur- und sittengeschichtlichen Skizzen zeigt er Land und Leute der Mark, führt uns an die Herrensitze märkischer Junker, macht uns mit bedeutenden und kuriosen Persönlichkeiten der Vergangenheit bekannt. Die Bändchen empfehlen sich übrigens auch durch ihre gefällige Ausstattung. Hoffentlich läßt der Verlag demnächst eine Auswahl aus den Romanen folgen.
— Theodor Fontane: Balladen. Ausgewählt und herausgegeben von Dr. Siegmund Hirsch. Rcclams Universal-Bibliothek Rr. 6936. Geh. 40 Pf., geb. 83 Pf. — 81. — Fontanes Balladen sind noch heute so jung wie vor Jahrzehnten und werden immer im Herzen der Jugend und des Volkes ihren Platz behalten. Ihre schlichte Größe, die ohne jedes Pathos die Macht echter Persönlichkeit und wahren Heldentums volksliedhaft verherrlicht, kann niemals „unmodern" werden. Die Ballade von Archibald Douglas, die Lieber vom „Mieten aus dem Dusch", von dem birnenspendenden Edlen „von Ribbcck auf Ribbeck im Havelland" gehören zu den Meisterstücken der deutschen Volkslied- und Dal- ladendichtung.
— Die Hauptrichtungen der gegenwärtigen Psychologie. Von Br. Richard Müller-Freienfels. In Sanmlüng Wissenschaft und Bildung. Geb. 1.83 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (33.) — Dei der großen Bedeutung, d e der Psychologie in unserer Zeit auf fast allen Lebe isgebicten zulommt. ist es von Wichtigkeit, ei. e.t Ueberblick über alle Son- derzwcige der psychologischen Forschung zu gewinnen. Dem will daZ vorliegende Bändchen
dienen. 01; sede einseitige Bindung versteht eS dec Versa! ec, .. ■ das Cha:' piychologi-
scher For^chertätigleit zu ocingen und mehr als ein Dutzend verschiedener Richtungen in ihren besonderen Lehren eingehend zu charakterisieren. Aus dein Vielerlei wird eine klar bestimmte Gruppenbildung, die die richtige Einschätzung der einzelnen Zweige und ihrer Forschungsarbeit ermöglicht.
— Die Höhere Schule imDiensteder Volksgemeinschaft. Von Studienrat Dr. 21. Dohlen, Dr. O. Hugo, M. d. R, und I 3oc3, M. d.R. Steif gebettet 3,63 Mk. Verlag von Que.le & Meyer in Leipzig (33). — Das gesteigerte Tempo unserer Zeit zwingt Die Schule mehr denn je. den Zusammenhang mit Wirtschaft und Volksgemeinschaft zu betonen. Drese Ver- bindung von Schu.e und Leben, heute eine der brennendsten Fragen der Er^iehungspraxis. w.rd hier zur W'.rkiichteit. Zum ersteninal haben sich hier zwei Führer der Wirtschaft mit dem zweiten Vorsitzenden des Preußischen Philologenverban- des zu'sammengetan, um nach einheitlichen Gesichtspunkten eine Reihe dec aktuellsten Probleme der heutigen höheren Schule zu erörtern. Sie Fragen, die h.er aufgero.lt werden, z. D. B:l- dungsgegensah und Be.ech.igung^tce,en, Arbeiterkinder und Begabung, Handacbe.t und höhere Schule, Erziehung zum selbständigen Menschen, Sexua erziehung, Sportbetätigung, staatsbürgerliche Erziehung, sind heute Gegenstand des allgemeinen Interesses.
— Düsseldorfer Freimaurerei im 18. Jahrhundert. Von Dr. August Pauls. Verlag Bruno Zeche!. Leipzig. (131) — Der Verfasser legt in diesem Buche, das neben Berichten über die Düsseldorfer Freimaurerei von 1765 bis 1772 auch reichen Ausschluß über die rheinische Freimaurerei im 13. Jahrhundert bietet, die Frucht einer jahrelangen Forschecarbeit vor. Das Buch stellt einen sehr interessanten Beitrag zur Geschichte der deutschen Freimaurerei dar. der in sein geschliffener Sprache reiches archivalisches Material in fesselnder Weise behandelt. Pauls hat sich in diesem Werke vollkommen auf die Aufgabe eines Geschichtsschreibers beschränk:, dessen Streben dahin ging, ein Stück deutschen Geisteslebens aus dem Dunkel der Archive herau:- zuheben und die heutige Generation, sowie küns- tige Geschlechter mit ihm bekannt zu machen. Guter Dildschmuck bereichert das Buch, das sicherlich bei den Angehörigen des Deutschen Freimaurerbundes. wohl aber auch darüber hinaus bei allen am deutschen Geistesleben interessierten Männern starkes Interesse finden wird.
McNerfpu.c ty-’V-, 2 TfNg ' ■
lös sei ouc ■ -jU und rührt mit 1 Lössel —.... und Sahne an.
ou Mehlklößen oder auch Karlofseln tn h r Schale bereitet man eine Speck saue e. Klr geschnittener Speck wird mit 1 bis 2 zerschntt-- lenen Zwiebeln ausgebraten und aus dem Fett herausgenommen. Darin bräunt man 1 bis 2 Löffel Mehl, rührt soviel heißes Wasser dazu, daß eine dickliche Sauce entsteht, fügt 1 Teelöffel Salz, 1 Messerspitze Pfeffer. 2 bis 3 Lös. fei Essig bei, läßt das Ganze gut durchkochen und gibt Speck und Zwiebeln wieder hinein.
Sauersüße Specksauee zu grauen Erb- Jen. Bohnen. Linsen. Speckfcheibcn werden leicht ausgebraten und auf einem Teller warmgestellt. Will man die Sauce nicht b.aun. sondern hell- ge b haben, fo rührt man 2 bis 3 Eßlöffel Mehl mit ein wenig kaltem Wasser an und gibt allmählich die Brühe der gekochten Hülsenfrüchte dazu. vermischt sie mit dem Speckfett, fügt 2 bis 4 Löffel Essig, 1 bis 2 Löffel Zucker und das etwa noch nötige Salz hinzu und kocht eine recht sämige Sauce davon. Die Speckscheiben gibt man nach Dem Fertigmachen gesondert dazu.
Meerrettichsauce zu Rindfleisch oder Würstchen. Eine gehäufte Tasse geriebener Meer- re tich wird — am besten mit_ Fleischsuppe, in Ermangelung mit Wasser, 1 Löffel Butler, dem nötigen Saiz, 1 bis 2 Löffel Zucker, nach Belieben 1 Lössel Korinthen, durcbgekocht. und mit i/o bis 1 Löffel Mehl und süßer Sahne angerührt. Es muß ein dicklicher Brei fein.
Bilzsauce. Verschiedenartige, ganz gesunde, frische Pilze (oder im Sommer gesammelte, ungewaschen aber sauber mit Bürstchen gereinigte, im Ofen oder an Schnüren in der heißen Sonne ge.cocknele und in Säckchen luftig ausbewahrt) werden beim Gebrauch gut gewaschen, mit wenig Wasser lang'am weich gekocht und fein gehackt. Darauf brät man in reichlich Speck 3 bis 4 kie.naeschnittene Zwiebeln, tut die Pilze nebst der Pilzbrüfe hinein und rührt die Sauce mit 1 bis 2 Löffel Mehl und •/< Liter saurer Sahne oder Bu'termiich, bündig an. Etwas Pfeffer und das Sa.z. de Sauce muß kräftig schmecken, wird hinzugefügt.
Feine Pilzsauce zu gekochten Enten- und Gänsefleisch. Getrocknete S.einpilze werden gewaschen. gekocht, fein gehackt und mit etwas Essig, Saiz. Pfeffer und geriebenen Zwiebeln in Die Brühe der gekochten Ente hineingetan, durchgekocht und mit 1 bis 2 Löffel Mehl und Sahne angerührt.
Am Mittwoch fand im „Hotel Hindenburg- in Gießen die diesjährige Hauptversammlung des Landesverbandes Hessen-Darm- | stadt im Reichsverband des Deutschen I Gartenbaues statt. Der Vorsitzende des Lan- , desverbandes, Heinrich Schneider (Darmstadt), i eröffnete nach noraucgegangener Vorstandssitzung mit herzlichen Dcgrüßungsworten die Hauptversammlung, die aus allen Teilen des Hessenlandes , besucht war; insbesondere waren die Mitglieder aus ; Oberh.ssen vertreten, ebenso viele geladene Gäste. | Dann begrüßte der Borsitzer.de der Bezirksgruppe Gießen, Gärtnereibesitzer Rudolf Schneider, die Mitglieder und Gäste. Dr. Andrä, Steuerdezer- nent dcr Hessischen Landwirtschastskammer. sprach über die Einheitsbewertung des Gartenbaues in Hessen. Es wurde fcstgesteUt, daß die Bewertung in Stackenburg und Rheinhessen bis zu 50 v. H. niedriger ist als in Oberhessen. Rach einer Aussprache wurde beschlossen, daß die Landwirtschaftskammer bei dem Landesfinanzamt wegen einheitlicher Bewertung in ganz Hessen vorstellig w den soll. Rach dem Bericht des Geschästsführers Stern ml er (Manz) über die Hauptausschuß- sitzung des Reichsoerbandes in Berlin, folgte der
Jahres- und Kassenbericht. Der Höhepunkt des Jahres bestand in der 25. Jubiläumstagung des Landesverbandes im September v. I. in Worms; bei dieser Gelegenheit wurden dem Vorsitzenden Hch. Schneider (Darmstadt) und dem Geschäftsführer I. Stemmler (Mainz-Lauben- heim) die Ehrenurkunden des Reichsverbandes und der Hessischen Landwirtschaftskammer für ihre Verdienste verliehen. Sodann erfolgte die Beschlußfassung über sozialpolitische Fragen, Tarifverträge usw. Eine sehr lebhafte Aussprache entspann sich über die diesjährigen Frost- s ch ä d e n , die, soweit sie bis jetzt zu erkennen sind, außerordentlich groß sind. Den Gesamte.ndrick wird man erst gewinnen, wenn sich im Frühjahr die Schäden an den Freilandkulturen bemerkbar machen werden. Auf jeden Fall wird man, gering geschätzt, wieder mit einem Kulturschaden ähnlich dem Winter des Jahres 1879 80 rechnen müssen. In Anbetracht dieser enormen Schäden und im Hinblick auf den großen Verbrauch an Brennstoff in diesem Winter werden d'.e Erzeugnisse des Berufs im kommenden Frühjahr sehr knapv und gesucht fein. Zum Schluß wurde noch beschlossen, die Som
mersitzung dieses Jahres auf Einladung des Gärtnereibefitzers Martin Schneider (Schotten) in Schotten abzuhalten. Die Vorarbeiten hierzu wurden der Dezirksgruppe Friedberg übertragen. Rach Aussprache über die eingegangenen Anträge wurde die sehr anregend verlaufene Versammlung geschlossen.
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 24. Februar.
8.30 bis 9.30 Uhr: Katholische Morgenfeier. Mitwirkende: Frauenchor des Bundes kathol.scher berufstätiger Frauen. - 10.30 Uhr: Zur Reichsunfall« verhütungswoche: Mikrophonreportage aus einer Fabrik, Schutzmaßnahmen für Arbeiter. — 11.30 bis 12 Uhr: Elternftur.de. — 12 bis 13 Uhr: Aus dem Plenarsaal des Reichstages Berlin. Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges. Veranstaltet vom Vol.'sbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. — 13.15 Uhr: Bruckner-Zyklus VI. 6. Symphonie in A-Dur. Musikalische Leitung Dr. Ludwig Rottenberg. — 15 bis 16 Uhr: Stunde der Jugend. Ge-
ft*1-fiten und Märchen. — 16 bis 17 Uhr: Schubert» — 17 ms 18 Uhr: Stunde des Landes, Vortrag von Dr. Hugo Horny aus Wiesbaden. — 18 bis 18.45 Uhr: Von Königswustcrhausen „Gedanken zur Zeit". — 18.45 bis 19.15 Uhr: Aus dem Arbeits- und Dauprogramm des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Vortrag von Franz F. Geis. — 19.15 bis 20.15 Uhr: Stunde des Rhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung, Vortrag von Dr. Paul Leser. — 20.15 bis 20.30 Uhr: Sportnachrichten. — 20.30 Uhr: Volkstrauertag.
©etrlnnousjDfl
6. Maste 32. Pkkudiscd-Silddellstch» (25b. Picuß.) Klassen-Lotieli»
Obn? Sftüöbr Rachdrud verboten
Aus |ebe gezogene Rümmer sind zwei gleich bebe (Sen inne gefallen, und zwar |». einer auf die Lose gleicher Nummer in dca beiden
Ab.cilungen I und 11
13. Ziebungrtog 22. Februar 1929
277581
339520
48480 68975 69939 90560 99773
73927 74929 93892 97293 109811
ön der Rachmittagsziekung wurden ©eroinnt
3000 SL
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2000 2329 34162 77552 324138
490 22390 27212 95191
1000 -TL
60445 65979 83149 85038 97757 107061 120738
62940 277754
37063
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122522
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180005
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118443 133911
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252992
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128111
135681 156079 168889 193'18 203895
214932 233613 253707 295166 310071
329133 348573 359731 379158
17900
53891
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159911
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281402 322651
361172 363178
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Im (Seiuiniirabe verblieben 2 Prämien zu 500000 2 Gewinne zu 500000, 2 zu 300000, 2 zu 200000, 2 zu 100000, 2 ,u 50000, 6 zu 25000,48 zu 10000, 92 zu 5000, 246 zu 3000. 452 zu 2000, 974 zu 1000, 2550 zu 500. 6752 zu 300 Mk.
Das große Grauen.
Vornan von H. A. von Byern.
Ltrhcber-Rcchtsschuy d.:rch Verlag Oskar Meister Werdau.
15 Fortsetzung Nachdruck verboten
Da hatte sich also das Rätsel überraschend schnell gelöst: lllnan. ehrnlichkttt.n mit einem betrügerischen Beamten, von D.ne.i dcr Vinzenz nichts wißen sollte. Aber weshalb war dann Frau Sophy mir gegenüber so mittcil am? Mich ging ja die Geschichte überhaupt nichts anl Es gab nur eine Möglichkeit: Die junge Frau mußte mich vorhin scharf beobachtet und dabei gemerkt heben, daß ich irgendwie Vcrdacht geschöpft hatte, einen Verdacht, dem sie durch ihre Erklärung die Spitze abbrach. UnD obendrein war ich jetzt ver- pslichtct, zu schweigen. — Das alles schoß mir blitzschnell durch den Kopf, während ich meinen Kaffee trank. Von jeher bin ich etwas skeptisch veranlagt gewesen: an sich klang das ja alles sehr plan ibcl, und doch — konnte Frau Sophcrl nicht auch mir gegenüber die Unwahrheit gesagt haben? ..Wer einmal lügt, dem glaubt man nichts" Ein Rest von Verstimmung und Mißtrauen blieb, lächerlich vielleicht einer solchen Bagatelle wcgcn aber kein Mensch kann gegen seine Ratur an. und Heimlichkeiten widerstreben mir auch Dann, wenn es sich um ganz harmlose Singe handelt. —
„Bist wohl auch a tocngcrl müd'7" fragte der Vinzenz. „Leg di halt noch a Stünderl hin."
„Ich kann's ja probieren — — —Aber da trat gerade der Diener ein, brachte auf einem Tablett ein Telegramm.
„Du, Alterle. das ist an dich, hoffentlich nix Unangenehmes?"
Rasch riß ich den Umschlag auf:--
„Ratürlich. wenn man nur mal für ein paar Tage verreist, gleich ist Der Teufel los!"
„Geh', was gibt's Denn?!“
„Ich muß beim, sobald wie möglich, du weißt ja. ich erzählte dir von der Grenzregulierung, da sind nun wieder unvorhergesehene Schwierigkeit n. alki.i w.iß sich me n Inspektor nicht zu Helen — —.“
.Zs das aber schad'," meinte die junge Frau. „unD wir heben uni schon so trau g fr ut, daß Sie diesmal a blsferl länger ble ben warten, pressiert s denn gar so?'
„Leider, gnädige Frau, wenn ich den Ab.mdzug benutze, komme ich gerade noch zum Termin zu-
Mein Freund trommelte ärgerlich mit Den Fingerspitzen aus Der Tischpatte:
Da Harn ma so guat wie nix üonananDer g'habt. weißt d'. i hab's schon wieder satt Dakerinnen in Dera Oed, was meinst d, Sopherl,
woll'n ma bald amal weder reif'n. nach Schweden oder mein.thalben nach Ks-ördö?"
„Za du! Ach ja!“ Die A.gen der jungen Frau strahlten:
„Der Onkel Franz s.ckkiert ml alleweil; Jessas, wird der a Freud' hab n!"
Von dem g:p lästerten Hof herauf klang harter Husschlag; ich trat an 3 Fenster.
„Donnerwetter, das ist doch Der R.ki Pernegg!"
„Waö? D'r RUI? Laßt der si a amal wieder anschaun?"
Der Rittmeister schwang sich aus dem Sattel und warf einem Reitbursch:n die Zügel zu; Sekunden später tarnen s^oce.cklirrcn'e Sch.itle über den Flur:
„Ah — Grüß Gott bcieinand'I Gnädigste, i küss 's Handerl!" Dann kam ich an dir Reihe: „Habs ch schm g h rt. daß d im Laaderl b st. also, auf a paar Tag' maaßt zu mir nach Pernegg kommen, zwoa Hahnen ham ma schon vertust --."
„Riesig nett von dir, lieb r Rili. aber es geht nicht. Eben b:tam ich e n Telegramm, ich muß scho Hute wieder abr.if.n...“
„Ro, aber so was--“
„3a, und nun nochma'S m ine all?rherz'ichsten Glückwünsche zu deiner Verlobung!"
„Dank schlln! Das G ük vo.n V nzcnz hat mir koa Buah n.t g las n; kriagst n.t auch Bppetit?"
„Cd) w ll kein Mädel unMMch machen, zum Ehemann tauge ich nicht, a uherdem — ich habe einen Kurzhaarigen, einen Schweißhund und
einen Dackel."
.Das is Tusch!" Frau Sophie drohte mir mit Dem Finger: „Wird wohl an andres Hakerl haben, ane stille Liebe oder auch — mehrere!"
Der Vinzenz lachte:
„Sixt, Da hast d' es, i sag ja, geg’n d' Weiber- leut kommt ma net auf, dös Ham D'r Adam selig un der Samson aa scho g'wuhtl"
Es gab ein lustiges Hin und Her, und natürlich verschob ich nun das Packen meines Koffers für ein Stündchen, die paar Sachen waren ja auch schnell genug verstaut. Der Ri.i mußte ein Scha- lerl Haut trinken, und mein Freund frozzelte ihn:
„D Liab zehrt, Dcrtoegcn halt er'S auch net drüben in Pernegg aus. do hat ihn d' Schaffnerin aus halbcte Kost g'setzt, is eh Fastenzeit, und auf an christlichen Eh stand muaß man si würdig vorbcrcit.n."
„203 tocait wohl aus Erfahrung? Aber, hast du scho dös Reucste ghört? Dr alte Lech- poitncr. d'r Forstrnoaster. drüben im Aerari- lchen. der wo am 1. April in D'n Ruahstand g'treten 13, hat an Rachsolger friagt, i glaub gar an Landsmann von der Gnädigsten, ganz a g'spaß'ger Rom', hab ’n aber wieder vergessen."
Die Tasse in Frau SophcrlS Hand klirrte leise, unwillkürlich sah ich hinüber. UnD da war er Wieder, der starre, geistesabwesende Blick, Der
mir schon am Morgen ausgefallen war. Das konnte ein Zufall sein, konnte! Doch Der Argwohn. dcr sich einmal sestge eht hatte, wollte nicht schwelgen, — lag hier vielleicht der Schlüssel zu einer Erklärung für das sonderbare Benehmen der Terofaler Schloßh.rrin? HnD ents.rang ihre freudige Zusli Innung zu dem Vorschlag für einige Zeit auf Reisen zu gehen, noch anderen Gründen als der Sehnsucht nach Der Heimat? Keine vierundzwan-.ig Stunden war es her, daß sie mir erklärt hatte, wie froh sie fei. das Wanderleben mit Der Stille und Abgeschiedenheit vertauschen zu können — und jetzt? Eine Weiber- laune möglicherweise, aber doch eine Laune, die in Verbindung mit meinen stillen Beobachtungen zu denken gab! Jetzt bedauerte ich es doppelt, daß mich eine unaufschiebbare Angelegenheit zu der überstürzten Heimreise nötigte; nicht weil ich Freude am Spionieren empfand, nein, es war mehr das rein instin.t.ve Gefühl: der Vinzenz ist verliebt, ist blind, er braucht jemanden, der für ihn die Augen offen hält. Wenn ich heute an jene Stunde zurückdcnke, dann bedauere ich es noch immer, daß ich damals jener inneren Stimme nicht gefolgt bin, säst wie ein Unrecht kommt eS mir vor an meinem liebsten, meinem besten Freund, und auch an ihr. der jungen, schönen grau, der ich abzubitten habe — viel abzubitten.
Aber cs hat idd.jI so sein sollen. Die Erfahrung eines langen, einsamen Menschenlebens lehrte mich, daß alles Geschehen nur eine Kette von zwan-.släusigen Rotwcndigkei e.i ist. daß jede unserer Taten und Hinterlassungen schon den Keim künftigen Erlebens in sich trägt. Schicksal nennen wir dieses Wechselspiel zwischen U.sache und Wirkung, bilden uns ein, wir könnten es selbst nach unserem Wünschen und Wollen gestalten — und sind doch nichts als Marionetten, die der große Puppenspieler, den wir Gott, Allmacht. Vorfehnng heißen, an seinen Fäden tanzen läßt, so wie Eintagsfliegen im Sonnenglast spielen. — Am Ufer eines dunklen, geheimnisvollen Stromes stehen wir, drei en die Hände und harren des glückhaften Schiffs, das uns hinüberträgt in das Märchenland unserer Sejn- sucht, harren und warten, bis Freund Hein uns leise an Der Hand saßt und Charons Rachen die still und müde gewordenen Seelen aufnimmt.
„Was hast d' Denn, Alterle? Red'st ja koa Wort?" Gut und warm ruhten die Blicke des Vi::zenz auf mir. Ich zwang mich zu einem Lächelm
„Wird wohl Der Abschied sein, der mir In den Gliedern liegt.“ HnD dann sah ich plötzlich — Frau Sophy hatte das Zimmer verlassen. Rasch stand ich aus:
„RUi. du mußt mich schon entschuldgien, ich fahre mit dem Sechsuhrzug, will noch packen..."
Der Rittmeister gab mir die Hand:
„Zu schad', laßt si aber net ändern, no kommst halt amal. wann i erst verheirat' bin, auf- g'schoben is ja net aufg'hobenl" , - *
Hell und goldig schien die Vormittagssonne in mein Zimmer. Das grelle Tageslicht tat mir weh, und rasch zog ich die Vorgänge zuDer Ander! tarn und fragte, ob er nur behilflich fein könne. — nein, ich brauchte nichts, wollte mich ein Stündchen hiillegen, um frisch zu sein für Die Fahri.
Beim Mittagstisch fehlte Frau Sopherl.
„Ist die Migräne doch wieder schlimmer geworden?"
„Ja," mein Freund stocherte mlfjmuttj an den Speisen herum, „sie laßt sich entschuldigen, du möchtest net Harb sein, Alterle, wann s' dir net psüat (Sott sagt---“
„Aber, ich bitte dich! Das Ist doch selbstverständlich I Hossentlich geht der Kopfschmerz vorüber, hast Du mal einen Arzt gefragt?"
„Ra. 's Sophcrl meint, cs wär's Klima, tunnt scho sein, daß f D' Höhenluft net vertragt, i hab' mit'8 ooricnomm', in a Woch n roasn ma.
„Rach Kis-Erdö?"
„Woaß sclba no net...“
Es wollte kein rechtes Gespräch In Gang kommen, denn als der Diener abgeräumt hatte, holte Der Vinzenz Zigarren und Zigaretten, sah nach der Uhr: „
,Ro. is bald Zeit, Ina halbeten Stund muassn ma fahr n."
„Wir?" .
„Frcili, l werd' dich doch net allo an lass n...
Dcr liebe, gute Kerl!
„Rein, Du, unter keinen Umständen! Dann kämst Du ja erst spät abends heim, fast in der Rächt I Jetzt bist Du hier nött.er!"
„Meinst d'?" Es klang zögernd, unsicher.
„3a, das meine ich allerdings! Und. Vinzenz, weißt Du eigentlich, daß ihr mir einen Gegenbesuch schulDig seid? Gib mal Deine Hand her — so, also im Juni erwarte ich euch, abgemacht?!""
„Abg'macht... wann d' Sopherl einverstand'n iS."
„Rcttürllch, du Pantoffelheld!"
Run wurde die Stimmung doch etwas angeregter. so vieles gab es noch in der Eile zu erzählen, und ganz überrascht sä') ich aus. als Sedlmaycr eintrat und meldete, Der Kraftwagen fei vorgesahren. Mein Freund quetsch.e mir die Hand, als gelte es einen Abschied fürs Leben:
„Komm' guat heim. Alterle. schreib' bald a .tal!"
„Ja. ja. und Du weißt — auf W'.eder.ehen zur Dvckoir.ch!" Rach ein letzter HändeDruck:
„Meinen Handkuß an Die G.iäDigste!" Dann schoß das Auto mit jähem Ruck vorwärts. Donnerte Durch Die Toreinfahrt und raste gleich einer gereizten, bösartigen Bestie die breite Ulmen* all et hinab. „ , _
Schwarz und schwer, drohend tote das Verhängnis. türmte sich über Schloß Terofal eine von Westen Heraufziehen de Wollenbank — — ~ .
(Fortsetzung folgt.)


