Ausgabe 
23.2.1929
 
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fta der

wenn

Räuberpistolen

Von Hans Thyriot.

Jeiiungsfchau.

Kölnischen Zeitung findet sich köstliche Geschichtchen:

den, von dem wir uns nichts träumen ließen und von dem wir alle für unser Leben genug haben.

Uebrigens war derLederstrumpf" zu unserer Zeit nicht mehrMode". Auch Karl May war da­mals nicht besonders im Schwange. UnsereDich­ter" aber hießen etwa Franz Treller, Max Felde und Maximilian Kern.

Don Franz Treller war zum BeispielDer Sohn des Gaucho" eine unerhörte Schwarte. Ich konnte halbe Seiten auswendig. Man mußte dos Buch in unseren Kreisen gelesen haben: so etwa wie man heute die Undset und Van de Veld«gelesen haben muß", wenn man mitreden will. Ich habe diese Schwarte durchgepeitscht, zehnmal, zwölsmal, wer weiß, ob das reicht. Und es war eine Schwarte mit Bildern. Ich sehe sie noch.

Besonders das eine: wie die Reiterkavalkade der deutschen Ansiedler eine S)orbe Pampas-Indianer in Klump haute: wundervoll. Und jenes von den Gauchospielen, den Ritt und Sprung vom unge- sattelten Pferde darstellend, welchem einer mit dem Lasso den linken Hinterfuß sangen sollte im vollen Galopp. Den linken! Der Schurke fing jedoch den rechten mit Absicht, und sagte, er habe sich bloß geirrt. Aber der edle Aurclio sprang trotzdem unvergleichlich im letzten Augenblick an der richrigen Seite herunter. UndHeil!" schrien die Rauhreiter, die schon gemurrt und nach den Messern gegriffen hatten, . . . und der Matö floß in Strömen.

dir Ehr« geben, die ihr gebührt, daß sie allein i)o3 Vermögen hat, sinnvo.l zu wirken durch alle Zeiten hindurch, von Homer bis in di« Zukunft hinem.

folgendes _ . , , .

Herr Ludwig Landes ist Eigentümer eines Kunstverlags" in Tegernsee. Tegerniee lirgt in Bayern. Eine Berliner Firma aus der Branche vergißt sich nun soweit, in Tegernsee Offerte ein^urcichcn. Das tut Herr Landes? Er setzt sich hin und schreibt folgende Postkarte:

halt der Denkschrift in aller Oeffentlichkeit zur Debatte zu stellen. Das ist traurig, aber wahr, war aber im Kriege bekanntlich schon ebenlo. Höchst überflüssig erscheint und ober, daß daneben noch alle technischen Details über unsere neuen Schisse in einer amtlichen Fachzeitschrift aus­geführt und gewissermaßen zur Nachahmung emp­fohlen werden.

Dennoch hat uns dies alles, seltsamerweise, nichts ge- schadet. Und im Vergleich zu der Lektüre. Phan­tasie und Tätigleit unserer Knabentage üben wir, soweit ich sehen kann, heute allesamt einen verhält­nismäßig friedlichen und bürgerlichen Beruf aus. Damals wäre uns dergleichen recht kümmerlich, unwichtig, und eines Mannes wenig würdig vor- gekommen. Wir waren lauter rauhe Kerle, einer wollte sogar Löwenjäger werden. Und wir ahnten ja auch nicht, daß wir ein paar Jahre später in Frankreich, in Rußland, in Serbien und Italien, in Afrika und in der Türkei, zu Wasser, zu Lande, und in der Luft auf einem Kriegspfade sein mür-

Die Deutsche Allgemeine Zeitung macht auf folgendes mit Recht aufmerksam:

Der Marincmitarbeiter desEcho de Paris" hat sich veranlaßt gesehen, einen Artikel mit der albernen äkeberschri tDas neue deutsche Panzerschisf und der Weltsriede" zu verfassen. Das furchtbare deutsche Kriegsinstrument von 10 000 Tonnen Größe findet nach seiner Ansicht Höchens in den englischen 32 0.'0 Tonncn-Schiffen Rodney" undRelson" ebenbürtige Gegner. Da nach dem Versailler Diktat Deutschland sechs solcher Schiffe bauen darf der Autor weiß natürlich genau, daß nur vier projektiert sind und da dcus arme, wehrlose Frankreich solcher Armada ohne jede Hoffnung gegenübcrsteht (die zweite Rate für den ersten deutschenMeer­könig" ist noch nicht einmal bewilligt!), so sieht der französische Verfasser im Geiste schon jetzt die französischen Küsten v:rwüst:t. di: Kolonien ge­raubt und die deutsche Flotte als Herrn des MittelmccrS. Durch Deutschland wird al o, so meint der Verfasser, eine neue Aera des Wett­rüstens eingeleitet. Durch dasselbe Deutschland, düs immer so stark für Abrüstung eintritt. Auf diese Weise wirb dann glücklich der Beweis er­bracht, daß der Frieden der Welt durch ein auf Stapel gelegtes deutsches Panzerschi f gefährdet wird. Der französische Marinefachmann sollte sich schämen, angesichts der französischen, englischen, japanischen und amerikanischen Flottenrüstungen solchen älnsinn in Druckerschwärze umzusetzen. Aber er hetzt eben, um zu Hetzen. Meint er, daß wir Deutsche Rudcrgaleeren oder Segelkoggen bauen sollten? Auch der englischen Fachzeitschrift Raval and Mi.itary Record" sind die.e Llebcr- schwänglichk:ilen langweilig geworden. 3n ihrer neuesten Rümmer (13. Februar 1929) schreibt sie: Wir erkennen durchaus die technische Leistungs­fähigkeit der Deutschen an, aber wir sind nicht der Meinung, daß sie über eine Art geniehasten Monopols in schifsbaulichen Dingen verfügen... Es handelt sich zweifellos um ein recht inter­essantes Schiff. Dieses aber als das Produkt einerUcbcrrafe" hinzustellen, als etwas, was keine andere Ration der Welt nachmachen könne, beweist nur Mangel für technische und seemän­nische Realitäten." In gewissem Sinne haben wir aber selbst schuld daran, daß solche albernen Märchen, wie das oben skizzierte sranzöfische, aufkommcn können. War es wirklich notwendig, daß unsere sch'ffbautechn schen Fortschritte, deren Wert doch erst durch die Praxis erbracht wer­den soll, mit allen Details in der amtlichen Marinerundschau" an die große Glocke gehängt wurden? Geschah es, um uns mit unseren tech­nischen Fortschritten zu rühmen oder um die wehrseindlichen Abgeordneten von der Rutzlich- keit des Panzerfchiffbaues zu überzeugen? Ersteres wäre anfechtbar und unklug, denn wir behalten bes'er für uns, was wirklich brauchbar ist. Das zweite wäre ein Versuch am untauglichen Objekt. Die letzte Kreuzerdebatte im Reichstag bewies es. Mit den besten technischen Argu­menten für Panzerschiffe kann man Kinderspei­sungsprogramme nicht tot chlag.n. Denk chei tcn zu schreiben, ist manchmal ja wohl nötig, sie in Deutschland drucken zu lassen, bedeutet schon eine erhebliche Gefahr für Preisgabe ihres Inhalts, die Druckcxemplare zu verteilen, heißt, den 3n-

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Kerns unvergleichliches Meisterwerk hieß3m Labyrinth des Ganges". Dies war ein Buch für uns, wie es heute o elleicht ein Roman von Edgar Wallace wäre. Ein schönes Buch, eine wundervolle, unheimlich«, aufregend« Sache. Eine Geschichte nach unserem Herzen. Und auch mit Bildern. Es ginn ?gleich mit einer Tigersagd im Dschungel los. Ich ehe das Biest noch auf dem Neitelefanten des Eng­länders hocken. Und der hatte feine Doppelbüchse grab verschossen. Bloß noch einen Revolver. Und wie steht es damit?Ebensogut könnte man mit Dogeldunst auf Wildschwein« schießen, wie mit Re­volverkugeln auf einen wütenden Tiger." Aber im Augenblick der höchsten Rotda knallten von rechts aus dem Dschungel heraus zwei Schüsse".

nach Warschau gekommen und hatte Herrn Pll- sudski und den Kabinettsmitgliedem berichtet, er habe das formelle Versprechen Driands in der Lasche, die Rheinlandräumung mit der Daran- tie der O st grenzen durch Deutschland zu verbinden, d. h. Briand habe ihm versprochen, das Rheinland nur unter der Bedingung des vorherigen Abschlusses eines Ostpakies zu rau­men. Inzwischen ist manches anders geworden, Frankreich hat wohl selbst eingeseyen, daß es zuviel versprach und heute ist der Franzosen» freund Zalesii schwer enttäuscht, wahrend die Kreise um Askenazy betonen, sie Hattens ja im­mer gesagt ... r

Die letzte Ratstagung hat nun den Polen neuen Grund zur älnzufriedenheit mit Frankreich ge­geben: die Minderheitenfrage. Briand, der immer fürchtet, man konnte in Genf die elsaß-lothringische Frage anschneiden, mochte zu folgendem Minderheiten k o m p r o m i ß mit Sire- semann kommen: Frankreich stimmt einer Ver­besserung des Beschwerdeoerfahrens der Mim.er- heiten za. die Minoritäten sollen in Zukunft das Recht dir.k.er Kla-»eführung haben und brauchen nicht mehr die Mittlerrolle eines.kerbunds- Mitgliedes in Anspruch zu nehmen. Die Minder­heiten selbst sollen in Zukunft die Möglichkeit zu eigener Vertretung ihres Standpunk.es haben (augenblicklich geben nur Regierungsvertre'.er dem berühmtenKomitee der Drei' Auskünfte über Beschwerden). Als Entgelt für dieses Zuge­ständnis verlangt Frankreich, Laß der Völker- bundsrat als na ionale Minderheiten nur die in den Friedensoer r gen und in den Spezialabkom- men ausdrücklich erwähnten Minoritäten gelten läßt, Latz also die Deutschen E l s a ß - L o t h r i n- gens überhaupt^ n i ch t als Minderhei­ten in Frage kommen.

Lieser sranösische P an ruft in Warschau Em­pörung hervor. Man hat hier nämlich heraus- gefunden, daß dann die ilLainer, die Weißrussen und die Inden des polnischen Staatsgebietes zum ersten Male in die Lage kommen, sich beim Völ­kerbund direkt zu beschweren, was bisher nicht der Fall war. weil bis jetzt keine interessierte auswärtige Macht für diese in den Verträgen als solche ausdrücklich erwähnten Minderheiten als Wortführer eintrat.

Die Anhänger einer Abkehr von Frankreich denken, wie gesagt, an ein Bündnis mit Un­garn und Italien. Sie sind sogar bereit, sich dieses Bündnis einige Abänderungen des Trianonvertrages kosten zu lassen, älnd man kann festftellen, daß von Ungarn und Italien aus alle nur erde: k ichen Anstrengungen gemacht werden, Lis polnische Mißstimmung gegenüber Frankreich zu vertiefen. Welche Auswirkungen eine solche älmgruppicrung auf D e u t s ch l a n d haben kann, ist noch gar nicht abzusehen. Es besteht die Mög­lichkeit, daß weitgehende polnische Ansprüche, An­sprüche, die sich gegen Deutschland richten, plötz­lich unerwartete Helfer finden. Falls nicht die außenpolitisch« Reuorientierung Polens Hand in Hand geht mit einem großzügigen Ausgleich aller mit Deutschland bestehenden Differenzen, aber das ist ja zu schön, um wahr zu sein. Wahrschein­licher ist es dann schon, daß auf Kosten Deutsch­lands ein Wettrennen um öle Gunst Polens einsetzt. Dann könnten statt einer nun zwei Mächtegruppen für den Abschluß eines für Polen günstigen Ostpaktes und für eine Minder­heitenregelung eintreten, die den Polen nicht wehe tut.

gesichtem.

Es gab auch Squaws und Feuerwasier, Mok- kassins und Tomahawks, es gab Kanoes und Lassos und Bowiemesser und Marterpsähle, an denen man nicht mit der Wimper zucken, sondern nur [einem Feinde verächtlich ins Angesicht spucken durfte. (Dies war ein ungeschriebenes Gesetz: weh« dem, der es je verletzte!)

Und die Büchse sprach, und das Feuer rauchte, und der Skalp wurde durch die Luft aeschwenkt, als wenn's ein Taschentuch wäre. Wir sagten da­malsHugh" undPsaw", wie man heuteGuten Abend" oderProst" sagt. Worte wieBlitz und Donner",elendes Bleichgesicht",räudiger Cojote" undmodernde Gebeine* gehörten gewissermaßen zu unserer Umgangssprache: des ,Kricgspfads" und derFriedenspfeife" gar nicht zu gedenken.

Oberhesien.

Landkreis Gießen.

L. Wiefeck, 23. Febr. Rach längerer Pause fand gestern abend wieder eine öffentliche D e - meinderatssihung statt. Bürgermeister S ch o m b e r teilt« zunächst mit, daß das Landes- arbeits- und Wirtschaftsamt dem früheren Ge­such der Gemeinde um Gewährung eines Dar­lehens zur Deckung der Feldbereini- gungskosten insoweit entsprochen habe, daß der Gemeinde nunmehr ein solches von 5000 Wk. au 7,5 Prozent Zinsen gewährt würde. Der Ge­meinderat billigte die Annahme dieses Darlehens, da es für die Gemeinde immerhin eine kleine Er­sparnis bedeute. Ein Gemeinderatsmitglied,, das an den Feldbereinigungsarbeiten Kritik übte, mußte sich dahin belehren lassen, daß nur be­stimmte Beweise zur Abstellung von ülebelstanden maßgebend sein könnten. Dem Gesuch der Ge­meinnützigen Baugenossenschaft um Erhöhung der Anteile der Gemeinde mußte ent­sprochen werden, da die Gemeinde Mitglied der Genossenschaft ist und 50 Geschäftsanteile besitzt. Es soll jedoch von der ratenweifen Einzahlung Gebrauch gemacht und di« Zahlung aus 3 Iahr« verteilt werden, lieber die Anschaffung einer Waf serpump« für etwa vorlommende Rohrbrüche war der Gemeinderat geteilter Meinung, jedoch beschloß er die Anschaffung und bewilligte den dafür geforderten Kredit. Dem Antrag der Invaliden entsprechend sollen in den Fürsorgeausschuß 2 Vertreter der Invaliden ausgenommen werden. Eine rege Aus­sprache brachte die Gewährung der von Staat und Kreis vorgesehenen Winterbeihilfe für Bedürftige. War unsere Gemeinde be­reits durch die Abgabe von 4 bis 5 Ztr. Brenn­stoff an die Erwerbslosen den Verhältnissen vor­aus. so stimmte der Gemeinderat doch der wei­teren Abgabe unter Berücksichtigung der ge­gebenen Bestimmungen zu. Eine Eingabe der über 200 Erwerbslosen unseres Dorfes an Landes- und Reichsregierung über die Erwerbslosenfürforge machte sich der Gemeinderat einstimmig zu eigen und gibt die Forderung an die genannten Stellen weiter. Da sich für dieses Iahr 23 Baulustige gemeldet haben, fühlt sich Bürgermeister Schorn de r ver­pflichtet. von einer Verfügung des Kreisamts über das Wohnungsbauprogramm 1 929 dem ©emcinöerat Mitteilung zu machen. Wie daraus ersichtlich, sind die Aussichten nicht allzu rosig. Da jedoch Wieseck als Dotgemeinde anzusehen ist, darf immerhin mit der Zuwei­sung einer entsprechenden Summe aus den Mit­teln der staatllchen Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz gerechnet werden. Wenn darüber hinaus ftaatfuf)« Darlehen von 35 Proz. des zu erbauenden Anwesens beschafft werden können, dürste mancher Wohnungsmangel wieder be­hoben werden. Die ganze Angelegenheit wird zur Klarstellung der Baukomm f ion überwiesen. Bei einigen Staatsbaudarlehen ist den Be­treffenden ein erhöhter Zins- und Tilgungssatz angerechnet worden, der ihnen zurückvergütet wird. Heber die unhaltbaren Zustände an der Möser st raße haben die Anwohner bereits die Oesfent.'ichkeit unterrichtet. Gerneindcrat Rößer fühlt sich verpflichtet, eine Verbesse­rung anzuregen. Er ist der bestimmten Meinung, daß nur die Kanalisation abhelsen könne. Auch wird von ihm die B e l e u ch t u n g an dem Dorfausgang bemärgelt. Dieser Mangel soll bei der Umänderung des Ortsnetzes behoben werden. Ein Hausbesitzer, dem das Baukapital gekündigt war. hat hiergegen Berufung eingelegt, jedoch wird der Gemeinderat bei seinem Beschluß bleiben.

V Mainzlar, 22. Febr. Am Mittwoch wurde unter zahlreicher Beteiligung der letzte Kriegsteilnehmer von 1 870/71, Land­wirt Heinrich Grölz I., zu Grabe getragen. Der Veteran erreichte ein Alter von 79 Iahren. Der Krieger- und Schützenverein, dessen Mitglied Grölz war, gab ihm das letzte Geleit und am Grabe die übllchen Ehrensalven ab. Dieser

Größe ves Geschehens. Auf Vieser harmlosen, mit einer zentralistischen Briefmarke bepflasterten Postkarte welche Wendung des Schicksalsl 2a in München, ög reden die Minister, abet in Tegernsee, da handeln die Männer. Denn Bayern läßt sich nicht mit dem verruchten Finanzausgleich aushungern: im Gegenteil, jetzt wird Der Spieß umgedreht: Handelsirieg. keinen Pfennig mehr nach Preußisch-Berlin! Das hat der Ministerpräsident Braun von feinen un­zarten Sitten und Gebräuchen. Rach Tegern­see aber werden noch die spätesten weitzblauen Geschlechter wallsahren. es wird zum Mekka des bayrischen Vaterlandes werden, denn Herr Lan­des der kein Generalstaatskommissar. sondern bloß ein Kunst verlegender, schlichter Bürger ist, hat nicht nach den berühmten 51 v. H. Sicherheit gefragt, sondern ganz -einfach los- geschlagen. Der Mann verdient ein Denkmal! ilnö wie froh werden erst die Tegernseer Hotel­besitzer sein, daß sie in Zukunft vor der preußl- scheu Invasion, vor all den Rückenbeuteln und Alpenstangen sicher sind. Oder gilt der Han­delskrieg nur für tote Gegenstände, und nicht für lebende Berliner, die Geld ins Land brin­gen? Das wollen wir denn doch nicht annehmen.

Merkwürdige Erinnerungen tauchen auf, man in alten Büchern stöbert. Es gab einmal eine Zeit, da lebte man ganz und gar in jener Welt, die uns heute sehr srernd geworden ist. Die Welt bestand vornehmlich aus Urwald, Fluß und Prärie, aus Zelten, Blockhäusern und Wigwams: dies alles wiederum war bevölkert von Rothäuten und Bleich-

Tegernsee, 9. Febr. 1929. V. P.

Veranlaßt durch die schäm- und ehrlo'e, rigoros politische Behandlung Bayerns von Der.in aus, ist Berlin von Bayern aus der Handelskrieg erklärt. Kein Bezug und keine Bestellung nichts mehr von Berlin.

Achtungsvoll Ludwig Landes.

Antwort auf Ihr Schreiben vom 5. Februar 1929.

Es gibt Augenblicke in der vaterländischen Geschichte, wo man schweigt, erschüttert von der den Vorzug gab, Biz Durchdüngung der Epoche mit ethischer Zie klarheit. in derSturmflut' (1876) die Gründeeze.t der Mckliardcnjahre aus Ber.ins erster Weltstadtperiode, inWas will das werden?" (1887). bie allmähliche Er- starkung der Sozia, de.nolratie, imReuen Pharao" (1889) die Zeit der Attentate Hödels und Robi.ings auf Kaiser Wilhelm I. im Gegen- satz zum 18-8er Idealismus, inFaustul u s ', (K97) die Riehschemode des ülebern.e.rschen und inFreigeboren" (1902), dem letzten Ro­man. die Ber.iaer Gesellschaft zur Jahrhundert­wende. Die zweite Jahrhunderthälfte wird uns aiso hier mit de.i Augen eines Temperamentes und einer ehr.ichen Persönlichkeit gegeben; in einer Form, die freilich ebenso zeitgebunden ist wie der S oif und darum bei a.Ier Anerkennung, die man E nze szenen. etwa der Schilderung der großen Ostsre-S.urmf.ut vom Rovember 1872 im g eichr.ami/e.i Roman oder den vorpommerichen Landschastsoiideen. zollen kann, doch veraltet ist, wie eben zeitgebundene Ma er von Kaulbach bis K aus. von Makart bis Piloty auch nur noch historisch' zu ertragen sind.

Sucht man aber Spielhagen, den von aller Parteipolitik reinen Geist, so findet man ihn in ieinen ausgezeichneten Beiträgen zur Technik des Romans, die auch heute noch nicht übertroffen wo.den sind. ilnö sucht man Spielhagen, den Dichter, der sich in seinen Romanen stets durch den zeitgenoisischen Agi a.or erschlagen ließ, so finöet man ihn in einigen seiner kleinen Ro» ve.len. in denen er pommerschrs Land und Seren «aus Liebe zur Heimat gesta.tet. Es wäre kein Fehler gerce en, wenn der Verlag L. Staackmann, der den Agita.or und Lugen, nachdenklichen LebenLkenner durch Dr. E.la Mensch in einem ,Cp'.L.l.a^« -D ea e/4Erlebtnoch immer! feiert, den M.'isterrornanen auch einen Band dichterischer Novellen angefügt hatte, denn mit ihnen wird Spielhagen fortleben, wenn sich um feine Romane nur noch der Kulturhistoriker kümmern wird. Des ist das Schickiol der Zeit­romane. daß sie bei großer Wirkung in ihrer Zeit schnell veralten und Material der Kultur­geschichte werden. Das sollten die heutigen modi- schen Lobpreiser des Zeitromans an Spielhagens Beispiel lernen und wieder der reinen Dichtung

Tage wurde bet anfangs Dezember st illge- legte Steinbruch Saubringen der hie­sigen Firma Scheidhauer & Gießing wieder i n Betrieb genommen. Dadurch sank die Arbeits- losenziffer in unserer Gemeinde auf 7 Haupt- unterstühungsempfanger.

(D (3 r ü n i n g e n , 22. Febr. Die hiesige Spar- und Leihkasse hielt dieser Tage unter dem Vor­sitz ihres Direktors Arnold die diesjährige © e - neraloersammlung ab. Direktor Arnold erstattete den Bericht über den Geschäftsverkehr und über die Iahresrechnung für 1928. Der Rein­gewinn wurde dem Reservefonds gutgcschrieben. Den bisherigen Vorstand wählte man durch Zuruf wieder. Weiter wurde die Anschaffung einer großen Hederichspritze beschlossen.

> Holzheim. 22. Febr. Im LNter von 76 Jahren starb der in ganz Oberhessen und darüber hinaus bekannte Bächerbote Friedrich Möser. Der Verstorbene, ein geborener Eich Als­dorfer. stand ein halbes Jahrhundert ununter­brochen im Dienste der Inneren Mission. Zuerst betätigte er sich für den Rassauischen Kolportage­verein mit dem Sitz in Herborn. Mit der Grün­dung des Wartburgvereins .in Hes'en trat er in den Dienst dieser Gesellschaft über und ver­breitete christliche und erbauliche Volksschristen, Kalender, Gesangbücher u. dgl. m. Besonders in den entlegenen Gebirgsdörfern war er ein oft gesehener Gast. Wenige Tage später starb einer unserer ältesten Ortsbürger, Konrad Zeih, im Alter von 87 Iahren. der unermüd­liche Vorkämpfer für den Zusammenschluß des Bauernstandes in Holzheim. Besonders in den 80er und 90er Iahren des vorigen Iahrhunderts, zur Zeit Böckels, hat er in den ersten Reihen gestanden, und er suchte des großen Dauern- sührers Gedanken in seinem Heimatort in die Tat umzusehen. Damals entstand in unserer Ge­meinde der erste Bauernbund, dessen Mitbegrün­der und eifriger Förderer der Verstorbene war.

Kreis Friedberg.

Bad-Nauheim, 22. Febr. Um die noch vorhandenen Brennstoffvorräte für das Kranken- Haus, das Konitzkystist und andere lebenswichtige Betriebe zur Verfügung au halten, werden ab Montag die Volks- und die Fortbildungs­schule auf eine Woche wegen Kohlenman­gels geschlossen. Ab Mittwoch wird auch die Oberrealschule, an der am Dienstag die Ma­turitätsprüfung stattfindet, von der gleichen Maß­nahme betroffen. Die Volksschule hat seither den Unterricht der Grippe wegen schon ausgesetzt.

WER. Butzbach, 22. Febr. Die Garn« bacher ,Z i g e u n e r s ch l a ch t" fand gestern vor dem hiesigen Amtsgericht ihren Abschluß. Die braunen Ce ellen, die damals in der Gast­wirtschaft Haase in Gambach für sich und ihre Bären Unteefunft haben wollten, bei der Verweigerung ihres Erfuch.ms aber rabiat wur­den und die Hauseigentümer und andere Orts­bewohner bedrohten, später durch die Butzbacher Schutzpolizei festgenommen und nach hier ver­bracht werden mußten, wurden zu drei Wo­chen Gefängnis verurteilt. Durch die er­littene ^Untersuchungshaft wurde die Strafe als verbüßt erachtet.

CO Nieder - Florstadt, 22. Febr. Einer hie­sigen Frau rutschte die Leiter aus, als sie auf den Futterboden steigen wollte. Die bedauerns­werte Frau kam dadurch zu Fall und blieb mit einem Arm an einem Haken hängen, der unterhalb der Leiter angebracht war. Der Haken ging am Ellenbogen in den Unter­arm und rißdiesen biszur Hand auf.

Kreis Schotten.

X Schotten, 22. Febr. Durch eine hochher­zige Spende des hier geborenen Iulius o t c r n zu Leipzig hat unser neues Krankenhaus eine moderne Radioanlage erhalten. Die Kranken werden diese Einrichtung, die'ihnen et­was Ablenkung auf ihrem Krankenlager bringt, freudig begrüßen. Herr Stern ist es auch ge­wesen, der für die Einrichtung des Krankenhau­ses zwanzig sehr geschmackvolle Bilder gestiftet hat, die eine schone Zierde der Krankenzimmer bilden. Tie Anhänglichkeit des Herrn Stern an seine alte Heimat wird h er sehr d mfbar empfun­den. Das neue Krankenyaus ist Dauernd gut be­legt; von der besonders eingerichteten geburts­hilflichen Station wird gern und viel Gebrauch gemacht. Gestern verstarb der langjährige frühere Beigeordnete und Angehörige des Ge­meinderats der Stadt. Kanzleirat Iohannes Z i n- f e r. Groß sind die Verdienste deS Heimgegange-

Der Tiger war hin. Und der Mann aus England mit der kurzen Pfeife war fürs erste gerettet. (Später freilich, im Labyrinth, als di« Sache mit dem griechischen Feuer losging Sie wissen doch noch, was es damit auf sich hat?, da halte er beinah dran glauben müssen. Beinah. Er entrann aber dem Feuer sowohl wie den Krokodilen und dem Sumpffieber.)

Wir lächeln heute über diese Dinge ... und dar­über auch, daß wir sie nicht vergessen haben. War Haden wir feit jener Zeit, als solche Schmöker uns geliebter Besitz waren, nicht alles gelesen, gesehen und erlebt ... wie weit, wie fern, wie versunken liegt das alles hinter uns. Nur manchmal, beim Kramen und Stöbern, durch einen Zufall, kommt einem das wieder in die Hand. Zerfledert, zerlesen, beschrieben und furchtbar verstaubt ...

Und bann erweist es sich auch, wie fest diese frühen Eindrücke in uns haften geblieben sind. Ein­zelnes werd« ich sicherlich noch wissen, wenn ich. was ich nicht hoffe, ein fteinalter Mann werden sollte.

Noch heute überläuft es mich, wenn ich an eine nächtliche Meuterei im Stillen Ozean denke, ober an jene Schiffbrüchigen, die aus gekentertem Book mitten zwischen die Haifische fielen, ober an den Mann, der den roten Ibis schießen wollte auf em* [amer Insel, dem sein Doot wegtrieb und der von Alligatoren belagert wurde ...

Unvergeßlich der Jäger Cumming, der von einem angeschossenen Düsfelbullen zweimal auf bte Hörner genommen wurde und doch mit dem Leben davonkam. Unvergeßlich die Geschichten vom Störte- bccker, vom Durenkricg und vom Seegefecht bei Iaemund.

Unvergeßlich aber auch derRobinson". Roairson und Freitag und die Lamas und der Ginbaum und die wilden Insulaner und die Burg und b:r Pa> pagei und der feuerspeiende Berg. Nicht ganz fo oft wie denGaucho" und dasLabyrinth" und den Letzten vom Admiral" habe ich denRobinson verschlungen. Dennoch unvergeßlich, obschon wir damals kaum wußten, daß wir mit ihm nicht allein eine Räuberpistole, sondern wohl auch so et®09 wie ein Stück Weltliteratur in den jungen Händen hielten.