Ausgabe 
23.1.1929
 
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auf Qtenft haben. Auch weiteren tutrO Wohl noch mit einem Ansteigen der Zähl der Kriegsbe­schädigten, der Witwen und der ventenberech-trgten Ellern zu rechnen sein, während die Zahl der zu versorgenden Waisen naturgemäß abnimmt. Aach einer im Mai 1928 vom Reichsarbeitsministerium veranstalteten Zahlung waren versorgungsberech­tigt: 761 294 Beschädigte, 28 917 Kapitulanten, 359 560 Witwen, annähernd 800 000 Waisen und über 222 000 Eltern und Clternteile.

Die Zahl der von 1870/71 und früheren Krie- gen noch Deteranenbeihilfe beziehenden Ernp- fänger belauft sich gegenwärtig immerhin noch auf rund 60 000. Allerdings werden für die "Ren­ten dieser Veteranen im Etat nur 15 Millionen ausgegeben.

Das Arbeiisschutzgesetz.

Weitere Verschiebung bis zum Sommer.

Berlin, 23. Jan. (Priv.-Tel.) Das Arbeits- ichukgesetz, das die Reichsregierung schon seit einer Reihe von Jahren beschäftigt, scheint eine Fülle von Zchwirrixkeeten mit sich zu bringen. In der gestri- aen Kabinettssitzung spielte das Gesetz, wie wir hören, wiederum eine große Rolle, da der Reick)s- arbeitsminister, nachdem der Reichsrat einige 23er« änderungen oorgenommen hatte, im Reichstag das Gesetz in Form einer D o p p e l v o r l a g e einbringen wollte. Die sozialdemokratischen Mini­ster wurden aber überstimmt, da auch das Zentrum seine Bedenken hatte. Das Gesetz geht nunmehr in der veränderten Fassung des Reichsrates, der auf Wunsch Württembergs für d i e kleineren Betriebe unter fünf Arbeiter, bei denen die Be« stimmungen über die Arbeitszeit nicht gelten sollen, eine Art Ausnahme st ellung aeschassen hat, dem Reichstag zu. Aber niemand sieht den Verhandlungen im Reichstag mit besonderem Op­timismus entgegen und vor allem das Zentrum nicht, das auf der einen Seite Mittelstandsinter- essen vertreten muß und gleichzeitig auf seine Ar« beiterwähker Rücksicht zu nehmen hat. Daher macht sich die Tendenz geltend, angesichts der anderen vordringlichen Arbeiten die Beratungen des Ar­beitsschutzgesetzes weiterhin zu verschieben, so daß frühestens im Sommer, wahrscheinlich aber erst im Herbst, das Plenum sich mit Dem Arbeitsschutz- gesetz befassen wird.

Wartegeldempfänger.

Versetzung in den endgültigen Ruhestand.

Berlin, 23. Ian. (DDZ.) Der Reichs- finanzminister legt dem Reichstag den erbe­tenen Gesetzentwurf über die Wartegeldemp­fänger vor. Der Reichs rat hat diesem Entwurf, der oerfassungsändernd ist, mit der vorgeschrie« denen Stimmenzahl z u g e st i m m t. In der Begründung wird u.a. Darauf hingewiesen, es er­scheine unerträglich, unbeschaftigtenWarte« geldempfängern verhältnismäßig h o h e B e ° Züge zu gewähren und daneben voll zu be­zahlende Kräfte in den Reichsdienst neu einzustellen. Durch Gewähruna von Vergünstigung sollen diejenigen, die nicht mehr voll dienstfähig sind oder eine Wiederverwendung nicht mehr erftreoen, veranlaßt werden, sich freiwillig in den endgültigen Ruhestand versetzen zu lassen. Für Wartegeldemvfänger, die wegen ihres Alters kaum noch verwendet werden können, ist der Uebertritt in den endgültigen Ruhestand vorgesehen, wenn sie von der Bergünstigung des freiwilligen Uebertritt« keinen Gebrauch gemacht haben.

Das hessische

Gemeindebeamtengesetz.

Di« Gewerkschaft hessischer Gemetndebsamten hat, wie man uns mitteilt, bereits im Zähre 1927 der Öffentlichkeit den Entwurf eines hessischen Gemeindebeamtengesehes vorgelegt. Der von dem Minister deS Innern dem Hessischen Landtag zur Beratung zugestellte Entwurf eines hessischen Gemeindebeamtengesetzes verwirklicht in seinem Ausbau und in einigen grundsätzlichen Fragen die von der Gewerkschast hessischer Gemeiirdebeamtrn ausgestellten Forderungen. Zu den einzelnen Ar­tikeln des RegierungsentwurseS hat die Gewerk­schaft Gegenvorschläge ausgearbeitet, denen wir insbesondre den Antrag entnehmen, die Be­stimmung, wonach in Gemeinden unter 2000 Ein­wohnern zur Errichtung von Deamtenstellen die Genehmigung der Aufsichtsbehörde erforderlich sein soll, zu streichen Der Kündigungsschutz soll in sinngemäßer Angleichung an die für in« künd­baren Reichsbeamten geltenden Vorschriften ver­bessert werden und eine Bestimmung Aufnahme finden, wonach den Gemeindebeamten gegen ihre Entlassung das Recht der Klaneerhrbung zusteht. Schließlich wird noch die Loslosung des Dienst­strafrechts von der Derwaltungsgerichtsbarkeit und die Schaffung von besonderen Dienststrafge­richten gefordert.

Das Hauptverfahren gegen den Farmer Langkop eröffnet.

Berlin, 22. Ian. (WTB.) Die Strafkammer deS Landgerichts II unter Dorsitz von Land- aerichtsdirektor Hartmann hat das Hauptver- fahren in dem Strafprozeß gegen den Farmer Heinrich Langkop und den Kaufmann Fritz Loofs eröffnet. Rach diesem Beschluß wird Langkop unter Anklage gestellt wegen räuberischer Erpressung. Vergehens gegen das Spreng- ftoffgesetz, unbefugten Waffenbes itzes und in zwei Fällen wegen Rötigung mit Totschlagsbedrohung gegenüber dem Präsidenten Karpinski vom Reichsentschädigungs­amt und dem stellvertretenden Präsidenten, Ge- peimrat Vach, denen er mit Erschießen gedroht hatte. C gen Loofs ist das Verfahren eröffnet worden wegen Beihilfe zur räuberischen Er­pressung und zum Sprengstofsvergehen.

Die Porträts der Präsidenten des Reichstags.

Berlin, 22. 3an. (XU.) Die Porträts der Präsidenten des Reichstags, die in den Foyers der Reichsregierung und des Präsidiums ange­bracht find und die Geschichte des Reichstags bis zu den Anfängen zurück in die Erinnerung rufen, sind nunmehr durch die Bilder der Präsi­denten Dr. David und Wallraf bis auf den jetzigen Präsidenten vervollständigt worden. Dos Bild deS Präsidenten Fehrenbach, der zwischen der Amtszeit von Dr. David und Wallraf amtierte, ist schon seit einigen Jahren aufgehängt worden. Dr. David war der erste Präsident der R o t i on a lversa mm- l u n g in Weimar, wurde am 7. Februar 1919

Preußen und die Große Koalition.

Oer ewige Kreislauf.

Von unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 23. Ian. 3n den nächsten Tagen will nun der Reichskanzler die Verhand­lungen über die Bildung der Großen Koa­lition durch Besvrechungen mit den Partei- führern offiziell eröffnen. Ob er sich großen Er­folg von feinen Bemühungen selbst verspricht? Wir glauben es nicht. Er kennt die Hemmungen, die auf feinem Wege liegen, mehr als genug, er kennt besonders die Schwierigkeiten, die ihm von seinem Parteifreund Braun in Preußen gemacht werden. Herr Braun soll neuerdings im intimeren Kreise wieder einmal abgewinkt und erllärt haben, er denke garnicht daran, über eine Erweiterung seiner Regierung von sich aus zu verhandeln. Das wird vermutlich abgestritten werden, dürfte aber ebenso wahrscheinlich trotz­dem richtig sein. Herr Braun sitzt nun einmal auf einem sehr hohen Pferd. Er ist stolz, daß die Wahlen ihm in Preußen eine Zufallsmehrheit von wenigen Stimmen in den Schoß geworfen haben und glaubt, daß er es nicht nötig hat, sich durch Hinzunahme der Volkspartei irgend­welche Unbequemlichkeiten zu bereiten. Er über­sieht dabei nur, daß die Mehrheit, die er hat, viel zu schwach ist, um damit irgendetwas anfangen zu können.

Tatsächlich stockt in Preußen die ganze Reaie- rungsmaschine feit Jahren schon vollständig. Man arbeitet auf, soweit man kann, aber grundsätzlich etwas Neues zu schaffen, wagt man nicht, weil eben

die Mehrheit nicht zu bekommen ist. Und das wird auch nicht anders werden, solange Herr Braun sich nicht dazu entschließt, in den sauren Apfel zu beißen und auf die Gefahr hin, dem Zentrum wehe zu tun, einige Ministersessel Der Volkspartei frei- macht. Er weiß, daß im Reich an irgendwelche Fortschritte nicht zu denken ist, solange er in P r e u° ß e n nicht Ordnung geschaffen hat. Halbe Zusagen hat er mehr als einmal gegeben, aber immer nur, um hinten herum sofort wieder das Gegenteil zu tun. Das ist auf die Dauer ein unwürdiges Spiel, wodurch die Politik Hermann Müllers im Reich, die ja ohnehin nicht auf Rosen gebettet ist, nur unnütz erschwert wird.

Denn auch im Reich bewegen sich die Dinge i m Kreise, der gute Wille zur Koalition ist vorhan­den, zumal das Zentrum drängt, jetzt, well es ganz gern feine Beteiligung an der Regierung zahlenmäßig verstärken möchte, aber die Sozial- öemofraten verspüren keine große Neigung. Sie fühlen sich bei dem augenblicklichen Interimisti­kum ganz wohl, das ihnen die Vorteile der Regie- ! rung in den Schoß wirst, aber Die Verantwortung nur zur Hälfte'aufdrängt und möchten deshalb gern diesen Zustand fortsetzen, wenigstens so« ; fange, bis die Steuern angenommen sind, große Neigung zu ernsthafter Bindung ist auch im Reich bei den Sozialdemokraten nicht vorhanden, und scr ergibt sich das etwas merkwürdige Schauspiel, daß gerade diejenigen Parteien, die auf ihrem Partei­programm Förderung und Stärkung des Parlamen- { tarismus stehen haben, durch ihre Taktik am mci» ! sten dazu beitragen, den Parlamentarismus zu schädigen und ihn in Der Folge lächerlich zu machen.

Georg« als Führer der Oppositionsparteien, bei der kommenden Untersuchung mit der Regie­rung zusammenzuarbeiten.

Aus aller Wett.

Das Zuchthaus Sonnenburg.

In Dem großen Prozeß gegen 24 Beamte der Strafanstalt Sonnenburg, die des Diebstahls, der Hehlerei, Unterschlagung und Derle tung zum Meineide beschuldigt werden, bestritt Ob:rwacht- meister Koppen, sich unrechtmäßig bereichert zu haben. Welchen Umfang die Durchstechereien mit Lebens- und Genußmitteln im Zuchthaus Son­nenburg angenommen hatten, geht daraus hervor, daß bei einem einzigen Gefangenen einmal 17 Pakete Tabak beschlagnahmt wur­den, bei einem anderen ganze Pakete Schmalz. Butter und Speck. Der Staats­anwalt betonte hierzu, daß nach Bekundungen von Sträflingen diese Durchstechereien von Be­amten selbst verübt worden seien, und zwar in der Hauptsache für die in der Schneider­stube tätigen Gefangenen. Aussehen erregte die Mitteilung, daß dem Strafgefangenen Paasch, einem Mörder, bei Einleitung der Untersuchung wegen der Unterschlagungen nicht weniger als 12 Schlüssel zu allen möglichen Türen und Portalen abgenommen wurden, die er von dem Werkmeister Graf von der Firma Schwarzschild erhalten habe. Zur S. rache kam ferner, daß sich unter dem der Firma Schwarzschild zur Alt­verwertung" übergebenen Heere gut zum Teil nagelneue Drillichjacken befanden, die noch mit dem Fabrikation etikett versehen und noch nicht getragen waren. An die Beamten des Zuchthauses wurden Drillichhosen für eine Mark, Drillichjacken für 1,25 Mk. abgegeben, zu entspre­chend niedrigen Preisen auch sonstige Kleidungs­

Wie polens MindecheiLenpoü'iik in Wahrheit anssiehi.

Eine Antwort an den Außenminister Zaleski.

Warschau, 22. Jan. (WTB.) Heute mittag begann im Auswärtigen Ausschuß des Polni- chen Landtages die Aussprache über das EffposK des Ministers des Auswärtigen Zaleski. Der Sprecher der radikalen Bauernpartei, G r a - linski, wünschte vorn Minister eine genaue Er­klärung über den Stand der Rheinland­räumungsverhandlungen zu erhalten^ insbesondere, ob hierbei die 3nteressen Polens genügend gewahrt seien, da, wie er erklärte, in der Reichsregierung auch General Groener sitze, dessen Denkschrift das polnische Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Absichten dieser Regierung untergraben müsse.

Der Führer der Deutschen In Polen, Ab­geordneter Baumann, wendet sich dann gegen daS unlängst einer amerikanischen Presseagentur gegebene Interview des Außenministers Z a- leski, worin dieser der deutschen Min­derheit staatsfeindliche Gesinnung vorwarf und die Haltung der deutschen Min­derheit in Gegensatz zu der der anderen Min­derheiten Polens stellte. Abgeordneter Raumann bezeichnete es als falsch, wenn behauptet werde, daß die deutsche Minderheit in Dolen besondere Privilegien besitze; im Gegenteil beweise die Tat­sache, daß ein Mann wie der ostoberschlesische Woiwode Grozinski als Vertrauens­mann der Aufständischen seine deutsch­feindliche Politik fortsetze, daß noch immer die vom ehemaligen Ministerpräsidenten Si'orski ge­pflegte Parole: .Sntdeutschung des Lan­des" in Geltung sei. Auch in dem Intervcew des Außenministers Zaleski klinge Der Gedanke des polnischen Rationalstaates durch, wenn es dort heißt, .daß Der Korridor in ethnogra- phischer Hinsicht rein polnisch wäre". Es sei schwierig, von Der Deutschen Minderheit freu­dige staatsbürgerliche Pflichterfüllung zu erwar­ten, wenn man nach wie vor deutsche Schu­len schließe, wenn man die deutschen Kinder zwinge, polnische Schulen zu besuchen, wenn man Deutschen gegenüber, die ein Anwesen er­werben, das Vorkaufsrecht geltend mache, wenn man deutschen Gewerbetreibenden durch Konzessionsentziehung die Existenz- möglichkeit nehme, wenn man endlich in Ober­schlesien unter Anwendung von Druckmitteln und unter Mißbrauch Der Amtsgewalt Die Deut­schen Direktoren unD Angestellten und Arbeiter durch Polen ersetze.

Deutsche Gchulleiier vom Amte suspendiert.

K a t t o w i h, 22. 3a n. (Täl.) Nachdem erst vor einigen Tagen der Rektor dec Minderheiten- Knaben-Mittelschule. Urbane!, der Vorsitzende des Verbandes deutscher Lehrer in Polen, ohne Angabe von Gründen vom Amte sus­pendiert worden ist, sind jetzt auch die bei­den Rektoren an Der MinderheUen-Dolks- schule in K a t t o w i tz von der Knaben- und MäDchen-Mittelschule plötzlich mit sofortiger Wir­kung ohne Angabe von Gründen ihres Amtes enthoben worden. Es sind dies Die beiden sich zur deutschen Minderheit belennenden Sief- toren Soika und B o n i a. Für den einen ist bereits ein polnischer Lehrer als Ver­treter verpflichtet worden, obwohl nach Dem sonst üblichen Verfahren der dien st älteste Lehrer, Der aber Der deutschen Minderheit angehört, mit der Vertretung hätte betraut werden müssen. Oer polnische Handelsvertrag.

Polens Zollvorschläge immer noch ungenügend.

Berlin, 23.3an. (Priv.-Tel.) Obwohl sich Die nunmehr endlich Deutschland überreichten polnischen Zollvorschläg« noch nicht im einzelnen überblicken lassen und die pleberprü- fungen im Auswärtigen Amt noch nicht abge­schlossen sind, glauben wir doch auf Grund von Warschauer Informationen entgegen anderen Meldungen fest stellen zu können, daß auch diese neuerlichen Zollvorschläge den in der seinerzeiti­gen deutschen Rot« aufgestellten Forderun­gen Deutschlands nach keiner Rich­tung hin vollauf genügen können. Ge­wiß hat Die polnische Regierung diesmal ihre Vorschläge entsprechend den deutschen Wünschen präzisiert und in manchen Punkten «in ge­wisses Entgegenkommen gezeigt. Es wird aber voraussichtlich noch mancher Beratungen bedürfen, ehe eine Verständigung erzielt werden kann. Ob und wann der deutsche Delegationssührer Dr. Hermes sich wieder nach Warschau begeben wird, hängt noch davon ab, zu welcher Stellung­nahme Die Deichsreg'.erung bei der pleberprüfung der polnischen Vorschläge gelangt. Aller Wahr­scheinlichkeit nach werden aber weiter« Be­sprechungen bald erfolgen, ohne daß man dabei aber schon heute sagen kann, warm es end­lich einmal möglich fein wird, den Handels­vertrag mit Polen abzuschließen.

in der zweiten Sitzung der Rationalversamm­lung gewählt, trat aber nach wenigen Tagen wieder ab, als er nach der Wahl von Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten in das Ministerium eintrat. An seiner Stelle wurde Fehrenbach in der 7. Sitzung am 14. Februar gewählt. Der bis zum Jahre 1920 das Präsidium führte. Darauf folgte Präsident L ö b e. der in Der zweiten Wahlperiode des Reichstags 1924 von Wallraf aogelöft wurde. Der am 28. Mai 1924 zum Präsidenten gewählt wurde und fein Amt bis zum 20. Oktober, D. h. bis zur Auf­lösung des Reichstags, führte. 3n Der Dritten Wahlperiode folgte Dann wieder bis heute Prä­sident ß 5 be. Das Porträt von Dr. David ist von Eugen Spito gemalt, dasjenige von Wallraf durch Professor Hugo Vogel. Letz­terer war bei der Aufhängung Der Bilder zu­gegen. Zur Ausführung eines Bildes des Präsi­denten Löb« ist Professor Leo Samberger in München in Aussicht genommen.

Der Kanaltunnel.

London, 22. Ian. (WB.) 3m Unterhaus sagte in Beantwortung einer Anfrage Premier­minister Baldwin: Angesichts des weitgehen­den öffentlichen 3nteresses an Dem Plan eines Tunnels unter Dem Aermelkana l ist die Regierung zu der liebe r^eugung gelangt, daß sie bereit ist, die Frage einer erneuten gründlichen Prüfung zu unterziehen. Baldwin erflärte, daß Die wirtschaftliche Seite der Frag« gemeinsam mit Der Frage derR e i ch s- Verteidigung untersucht werden müsse und daß es notwendig sei. eine Überparteiliche Untersuchung zu veranstalten. Damit die schließlich« CntscAidunH einer Reg erung nicht durch eine späte« Regierung uingestoßen werd«. Er ersucht« deshalb Macdonald und Lloyd

stücke. Sehr anschaullch schilderte der Oberwachk- meifter Dargel, der 36 Dienstjahre hinter sich hat, die Damaligen Zustände in Sonnenburg. Wenn Die Beamten in di« Arbeitssäle tarnen, wurden sie mit »Rotfron t"- undHeil Moskau'-Rufen begrüßt. Der Beauftragte des StrafvollzugsamteZ Staats rnwaltschastsrat Knobloch, als Sachverständiger, äußerte sich zu­nächst allgemein über Die Einrichtung des Alt- vcrwertungsbetriebos in wonnenburg. Schon bald fiel es auf, wie groß Die Zahl Der Zivilbe­völkerung in Sonnenburg war. Die Militär- Leiber und --stiefel trug. Was Die Disziplin in der Strafanstalt betrifft, so lagen die Verhält­nisse hier im argen, weil sehr viel schwierige Gefangene untergebracht waren, die dem Direktor mit Wünschen und Beschwerden zusetztcn. Es seien Disziplinlosigkeiten e.ngeireten, wie sie hier von den Beamten richtig geschildert worden seien.

20 tote bei einem Zusammenstoß zwischen Autobus und Straßenbahn^

Mährend eines Schneesturms fuhr ein elektrischer Straßenbahnwagen der Lake-Shore-Vor- orkbahn an einer Straßenkreuzung 4 n einen Passagierautobus, der sich auf der Fahri von Pittsburg nach Chikago befand. Rach den bis­her vorliegenden Berichten find dabei zwanzig Passagiere des Omnibusses getötet rooTbcn. Der Zusammenstoß erfolgte mit solcher Ducht, daß der Autobus in einen Graben geschleu­dert und völlig zertrümmert wurde, wahrend der Straßenbahnwagen entgleiste und auf den Auto­bus stürzte. Die Trümmer des Autobusses hatten sich derart in die Vorderachse des Straßenbahn­wagens eingekeilt, daß es zwei Stunden dauerte, ehe die Rettungsarbeiten soweit vorgeschritten waren, daß die ersten Leichen geborgen werden konnten. Von den Passagieren des Stra­ßenbahnwagens wurde, soweit bekannt, niemand ernstlich verletzt, doch befürchtet man, daß sich noch weitere Leichen unter den Trümmern des Auto­busses befinden. Der Führer des Artvomnibuffes blieb unverletzt und erkla.cke, er sei durch den Schnee geblendet worden und habe den her­annahenden Straßenbahnwagen nicht gesehen.

Schweres Crplosionsunglück.

In Meggen (Sauerland) explodierte auf dem Blechwalzwerk Chriftinenhütte eine Sauerstofflasche. Außer mehreren Leichtverwundeten wurden zwei Arbeiter schwer, ein Arbeiter tödlich verletzt. Er hinterläßt eine Frau und mehrere unmündige Kinder. Durch die Gewalt der Explo­sion wurden in der Abteilung des Walzwerks samt« liche Fensterscheiben zertrümmert.

Die Tragödie eines Staatenlosen.

Der Arbeiter Johann Szatan in Mährisch-Weiß erschoß in einem Hotel seine Frau, sein achtjähriges Töchterchen und sich selbst. In einem hinterlassenen Briefe gibt er an, daß ihm weder Polen noch die Tschechoslowakei die Staatsbürgerschaft geben wollten. Da er keinen Paß erhielt, konnte er auswärts keine Arbeit finden und deshalb erschoß er sich und seine Familie. Man fand bei ihm noch fünfzig Heller (sechs Pfennig).

3m 104. Lebensjahr gestorben.

Bei Wangs im Kanton ©t. © allen ist int 104. Lebenswahr nach kurzer Krankheit Der älteste Bürger des Kantons St. Gallen, der ehemalige Landwirt Rikolaus Rohmer, gestorben.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

(fflte flache Tiefdruckrinne erstreckt sich.von Frank« reich bis nach Südskandinavien, in_ der ein Kern über Der Nordsee und ein anderer über Frankreich liegt. Deutschland hat infolgedessen durch die weitere Zufuhr ozeanischer Luftmassen wolkiges Wetter mit vereinzelten Regen- und Schneefällen erhalten. Die Temperaturen haben dabei eine weitere gringe Zu­nahme erfahren. Durch das Vordringen wieder kalter Luftmassen, verbunden mit erneutem Boro« meteranftieg, dürfte allmählich wieder ein Sinken der Temperaturen einsetzen.

Wettervorhersage für Donnerstag: Nebelig-wolkiges Wetter, Temperaturen schwankend, jedoch später wieder etwas tälter, zunächst noch vereinzelt« Niederschläge.

W i t t e r u n g s a u s s i ch t e n für Freitag: Meist trocken und Frostwetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 22. Januar: mittags +1 Grad Celsius, abends + 0,3 Grad Celsius; am 23. Januar: morgens + 0,6 Grad Celsius, Maxi­mum 4-1,2 Grad Celsius, Minimum0,1 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter liefe am 22. Januar: abends 0,9 Grad Celsius; am 23. Januar: morgen»0,9 Grad Celsiu».