Ausgabe 
22.10.1929
 
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Aus der pwvinzialhaupistadi.

Gießen, den 22. Oktober 1929.

Oer Keuchhusten.

Don Or. med. Moübacher, Berlin.

Mit den ersten rauhen Lagen pflegen sich die Keuchhustenerkrankungen zu häufen; sie find charakteristische Epidemien in den kühlen Monaten. Aufmerksamkeit ist also erste Pflicht der Eltern.

Der Keuchhusten gilt als eine Kinderkran k- heit. Aber schon so manche Mutter, so manche Großmama hat sich bei der Pflege des stick« hustenkrankcn Kindes angesteckt. Kein Alter bleibt verschont. Doch je jünger der Patient ist, desto folgenschwerer kann die Erkrankung sein. Fallen doch alljährlich 5000 bis 10 000 Säuglinge und Äleinkinoer dem Keuchhusten und seinen Folge- krankheiten zum Opfer. Sobald Fieber- erscheinungen während des Keuchhustens auftreten, muß an Komplikationen gedacht lverden. So kann sich im Verlauf eines Stick­hustens eine fieberhafte schwere Dronchitis, oder aar eine Lungenentzündung einstellen. Oder aber der Keuchhusten ist der Wegbereiter für die Tuberkelbazillen; langsam, schleichend ent- ; wickelt sich aus dem anscheinend harmlosen Keuch­husten eine Lungentuberkulose. Dei ner­vösen Säuglingen, die an Krampfzustän- den leiden, sind Stimmrihenkrämpfe zu befürch- j ten, die unter Umständen sogar zum plötzlichen Erstickungstod führen können. Je älter das Kind ist, desto unbedenklicher pflegt der Keuchhusten zu verlausen.

Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch, ost durch Anhusten oder Anniesen; denn in den Ausscheidungen der oberen Luftwege fin­den sich die bisher noch unbekannten Erreger dieser Infektionskrankheit. Auch schon im ersten Stadium des Keuchhustens, das sich meist als ein uncharakteristischer Schnupfen mit Husten zeigt, ist der Auswurf, das Rasensekret, mit Keuchhustenkeimen geladen. Wenn also bei einem Kind, das mit Geschwistern zusammenlebt, Keuch­husten festgestellt wird, so sind auch die anderen Kinder ohne weiteres als infiziert anzu- sehen und daher zunächst vom Schulunterricht auszuschließen. Wenn allerdings nach 14 Tagen bei den bisher gesunden Geschwistern des keuch- hustenkrankcn Kindes keine typischen Anfälle auf­treten, dann kann man wohl annehmen, daß feine Liebertragung stattgefunden hat, dah eine angeborene Unempfänglichkeit besteht.

Die Krankheit dauert etwa 2 bis 3 Monate; allerdings kommt es bei nervösen Kindern nicht feiten vor, daß die bekannten Anfälle noch längere Feit über bestehen bleiben, nachdem der eigent­liche Keuchhusten schon abgeklungen ist. Oft ge­lingt cs erst, durch einen Ortswechsel Verbringen von der Stadt aufs Land und um­gekehrt die Anfälle zum Schwinden zu bringen. Aber auch bei nervlich sonst ganz normalen Kindern kann eine übertriebene Aengstlichkeit der Umgebung ein Fortbestehen der Anfälle über die eigentliche Krankheit hinaus bewirken. Deshalb sollte man die Kinder, statt sie zu be­dauern und zu bemitleiden, lieber anhalten, ge­gen den Hu st en anzukämpfen; tatsäch­lich lernen die meisten keuchhustenkranken Kinder unter richtiger Anleitung recht bald, die Husten­stöße einzudämmen.

Die Zahl der zur Behandlung empfohle­nen Mittel ist außerordentlich hoch; zuverlässig ist keins. Am besten scheint immer noch möglichst ausgiebiger Aufenthalt in frischer Luft zu sein. Sobald Fiebererscheinungen aus treten, ober die Zahl der Anfälle sich unerträglich häuft, muß unbedingt der Arzt gerufen werden.

Oeutschnationaler Wahlvorschlag für den Kreistag Gießen.

1. Dr. Otto Lenz. Studienrat, Gießen

2. Karl Huber, Landwirt, Großen-Buseck

3. Konrad Spies, Obertelegraphen-Jnspektor, Gießen

4. Johannes Ludwig Lotz, Rektor, Gießen

5. Äkter Neeb, Bürgermeister und Weißbinder­meister, Hattenrod

6. Theodor Gernandt, Kaufmann, Heuchel­heim

7. Frau Karoline Becker, geb. Müller, Ehesrau, Gießen

8. Carl Repp, Fabrikant, Grünberg

9. Otto Belten, Landwirt, Lang-Göns

10. Hugo Lucas, Postinspektor, Gießen

LI. Philipp Keil IV., Schuhmacher, Ettings­hausen

12. Karl Jockel VIII., Landwirt, (Brünberg

LZ. Richard Jung, Bers.-Oberinspektor, Großen- Linden

14. Wilhelm Graulich, Gemeindeeinnehmer und Landwirt, Bersrod

15. Ludwig Hamel, Landwirt und Wagner­meister, Grüningen

16. Georg Becker, Bauunternehmer, Gießen.

Demokratische Wahlvorsch'äge

Zum Kreistag Gießen:

1. Dr. Leopold Katz, Rechtsanwalt, Gießen

2. Wilhelm Harbach, Maurermeister, Großen- Buseck

3. Karl Weith, Dermessungsoberinspektor, Gießen

4. Johannes Berlin III., Gemeinderechner, Lon­dorf

5. Wilhelm Erle, Lokomotivführer, Klein-Linden 6. Georg Schädel, Lehrer, Treis a. d. Lda.

Zum Provinzialtag Oberhessen:

1. Hermann Hammerschlag, Fabrikant, Gie­ßen

2 Ernst Plaag, Steuerinspektor, Bad-Rauheim 3. Daniel Schanz, Fabrikdirektor, Ober-Schmit­ten

4. Dr. Alfred Andrae, Oberamtsrichter, Orten­berg

5. Heinrich Port, Sparkastenrechner, Alsfeld

6. Albert Schmidt, Lehrer. Lauterbach

7. Heinrich Jnderthal, Rekwr, Großen-Buseck 8. Joseph Ballmert, Oberpostschaffner, Dilbel 9. Hans Schmoll Kaufmann, Nidda

10. August Modrow, Architekt, Alsfeld

11. Sally Kleeberg, Kaufmann, Lauterbach

12. Heinrich Fischer I., Landwirt, Sichenhausen.

Taten für Mittwoch 2.3. Oktober.

Sonnenaufgang 6.37 Uhr, Sonnenuntergang 16.51 Uhr. Mondaufgang 19.53 Uhr, Mondunter­gang 12.58 Uhr.

1801; der Komponist Albert Lortzing in Berlin geboren (gestorben 1851); 1805: Dichter Adalbert Stifter in Oberplan geb. (gestorben 1868); 1844: der Maler Wilhelm Leibl in Köln geboren (gestorben 1900); 1872: der französische Dichter Thcophile Gautier in Neuilly gestorben (geboren 1811).

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210220, Matte 3035, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 1012, Rotkraut 1015, Gelbe Rüben 1012, Rote Rüben 1012, Spinat 25 bis 30, Römischkohl 1012, Unter-Kohlrabi 8 bis

Wenn Ihre

Empfehlungsanzeige

in der Freitags- oder in der Samstags­nummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung

werben soll

dann geben S-e sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf

10, Grünkohl 2025, Rosenkohl 4550, Feldsalat 100120, Tomaten 2025, Zwiebeln 1015, Meerrettich 50100, Schwarzwurzeln 5060, Kürbis 58, Pilze 2530, Kartoffeln 4,55, Aepfel 10-15, Dirnen 1015, Dörrobst 30-35, Preiselbeeren 4045, Pfirsiche 4060, Zwi­schen 1015, Honig 4050, Junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100120, Gänse 100 bis 120, Rüsse 5060 Pf. das Pfund; Blumenkohl 3080, Salat 1520, Salatgurken 2030, En­divien 1015, Ober-Kohlrabi 1015, Lauch 5 bis 10, Rettich 1020, Sellerie 1030 Pf. das Stück; Käse 10 Stück 60140 Pf., Eier 1617,' Tauben 7090 Pf. das Stück; Radieschen das Bund 1015 Pf.; Kartoffeln 3,504,00, Wirsing 1215, Weißkraut 68, Rotkraut 810, Aepfel 812, Dirnen 310 Mk. per Zentner.

Bornotizen.

TageskalenderfürDienstag. Stadt­theater:Hellseherei", 20 bis 22 Uhr. Lichtspiel- haus, Bahnhofstraße:Die Verführerin" und Box­kampf Schmeling Paolino; auf der Bühne Inge Rana. Astoria-Lichtspiele:Der Postillion von Mont Cenis" undBuna, die Tochter des Korallen­riffs".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben:Der arme Heinrich", das Drama aus der deutschen Sage von Gerhart Hauptmann, das morgen abend im Stadttheater seine Erstaufführung erlebt, wird in Szene gesetzt von OberspieUeit r Hans Tannert. Er selbst verkörpert auch die Hauptrolle des Ritters Hein­rich von Aue, seine Gegenspielerin Ottegebe ist Jngeborg Scherer. Die weiteren Personen des Dramas werden dargestellt von Lieselotte Fuhrmann, Peter Fassott, Heinrich Hub, Karl B o l ck, Friedrich Zingel und den Herren Heitzig, Haeser, Linkmann, Wesener und Wolff. Inspektion Anton Wahlen. Hellseherei" beginnt heute um 20 Uhr.

Der erste musikalische Volks­kunst abend der Dolkshochsch ule wird auf Dienstag, 29. Oktober, verlegt. Von Konzert­meister Lenzewski (Violine) und Prof. K. Schmidt (Klavier) Werken drei Mozartsonaten gespielt. Konzertmeister Lenzewski wird die Sonate kurz erläutern. Siehe heutige Anzeige.

Ein Hellfeher-Experimentat- vortrag findet am kommenden Freitagabend im Cafe Leib statt. Der Hellseher Erik Jan Hanussen wird dort seine Kunst zeigen. Wie uns aus zahlreichen Zeitungsberichten über Gast­spiele Hanu.sens in anderen Städten belegt wird, hat er dort vor außerordentlich starker Dc- sucherschast stauncnerregende Erfolge erzielt. Man beachte die heutige Anzeige.

* Alfred-Dock-Feier. Der Goethe- Bund lädt im heutigen Anzeigenteil zu dem Fest­abend zu Ehren des 70. Geburtstages des Dich­ters Dr A l f r e d D o ck ein. Die Feier findet am Donnerstag, 24. Oktober, in der Reuen Aula der Universität statt. Unsere Mitbürger seien auf die Anzeige besonders hingewiesen.

** Straßensverrung. Die Verbindung zwi­schen der Hammstraße und der Wcstanlage im Zuge der Rodheimer Straße und Neustadt wird von heute ab bis auf weiteres wegen Vornahme von Straßen­

bauarbeiten gesperrt. r _

** Der Zug derSchneeganse. Am Sonn­tag gegen 16,30 Uhr überflog ein Schwarm von etwa 60 bis 70 Schneegänsen in der bekannten Kcilform den Ostrand unserer Stadt. Die Vögel hatten die Richtung Süd-Südwest und flogen über Klein-Linden weiter. Montagvormittag zwischen 7 und 8 Uhr wurde ein weiterer Zug, ebenfalls in dieser Richtung fliegend, beobachtet.___________

** Geschäfts st enographen-Prüfung. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, hält die Industrie- und Handelskammer Gießen am 8. Dezember die übliche Herbstprüfung für Geschäfts, stenographen ab Es wird nur in Einheitskurzfchrift in den Abteilungen 150, 180 Silben geprüft und, soweit das Bedürfnis vorhanden ist, in jeder an­deren höheren Abteilung von 20 zu 20 Silben stei­gend. Gefordert wird die Aufnahme eines Diktats von zweimal 5 Minuten mit einer Zwischenpause von einer Minute. Da die Einheitskurzschrifl die unbestrittene Vorherrschaft im gesamten Reichsgebiet erlangt hat, kann jedem Stenographen nur empfoh­len werden, sich der Handelskammerprüfung zu un- terziehen. Von zahlreichen Firmen wird bei Be­werbungen ein Zeugnis über die bestandene Han- delskammerprüfung verlangt, weil dieses eine sichere Gewähr dafür bieten dürfte, daß der Bewerber den an ihn gestellten Anforderungen auch entspricht.

** D i e Winterkurse der Volkshoch­schule. die vom 28. Oktober ab beginnen, werden in unserem heutigen Blatte ausführlich angezeigt. Vorgesehen ist gegenüber dem Vorjahr nahezu die doppelte Kurszahl, was sich aus der Hinzu­nahme neuer wesentlicher Gebiete ergab. Von den Reuerungen sind folgende besonders zu er­wähnen: die von Fran,; Bauer jr. geleitete Musikgruppe zur Hebung im Zusammenspiel (kein Jnstrumentalunterricht!), Englisch und Franzö­sisch für Fortgeschrittene (Studienreferendar Kel- ler) und drei weitere Ghmnastikkurse (Bode, Laban, Loheland), Einführungen zu den Kon­zerten des Konzertvereins (Dr. Temesvarh). Dank dem Entgegenkommen des Konzertvereins genießen eingeschriebene Hörer sehr erhebliche Vergünstigungen beim Konzertbesuch. Näheres siehe Anzeige.

** Eine Wiedersehensfeier des R.- J.-R. 118 findet am 3. Rovember in Darmstadt statt. Die ehemaligen Angehörigen des Regiments mögen die heutige Anzeige beachten.

Oer Llmbau des Bahnhofs Großen-Linden.

xp Leihgestern, 21. Oktober. Seit etwa zwei Jahren ist der Umbau des Bahnhofs Großen-Linden ein viel umstrittenes Pro­jekt, das die Gemüter der Leihgesterner und Großen-Lindener Einwohner teilweise in Erre­gung brachte und dadurch die Reichsbahngesell- schuft vor eine nicht allzu leichte Entscheidung stellte. Ein im Dezember 1927 an die Reichs­bahn gestellter Antrag aus Leihgestern auf Verbesserung des Zugangs zum öst­lichen Bahnsteig, für die von hier kommen­den Reisenden, wurde von der Reichsbahn dahin angenommen, dah mit dieser Aenderung das ge­fahrvolle Ueberschreiten des westlichen Dahn- gleises nach dem Verlassen der Sperren, kurz vor dem Herannahen des Zuges, vermieden würde. Dieser Entschluß der Reichsbahn führte zu einem Protest seitens Grotzen-Lindens, weil die von dort kommenden Reisenden nun erst den liebergang der Provinzialstraße Großen- LindenLeihgestern passieren mühten, um auf die östliche Seite der Sperre zu gelangen. Die Reichsbahn verwarf diesen Einspruch nach mehr­maliger Prüfung der Sachlage und hielt im Interesse der Betriebssicherheit an ihrem Be­schluß fest, weil durch die Aenderung ein Nach­teil für die von Großen-Linden kommenden Rei­senden nicht entstehe. Die Wegstrecke bleibe die­selbe, der nunmehrige Uebergang für diese Rei­senden sei von einem Posten bewacht, der zur gegebenen Zeit die Schranken senke. Es scheint jedoch bei der Reichsbahn die Absicht vorzuliegen, bei einer spateren Erweiterung des Bahnhofs einen Mittelbahn steig zu errichten und den aus beiden Richtungen kommenden Reisen­den den Zugang durch eine Unterführung mittels Treppenläufe zu ermöglichen. Diese end­gültige Lösung jetzt schon herbeizuführen, wäre das zweckdienlichste gewesen, wurde aber von der Reichsbahn abgciehnt, weil ihr ein Umbau des Bahnhofs in solchem Ausmaß aus finan­ziellen Gründen heute nicht möglich sei. Somit kommt das Projekt wie folgt zur Ausführung:

Bahnsteig II (östliche oder Leihgester- ntr Seite) wurde bereits verbreitert, indem die Böschung des angren-enb höhcrgeleaenen Ge­ländes weggenommen und durch eine Stützmauer erseht wurde. Gegenüber dem jetzigen ©tationd- gebaute ist der Rohbau einer 15 Meter langen und 4 Meter drei 'en Wartehalle aus Delon und Mauerwerk bereits fertiggestellt. In diesem Warteraum, der außerhalb der Sperre liegt, wird eine Fahrkartenausgabe errichtet, wo alle Fahrkarten in der Richtung Gießen zu erhalten sind. Die Sperre zum Bahnsteig II lehnt sich unmittelbar an die Ausgangstüre des Warteraums und ist von allen Reifenden zu passieren, die mit den Zügen aus der Richtung Frankfurt kommen, oder in der Richtung Gießen fahren wollen. Bahnsteig I mit der seitheri­gen Sverre b'e.bt unverändert und dient den Reisenden, die aus' der Richtung Gießen kom­men, oder in der Richtung Frankfurt fahren wollen. Alle Fahrkarten in der Richtung Frank­furt werden an der seitherigen Fahrkartenaus­gabe im alten <5tatit>nSgcbäue ausgegeben.

Mit dieser Lösung hat die Reichsbahn ihre Betriebssicherheit im Interesse der Reisenden wesentlich erhöht, hat aber auch gleichzeitig den berechtigten Ansprüchen der Gemeinde Leihgestern Rechnung getragen, in deren Gemarkung die jetzige ganz« Dahnanlage liegt und in deren Ge­markung auch jegliche Erweiterung der Gleis­anlagen erfolgen muß, weil es die Lage dxs Ge­ländes so gebietet. Die nun noch bestehende Un­annehmlichkeit, bei geschlossener Schranke den Weg von oder nach dem Zuge, evtl, über den hohen Steg, zu nehmen, muh von den Reisenden in Kauf genommen werden, je aus welcher Rich­tung sie kommen oder fahren wollen. Ob die bereits von beiden Gemeinden gemeinsam ge-

pslogenen Verhandlungen mit der Reichsbahn betr. Erbauung einer Personenunterführung, an­statt des bestehenden eisernen Uebcrgangs. zu einem günstigen Ergebnis führen, muß abgewartet werden.

Große Strafkammer Gießen.

* Gießen, 15. Oft. Die heutige Verhandlung brachte die Wiederausrollung einer größeren Straf­sache, die bereits im August in erster Instanz das Erweiterte Bezirksfchöffcngericht beschäftigt hatte. Wir haben seinerzeit darüber berichtet. Auf dem P o st a m t eines kleinen oberhefsischen Städtchens hatten sich in den letzten Jahren Zustände heraus­gebildet, welche die Oberpoftdireftion in Darmstadt zu einer durchgreifenden Revision veranlaßten. Das Material wurde der Staatsanwaltschaft zugeleitet und diese erhob gegen drei Beamtinnen Anklage we­gen Amtsunterschlagung in mehreren Fäl­len, verbunden mit Falschbuchungen zwecks Verschleierung dieser Straftaten. Als verletzt wur­den die §§ 350, 351 StGB, bezeichnet. Außerdem wurde der Vorstand des Postamts unter Anklage gestellt wegen desselben Verdreckens im Amt in einem Falle; er sollte sich weiter im Sinne des § 357 StGB, schuldig gemacht haben, indem er die drei weiblichen Angeklagten, wie diese zu ihrer Ent- schuldigung behaupten» zu ihren 'Verbrechen verlei­tete, ober doch letztere wissentlich geschehen ließ. In erster Instanz halte der Staatsanwalt bezüglich des Postmeisters, da er den Schuldbeweis nicht für ge­führt erachtete, die Entscheidung ins Ermessen des Gerichts gestellt, dagegen Verurteilung der drei Beamtinnen zur Mindeststrafe von je 6 Monaten Gefängnis beantragt. Das Schöffengericht gab die­sem Antrag nur bezüglich der zwei ersten weiblichen Angeklagten statt, während es die dritte mangels Beweises fveisprach. Hinsichtlich des angeklagten Postmeisters war das Gericht der Meinung, er habe allerdings die erste Beamtin in einem Falle zu ihrem Verbrechen verleitet und Dcrurteiüe ihn des­halb unter Freisprechung im übrigen zu einer Ge­fängnisstrafe von 10 Monaten.

Gegen dieses Urteil hat sowohl der Postmeister, als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Letztere bezweckte eine Nachprüfung des erstin­stanzlichen Urteils in vollem Umfange, so daß wie­derum eine umfangreiche Beweisaufnahme ftattfin- den mußte. Den Angeklagten standen fünf Vertei­diger zur Seite. Ein Postdirektor aus der Oberpost- birettion Darmstadt fungierte wiederum als Sach­verständiger. Der ganze Vormittag wurde durch Vernehmung der vier Angeklagten und der Zeugen, sowie durch Vorlage der einschlägigen Postbücher in Anspruch genommen. Nach der Mittagspause erstat­tete der Sachverständige fein Schlußgutachten. Als- bann ergriff der Staatsanwalt das Wort zu länge­ren Ausführungen, in denen er insbesondere zu dem Urteil der ersten Instanz Stellung nahm und das Ergebnis der heutigen Beweisaufnahme wür­digte. Zum Schluffe beantragte er Aufrechterhaltung der gegen die zwei ersten Beamtinnen ausgespro- chcnen Strafen von je 6 Monaten Gefängnis, außer­dem Verurteilung der dritten freigesprochenen Be­amtin zur gleichen Strafe. Hinsichtlich des am Schöffengericht zu 10 Monaten Gefänanis ver- urteilten Postmeisters könne er sich auch heute nicht von dessen Schuld überzeugen, weshalb er dessen Freisprechung beantrage. Heute sei nicht die Frage zu entscheiden, ob er sich etwa disziplinär strafbar gemacht; heute drehe es sich nur um die kriminelle Seite seiner Handlungen. Alsdann plädierten die Verteidiger für Freisprechung ihrer Klienten. Nach fast anderthalbstünbiner Beratung verkündete das Berufungsgericht Beschluß, wonach das Urteil in acht Tagen verkündet werde.

* G i« ß e n, 22. Oktober 1929.

Heute würbe in obiger Sach« das Urteil des Berufungsgerichts verkündet. Es schließt sich in fast allen Punkten den Ausführungen des Staatsanwalts an. Der in erster Instanz zu 10 Monaten Gefängnis verurteilteP ostmeister wurde freigesprochen. Die früher freihe- sprochene dritte Beamtin wurde wegen Beihilfe zum Amtsverbrechen unter Annahme mildernder Umstände zu 1 Monat 15 Tagey Gefäng­nis verurteilt. Dei der zweiten Beamtin wird die frühere Strafe von 6 Monaten Gefäng­nis aufrechterhalten. Dei der ersten Beamtin ging das Berufungsgericht noch über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und erkannte auf 6 Monate 2 Wochen Gefängnis, indem cs nicht eine fortgesetzte Handlung, sondern drei selbständige Verbrechen annahm und das Vor­liegen von mildernden Umständen bejahte.

Preußen.

Kreis Marburg.

[] Aiederwalgern. 21. Olt. Aus der hie­sigen Dorfstraß« geriet gestern abend ein mit zwei Personen besetztes Motorradins R u t - schen und tarn dabei so nahe an eine vorüber­fahrende Kutsche, daß ein Pferd ausschlug und das Motorrad samt Fahrern zur Seite schleuderte. Der Motorfahrer erlitt einen schweren Schädclbruch und wurde in die Marburger Klinik gebracht, während seine Begleiterin mit leichteren Verletzungen davonkam.

Berliner Börse.

Berlin, 22. Oft. (WTB. Funkspruch.) Rach- dem gestern abend infolge der internationalen Schwäche auch an den deutschen Effektenmärkten die Tendenz eher nachgebende Richtung zeigte, bleibt der heutige Frühverkehr geschäftslos und unsicher. Kurse sind noch nicht zu hören, Anre­gungen besonderer Art liegen nicht vor.

Sprechstunden der Redaktion.

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