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22.7.1929
 
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Nr. 169 Zweites Blatt Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 22. Zuli 1929

Die Sonderleistung an Belgien.

Don Dr. Otto Leibrock, Lettin.

Die zwischen Deutschland und Belgien geführ­ten Berhandlungen zur Lösung deS Mark- Problems sind am 13. Juli abgeschlossen wor­den. Danach wird Deutschland an Belgien 37 Jahre lang folgende Annuitäten zahlen:

2m 1. Jahre 16,1 Millionen Reichsmark.

Im 2., 3. und 4. Jahre je 21,5 Millionen Reichsmark.

Im 5.-12. Jahre je 26 Millionen Retchsmark.

Bom 13.-20. Jahre je 20,1 Millionen Reichs­mark, und . ,

vom 21.-37. Jahre je 9,3 Millionen Reichs- mark

Die Annuitäten sind in der gleichen Form zu zahlen wie diejenigen des Boungplans und wer­den von der Bant für den internationalen Zah­lungsausgleich verwaltet. Sollte Deutschland von dem im Boungplan vorgsehenen Moratorium Gebrauch machen, dann werden die Annuitäten in Form von Sachlieferungen entrichtet. Mei­nungsverschiedenheiten werden durch ein Schieds­gerichtsverfahren erledigt. Die Ratifizie­rung des neuen Abkommens ist bis zur even­tuellen Ratifikation der Staatsverträge über den Boungplan hinausgeschoben worden.

lieber den Sinn dieser Berhandlungen be­stehen nun in der Öffentlichkeit noch so viele Unklarheiten, daß es angebracht erscheint, rück­schauend darauf einzugehen. Es ist noch in fri­scher Erinnerung, daß bei den letzten Pariser Verhandlungen sich Belgien in letzter Stunde weigerte, zu unterzeichnen, bevor nicht die Mark­frage geregelt sei. Deutschland bot daraufhin unter dem Druck der Alliierten Sonderverhand- lungen an, die dann auch zu dem vorerwähnten Abkommen führten. Die ganze Streitfrage ist ziemlich kompliziert. Es handelt sich dabei um Diejenigen deutschen Marknoten, welche infolge des Krieges in belgischer Hand verblieben sind. Gleich zu Anfang der Be­setzung hatte die belgische Rationalbank die Aus­gabe belgischer Roten sistiert. Der deutsche Ge­neralgouverneur ordnete damals die Annahme deutscher Marknoten zum Zwanyskurs von einer Mark 1,25 Franken an. Einige Monate spä­ter gab sodann die 6ociet6 ©enerale de Belgi- que wieder belgische Roten aus. Rach dem Kriege zog nun Belgien die deutschen Roten ein. Hier­über war in Versailles diskutiert worden, ohne baß man zu einem Ergebnis kam. Die Alliier­ten verwiesen die beiden interessierten Staaten auf den Weg direkter Verhandlung. Belgischer- seits wurden die in Belgien umlaufenden deut­schen Marknoten auf 800 Millionen Mark be­ziffert. Dazu traten 1,6 Milliarden Mark, die im Verfolg des Waffenstillstandsvertrages Deutsch­land an Belgien in Marknoten zahlte, so daß ins­gesamt zirka 2,5 Milliarden Mark in belgischer Hand waren. Am 25. Rovember 1919 war nun ein Abkommen ausgearbeitet worden, bei dem Erzberger als Finanzminister Deutschlands mit­arbeitete. Der in Betracht kommende Markbe­trag war in diesem Abkommen auf 6,1 Milliar­den geschäht worden. Es war dies gegenüber der vorherigen Schätzung ein Mehr von 3,6 Milliarden. Die Belgier erklärten diese Differenz damit, bah in der Zwischenzeit ungeheure Men­gen deutscher Roten (alterot gestempelte") nach Belgien eingeschmuggelt worden seien in der spekulativen Berechnung der Schmuggler, dah diese inzwischen im Kurse gefallenen Roten, wenn sie als belgischer Besitz präsentiert würden, von Deutschland zu dem hohen Kriegszwangskurse eingelöst werden müßten. Es ist noch in aller Erinnerung, wie damals Agenten in Deutschland umherreisten, die nach solchenRotgestempelten" suchten und diese mit einem Aufgeld bezahlten. Der belgische Staat hatte zwar gegen diesen Schmuggel Maßnahmen getroffen und die Ein­lösungsfrist begrenzt; es waren aber bereits bei Ergreifen dieser Maßnahme zirka 2 Milliarden Marknoten eingeschmuggelt worden.

Bei den Verhandlungen im Jahre 1919 war von den Unterhänblern vereinbart worden, dah deutsche Schatzscheine in Mark fixiert, auf zwanzig

Jahre verteilt und mit einem Zinssatz von fünf Prozent Belgien gegen die Kriegsmark über­wiesen werden sollten. Es waren weiterhin Emissionsscheine für die Kursdifferenz vorge­sehen worden, aber nur für den Betrag von 5,5 Milliarden. Für den nach dem Waffenstill­stand eingeführten Markbetrag hatte man sich auf 600 Millionen geeinigt. Bei den damaligen Ver­handlungen war jedoch unsererseits von der Rück­gabe von Eupen-Malmedy, von der Freigabe des sequestrierten Vermögens keine Rede. Das Abkommen wurde nicht ratifiziert. Die Verhand­lungen gingen vielmehr weiter, wobei sich Bel­gien stets auf die Reichstagserklärung Bethmann» Hollwegs vom 4. August 1914 berief.

Mit Beginn des Aufrollens der Reparations­frage im vergangenen Jahre machte Belgien erneute Anstrengungen. In einer Rote vom 8. Rovember 1928 wurde den für die Experten­konferenz einzuladenden Begierungen aufgegeben, dasMarkproblem" mit den übrigen Repara­

tion^ fragen zu lösen. Am 21. Marz d. 2. forderte nun Dr. Schacht an Hand der ihm zuteil ge­wordenen Instruktion die Verknüpfung der Startfrage mit der Rückgabe von Gup en-Malmedh und machte diesen Stand­punkt auch vor der Expertenkonferenz am 23.2uni geltend. Die alliierten Experten stellten sich natux gemäß auf Belgiens Seite und setzten in den Memoranden vom 12. April und 21. Mai 37 Qlnnu itäten von je 25 Millionen Mk. fest. Hier­durch war die Verknüpfung des Problems mit territorialen Fragen ausgeschaltet worden und der belgische Stundpunkt erhielt zwar nicht eine juristisch absolut klare, aber unzweifelhaft eine moralische Anerkennung. Damit haben die Al­liierten ihr Belgien gegebenes Versprechen, dah dessen politische und wirtschaftliche Wiederher­stellung die wesentliche Bedingung eines stabilen Fried ens bilde, auf Kosten Deutschlands ein- gelöste

Gesunde und ungesunde Städte der Welt

Eine interessante Hygienestatistik des Völkerbunds. - Frankfurt die gesundeste, Makassar die ungesundeste «Stadt der Welt.

Don Rudolf Li er.

Heber eine dreiviertel Million Menschen ver­liert das deutsche Volk in jedem 2ah-r durch die fürchterliche Ernte, die der Tod regelmäßig hält. Dem unerbittlichen Würgeengel fällt jährlich mehr a l s ein Prozent genau gerechnet 12 pro Mille der Bevölkerung zum Opfer. Aber nicht in allen Teilen Deutschlands ist die Sterbezimmer so hoch, und wenn man einen Blick auf das Ausland wirft, so erfährt man, dah selbst die erschreckende Zahl von jährlich 750 000 Todeskandidaten verhältnismäßig gering ist. Aus den letzten Veröffentlichungen des Völkerbundes, dessen Genfer Bureau eine getoa tige wissenschaft­liche Arbeit leistet, geht hervor, dah Frank­furt am Main wohl d ie gesündeste Stadt der Welt ist. 2m Jahre 1925 star­ben dort von 100 Einwohnern nur 8,3, ein Jahr darauf 7,8 und im Jahre 1927 8,2. Besonders niedrig war die Sterbeziffer in Frankfurt a. M. im August vorigen Jahres, da sie damals auf das Jahr umgerechnet, auf sechs herunter ging. Westdeutschland ist überhaupt eine sehr gesunde Gegend: auch Hannover, Essen, Düssel­dorf schneiden in der Sterbestatistik außeror­dentlich günstig ab. Man weih, dah Holland und Belgien besonders saubere und hygienisch gut ausgestattete Länder sind: dementsprechend ist die Sterbeziffer in diesen Gebieten sehr niedrig. In 14 holländischen Städten mit zusammen 2V2 Millionen Einwohnern starben im Durchschnitt der letzten Jahre von 1000 Menschen etwa 9, während in 49 deutschen Städten mit über 18 Millionen Einwohnern etwa 10,4 pro Mille dem Tod zum Opfer fielen. Günstig schneidet auch die Schweiz ab, deren Städte eine Sterbeziffer von 10 pro Mille aufweisen.

Wenn man nur die vom Völkerbund erfaßten Länder miteinander vergleicht, so sind Spa­niens Städte wohl die ungesundesten Orte in Europa. Vielleicht am furchtbarsten wütet der Tod in Sevilla, wo im Jahre 1927 von je 1000 Einwohnern 27 starben. Aber auch Valencia, Granada und Barcelona sind Städte, deren Einwohner vom Tod mehr als andere Europäer bedroht werden. 2n 49 spa­nischen Städten mit weit über vier Millionen Einwohnern wurden im Jahre 1925 von je 1000 Menschen 23,4 dahingerafft: ein Jahr dar­auf sank die Ziffer auf 21,2, verringerte sich aber im Jahre 1927 nur noch auf 21,1. In Sevilla starben also verhältnismäßig dreimal soviel Menschen wie in Westdeutschland oder in Hol­land! Vergleicht man nun nicht nur die Ziffern der Städte, sondern zieht man auch die amtliche deutsche Statistik heran, die Länderüberblicke ent­hält, so ergibt sich, daß d i e Sowjetunion und Rumänien noch mehr Todesfälle als

Spanien verzeichnen müssen. Unter den euro­päischen Hauptstädten sind Todesfälle in Berlin, London, Rom, Kopenhagen, Stockholm und Oslo ungef/lhr gleich häufige Erscheinungen, während Paris-, Prag, Wien, Budapest und Sofia etwas mehr Tote zu beklagen haben. Würde man einem MensiHen einen Rat erteilen wollen, in welcher europäischen Stadt er sich ansiedeln solle, weil dort nur wenig Sterbefälle Vorkommen, so könnte man /.hm die Wahl zwischen der Schweiz, West­deutschland, Holland und Belgien lassen: man mühte ihn jedoch vor dem gepriesenen Südfrank­reich nnd auch vor Sizilien warnen, von Spanien ganz ,zu schweigen. Ungesund sind auch die iri­schen Städte Belfast und Dublin.

Verläßt man nun die Grenzen unseres Erd­teils, 'so erschrickt man vor der furchtbaren Höhe der Todesziffern in fernen Ländern, deren Ein­wohner in unvergleichlich größerer Zahl als die Europäer dem Tod zum Opfer fallen. Zu den schönsten Teilen der Welt rechnet man die Ost- indisch, m Inseln, die zum niederländischen Kolo- nialbes itz gehören: in diesem tropischen Paradies liegt wun Makassar, die Hauptstadt von Cele­bes, djie ungesundeste Stadt der Welt. Sie ha t 57 000 Einwohner, von denen fast fünf Prozent jährlich sterben. Rur wenig besser geht es den. Einwohnern der Halbmillionenstadt Ma­dras , in der im Jahr 1925 von 100 Einwohnern 4,6 bdfinngerafft wurden. 1926 waren es noch 4,4 und im: Jahr darauf 4,1. Die Angaben des letz­ten Jashres lassen deutlich erkennen, wie gewaltig die Sterbeziffer von Monat zu Monat schwankt. 3m 31di 1928 wurden 4 Prozent noch nicht er­reicht, während vom 11. August bis zum 8. Sep­tember auf das Jahr umgerechnet von 100 Menschen fast sieben aus dem Leben schieden. Es ist unmöglich, alle berühmten asiatischen Städte aufzuzlählen, nach denen sich der Europäer leiben» schaftli ch sehnt, unb die dennoch in hygienischer Bezieh >ung Höllen sind: so sterben in Bassora und qn Batavia jährlich fast vier Prozent der Bevölkerung.

Furthtbar ist die Sterblichkeit auch in einigen Teilen Afrikas: in Oberägypten, das von den europäischen Aerzten gern zum Kuraufenthalt empfahlen wird, wurden im Jahr 1925 4y4 und im daeauffolgenden Jahr sogar 4i/3 Prozent der Bevölkerung dahingerafft. Auch Kairo ist eine ungesunde Stadt. Ratürlich soll damit nicht ge­sagt w«erden, bah es für ben Europäer gefährlich sei, eine Reise nach Aegypten zu machen: ber Mangel an Hygiene wirb nur bem Eingeborenen fühlbar, währenb ber europäische Orientreifenbe über nichts zu klagen hat. Aber nicht ganz Afrika bietet bem Tob so reiche Ernte: ber Sübzipfel bieses Erbteils unterscheibet sich in hygienischer

Schwalben in Der Bibliothek.

Von Siegfried von Vegesack.

Tiere bevorzugen ungewöhnliche Orte für ihr Familienglück. Ich kannte eine Henne, die ihre Sier mit Vorliebe ins HunbeHäuschen legte. Unb dah unsere alte, fiibergraue Katze Kisse Murre ihre Jungen im Kleiderschrank der Kinder zur Welt bringt, versteht sich schon von selbst. Trotz­dem: man erlebt immer neue Ueberraschungen. Dieses Mal in der Bibliothek. Der Raum, dessen Wände von hohen Bücherregalen bedeckt sind, hat drei Fenster in metertiefen Mauernischen. Dor bem einen spreizt ein gewaltiger Kaktus leine stachlig-fleischigen Arme. Das andere ist last immer geöffnet. In der Mitte des Zimmers steht ein kreisrunder Tisch von fast zwei Meter Durchmesser. Heber dem Tisch hängt eine große glockenförmige orangegelbe Lampe an einer klei­nen runden Messingscheibe, die dicht unter ber Decke angebracht ist. Sonst wäre noch ein Groh- oater-Ohrenlehnstuhl zu erwähnen, richtig bazu geschaffen, sich in ihn zu verkriechen unb in Büchern zu schmökern.

Don ber Außenwelt bringt nur bann unb toann bas Gluckern ber Kuhglocken, bas Den­geln einer Sense unb bas Zwitschern ber vielen Schwalben, bie unermüdlich den Turm um» schwirren, in diese tiefe Stille, die nur von den lautlosen Stimmen geliebter Dichter erfüllt ist. Aber da, während ich in Jean Pauls .Lebens-Fibel" die unvergeßliche Stelle lese, wie der alte Vogler stirbt:

Er ließ sich feinen Leibvogel (bloß ein Kana- rienmännchen) auf die Brust setzen dann sollte die Frau entweder ein weltliches Schlem­mer- oder ein geistliches Kirchenlied singen, unb der Sohn zuweilen auf seine Soldatentrommel Ilopsen, damit alle seine Vogel auf einmal an* iingen zu pfeifen. Rach ber Ditte zog er selber mühsam seine Mühe über bie Augen herein bis in ben Munb und sagte: Adjel"

Da, in diesem Augenblick bricht die Außen- toelt in das feierliche Schweigen ber Bücher ein: eine Schwalbe kreist mit lautem Jubelgeschrei um bie Lampe, einmal, zweimal, breimal, unb stößt ebenso plötzlich wie sie gekommen ist, zum Fenster hinaus. Aber gleich darauf kehrt sie toteber, und jetzt sind es zwei Schwalben, die

zwitschernd unb schwatzenb bicht unter ber Decke immer in bie Runbe fliegen.

Dieses wieberholt sich in ben nächsten Tagen. Roch begreife ich nicht, was eigentlich vorgeht, bis ich einige Strohhalme auf bem Lampenschirm entbede: auf ber kleinen runben Messingscheibe über ber Lampe wirb ein Rest gebaut! Alnb mit welchem Eifer wirb es gebaut, mit welcher Be­geisterung, welchen Hellen, schrillen Rufen ber Entzückung! Hnermüblid) fliegen bie Schwalben ein unb aus, unermüblich tragen sie Baumate­rial herbei: Strohhalme, Lehmbrocken. ilnb schneller unb kunstvoller als ein amerikanischer Wolkenkratzer entsteht bieses schwebende Wunder­gebilde eines Schwalbennestes über der elektri­schen Lampe.

Wer hätte das Herz, dieses Werk zu verhin­dern oder zu zerstören? Aber die auf dem Tisch ausgebreitcten Bücher, der Lampenschirm, ich kann doch nicht alles den verheerenden Folgen dieser Invasion preisgeben? Aus Pappe und Kartondeckeln baue ich ein zwar nicht schönes, aber sinnreiches Schutzdach, das ich unter bem Rest aufhänge. Anfangs finb bie Schwalben sichtlich beunruhigt, hoch bann sehen sie wohl ben Zweck bieser schwebenden Bequemlichkeit ein unb benutzen sie mit Erfolg.

Aber sogar glückliche junge Schwalbenehen sinb Krisen unterworfen. Auch unter Schwalben gibt es offenbar Eheprobleme. Eines Tages bas Rest war gerade fertig gebaut stellte sich eine dritte Schwalbe ein. War es ein abenteuer­lustiges Männchen oder ein verführerisches Weibchen? Jedenfalls wurde das Idyll zu zweit gestört. Während bie eine Schwalbe im Rest hockte, kreisten bie beiben anberen erregt unb erbittert zwitschernb rastlos um bie Lampe herum. Welche Probleme würben erörtert? Kamerabschaftsehe? Che zu britt? Aber ber ober bie ftörenbe Dritte mußte toieber abziehen, unb bas Jbhll ist nun toieber hergestellt: die Schwäl- bin brütet fleißig auf den Eiern, ber Schtoalbe- rich füttert sie zärtlich mit Fliegen unb Würmern. Unb wenn erst bie Jungen ausfallen, wird ihr Glück vollkommen sein.

Ablehnenb unb mürrisch wenden die vielen Dücher dem respektlos in ihr feierliches Schwei­gen eingebrochenen Schtoalben-Geschwäh ihre steifen Rücken zu. Goethe rümpft ein wenig bie Rase. Unb auch Stefan George ist sichtbar Irritiert

Rur über bie matten Gvlbbuchstaben ber brau­nen, 'verschlissenen Leberrücken Jean Pauls leuchte!': es, wie ein gütiges, verstehenbes Lächeln. Der 2Leise von Wunsiebel nickt heimlich bem zwitschemben Schwalbenpärchen zu.

1510 Millionen Lichtjahre.

Don Professor Dr. Küstermann.

Wen n bie Reichsbruckerei bie nötigen Vor­bereitungen getroffen hat, so kann sie wohl ein ganz tüchtiges Dünbel Tausenbmarkscheine in kurzer Zeit brücken. Die Werte zu schassen, bereu sicheren: Austausch burch bie Scheine bedruckten Papiers ermöglicht werden soll, ist freilich eine minder einfache Sache. Aehnlich steht es mit den Z ahlwerten: 1 Million, 1 Milliarde, 1 Bil­lion 'sind sehr rasch hingeschrieben und noch schneller ausgesprochen. Otter eine anschauliche Vorste llung von den Dingen zu gewinnen, die hinter diesen knappen Zeichen stehen, das steht frei­lich asuf einem anderen Blatt!

Da haben wir z. D. den Begriff des Licht­jahres. Es gibt kaum einen Begriff, der sich so einfach, so sauber und dabei so restlos richtig bestimt.nen ließe, wie dieser: denn ein Lichtjahr ist gayz einfach die Strecke, die das Licht in einem Jahre zurücklegt. Und da wir ja wissen und angeben können, welchen Weg das Licht in einer Sekunde durcheilt, so bleibt nur eine kleine Der- vielfäl-tigungsaufgabe übrig, die zur Rot ber erste hefte Abc-Schütze lösen kann, wenn er sich vor gxvhen Zahlen nicht fürchtet. Rur mit ber Anschauung ist es nicht ganz einfach, benn bas Licht Legt in einer Sekunbe bie Kleinigkeit von 300 000 Kilometer zurück, bas ist bie Strecke von Köln nach Königsberg gerabe breihunbertmal in einer «Sekunbe. Unb wenn wir ganz ehrlich finb. werbevi wir zugeben, daß es schon nicht ganz leicht ist, sich auch nur bie lumpigen taufenb Kilometer von Köln nach Königsberg beutlich zu machen, geschweige benn, sie breihunbertmal aneinanber zu reihen. Unb auch wenn uns bies in Gedanken geglückt ist, sind wir auch noch nicht viel fdjlauer dran, denn wer kann sich wiederum vorsteilen, wieviel Sekunden das Jahr hat! 3600 gehen auf eine einzige Stunde, etwas über 86 OOO auf einen Tag und rund 30 Millionen

Beziehung kaum von Mitteleuropa, unb bie Sterbeziffern Kapstadts ober JohanniS- b u r g 8 entsprechen etwa benen von Berlin, Breslau ober Genf. Auch Rorbamerika weist keine großen Unterschiebe zu Europa auf; bis Sterblichkeit schwankt bort in ben Stäbten zwischen 10 unb 14 pro Mi.le. Rur Birmingham in U. S. A. nicht zu verwechseln mit ber englischen Stabt gleichen Romens schneibet schlechter ab; bort starben 1925 etwa 17 pro Mille, im folgcnben Jahr sogar 17,4 unb 1927 nicht ganz 16 pro Mille, eine Ziffer, bie berjenigen ber Stabt Lille entspricht In ben s ü b a m e r i k a n i s ch e n Stäbten wütet ber Tob allerdings furchtbarer; Lima ist ebenso ungesund wie Sevilla. Im all­gemeinen kann man sagen, daß sich die südameri­kanischen Städte in hygienischer Beziehung ebenso unvorteilhaft von den nordamerikanischen unter­scheiden, wie bie sübeuropäischen Ortschaften von benen in Mitteleuropa. Vergleicht man nicht bie Stäbte, fonbem zieht man bie Länberstatistik heran, so schneibet Sübamerika noch weit un­günstiger ab. Don ben 4 Millionen Einwohnern Chiles sterben jährlich etwa 27 pro Mille, währenb bie entsprechend spanische Ziffer etwa 19 unb bie hollänbische ungefähr 10 ist.

Eine teilweise Erklärung für bie auherorbent- lichen Unterschiebe in ben verschiebenen Län- bem bietet bie Säuglings st erblichkeit. Nirgends in der Welt werden soviel Kinder geboren wie in Oberäghpten; auf 1000 Ein­wohner entfallen dort jährlich 55 Geburten, gegen 18,3 in Deutschland. Selbst in einer Großstadt wie Kairo beträgt die Geburtenziffer 53 pro Mille. Otter es muß gleichzeitig festgestellt wer­den, dah nirgends in ber Welt bie Säug­lingssterblichkeit s o groß ist wie in Oberägypten; bort starben im Jahre 1927 von 1000 Reugeborenen nicht weniger als 266 und im Jahre 1925 sogar 303. In allen Säubern schwankt bic Sterblichkeit ber Säuglinge nach ber Jahreszeit; aber nur selten kann man solche Unterschiebe beobachten wie in Oberägypten, wo im März 1928 von 1000 Neugeborenen 171 toieber aus bem Leben schieben, währenb im Juni bes- selben Jahres 502 pro Mille starben, also über bie Hälfte ber Neugeborenen zugrunbe ging. Furchtbar ist auch bie Säuglingssterblich- lichkeit in Singapur e, wo bie monatlichen Schwankungen nur recht gering finb, aber boch jährlich fast ein Viertel ber Neugeborenen nicht am Leben erhalten werben kann. Aehnlich ungünstige Ziffern liegen aus Chile vor; boch ist bort in ben letzten Jahren eine gewisse Besse­rung zu verzeichnen.

Hygienisch gut ausgestattete Stäbte können zwar bie Sterblichkeit ber Säuglinge nicht vollstänbig verhinbern, sinb aber doch in der Lage, sie auf 4 bis 5 Prozent ber Neugeborenen herabzubrücken. In Amsterbam sterben 4 Prozent, im Haag 4,8, in Oslo 4,5, in Frankfurt 4,9 Prozent ber Kinber im zartesten Alter. Freilich bleibt auch in Deutschlanb noch viel auf bem Gebiet ber Säuglingshygiene zu tun, denn in 49 deutschen Städten gingen im Jahr 1925 9,6 Prozent und im Jahre 1927 immerhin noch 8,7 von 100 Neu­geborenen zugrunde. Wie groß bie Unterschiebe innerhalb Deutschlanbs sinb, wirb baburch be­wiesen, baß in Breslau über 11, in Berlin 8,6 unb in Frankfurt unter 5 Prozent ber Säuglinge nicht am Leben erhalten werben konnten. Wenn es gelingt, überall besser für bie Säuglinge zu sorgen, so wirb baburch sehr viel für bie Erhal­tung des Volkes getan werben, Hessen Bestand durch den stetig sinkenden Geburtenüberschuß sonst als gefährdet angesehen werden muß.

Taten für Dienstag, 23. Juli.

WSN. «Sonnenaufgang 4.10 Uhr, Sonnenunter­gang 20,02 Uhr. Mondaufgang 21,24 Uhr, Monduntergang 5,20 Uhr.

1562: Ritter Goh von Berlichingen in Homberg gestorben; 1824: der Philosophiehistoriker Kuno Fischer in Sandewalde geboren; 1914: Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien.

Sprechstunden der Redaktion

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

auf ein Jahr. Diese 30 Millionen mal hätte man sich die eben erwähnte Strecke, die drei­hundertmal den Weg von Königsberg bis Köln enthält, aneinander zu denken. Wie man sieht, keine ganz leichte Aufgabe!

Vielleicht kommen wir auf anderem Wege ber Sache näher. Wir stellen uns unsere Erbe als eine Kugel von einem Zentimeter Durchmesser, also als eine ArtMurmel" vor in meiner Heimat sagt manKlicker". Der Monb ist bann von ihr 30 Zentimeter, die Sonne nicht we­niger als 125 Meter, also etwa um die Breite eines schon ganz ansehnlichen Flusses entfernt. Behalten wir diesen Gröhenmahstab bei, dann nimmt eine Lichtminute eine Länge von 15 Meter, eine Lichtstunde eine Länge von 900 Meter und ein Lichttag 21 bis 22 Kilometer ein. Ein Licht­jahr würde, immer in demselben Verkleinerungs- Verhältnis, durch eine Strecke von 8000 Kilometer wiedergegeben werden. Das ist so ungefähr bie Entfernung von uns bis zu unserer früheren Ko­lonie E übwestafrika.

Dies also wäre ein Lichtjahr; aber mit dieser Strecke Horen die Sternkundigen nicht etwa auf, sondern mit ihr fangen sie im Gegenteil erst an. Denn ein solches Lichtjahr ist nur ein winziger Schritt in dem Raum, den die heutige Forschung als ihr Gebiet betrachtet. Schon die allernächsten Sterne sind ein paar Lichtjahre von uns ent­fernt, und gar das ganze Milchstraßensystem, bie Welteninsel, ber wir angehören, hat un­gefähr hunberttausenb Lichtjahre Durchmesser. Die nächste vergleichbare Welteninsel, nämlich ber Anbromedanebel, ist etwa eine Million Licht­jahre von uns entfernt. Das ist aber erst unsere allernächste Nachbarinsel, bis zu ben anberen ist es noch viel, viel weiter. Die letzten Welten­inseln, beten Licht wir in unseren Fernrohren noch wahrnehmen können, sollen etwa 130 ober 150 Millionen Lichtjahre entfernt sein.

Wenn es uns nun gelungen ist, uns ein Licht­jahr recht beutlich vorzustellen, so haben wir gleich bie Belohnung für unsere Mühe: benn, kehren wir zu ber Vorstellung ber Erbe als einer Kugel von 1 Zentimeter Durchmesser zu­rück, so ist ein Lichtjahr, aber ein wirkliche- Lichtjahr, nicht etwa bie 8000 Kilometer, bie es barstellen sollten, bie Entfernung, in ber wir uns bie letzte Welteninsel zu beiden haben.