Einzelbild herunterladen

Ur. 169 Erster Blatt

179. Jahrgang

Montag, 22. Juli 1929

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen

Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monalr vezugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für T^öger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanfchlüsse: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen, poftschemonto:

Sranffurt am Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

vnlck und verllag: vrühl'sche llniversilütr-Bllch- und SteindruSerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Seschaftrftelle: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Der Zwischenbericht des Neparationsagenten

zugunsten des

Schwere Erkrankung des Reichskanzlers

Die Annahme

zur

Vorbehalte niedergelegt hat.

Rachdem auch der Abänderungsantrag

friedlichen Wiederaufbaus Europas.

dieses Planes stellte einen in dem Genesungspro«

sichten während der Wintermonate eine bedeut teribe Zunahme erfahren hat. Auch die Lage der Landwirtschaft ist noch immer schwierig. Ob die im Gesamthabitus des Wirtschaftslebens seit Mürz eingetretene Aenderung nur als Ausfüllung des während des Winters entstandenen Vakuums bezeichnet werden kann, ober ob sie das Wieder^ einsetzen einer großzügigen unb gleichmäßigen! Wirtschaftstätigkeit bedeutet, sich darüber abschlie­ßend zu äußern, ist im gegenwärtigen Stadium unmöglich.

Sn dem denSchlußbetrachtungen" gewidmeten Kapitel beschäftigt sich der Generalagent mit dem Zweiten Sachverständigen - A u s * schuh, der am 7. Juni d. S. seinen Bericht er­stattet hat. Der Generalagent schlicht den Tätig­keitsbericht mit folgenden Ausführungen:Vor fünf Sahren bezeichnete die Annahme des S a ch - Verständigenplanes von 1 9 2 4 durch eine Vereinbarung zwischen Deutschland und den Gläubigermächten die Entscheidung zugunsten der

vernunftgemäßen Regelung des Reparations­problems und zu gleicher Zeit eine Wahl

Berlin, 21. Juli. (ÖIB.) Aus Heidelberg wird uns von authentischer Seife mifgefeilt: Reichs­kanzler Müller ist in Bab Mergentheim, wo et zur Kur weilt, plötzlich an einer hochfiebrigen, eifrigen Gallenblafenentzündung er­krankt. Gestern wurden durch den behandelnden Arzt Dr. R. Haug die Geheimräte Luderten und v. Krehl aus Heidelberg und Professor Her­mann Zondek aus Berlin an das Krankenlager gerufen. Die Aerzle haben dem Reichskanzler die sofortige Operation empfohlen, die am Sonnfagnachmiffag gegen 17 Uhr durch Geheimrat Luderten oorgenommen wurde. Bei der Ope­ration zeigte sich an der Gallenblase eine Durchbruch st eile in bie Bauchhöhle. Die Operation nahm einen normalen Verlauf. Der Zu- flanb muß als ernst bezeichnet werden.

Oie jüngste Entwicklung der Krankheit.

Berlin, 22. Suli. (TU.' Funkspruch.) Wie die Montagspost" zu fixer schweren Erkrankung des Reichskanzlers ergänzend meldet, muhte einLlm- schwung zum Tlngünstigen vor einigen Tagen fest- gestellt werden. Der Kanzler fieberte an­bauet n d, konnte aber die Dienstgeschäfte trotz­dem erledigen. Am Mittwoch verschlim­merte sich der Zustand. Der Kanzler wurde apathisch, ein operativer Eingriff wurde aber

Wendepunkt .. _____ _ .

zeh nach dem Kriege dar, und die Sahre, die darauf gefolgt sind, sind Sahre einer sich ständig mehrenden Stabilität und wesentlicher wirtschaftlicher Erholung nicht nur in Deutsch­land, sondern in Europa in seiner Gesamtheit gewesen. Der Sachverständigen-Pl an von 1 92 9 bietet Deutschland und den Gläubi-

Regieningssieg in der pariser Kammer.

Oie Schuldenabkommen nach dem Vorschläge der Regierung mit 8 Stimmen Mehrheit angenommen.

Entschließung beraub und diese in ihrer Ge­samtheit angenommen worden waren, ging die Kammer zur Cinzelberatung des Gesetzent­wurfes über die Ratifizierung des Washing­toner Abkommens über. Don verschiede­nen Abgeordneten wurden Gegenanträge vor­gelegt, darunter auch von dem Abgeordneten D e l i g n e, dessen Antrag folgenden Wortlaut hat:Der Präsident der Republik wird ermäch­tigt, das in Washington am 29. April 1926 zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der Regierung der französi­schen Republik geschlossene Abkommen über die Konsolidierung und die Rückzahlung in 62 Annitäten der von Frankreich bei den Ver­einigten Staaten auf genommenen Schuld zu ra­tifiziere n.

Außenminister Driand stellte im Ramen der Regierung für diesen Gegenantrag die Ver­trauensfrage.

Sn namentlicher Abstimmung, deren Ergeb­nis um 1.20 Ahr bekanntgegeben wurde, nahm die Kammer

mit 300 gegen 292 Stimmen bei 592 Abstim- menben den Gegenantrag Seligne an. Eben­so wurde in einfacher Abstimmung ein ent­sprechender Antrag Dettgne über die Rati­fizierung des Londoner Abkommens ange­nommen.

Die 299 Abgeordneten, die gegen die Rati­fizierung gestimmt haben, verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: 11 Kommunisten, 100 Sozialisten, 15 Sozialrepublikaner, 100 Ra­dikale, 9 Mitglieder der radikalen Linken, 2 Linksrepublikaner, 7 Mitglieder der Fraktion Maginot, 6 Mitglieder der Fraktion Frank­lin Bouillon, 17 Mitglieder der Sraltion Ma-

Oie Regierungskonferenz im Haag?

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers",' 2er Iin, 22. Suli. Sm Rahmen der englisch- französischen Auseinandersetzung über den Ta­gungsort der politischen Repcrnationskommission erhärten sich immer mehr die Gerüchte, daß sich die beiden Mächte endlich doch über den Ort geeinigt haben. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Haag für diesen Zweck ausersehen ifL Allerdings verlautet aus

Paris, 21.Suli. (WB.) Die Kammer hat heute nacht die Gesetze über die Ratifizie­rung des Washingtoner und des Lon­doner Abkommens angenommen, nachdem sie in einer Entschließ ung ihre

rin, 19 Unabhängige und 6 Mitglieder der un­abhängigen Linken. 16 Abgeordnete haben an der Abstimmung nicht teilgenommen.

Am Schluß der Rachtsihung entstand noch eine Debatte über die Behandlung eines Antrages des Abgeordneten L i l l a z (Radikale Linke), der den Zweck verfolgte, eine budgetäre Veranke­rung der Schuldenzahlungen vorzuneh­men. Sein Vorschlag hat folgenden Wortlaut: Beim Schatzamt soll ein Sonderkonto eingerichtet werden, auf das die Summen gutgeschrieben wer­den, die Frankreich von Deutschland erhalten hat vorbehaltlich eines jährlich vorzunehmenden Ab­strichs zum Ausgleich der Lasten für die Wieder­gutmachung der Kriegsschäden. Die Höhe und die Verteilung des Abstrichs soll alljährlich durch das Einnahmebudget festgelegt werden."

Die Kammer vertagte nach langer Debatte die Beratung des Antrages auf Donnerstagvormit­tag. Die Sitzung wurde gegen 4 Uhr aufgehoben.

Mit 282 gegen 274 Stimmen nahm die Kammer die Dorbehaltsentschließungen Heraud - Goh an, die im wesentlichen besagen, daß die Kammer der Ansicht ist, daß Frankreich unter der Gefahr, ernstlich seine nationale Wirtschaft zu erschüttern, die für die Durchführung der Abkommen vom 29. April unb 12. Suli 1926 notwendigen Mittel nur in der regelmäßigen Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands finde. Sie erklärt, daß die dem Lande durch die ge­nannten Abkommen auferlegten Lasten aus­schließlich durch die Summen gedeckt werden müßten, die Deutschland ate feine Schulden an Frankreich abzuführen hat.

pomcatts Befinden unverändert.

Paris, 20. Suli. (WTB.) Das Befin­den Poincarss ist, wie Havas berichtet, immer noch unverändert. Die Rahrungs- mittelvergiftung, an der er leidet, machte es ihm heute noch unmöglich, in der Kammer zu erscheinen. Der Arzt verbot ihm jedes Ausgehen.

Die deutsche Währung hat, wie bisher, allen praktischen Erfordernissen der Goldwährung ge­nügt. Sm Anschluß an die im Bouna-Plan in Aussicht genommene Rückkehr zur vollen Gold­währung äußert sich der Generalagent über die Wiederaufnahme der Ausprägung von Gold­münzen, die er in ihrer Zweckdienlichkeit sowohl vom Standpunkte der gegenwärtigen Lage der Dinge auf dem internationalen Goldmarkt, als auch vom Gesichtspunkt der internen Bedürfnisse Deutschlands als äußerst zweifelhaft betrachtet.

Der deutsche Außenhandel hat sich nach den Ausführungen des Berichtes in den lehtver- flossenen Monaten der Gleichgewichtslage etwas mehr angenähert. Das allmähliche Ansteigen des Gesamtumfanges der Ausfuhr wird vom Generalagenten als Angelegenheit von aller­größter Bedeutung bezeichnet, da

die Annäherung an eine günstige Handelsbilanz infolge der Steigerung der Ausfuhr ver­heißungsvoller ist, als wenn sie durch eine

Drosselung der Einfuhr zustande käme.

Angesichts des großen deutschen Cinfuhrbedarfs an Rohstoffen und Rahrungsmitteln ist mit einer ausgesprochenen Herabsetzung des Gesamtumfan- ges der deutschen Einfuhr während eines irgend­wie längeren Zeitraumes kaum zu rechnen. Zum Teil bildete die gesteigerte Ausfuhr auch den Ausdruck des Bedürfnisses nach Auslandkapital in einem Augenblick, wo ausländischer Kredit schwer und kostspielig zu beschaffen war.

In der allgemeinen Entwicklung der deutschen Wirtschaftslage unterscheidet der Bericht des Gene­ralagenten zwei Phasen, eine Zeit des wirtschaftli­chen Rückganges im Spätherbst und Winter 1928/29 hier wird auf die Auswirkucktzen der Aussper­rung in der rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahlindustrie und diejenigen des außerordentlich strengen Winters hingewiesen und eine Periode der Wiederbelebung in vielen der wichtigsten Pro- duktions- und Gewerbezweige im Frühjahr 1929. Hier wird aber einschränkend darauf hingedeutet, daß verschiedene Industrien noch immer flauen Geschäftsgang aufzuweisen scheinen und die Anzahl der Konkurse und Geschäftsauf-

germächten die Gelegenheit zur endgültigen Regelung des Reparations-Problems und schafft damit die erforderliche Grundlage für den wei­teren Fortgang der friedlichen Wiederaufbau­arbeit."

3m Spiegel der Berliner presse.

Die Berliner Sonntagsblätter beschäftigen sich durchweg in längeren Kommentaren mit dem Z w i sch e nbL-»i ch t Parker Gilberts. Tlebereinstimmend wird von den Zeitungen be­tont, daß die erwartete Sensation, wie sie in einem Teil der französischen Presse angekündigt war, ausgeblreben ist.

.Parker Gilbert", so schreibt dasBerli­ner Tageblatt",spricht nicht in dem über­heblich kritischen Tone, den ein Teil der fran­zösischen Presse erwartete, sondern er legt, ohne im wesentlichen eine eindeutige eigene Meinung zu betonen, die tatsächlichen Entwicklungen der Berichtsperiode dar, und er stützt sich hierbei wie gewöhnlich auf deutsche Quellen."

Auch dieBoss. Ztg" hebt die Zurückhal­tung des Generalagenten hervor, der nicht mehr, wie seinerzeit, in der Anleihefrage sich als der Lehrmeister und Ratgeber der deutschen Regie­rung aufspiele, sondern sich auf seine Aufgaben, bie chm seine Stellung zuweise, beschränke.

DerLokal-Anzeiger" erkennt bie Form bes Berichtes an, bie vom beutschen Standpunkt aus nicht zu beanstanden sei, wobei das Blatt allerdings die Frage offen läßt, ob nicht die vorzeitigen Verlautbarungen der französischen unb bet englischen Presse ben Generalagenten zu einer gewissen Bereinigung, zu einer Denatu­rierung seines Berichtes veranlaßt haben. Heber bie Einzelheiten bes Zwischenberichtes gehen bie Meinungen ber einzelnen Blätter mehr ober weniger auseinander.

Als wichtigste Feststellung bes Berichtes unter­streicht berVorwärts" bie Erklärung Gil­berts, bah bie Reichssinanzen heute im ®runbe ihres Wesens als gefunb anzusehen sinb.

DieBerliner Börsenzeitung" wirft hinsichtlich ber Länder- und Gemeindesinanzen dem Generalagenten vor, daß er auch diesmal seine bekannte Kritik auf seiner falschen Einstel­lung zum deutschen Staatswesen heraus wieder­hole.Besonders", fährt das Blatt fort,fällt das Regative der Kritik und der Mangel an posi­tiver produktiver Einstellung bei der Darstellung der Arbeitslosenversicherung unb ber Lage ber beutschen Landwirtschaft ins Auge."

Demgegenüber betont derLokal-Anzei- g e r, daß Gilberts Schilderung der Reichsfinanz­wirtschaft einen wertvollen kritischen Beitrag für die Beurteilung ber gesamten beutschen Finanz- unb Steuerverhältnisse darstelle. Auffällig ist be- sonbers bie Tatsache, bah der Bericht immer wie­der auf die Zusagen zurückkornrnt, die die Reichs­regierung und der Reichsfinanzminister im letzten Sahre abgegeben hoben, um die außerordentliche Gespanntheit der Finanzlage zu kennzeichnen unb darüber hinaus die unbedingte Rotwendigkeit baldiger und durchgreifender SanierungsmaßnaH- men festzustellen.

Berlin, 20.Juli. (WB.) Der Zwischen- ! bericht bes Generalagenten für bi e Reparationszahlungen vom 1. Äuli 1929 uter bie Ausführungen bes Darvesplanes im Zeitraum vom 1. September 1928 bis, 31. Mai 1029, ber biesmal gleichzeitig in beutfcher lieber* fetzung erscheint, umfaßt 188 Druckseiten. Bezüglich ber Durchführung ber Reparationszahlun­gen in ber Berichtszeit stellt ber Generalagent fest, baß

Deutschland loyal unb pünktlich die ihm ob- (icgenben Zahlungen geleistet

unb bie Verteilung an bie Gläubigennächte ihren regelmäßigen Verlauf genommen hat. Van ben zur Verfügung stehenben Reparationsfrimmen finb 977,8 Millionen Reichsmark 58,22 Prozent in aus­ländischer Währung unb 701,7 Mill. Reichsmark 41,78 Prozent in Reichsmark zur Auszahlung ge­kommen. Die llebertragung in ausliinbischen 23a« luten hat von Jahr zu Jahr zugenommen.

Don den Einzelberichten Der Kommissare und Treuhänder gibt der Generalagent am aussühr- lichsten die Grundzüge des Berichtes des Eisen­bahnkommissars wieder. Damn erklärt der Kommissar für die Reichsbahn, aus seinen Ziffern gehe hervor, daß in den bisher abgelaufenen Reparationsjahren die von der Reichsbahngesell- schaft geleisteten Reparationszahlungen stets von dem Rettobetriebsüberschuh reichlich gedeckt wor­den seien. Hinsichtlich der für 1929 veranschlagten Einnahmen seien diese nur gerade ausreichend, um die veranschlagten Ausgaben zu decken. Das Gleichgewicht im Etat dieses Scchres könne nur durch strenge Sparsamkeit erhalten bleiben, da die Ansätze Raum zu irgendwelchen anderen Aus­gaben nicht mehr ließen. Sm Anschluß an diese Ausführungen wird auf den Vorschlag der Gesell­schaft auf Erhöhung der Eifenbahn- : tarife verwiesen.

Wie bisher, nimmt auch im vorliegenden Be­richt die Besprechung der öffentlichen Fi- n anzwirtschaft den weitesten Raum ein. Der Generalagent ist der Ansicht, daß- der die Etats der Mehrzahl der öffentlichen Verwaltungen kennzeichnende Zug eine

große Ergiebigkeit der Einnahmen unb gleich­zeitig bas ständig steigende itioe.au der Aus­gaben

gewesen ist, eine Entwicklung, 6-ie in großem Umfang Anleiheaufnahmen notwendig gemacht hat. Hinsichtlich des Reichshau.shal ts führt er aus, daß zwar in den letzten Monaten die Kassenlage sich in einem Zustande starker Span­nung befunden, daß aber die Reichsregierung eine Reihe von Maßnahmen zur Herbeiführung einer Entspannung der Lage ergriffen und der Reichsfinanzminister amtlich bekanntgegeben hat, eS werde den gesetzgebenden Körperschaften ein umfassendes organisches Programm über die ge­samte Finanzpolitik vorgelegt werden. Der Ge­neralagent zweifelt nicht an der.Lösungsmöglich­keit Problems der öffentlichen Finanzgeba- rung, zumal der neue Sachverständigen- bericht weitere Gelegenheit und weiteren An­trieb zur Entwicklung eines gesunden Finanz. Programms gibt, und zwar nicht nur wegen der von ihm an den Reparationszahlungen vor- genvmmenen Kürzungen, sondern, auch weil er die Ungewißheit über den Umfang der Repa- rationsverpflichtungen Deutschlands endgültig

aus ber Mett schafft.

Bei der Besprechung der Entwicklung des Haushalts der Länder und Gemein- d e n verweist der Generalagent darauf, daß die finanziellen Beziehungen zwischen Reich, Län­dern und Gemeinden noch keine endgültige Re­gelung erfahren haben. Die auf Grund der Ver­ordnung über Finanzstatistik bisher dem Pu­blikum zugänglich gemachten Statistiken genügen nach seiner Ansicht noch nicht, um sich ein voll­ständiges Bild der Finanzlage und laufenden finanziellen Bedürfnisse der Länder und Gemein­den zu verschaffen. Das letzte Finanzjahr ist durch erhebliche Zunahmeder öffentlichen Verschuldung des Reiches, der Länder und Gemeinden ge­kennzeichnet, die der Wirtschaftsdienst des Transferkomitees zum 1. März 1929 ein­schließlich der kurzfristigen Verschuldung, jedoch ausschließlich der Reparationsverpflichtungen und der vom Reich, den Ländern und Gemeinden eingegangenen Garantien, auf den Gesamtbetrag von etwa 15,6 Milliarden Reichsmark veran­schlagt.

3n den Ausführungen über die Kredit- tage in Deutschland und die deuts cheWäh- rii n g wird darauf hingewiesen, daß während der Derichtsperiode die Kreditlage eine Phase exzeptioneller Anspannung durchzumachen ge­habt hat. Ende Suni erhellt aus dem Zifsern- moterial, das verfügbar ist, daß der kritische Punkt überwunden und daß die deutsche Wirt- 'Haft als Ganzes mit der durch die hohen Kosten der Geldbeschaffung, für deren Hervor- msung der sich bekundende Finanzbedars des Reichs und der sonstigen öffentlichen Stellen auch weiterhin ein bedeutsamer Faktor bleibt, bedingten Einschränkung wieder voranschreitet. Noch immer ist, wie in jedem Augenblick feit der Stabilisation

der Wiederaufbau der inländischen kapitalver- forgung bis zu dem Grade, wo der Zinsfuß eine Senkung erfahren kann, das Kernproblem der deutschen Wirtschaft.

bis Samstag Mitternacht nicht für notwendig gehalten. Sn d«er Rächt zum Sonntag stieg die Temperatur bis 39,5. Sn einem Konzilium am Krankenbett wurde festgestellt, daß ein sofortiger operativer Eingriff nottoenbig sei. Die Gattin des Kanzlers wurde verständigt und reiste so­fort nach Mergentheim ab. Am Sonntag hat sich längere Zeit Reichsinnenminister Severing am Krankenbette des Reichskanzlers aufgehalten. Da der Kanzler von Mergentheim aus die Ge­schäfte bisher weiter erledigte, wird seine Vertre­tung der zur Zeit allein in Berlin weilende Reichsminister, Reichswehrminister ® roenc r , übernehmen.

Das Befinden nach wie vor ernst.

Heidelberg, 22. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Reichskanzler Müller verbrachte eine ange­sichts der schweren Operation befriedi­gende Rächt. Der Zustand des Patienten ist nach wie vor ernst.

Geheimrat Enderlen zufrieden

Heidelberg, 22.3uÜ. (WTB. Funkspruch.) Geheimrat E n d e r 1 e n , der die Operation des Reichskanzlers vollzogen Hal, erklärte nach der heute vormittag gegen 9 Uhr vorgenomme- I nen Untersuchung, daß er mit dem bisheri­gen Verlaus der Operation zufrieden sei.