Ausgabe 
22.6.1929
 
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Nr. m Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 22. Zuni 1929

Oberheffen.

Lar.r7reis C etzcn.

£ Wieseck, 21. Juni. Die Sängerver- einigung 1925 Wiefeck feiert am Samstag und Sonntag, 22. und 23.Juni, ihr Fahnen- m e i h f e st. Samstag abend findet ein Kommers statt, wobei auch der Arbeiter-Turn- und Sport- verein mit turnerischen Vorführungen Mitwirken wird. Der Sonntag bringt den Festzug, anschlie­ßend die Fahnenweihe, Gesangsvorträge, Konzert und Tanz. (Siehe Anzeige in der Freitagnummer.)

CD Lollar, 21. Juni. Die schon seit einigen Jahren umgehenden Gerüchte, daß d'e Besitzerin der Farbmühle Badenburg, die Zöllnerwerke, A.°G. für Farben- und Lackfabrikation (vormals C. 5). Cohn) in Berlin-Neukölln, sich mit der Absicht trage, die Badenburger Mühle stillzu- legen, werden jetzt zur Tatsache. Mit dem Ab­transport eines Teiles der vorhandenen Rohstoff­mengen ist bereits begonnen worden, während der Rest hier aufgearbeitet werden soll, so daß mit der Fortführung des Betriebes bis etwa Jahresende gerechnet werden kann. Die private Bautätigkeit, die im Vorjahre sehr stark war, schien sich im Frühjahr nur langsam zu entwickeln. Erfreulicherweise ist hierin noch eine Besserung eingetreten. Nach den bis jetzt möglichen Feststellungen kommen dieses Jahr acht Neubauten zur Errichtung, von denen der größere Teil bereits in Angriff genommen ist. Daneben kom­men noch einige An- und Umbauten zur Durchfüh­rung. Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß einige im Vorjahre errichtete Rohbauten in diesem Jahre den Innenausbau erhalten, kann man das Bauhandwerk immerhin als zufriedenstellend be­schäftigt ansehen.

chAus der Rabenau, 21. Juni. In unserer Gegend ist infolge des außerordentlich günstigen Wetters die Heuernte in vollem Gange. Der Grasstand ist trotz der Trockenheit im allgemeinen befriedigend. Don den Bergwiesen ist natürlich nur ein geringer Ertrag zu erwarten.

* Eberstadt, 21. Juni. Für die hiesige B ü r - germei st erwähl war nur e i n Wahlvorschlag eingereicht worden, so daß eine Abstimmung sich er­übrigte. Der seit sechs Jahren an der Spitze unseres Dorfes stehende Bürgermeister G ö r l a ch wurde einstimmig wiedergewählt. Unsere Ge- meinde wünscht dem Ortsoberhaupt, das sich allent­halben bei der Einwohnerschaft größten Vertrauens erfreut, eine weitere glückliche Amtszeit zum Besten der Gemeinde.

s. Trais-Horloff, 21. Juni. Für die am 30. Juni hierher ftattfinbcnöe Gauturnfahrt des Gaues Wetterau (Allgern. Deutscher Turnerbund) sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Vach den bis jetzt vorliegenden Mel­dungen rechnet man mit der Unterbringung einer derart großen Anzahl von Wetturnern, daß man wahrscheinlich noch den Vachbarort Utphe zur Beschaffung von Vürgerquartieren heran­riehen muß. Eine besondere Vote wird das Fest oadurch erhalten, daß für die Musik eine größere Gießener Kapelle gewonnen wurde. Mit dem Fest ist die Bannerweihe des hiesigen Turnvereins verbunden. Eine ganze Reihe von Wohnhäusern in der Hauptstraße haben ein neues Gewand angelegt.

Kreis Büdingen.

s. G e i ß ° V i d d a, 21. 3 uni. Zwei schwere Schicksalsschläge in kurzer Zeit erlitt die Familie des hiesigen Landwirts Jung. Er selbst wurde vor ungefähr sechs Wochen von seinem Pferde, das er noch nicht lange im Besitz hatte, durch einen Tritt in die Dauchgegend so schwer getroffen, daß er jetzt noch an den Folgen dar- niederliegt. Bekannte rieten dazu, das Tier ab-

Ae Wien Mm ooo mm.

Roman von Edgar Wallace.

8 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Er hielt sich einige zehn Minuten bei dem Kommissar auf, fuhr dann sofort in die Stadt, und das junge Mädchen sah ihn nicht vor sieben Uhr abends wieder. Trotzdem er ihr gesagt Hatte, sie sollte nicht auf ihn warten es war Samstags und die Bureaus schlossen bereits um ein Uhr, fand er sie lesend an chrem Schreibtisch. Larry war so erfreut, daß er ver­gaß, ihr Vorwürfe zu machen.

»Ich hab's?" rief er frohlockend.

.Was denn? Den Mörder?" fuhr sie hoch.

Vein, dein Stuarts Geschichte. Ist schon eine Antwort auf meine Kabeldepesche ge­kommen?"

Diana schüttelte den Kopf.

Das macht nichts," sagte er lebhaft und mar­schierte im Bureau auf und ab.Ich habe die Eintragung der Trauung gefunden. 3m diaman­tenen 3ubiläumsjahr, August 1897, fand die Trauung statt und wurde in einer Kirche in Highgate gefeiert. Und wissen Sie, was dann passiert ist?" t. y ,

Ich habe keine Ahnung," sagte fte langsam.

Sie sollen es gleich hören. Gordon Stuart, zu" der Zeit noch ein junger Mann, war be­suchsweise in England. Ich Hube herausgefunk^n, daß er vom 3uni bis August im Cecil gewohnt hat. Der Vame seiner Braut war Margaret Wilson, er heiratete sie und kam dann im März 1898 nach dem Hotel Cecil zurück, aber allein. 3m Hotel haben sie mir erzählt, daß er zwei Tage später nach Kanada abreiste. Man hat dort ein Buch, in dem zum Vachsenden der Post die Adressen der Besucher eingetragen werden, und es gab nicht die geringste Schwierigkert, sein Reiseziel festzustellen. Dann habe ich bar Vikar der Kirche, in der er getraut wurde, auf- gesucht, und dort habe ich meinen großen Fund gemacht."

Er hielt inne und fuhr sich stirnrunzelnd durch die Haare.

Ich gäbe was drum, wenn ich wüßte, wer der lange Mann war, dem der kleine Finger an der linken Hand fehlte," brummte er.

Wieso?" meinte sie überrascht.

Er ist einen Tag vor mir bei dem Vikar ge­wesen," erwiderte Larry verstimmt, fuhr dann aber lebhafter fort:Hier haben Sie die ganze Geschichte, wie sie Stuart dem Vikar erzählte, den er am Tage vor feiner Abreise im Strand traf. Er sollte nie wieder nach hier bis vor un­gefähr neun Monaten zurückkehren."

Der Vikar, der die Trauung vollzogen hatte, erinnerte sich noch deutlich der näheren älm-

Das Angebot der Ruhrgas-A.-S. an die Hekoga.

WSV. Frankfurt a. M., 21. 3unt 3n einer heute hier abgehaltenen Pressebesprechung gab das Vorstandsmitglied der Ruhrgas- A. - G., Hermann S e i p p e l, einen Ueberblick über

die Ziele der Ruhrgas A.-G. hinsichtlich bar Gasfernversorgung

und versuchte im besonderen die Unterschiede zwischen den bekannten Angeboten der Ruhr- gas - A. - G. und der Südwestdeuts che n G a s - A. - G. an die Hekoga, vom Stand­punkt der Ruhrgas-A.-G. aus, näher zu erläu- tcrn. Er ging davon aus, daß die Ruhrgas-A^G. eine Einigung zwischen Hekoga und Südwega be­grüßen werde, da ein Vertrag zwischen beiden der Ruhrgas-A.-G. ein größeres Absatzgebiet erschließen könne. Es werde ein Gegensatz zwischen privater und öffentlicher Wirtschaft kon­struiert, der in Wirklichkeit nicht bestände. Die Selbständigkeit der angeschlossenen ®emeinl>en und die Verteilerinteressen würden durch die Gasfernversorgung nicht beeinträchtigt.

Die Ruhrgas A.-G., die durch eine günstige ver> iverlung der Nebenprodukte niedrige Gaspreise gewähren könne, fei der Meinung, daß nament­lich in Gewerbe und Industrie in der Zukunft andere Brenn flösse weitgehend durch Gas zu ersehen seien.

Diese Meinung stützte sich auf Erfahrungen, die in anderen Ländern und im rheinischen Industrie­gebiet gemacht worden seien. 3m April v. 3. habe die Gesellschaft das Gasnetz des R.W^. übernommen; nach einem 3ahre habe man den Absatz um über 30 Prozent steigern können. Die Gasabgabe der Gesellschaft betrage jetzt schon täglich 1,2 Millionen Kubikmeter, wovon 400 000 Kubikmeter aus dem alten R.W.E.-Veh uwd 800 000 Kubikmeter aus dem neuen Veh, letztere Menge lediglich an die Industrie, abgegeben werde. Ein Werk der Vereinigten Stahlwerke, die Niederrheinische Hülle, verbrauche mehr Gas als die Städte Düsseldorf, Dortmund und Sulz­burg zusammen, nämlich elwa 140 Mill. Kubik­meter jährlich. Der in der Zukunft wachsende

Bedarf von 3ndustrie und Gewerbe könne durch die Erzeugung der Kommunen nicht befriedigt werden. Bei dem Angebot der Südwega an die Hekoga habe es sich praktisch gezeigt, daß die Kommunen nicht die niedrigen Preise und nicht die Mengen, wie die Ruhrgas-A.-G. bieten könnten. Es sei ihnen auch nicht möglich, die Spitzen zu liefern, die bei einer Zunahme des Verbrauchs notwendigerweise aufträten. Bei den Berechnungen der Hekoga sei man von der An­nahme ausgegangen, daß die Belastung der Ko­kerei einigermaßen gleichmäßig sei. Wenn aber tatsächlich in einem strengen Winter die Vach­frage stark wachse, müsse mit dem steigenden Kapitaldienst der Gaspreis steigen.

3m Zusammenhang mit einer Steigerung der Nachfrage stehe auch eine starke Vermehrung des Koksanfalls, der von den Kommunen nicht ohne weiteres abzusehen fei, da der Ruhrberg­bau ihnen wohl nicht kampflos den Markt überlassen werde.

3m Falle einer Kohlenpreissteigerung könne ferner immer eine Gaspreiserhöhung eintreten, denn die Preise der Vebenprodukte, wie Teer, Ammoniak, Benzol usw. gingen nicht unbedingt mit in die Höhe. Aus diesem Grunde habe auch die Rubrgas-A.-G. mit ihrem Angebot ein gro­ßes Risiko übernommen. Die Saar könne nicht dasselbe bieten wie die Ruhr, da ihr augenblick­lich nicht deren große Gasmengen zur Verfügung ständen, wenn auch Wohl in der Zukunft Gas­fernleitungen von der Saar für die benachbarten Gebiete, wie die Pfalz usw., unausbleiblich feien. Ein Jdealzustand sei der Dau von Leitungen sowohl von der Ruhr wie von der Saar, wobei die örtlichen Anlagen in Frankfurt a. M., Mainz und Mannheim bestehen bleiben könnten, da sie als Stützpunkte sehr erwünscht seien. Schließlich wurde betont, daß der wirtschaftliche Unterschied der Angebote darin bestehe, daß die Ruhr- g a s - A. - G. der 3ndustrie besonders niedrige Preise bieten könne und in der Lage sei, den wachsenden 3ndustriebedarf ohne Preissteigerung zu decken.

zuschasfen, was aber unterblieb. Run hat neuer­lich das gleiche Pferd den noch ledigen Sohn des Hauses durch Ausschlagen tödlich verletzt. Der junge Mann, der in Kürze zu heiraten beabsichtigte, wurde heute unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen

* Aus dem oberen Viddatale, 21. Juni. Einen erheblichen Einnahmeausfall be­deutet für viele Landwirte unserer ©egc.u in diesem 3ahre das Ausbleiben der Dick- wurzpflanzen suchenden Vogelsber­ger, die ausnahmsweise einmal genugSetz­werk" hatten. Mancher, der seit 3ahren seinen Betrieb auf den Verkauf von Dickwurzpflanzen eingestellt hatte und in einer einnahmearmen Zeit ein schönes Stück Geld zusammenbrachte, sieht sich in seinen Erwartungen getäuscht und muß seine Pflanzen verfüttern. Der Ver­häng der Ob st bäume, besonders der Apfel­bäume, ist zufriedenstellend. Allerdings bewirkt die herrschende Trockenheit bereits ein Abfallen der Früchte. Das Bespritzen der Obff* bäume, das von manchen Obstzüchtern erstmalig durchgeführt wurde, zeitigt schon Erfolge, denn die bespritzten Väume sind schädlingsfrei, wäh­rend unbehandelte von Raupennestem wimmeln. Der strenge Winter 1928/29 hat das von seinem, fast ebenbürtigen Vorgänger 1923/24 begonnen?

stände. Wie er sagte, wäre Stuart ein sehr nei> vöser und etwas eingebildeter Mensch gewesen, der in steter Furcht vor seinem Vater, einem reichen Landbesitzer in Kanada, lebte. Bei einer Tasse Tee im Cecil vertraute ihm Stuart an, daß er feine Frau zurückließe und nach Kanada führe, um feinem Vater die Veuigkeit feiner Heirat beizubringen. Er war in großer Sorge, was fein Vater dazu sagen würde, oder viel­mehr, er hatte nicht den geringsten Zweifel, daß fein Vater außer sich fein würde. Der langen Rede kurzer Sinn war, daß er am nächsten Tage London verlassen, bei der ersten passenden Ge- legenfjeit seinem Vater reinen Wein einschenken würde, um dann zurückzukehren und seine Frau zu holen."

Ich zweifele nicht im mindesten daran, daß Stuart seinem Vater nichts erzählte, daß er das Geheimnis seiner Heirat sorgfältig hütete und schließlich in der Besorgnis, daß man doch da­hinterkommen würde, alle Verbindung mit seiner Frau abbrach."

Man soll über die Toten nichts Böses sagen," versetzte das junge Mädchen kopfschüttelnd,aber sehr anständig hat er nicht gehandelt."

Stimmt," sagte Larry.Es war feige. Aber auf jeden Fall muh er feiner Frau eine recht beträchtliche Summe gegeben haben denn als der Vikar sie wiedersah, lebte sie in guten Verhält­nissen. Drei Monate später, im 3uni 1898, wurde sein Kind geboren sein Kind, das er niemals sehen sollte, von dem er höchstwahrscheinlich nie­mals gehört hatte, bis ihn vielleicht nach 3ahren Gewissensbisse nach England brachten um Weib und Kind aufzufinden."

Wahrscheinlich hat er sich an ein Auskunfts­bureau gewandt, und das Resultat war die Ent­deckung auf dem Kirchhof in Beverley' Manor das Grab seines Weibes und feiner Tochter."

Wer ist denn aber Clarissa?" fragte sie, und Larry zuckte mit den Achseln

Das ist Rätsel Vummer zwei und muh noch gelöst werden."

Das junge Mädchen schwieg, und ihre Brauen runzelten sich nachdenklich. Plötzlich legte sie den Federhalter fort, an dem sie in Gedanken herum­geknabbert hatte, und blickte ihn über den Tisch hinweg mit einem langsamen triumphierenden Lächeln an, das in seinem Gesicht eine willige Antwort fand.

Sie haben es gefunden?" sagte er eifrig, und sie nickte.

Sie haben das Rätsel der Tochter Clarissa gelöst?"

Ich glaube, das war eines der leichtesten Probleme," sagte sie ruhig,und ich muh furcht­bar dumm fein, dah ich nicht früher daran ge­dacht habe. Haben Sie den Geburtsschein?"

Voch nicht. Wir wollen morgen versuchen ihn aufzufinden"

Zerstörungswerk an den Zwetschen- bäumen so beschleunigt, daß binnen kurzem mit dem Absterben eines großen Teiles der alten Zwetschenbäume gerechnet werden muß. Ein langsamer Ersah der dem Baumtode verfallenen Zwetschenbäume ist geboten, denn der Absatz von Zwetschen ist in Dörfern in Dahnnähe im­mer noch lohnend.

Kreis Schotten.

* Eichelsdorf, 21. 3uni. Dieser Tage konnte unsere Gemeinde trieb:rum einen wichtigen Abschnitt in dem feit 3al;ren geführten Kampfe gegen das Wasser die Kanalisation des Unterdorfes zu Ende führen. Die um­fangreiche, nach Plänen des Kulturbauamtes Gie­ßen von Maurermeister Friedrich Rau von hier ausgeführte Arbeit hat nun endlich nach Fertig­stellung der von den Hofreitebesihem herzu- stellenden Hausanschlüsse eine völlige Entwässe­rung der Mühlgasse herbeigeführt. Erhebliche Wassermassen von denen im günstigsten Falle ein geringer Teil langsam versickerte, werden jetzt zu raschem Abfliehen gebracht, und die Keller sind nunmehr voll benutzbar.

Kreis Als?eld.

Alsfeld, 21.Juni. Stadtvorstands­sitz u n g. In der gestrigen Sitzung befaßte man

Die Mühe kann ich Ihnen ersparen," fuhr Diana fortClarissa ist die andere Zwillings­tochter."

Zwillinge!" stammelte Larry. Diana nickte, und ihre Augen blitzten vor Vergnügen über feine Ueberraschung.

..Das liegt doch auf der Hand," sagte sie. Die arme Mrs. Stuart hatte Zwillinge, einer von ihnen starb, und der andere ist Clarisfn von deren Existenz Stuart vielleicht erst wenige Stunden vor seinem Tode erfuhr."

Larry starrte sie ehrfürchtig an

Wenn Sie Chefkommissarin der städtischen Polizei sind, werde ich außerordentlich dankbar sein, wenn Sie mich als Sekretär anstellen wür­den. 3ch habe das Gefühl, als ob ich noch eine Wenge zu lernen hätte."

10.

Flimmer Fred hatte London nicht verlassen und, um die Wahrheit zu sagen auch niemals die Absicht gehabt, fortzugehen. Verschiedene Zweifel bedrückten ihn die er klarstellen wollte, und sein Horizont war von einigen dunklen Wolken ver­finstert, die er gern verjagt hätte. Flimmer Fred war mit allen Wassern gewaschen Wäre er dies nicht, könnte er nicht in einem so ele­ganten Stil leben hätte keine schicke Wohnung in der 3ermhn Street und kein Motorcoupe, das chn abends zum Theater brachte. Seine Unkosten waren nicht gering, aber seine Ein­künfte desto höher. Er hatte immer verschiedene Eisen im Feuer, aber niemals verbrannte er sich die Finger an einem und das ist die große Kunst des Erfolges im Leben

Am Abend des gleichen Tages, an dem Larry das erste Rätsel des Falles Stuart gelöst hatte, sah Flimmer Fred allein in seinem prächtigen Wohnzimmer und dachte über eine Theorie nach, die er sich im Anschluß an eine am Morgen ge­machte Beobachtung gebildet hatte. Menschen seiner Veranlagung und mit den stets unsicheren Aussichten für die Zukunft leiden an chronischer Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit ist zum großen Teil mit die Veranlassung, dah sie vom engen und geraden Pfade der 3ugend abweichen, ist vielleicht die eigentliche Veranlassung zu ihrem Unglück. Hundert Pfund monatlich, zahlbar jähr­lich, ist sicherlich ein sehr hübsches Einkommen; aber nichts verabscheut die Welt des Hochstapler- tums, des Verbrechens mehr als Beständigkeit, Regelmäßigkeit und System drei Eigenschaften die gerade mit dem Gefängnisleben so eng ver­bunden sind, daß sie für die schon Vorbestraften in einem ganz besonders unangenehmen Geruch stehen

Zwölfhundert Pfund jährlich ergeben inner­halb fünf Fahren die respektable Summe von sechstausend Pfund oder bei dem gegenwärtigen

sich zunächst mit der Fischereiverpachtung des E i s a b a ch s. Die Berpachtung ergab einen Erlös von 88 Mk. gegenüber dem seitherigen Pacht­preis von 40 Mark; sie wurde genehmigt. Neuer Pächter ist der Naturheilkundige Daniel Laub. Der Voranschlag der Oberrealschule für da^ Rechnungsjahr 1930 weist einen Zuschußbedarf der Stadt von 40 554 Mark auf, gegenüber 41 540 Mark im Vorjahre. Die persönlichen Kosten betragen 125 892 Mark. Der Voranschlag wurde in der vor- gelegten Form genehmigt. Ausbau des alten Rentamtsgebäudes: Für einen städ­tischen Bediensteten, der in dem alten Anbau an der ehemaligen Stadtschule wohnt, muß infolge schlech­ter Beschaffenheit dieses Gebäudes eine neue Woh- nung geschaffen werden. Gemäß dem Vorschlag der Baukommission wurde beschlossen, zu diesem Zwecke eine Dreizimmerwohnung mit Zubehör im Dachge­schoß des alten Rentamts einzubauen. Der darüber vom Stadtbauamt vorgelegte Voranschlag in der Höhe von 2514 Mark wurde genehmigt. Mit der Errichtung der Wohnung soll alsbald begonnen, der alte Anbau an der Stadtschule soll niedergelegt wer­den. Vergebung von Kanalbauarbei- t e n: Der Vorsitzende gab bekannt, daß die Erd-, Maurer- und Rohrverlegungsarbeiten für die Ka­nalisation, Bauabschnitt 1929, dem Ludw. Schnei­der II. in Heuchelheim zu seinem Angebot von 17 012,60 Mark als Wenigstnehmenden zuge­schlagen worden seien, ebenso sei der Firma Jean D c r n & C o. in Gießen die Materiallieferung für die Kanalisationsarbeiten zu ihrem Angebot von 14 329,28 Mark als Wenigstnehmende übertragen worden. Wie der Vorsitzende dazu weiter ausführte, kann aus Mangel an Geldmitteln des Reiches und des Landes ein Darlehen für die verstärkte Förde­rung der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge nicht gewährt werden. Es kommt aus Mitteln der pro- duktioen Erwerbslosenfürsorge nur die sog. Grund- förderung in Frage. Beschäftigung von ausgesteuerten Erwerbslosen: Da immer noch eine erhebliche Anzahl von Arbeits- losen bei der Arbeitsnachweisnebenstelle Alsfeld vor­handen ist, von denen bereits eine Anzahl ausge­steuert ist und die mangels Arbeitsgelegenheit der öffentlichen Wohlfahrtsfürsorge zur Last fallen würden, wurde ein Kredit von 2600 Mark auc Be­schäftigung der ausgesteuerten Erwerbslosen be­willigt, der zum Ausbau von Straßen verwendet werden soll. Zu einem Gesuch des Peter Schmoll von Bürstadt wegen Errichtung einer Sammelwasenmeisterei in der Gemarkung Alsfeld, worin dieser die Stadtverwaltung um Auf- gäbe ihres früheren ablehnenden Standpunktes in der Angelegenheit ersucht, wurde beschlossen, diesen aufrecht zu erhalten, da man nach wie vor der An­sicht ist, daß die zu errichtende Anstalt mit einer üblen Geruchsbelästigung für den angrenzenden Stadtwald verbunden sein wird, und weil ferner die Befürchtung besteht, daß auch der Wildbestand da- durch notleidet und ein geringerer Pachterlös die Folge sein würde. Auch der Verkehrs- und Ver­schönerungsverein hat in dem gleichen Sinne Ein­spruch erhoben. Ein Gesuch von Grundbesitzern wegen zeitweiliger Ableitung des Liederbachs zur Verhütung einer weiteren Versumpfung ihrer Wiesen wurde nach längerer Aussprache nochmals an die Baukommission zu- rückverwiesen, da die Stadt auf ihr bestehendes Wasserrecht, das urkundlich schon seit 1350 besteht, nicht verzichten kann, zumal die anliegenden Garten- bcsitzer Einspruch erhoben haben. Es soll zunächst nochmals mit den Antragstellern verhandelt und eine Ortsbesichtigung oorgenommen werden.

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Wechselkurs vierundzwanzigtausend Dollar. Aber fünf 3ahre bilden auch eine bedeutende Spanne Zeit in dem abenteuerlichen Leben eines Mannes wie Flimmer Fred. Zwölfhundert Pfund ge­statten nur Atoetmal das Maximum im trente et quarante und können in weniger als drei Minuten verloren werden.

Dr. 3udd war Sammler. Fred hatte erfahren, dah Dr. 3udds Haus in Chelsea eine wahre Schatzkammer von Gemälden und antiken Schmuck- gegenständen war. Fred hatte in einer Zeitung einen längeren Bericht gelesen, dah Dr. 3udd der Besitzer historischer Juwelen war, deren Wert fünfzigtausend Pfund überschritt. Unö wenn auch Fred absolut kein Interesse für Geschichte hatte, so war er doch für den Wert kostbarer Steine äußerst empfänglich, und die Theorie, die er sich am Morgen gebildet hatte, war in erster Linie auf arithmetischer Basis aufgebaut. Wenn er sich innerhalb vierundzwanzig Stunden mit Kost­barkeiten im Werte von zehntausend Pfund aus dem Staube machen könnte, hätte er nicht nur sein Einkommen für acht bis neun Jahre im voraus, sondern er würde sich dann auch die Mühe ersparen können, alle zwölf Monate nach London kommen zu müssen, um sich seinGehalt" auszahlen zu lassen. Was könnte nicht alles in zwölf Monaten passieren! Wie leicht könnte ihm die Reise überhaupt unmöglich sein. Gefängnis­direktoren find bekannterweise gutem Zureden so schwer zugänglich. Vielleicht könnte er auch tot und begraben sein!

Cs würde natürlich ziemlich schwierig sein, diese Kostbarkeiten in die Hände zu bekommen, da der Doktor kaum der Mann dazu war, sein Eigentum unbewacht zu lassen. Die gewöhnlichen Methoden, einen unerlaubten Zugang in das Haus des Doktors zu erzwingen, waren mit Freds professionellen Gefühlen unverträglich. Er gewann seinen Lebensunterhalt durch sein ge­schicktes Mundwerk und durch die blitzartige Ge­schwindigkeit, mit der sich verschiedene Zellen seines Gehirns den plötzlichen Forderungen jeder unerwarteten Lage anzupassen verstanden. Ein Brecheisen war für Fred ein Instrument des Abscheus verkörperte es doch für ihn Arbeit. Aber es gab ja auch einen anderen Weg und wenn er sich erst einmal mit seiner Deute aus dem Staube gemacht hätte, würde der Doktor überhaupt toagen, ihn anzuzeigen?

Am Nachmittag schlenderte Fred ziellos durch Piccadilly Circus und sah sich plötzlich einem großen, etwas starken Mann gegenüber, der nach einem kurzen Blick in fein Gesicht versuchte, sich vorbeizudrücken. Aber Fred packte ihn am Arm und hielt ihn fest.

Ist denn daS nicht die liebe, alte Nummer 278? Wie geht's denn, Strauß?"

(Fortsetzung folgt)