Tomaten ein Pastetenhaus geben mit Ragout und Pilsen gefüllt, Omelette oder Rühreier mit Geflügelleber. Reh in Aspik mit Cumberlandsoße. Geflügel oder Gänseleber in Aspik mit Trüffeln, auch kleine Pasteten mit Ragout-fin und gemischte Fleischsalate. Dis hinauf zu frischem Hummer a l’Americaine, Gänseleberpastete und Kaviar im Eisblock.
Als Fischgang kann ein in Dratform pikant überkrusteter Hecht gegeben werden oder Zander, Limandes oder Merlans, auch Schleie; besonders fein: Salm grille mit Gurkensalat oder Forellen. Statt Salm wird auch Steinbutt oder Heilbutt in Scheiben kalt sehr gern gegessen. Mit Mayonnaise.
Als Fleischgang kann man statt der Hähne ? armierten Hammelrücken geben, Kalbskeule ä la ardiniere, d. h. mit verschiedenen Gemüsen garniert. Roastbeef mit Pommes frites oder Pommes saut£s eventuell mit Artischokenboden und Erbsen Gefüllt, Kalbsrücken soubise (mit Hackfleisch übec- rustet und mit Dratwürstchen garniert). Sehr vorteilhaft ist immer eine geräucherte Ochsenzunge mit grünen Erbsen. Einfacher: Deafsteaks auf Drotsockel, oder Tournedos, oder Prager Schinken mit Makkaroni.
Don Wild und Geflügel: Fasan, Rehrücken mit Rahmsoße yder kalt gereicht mit Früchten (Ananas, Sauerkirschen oder Erdbeeren) mit Cumberlandsoße, Rehschlägel, Ente mit ganzen gedämpften Aepfeln, gefüllte Tauben, Poularden oder Gans mit Kastanien gefüllt.
Salate: Sellene- oder Gemüsesalate aus roten Rüben, Endivien und Aepfeln länglich geschabt und mit Mayonnaise angemacht. Auch Obstsalat mit Mayonnaise wird zum Fleisch gereicht.
Als süße Speisen: sehr fein ist Obstsalat mit Danilleeis, Halbgefrorenes mit Schlagsahne, innen mit Schokolade gefüllt und mit warmer Schokoladensohe gereicht, Blätterteigpastete mit Eis oder Creme gefüllt und Sahne. Einfacher und doch fein' In der Auflaufform Obstsalat mit Loffel- biskuit und Creme, lagenweise geschichtet und mit einer Merinkenmasse (Eischnee mit Puderzucker) überdeckt, die bei Oberhitze in letzter Minute leicht gebräunt wird. Sehr einfach und auch sehr fein: Dananencremc aus durchpassierten Bananen mit Schlagsahne abgerührt und etwas Maraschino.
Käseslangen oder Plätzchen, vor dem Servieren kurze Minuten in der Röhre erhitzt, bilden nach der süßen Speise einen hübschen leckeren Abschluß.
So läßt sich das kleine Diner sowohl nach der feinen wie nach der bescheidenen Seite hin beliebig stufen. Droht das Diner mit drei Gängen auf einfachste Art noch immer ein bedenklicheres Loch in die Wirtschaftskasse zu reihen, als die Hausfrau verantworten mag, so wird sie lieber Fisch und Vorgericht ganz streichen statt qualitativ Reizloses zu bieten.
Reben der Sorge für erlesene Speisen und ihre Zubereitung spielt der hübsch gedeckte Tisch und die Art, wie die Speisen angerichtet und serviert werden, eine wichtige Rolle bei jedem Diner. Mit zum größten Stolz jeder Hausfrau zählt ihr Tafelgedeck. Hübsche Tischtücher und Servietten, gestickte Milieus, Porzellan und Silber, die sie mit Feinsinn und Geschmack zu arrangieren weih. Ganz undenkbar aber wäre ein Tisch zu festlicher Gelegenheit ohne den geringsten Blumenschmuck.
Die dienstbaren Geister tragen ein schwarzes, noch moderner heute ein braunes Servierkleid mit beige (in Tee) getöntem mit Valenciennes umsäumtem Voileschürzchen. Die Herrin des Hauses hat ihr Mädchen zuvor in aller Ruhe mit den Regeln des Servierens vertraut gemacht und, wenn es nötig ist, vor leeren Stühlen und mit ihr selbst geübt. Sind ihre Gäste einmal da, wird sie auf keinen Fall ein Mädchen rügen, das beim Servieren einen Fehler macht.
Likör und Mokka in kleinen Tassen wird nach dem Essen im Salon oder Wohnzimmer gereicht. Wird cs spät, vielleicht noch belegte Brote mit Bier und Limonade.
WeWiisiimEMor.
Vornan von Senta Neckel.
Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ein Aufschrei ging durch den Leserkreis, als am fünften Tag nach Cllinors Verschwinden authentisch gemeldet wurde, daß Ellinor sich zur Zeit in Reuyork aufhielte.
Die Reuyorker triumphierten. Run würde man sie doch finden! Auf der Straße konnte man sie treffen, in der Hintergrund, in einer Taxi würde sie vielleicht an einem vorüberfahren. Vielleicht hatte man sie gestern gesehen, vielleicht saß sie noch eben neben einem in der Straßenbahn, ohne daß man es ahnte.
Reuyork packte ein Rausch.
Wetten wurden abgeschlossen für und wider Ellinor.
Alarmnachrichten scheuchten die Menschen aus ihrer Ruhe auf. Immerfort passierte etwas Reues.
IV.
Eines Tages verkündeten große Anschläge, daß Ellinor am folgenden Tag im Kaufhaus Lafayette Einkäufe machen werde, natürlich in einer Verkleidung, aber immerhin so, daß ein scharfer Beobachter sie herausfinden würde.
Am Morgen dieses Tages lieferten sich die Passanten beinahe Strahenschlachten.
Die Polizei mußte ordnend eingreifen, um einigermaßen den Verkehr zu regeln. Zeitweise wurde das Kaufhaus wegen Ueberfüllung gesperrt.
Die kleinen Ladenmädchen versahen an diesem Tag ihren Dienst mit besonderem Eifer. Sie sahen ihren Kundinnen forschend ins Gesicht:
„Bist du Ellinor?"
Die Abteilungschefs vergaßen ihre angeborene Würde und durchmaßen eilenden Schrittes ihre Ressorts und hatten ein wachsames Auge auf alle Kundinnen.
Eine mußte ja Ellinor fein.
Alm die Mittagsstunde liefen alarmierende Meldungen ein.
Atemlos kam die Puhdirektrice zum Chef gerannt.
„Hier!"
Sie hielt ihm einen kleinen Zettel hin.
3n Ellinors fester, charakteristischer Handschrift, die man von den Anschlägen auf der Litfaßsäule her kannte, stand geschrieben:
„Warum machen Sie die Augen nicht auf, eben kaufte ich bei Ihnen einen Hut!"
Die kleine Dame war fassungslos.
„Ich habe jede Kundin im Kopf, es kann nur die Dame mit dem Fehmantel gewesen sein —
Es ist nicht gesagt, daß es billiger ist, ein Essen zu Hause zu kochen, als es aus einer Stadtküche liefern zu lassen, was der Hausfrau alle Mühe und Aufregung erspart. Sicher aber ist es äußerst praktisch, einen einzelnen Gang fertig zu bestellen. Das kann man wohl — und er kommt pünktlich zur gewünschten Minute.
Die Sorge für Getränke, Zigaretten und Zigarren ist Angelegenheit des Hausherrn. Zum Horsd'oeuvre reicht man gerne einen Süßwein, Haut-Sauternes, Sherry oder Portwein. Zu Fisch und Vorgericht einen Moselwein, zum Fleischgang Rheinwein. Bei festlichen Gelegenheiten zum Rachtifch gut gekühlten Sekt. Rotwein stellt man in Karaffen auf den Tisch, so daß sich jeder, der ihn wünscht, bedienen kann.
Aus der provinzialhauptstadi.
Gießen, den 22. Mai 1929.
Deutsche Entomologen herzlich willkommen in Gießen!
In den Mauern der oberhessischen Provinzialhauptstadt, am Sitz der altberühmten hessischen Landesuniversität, wird vom 22. bis 26. Mai die III. Wanderversammlung Deutscher Entomologen tagen. Roch hat in weiten Kreisen der Devölk rung das Wort „Enlo.roio^i:" einen fremden Klang, und doch wissen viele, welch' große Bedeutung die Objekte der entomologischen Forschung, die Insekten, für Wirtschaftsführung, Besitz und Gesundheit des Menschen haben.
Die einsichtsvolle Wertschätzung dessen, was hier an Arbeit geleistet und auch künftig noch zu leisten sein wird, ist in schnellem Zunehmen begriffen. Das beweist auch die Teilnehmerliste der Gießener Tagung, die rund 220 Ramen enthält — eine Zahl, die von den vorausgehenden Versammlungen auch nicht annähernd erreicht worden ist. In dieser Liste finden sich Ramen von bestem wissenschaftlichen Klang, so daß der Kongreß durch seine Vorträge und den Meinungsaustausch der Fachleute viel Erfolg und Forderung verspricht.
.Unfere Stadt hat es sich denn auch nicht nehmen lassen, in Verbindung mit der hessischen Staatsregierung die Entomologen gastlich zu bewirten und ihnen zum Abschluß der Tagung, am Sonntag, 26. Mai, Gelegenheit zu einem Ausflug in den Vogelsberg, den landschaftlichen Höhepunkt Oberhessens, zu geben, wie auch sonst alle Kräfte am Werk find, den Gästen die Gießener Tage zu einem schonen Erlebnis und einer angenehmen Erinnerung zu gestalten.
Das wissenschaftliche Programm der Versammlung sieht für zwei Verhandlungstage je ein Hauptthema allgemeinen Inhaltes vor. nämlich „Spezies-Degriff" und „Phylogenie". Der dritte Verhandlungstag soll verschiedenen entomologischen Einzelthemen gewidmet sein. Lieber den Verlauf der Sitzungen wird von uns berichtet werden.
Heute verbinden wir mit unserem Willkommgruß den Wunsch, daß die 111. Wanderversammlung Deutscher Entomologen einen glücklichen und erfolgreichen Verlauf nehmen und die Stadt an der Lahn als Tagungsort den Teilnehmern in gutem Gedenken bleiben möge!
Oer Gießener Bahnhof heute und einst.
Nach dem neuen Sommerfahrplan kommen auf dem Gießener Bahnhof täglich 93 Personenzüge an, 84 Züge fahren aus. Man hat bei dem Bahnbau vor beinahe achtzig Jahren wohl nicht mit einem solchen Aufstieg im Bahnoerkehr rechnen und voraussehen können, sonst hätte sowohl die Bahn selbst, wie insbesondere der Bahnhof, eine andere Gestalt bzw. Lage erhalten. Nach mündlichen Ueberlieferungen war ursprünglich beabsichtigt, den Bahnhof zwischen Lahn und Oswalds- garten zu erbauen. Dieser Gedanke wurde befon«
aber nein, die gab mir ja genau ihre Adresse an, wohin ich die Sachen schicken solle und noch eine Auswahlsendung dazu. Vielleicht war es aber die Dame, die das teure Pariser Modell gekauft hatte, die hatte sich so merkwürdig schnell entschlossen, trotz des hohen Preises ..."
Ach. was nützte das Rachdenken? Run war die Chance vorbei. 100 000 Dollar waren zum Greifen nahe gewesen, man hätte nur zulangen müssen — aber man hatte die Gelegenheit verpaßt.
Aus verschiedenen anderen Abteilungen liefen ähnliche Zettel ein, auf denen stand, daß Ellinor eben ein Wäschestück gekauft hatte, oder daß der Fahrstuhlboy aus dem Fahrstuhl an der Haupttreppe nicht so viel mit seinen hübschen Kundinnen kokettieren solle, so daß ihm 100 000 Dollar dadurch durch die Lappen gegangen seien, daß die Verkäuferin Rr. 67 sie aufmerksam und nett bedient habe.
Als man die Verkäuferin Rr. 67 ausfragte, verfiel sie beinahe in Weinkrämpfe, denn sie hatte an diesem Morgen nur zwei Kundinnen bedient, das kam daher, weil sie die Abteilung für Sprungfedermatratzen verwaltete, und die wurden nicht en gros gefragt!
Ein heimliches Schmunzeln aber ging durch alle Lager, als sich die Rachricht verbreitete, der Chef der Hausdetektei hätte ein kleines Paketchcn erhalten, worin sich eine goldene ilßr, ein bunt« gesticktes, seidenes Tuch und zwei Paar Seidenstrümpfe befanden mit einem Zettel:
„Sie müssen nicht träumend in die Luft schauen, anbei die Sachen, die ich in Ihrem Kaufhaus im Laufe des Tages klaute. Ellinor."
Alle blonden Damen hatten an diesem Tag im Kaufhaus einen schweren Stand; mehr als einmal kam es vor. daß so eine Dame schimpfend behauptete, sie hätte noch nie im Leben Ellinor geheißen und sie verbäte sich solche Belästigungen.
Als das Warenhaus am Abend seine Pforten schloß, verkündeten Extrablätter, daß die Iagd auf Ellinor im Haus Lafayette vergeblich gewesen sei. y
In dem großen, geräumigen Badezimmer der kleinen Villa in der Winsloe-Street plätscherte das Wasser in die Wanne.
Der Duft eines feinen, diskreten Parfüms lag über dem Raum. Schwämme und Dürsten schwammen lustig im Wasser.
Ellinor ließ mit einem Seufzer der Erleichterung die letzte Hülle fallen und stieg ins Wasser.
Wohlig dehnte sie ihren schönen Körper, Himmlisch war so ein Bad nach einem anstrengenden Tag-
Sie lachte leise auf. illfig war es im Warenhaus gewesen. Ieder hatte sie forschend angeschaut, bk Ladenmädchen hatten freundlich gekichert, als sie gefragt hatte:
bers von den Bewohnern der Neustadt, die damals als Hauptverkehrs- und Geschäftsgegend bezeichnet wurde, befürwortet; man hielt es für unzweck- mäßig und den Interessen der Einwohner zuwider- laufend, „weit draußen und droben" am Seltersberg das Bahnhofsgebäude zu errichten; mancher harte Strauß wurde an den Biertischen und wohl auch im Gemeinderat ausgefochten, und auch die Mitglieder der hessischen Negierung in Darmstadt mögen vor schweren Entschlüssen gestanden haben, denn von Lollar bzw. Niederwalgern bis Bildet kam hessisches Gebiet in Frage. Als schließlich die Köln-Mindener Bahn bis Gießen durchgeführt und durch eine Gesellschaft die Oberhessischen Bahnen gebaut wurden, teilten sich drei Verwaltungen, die Köln-Mindener, die Main-Weser- und die Ober- hessischen Bahnen in den Betrieb auf dem Gießener Bahnhof. Auch die Dienstkleidung der Beamten war dreimal verschieden. Noch bis in die achtziger Jahre hinein war die Zugabfertigung mit Geräusch verbunden. An den Bahnsteigen hingen Glocken, jeder Zug wurde mit Geläut empfangen und mit Geläut verabschiedet. Der Zugführer pfiff kräftig und die Lokomotive noch kräftiger, wenn der Zug hielt und wenn er wieder abfuhr. Es war ein Heidenlärm, wenn zufällig mehrere Züge ein- ober ausliefen. Man erzählt, daß ein am Bahnhof anwesender Amerikaner sich zu der Frage verstieg, ob nicht auch noch geschossen, getrommelt ober geblasen würde.
Heute geht alles still vor sich, die Züge laufen ohne Glockengruß ein und ebenso geräuschlos wieder aus, nachdem der diensttuende Beamte bas Zeichen gegeben hat. Zu einem in jeber Beziehung ibeal angelegten Bahnhof werben wir -in absehbarer Zeit schwerlich kommen, aber seine jetzige Lage wirb nach unb nach unhaltbar. Die vorgesehenen Umstellungen in ber Borhalle bleiben nur Notbehelf. Wir müssen uns bamit abfinden, wie mit dem Zweiklassensystem in den Personenzügen unb — bem weißen unb Zeitungspapier im W. C. E.
Film und Jugendliche.
Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt eine Polizeiverordnung über die Zulassung von Jugendlichen unter 18IahrenzurVorführungvon B i l d st r e i f e n. Darin wird folgendes bestimmt:
Unverheiratete Iugendliche unter 18 Iähren haben, auch wenn sie sich in Begleitung Erwachsener befinden, nur zu Iugendvorstel- lungen, d. h. zu solchen Vorstellungen Zutritt, in denen ausschließlich die für Iugendliche ausdrücklich zugelassenen Bildstreifen vorgeführt werden.
Iugendvorstellungen müssen spätestens um 8 Llhr abends beendet sein. Iugendliche von 6 bis 14 Iahren dürfen die Vorstellungen nur in Begleitung erwachsener Aufsichtspersonen besuchen.
Personen, die entgegen den Vorschriften dieser Verordnung in Lichtspielvorstellungen angetroffen werden, können aus diesen zwangsweise entfernt werden.
IugendvorsteUungen sind durch Aushang am Eingang, sowie an der Kasse als solche zu bezeichnen. Mit der Vorführung von Bildstreifen, die für Iugendliche nicht ausdrücklich zugelassen sind, darf erst begonnen werden, nachdem der Zuschauerraum von den für eine vorausgegangene Iugendvorstellung zugelassenen Iugendlichen vollständig geräumt ist. Desgleichen dürfen Iugendliche den Zuschauerraum erst nach Ablauf des einer Iugendvorstellung vorausgehenden und für Iugendliche nicht zugelafsenen Bildstreifens betreten.
Die Veranstalter von Lichtbildvorführungen, sowie deren Vertreter im Sinne des § 151 der Gewerbeordnung sind verpflichtet, Personen, von denen nach ihrem Aussehen angenommen werden kann, daß sie noch nicht 18 Iahre alt sind, zurückzuweisen, sofern sie nicht nachweisen können, daß sie das 18. Lebensjahr vollendet haben oder verheiratet sind.
„Run, mochten Sie nicht Ellinor finden?"
Keiner hatte sie erkannt, die Maske war gut gewesen.
Eine dunkle Perücke, ein paar Sommersprossen auf die blütenweiße Haut gemalt, und schon war man unkenntlich geworden.
Das Wasser schäumte und spritzte.
Ellinor drehte die kalte Brause an und duckte sich unter dem Strahl.
Ein leiseS Klopfen an der Tür ließ sie zusammenfahren.
„Es ist acht ilßr, Miß Stanley," flüsterte eine Stimme.
„Es ist gut, lassen Sie den Wagen fertig machen und in der Passcrstreet warten, ich bin in wenigen Minuten fertig!“
Als Ellinor wenige Minuten später in das kleine Speisezimmer kam, wartete Chung Li, ihr chinesischer Diener, auf sie. Chung Li war feiner Herrin ergeben, wie ein treuer Hund. Er war verschwiegen und zuverlässig, deshalb hatte auch Ellinor ihn zum Begleiter ihres 2lbenteuers ausersehen.
Chung machte seiner Herrin ein Zeichen.
„Ein Herr wartet im Rebenzimmer!"
Ein heißer Schreck durchfuhr Ellinor.
Besuch?
War ihr Geheimnis schon entdeckt?
Rur das nicht! Aber wie war es möglich?
Die kleine Villa gehörte einer Freundin, auf deren Zuverlässigkeit man bauen konnte. Außerdem hatte Mary allen Grund, diskret zu sein, denn sie hatte sich in eine ziemlich dumme Angelegenheit eingelassen. Alkoholschmuggel, irgendeinem Flirt zuliebe. Bei Mary konnte man nie wissen, weshalb, sie war ein exzentrisches Wesen, aber im Grunde genommen, war sie ein anständiger, lieber Kerl.
Mary war nun für ein paar Wochen verreist, damit Gras über die unangenehme Sache wachse.
„Was will der Herr und wo ist er?"
„Er hat es nicht gesagt, aber er ließ sich nicht abweisen, und ich wollte nicht widersprechen, um keinen Verdacht zu erregen, er wartet im Damensalon I"
„Cs ist gut!"
Ellinor drehte die elegante Visitenkarte unschlüssig in der Hand.
RogerD. Mills
Reuyork
las sie. Die Karte sagte ihr nichts, man mußte abwarten, was der Besucher wollte, vor allen Dingen durfte man sich keine Bloße geben.
Heilige Frechheit hilf!
„Fähren Sic den Herrn in das Rauchzimmer, ich tomme sofort!"
Ellinor spekulierte richtig. Das Rauchzimmer wurde nur durch eine kleine Ampel erhellt, Mary liebte das Mystische.
Die Beschäftigung von Personen unter 18 Iahren in Lichtspielhäusern als Musiker, Platzanweiser usw. ist verboten.
Insoweit nicht nach den Strafbestimmungen des Hichtspielgesehes höhere Strafe verwirkt ist, werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. bestraft
1. Lichtspiclunternehmer oder deren Stellvertreter, die den Vorschriften dieser Verordnung zuwiderhandeln
2. Personen, die unverheiratete Iugendliche unter 18 Iahren zu einer nicht als Iugendvorstellung bezeichneten Vorführung mitnehmen;
3. Personen, die Kinder unter 6 Iahren zur Vorführung von Bildstreifen mitnehmen.
Die Polizeiverordnung ist mit sofortiger Wirkung in Kraft getreten.
Haftung der Reichsbahn
für schrankenlose Bahnübergänge.
Der frühere Hotelier B. aus Sch. führt feit 1925 einen Rechtsstreit um Schadenersatz mit der Reichsbahn. Im Rovember 1925 ereignete sich in Mittel-Schmalkalden ein schwerer Autv- unfalL Ein mit acht Personen besetzter Kraftwagen, der von B. gesteuert wurde, passierte den schrankenlosen Bahnübergang in Mittel- Schmalkalden, wurde von einer Lokomotive erfaßt und zertrümmert. Zwei Personen wurden getötet, vier schwer verletzt, darunter auch B. Er mußte seine Existenz aufgeben und stellte Schadenersatzansprüche in Hohe von 80 000 Mk. an die Reichsbahn. Landgericht und Oberlandesgericht Iena haben dieser Klage B.s entsprechend entschieden. Die gegen diese Entscheidung von der Reichsbahn eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht kostenpflichtig verworfen (VIII. Z. 559/28 vom 13. Mai 1929).
In einem anderen Falle hatten die Familienangehörigen zweier verstorbener Händler auS Oppeln gegen die Reichsbahn auf Schadenersatz geklagt. Die beiden Händler wurden im August 1926 bei einem schrankenlosen Liebergang auf der Landstraße Oppeln—Mellowih von der Lokomotive eines Personenzuges, dessen Herannahen sie übersehen hatten, überfahren und getötet. Ihre Angehörigen machten die Reichsbahn für den Unfall verantwortlich, wurden aber vom Landgericht Oppeln mit ihrer Klage abgetoiefen. Gegen dieses Urteil hatten die Kläger Berufung eingelegt, und das Oberlandesgericht in Breslau hob das Urteil der Borinstanz auf und verurteilte die Beklagte, den Klägern einen Teil der gestellten Ansprüche zu gewähren. Gegen dieses Urteil richtete sich die Revision der Beklagten, die aber vom Reichsgericht als unbegründet zurückgewiesen wurde. (VI. Z. 612/28 vom 13. Mai 1929.)
Wohlfahrisbriefmarken 1929.
Cs wird beabsichtigt, auch im laufenden Iahre ab 1. Rovember wieder Wohlfahrtsbriefmarken zugunsten der Deutschen Rot- Hilfe herauszugeben. Der Wohlfahrtsaufsch«ag der diesjährigen Wohlfahrtsbriefmarken soll jedoch herabgesetzt werden, um dadurch einen größeren Absatz zu erzielen. Zur Ausgabe gelangen nachstehende Briefmarken: eine 5-Pf.- Marke, Wohlfahrtsaufschlag 2 Pf., Verkaufspreis 7 Pf., Wappen von Bremen; eine 8-Pf.-Marke, Wohlfahrtsauffchlag 4 Pf., Verkaufspreis 12 Pt. Wappen von Lippe; eine 15-Ps.-Marke, Wohlfahrtsaufschlag 5 Pf., Verkaufspreis 20 Pf.. Wappen von Lübeck; eine 25-Pf.°Marke, Wohlfahrtsaufschlag 10 Pf., Verkaufspreis 35 Pf., Wappen von Mecklenburg-Strelih; eine 50-Ps.- Marke, Wohlfahrtsaufschlag 40 Pf., Verkaufspreis 90 Pf., Wappen von Schaumburg-Lippe. Die Erträge der diesjährigen Ausgabe sollen in erster Linie für die Iugend Verwendung finden, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Erholungsfürsorge für die noch nicht schuhrflichtigen Kinder und ihre Mütter, sowie
Wie ein ODirbeltoinö flog Ellinor in ihr An- kleidezimmer, warf ein hauchzartes rosa Teagown über und verweilte lange vor dem Spiegel.
Ellinor war zu sehr Frau, um nicht zu wissen, daß ein gutes Aussehen auch die schwierigste Konversation erleichtern würde, daß ein Mann, sollte er sein wie er wollte, sich niemals einer blendend aussehenden Frau gegenüber ganz verschließen konnte.
Das Abenteuer lockte sic. Aber Vorsicht war geboten, wenn sie sich nicht mit einem Schlag alle Chancen verderben wollte.
Ellinor strich das Lockenhaar mit Pomad- ganz glatt und zog sich einen Scheitel.
Dann fuhr sie ein, zweimal mit dem Stift übel die Augenbrauen und schminkte sich auf der rechten Backe eine feine rote Rarbe, wie sie Mary von ihrem letzten Unfall her hatte. Im Tolletten- tisch der Freundin fand sie eine altertümlich« goldene Spange, als Armreifen gearbeitet, ein kostbares Familienstück, wie sie von Mary wußte. Sie legte den Reisen um ihr schmales Hand« gelenk.
Mit einem liebenswürdigen Lächeln trat sie in das Rauchzimmer. Der Mann, der dort in nachlässiger Haltung in einem Klubsessel lag und sich bei ihrem Eintreten kaum erhob, mißfiel ihr sofort.
Er war zwar elegant gekleidet und hatte eintadellose Figur, trotzdem warnte sie eine innere Stimme zur Vorsicht.
In dem scharfgeschnittenen Gesicht war ein solcher kalter Zynismus, um den messerscharfen Mund ein derart abschreckender Zug von Brutalität, daß Ellinor leise zusammenschauerte, als sie ihre Hand in die knochige Rechte des Besucherlegte.
Trotzdem fragte sie liebenswürdig: „Was führt Sie zu mir?“
Der Mann antwortete nicht gleich.
Ellinor setzte sich in einen der tiefen Klubsessel. Eine lange, drückende Pause lastete über ihnen.
In absichtlich nonchalanter Haltung lehnte Ellinor in ihrem Sessel, sah nachdenklich dem Rauchwirbel ihrer Zigarette nach und wartete auf den ersten Angriff des Mannes. Daß der unheimliche Fremde nicht in guter Absicht gekommen war, war Ellinor im ersten Augenblick klar geworden.
Eine Sehnsucht nach George packte sie, eine Sehnsucht nach dem Mann, den sie vom ersten Moment des Sehens an geliebt hatte, den ftß im wilden Aufwallen des Gefühls geküßt hatte, nicht um ihn damit an sich zu fesseln, sondern weil sie gar nicht anders ßanöeln konnte.
(Fortsetzung folgt)
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