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22.5.1929
 
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Nr. 07 Zweites Blatt

Aeuherlen der Sommermode

Von 3Rufb Goetz.

Die Sommermode bringt dieses Mal einige Aeberraschungen. Es werden zum Unterschied gegen die Vorjahrewirkliche" Sommerkleider erscheinen. So sehr man sich bemüht, der Frau Den langen Rock aufzudrängen, so energisch weist i se ihn zurück. Die Kleider der neuen Saison iind kurz, duftig, beschwingt. Vicht mehr ganz 0 kurz wie bisher. Man hält sich von jedem Lxtrem fern und will nur das Zeitentsprechende und Praktische. Sn der Hoffnung, daß uns der Sommer dieses Sahr nicht enttäuschen wird, hat ,nan die leichten zarten Gewebe in den Vorder­grund gerückt. Sommerkleider aus Batist, aus Seinen. Voile. Mousseline werden das Modebild beherrschen. Die Aermel sind dem Sinn des Kleides entsprechend vielfach kurz. ja. eine große Anzahl der Sommerkleider ist gänzlich ärmellos gearbeitet. Die Weite des Rockes beginnt unter- ; halb der Hüsten durch Glocken, tief eingelegte Falten und auch durch Plisses. Sn der Hüft- partie liegt das Kleidungsstück durch eine Passe Icng an. und das gibt der Gestalt, selbst wenn lic nicht ganz schlank ist, eine geschmeidige Linie. Der höhergesehte Gürtel verändert die Silhouette. Die Frau erscheint größer, gestreckter und bet-, £ körpert dadurch den neuen Typ in einem höheren Maße als früher, da sie durch den tiefgesehten Gürtel kurzbeinig wirkte. Man wird wieder weiße Kleider sehen. Leinen ist mit Stickerei geziert, sofern das Kleid nicht den sportlichen ' Charakter hat. Dann bekommt es auch die große Schleife, die das Schärpenband schließt. Die Mode will immer etwas Reues. Sie verlangt jetzt für elegante Kleider Batist, Leinen, während Die sportlichen Kleider aus der so beliebten Oberhemdseide gefertigt werden. Das hat seinen $ guten Grund: die Oberhemdseide wäscht sich leicht und läßt sich ebenso gut bügeln, zudem sind diese Kleider sehr einfach gearbeitet. Sie weisen Äähte, Blenden und geometrische Linien als Garnitur auf und haben Perlmutterknöpfchen. Ledergürtel und eine weiche Seidenschleife' als Ergänzung des Aufputzes. Die gestickten Linons ober Batiste hingegen werden im eleganteren Stil gebracht und haben oft eine farblich abweichende angearbeitete Garnitur. So sieht man beispiels­weise ein Sommerkleid mit Lochstickerei und einer aufgesetzten schwarzen Seidenblende als Abschluß des Rockes. Vielfach ist die Verbindung von Schwarz und Weih, von Seide und Leinen an den neuen Sommerkleidern zu beobachten. Da­neben die Zusammenstellung von Weiß und Bunt. Ei., weißer plissierter Rock, eine bunte Bluse. Die Bulgarenbluse mit Handarbeit in »vielen Farbstellungen wird im Sommer versu­chen. die einfache weiße Bluse in den Schatten zu stellen.

Der Sport hat auf die Kleidung der Frau einen großen Einfluß ausgeübt. Vormittags- und Cportkleid unterscheiden sich gerade im Sommer nur sehr wenig voneinander. Hier siegt wieder einmal die praktische Söee der Mode: was man auf dem Sportplatz tragen kann, darf man auch fiir Berufs- und Besorgungszwecke anziehen. Tine große Vielseitigkeit ist vorhanden. Man lieht neben dem einfach geschnittenen Kleid die /ärmellose Weste ohne Bluse 5um Rock. Hübsche farbliche Zusammenstellungen passen in das som­merliche Bild. Eine rote Weste zum weihen Bock, eine lichtblaue Weste zum dunkelblauen Aock, und. was sehr hübsch aussieht, ein honig- lüTbencr Rock mit einer dunkler getönten Weste. Bei den bunten Kleidern legt man Wert auf ruhige Farbstellungen. Allzuviel brachte die Früh­saison an kontrastreichen Mustern, die nur in hochwertigen Qualitäten gut ausfallen. Da man jcljt aber die leichten Gewebe, die Voiles, die Musselines, die Organdys für den Sommer vor­zieht. muß die Mustergebung darauf eingestellt fein. Heller Grund und einfarbige Blüten oder

Moderne Säuglingspflege.

Von Lisa Honroth-Loewe.

Wenn man die Behandlung und Pflege des käuglings in Vergangenheit und Gegenwart ver­gleicht. so ergeben sich außerordentlich große Unterschiede, hervorgerufen durch veränderte An­schauungen und Erfahrungen der Medizin. Wer oon uns kennt nicht noch die Entrüstung unserer Großmütter, wenn wir unsere Kinder ruhig ein- nal schreien ließen, wenn wir sie nicht umher- itugen. ihnen ihre Rahrung nur zu festgesetzten Zeiten reichten. Wir sind in der Behandlung und Erziehung des Säuglings denn Erziehung ist 4 vom ersten Tage an bereits ganz anders eingestellt gewesen. Betrachtet man aber die heu­igen Methoden der Ernährung und Behandlung !>es Säuglings, so muß man konstatieren, daß iie in sehr wesentlichen Punkten sich wiederum ^rändert haben. .

Die Veränderung beginnt bereits bei der Klei- Jung. War man gottlob ja schon seit Sahrzehnten ibgefommen von den sogenannten Wickelbändern, reiche das kleine Wesen einschnürten gleich den igoptischen Mumientrachten, so hatte man doch icd) für das erste Vierteljahr das sogenannte Wickeltuch, welches, unter den Armen beginnend, faS Kind ziemlich fest bis über die Füßchen ein- jüllte. Wohl hatten die Beinchen eine kleine 8<wegungsfreiheit, aber viel war es nicht, ilnö -Lite das Kind sich aufgestrampelt, so wurde es <ycunigft wieder in seine rollenförmige Tuch- jirlle gepackt. Erst mit einem Vierteljahr kam )as Kind aus dem Wickeltuch heraus, trug aber )inn auch meist noch lange Kleider aus Furcht, daß dem kleinen Kindeskörper sonst zu- )ie( Wärme entzogen würde. Mit diesen Au­ch auungen hat man jetzt endgültig gebrochen. Man ist heute der Ansicht, daß fast vom ersten Sage an man den Säugling seinem Bewegungs- tricb frei überlassen soll, weil nichts geeignet ist, Verdauung, Gedeihen, gesundes Wachstum lcr Glieder so zu fördern wie eine möglichst un- ghemmte Bewegung. Dementsprechend tritt das lange Wickeltuch höchstens für die ersten vier D^hen in Funktion, um dann sofort von den kurzen, gestrickten, weichen Leibchenhosen abgelöst tu werden. Diese Leibchenhosen verhindern ebenso noch besser ein Verrutschen der Windeln, jiftattcn aber dem kleinen Kinde, seine Beinchen

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Aus dem Reiche der Krau.

umgekehrt dunkler Grund und lichte Blüten machen diese Stoffe außerordentlich reizvoll. Ein seidenes Winterkleid, das durch das durch­schimmernde Gewebe sichtbar wird, ist im Ton auf den Farbklang des Musters abgestimmt.

Die lange Kälteperiod: des vergangenen Win­ters war wohl die Veranlassung, daß man sich mit der Eornmerrnode so intensiv beschäftigte und alles Modische dem sommerlichen Gedanken so nah wie möglich brachte. Dafür geben die breit­randigen Hüte Zeugnis. Der Hut des Sommers ist in Material und Linienführung dieses Mal vollkommen abweichend von dem der Hebergangg» saison. Das war nämlich nicht immer der Fall. Die kleine Filzkappe konnte man bei den sengen­den Sonnenstrahlen genau so gut tragen ohne sich einen Verstoß gegen die Mode zuschulden

kommen zu lassen. Sn der neuen Saison wird der Strohhut dominieren. Er kann nicht sommer­lich genug sein, und die höchsten Anforderungen hierfür rechtfertigt der Florentiner. Äe~n ande­rer Hut erweckt in dem Matze die Vorstellung vom Sommer wie der Florentiner. Er wurde bereits vor fünfzigSahren von den Dichtern be­sungen, von den Malern gemalt. Das Bild des jungen Mädchens im Mai zeigte immer die holde Trägerin im weißen Kleid mit dem Florentiner. Modisch ist er gegen früher gar nicht so viel verändert. Er hat den malerischen Rand und die anmutige Bandgarnitur, die sogar zuweilen über die Rückseite ein wenig herunterhängt. Auch Blumen zieren ihn auf der Oberseite und innen am Rand gegen das Gesicht gestellt, ganz wie einst.

Oer Beruf und die Liebe.

22RatschlägesürIcrehrer,Verlobte,Shc-llndsonfi!geMnnervonberusSMgenIrauen

Von Mira von Hollander-Munkh.

Rachdruck verboten.

1. Begreife, daß die Liebe im Leben einer be­rufstätigen Frau nicht so viel Raum einnimmt wie im Leben eines Haustierchens. Die arbeitende Frau hat nicht den ganzen Tag Zeit und Ge­danken dafür, um ihre Kräfte für die Liebe zu sparen und zu verdünnen: gerade darum wird sie die Liebe in dem Raum, der ihr für sie bleibt, um so bewußter, um so intensiver schätzen und pflegen. Sie wird nicht nur dich, sie wird auch die Liebe lieben; das ist anstrengender für dich, aber es gibt dir auch größere Chancen und Glücksmöglichkeiten.

2. Du mutzt die biologischen Gegebenheiten einer arbeitenden Frau noch genauer erforschen und dich noch feinfühliger darauf einstellen, als wenn es sich um eine nichtarbeitende Frau han­delte. Kranksein ist für die Frau ohne Beruf meistens eine Einnahmequelle, für die mit Beruf ein Derdienstentgang. Darum ist die arbeitende Frau häufiger gesund und weih eher, was ihr nützt und schadet.

3. Mißbrauche deine Liebe nicht, um einen falschen Ehrgeiz in ihr aufzustacheln. Du kannst sie auch lieben, wenn sie nicht die Erste in ihrem Fach ist.

4. Mißbrauche ihre Liebe nicht, um sie für ihren Beruf zu entmutigen. Sie wird dich auch Heben, wenn sie Erfolg hat.

5. Geh nur dann zu ihr, wenn sie mit deinem Kommen rechnet. Eine arbeitende Frau kann äußerlich und innerlich nicht immer in liebes­fähiger Toilette fein.

6. Du darfst eine arbeitende Frau noch weni­ger warten lassen als einen anderen Menschen, weder auf dein Kommen noch, wenn du dann gekommen bist, auf dein Da-sein, dein Dei-ihr» sein. Seöer Kraftverlust trifft sie doppelt schmerzlich: als Arbeitende und als Liebende.

7. Muht du sie aber dennoch warten lassen, so nimm ihr nicht nur nicht übel, sondern sorge selbst dafür, daß die Wartezeit für sie auch noch mit anderem ausgefüllt ist als mit dem Warten auf dich.

8. Begreife, daß sie müde sein kann, trotzdem du bei ihr bist, und verstehe, auch aus ihrem Müdesein Liebeskapital zu schlagen. Es ist zu vermuten, daß sie das höher einschähen und dir besser vergelten wird als eine nichtarbeitende Frau.

9. Sntereffiere dich für ihre Arbeit; aber nicht so, als ob du ihr am liebsten alles abnehmen möchtest. Das tust du doch nicht! Außerdem

machen arbeitende Frauen in den meisten Fällen ihre Arbeit ganz gern selbst.

10. Tu auch nicht so, als ob du alles, was sie arbeitet, kontrollieren mühtest. Shr Bedarf an Vorgesetzten wird im allgemeinen in ihrem Be­ruf reichlich gedeckt sein.

11. Wenn sie Aerger und Schwierigkeiten im Beruf hat. so gib nicht prinzipiell und immer ihr selbst die Schuld daran. Deiner männlichen Gerechtigkeit kannst du fröhnen, wenn ihr De- rufsschifflein munter vor dem Wind kreuzt.

12. Rechne ihr nicht vor. daß du mit weniger Arbeit mehr verdienst, noch beweise ihr, daß du die Arbeit müheloser leistest als sie. Auch sie würde lieber unter den günstigeren männlichen Bedingungen arbeiten.

13. Hindere sie daran, dir Liebesbeweise damit zu erbringen, daß sie ihre beruflichen Pflichten vernachlässigt.

14. Selbst wenn du alles Berufliche viel besser könntest als sie, so ist das immer noch kein Be­weis für deine unbedingte ileberlegenljeit. Es kommt so sehr darauf an. wie und wo ein Mensch feine Arbeit im Gesamtbau seines Lebens unter­bringt. Sn diesem Wie und Wo der Unter­bringung und im Dalancehalten sind meistens die Frauen den Männern überlegen.

15. Wenn du glaubst, sie etwas Rühliches lehren zu können, so scheue die Mühe nicht, dich auch von ihr in dem und jenem unterweisen zu lassen. Seder kann irgend etwas besser als ein anderer. Au pair ist die lustigste und frucht­barste Hnterrichtsmethode.

16. Fordere nicht von ihr, daß ihre Mit­arbeiter und Vorgesetzten vergessen sollen, daß sie eine Frau ist. Wäre diese Tatsache nicht einigermaßen erfreulich und auffallend, wäre sie wohl auch dir nicht in die Augen gesprungen. UeberbieS ist es heutzutage ziemlich aus­geschlossen, daß eine Frau die sittliche Welt­anschauung des Harems mit beruflicher Tätig­keit vereinen kann.

17. Bedenke, daß weibliche Kleidung vergäng­licher, schonungs- und pflegebedürftiger ist als männliche. Wenn du wünschst, dah deine Liebste gut angezogen sei und das hast du zu wünschen!, muh du nicht so tun, als ob sie sich jeden Tag vom Fuh bis zum Kopf neu kleiden könnte.

18. Liebe kostet immer Geld, und wäre es nur. daß man öfter seine besseren Kleider anzieht und öfter zum Friseur und ins Cafe geht. Be­teilige dich deinem Einkommen entsprechend an den entstehenden Kosten.

19. Möchtest du darüber hinaus das Porte­monnaie in die Liebe einbezogen wissen, so wirst

und die ganzen Muskeln des Hnterkorpers frei zu bewegen. Lind das ist ungemein wichtig. Glaubte man früher törichterweise, dah die Glie­der der kleinen Kinder noch zu schwach und weich und somit einer Gefährdung ausgesetzt wären, falls man zu zeitig sie sich bewegen liehe, so ist man nun zu ganz anderer Anschauung gekommen. Man hat durch medizinische Versuche erkannt, dah auch das kleinste oder gerade das kleinste Kind ein instinktiv richtiges Gefühl dafür hat, was es seinen Gliedern zumuten kann, genau wie die klei­nen Tiere. Es ist eigentlich erstaunlich, dah man nicht schon früher darauf gekommen ist. Man hätte es nur nötig gehabt, den Dewegungstrieb der Säuglinge zu beobachten, die Lust, mit der sie, von Binden und Wickeln frei gemacht, auf dem Wickeltisch strampeln, das Vergnügen, das sie darin empfinden, wenn sie, auf dem Bauche lie­gend den Versuch machen, das Köpfchen zu heben und die Wirbelsäule zu gebrauchen. Auf Grund dieser Beobachtungen ist man wohl auch zu dem sogenannten Säuglingsturnen gekommen, welches Hauptmann Reumann-Reurode als erster wissenschaftlich und orthopädisch ausgebildet hat. Sn seiner Schule sieht man, was für außerordent­liche Bewegungs- und Kraftmöglichkeiten in einem ganz kleinen Kinderkörper ruhen, wieviel Freude die Säuglinge augenscheinlich an diesen Bewe­gungen haben. Lind man konstatiert, daß Neu­geborene, mit denen man diese gymnastischen Hebungen vornimmt, in bezug auf Gewicht. Fe­stigkeit der Muskulatur und der Knochenbil­dung sich durchaus vor anderen Kindern aus- zeichnen. Selbstverständlich müssen die Bewegun­gen. welche man das Kind ausführen läßt, sehr vorsichtig gemacht werden, und es empfiehlt sich durchaus, sich das von orthopädisch geschulten Menschen zeigen zu lassen. Da aber diese Bewe- gungssormen naturgemäß sehr einfach sind, kann man es hinterher auch allein. Das Kind zeigt uns außerdem ganz genau, was sein Körper verlangt. Sede Mutter kennt die Begeisterung, mit der der Säugling seine Beinchen gegen die Wagenwand stemmt, zurückschnellen läßt und wieder stemmt. Das ist schon eine hervorragende Hebung zur Stärkung der Dein- und Bauchmuskulatur. Man kann diese Hebung täglich zweimal vornehmen, indem man einfach auf dem Wickeltuch den Säug­ling veranlaßt, seine Beinchen gegen die Hände der Mutter oder der Pflegerin zu stemmen. Aus­richten aus der Rückenlage mit Hilfe der ge­

reichten Hände ist eine zweite Hebung, bei der man es aber den Kräften des Kindes überlassen soll, wieweit es hoch kommt. Zur Ausbildung der Atmung legt man den Säugling ausgestreckt auf den Rücken und führt in sanfter Streckung die Arme zu beiden Seiten des Köpfchens empor.

Die Reigung des Kindes zum Vorwärtskriechen in der Bauchlage soll man durchaus unterstützen. Es ist längst medizinisches Allgemeingut gewor­den, daß beispielsweise bei Rückgratsverkrümmun­gen das Kriechen aufallen Vieren", wie es Professor Klapp auf Grund von Beobachtun­gen bei verletzten Tieren gefunden hat, von außer­ordentlicher Heilwirkung ist. Man sollte also auch gesunde Kleinkinder in ihrem Bestreben, auf allen Vieren zu kriechen, durchaus nicht hindern, denn eine Stärkung der Wirbelsäule ist sicherlich da­bei und immer ein Erfolg. Nur muß man Dafür sorgen, daß die Kinder auf einem hygienisch ein­wandfreien Teppich, am besten einem gut wasch­baren Bade- oder Spielteppich kriechen.

Solche kleinen Hebungen, täglich und systematisch betrieben, werden die Gesundheit und das Ge­deihen des Säuglings sichtbar fördern. Natürlich muß dazu noch die richtige Behandlung in bezug auf Essen, Luftzufuhr, Schlaf und Körperpflege treten.

Hübsche Nägel - hübsche Hände!

Von Or. E. Mosbacher.

Die tägliche Pflege der Fingernägel versteht sich am Rande sagen wir hier am Stauer- rande, welch letzterer nicht nur aus Staub und Schmutzteilchen besteht; sintemalen sich in dieser unschönen Dunkelfärbung des freien Nagelrandes wohl stets auch Entzündungs- und Eitererreger finden. Leicht können diese giftigen Keime in kleine, kaum sichtbare Wunden übertragen oder gar in beim Kratzen entstehende winzige Ver­letzungen hineingepflanzt werden. Die Folge ist dann eine mehr ober weniger bedenkliche Ent­zündung oder Eiterung. Also nicht allein aus ästhetischen Gründen ist regelmäßige gründliche Säuberung der Nägel erforderlich; recht fchwer- wiegende hygienische Erwägungen drängen zur täglichen Nagelpflege, deren Ausführung unend­lich einfach ist: Reinigen mit Wasser, Seife und Nagelbürste.

Mittwoch, 22. Mai 1929

du am besten tun, das. was du bieten, und das, was du fordern möchtest, sachlich darzulegen. Der arbeitenden Frau gegenüber besteht die stillschweigende Verpflichtung eines Kaufpreises nicht mehr. Sie weiß auch ganz haargenau, was Geld ist. Du korrumpierst fic, oder du machst sie mißtrauisch, wenn du nicht lernst, die Geld­frage kameradschaftlich klar anzupacken und ab­zugrenzen.

20. Wenn ihr irgendeine Form gemeinsamen Haushalts habt, und sei es auch nur die Tasse Tee und das kalte Abendbrot im möblierten Zimmer, so führe die männliche und die weibliche Arbeitsteilung nicht gar zu unerbittlich streng durch. Es soll schon einmal einen Mann gegeben haben, der eine Tasse gespült hat, ohne seiner Würde etwas zu vergeben.

21. Eure Liebe sei in die Welt einbezogen. Se weniger feindlich ihr euch gegen das. was nicht ihr selbst seid, stellt, desto mehr werdet ihr und eure Liebe daraus gewinnen.

22. Se mehr ihr arbeitet, desto besser müßt ihr lernen. Feste zu feiern; das kommt der Arbeit und der Liebe zugute.

Oas kleine Diner.

Von Margret Halm.

Bernhard Shaw sagt von den Schlemmern: Manch sonst so kluger Mann gräbt sich sein eigenes Grab mit den Zähnen!" Vor wenigen Sahren traf dieses Wort weit mehr noch zu als heute, da aller Frauen höchstes Strebenschlank sein" heißt und auch der Mann erkannte, daß überreiche Mahlzeit Hnbehagen schafft.

Aus diesen beiden Gründen hat man in aller- jüngster Zeit auch die geselligen Diners gekürzt. Die Hausfrau erfreut ihre Gäste nicht mehr durch eine nicht endenwollende Folge schwerer kompli­zierter Speisen. Sm Gegenteil. Ihr wird zur vor­nehmsten Pflicht, die überlebte Reichhaltigkeit durch ein möglichst kurzes Menü erlesener Ge­richte zu ersehen.

Heberflüffig zu sagen, daß, was immer eine Wirtin ihren Gästen reicht, vom Besten und Frischesten fein soll, das die Jahreszeit gerade bietet. Hnd ebenso natürlich aufs feinste und schmackhafteste zubereitet. Schmackhaft - doch unkompliziert. Man fühlt sich Wohler bei leichter Kost und hat darum die Regel aufgestellt, während eines Diners nicht mehr als ein Gericht besonders raffinierter Speise zu servieren.

Sm ganzen genügen drei Gänge vollkommen zu einem kleinen Diner. Vorspeise, ein Fleischgang und Dessert. Hnd auch bei größeren Gelegenheiten mochte niemand seinem Magen mehr als vier Gänge zumuten müssen. Hier bleibt es der Haus­frau überlassen, ob sie lieber Suppe, Fisch. Braten und Nachspeise geben will oder an Stelle des Fischganges vor der Suppe ein Horsd'oeuvre.

Hier eine Speisenfolge, die Wohl zu allen Ge­legenheiten als die gegebene angesehen werden darf. Hnd gleich dazu auch verschiedene Varia­tionsmöglichkeiten im Hinblick auf das Wörtlein, das der Beutel mitzusprechen hat.

Als Vorgericht russische Eier und mit Krebs­schwänzen gefüllte rohe Tomaten. Daraus eine klare Fleischbrühe in Tassen mit Mark ober so­genanntem Cierstich.

Als Fleischgang gefüllte junge Hähne - man rechnet einen halben pro Person mit gerösteten Kartoffeln oder Pommes frites, zarten grünen Erbsen, die man mit Salz und etwas Zucker fein zubereitet hat, und grünem Salat.

Als süße Speise kann man nun Himbeeren mit Schlagsahne geben, auch Erdbeeren oder Ana­nas, einen Obstsalat ober eine leichte kalte Creme mit etwas Kleingebäck.

Keineswegs wäre es klug ober sehr erwünscht, dieses Programm noch zu verlängern. Wer seinen Gästen etwas Besonderes bieten möchte, kann nun die einzelnen Gerichte in ihrer Qualität noch steigern. Kann statt der russischen Eier und Krebs-

Da bei uns Menschenkindern die Nägel im allgemeinen. ihre ursprüngliche Bedeutung als Schuh- und Truhwaffe schon längst verloren haben, so müssen wir sie eben von Zeit zu Zeit abschneiden, besser noch abfeiten, zumal wenn wir gezwungen sind, die Hände zur beruflichen Arbeit zu gebrauchen. Es ist zu bedenken, daß der lange und spihgeformte Nagel eine Gefahr für das eigene wie für das Ange des Mit­menschen bedeutet. Allzu kurze ober gar abge­taute Nägel verleihen der Hand stets ein plumpes Aussehen; die Fingerspitzen verbreitern sich und werden abgeplattet; abgesehen davon, daß der allzu kurze Nagel die zarte Kuppe des Fingers nicht mehr zu schützen vermag - eine der wenigen Ausgaben, die ihm noch verblieben sind.

Da das schone Aussehen der Hände weitgehend von den Fingernägeln abhängig ist, so erstreckt sich die Nagelpflege auch auf das Nagelhäutchen an der Wurzel des Nagels. So wenig man den Nagelrand selbst mit scharfen spitzen Snftrumen- ten angehen soll, so vorsichtig ist auch das Nagelhäutchen zu behandeln. Entweder man zieht es nach dem Waschen mit dem Handtuch zurück oder man verwendet ein stumpfes Elfenbein- bzw. Holzstäbchen für diesen Zweck. Das Radi­kalste ist das Abschneiden mit einer scharf ge­bogenen-Schere. nachdem man zuvor das Nagel­häutchen durch viertelstündiges Baden der Hände in warmem Seifenwaffer weich gemacht und bann zurückgeschoben hat. Sämtliche zur Maniküre er­forderlichen Snftrumentc müssen peinlichst sauber gehalten werden, damit es nicht bei gelegentlichen Verletzungen zur langwierigen Entzündung und Eiterung kommt. Kleine Blutungen aus solchen Wunden werden am besten mit einem mit Wasser­stoffsuperoxyd getränkten Tampon ober durch Be­streichen mit einem Alaunstift gestillt. Auch das Feilen der Nägel soll nicht mit scharfen Stahl­seilen, sondern möglichst nur mit Kartons, die mit Sandpapier überzogen sind, vorgenommen werden.

Führt mangelhafte Nagelpflege leicht zum Ent­stehen schmerzhafter Nietnägel, von denen ört­liche Eiterungen, aber auch allgemeine Blut­vergiftungen ausgehen können, so kann ander­seits übertriebene und unzweckmäßige Nagel- pflege gleichfalls die Hrsache hartnäckiger Ent­zündungen des Nagelfalzes bilden. Auch für die Ragelpslege hat das Wort vomgoldnen Mittel­weg" volle Gültigkeit.