Ausgabe 
22.5.1929
 
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Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Staaten aus- zubauen. Don den einzelnen Ländern hat Deutschland am ehesten die Notwendigkeit des Ausbaues der Wirtschaftsbeziehungen mit der Sowjetunion erkannt. Durch Gewährung eines Kredites an die Sowjetunion haben die deutsche Negierung und deutsche Wirtschaftskreise es ver­standen, das Problem der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Sowjetunion und Deutschland für eine gewisse Zeitspanne zu lösen. Das vor kur­zem unterzeichnete Wirtschaftsprotokoll und die Konvention über das Schlichtungsverfahren be­weisen, daß die Beziehungen zu Deutschland auf der Grundlage der gegenseitigen Vorteile auf­gebaut sind und sich unzweifelhaft auch in der Zukunft ersprießlich entwickeln werden. In ein­zelnen Fällen vorgekommene Mißverständnisse wurden unglücklich beigelegt. 3rt den letzten zwei Jahren sind die Wirtschaftsbeziehungen der Sowjetunion zu den Vereinigten Staa­te n in systematischer Entwicklung begriffen. Eine beständigere und großzügigere Entfaltung dieser Beziehungen stößt auf das Fehlen normaler Be­ziehungen. Die Beziehungen zu Frankreich sind nicht vom Fleck gekommen, auf dem sie im Augenblick der Abreise Rakowskis stehen geblieben waren. Lieber die Beziehungen der Sowjetunion zu Polen erklärte Rykow: Das Vorgehen pol­nischer Führer, die Antisowjet-Kampagne der polnischen Presse und andere Tatsachen beweisen, daß die polnische Regierung das Moskauer Protokoll nicht etwa als Grundlage der Festi­gung und Entwicklung freundschaftlicher Beziehun­gen zur Sowjetunion betrachtet.

Das Preußenkonkordat.

Wird Kultusminister Dr. Becker durch einen Sozialdemokraten ersetzt?

Berlin, 22. Mai. (Telun.) Bei einem Ab­schluß der Konkordatsverhandlungen zwischen Preußen und der Kurie ist, wie der Demokra­tische Zeitungsdienst berichtet, damit zu rechnen, daß auch die finanzielle Auseinan­dersetzung zwischen dem preußischen Staat und der katholifchen Kirche eine Neuregelung er­fährt. Insgesamt betrugen die Leistungen des preußischen Staates rund 1,4 Millionen Mark. Nach den bisherigen Verhandlungen könne an­genommen werden, daß sich die finanziellen Auf­wendungen Preußens schon in Zukunft durch die Neuschaffung von Bistümern st e i g e r n würden, und zwar sei in Zukunft ein Betrag von insgesamt 2,8 Mill. Mark in Aus­sicht genommen. Unabhängig von den Konkor­datsbestimmungen seien die Zuschüsse, die der preußische Staat an die katholischen Geistlichen und Kirchen leiste. Sie be­trügen für das laufende Rechnungsjahr rund 21,4 Millionen Mark. Innerhalb der preußischen Staatsregierung sei man durchaus bereit, ent­sprechende finanzielle Verhandlungen auch mit den Vertretern der evangelischen Kirche zu führen.

Zu dem schon früher aufgetauchten Gerücht, der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, D r. Becker, wolle zu­rücktreten, weiß neuerdings das Zentrums­blattMärkische Volksstimme" zu melden, der Vorstand der Zentrumspartei des Land­tags habe sich bereits einstimmig damit einver­standen erklärt, daß Dr. Decker durch den sozialdemokratischen Oberregie­rungsrat König ersetzt werde, nachdem nun das Konkordat mit der Kurie so gut wie ab­geschlossen sei. DerBerliner Lotalanzeiger" greift diese Meldung auf und schreibt dazu:Das preußische Kultusministerium würde danach, wenn dem Zentrumsblatt zutreffend berichtet ist, von dem Dolksparteiler Dr. B ö l i tz über den Demo­kraten Becker glücklich in den Besitz der So­zialdemokratie gelangen, die ja ihren Anspruch auf Erhöhung der Zahl ihrer Genossen im Preu­ßenkabinett von dem Augenblick an geltend machte, da die Deutsche Volkspartei ifjren Wie­dereintritt in die Preußenregierung auf die Ta­gesordnung setzte. Der Volkspartei schwebte da­bei sicherlich auch die Wiederbetrauung von Dr. Bölih mit dem Kultusministerium vor. Wenn stattdessen jetzt ein Sozialdemokrat als Nachfolger Dr. Beckers berufen würde, so müßte dieser ganz unmißverständliche Wink mit dem Zaunpfahl den Dolksparteilern die £u't zur Teil­nahme an den Regierungsfreuden in Preußen gewiß nahezu vollständig verderben. In dem Kampf um die große Koalition in Preußen hat sich der Ministerpräsident Braun unzweifelhaft als der ungleich geschicktere Taktiker gegen­über der Dolkspartei erwiesen."

Aus aller Welt.

Jahresversammlung des Deutschen Lehrerbereins.

Die diesjährige Iahresversammlung des Deut­schen Lehrervereins wurde in Dresden mit einer Vertreterversammlung, an der über 500 Ver­treter teilnahmen, eröffnet. Oberlehrer Barth, Leipzig, hielt einen Vortrag überDie Bezie­hungen zwischen Kirche und Schule". Zu den schulpolitischen Fragen wurden Entschließungen angenommen, in deren erster der Deutsche Lehrer­verein an die Länderregierungen die dringende Bitte richtet, sich mit der Reichsregierung mög­lichst schnell über das seit einem halben Iahre im Reichsrat unerledigt gebliebene E n t s ch ä d i - gungsoeseh betreffend Privatschulen zu einigen, damit das bereits vor neun Iahren er­lassene Grundschulgesetz restlos in Kraft treten kann. In der zweiten Entschließung be­kennt sich der Deutsche Lehrerverein erneut zu der Auffassung, daß nur der Staat Träger der Schulhoheit sein darf: daher lehnt er Konkordate oder Kirchenverträge, in denen staat­liche Bindungen bezüglich der Schule enthalten sind oder auch nur angedeutet werden, auf das entschiedenste ob. In der dritten Entschließung bringt der Deutsche Lehrerverein zum Ausdruck, daß er in tatkräftiger finanzieller Hilfe f ü r die endliche Lösung der Iunglehrer- frage nach wie vor eine dringende bisher aber vernachlässigte Pflicht des Reiches sieht. Als erster Vorsitzender wurde Schulrat Wolf, Ber­lin, wiedergewählt. Als Ort der Vertreterver­sammlung für 1930 wurde Kassel gewählt. Als Tagungsort der Allgemeinen Deutschen Lehrer­versammlung 1930 wurde Frankfurt a. M. bestimmt.

Tagung der auslanddeutfchen Studierenden.

Die für mehrere Tage berechnete zehnte Der- tretertagung des Zentralverbandes auslanddeut­scher Studierender hat in Lübeck begonnen. Der Vorsitzende Lucke begrüßte die Vertreter der «einzelnen Vereinigungen, besonders die Abgeord­

neten Graebe (Bromberg), Rudolf Branösch (Hermannstadt, Siebenbürgen), Schmidt (Wodder) und Reimesch vom Deutschen Auslandinstitut in Stuttgart. An den Reichspräsidenten wurde ein Huldigungs- und Begrüßungstele- gramm gesandt. Ferner wurden Degrüßungstele- grammc an den österreichischen Dundespräsiden- ten Wiklas und den Senatspräsidenten Sa hm (Danzig) gerichtet. Hierauf hielt der deutsche Abgeordnete im polnischen Sejm Graebe (Drom- berg) das erste Referat über die Lage des Deutschtums in Polen.

Uebergabe derBremen" an die Stadl Neuyork.

Die Einholung und feierliche Enthüllung des TransozeanflugzeugesBremen", das seit seiner Ankunft in Amerika im Museum of Peaeeful Arts ausgestellt war, erfolgte in Gegenwart einer riesigen Menschenmenge. Ansprachen hiel­ten bei dieser Gelegenheit der Vizepräsident der Neuyork Central Eisenbahn I n g a l l s und der Präsident des Museum of Peaceful Arts P r a t t, die die Wichtigkeit des Fluges der Bremen" und die Bedeutung der Schenkung

von Hünefelds betonten, ferner Fihmaurice, der die Abwesenheit seiner Kameraden Köhl und von Hünefeld bedauerte, und der deutsche Konsul Heuser. Bürgermeister Walker bezeichnete den heutigen Tag als einen bedeutsamen in der Geschichte der Stadt Neuyork. DuS Flugzeug Bremen" wird für die nächsten sechs Monate in der Grand Central Station einen Ehrenplatz finden, und zwar wird es unter der als Himmel ausgemalten Decke der Galerie über dem dort aufgestellten erstenZugder Neuyork Central Eisenbahn schwebend aufgehängt werden. Nach Vollendung des neuen Museums­baues wird es dorthin übergeführt werden.

Drei Kinder erstickt.

In Wallwitz bei Freystadt (Schlesien) erstickten drei Kinder des Obermelkers' Wolf im Alter von zwei bis sechs Jahren, während sie in der Küche schliefen, an Kohlengasen. Als die Kinder am Morgen gefunden wurden, waren sie bereits tot. Der Vater schlief mit drei anderen Kindern im Neben- zimmer, ohne etwas zu merken.

Der Mlorendesekt amGraf Zeppelin".

Vermutungen eines Fachmannes. Ermüdungserscheinungen im Material? Oie kritische Drehzahl erreicht?

Berlin, 21. Mai. (Prio.-Tel.) ImB. T." veröffentlicht Prof. Dr.-Ing. ehrenhalber O. Krell (Berlin) Betrachtungen über die auch durch die ersten Besprechungen in Friedrichshafen noch nicht geklärte Frage, warum vierMotore des Luft­schiffes in so überraschender Weise kurz hinterein­ander den Dienst versagten. Professor Krell hält das Auftreten von Ermüdungser­scheinungen im Material für durchaus nicht ausgeschlossen und weist u. a. auf die Tatsache hin, daß man im Kriege einen Flugzeugmotor ver­wandt hat, nämlich den Gnome-Motor, bei dem man sich von vornherein damit abfinden mußte, daß seine Lebensdauer nur sechzigBetriebs- stunden beträgt. Wenn man die Lebensdauer der Zeppelin-Motore mit 2000 Betriebsstunden angebe, so sei es doch gar nicht ausgeschlossen, daß die bis an die äußerst zulässige Grenze beanspruchten May­bach-Motoren schon bei 600 Betriebsstunden A l - terserscheinungen zu zeigen begannen.

Weiterhin gibt Professor Krell der Vermutung Ausdruck, daß vor der Wiener Fahrt die Dreh- zahl der Motoren bedeutend herauf­gesetzt worden und dadurch der für die Lebens­dauer des Materials gefährlichen kritischen Dreh­zahl bedenklich nahegekommen sei. Vermeiden könne der Konstrukteur diese kritische Drehzahl nicht. Er müsse nur die Betriebsdrehzahl so legen, daß sie unter der kritischen Drehzahl bleibt. Vor allem aber müsse er den Luftschiffkommandanten darüber in­struieren, welchen Gefahren er sich aussetzt, wenn er mit seinen Motoren auf die kritische Drehzahl geht. Diese Instruktion scheine beimGraf Zeppe- lin" entweder versäumt oder nicht beachtet worden zu sein, sonst hätte nach dem Ausfall des ersten Motors nicht der Befehl erteilt werden können, die Drehzahl der übrigen Motoren zu erhöhen.

Zum Schluß übt Professor Krell noch Krittk an der Tatsache, daß anscheinend die Schiffsleitung eine Landung auch an einer Stelle geplant habe, wo mit ausreichender Hilfe bei der Lan­dung nicht habe g er e chn e t werden kön­nen. Er erklärt, daß es sich nicht gänzlich um einen durch die äußerste Bedrängnis diktierten Entschluß habe handeln können, wenn man geplant habe, ein über hundert Topnen schweres Luftschiff ohne auf« fangende Hilfe auf festen Boden setzen zu wollen. Denn Dr. Eckener habe auch dem Präsidenten der Aero-Arktik, Professor Frithjof Nansen, bei den Verhandlungen im Reichsverkehrsministerium die Zusage gemacht, auf festem Eise bei einem W i nd bis z u sechs Meter pro Sekunde landen zu wollen. Professor Krell erklärt, daß er

seinerseits an die Möglichkeit einer solchen Landung ohne Gefährdung des Schiffes nicht glaube.

Die Reparaturardeiien in Luers. Ingenieur Dvorak leitet die Auswechselung der Motoren.

Toulon, 21.Mai. (TU.) Ingenieur Dvorak von den Zeppelinwerken ist auf dem Flughafen von Euers eingetroffen und hat Pressevertretern gegenüber sein Erstaunen über die Motorschäden desGraf Zeppelin" ausgedrückt. Die Motoren seien dieselben, mit denen das Luftschiff seine Fahrt über dem Mittelmeer und seine Amerikafahrt zurückgelegt haben. Bei diesen Gelegenheiten hätten sie gut gearbeitet und Dr. Eckener völlig be­friedigt. Vor dem Antritt der zweiten Ozeanreise seien sie einer genauen Prüfung unter­zogen worden und mit Verbesserungen versehen worden, die ihre Leistungsfähigkeit stei­gern und außerdem Ersparnisse ermöglichen sollten. Ob diese Verbesserungen ausgerechnet den Bruch der Kurbelwellen zur Folge gehabt hätten, könne er nicht beurteilen, bevor er die nötigen Untersuchun­gen vorgenommen habe. Bezüglich des Startes erklärte Dvorak, man müsse erst sehen, ob die beiden anderen beschädigten Motoren an Ort und Stelle repariert werden könnten. Der Einbau der Motoren werde sich sehr schnell vornehmen lassen. Wenn alles gut ginge, würdeGraf Zeppelin" in der Mitte der Woche startbereit sein.

Dvorak begab sich in Begleitung des französischen Leutnants Le Roux zur Flugzeughalle, in der der Zeppelin untergebracht ist. Unter seiner Anleitung begann die deutsche Bediennungsmannschaft die Auswechselung der Motoren und die not­wendigen Reparaturen. Französische Spezialisten, die auf Anforderung Dvoraks zur Verfügung ge­stellt wurden, sind bisher noch nicht benötigt worden.

Der französische Luftfahrtminister Laurent-Eynac hat, nachdem ihm die offizielle Einladung Dr. Eckeners zur Teilnahme von franzö- sischenOffizieren an derHeimreise des Zeppelins zugegangen war, vier Offizieren der fran­zösischen Luftstreitkräste ermächtigt, die Einladung Dr. Eckeners a n z u n e h m e n , mit der dieser seine Dankbarkeit für die tatkräftige Unterstützung des französischen Militärs zum Ausdruck bringen wollte. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Kor­vettenkapitän H a m o n , der die Landung des Zep­pelins so tatkräftig ermöglicht hat. Die Rückfahrt ist für Donnerstag in Aussicht genommen.

4üy-Zchrseier der proteßation in Speyer.

WSN. Speyer. 20. Mai. Aus Anlaß der 400jährigen Wiederkehr der Pro­testation zu Speyer 15 29 finden hier augenblicklich große Feierlichkeiten statt, die von den evangelischen Kreisen des In- und Aus­landes außerordentlich stark besucht sind. Als Vertreter der Reichsregiefcung ist Staats­sekretär Schmid erschienen. Der Präsident des Deutschen evangelischen Kirchenausschusses, Dr. K a p l e r (Berlin) nimmt ebenfalls an dem Feste teil.

Den Auftakt zum Fest bildete der erste Pfingst- feiertag, der bei allerdings regnerischem Wetter viele Tausende auswärtiger Gäste in die gir­landengeschmückte, altehrwürdige Kaiserstadt brachte, die einem Fahnenmeer glich. Früh 6 Uhr kündeten die Glocken der Gedächtniskirche, in der vormittags Bischof D. Dr. Baltazar von Debreczin (Ungarn) predigte, den

Beginn des festes

an. In dem ebenfalls überfüllten Kindergottes­dienst sprach Oberkirchenrat Zentgraf (Mainz). Gin von Oberkirchenrat D. Munzinger (Lan­dau) verfaßtes Fe st spielUm Glauben und Gewissen", das den Glaubenskampf auf dem Reichstag schildert und mit dem Sieg des protestantischen Bekenntnisses endet, wurde am Abend mit großem Beifall aufgeführt. Mit der bengalischen Beleuchtung der Gedächtniskirche in später Abendstunde endete der Festvortrag. Am Pfingstmontag, dem

ersten Festtag,

trafen bei herrlichstem Wetter in einer großen Zahl überfüllter Sonderzüge über 100 000 Men­schen ein. Die in drei Kirchen angesetzten sechs Gottesdienste, in denen GHeimer Kirchen­rat, Univers^tätsprofessor D. Dr Rendt orss (Leipzig), Senior D- Stokl (Wien), Kirchenrat C a n tz l e r (Speyer), Oberkonsistorialrat, Dom- Prediger D. Richter (Berlin), Stadtpfarrer D. Hesselbacher (Baden-Baden) und Kirchenrat K l e i n m a n n (Ludwigshafen) predigten, waren derart überfüllt, daß auf den Plätzen vor den Kirchen Parallelgottesdienste abgehal­ten werden mußten. Nachmittags 2 Uhr bewegte sich der aus mehr als 500 Reitern bestehende FestzugDie Väter der Protestation erscheinen &Fest" durch die Straßen der Stadt. Alle er, Dürgersterge, Laternen. Mauern usw. waren von Menschenmassen besetzt. Es war ein unvergeßliches Bild, als die fünf protestierenden .Fürsten mit Gefolge und die 14 protestierenden

Städte mit ihren 18 Abgeordneten in historischer Tracht vorüberritten. Hinter dem Festzug her schoben sich die 100 000 Menschen, um am

Massenfestakt

auf dem städtischen Feslplah am Rhein, dicht beim Dom, teilzunehmen. Plötzlich ertönte vor Beginn der Darbietungen eine Stimme durchs Megaphon und verkündete den Inhalt des unten­stehenden Degrühungstelegramms, das der Reichspräsident von Hindenburg gesandt hatte, und das mit donnerndem Hurra und anschließendem Deutschlandlied aufgenommen wurde. Der Massenfestakt, der von eindrucksvollen Posaunenchören und gemeinsamen Gesängen um­rahmt war, brachte drei lebende Bilder:Luthers Thesenanschlag",Luther in Worms" undDie Protestation", zu denen Direktor Fahrenhorst (Berlin), Generalsekretär Dr. Geißler (Leip­zig) und Pfarrer Lind (Speyer) das Wort er­griffen. Mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes Eine feste Burg ist unser Gott" schloß die er­hebende Feier. Bei einem von 500 geladenen Ehrengästen besuchten Gesellschaftsabend am Pfingstmontag, zu dem auch der Vertreter der Reichsregierung erschienen war, begrüßte Kirchenrat Tillmann (Speyer) die Gäste, wor­auf Geheimrat Dr. v. Schubert (Heidelberg) die jüngste Forschung über den Speyerer Reichs­tag 1529 beleuchtete und Universitätsprofessor Dr. A l t h a u s (Erlangen) überEvangelisch und Protestantisch" sprach.

Hindenburgs Begrüßungtelegramm:

Zur 400-Iahrfeier der Protestation gegen den Reichsabschied von Speyer sende ich, im Ge­denken an das für die deutsche evangelische Kirche so bedeutsame Ereignis von 1529 mit Ihnen ver­eint, allen Festteilnehmern meine herzlichsten Grüße. Möge die heutige Versammlung so vieler evangelischer Vertreter aus Deutschland und seinen Nachbarstaaten zur Erhaltung und Festigung des evangelischen Geistes und der inneren Verbundenheit aller, die der evangelischen Kirche angehören, beitragen.

v. Hindenburg, Reichspräsident."

Kirchenpräsident Fleischmann an den Reichspräsidenten:

Tausende evangelischer Christen des deutschen Westens geloben, heute vereint mit den leitenden Männern des gesamten deutschen Protestantis­mus, dem großen Führer in des Vater- lanbeS Not i« tiefster Dankbarkeit für seine«

herrlichen Festgruh und im Bewußtsein innerste« Verbundenheit unentwegte Gefolgschaft, und treueste Pflichterfüllung in der Kraft evangelischen Glaubens und der Zucht pro­testantischen Gewissens.

I. A.: Fleischmann. Kirchenpräsident." Oer zweite Tag der Protestationsfeier begann mit einem sehr stark besuchten F e st a k t in der Gedächtniskirche. Universitäts- Professor D. Zscharnack, Königsberg, sprach über das Thema:Die Protestation von Speyer in ihrer geschichtlichen Bedeutung". In der Aus­sprache ergriffen u. a. Staatssekretär Schmid, Berlin, für die Reichsregierung, Staatsrat Dr. Korn, München, für die bayerische Staats­regierung und Dr. K a p l e r, Berlin, für den Evangelischen Kirchenausschuß und den Deutschen Evangelischen Kirchenbund das Wort. -Der De­kan der theologischen Fakultät der Universität Heidelberg, D. Beer, sprach die Glück- und Segenswünsche der deutschen theologischen Fakultäten aus. Dankbar gedenke man heute, was Speyer für die theologischen Fakultäten der Universitäten bedeute. Die theologische Fakultät der Universität Heidelberg habe deshalb be­schlossen, mit dem Ehrendoktortitel auszuzeichnen: Pfarrer Dr. Luther, Charlottenburg: Kirchen­rat Dekan Cantzler, Speyer: Kirchenrat Kleinmann, Ludwigshafen: Dekan Rei­chert, Kronstadt. Im Namen der theologischen Fakultät der Universität Erlangen ernannte D. Elert zu Ehrendoktoren Oberkirchenrat Io- hannes St ich t e r, Speyer, und Wilhelm Buh­mann, Stuttgart. Namens der theologischen Fakultät der Universität Göttingen ernannte Dekan D. Stange den ordentlichen Professor der Theologie an der Universität Kopenhagen, Eduard Geismar, zum theologischen Ehren­doktor. Der Dekan der theologischen Fakultät der Universität Gießen, D. Dornkamm, erklärte, da Gießen in dem Lande liege, das 1529 den kühnsten und weitestschauenden .Fürsten nach Speyer geschickt habe, wolle man es sich nicht nehmen lassen, heute der bedrängten pfäl­zischen Landeskirche ein Zeichen der Verbunden­heit zu schicken. Im Namen seiner Fakultät er­nenne er daher zu Ehrendoktoren den Direktor des Predigerseminars in Landau in der Pfalz, Hans Stempel, und Professor Dr. Paul I o a ch i m s e n, München.

Oie Wetterlage.

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Dienstag d.21.flai 1929.7" abds.

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Wettervoraussage.

Der hohe Luftdruck macht immer noch seinen Einfluß geltend, so daß das heitere Wetter mit weiterer Erwärmung sich über fast ganz Deutsch­land erstreckt. Im Nordwesten breitet sich eine Störung allmählich weiter nach dem Kontinent aus. Ihre Südseite bringt unter Warmluftzufuhr weitere Erwärmung, wobei mit dem Auftreten von späteren Gewitterstörungen zu rechnen ist.

Wettervoraussage für Donnerstag: Zunächst noch meist heiter, später wolkig, Gewitter­neigung, weiterer Temperaturanstieg.

Wettervoraussage für Freit a g k Fortdauer der Gewitterneigung mit strichweisen Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 21. Mai: mittags 20,8 Grad Celsius, abends 15,3 Grad; am 22. Mai: morgens 11,5 Grad. Maximum 21 Grad, Minimum 5,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Mai: abends 22,4 Grad am 22. Mai: morgens 14 Grad. Sonnenscheindauer 14/4 Stunden.

Amtlicher Reisewetterdienst

der öffentlichen Wetterdienststelle Gießen.

Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern kühle Nacht, meist heiter, heute Windstille, 10 Grad Celsius, heiter.

(Berchtesgaden): Gestern kühle Nacht, reg­nerisch, heute Windstille. 11 Grad, regnerisches Wetter.

Baden (Baden-Baden): Gestern milde Nacht, heute Südostwind, 13 Grad, heiteres Wetter.

(Freiburg): Gestern heiter, milde Nacht, heute 13 Grad, Nordwestwind, heiteres Wetter.

Rheingebiet (Köln): Gestern meist heiter, warmer Tag, heute Südwind, 15 Grad, heiteres Wetter. (Bad Nauheim): Gestern heiter, heute Windstille, 15 Grad, heiteres Wetter.

Küste (Westerland a. Sylt): Gestern meist heiter, milde Nacht, heute Südostwind, 15 Grad, heiteres Wetter. (Swinemünde): Gestern warmer Tag, heute Nordwestwind, 12 Grad, heiteres Wetter.

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