Bewegung spielender Dehnen und Muskeln, ganz still und klar da droben in der Luft, über den feierlichen Rückenwirbeln der stummen Zebus. — sie setzte nicht an zum Sprung, sondern es hob sie hoch, trug sie hinaus, eine seltsame Verschiebung des Erdballs unter ihren Füßen löste sie aus den Gesetzen der Schwere, erfüllte ihre Glieder mit anderen, leichteren Raumgesetzen wie mit einem kosmischen Gas, entrückte sie allen hemmenden Kräften de- trägen Stoffes, — und es hätte in dieser Minute ohne Atem und Herzschlag keinen gewundert, wäre sie wie die Sichel der heiligen Rotburga schwebend, aufwärts lebend, zum Himmel emporgestiegen. Aber das Riedergleiten in den kaum bewegten Sand, das Zurückspülen dieser langsamen Körperwelle, das Wiedereintauchen in die Ruhe des allgemeinen CrdendaseinS, — vielleicht ist eS wunderbarer als ein Flug inS Unendliche? DaS stille Beharren der Körper in ihrer zeugenden Sterblichkeit, — vielleicht ist es wunderbarer als die Auferstehung der Toten?
Neue Funde im Trierer Tempelbezirk.
Die vor kurzem wieder aufgenommenen Ausgrabungen des Trierer Tempelbezirks im Altbachtal haben, wie der Ausarabungsleiter Professor L o e s ch ck c bereits früher vermutete, erwl-.'sen baß auch links des Altbachtales noch bedeutend« Reste großer baulicher Anlagen aus der römischen Zeit vorhanden sind. Die neu gezogenen Such- grüben brachten wichtige Ergebnisse. Reben verschiedenen Resten stattlicher Bauten aus der römischen Zeit und einem in den natürlichen Schieferfelsen tief eingehauenen unterirdischen Raum, fand man den Torio einer lebensgroßen Marmorstatue. die sich durch besonders feines Material und vorzügliche Arbeit auszeichnet. Auf einem weiteren Bruchstück sind die Teile eines sitzenden Hundes und eines Hirsches erkennbar, was sicherstellt. dah es sich um eine Darstellung der Göttin Diana handelt. Wenn auch der Kopf und die Arme dec Statue nicht gefunden werden sollten, so wird der neue Fund nach Ansicht von Direktor Krüger des Trierer Provinzialmuseums und des als Autorität bekannten Archäologen Pros. Tragendorff, Freiburg, eineL der besten Stücke des Trierer Provinzialmuseums sein. An der Fundstelle wird zur Zeit weitergeforscht.
Sreitag, 22. $cbruor]929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Ur. 45 Zweites Blatt
Mnderheilenpolitik und Völkerbund
Moderne Dramaturgie.
Vortrag von Dr. Karl Ritter.
Vereine
icmmen.
Die Aufgabe des Dramaturgen erkennt der i Vactragende darin, dah der Dramaturg sich die
ard
fcm Vorsitz des jeweiligen Präsidenten die (mgabe prüft. Tatsächlich hat sich nun in den Imten Jahren das Versahren derart abgespielt, kcs; dem Dreier-Ausschuß eine Antwortnote der blueffenden Regierung auf die Beschwerde der Ti.aberheiten vorlag, die ausnahmslos für die Rollung des Drcier-Komitees den Ausschlag gab.
Dreier-Ausschuh hat von seinem Recht, die Tliaberhcitsbeschwerden an den Völkerbund zu Ii l m, höchst selten Gebrauch gemacht. Die De- 'hwerden wurden auf Grund des Memoran- dirs der betreffenden Regierung sowie der rm»dlichcn Erklärungen des Generalse.'retärs in atzerordentlich geheimen Verhandlungen fast ir.mec in der Weise abgelehnt, dah der Ausschuh \r Eingabe keinerlei weitere Folge gab. Die tiixgabe ging damit zu den Akten und ward mehr gesehen, lieber das Ergebnis der Verhandlungen und Beschlüsse des Dreier-Aus- |t,mlses wurde vollständiges Schweigen beratet; niemand, auch nicht die klagesührenden MDinberheitengruppen. erfuhren, jedenfalls nicht risiziell. was aus ihrer Beschwerde geworden eot Rur auf Hintertreppen war es zuweilen nözlich, zu erfahren, dah das Dreier-Komitee 'c Beschwerde als gegenstandslos erllärt hatte.
Dölkerbundsrat als solcher erhielt keinerlei
'■ iiumgreifbaren Gesetze des Theaters zu eigen nate, dah er erst von hier aus, nicht umgekehrt, lab der Außenwelt Verbindung aufzunehmen mochte. (Die theatralische, nicht literarische Her-
•(len dem Regisseur, dem Schauspieler und dem h liker zu beweisen. Eine wesentliche Aufgabe des kimaturgcn, Stücke auszusuchen, wird schon da- )>u:ch beeinträchtigt, dah, wie der "Vor.ragende ^-führte, die großen Begabungen unserer Zeit licht mehr fürs Theater schreiben, sich vielmehr x : Lyrik, vor allem aber dem Roman zugewandt
jähen. Die emanzipierte Selbstherrlichkeit des X itigen Theaters habe zu einer theatralischen Slllnzperiode (ohne dichterische Höhepunkte) geilet. I
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ihr Harne. — Und doch . . . auch sie fielen für un»I
Irgendwo trauert eine Mutter, eine Datttn. ein Vater oder ein anderer Verwandter um ihn, ohne dah sie etwaS für daS Grad ihres Toten tun können, wie fo viele andere.
Daher hat eS der Dolksbund. wie in den Vorjahren, übernommen, auch diesen Gräbern ein äuhereS Zeichen der Treue und Dankbarkeit auf den gemeinsamen Hügeln niedervulegen.
Er ruft daS ganze deutsche Volk aus, jeden einzelnen Deutschen, wer er auch immer sei. Helft unS die Sammelgräber würdig auS- zufchmückenl G e o e j e d e r s e i n S ch e r f- lein! I n jedem Land und auf fast jedem Friedhof liegen unbekannte deutsche Soldaten!
Wer er ist, der in dem Sammelgrabe ruht, woher er kam. wer seine Angehörigen in der Heimat sind, wir wissen eS nicht. Wir wissen aber, dah wir auch ihnen gegenüber schuldig sind, unsere Pslicht zu tun.
Drum ehret und opfert, denn ihrer sind viele.
HMii.Heilung, welche Beschlüsse der Dreier-Ausguß über die eingegangenen Minderheitsbe- ■fctoerben gefaßt hatte. Trotz aller Vorstellun-
.\n die im Laufe der Iahre von verfchiedenen Zetten gegen dieses Beschwerbeverfahren erho- : t.m tootoen waren, ist eine Aenderung nicht vor- rioinmcn worden. Tie Beschwerden, die in großer Zahl fortlaufend lern Dö.kerbunbsraf ein- gewinnen somit lediglich informatorischen ijaralter zu Händen des Völ-erbundsrates. Die MKSglichkeit eines kontradiktorischen Verfahrens r:r dem Forum einer enteren oder breiteren teffsentlichteit ist somit von vornherein mit gro- jdit Geschick ausgeschlossen worden.
Lieses vom Dölkerbundsrat geschaffene De° MgLrcrdeverfahren ist der Ausdruck der allgemei- icm Geisteärichtung, die seit den ersten Jahren WkS Bestehens der Minderhei.enfrage geherrscht ®|at. Deutlich spiegelt sich diese Gesinnung in Mkc berühmten Entschließung vom 27. Juni 1921 ■ti'üer, in der der Dölkerbundsrat auf Antrag gEkS brasilianischen Delegierten Mello Franco rlllärte, eine große Anzahl von Eingaben der 2linberßci:en fei von so geringem Interesse, k| mders nach den Einwendungen des belreffen- !,m Staates, daß es sich keineswegs lohne, sie ■tlletn Dölcerbundsmi.gliedern überhaupt bekannt fliu machen. Durch die Beschränkung der Be- niarontgabe der Eingaben auf den Kreis der
Sprung einer Elenantilope über vier Brahminenzebus.
Don Earl Zuckmayer.
Es gibt Zebus und Zebu-, wie eS Pferde und Gäule gibt. Diese vier sind kostbar, von edelster Rasse, hochgezüchtet für den heiligen Tempeldienst am Hofe eines Radschahs. DaS kurze glatte Weißfell ihrer Flanken und Stirnen läßt noch die geheimnisvolle Tätowierung durchschimmern, die der Drahmapr^^"- den Jungtieren in die Haut grub. Ihre Schädel sind schmal, länglich, feingemeihell, Üjre ^.ner sichen recht eng zu- lammen und zeigen jenen sonderbaren Schwung, der auch die schlanken Deine, die Krichpe, die lässig schaukelnden Hüften von den Gliedmaßen gewöhnlicher Ackerzebus unterscheidet.
Im Zirkus Hagenbeck tragen sie allabendlich die Gold kugeln auf ihren Hörnern mit der mü-
iii«' s* x-W eine«
Die ßüeratur, zur Zeit eine periphere Erscheinung auf der Bühne, werde sofort wichtig, wenn sie solche theatralische Besessenheit in sich trägt. Der praktische und der kritische Dramaturg (in der Presse) müssen Hand in Hand arbeiten, statt sich etwa zu befehden. Rach einer mit li- lerariscchcn Teispielen und Gegenbeispielen belegten Gegenüberstellung vorwiegend literarisch rr und betont theatralischer Elemente gelangt: der Redner zu einer Ablehnung des von Tairoff („Das entfelselte Theater") ausgestellten Sahrs, daß der Wille zur Literatur mit dem Willen zum Theater nicht vereinbar fei. (Das Beispiel Georg Kaiser in diesem Zusammenhänge war übrigens u. C. nicht sehr glücklich gewählt und forderte zum Widerspruch heraus.) Gradmesser für das Theater werde immer das Publikum bleiben; es müsse erreicht werden, daß — wie zu Shakespeares Zeiten — das bre.teste Publikum vom Theater erfaßt werde. Ein Hinweis auf die von Gundolf durchgeführte, geistreiche Analyse des „Hamlet" In seiner vierfachen Wirkung auf ein sehr differenziert geschichtetes Publikum schloß die interessanten und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Darlegungen des Dramaturgen ab.
Der Direktor des Deutschen Seminars, Prof. Dr. "Victor, versammelte nach einem kurzen Schlußwort die Mitglieder des Seminars zu einer Diskussion des Dortrages.
: 'tirft der großen Dramaturgen der Vergangenheit Ducbe aß Beleg und Beispiel herangezogen.) ll>Ls Theater müsse sein Maßstab sein, für sein rZealer in irgendeiner Form müsse er sich ein- etzen. von irgendeiner neuen Theateridee soll rr besessen fein: wenn sie künstlerisch war, wird 1e: von selbst Angelegenheit feines Theaters «süßen.
Hi
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ZK. ft üanbcl'Sb,n
Budolf Bin®
63.
rung eines unhaltbar gewordenen Zustandes geschaffen werden kann.
Die Verträge weisen vielfach bereit- jetzt den Weg, der beschritten werden muß. Ausdrücklich ist die Anrufung des Internationalen Haager Gerichtshofes vorgesehen, sobald Meinungsverschiedenheiten im Rat über die Auslegung oder die Durchführung der Minderheitenfrage entstehen. Bedauerlicherweise ist dieser Weg von der deutschen Regierung bisher niemals beschritten worden. Es wäre ohne weiteres möglich gewesen, z. D. gegenüber der polnischen Regierung, durch den Haager Gerichtshof eine Entscheidung herbeizufüh.en. wieweit die Entnationalisierungs- und die Enteignungsmaßnahmen Polens in den neu gewonnenen Gebieten mit den rechtlichen Verpflichtungen der Minderheitenverträge in Liebereinklang stehen. Letztinstanzlich dürfte der gesamte jetzt aufgeworfene Fragenkomplex vor die Völlerbundsversammlung gelangen. Die als allein souveränes Organ deS Völkerbundes die Entscheidung über neu einzulegende Wege zu treffen hat. Die Minderheilenverträge stellen ausdrücklich den Minderheitenschutz unter die Garantie des Völlerbundes alS solchen, keineswegs aber, wie jetzt bereit» von Minderheiten feindlicher Seite gesagt ist. unter den Schutz des Völkerbunds r a t e S. Ausdrücklich wird in den Verträgen nur von den Garantien deS Völkerbundes als solchem gesprochen. Das Minderheitenproblem ist bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge jedenfalls zu einer der wichtigsten, entscheidendsten Ausgaben der deutschen auswärtigen Politik der nächsten Jahre geworden. Die an dem Versailler System interessierten Mächte sehen bereits heute in instinktiv richtiger Erfassung der Lage, daß der jetzt eingeleitete Streit um die Rechte und die Rationalextstenz der Minderheiten der Anfang eines großen Kampfes um öiegefomte deutsche Stellung zu werden beginnt; eS ist daher dringend zu wünschen, daß die jetzt der deutschen Außenpolitik gestellte Aufgabe nicht wie bisher als eine Spezialangelegenheit und wider Willen aufgezwungene Aufgabe empfunden wird, sondern als ein Problem, das nur unter dem großen Gesichtspunkt der allgemeinen europäischen Politik als ausschlaggebende politische Aufgabe behandelt wird. Die deutsche Politik als solche hat sich in dieser Frage in hohem Maße engagiert, die deutsche Stellung im internationalen politischen Leben und das deutsche Prestige werden in Zukunft nicht unwesentlich davon abhängen. In welcher Weise es der Leitung der deutschen Außenpolitik gelingen wird, den jetzt nicht nur den deutschen Minderheiten, sondern der ganzen Welt — und vor allem dem Völkerbund selbst — ausgestellten Wechsel einzulösen.
Cs wird vor allen Dingen darauf ankommen, die Erkenntnis durchzusehen, daß daS Minderheitenproblem heute den Grundpfeller des Völkerbundes darstellt und daß ohne eine befriedigende Lösung dieser so tiefgreifenden und weitreichenden Frage eine wirkliche Befriedung Europas nicht erzielt werden kann.
Dolkstrauertag 1929.
Gedenket der deutschen Kricgsgraber in fremder Erde!
Wiederum steht der Volkstrauertag bevor. Wir gedenken an diesem Tage unserer lieben Toten, die der Krieg von uns genommen hat.
2 Millionen! Die meisten ruhen in fremdem Land und fremder Erde. Der Dolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat auch in diesem Jahre den Angehörigen der Gefallenen die Gelegenheit gegeben, ein Zeichen liebenden Gedenkens auf Der Ihnen teuren Grabstätte nlebcrlcgen zu lassen. Tausende und aber Tausende werden diese Möglichkeit dankbar ergreifen, fo daß zahllose Gräber wieder Zeugnis oblegen von dem Gedenken der deutschen Heimat.
Wer gedenkt aber all derer, denen keine Einzel» grabftätte bereitet werden konnte? Hunderttau- sende liegen in großen Öammelgräbern vereinigt — unerkannt geblieben und ungenannt den Würde spätgeborener Könige, denen die Krone auf ihrem Scheitel weder Glück noch Last, kaum eine leise Scham und Demut auferlegt. Die schmalen Rückenhöcker zittern im leichten Trab.
Jetzt aber stehen sie, Stirn an Stirn gerecht, die feuchten, dunklen Rüstern zum bleichen Hals gesenkt, die runden, braundurchgoldeten TopaS- augen stumm und sanft zum Lagenrand erhoben, wie zu einem blutberieselten Opferstein, dem sie sich furchtlos nahen — (und zwischen diesen Augen uill) deinem Auge scheint ein Tarnschleier, ein Weltnebel gelegt, fie schauen dich an, ohne zu blicken) —, so stehen sie bildgleich in einer leise schauernden Erwartung, indes die Musik verstummt.
„Meine Damen und Herren" — die Stimme scheint aus einem unsichtbaren Grammophontrichter zu bringen, von seltsamen Nebengeräuschen umschlurrt, während der fahle Sand, die Logenwände, die blassen Flecke menschlicher Gesichter zu weitem Steppennebel verschwimmen, — „ich habe die Ehre, Ihnen die erste dressierte Elenantilope vorzuführen. Die Elenantilope ist das scheueste Tier der afrikanischen Steppe. Endlose Mühe und unerschöpfliche Geduld haben diese Dressur . . ."
(Das letzte Wort verhallt krächzend, tote wenn die Radel der Membrane ausrutscht.)
Die Elenantilope steht mitten in der Manege auf hohen Deinen, an ihrem Halfter hängt em Mann, und man fühlt, es müsse fie endlose Mühe und unerschöpfliche Geduld gekostet haben, seine Dressur zu ermöglichen.
Ihr Fell ist glatt, ein falber Glanz strahlt von ihr aus. sehr friedlich die braunen Hörner, der sanfte Dückenhügel, die tief und weißlich auS- gebuchtete Kehle, der schlanke Bauch atmen Gleichmaß und Sicherheit. Wenn fie zu laufen beginnt, ist eS nicht, wie wenn em husbeschwerteS Körpertoesen die Beinknochen hebt, sondern es scheint, fie werden von einem lautlosen Motor auf unsichtbaren Wellen leise wiegend vorwärts- geschaukelt. Auf großer Fläche, in der freien Wildbahn mimo sende, logg ter, toinbgeriLter Grasland« müßte fie fliegen, brausen, wirbeln, wie sturmgefegter Sand. Hier schwebt fie, gleitet fie, weht fie, ohne Erschütterung, mit einer unglaublichen Weichheit der Geletcke. durch die Arena hin.
Plötzlich hängt ihr Leib, bellemmend, geisterhaft, doch deullich sichtbar bi» in die rollende
Aus der Provinzialhaupisiadi.
Dießen, den 22. Februar 1929.
Eiskalte Kleinigkeiten.
„Diese Kalte! Sagen Sie. was zeigt da» Thermometer?" .Haben Sie noch Kohlen?" .Läuft bei Ihnen daS Wasser?" .DerHeizen Sie auch 20 biS 30 Stück täglich?"
Eine dieser Fragen ist e» mindesten-, die wir nach erster Begrüßung mit unseren Bekannten wechseln. Eigentlich will Inan nichts mehr von 20 Grad und Kälteerscheinungen hören, nicht wahr? Aber, ob man will oder nicht, die Verhältnisse sind stärker.
Gewohnheitsmäßig dreht man die Leitung auf, um den Morgenkaffee anzusetzen. SS kommt Luft, aber kein Wasser. Ach so. die Morgenarbeit muß geleistet werden — Wasserhosen! Mit Kannen und Eimer bewaffnet, geht es zu Werner- in den ersten Stock, bei denen eS noch läuft. Die armen Leute! Zuerst schlossen sie die Flurtür hinter jedem Wasserholer. öffneten freundlich jedem Klingelnden. Jetzt lassen sie resigniert von 9 bi» 11 Uhr die Tür auf, die nie still steht. „Guten Morgen." In der Küchh ist Stelldichein des ganzen Hause-. Rot gedrungen müssen auch Schußes hier ihren Wasservorrat holen. Schulze die Werner- sonst nicht grüßen, die sich mit ihnen wie Hund und Katze stehen. Wassemot bricht alles! Da stehen wir also, während Else vom Parterre und Frieda aus dem 2. Stock ihre Eimer mit Wasser füllen. Ein junger Mann. unS allen unbekannt, keucht mit zwei Kannen davon. Frau Werner trifft ihn auf dem Flur. .Ja. sagen Sie mal...?" .Rischt for unjut. junge Frau. Wir wohnen um die Ecke. Bei un» In der Rachbarschaft hat Ihnen ke Mensch nich Wasser. Ra. un da härte ich hier jibts was, und de Tür stand uff... na also, juten Morjen" und er ging. Rotgemeinschaft.
Mein kleiner zwölfjähriger Freund ist sehr feinempfindend und außerdem sehr ritterlich. Ich lache über fein verlegenes Gesicht, alS er vor mir in der geöffneten Flurtür steht. „Run, Heini?" ,3a, hm, also, ich möchte — könnte ich Diel leidet.° .Bitte, komm doch herein." Ich nötigte ihn auf einen behaglichen Stuhl. „Ommer heraus mit der Sprache. Hast du ein Fenster zerhauen, oder die Wäscheleine verschleppt?" »Ach, wär es das! Rein, also würdest du mir gestatten, erlaubst du vielleicht..." Mir beginnt ein Ächt auszugehen. Heine ist ganz rot geworden. .<$£ ist mir ungeheuer unangenehm. Aber bei uns ist eS zur Unmöglichkeit geworden. 3m ganzen Haus. Mama ist ja schon zweimal auf den Bahnhof gefahren, aber bei unserer großen Familie, da- geht zu sehr in- Geld... Ich bin sehr diskret. DaS kleine Türchen klappt. Aber von heute ab müssen wir alle auf den Bahnhof fahren.
Beim Kaufmann, ich hole da- Abendbrot ein. „Roch ein Viertel Aal in Gelee." .Erna, gib
hielt*. tidttenbuöW111 Siebt".
Iß
H.-Korrespondenten.
RatSmitglieder allein werde zugleich verhindert, baß bie Einrichtung der Eingaben zur böswilligen Propaganda gegen ein Mitglied deS Völkerbundes mißbraucht würde. Mello Franco war es dann, der zum erstenmal vor dem Völkerbund die berüchtigte AssimilierungS-Theorie proklamierte, nach der das Schicksal Der Minderheiten allein und nur in Richtung einer Aufsaugung durch Die Mehrheits-Völker läge. Diese Theorie ist späterhin in außerordentlich geschickter, aktiver Weise von dem bekannten griechischen Rechtsgelehrten und Professor an der Sorbonne Politis ausgenommen und in öffentlicher Sitzung des Dölkerbundsrates quasi als die einheitlich äleberzeuguna deS Oefanitrate8 bargestellt worben. Ohne Zweifel wird bie Assirnilie- rungsthefe auch in Den tommenDen Kämpfen im DölkerbunDsrat einen breiten Raum einnehmen. In Der Zeit Des nunmehr achtjährigen Bestehens Des VölkerbunDeS ist keinerlei Versuch gemacht worDen, Das in Den ersten Jahren koDifizierte Minderhcitenrccht unD Beschwerdeversahren neu zu beleben und zu einem lebendigen Organ für Die Aufrechterhaltung DeS Den MinDerheiten garantierten Rechtes unD Schutzes auszugestalten.
Die Leitung Der MinDerhcitenabteilung DeS VölkerbunDssetretäriats, Die in HänDen Des Ror- wegers C o l b a n lag. Dessen unabweisbare Aufgabe es gewesen wäre, Den MinDerheitenschutz nicht zu einer erstarrten, leblosen Form werben zu lassen, ist ben ihr gestellten Aufgaben in feiner Weise gerecht geworben. Welche tiefer- lieaenben politischen älrsachen bei Diesem Verhalten des VölkerbunDssekretariats mitgespielt haben, soll hier nicht weiter untersucht werben. Fest steht jebenfalls, baß Dieses System heute in keiner Weise mehr geeignet ist, Die zahllosen Gefahrenquellen, Die in Dem Minderheitenproblem liegen, irgendwie nur zu beseitigen. — Es muß festgestellt werden, Daß es auf diesem Gebiet im Dölkerbund sowohl an Einsicht als auch an Entschlossenheit gefehlt hat, selbst wenn man Den guten Willen als gegeben ansehen will, was aber leider äußerst zu bezweifeln ist.
Der Antrag der Reichsregierung, auf Die TagesorDnung der Märztagung Des VölkerbunDs- rates: „Die Garantien des Völkerbundes für bie Bestimmungen zum Schuhe der Minderheiten" zu sehen, eröffnet eine neue Phase in Der Minderheitenpolitik Des Völkerbundes. Cs kann keinem Zweifel unterliegen, Daß außerorDentlich langwierige unD ernste Kämpfe im DölkerbunDs- rat zu erwarten sind, falls tatsächlich eine grundsätzliche Abänderung im Geist und in der Form des bisherigen Minderheitenschutzes durch Den VölkerbunD herbeigeführt werden soll. Die Minderheitenverträge sehen jedenfalls theoretisch ein völkerrechtlich begründetes Patronat des Völlerbundes gegenüber den Minderheiten vor.
Die Verträge stellen sodann übereinstimmend fest, baß eine Abänberung DerOarantie- beftimmungen für die Minderheiten durch Mehrheitsbeschluß des Dölkerbundsrates vorgenommen werden könne, wobei sich Die Großmächte, Die De reinigten Staaten. Englanb, Frankreich, Italien und Japan. ausDrücklich verpflichteten, ihre Zustimmung zu einer Aen- Derung Dieser "Verträge zu geben, sobald die Mehrheit des DöllerbunDhsrales derartiges fordere. Die deutsche Initiative wird jedenfalls in Den kommenden Verhandlungen des Dölker- bundsrates unmittelbar Die Frage aufrollen, in welcher Richtung nicht nur bas bisherige Verfahren im Sinne einer wirklichen Aktivierung unD Publizität abgeändert werben kann, fonbem inwieweit bas vorgesehene Patronat des Dölker- bunbes nach dem wahren Sinne Der bestehenben "Verträge sowie Der allgemeinen Zustänbigkeit Des Völkerbundes für alle internationalen Fragen, Die Den Frieden berühren, Dahin erweitert werden kann. Daß wenigstens ein Minimum von älntersuchungsmöglichkeiten unD Damit Abände
2)ie historische Entwicklung, die etwa von Lessing !ibitr die großen Dramaturgen des vorigen Jahr- luirberts bis zur Gegenwart führt, wurde nur in Meinen Stationen fnichtig angedeutet. Es wurde Ion Versuch unternommen, die Existenzberechtigung VJWV’". m les Dramaturgen, in seiner unklaren Stellung, w*-
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ßtlenticinbUitÄ $m Härsaal 44 der Universität sprach gestern 14teL*5 tob auf Einladung des Deutschen Seminars der .'rtmoturg des Stcwttheaters, Dr. Karl Ritter, 1 ' nc einem großen Publikum über Probleme
Icc modernen Dramaturgie.
Der Vortragende ging von der Stellung des imaturgen aus, die sich seit Lessing wesentlich ge> infiert habe. Er kennzeichnete die zeitgenösfijche bpoiltung von Theater und Literatur und den Dra- tiüiurgen als Vertreter eines aussterbenden Be- mfjis. Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler häen sich mit eigener Dramaturgiebegabung der m iegenheiten des Fachdramaturaen zu einem we- Widjen Teil bemächtigt. Presse und Literatur laOten andererseits die Dramaturgie in sich aufge-
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I Von unserem Dr. v.
II.
•EaS BeschwerDeverfahren, DaS nun t MinDerheiten zur Durchsetzung Der chnen geährten Rechte aus Den MinDerheitsvertra- gi zusteht, ist vom DölkerbunDsrat einseitig in kn. Jahren 1920-1923 geschasfen wordem Diese tejebur hat bis heute trotz Der ofsenkunDtg vz.olänglichen unD vielfach überlebten Form stine AbänDerung erfahren. Das Verfahren, tfe- es in Den Ratsbeschlüssen von 1920, 1921 jtin 1923 sestgelegt worben ist, besteht im we- snllichen Darin, Daß Die MinDerheiten Beschweren. über Richtelnhaltung Der MinDerheitsver- hi®e an Den Dölkerbund richten können. Das 6 :HlerbunD-ecfrctariat prüft, ob Die Eingaben dr MinDerheiten rechtlich unD tatsächlich zu- llfiig, finD, b. h. im besonDeren, ob sie nicht verletzendem Ton gehalten sind, von «■-cnßmer ober schlecht unterrichteter Seite stam- Geai ober Die Bitte zum GegenstanD haben, te politische Zugehörigkeit einer MinDerheit zi ihrem Staate aufzuheben. In Derartigen Men wird Die BeschwerDe ohne weiteres bei- fnt« gelegt. Hält bas Sekretariat Die Bell Herbe für rechtlich zulässig, so gelangt die k mzabe vor bie berüchtigte Dreier-Kom- ri Ilion Des DöllerbunDsrates, die unter


