Nr. 299 viertes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Aus dem Reiche der Frau.
Stich liehen. Ich bat sie vergebens, fich in die Lage einer von schwierigen, absolut nicht zu befriedigenden Kundinnen gequälten Verkäuferin au versehen und dabei zu denken, dah diese armen Geschöpfe immer liebenswürdig bleiben sollen. »Wer sich diesen Beruf erwählt hat." meinte meine Bekannte, »muh sich mit seinen Aufgaben abfinden und sich sagen, dah die Käuferinnen nicht wegen der Verkäuferin da sind, sondern dah es umgekehrt der Fall ist. Vein. Liebste, zu Ihrer Ansicht bekehren Sie mich nicht."
Ich habe den herzlichen Wunsch, dah meine Ausführungen bei anderen, zum häufigen Umtauschen neigenden Frauen auf guten Boden fallen möchten, und zwar zu ihrem eigenen und der Verkäuferinnen Besten.
Oer Babykorb.
Die gegenwärtige Wohnungsnot und die damit verbundene Enge bringt es mit sich, dah der Kinderwagen außerhalb der Wohnung, beim Pförtner, in einem bestimmten Lagerraum oder anderweitig untergebracht werden muh. Er erweist sich als zu groß und schwer, um von einem Baum in den anderen ohne zuviel Schwierigkeiten transportiert zu werden. Man muhte an einen Ersah in der Wohnung denken und brachte den Wiegenkorb, der früher, in der Biedermeierzeit, auherordentlich beliebt war. wieder zu Ehren. Der B a b h k o r b erweist sich als ein besonders praktisches Möbelstück. Er ist leicht und handlich: er kann, das ist sein weiterer Vorzug, in einfacher und in eleganter Ausführung hergestellt werden: man kann ihn nach Belieben
verzieren und ihn sehr geschmackvoll Herrichten. Am hübschesten wirkt er, wenn seine Außenwände verkleidet sind. In dieser Beziehung wird sowohl vom Kunstgewcrbe als auch von der Konfektion bereits sehr viel geleistet. Besonders anregend wirken die verschiedenen Spihenaus- stellungen, in denen vorbildlich dekorierte Babykörbe zu sehen sind. Die Spitze gehört vor allem zur Ausstattung eines hübschen Babykorbes, es können indessen sehr einfache Arten, auch bereits gebrauchte, anderweitig unverwendbare Einsätze und Kanten dafür benutzt werden. Man muh dabei immer bedenken, dah es sich um eine Babyausstattung handelt, darum kommen wertvolle, kostspielige Spitzen nicht in Betracht, sie würden bei der notwendigen häufigen Wäsche sehr leiden: außerdem würde es geschmacklos wirken. Mit wenig Mitteln kann man hier sehr viel erreichen, es gehört aber Geduld dazu, denn die Handarbeit ist dabei unerläßlich. Die Außenwände werden mit einfachem oder gemustertem Tüll bespannt, die Volants schließt man mit Spihenrüschen ab. Das Verdeck wird in derselben Weise bezogen, auch hier bilden feine Büschen, die, möglichst breit gehalten werden, den Abschluß'. Die Innenseiten des Verdecks füttert man am besten mit hellblauem Satin aus. gegen das scharfe Sonnen- oder das grelle künstliche Licht schützt man das Kind durch weihe Zuggardinen, die mit schmaler oder breiter Spitze eingefaßt sind. Der Band des Korbes wird mit gezogenen Büschen verdeckt. Zu dieser Ausstattung gehört eine hübsche Decke aus Satin oder waschbarer Seide, die in derselben Farbe wie das Futter des Verdecks gehalten wird. Else Mie.
LhnWollen, plumpuddmg, Kreppet.
Allerlei Rezepte für die Feiertage.
Stollen. Don 2 Pfund Mehl, 300 Gramm Zucker, 60 Gramm He,e. V* Liter Milch nimmt man ein Viertel etwa ab und macht ein Hefenstück das man an warmer Stelle aufgehen läßt. Inzwischen 400 Gramm Butter sahnig rühren und innig mit dem Hefenstück vermischen. Am besten schlägt man den Teig mit einer Kelle, bis er Blasen wirft. Bun muß der Teig abermals aufgehen und danach mit 3/* Pfund Rosinen (Sultaninen und Korinthen, die vorher verlesen und gebrüht wurden). 200 Gramm geriebenen süßen und einigen bitteren Mandeln, der abgeriebenen Schale einer Zitrone, und 200 Gramm würflig geschnittenem Zitronat tüchtig durchgeknetet werden. Längliche Brote formt man dann daraus, die der Länge nach mit einem Messer eingeschnitten werden. Die S ollen müssen bei scharfer Hitze im Ofen braun bocken und noch heiß mit flüssiger Butter mehrmals bepinselt und mit Puderzucker dicht bestreut werden, bis sich eine dicke Zuckerlruste gebildet hat.
Englischer Weihnachts-Pudding. (Plumpudoing.) 200 Gramm geriebene Semmel oder altbackene, eingeweichte Semmel, 2ö0Gramm gehäutetes und sein gewiegtes Bierenfett. Vs Liter Milch. Vs Liter Bum und drei ganze Eier verrührt man, und fügt dann 200 Gramm Zucker. 100 Gramm Zitronat, 50 Gramm Pomeranzenschale (beides fein würflig geschnitten) daran, sowie 50 Gramm geriebene süße Mandeln, 200 Gramm Korinthen, 200 Gramm Sultaninen. Diesen tüchtig durchgerührten Teig läßt man ein bis zwei Tage stehen. Will man ihn verwenden, so rührt man ihn nochmals durch. Er wird nun in eine gefettete Puddingform gefüllt oder in eine gefettete und mit Mehl bestreute Serviette eingeknotet und muh im Wasserbade drei bis vier Stunden kochen. Zum Anrichten stürzt man den Pudding auf eine Schüssel, legt ringsum kleine Stücke von Hartzucker, die mit Arrak übergossen und, wenn man den Pudding zu Tisch gibt, angezündet werden. Man reicht eine Weinschaumsohe dazu. Zu dieser quirlt man vier Eier mit einem Teelöffel Weizenmehl und zwei
Eßlöffeln Zucker und einem Viertelliter Weißwein und etwas Bum klar, bringt es auf nicht zu großes Feuer und schlägt die Soße mit der Schneerute, bis der Schaum zu steigen beginnt. Kochen darf er aber nicht! Vom Feuer zurückgenommen, schlägt man noch kurze Zeit weiter, um ein Gerinnen zu vermeiden und serviert die Soße heiß.
Silvester-Gebäck.
Genau wie ein Weihnachtsfest ohne die es umschwebenden Düfte von Honigkuchen, Stollen, Marzipan und Lebkuchen undenkbar ist, hat auch der Silvesterabend seine traditionellen Küchen- spezialitäten. Bach dem Abendbrot, das mit Rücksicht auf die Ueberlastung der Küche zumeist kalt gereicht wird — pikante Schüsseln, kalte Salate und Aufschnittplatten —. braut der Vater mit den Söhnen den obligaten Punsch und die Mutter steigt in die Speisekammer, um die am Bachmittag bereiteten Sivester-Leckereien zü holen. Diese Silvesterkuchen sind je nach Gegend und Provinz verschieden, haben aber doch eines gemeinsam: Sie werden alle in schwimmendem Fett gebacken.
So hat Köln seine Muzemandeln. zu denen V* Pfund Butter, 5 Eier, 3/4 Pfund Mehl, 2C0 Gramm Zucker. 100 Gramm geriebene Mandeln und V2 Teelöffel Hirschhornsalz langsam zu einem nicht zu festen Teig gerührt werben. Davon werden kleine längliche Klößchen abgestochen und im Fettbade hellbraun gebacken.
Süddeutschland bäckt K r e p p e l. 3 bis 4 Löffel Hefe läßt man mit V* Liter Milch gehen. Inzwischen werden 180 Gramm Butter zu Sahne gerührt. 6 Eier, 180 Gramm Zucker und etwas geriebene Muskatnuß dazu gegeben und die Masse mit dem Hefestück verbunden. Man rollt den Teig aus, sticht mit einem Weinglas runde Scheiben aus, läßt sie noch einmal gehen und bäckt die aufgegangenen Bällchen in heißem Fett lichtbraun.
Aehnlich den Kreppeln sind die in Ostdeutschland bekannten Porzeln zum Silvesterpunsch. Der Hefeteig muß fester sein und wird mit
Oie umtauschende Frau.
Don Johanna Weiskirch.
Eine sehr wenig erfreuliche Erscheinung unter dem kaufenden Publikum ist häufig die umtauschende Frau. Dicht die ist damit gemeint, die das Umtauschen hier und da einmal in unerläßlichen Fällen vornimmt, sondern die jeden Einkauf im Hinblick auf das Ilmtauschenkönnen tätigende Frau. Es gibt ihrer eine große Anzahl. Sie find sich niemals so recht über ihre Wünsche klar, wissen selbst nicht, was sie wollen und möchten am liebsten alles kaufen, was sie sehen. Bei ihnen ist das Einkaufenwollen geradezu zur Manie geworden, die um so unangenehmer in die Erscheinung tritt, ttxmn die Mittel, die zur Verfügung stehen, diese Betätigung direkt verbieten. Solche Käuferinnen trösten sich mit dem Gedanken, umtauschen und abermals umtauschen und damit ihrer Einkaufswut frönen zu können. Wohlweislich haben sie sich die Erlaubnis dazu in den von ihnen heimgesuchten Geschäften" Vorbehalten. So kommt es, dah sie drauflos kaufen und ihrer Erwerbung bereits überdrüssig sind, ehe sie noch aus der Ladentür heraus find. Der Kampf beginnt: Soll ich nicht doch lieber gleich umkehren und das andere Stück nehmen, das eigentlich schöner war? Wie konnte ich mich nur zu diesem entschließen? Da war aber nur das dringende Zureden der Verkäuferin schuld daran! Ja, ja. diese Damen! Wahrscheinlich hat sie mir da einen richtigen Ladenhüter aufgehängt, um ein Extralob für ihre Geschicklichkeit einzuheimsen. Da will ich ihr nur gleich einen Strich durch die Rechnung machen, indem ich meinen Einkauf umtausche. Das geschieht denn auch. Die arme Verkäuferin, die froh war, die ihr bereits bekannte, schwierige Kundin abgefertigt zu haben, plagt sich von neuem mit ihr ab und bemüht sich redlich, die mehr oder weniger spitzen Badel- stiche freundlich zu überhören oder abzulehnen. Endlich, nach langem Hin und Her, ist die Käuferin ziemlich zufrieden und geht, aber nicht, ohne sich einen eventuellen a&ermaligen Umtausch vorzubehalten. Diesmal wird der Einkauf zwar nach Hause getragen, aber unterwegs schon allerlei Bemängelungen an ihm vorgebracht. Da ja, man kann ihn sich ja einmal zu Hause so recht bei Licht besehen und darüber schlafen. Morgen ist auch ein Tag, und das Weitere findet sich. Ja, ja, es findet sich bereits am nächsten Vormittag, daß der Einkauf keinen Beifall, sondern höchste Mißbilligung erntet, ilnb mit Hintansetzung häuslicher Angelegenheiten geht die um- tauschende Frau abermals au der Verkäuferin, die sie bediente, ilnb gleich darauf klingt es der in gereiztem Ton ans Ohr: »Aber Fräulein, wie konnten Sie mich nur zu diesem da animieren, wo ich Ihnen doch ausdrücklich gesagt hatte, daß die Farbe am Tage genau so cmsiehen müßte, als bei ihrer Ladenbeleuchtung. Das ist ja gar nicht der Fall. Ich würde wie meine eigene Großmutter aussehen, wenn ich diese Farbe tragen würde. Ausgeschlossen! Legen Sie mir bitte etwas anderes vor: aber bedienen Sie mich ein bißchen aufmerksamer, sonst müßte ich mich bei der Geschäftsleitung beschweren!"
Ihren gerechten Unwillen mühsam bekämpfend, sucht die Verkäuferin die mehr als schwierige Kundin zufriedenzustellen. Fast scheint es unmöglich. Dur dem Umstand, das prinzipiell nicht öfter als zweimal umgetaufcht werden darf, gibt dem jungen Mädchen, als die mit großer Mühe bediente Käuferin sie verläßt, die Beruhigung, daß sie nicht zum dritten Male zum Umtausch erscheint.
Sn meinem Bekanntenkreis befindet sich eine solche Frau, die mich durch ihr ewiges Umtauschen empört. Ich kam schön bei ihr an. als ich meinen Unwillen eines Tages keine Zügel anzulegen wußte und sie zu meiner Ansicht zu bekehren suchte. Sie hatte nicht das allergeringste Verständnis dafür, daß den Verkäuferinnen oft ein Unmaß von Selbstbeherrschung von den Käuferinnen xugemutet wird, und daß man es sehr wohl verstehen könne, wenn ihre Berven und damit ihre Geduld sie hier und da einmal im
Karpfengerichie.
Don Hermann Buge.
Wenn gegen das Ende des Jahres, entweder bereits am Weihnachtsheiligabend oder spätestens zu Silvester die Hausfrau eines der schönen Schuppentiere erstanden hat und nun heimwärts wandert, um ihren Lieben etwas Gutes und Willkommenes auf den Tisch zu setzen, so steht im allgemeinen schon bei ihr fest, welche Zubereitung sie wählt. Da gibt es Familientraditionen, die sie von ihrer Mutter und diese von ihrer Mutter übernommen hat, nach denen der breitrückige Geselle unbedingt als „Polnischer Karpfen" auf- getischt werden muh. Oder aber der teure Ehe- liebste hat seinerseits eine besondere Vorliebe für „Karpfen blau" aus seiner Familie mitgebracht und die liebe Hausfrau fügt sich dieser, Beigung bereitwilligst. Oder in einzelnen Gegenden herrschen provinzielle Verschiedenheiten, denen sich Haus für Haus anpaßt.
Und doch kann auch der Karpfen sehr gut einen Wechsel in seiner Zubereitung vertragen und bringt damit eine erfreuliche Bereicherung unseres Tischzettels.
Vorher nur ein Wort über das Schlachten. Zuerst betäubt man das Tier durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf. Dann tötet man es durch einen Einstich dicht hinterm Ohr, wobei das Rückgrat durchgetrennt und der Karpfen sofort und schmerzlos zum Tode befördert wird. Alles andere ist unnütze Quälerei. Meist besorgt uns der Fischhändler diese beiden Manipulationen gleich beim Einkauf, so dah uns nur das Ausnehmen und die Vorbereitung übrig bleiben.
Versuchen wir also m diesem Jahre einmal, den Karpfen statt in Polnischer Sauce in Rotwein zu kochen. Es wird uns nicht leid tun. Bein, Ausnehmen wird das Blut in etwas Essig aufgefangen und sonst das Tier tote üblich zuvorbereitet. In eine ausreichend große Kasserolle tun tote dann Zwiebel- und Zitronenscheiben, Pfeffer, Delken und ein Lorbeerblatt, legen den , Karpfen oder die einzelnen Stücke hinein, gießen , eine halbe Flasche Rotwein und ebensoviel Wasser
darüber und lassen alles zum Kochen kommen. Dann darf der Karpfen bei ganz gelindem Feuer garziehen. Bachdem wir ftn vorsi ''tig heraus» genommen, machen wir die Tunke, an to:li;e wir das Blut gerührt haben, bünjg. — Es empfiehlt sich, den Karpfen kalt auf das Feuer zu bringen, da er, wie alle Fische, wenn sie frisch sind, leicht vollständig einreiht.
Oder sehen wir mal ganz von dem üblichen Kochen ab und wählen den „Gespickten Karpfen". Im Backofen. Ein Karpfen wird wie sonst vorbereitet, aber auf dem Rücken ein handbreiter Streifen Haut vorsichtig abgezogen. Das bloh- liegende Fleisch wird in mehreren Reihen sorgfältig und reichlich gespickt und dann das ganze Tier einen oder zwei Tage in eine Beize von Zitronensaft, Rotwein, etwas Salz, Zucker und Gewürz gelegt und mehrmals gewendet. Es kommt dann in einer passenden mit Speckscheiben aufgelegten Pfanne in den heißen Ofen, nach Möglichkeit stellt man den Fisch auf die Bauchseite. Die Marinade, in welcher er gelegen hat, wird aufgekocht, durchgcseiht und hinzugcgossen. Bleibt der Karpfen nun eine Dreiviertelstunde im Ofen und wird in dieser Zeit wiederholt mit der Beize übergossen, so entsteigt er als wunderbarer, braun überkrusteter, delikat anzusehender Braten seiner Pfanne, so daß die Hausfrau größte Ehre mit ihm einlegen tann. Als Deiguß wird der etwas verlängerte und eingedickte Bratenfonds benutzt.
Dann sei an den in manchen Gegenden üblichen „Paprikakarpfen" erinnert. Die in Salz- wasser mit etwas Essig gargekochten Fleischstücke werden mit einer aus Butter, Zwiebeln, Mehl, Sahne und Paprika bereiteten dicken Tunke in heißer Schüssel übergossen und finden so sicher die Liebe des Hausherrn. Auch ein herzhaftes Karpsenfrikassee oder ein pikantes Ragout kann nach genau denselben Methoden, wie sie bei den entsprechenden Fleischgerichten Üblich sind, her- gerichtet werden.
Es sind dies alles Gerichte, die sehr einfach zu machen sind und der Hausfrau nicht mehr Arbeit verursachen, als die gewohnten. Aber nicht nur in warmem Zustand, sondern auch kalt kann
uns der Karpfen eine rechte Freude sein, ihn als Salat oder Mayonnaise zuzubere'.ten. Ser in gut gesalzenem und gewürztem Wasser gargekochte Karpfen wird zerpflückt und entgrätet und entweder mit einer Remouladentunke übergossen oder mit einer dicken Mayonnaise an- gerichtet. Er ersetzt dann am Silvesterabend den herkömmlichen, aber doch reichlich derben Heringssalat und bringt in die leiblichen Genüsse, mit denen wir dem neuen Jahr entgegenwachen, eine besondere Bote feiner Schmackhaftigkeit.
praktische Weihnachtswinke.
Don M. Schneider.
Die schöne Sitte, durch Zusenden von Geschenkpaketen zu Weihnachten auswärtigen Freunden und Verwandten eine Freude zu bereiten, kann an allerlei Klippen zerschellen. Damit die Sendung auch wirklich ihren Zweck erfüllt, ist es erstens notwendig, das Paket zur rechten Zeit fortzuschicken, zweitens die Sendung so. zu verpacken, daß keine sogenannte Paketleiche entsteht, und drittens die Adresse nicht nur klar, deutlich und vollständig oben auf dem Paket zu befestigen, sondern sie auch innen auf einem Zettel miteinzulegen. Kann zum Einpacken nicht ein festes Kistchen verwendet werden, so soll das Paket wenigstens aus starkem Karton bestehen, der mit solidem Bindfaden umschnürt wird. Bindfaden, der nicht immer allen an seine Haltbarkeit gestellten Anforderungen entspricht, wird dauerhafter, wenn er drei Tage in eine konzentrierte Alaunlösung gelegt und dann getrocknet wird.
Sollen S p i e l s a ch e n , wie z. B. Roll- oder Puppenwagen, aufgefrischt werden, so eignet sich hierzu am besten Emaillackfarbe. Die Sachen, mit ihr bestrichen, sehen schön aus und lassen sich auch gut sauber halten.
Jedermann möchte dasAbsallenderChrist- baumnabeln so lange als möglich hinausschieben. Dies ereicht man dadurch, daß man den Baum vor dem Ausputzen auf 48 Stunden mit dem Stammende, von dem man erst ein Stückchen absägt, in eine Mischung von Glyzerin und Wasser stellt. Der
Samstag, 21 Dezember 1929
Zimt, Delken, Zitronenschale und sehr viel Rosinen durchsetzt.
Berlin muß za Silvester Pfannkuchen haben, die, wenn sie wirllich lustig und duftig sein sollen, sehr viel Sorgfalt bei der Zubereitung erfordern. Man nimmt zum Teig ein Pfund We zenrnchl, 250 Gramm Butter, 60 Gramm Zucker, 60 Gramm Hefe, 6 Eidotter, Vio Liter Milch, 8 gestoßene bittere Mandeln und da« Abgeriebene einer kleinen Zitrone. Wo viele Mäuler zu stopfen find, kann man auch nur i/4 Pfuno Butter, 4 Eier oder 100 Gramm Butter und 2 Eier nehmen, im letzteren Falle aber etwas mehr Milch. Bei der Zubereitung des Teiges ist eines streng zu beachten: gleichmäßige Wärme. Der Teig muß dreimal gehen, ehe er ausgestochen, gefüllt und z isammengesetzt werden kann: bann wird aber gleich mit dem Tacken in heißem Fett begonnen. Wenn die fertigen Pfannkuchen leicht abgekühlt sind, werden sie in eine Glasur aus Puderzucker, über Len gleichmäßig Zitronensaft, Rum, Orangenblütenwasser oder Rosenwasser gegeben ist, getaucht.
Lieber kurz oder lang ...
Don Hilde Hanna Sitte-Huiter.
Eine brennende Frage, die fast ein Jahr lang im Mittelpunkt aller Modedebatten stastd. Und nun haben beide Teile recht. Er, der Rock, bleibt kurz und — er ist lang geworbt
Kostümröcke (und das Kostüm ist ein Hauptteil der Garderobe der erwerbstätigen Frau) und jene einfachen Wollstoff-Lomplets, die heute sehr en vogue sind und Kleid und dreiviertellangen Mantel nicht aus dem korrespondierenden, sondern aus dem gleichen Material aufweifen: ferner Iumperlleider. die sogenannten „Laus- kleidchen", meist in dunkelblau, dunkelbraun ober einem seinen Karo ober Streif — die Rock- faume all bie'er Kleidergattungen sind regelmäßig und kurz. Kurz nun allerdings nicht mehr in dem Sinne der Kniefreiheit der Garconnezeit. sondern in jener wohltuenden praktischen Weise, die den Rock etwa sieben Zentimeter über das Knie reichen läßt. Selbstverständlich ist es, daß alle Sportlleider den kurzen Rock aufweisen.
Für die Dachmittagskleider könnte man die Tendenz feststellen: vorn: etwa zehn Zentimeter über d«s Knie; rückwärts: bis zum unteren Wadenstyluß, womit keinesfalls gesagt ist, dah diese Kleider einem ausgesprochenen Mode- gesetz unterliegen. Das ist schon dadurch nicht der Fall, weil alle diese Kleider im Zeichen bet Glocke stehen. Schwunghafte Glockenpartien, an den verschiebensten Stellen eingesetzt, fomn en um so mehr zur Geltung, je länger sie sind, je mehr Spielraum sie haben sich auszuschwin- gen. Und sy bringt es die Glockenmobe mit sich, dah der unregelmäßige Rocksaum am Dachmit- tagskleid gang und gäbe ist.
Dies ist aber nur ein älebergang. Denn der Abend ist es, der den ausgesprochen langen Rock vorschreibt. Ob aus Chiffon, ©orgelte, Chin^taft, ob aus Velour transparent oder einer der vielen modernen anderen Seiden und Samte in uni oder gemustert: das Kleid muh den Fuhknöchel erreichen, will es Anspruch auf mustergültige Eleganz erheben. Bei den undurchsichtigen Materialien ist es nun so, daß auch diese in so weiten Godets und Glocken gearbeitet sind, dah bei jedem Schritt, vor allem aber auch beim Tanz, das Kleid durch den Rhythmus des Ganges in die Höhe schwingt. Das durchsichtige Material, das keinen so schweren, sondern einen blütenhafteren Ausschwung hat, darf daher auf Glocken verzichten und wirkt nur durch die aneinandergereihte Fälle des Stoffes.
Die Tüll- und Spitzenröcke haben undurchsichtigen Materialien eines voraus, sie verzichten nicht auf die Anmut der Beine, das nötige Unterlieft reicht vorn nur etwas über die Knie, folgt rückwärts der Länge des Rockes nur bis in die halbe Wade, so daß man bei jedem Schritt
Stamm saugt die Lösung auf, die die Zweige längere Zeit feucht und elastisch erhält.
Christbaumbrände sind nicht selten. Sie werden schon durch das Frischhalten des Baumes einigermaßen verhütet. Zn erhöhtem Maße erreicht man die Sicherung dadurch, daß der Baum vor dem AufstcUen mit einer Lösung besprengt wird, die aus einem Teil phosphorsaurem Ammonium und neun Teilen Wasser besteht. Der Baum wird durch diese Lösung imprägniert. Wird nun noch vermieden, ihn in der Nähe von Gardinen und Portieren auf- zustellen, so ist alles getan, um einer Feuersgefahr zu steuern. Imprägniert kann auch das mit grüner Emaillackfarbe angestrichene Christgärtchen werden. Wird es mit getrocknetem Moos ausgelegt, so sollte dies vor dem Auflegen mit Gräserfarbe grün auf- gefärbt und dann auch imprägniert werden, ebenso der weiße Glimmerstoff, der vielfach zur Verdeckung des Christbaumfußes verwendet wird.
Vielen Aerger bereiten die Tropfflecken, die sich besonders zur Weihnachtszeit auf Kleidungsstücken, Tischtüchern, Teppichen usw. durch das Tropfen der Kerzen einstellen. Sie sind jedoch sehr leicht zu beseitigen. Ein Stück Löschpqpier wird aufgelegt, mit einem heißen Eisen darüber gefahren, und der Schaden ist beseitigt.
Äeim Hantieren mit dem Hhristbaum bekommt man leicht Harzflecken an den Händen ober Kleidungsstücken. Abreiben mit Spiritus, Benzin ober Terpentinöl bringt sie zum Schwinben.
Nun noch einen Ratschlag für bie S i ä t i n b e r Weihnachtszeit. Der Genuß von Nüssen ist gesund und nahrhaft, weil die Nüsse viel Fett und Eiweiß emhalten. Ein Zuviel, schlechtes Kauen, wie der Genuß anderer fett- und eiweißreicher Nah» rungsmittel bedingt die gefürchteten Verdauungsbeschwerden.
Damit die Kinder sich nicht den Magen und damit viel Weihnachtsfreude verderben, sollen' die Naschmäulchen nicht zu o'ele Süßigkeiten auf einmal, und besonders nicht vor der Mahlzeit schlecken. Durch Verhütung von kleinen, unscheinbaren Anlässen zum Aerger kann man die große Freude unseres schönsten Familienfestes vor empfindlicher Einbuße bewahren.


