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Nr. 273 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 2L November 1929

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durchdringen. Die Höhenstrahlen stammen den Liesen des Weltraums, wahrscheinlich rot leuchtenden Sonnen der Milchstraße. Leiter der Pariser Sternwarte sprach von Möglichkeit, daß diese harten Strahlen zu

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Eine stockamcrikanische Angelegenheit. Pendelt hin und her auf der anscheinend äußerst schmalen Grenze zwischen Schwank und nat onalökonorni- schem Donbonkolleg. Im ersten Akt kriegt man noch Beklemmungen, es.könnte wasdahinter" sein. Aber das legt sich im Laufe des Abends. Man gibt sich argloser Heiterkeit hin und läßt sich ein modernes Märchen aus dem ebenso rauhen wie goldenen Westen erzählen.

Scribbh ana son machen in Suppenwürfeln. Geosfrey Ginster (ohne seine Tochter) macht in Suppenkugeln. Dieserollen um den Erdball", jenezähmen wilde Wölfe". Die Organisation klappt, die Propaganda überschlägt sich, die Konkurrenz wird zur Existenzfrage.

drohen. Werkspionage sozusagen. Als Gemüse- putzcrin. In Abteilung neun.

Die Fettaugen schwimmen oben. Sn jeder Be­ziehung. Wer unter die Oberfläche schürft, sprach der weise Oscar Wilde, tut es auf eigene Ge­fahr. Aber es wird alles sehr appetitlich zube­reitet und gefällig serviert. Es fallen eine ganze Menge hübscher Bemerkungen, cs gibt harmlos­drollige Situationen in jedem Akt, und man hat, ohne Zwang, etwas zu lachen.

Das Schmuckstück der Partitur,Gern hab' ich die Frauen geküßt", Paganinis berühmtes Triumphlied im zweiten Akt, ist in der Tat und mit Recht zu einem der populärsten Schlager unserer Zeit geworden.

schen und textlichen Zusammenhalt vermissen, und auch musikalisch, zumal in den Solopartien, er­heblich zu wünschen übrig.

Welch edler HerroderUaw würde em. ann. ki­rnen Manne 3lM flfflen raienro. dahliMiuurAnlt: futw einer Sink maschine leihen. £

Dieser Tage wurde in Berlin das neue große Univcrsitätsinstitut für Strahlungs­forschung eingcweiht.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein er braucht, um nur einige der lebensnotwen­digen Strahlen zu nennen, Licht und Wärme, die ihm in einer ganz bestimmten Form zugeführt werden müssen, um ihm nicht zu scha­den, sondern ihm zu nützen. Aun ist die ganze Welt erfüllt von einem Strahlenmeer, von Wel­len aller Art, die nicht nur die irdische At­mosphäre durchdringen, sondern zum Teil auch die feste Materie durchschlagen. Die Forschungen der letzten Jahrzehnte haben bewiesen, daß diese teils von unseren Sinnen überhaupt nicht wahr­zunehmende Strahlenflut den menschlichen Körper außerordentlich stark beeinflußt: aber die Wissen­schaft steht auf diesem Gebiet noch im Anfangs­stadium ihrer Erkenntnisse, und es hat sich als notwendig herausgestellt, die vielen zersplitterten Arbeiten der Strahlenforschung endlich zusammenzufassen, um der Statur möglichst viel von einem ihrer lebenswichtigen Geheimnisse zu entreißen. Deshalb wurde jetzt in Berlin ein Snstitut für Strahlenforschung einge­richtet, das zur medizinischen Fakultät der Uni­versität gehört und den Zweck verfolgt, die medi­zinischen, biologischen und physikalischen Eigen­schaften von Strahlen aller Wellenlängen zu studieren.

Das Institut mußte, um seinem Zweck zu ge­nügen, selbstverständlich mit den modernsten Ein­richtungen versehen werden. Sm Keller befinden sich Maschinenanlagen, mit deren Hilfe die ver­schiedensten elektrischen Ströme erzeugt werden können' in den Korridoren aller Stockwerke sieht man an der Wand eigenartige Bretter mit vielen Löchern und Stöpseln, die die zahlreichen elektrischen Anschlüsse vermitteln. Reben den Hör­sälen, den Mechanikerwcrkstätten, den chemischen und den biologischen Laboratorien befinden sich große Räume, in denen wissenschaftliche Samm­lungen untergebracht sind, und sogar Tierställe, die zur Aufbewahrung der Versuchstiere dienen. Alm die Intensität und die Zusammensetzung des Sonnenlichtes zu erforschen, wurde auf dem Dach eine meteorologische Station eingerichtet. Sn der meteorologischen Abteilung kann man mit Appa­raten, deren Ramen genügt, dem Laien einen Schrecken einzujagen, mit Aktinometern, Photo­metern und Pyrheliometern, mit Kaliumzellen und Cadmiumzellen genau feststellen, welchen therapeutischen Wert das Sonnenlicht mitten in Berlin hat. Zu den Aufgaben des Snstitutes gehört es auch, den Radiumvorrat der Charite zu behüten und zu prüfen, wie wirksam die im Handel befindlichen radioaktiven Heilpräparate sind. Die Forschungsanstalt kann diesen vielen

Zwar hebt sich das Libretto in keinem Sah über das seit Sahrzehnten gewohnte Riveau, aber cs ist mit einer großzügigen, einfallsreichen und zur Volkstümlichkeit geschaffenen Musikalität instrumentiert.

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Herrn Ginster feine hat bei alledem immerhin einen Einfall, der sich hören läßt. Sie benutzt ihren Salonkommunismus als kokette Maske und macht sich an die Konkurrenz ran, deren Re- llameverse das väterliche Haus zu erschüttern

Zuerst das Lustspiel von Sulius Der st I. Der Titel ist um mindestens drei Worte zu lang, aber die drei Akte mit Vorschlag sind gerade richtig geraten. Sie füllen den Abend wie Scrib- bys Suppen den Magen, und beide sind her­vorragend leicht verdaulich. (Der Gehalt machts.)

Sa, und was Derstl noch sagen wollte: so arme einzige Millionörstöchter (Ginster seine zum Bei­spiel) habens furchtbar schwer. Sie sind be­dauernswerte Geschöpfe. Vor lauter väterlichem Reichtum kommen sic auf dumme Gedanken. Mit eigener Arbeit und Geldverdienen und Existenz- gründen und Kommunismus und so. Millio­närstöchter wenn man dieses Stück gesehen hat können einem leid tun. Arme Hascherln sind das, weinen möchte man.

Hans Schneider als Paganini war seiner Aufgabe, mit deren Behandlung die Operette steht und fällt, organisch vor allem in der hohen Lage nicht gewachsen.

Die beste, den schwachen Durchschnitt der übri­gen Besetzung weit überragende Leistung bot Meta Liebermann als Fürstin von Lucca, die, gesanglich und darstellerisch zuverlässig und überzeugend, den gepflegten Stil früherer Auf­führungen bewahrte.

Vom Ensemble: Karl Heinz Klüfer, Franz Men ar, Willi Hartmann. Das sehr zahlreiche Auditorium erzwang mehrere Wieder­holungen. Dr. Th.

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Scribbys merken es nicht. Aber Bubbles merkt es. Auch ein Anfänger. Sedoch mit Grips. Sour- nalist mit Witterung und Ellenbogcntalent. Er schwingt sich zum Propagandachef auf; mit einer dem goldenen Westen angcpaßtcn und auf Suppenwürfel sachlich bezogenen Gebrauchslyrik aus dem Handgelenk, sofort greifbar.

Außerdem hat er Gelegenheit, Scribby Vater und Seribby Sohn in verfänglichen Situationen mit der inzwischen zur zwiefachen Privatsekretärin avancierten kommunistischen Gemüseputzerin aus Abteilung neun und von der lieben Konkurrenz zu photographieren. (Man kann gar nicht genug von den amerikanischen Kollegen lernen.)

Die Aufführung Snszenierung: Direktor Hans Baars: musikalische Leitung: Karl Klier: Tänze: Trudl Strauß stach wenig vorteilhaft von dem ab, was das Frankfurter Ensemble bei seinen bisherigen Gastspielen hier gezeigt hat; sie wirkte in großen Teilen sehr nüchtern und schwunglos, ließ häufig den szeni«

Sm übrigen: Löfflers hübsche Dekoration; von den Chargen: Linkmann, Fassott, Jüngling. Das Publikum ging angeregt nach Hause.

Große Strafkammer Gießen.

* Gießen, 19. Roo. Ein ehemaliger Rechtskonsulent war von dem h'.cs.gcn Schöffengericht wegen versuchter Erpres nng in drei Fällen zu insgesamt zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Hiergegen verfolgten er und die Staatsanwaltschaft Be­rufung.

Die heutige Teweisaufnahme ergab so'gendes: Der Angeklagte war im Jahre 1923 flüchtig ge­gangen, nachdem er wegen Untreue und Unter­schlagung mit neun Monaten Gefängnis be­straft worden war, und hielt sich in Asck ä senburg und Umgegend auf. Don dort aus schrieb er an einen Arzt und an den Vater eines anderen Arztes Briefe und verlangte in diesen in un­zweideutiger Weise Geld mit dcr Drohung, sonst zeigte er die Aerzte wegen Abtreibung an. Sn

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Deutschlands neuestes Forschungsinstitut Don Or. Siegfried Kurih.

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LeharsPaganini", in drei Akten, Text von K n e p l e r und Senbach , war neben der geliebtenFriederike" der einzige durch- schlagende Operettenerfolg, den wir in letzter Zeit zu verzeichnen hatten.

Wie das ausgeht? Können Sie sich Loch Lenken: der alte Ginster kommt dahinter (mit Bubbles' Hilfe) und kommt dazu. Und es gibt eine all­gemeine Verbrüderung in der Suppenkonfektion. Ein gesunder Trust, eine eiserne Fusion, das einzig Wahre, die Dividende steigt, und die Fettaugen schwimmen oben. Die Spionin schlägt zwar die Anträge beider Scribbys aus, aber die Verlobung mit Bubbles steht in so greifbarer Rähe, wie man es für ein happy end verlangen kann.

Gießener Stadttheater.

Leribbys Luppen sind die besten! Paganini".

fanatischem Eifer besorgt hat, bestätigt immer wieder, daß der Eintritt Englands in den Krieg der Vernichtung des Deutschen Wett­bewerbs galt.

England hat beiläufig in den zehn Jahren deutsches Eigentum im Wert von 1,6 Mi 1- l i a r d e n beschlagnahmt und eingezogen. Deutschland hat umgekehrt britisches Eigentum nicht beschlagnahmen und verteilen können, ob­wohl allein diese Veraltung den Engländern Liefen abscheulichen Rückfall in dle Barbarei ein­dringlich klargemacht Hütte. Laß cs eine ab­scheuliche Barbarei ist, das hat kein Geringerer als Philipp Snowden zuce landen, als er 1926 in einem Brief an eine Hamburger Firma die Beschlagnahmungen als eine skandalöse Ver­letzung allen Völkerrechts bezeichnete. Herr Phi­lipp Snowden ist heute nicht mehr Labourmann, der bereitwillig nach allen Seiten menschlichen Empfindungen Ausdruck gibt. Er ist vielmehr Schatzkanzler seiner britischen Majestät, der für Alt-England zufammcnrasst, wo es was zu raffen gibt. Die englischen ßabourleute sind gerade so gut englische Smperialisten wie die Diehards.

Oer andere Snowden.

Herr Philipp Snowden, der Schatzkanzler der Labour-Regierung, gilt als Sozialist reimten Wassers. Allein der englische Sozialismus ist doch von anderer Prägung als der mitteleuro­päische Sozialismus mit marnilif^eni Einschlag. Der Wegbereiter der Labour-Party war nicht Karl Marr, sondern die Gesellschaft dec Fabier, eine Gruppe von Sozialphiiosophen, denen das menschliche Empfinden wichtiger war als die Eroberung der politischen Macht. Ter Aufstieg der Labourpartei ist auch nicht auf die Kraft des revolutionären Empfindens sowie der marxi­stischen Schulung der Arbeiterbevölkerung zu­rückzuführen, sondern allein darauf, daß das überlieferte Zweiparteiensystem sich verbraucht hatte. Labourparty heißt wörtlich nicht Ar­beiterpartei, sondern Arbeitspartei, was zum Ausdruck bringen soll, daß alle geistig und körperlich schassenden Menschen im Sinne einer höheren poiiti chen Einheit zusammengefaßt wer­den sollen. Der Labourmann ist, wenn er poli­tisch denkt und handelt, zunächst nur Eng­länder, der die Snternationafitot nur soweit gelten läßt, als es sich mit britischen Sntcreffcn verträgt. Dem widerspricht nicht, daß die La- bourleute der zweiten Internationale angehören in der sehr reatpolitischen Erwä­gung, daß diese Internationale sich sehr wohl, wenn es sein muß, durchaus im engli­schen Interesse einspannen läßt. So ist s im Kriege gewesen, so war es erst recht nach dem Kriege, wobei nur daran zu erinnern werden braucht, daß der englische/Bergarbeiter- verband im Frühjahr 1924 gegen die Räumung des Ruhrgebiets Einspruch erhob, weil diese Räumung die gewaltig gestiegene britische Koh­lenausfuhr wieder abdrosseln sollte. Die engli­schen Bergarbeiter bezogen damals so hohe Löhne, daß sie bereitwillig auf die internatio­nale sozialistische Gemeinbürgschaft pfiffen, ohne Rücksicht darauf, daß hunderttausende deutsche Bergarbeiter im besetzten Ruhrgebiet vielfach Hunger litten.

Wie meisterhaft die Labourleute es verstehen, mit der Internationale Geschäfte zu machen, dafür ist gerade Philipp Snowden ein Mu­sterbeispiel. Im Haag trat er in einer Weise als Vertreter der Interessen seiner britifchen Majestät auf, daß es Winston Churchill auch nicht hätte besser machen können. Don keinerlei sozialistischem Empfinden beschwert, forderte Snowden einen Teil der deutschen Zwangstohlenlieferungen für Eng­land, und zwar gerade den Teil, der am besten bezahlt wird. Wenn es sich auch nur um eine Million Tonnen handelt, so ist bei der Stärke der britischen Ellenbogen doch mit zu rechnen, daß England nach und nach den größten Teil des Kohlenbedarfs Italiens an sich zieht, was ja schon in verhältnismäßig naher Frist mög­lich ist, insofern die Sachlieserungen auf Grund dcs Voung-Plans in wenigen Jahren abgebaut werden sollen.

Daß Snowden als Labourmann mit diesem ausgeprägt britischen Imperialismus nicht allein steht, hat vor wenigen Tagen auch Arthur Henderson bestätigt. Der ist ebenfalls La­bourmann, hat sogar als solcher einige Zeit der zweiten Internationale präsidiert, um heute als Außenminister dafür zu sorgen, daß Alt-Eng­lands Interessen nicht im Strudel von Redens­arten zu kurz toinmen. Er hat den Deutschen empf ob: en. den kleinen Handelsvertrag m i t P o l e n abzuschließen, wobei unter allen Umständen Polen das verlangte Kohlenkontin­gent zugestanden werden müsse. Henderson hat dafür eine einfache Begründung gebraucht: Wenn die Poten die überflüssigen Kohlen nach Deutsch­land werfen, so wird der skandinavische Markt entlastet, auf dem die Engländer den polnischen Kohlenwettbewerb äußerst nach­teilig empfinden. Es ist deshalb auch eine durch­aus folgerichtige Haltung, wenn der Labour­mann Snowden als britischer Schahkanzler sich für die Barbarei des Raubes an frem­dem Privat-Cigentum zugunsten Eng­lands ausspricht. Auch der Versailler Vertrag hat den Völkerrechtsbruch nicht in Recht um­wandeln können, als er die rücksichtslose Be­schlagnahme pr:va en Eigentums zum Grundsatz erhob. Daß England diese Beschlagnahme mit

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Ursachen der Krebskrankheit gehören könnten, und daß ohne die schützende Lufthülle, die ihre Wirkung abschwächt, ein Leben auf der Erde un­möglich wäre. Auch dies zu untersuchen, wäre ein dankbares Thema für das neue Institut, das sich ferner mit der seltsamen Entdeckung deS russischen Gelehrten G u r w i t s ch abzugebcn hat, der der Ansicht ist, daß die (ölar i e.r Geschwülste ebenfalls Strahlen aussenden. Andere Forscher haben diese Untersuchungen aufgenommen, weiter verfolgt und gefunden, daß eine Reihe weiterer biologischer Wirkungen vorliege, die hoffentlich medizinisch nutzbar gemacht werden könne. Be­handelt man doch schon heute bösartige Ge­schwülste durch Einspritzung von radioaktiven Lösungen, mit denen das Geschwür gespickt wird. Das neue Forschungsinstitut hat also eine Fülle von Aufgaben zu bewältigen, und man kann damit rechnen, daß das Gebiet der Strahlcn- forschung der Menschhseit in den nächsten Jahren noch manche Ueberraschung bescheren wird.

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Zwecken nur dienen, wenn sie im engen Gedanken­austausch mit den Fachgelehrten ihres Gebietes im Inland und im Ausland bleibt; auch die deutsche Röntgengesellschaft und die Gesellschaft für Lichtforschung arbei­ten mit dem neuen Institut zusammen.

Sm Treppenhaus des Forfchungsgebäudes sieht man die Düste von Röntgen, dessen Entdeckung im Jahre 1895 die moderne Strahlenforschung eigentlich erst einleitete, und der bahnbrechend für die Anwendung von Strahlen in der Medizin gewirkt hat. Man kann sich heute kaum noch vor­stellen, wie groß die Aufregung in der wissen­schaftlichen Welt und auch bei den Laien war, als Strahlen entdeckt wurden, die durch den menschlichen Körper hindurchgingen und ihn ge- wisfermahen durchsichtig machten. Freilich er­kannte man nicht sofort die gefährlichen Wir­kungen dieser Strahlen, und mancher Gelehrte, der sich ihnen schutzlos aussehte, mußte seinen Forscherciser mit der Gesundheit oder gar mit dem Leben' bezahlen. Die Röntgenstrahlen, die mit den Gammastrahlen des Radiums identisch sind, haben die kürzeste Wellenlänge; diese Strah­lenart hat Wellen von 20 bis zu einem Hundert- stelMillionstcl mm Länge, während die ul raviolet- ten Strahlen Längen bis zu 390, die sichtbaren Lichtstrahlen bis zu 720 Millionstel Millimeter, die ultraroten und die Wärmestrahlen bis ein Millimeter und endlich die Wellen der Radio­technik bis zu mehreren Kilometern haben. Cr- staunlicherweise wurden in letzter Zeit auch bei den größeren Wellen eigenartige physiologische Wirkungen fcstgestcllt; Menschen, die sich in der Rähe von Kurzwellensendern befanden, zeigten nach einer gcwis en Zeit starke Ermüdungserschei­nungen, und es gelang sogar, kleine Tiere auf diese Art zu töten.

Daß Wärme den Körper beeinflußt, ist eine Binsenwahrheit. Aber man hat jetzt besondere Vorrichtungen ersonnen, um dem Körper Wärmestrahlen zuzuführen und ihn dadurch zu heilen. Durch hochgespannte elektrische Strome mit einer Schwingungszahl von zwei bis drei Millionen in der Sekunde läßt man im Körper des Patienten eine starke Widerstandswärme entstehen, und es ist auf diese Weise möglich, ganz bestimmte, eng umschriebene Körperteile zu erwärmen, ohne den ganzen Organismus in Mitleidenschaft zu ziehen. Ein französischer For­scher stellt seine Patienten in das Snnere von Drahtgewinden, deren elektrische Fernwirkung den Körper erwärmt. Seltsam ist cs auch, daß be­stimmte Lichtstrahlen bei Erkältungen heilsam wirken; Dlaulicht wird z. D. zur Heilung des Schnupfens verwendet.

Am meisten beschäftigt sich die Wissenschaft zur Zeit mit den u 11 r a t> i oletten Strahlen,

Aeichsgemeinschast junger Dollsparteller.

Man schreibt uns: Sm Mai d. 3. hatten sich in Weimar einige hundert junge auf liberalem und nationalem Boden stehende Menschen zu- sammenge/unden, um sich darüber auszusprechen, wie cs möglich wäre, die jüngere Generation der Kriegs- und Rachkriegszeit zur stärkeren Geltung in der politischen Praxis zu bringen. Cs wurde eine Reichsgemeinschast junger Dolks- partciler gegründet, die ihre Aufgabe darin sicht, die jüngere Generation zu politischer Mit­arbeit im Sinne der bürgerlichen Mitte zu er­ziehen und durch politische Arbeit sich Einfluß auf die politische Führung au sichern. Man war einmütig der Auffassung, daß es zur Durch­setzung dieser Ziele keiner neuen Partei bedürfe, Mittlerweile sind in ganz Deutschland starke und aktive Gruppen dieser Reichsgemeinschaft junger Volksparteiler entstanden, so auch in Darmstadt. Die Gruppe wird demnächst sich als Landesgruppe Hessen über ganz Hessen er­strecken un sich mit ihrem Wollen eine größere Oefsentlichkeit wenden.

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Arzdorf war in großer Form. Er machte den Bubbles und er machte ihn mit Charme und natürlichem Humor; sehr sympathisch; man glaubt es ihm.

Auch Hub und Hais, die Scribbys, waren vortrefflich in Fahrt, nur stellenweise ein wenig zu laut. (Fassotts Regie ist da wohl gegen Ende hin etwas au sehr ins Zeug gegangen; man darf Tempo, hier an sich zu begrüßen, nicht mit Lautstärke verwechseln.)

Anions schöne Königin.

Der Besitzer einer kleinen Kneipe in einem Pariser Vorort hat in diesen Wochen eine recht seltsame Geschichte erlebt. Er wollte sich nämlich verheiraten und annoncierte nach einer besseren Hälfte mit etwas Betriebskapital, ilnter vielen anderen meldete sich eine, die jeden Rekord schlug. Sie war nicht nur wohlhabend und nur 36 Sahre alt, sondern auch wunderschön, so schön, daß Anton sich die Augen zuhalten mußte, sonst wäre er geblendet worden. Das heißt auf dem Bild war sie schön, doch als sie ankam, war sie dick, häßlich, über vierzig und trug einen Kneifer. Anton streckte entsetzt die Hände aus, war sich aber gleich darüber im Klaren, daß sich eine cjrau niemals derart verändern könne, wie seine Braut". Er schlug mächtigen Krach, und nun jjeflanb sie ihm unter Tränen, daß sie ihrem Briefe die Photographie der ehemaligen Königin Maria von Rumänien beigelegt habe, die sie in einem Papiergeschäft erstanden hatte. Ein anderer hätte über diese Anmaßung vielleicht gelacht, hoch Anton, der den übrigen Bewerberinnen be­reits in hochtrabenden Worten abgeschrieben hatte, verklagte dieBraut" auf Zahlung der Spesen und hat vor wenigen Tagen seinen Prozeß auch gewonnen.

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.Die dürftige und anspruchslose Handlung grup­piert sich um die episodenhafte Begegnung des großen Geigenvirtuosen und Frauenlieblings Ri- colo Paganini mit der Schwester Rapolcons, Fürstin von Lucca und Piombini.

Marianne Mewes s hielt die Mary Drown (in Anführungszeichen), und es ist das Deste, was sie bisher hier gezeigt hat; munter, gescheit, schlagfertig: man sollte sie fernerhin auf dieser Linie beschäftigen.

die namentlich in der klaren Höhenluft der Schweiz untersucht werden konnten. Seit den bahnbrechenden Forschungen von D o r n o mißt man in der ganzen Welt diesen merkwürdigen Strahlen ganz besondere Kräfte bei. Man prüft, yb Staub oder Feuchtigkeit der Luft das lebens­wichtige -Ultraviolett daran hindern, die Erde zu erreichen, und man konnte in allerletzter Zeit die beruhigende Feststellung machen, daß auch die schlechtere Lust der Großstadt dieser Strahlenart den Zutritt nicht übermäßig erschwert; in Pots­dam wurden z. D. nur unwesentlich größere Men­gen ultravioletter Strahlen gemessen als in Bcr- lin. Die ultravioletten Strahlen regen den Stoffwechsel an und fördern auch die Bildung von Vitaminen. Rachitis ist eine Kinder­krankheit, die auf das Fehlen des Vitamins D zurückzuführen ist; aber diesem Mangel kann man abhelfen, wenn der kindliche Körper durch künstliche Hohensonne bestrahlt wird. Der mit dem Robelpreis ausgezeichnete Forscher Wind­aus konnte zeigen, daß die längst bekannten Heilmittel gegen Rachitis, wie z. B. Lebertran oder Eier, reich an einer Substanz find, die nach ultravioletter Strahlung das Vitamin D erzeugt. Während die Großstadtluft das wichtige Ultraviolett nicht allzusehr absperrt, werden diese Strahlen von dem gewöhnlichen Fensterglas ver­schluckt. und man hat deshalb jetzt besondere Glassorten für Krankenhäuser und Schulen her- gestellt, die für Ultraviplctt durchlässig find. Es gehört zu den Ausgaben des Snstituts für Strah­lungsforschung, Glas auf seine Durchlässigkeit zu prüfen; dabei hat man die unangenehme Er­fahrung gemacht, daß sich die gute Eigenschaft der neuen Glassorten allmählich wieder verliert. Durch den Mangel an ultravioletten Strahlen, der in der kalten Jahreszeit großer ist als im Sommer, wird der Winter zu einer besonders kritischen Zeit für alle Kranken.

3e nach der Wellenlänge unterscheidet man sog. weiche und harte Strahlen. Zu den härtesten gehört nun eine besondere Art der Röntgen­strahlen, die erst vor kurzem entdeckte Hohen- st r a h l u n g, die sich dadurch auszeichnet, daß sie Dleiplatten von fast zwei Meter Stärke durchschlägt, während man bisher nur Strahlen kannte, die Blei von etwa 30 Zentimeter Dicke

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