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Dersorgungsabbou der Reichsregierung in den Reihen der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter- bliebenen schwere Schäden und größte Bestürzung hervorgerufen habe. Obwohl auch die Kriegs­opfer das erforderliche Derständnis für die schwierige Finanzlage des Reiches aufbrächten, erwarte der Zentralverband vom Reichsfinanz­ministerium, daß wenigstens die Mittel für die laufenden Verpflichtungen aus dengesetzlichen Versorgungsansprü­chen bereitgehalten werden. Daß das nicht der Fall sei, sei ein unerhörter Vorgang. DieLInter- bindung der Auszahlung der Kapitalabfindungen z. D. habe eine geradezu katastrophale Wirkung für viele Bauvorhaben von Schwerkriegsbeschä­digten. Mit größtem Rachdruck verlangt der Zentralverband von der Reichsregierung die s o - sofortige Einstellung des Abbaues auf dem Gebiete der Kriegsopfer­versorgung. die Rückgängigmachung der Abbaum aßnahmen und die unverzüg­liche Weiterführuag der in vielen Punkten durch­aus unzulänglichen Versorgung und Fürsorge für die deutschen Kriegsbeschädigten und Krieger­hinterbliebenen.

SängertagdesBezirkslbesLahngaues im Hessischen Sängerbund.

Vor einigen Tagen fand imSchipkapaß" in Gießen der Sängertag des 1. Dez irks im Lahngau des Hessischen Sänger­bundes statt. An Stelle des erst später ein­treffenden Tezirksleiters eröffnete der 1. Vor­sitzende des Lahngaues. Emil Koch (Gießen), die Tagung. Rach Begrüßung der Erschienenen gab er einen kurzen Lieberblick über das Bun­desleben im abgelaufenen Vereins­jahr. 3m Mittelpunkte stand das 2. Hessische Sängerbundesfest in Darmstadt, das einen über­aus guten Verlauf genommen hat. Lobend er­wähnte der Redner die Gastfreundschaft und die begeisterte Anteilnahme der Darmstädter Be­völkerung, bedauerte aber, daß die geplante Kundgebung des Lahngaues als mißglückt be­zeichnet werden muß und glaubt, daß die Große und Ausbreitung des Lahngaues der Grund hierfür sei. Er erinnerte an den Bezirksliedertag in Lollar, rief die schonen Stunden nochmals ins Gedächtnis und gab dann einen Bericht über die neuesten Beschlüsse des Gauvor­standes betreffs der Organisation. 3n einer kürzlich in Grünberg stattgehabten Sitzung hat dieser sich mit der Frage der Tei­lung des Gaues eingehend beschäftigt und hat sich auf folgenden Vorschlag geeinigt: der Gau, bisher in 7 Bezirke gegliedert, soll in 5 Gaue aufgeteilt werden, und zwar sollen selb­ständige Gaue bilden: Lahntal-Sängerbund, Ohm- Lumdatal-Sängerbund, Chattia-Sängerbund, Solmser Landsängerbund; während der seit­herige 1. Bezirk mit dem Lumdatal-Sängerbund und dem Oberhessischen Sängerbund einen Gau bilden soll. Der Grund hierfür ist die bessere Erfassung der Vereine, was in dem jetzt zu groß gewordenen Lahngau nicht mehr möglich ist, und der vermehrte Stimmeneinfluß im Dun- desvvrstand.

Der Kassenbericht ergab die Ausgleichung von Einnahmen und Ausgaben. Es soll auf dem demnächst stattfindenden Dundessängertag ver­sucht werden, eine höhere Rückvergütirng an die Gaukasse zu erlangen. Der diesbezügliche Antrag desWetterauer Sängerbundes" soll kräftig unterstützt werden.

. Bei. der Aussprache über den Geschäfts­bericht kam einmütig die Meinung zum Ausdruck, daß die bisherige Gaueinteilung mit den verschie­densten Unterbänden und -Bündchen nicht zum Vorteil des Hessischen Sängerbundes sein kann, daß vielmehr die Benennung der Bünde Wegfäl­len und dafür eine Gauzahl gestellt werden müsse. Unter voller Würdigung ter alten Tra-

17 Fortsetzung.

Nachdruck verboten

Liebe in Ketten.

Roman von Hans Mitteweider.

Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).

Es war brennendrot, wie sie es nur einmal in ihrem Leben gesehen hatte: bei Berty, der Kell­nerin, die sich ihrer so freundlich angenommen hatte.

Aber sie lächelte sogleich.

Cs war ja. ganz ausgeschlossen, daß Berty hier war Wer mochte wissen, in welcher Kneipe sie bediente!

Doch jäh griff Käthe sich nach dem Herzen. Das Blut stockte ihr in den Adern. Sie schaute aus weit geöffneten Augen auf die Frau, die sich jetzt erhob und sich ihr zuwendete.

Es war kein Zweifel möglich.

Berty!" hauchte Äötße mit versagender Stimme.

Da hatte die andere sie ebenfalls bemerkt und sofort erkannt, und gerade das erschreckte Käthe erst recht. Sie halt» gehofft, die frühere Kellnerin würde nicht' wissen, wen sie vor sich hatte. Sie sah doch ganz anders aus als damals. Sie vergaß, daß es eine solche Schönheit wie die lhre nicht gleich wieder gab. und sie wußte ferner nicht, daß gerade Kellner und Kellnerinnen ein ausgezeichnetes Personengedächtnis besitzen müssen, das für ihren Beruf ebenso unerläßlich ist wie eine gute Menschenkenntnis.

Beide Hände vorstreckend, kam die rothaarige auf sie zu und rief schon von weitem:

Käthe! Wie kommst du hierher? Lind warum erschrakst du so? Es sieht ja fast aus, als freutest dlch mcht über das Wiedersehen, sondern fürchtetest dich vor mir..."

Rein, Berty, ich freue mich. Aber höre: ich bin nicht allein; ich ich habe geheiratet."

Du auch? Menschenskind, das klingt ja ganz unglaublich! ' rief Berty außer sich.Run fehlt uw') .noch, daß du einen reichen Knopp erwischt hast!

Berty!"

Ra, ha^ dich nicht! Wir beide werden uns doch fern Blatt vor den Mund nehmen! Lind deshalb will ich dir gleich sagen, daß es mir geglückt ist. Ich bin ebenfalls verheiratet. Da staunst du, was? Lind nun mach' deinen Knix vor mir; denn ich heiße jetzt Berch, Gräfin Altberg! Ra, was sagst du nun? Besinnst du dich nicht mehr auf den alten Knaben, der alle Tage in meinem Revier faß und mich anhün» rr-elte? Das ist er! Das ist der Herr Graf, mein Gemahl! IH wollte ihn ja nicht; aber schließlich, weißt du, xtiltotln kann man nicht ew'g blei-'

Lumen, Sport und Spiel.

Oie deutschen Leichtathleten in Mulden.

Ein erfolgreicher Abschluß.

Das zweitägige Sportfest in Mulden, an dem sich unsere auf der Heimreise von dem Leicht­athletik-Länderkampf Deutschland gegen Japan begriffenen Leichtathleten beteiligten, brachte aus­gezeichnete deutsche Erfolge. Vor allem ist die vorzügliche Leistung von Wegner hervorzuheben, der, zum zweitenmal auf dieser Reise, den deut­schen Rekord im Stabhochsprung, und zwar diesmal auf 4,02 Meter verbesserte und mit dieser Leistung dem 3alaner Rishida, der bei 3,95 Meter ausschied, das Rachsehen gab. 3m Weitspsrung gelang dem Japaner Rarnbu mit 7,53 Meter ein neuer Landesrekord, während Kochermann mit der respektablen Leistung von 7,42 Meter den zweiten Platz belegte. Den 10 0* * Meter-Lauf gewann wiederum der Frank­furter Cldracher mit 10,5. Als Zweiter stellte der Chinese Liu mit 10,7 Sek. eine neue chine­sische Bestleistung auf. Troßbach gewann die 110- Weter-Hürden in 15,3 vor seinem Lands­mann Ladewig. Lieber 400 Meter gewann Stortz mit 51,1 Sek. mit zwei Meter vor Engel­hardt, und Dr. Pelher blieb im 400-M eter - Hürdenlaufen mit 57,8 Sek. siegreich. Sie­ger im Diskuswerfen wurde Hirschfeld mit einer Leistung von 43,04 Meter, während Bocher sich die 1500 Meter in 4,19 Min. holte. Den Abschluß bildete eine 8xl00-Meler-Staf- f e l, die von der deutschen Mannschaft in 1:29,5 Minuten mit einem Vorsprung von 25 Meter vor den Japanern und den weiter zurückliegenden Chinesen geholt wurde.

Am Abend war dann die deutsche Mannschaft beim chinesischen Marschall Chang Siao Lians zu Gast. Vor allem zollte der Marschall den Deutschen eine ganz besondere Anerkennung, daß sie den Start gegen die chinesischen Studenten nicht gescheut hätten.

Fußball-Län-erkampf Deutschland Finnland 4:0.

Nachdem die Finnen vor acht Tagen von Däne­mark 0:8 geschlagen wurden und der Deutsche Fuß- ball-Bund zu dem Länderkampf in Altona eine nicht in allen Teilen erstklassig besetzte Mannsä-aft ge­stellt hatte, war das Publikumsinteresse dement­sprechend gering. Nur 20 000 Zuschauer wohnten dem Länderkampfe bei. Sie sahen beiderseits, na­mentlich aber von den recht primitiv spielenden Gästen, recht bescheidene Leistungen. Den Finnen fehlt es namentlich an taktischer Auffassung und Be­tätigung. Bei den Deutschen versagte erwartungs­gemäß der Mittelläufer Schulz, und der linke Sturmflügel arbeitete nicht selbstlos genug. In je­dem anderen Falle wäre der Sieg der sichtlich besse­ren Mannschaft höher ausgefallen. Nach den dies­maligen Wahrnehmungen erscheint es unbegreiflich, wie uns die Finnen in den seitherigen 3 Begeg­nungen einen Sieg und ein Unentschieden abneh­men konnten. Allerd'.ngs liegen diese Ereignisse schon mehrere Jahre zurück. Deutschland kämpfte trotz eini­

ger Mängel im allgemeinen nicht schlecht, wenn auch natürlich nicht im Stile einer Länderelf, auch Finn­land hatte einige gute Momente. Die erste Halbzeit verlief, dank der vorzüglichen Leistungen des finni­gen Torwächters, ohne jeglichen Zähler. Erst nach dem Wechsel waren Sackenheim zweimal und Hoffmann und Albrecht je einmal erfolg­reich. Der norwegische Schiedsrichter B e ch war in seinen Entscheidungen sicher und korrekt.

Fußball in Hessen-Hannover.

Die gestrigen Ergebnisse:

Kurhessen Kassel Borussia Fulda 1:4.

Sp. Vg. Kassel Kurhessen Marburg 5:0. Göttingen 05 Hessen 09 Kassel 2:2.

Fußvall in Güddeutschland.

Diesmal verliefen die süddeutschen Fußball-Der- bandsspiele ohne allzu große Überraschungen. Der

Bezirk Blain-Hessen

sah in der Gruppe M.a i n sämtliche Platzbesitzer siegreich, wobei Eintracht Frankfurt gegen Germania Suber den knappsten Sieg erfocht. 1:0 war das Er­gebnis, aber die Frankfurter waren doch stark über­legen. F. So. V. Frankfurt rehabilitierte sich durch ein 2.1 gegen Rotweiß Frankfurt und tauschte hierdurch mit seinem Rivalen den 3. gegen den 4. Tabellen­platz ein. Auch Union Niederrad hatte mit ihrem 1:3 gegen die Offenbacher Kickers keinen Punktge­winn heimbringen können und hat den 2 Platz nun­mehr mit dem F. Sp. V. zu teilen. Auch der Ta­bellenletzte, der 1. F. C. 93 Hanau, bereicherte sich mit einem 4:2 gegen die Sp. Bgg. 02 Griesheim um zwei wertvolle Punkte.

In der Gruppe Hessen waren die beiden Spitzen- oereine, Wormatia Worms und S. V. Wiesbaden, spielfrei. Alemannia Worms überraschte durch ihr 2:1 gegen den F. Sp. V. 05 Mainz angenehm, da­gegen enttäuschte Hassia Bingen durch ihr 1:3 gegen öen S. V. 98 Darmstadt, V. f. L. Neu-Isenburg fer­tigte den 1. F. E. 03 Langen mit 7:0 ab, wodurch Langen an das Ende der Liste geriet.

vom Bezirk Bayern

fällt in der Gruppe Nordbayern das knappe 1:0 des 1. F. C. Nürnberg gegen den A. S. V. Nürn­berg auf. Die Sp. Bgg. Fürth begnügte sich in Ab­wesenheit ihres Verteidigers Hagen mit einem 4:0 gegen den 23. f. R. Fürth, aber der F. V. 04 Würz­burg sandte den 1. F. C. Bayreuth mit 6:2 nach Hause. Bayern Hof ließ die Sp. Bgg. Hof mit 1:5 zu ihren ersten Punkten kommen.

In der Gruppe Südbayern kam es zwischen Bayern München und D. S. V. München zu einem torreichen Spiele, das die Bayern nur 5:4 gewinnen konnten. München 1860 hatte gegen den F. 23. 94 Ulm leichtes Spiel und siegte 4:0, große Über­raschung gab es zwischen Jahn Regensburg und Schwaben Augsburg. Regensburg gewann 4:2.

Neuer Gegelflug-Weltrekord.

In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde von Oberleutnant Donart der Weltrekord im Segelflug um 35 Minuten verbessert. Oberleutnant D o n a r t flog ununterbrochen 14 Stunden und 45 Minuten, während der bisherige Weltrekord von Schuz auf 14 Stunden und 10 Minuten stand.

dition der einzelnen Bünde glaubte man doch soviel Derständnis bei Jen Sangesbrüdern zu sin- den, daß fie einem solchen Neuaufbau zustimmen würden. Mit Einwilligung des Gauvorsihenden und des inzwischen eingetroffenen Tezirlsvorsihen- den, Berufsschullehrer Eberle (Lollar), wurde der Beschluß gefaßt, daß der Byirk I den An­fang machen will. Es soll in allernächster Zeit ein gemeinsamer Sängertag des Bezirks, des Lumdatal-Sängerbundes" und desOkerhessi-

schen Sängerbundes" einberufen werden, der sich mit der Frage der Auflösung dieser Bünde und deren Zusammenschluß mit dem jetzigen Bezirk I zu einem Gau beschäftigen soll. Wenn auch damit die sonderbaren Verhältnisse, daß mehrere Der- eine an einem Ort verschiedenen Bezirken oder Gauen angehoren, noch nicht beseitigt sind, so waren doch alle Anwesenden der Ansicht, daß mit diesem Zusammenschluß der erste Schritt zur besseren Einteilung getan sein wird.

bcn, und weil er mich doch heiraten wollte, da habe ich zugegriffen, und gezogen habe ich ihn mir auch schon, wie ich ihn brauche."

Kätbe stand noch fassungslos und war nur froh, daß ihre ehemalige Kollegin so viel sprach. So fand sie Zeit, sich zu fassen, und allmählich schlug ihr Herz ruhiger. Sie zog Berty wieder mit auf die Bank, und als sie dort saßen, sagte sie:

Berty, bitte, bitte, sage niemand etwas!"

Mädel! Kennst du mich von der Seite?" fuhr die Rothaarige auf.Du solltest doch wissen, daß ich deine wahre Freundin bin, und wenn du irgendein Geheimnis hast, das du niemand an­vertrauen kannst, dann komm zu mir. Bei mir wird es gut aufgehoben fein; du aber kannst dir alles vom Herzen sprechen."

3ch habe kein Geheimnis vor dir, Berch. 3ch werde dir alles erzählen, was mir geschehen ist. Es ist wunderbar genug. 3ch bin verheiratet mit Bern Baron Felix von Turnau, und er weiß noch nicht, daß..." '

Das war wohl der, um dessentwegen du da­mals 'rausflogst?" unterbrach l^rty.Du, der hätte mir auch gefallen tonnen. Das war ein feiner Mann."

®r ist es. Berch. Aber er kam damals nicht meinetwegen; es war ein Zufall... Wie gesagt ich werde dir alles erzählen; aber du mußt schwei­gen! 3ch werde es meinem Manne schon sagen; er soll es nut nicht von anderen erfahren."

Ratürlich nicht! Von mir am allerwenigsten! Und meinem Grafen werde ich natürlich auch einen Wink geben, falls er dich kennen sollte, was ich aber nicht glaube. Bist du nun zu­frieden?"

3a, Berch. und nun will ich dir noch von Herzen Glück wünschen. Dann aber laß mich zu meinem Manne gehen, der mich schon suchen wird. Wir treffen uns wieder, und dann sprechen wir miteinander."

Ach was. ich gehe gleich mit! Kennenlernen muß ich deinen Felix doch; denn sicher kennt er schon meinen Grasen, und da ist es besser, wir kommen gleich zusammen als erst später Komm!"

Käthe wurde emporgezogen, und fie ließ sich von Berty fortfüßren. Sie war wieder ruhig; aber sie wußte nun, daß die Vergangenheit, die sie tot geglaubt hatte, doch jeden Augenblick wieder lebendig werden konnte. Heute hatte sie die erste Warnung erhalten.

Wenn nun einmal Berndt Klausen ebenso plötz- llch vor ihr auftauchte wie heute Bert.)?

Sir erbebte, und heimlich nahm fie sich vor, Aerkh auch das andere Geheimnis anzuvertrauen. Das erfahrene Mädchen wußte sicher einen Rat, konnte vielleicht Erkundigungen einziehen.

Käthe fühlte sich fast froh, daß sie Berty ge­troffen hatte, und als sie Felix sah. der suchend umherschaute, da machte fie die Freundin auf ihn aufmerksam. Diese aber rief lachend:

Was habe ich gesagt? Da haben die beiden sich wirklich schon gefunden. Der Herr neben deinem Manne ist mein Graf. 3st es da nicht gut. daß wir uns schon verständigt haben? Sicher wärest du viel mehr erschrocken, wenn wir dir jetzt^gegenübergetreten wären. Rur Mut.Käthe-

Sie liefen durch das Gewühl. Lind als Felix sie gewahrte, kam er ihnen mit dem anderen Herrn entgegen, der ihm unterwegs etwas er­klärte. Die Vorstellung erfolgte, und Käthe atmete auf, als Graf Ältberg ihr höflich und ehrerbietig die Hand küßte.

Er hat mich nicht erkannt, dachte fie.

Sie erfuhr nun. daß Altbergs Güter teilweise an einige der Turnaus grenzten, und daß beide Familien einen freundschaftlichen Verkehr unter­hielten; aber fie fürchtete sich nicht mehr, son­dern war im Gegenteil froh über diesen Zufall, □tun hatte fie wenigstens eine treue Seele, der sie sich anvertrauen und bei der sie sich Rat holen konnte.

Sie ahnte nicht, wie bald das nötig werden würde.

Der Verkehr mit den Altbergs gestaltete sich angenehmer, als Käthe erhofft hatte. Schon am nächsten Tage hatte sie Berty aufgesucht und dieser die sonderbare Wendung erzählt, die ihr Leben genommen hatte; aber noch hatte fie nicht den Mut gefunden, ihr auch das letzte zu sagen. Eine innere Scheu hielt sie zurück, und eine Stimme in ihr raunte ihr zu:

Wozu sollst du es ihr offenbaren? Cs ist ja gar nicht nötig; denn er ist tot, er kann dir nicht mehr in den Weg treten.

ilnö gar zu gern gehorchte Käthe dieser Stimme. Es wäre ihr schwer, sehr schwer ge­fallen, Berty auch dieses Erlebnis anzuver­trauen.

Diese selber erzählte ihr in ihrer derben Art. wie sie sich den Grafen, ihren Mann, gezogen hatte, wie sie ihn zu haben wünschte, und sie schloß mit den Worten:

»Setzt haben sogar feine Verwandten, die mich natürlich schnitten, eingesehen. daß ich die rechte Frau für meinen Bodo bin. Sie haben schon an­gefangen, sich mir zu nähern; aber wären fie nicht gekommen, so hätte ich mir deshalb auch feine grauen Haare wachsen lassen. Ich freue mich schon darauf, daß wir auch ferner gute Rachbar­schast halten werden. Mein Mann hqt mit dem öeintgen viel vor; fte wollen allerlei Reues auf ißren Gütern einfuhren, haben sich auch schon emem berühmten Ingenieur verschrieben. Ich

DerLlnion-Klub Wetzlar" gab dann seine Anträge zum B u n d e s s än g er t a g in Worms bekannt. Er fordert einen früheren Schlußtermin zur Einreichung der Anträge und Mitteilung derselben an die Dundesvereine. Der Lahngau hat zum Bundestag die Anträge gestellt, daß der Kassenbericht vier Wochen vor der Tagung in derSängerwarte" veröffentlicht wird und die ..Sängerwarte" obligatorisch einzu* führen ist, ohne Erhebung eines besonderen Be­zugspreises. Es wurde Befremden darüber aus­gesprochen, daß der Abschluß des Bundesfestes in Darmstadt wohl in einer Darmstädter Tages­zeitung, nicht aber in irgendeiner Form den SangeSbrüdern bekannt gemacht wurde, die doch in erster Linie als Träger des Festes Anspruch darauf hätten.

Lieber die Veranstaltungen des De - zirksim nächsten Jahre konnte wegen der in Aussicht stehenden Reueinteilung kein Ent­schluß gefaßt werden. Der GesangvereinArion". Klein-Linden, möchte den ©aulieöertag mit seinem 40. Stiftungsfest verbinden. Ferner lag ein An­trag vor. den Liedertag in Wetzlar abzuhalten. Die Angelegenheit wurde bis zu dem., in Kürze stattfindenden Gausängertag zurückgestellt.

Zum Schluß machte Herr Koch noch inter­essante Mitteilungen über die unliebsamen Vor­kommnisse imDeutschen Sängerbund", verurteilte mit kräftig treffenden Worten die Linehrlichkeit des gewesenen Bundesschatzmeisters und gab der Hoffnung Ausdruck, daß trotz allem die Sangcs- brüöer zu ihrer Organisation, dem Hessischen und dem Deutschen Sängerbund, stehen sollten.

Wirtschaft.

Normale Entwicklung am Geldmarkt.

Der Geldmarkt stand in der vorigen Woche im Zeichen der üblichen Anspannung zum Medio. Die Finanzierung des Medio ift, wie aus dem Ausweis der Reichsbank zu er­sehen war, hauptsächlich über das Lombardkonto erfolgt, eine Methode, die nun schon feit längerer Zeit, solange man die Frage einer Diskont- ermäßigung diskutiert, zur Anwendung kommt. Infolgedessen sind rasche Rückzahlungen erforder­lich, und die infolge des Medio eingetretene leichte Befestigung am deutschen Geldmarit wird erst nach und nach der Erleichterung Platz machen. Der Reichsbankausweis hat ein sehr günstiges Aussehen, was sich nicht nur in der verhältnis­mäßig niedrigen Wechselanlage zeigt, sondern auch vor allem in der erheblichen Verbesserung der Rotendeckung. Die letzte Deckungsziffer ist die höchste, die seit März zu einem LNediotermin eingetreten ist. Auch die Rückflüsse bei der Reichs­bank in den ersten beiden Oktoberwochen sind hoher, als man es nach der Entwicklung des Geldmarktes erwarten konnte. Von der .Ultimo* Beanspruchung in Hohe von 662,7 Mill. Mk. sind bereits in den ersten beiden Oktoberwochen 601,2 Mill. Mk. zurückgeflossen, im September dagegen in der gleichen Zeit 522 Mill. Mk. von 743 Rill Mk. A gust-Lilt.mo-D.>anspruchung Ai- gesichts dieser günstigen Entwicklung im Stacus der Reichsbank gewinnt selbstverständlich die Frage einer Ermäßigung des deutschen Diskontsatzes wieder an Bedeutung. Cs kann ohne weiteres gesagt werden, daß an sich eine Ermäßigung um 0,5 Prozent durchaus be­rechtigt erscheinen muß, wenn nicht die Storungen auf dem internationalen Geldmarkt auch jetzt noch immer anhalten würden. Die Entspannung der Reichsbank weist seit etwa vier Wochen eine fortlaufende Linie auf; auf Grund dieser Tat­sache kann erfreulicherweise festgestellt werden, daß die Diskonterhöhungen anderer Länder eine Rückwirkung auf Deutschland im wesentlichen nicht gehabt haben. In unserem letzten Geldmarktbericht hatten wir bereits Gelegenheit genommen, auf die besondere Entwicklung des Reuyorker Geld­marktes bzw. der Reuyorker Börse, die mit

glaube, er soll morgen kommen, und da wir bei iesen Verhandlungen doch von Ucbel fein wür­den, so schlage ich dir vor, wir fahren morgen einmal nach Cannes hinüber. Ist es dir recht?"

Käthe war einverstanden. Sie war wieder froh und lustig, und Felix hatte selbstverständlich nichts gegen den Ausflug einzuwenden. Er brachte Käthe im Auto bis zum Hause Altbergs; aber als sie dort ankamen, hatte Berty sie schon bemerkt und kam auf die Straße geeilt.

Sie begrüßte Felix, der aus dem Wagen sprang, und sagte zu ihm:

Beeilen Sie sich nur! Mein Bodo zappelt fast schon, denn das Wundertier von einem Ingenieur ist eingetroffen. Die Beratungen können sofort beginnen. Diel Vergnügen!"

Sie deutete nach einem Fenster oben, an dem Graf Altberg sichtbar wurde.

Auch Käthe schaute hinauf und wollte sich eben aus dem Schlage beugen, um einen Gruß hinauf­zuwinken, da sah fie einen anderen Mann neben den Grafen treten. Mit einem leisen Schreckens­schrei sank sie zurück.

Der Mann dort oben war Berndt Klausen!

Beide Hände auf das Herz pressend, faß die Unglückliche wie gelähmt da, keines Gedankens fähig als nur des einen:

Berndt lebt! Er ist nicht gestorben! Lind ich bin die Frau eines andern!"

Sie brauchte nicht noch einmal hinauszu­schauen. Sie hatte ihn sofort wiedererkannt, ob­wohl er sehr, sehr blaß aussah; nie hätte sie dieses Gesicht vergessen können!

Schreckhafte Träume hatten ihr nachts fein Gesicht gezeigt. Jetzt aber hatte fie ihn selber wiedergesehen.

Zitternd faß sie da.

Wenn der Graf nun doch noch herunterkam und ihn mitbrachte?

Käthe wünschte, daß die Erde sich auftun und sie verschlingen mochte. Sie wollte fliehen und konnte sich nicht rühren.

Lind da kam Berty, frisch wie immer.

Lachend sagte sie:

Ich hatte noch etwas vergessen; deshalb habe ich dich warten lassen. Aber nun..."

Da fiel ihr Blick auf das Gesicht der Freundin, und sie erschrak; aber geistesgegenwärtig befahl sie dem Chauffeur, loszufahren, und erst, nach­dem der Waaen auf der herrlichen Straße in eiliger Fahrt dahinglitt, als keine fremden Augen die beiden Frauen mehr beobachten konnten, wandte sie sich Käthe zu, umschlang sie mit beiden Armen, zog sie an sich und fragte:

Was ist geschehen, Käthe? Du siehst auS, als wäre dir ein Gespenst erschienen^"

(Fortsetzung folgt.)