Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 222 Zweites Blatt
Das Deutschtum in Rumänien, insbesondere in der Bukowina. Ein Beitrag zum europäischen Minderheitenproblem.
Don Dr. Fr. König.
I.
Als Maria Theresia sich im Jahre 1774 die Bukowina als Entgelt für ihre Hilfe gegen die Aussen Dom Sultan abtreten ließ, war das Land, das einst das Kcrnland dos alten Fürstentums der Moldau gewesen war, eine menschenleere Einöde: bloß sechs Seelen zählte die erste österreichische Landesaufnahme auf einen Quadratkilometer. Im Jahre 1910 wurden rund 800 000 Einwohner gezählt, von denen sich 305 000 als ukrainischer, 273 000 als rumänischer, 36 000 als polnischer, 10 000 als magyarischer, 168 000 als Deutscher Muttersprache ausgaben. Da die Juden damals der Sprache nach zu den Deutschen gerechnet wurden, so bleibt für das deutsche Volks- tum im engeren Sinne nach Abzug der 96 000 Jüdisch-Deutschen ein Bestand von rund 72 000 im Jahre 1910.
Als Oesterreich 1918 zusammenbrach, beanspruchten die Ukrainer den Zusammenschluß des ganzen Bordens bis zum Sereth, einschließlich Czernowitz also, mit Ostgalizien zu der in Bildung begriffenen Westukrainischen Republik; die Rumänen aber beanspruchten das ganze Land für sich. Reichsrumänische Truppen rückten im Rovember 1918 ins Land und entschieden die Frage zu Rumäniens gunsten. Schon vorher hatten sich sowohl Juden als Deutsche als eigene Ration konstituiert. Die Juden errichteten einen jüdischen Rationalrot, die Deutschen aber erklärten am 27. Oktober 1918 ihren Bolksrat zur Rationalversammlung der Bukowinadeutschen. Jin Einvernehmen mit dem rumänischen Regierungspräsidenten für die Bukowina entschloß sich der deutsche Bolksrat sodann, dem Anschlüsse an Rumänien zuzustimmen unter der Voraussetzung, daß auch Siebenbürgen und das Banat sich Rumänien anschlössen und daß die Versprechungen der rumänischen Rationalversammlung und Regierung, die nationalen, politischen und wirtschaftlichen Belange der Deutschen zu sichern, gehalten würden. Es wurde eine Denkschrift an die rumänische Regierung gerichtet, in der die deutschen Forderungen zusammen- gesaßt wurden und um ihre verfassungsrechtliche Festlegung gebeten wurde. Das Ziel war: nationale Autonomie, „insbesondere auf dem Gebiet der Gemeindeverwaltung, des Erziehungs- und ä.lnterrichtswesens sowie in kirchlichen Angelegenheiten". Träger dieser Autonomie sollte „der deutsche Volkstag und dessen Vollzugsorgan, der deutsche Volksrat" sein, dem „die Befugnis zur Einhebung eigener nationaler Abgaben und Führung eines nationalen Katasters zur Evidenz- Haltung der Mitglieder" einzuräumen sei. Im ganzen waren 10 Forderungen formuliert worden: Sicherung der entsprechenden Zahl von Mandaten in Deputiertenkammer und Senat, proportionale Vertretung in den Gemeindevertretungen. Anerkennung des Rechts auf die deutsche Sprache in Eingaben und öffentlichen Versammlungen. sowie Vereinsfreiheit, eigene Gemeindebildung, Gleichberechtigung bei der Agrarreform. im öffentlichen Dienst und in der Justiz. Anerkennung der erworbenen Rechte durch den neuen Staat, eine deutsche Universität für alle Deutschen der Monarchie, eigenes deutsches Theater. — Mit diesen Forderungen traten die Deutschen der Bukowina in den rumänischen Staat ein; kurze Zeit schien Erfüllung zu Winken; als aber der erste Minister für die Bukowina, Dr. von Flondor, zurückgetreten war, ergab sich bald, daß man in Bukarest andere Ziele verfolgte.
Die Bukowina ist nur eines der Deutschtumsgebiete Großrumäniens. Das Altreich besaß außer
seinem Streudeutschtum nur die kleine deutsche Volksgruppe in der Dobrudscha; von Rußland ist die deutsche Volksgruppe Bessarabiens hinzu- gelommen, von Ungarn die siebenbürgische, die Banator und die von Szatmar, die der Bukowina von Oestreich, so daß das Deutschtum Großrumäniens aus etwa 750 000 bodenständigen Menschen besteht: das Deutschtum bildet so in Rumänien sowohl hinsichtlich seiner Zahl, als auch seiner Eigenschaften eine Volksgruppe von ganz erheblichem Gewicht. Die Führung steht natürlich bei den Siebenbürger Sachsen, deren volkspolitische und volkskulturelle Organisation für die anderen vorbildlich ist; bei der ungemeinen Verschiedenheit der Einzelbereiche ist die organisatorische Zusammenfassung des Gesamtdeutschtums aber doch eine schwierige Aufgabe. Die einen find katholisch, die anderen sind evangelisch, die ecinen sind ausgesprochenes Bauernvolk ohne ausgebildetere soziale Gliederung, die anderen besitzen eine wohlgegliederte Gesellschaftsstruktur, die einen kommen von Ungarn, die anderen von Oesterreich, die anderen von Rußland her. Wenn man auch das klare Bewußtsein davon hat, daß man dieselbe deutsche Volkstumsgrundlage besitzt, so ist doch die politische und kulturelle Crlebnis- grunölage je nach der Zugehörigkeit zu diesem oder jenem Staate der Vergangenheit recht verschieden. Wie der großrumänische Staat selbst ein Konglomerat verschiedenartigster Teile darstellt, die zur rechten Einheit erst zusammenzufügen sind, so ist es auch zunächst m.it dem Deutschtum Rumäniens gewesen. Es ist erstaunlich, daß die Deutschen in den 10 Jahren des Zusammenlebens in ihrer Organisation soweit gekommen sind. Sie sind zusammengefaßt im „Verband der Deutschen Großrumänien s". Die politische Spihenstelle bildet die „Deutsche Partei", der die Abgeordneten und Senatoren aller deutschen Siedlungsgebiete angehören, es sind ihrer zur Zeit neun Abgeordnete und vier Senatoren. Die kulturpolitische Spihenstelle ist „das deutsche Kulturamt in Rumänien" mit dem Sih in Hermann- stadt. Die Organisation gliedert sich in den Gau Banat (mit Sathmar und Marmarosch), die Gaue Bessarabien, Siebenbürgen, Altreich (mit Dobrudscha) und den Gau Bukowina. Jeder Gau hat seinen Volksrat. Er wird durch Vertreter der Volksgemeinschaft, die in Kreis- und Ortsausschüsse gegliedert ist, gewählt. Die Volksräte haben im Einvernehmen miteinander die politischen Richtlinien festzulegen. Sie besitzen in den Hauptorten der Gaue eigene Volksratskanzleien, in Siebenbürgen besitzen auch die größeren Kreisausschüsse ihre Kreiskanzleien, im Banat entsprechen diesen die Gauämter für größere Siedlungsgruppen. In Siebenbürgen ruht die Ge- famtorganifation auf den alten Rachbarschaften, die man auch in den anderen Gebieten einzuführen sucht, um jeden einzelnen Volksgenossen erfassen zu können. — Die kulturelle Zentralstelle: „Das deutsche Kulturamt in Rumänien" besteht aus 6 Abteilungen: 1. Abteilung für Volksbildung; 2. Abteilung für höheres Dil- dungswesen; 3. Abteilung für Schrifttum; 4. Abteilung für Pressewesen; 5. Abteilung zur Kenntnis Rumäniens; 6. Abteilung für Studienberatung. Von besonderer Bedeutung sind natürlich Kirche, Schule und Wirtschaft. Doch darüber zu sprechen, würde in diesem Aufsatz zu weit führen.
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Während die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben schon im ungarischen Staate in schwerem volkspolitischem Kampfe mit dem staatsverwaltenden Volke der Magyaren gestan
Llm die Erde
mit einer Zigarrenschachtel.
Oie Zukunst des Funkverkehrs.
Von Frank Warschauer.
Eine ganz unscheinbare Koje in der großen Funkausstellung. Die meisten Besucher, wenn sie sticht gerade ein Spezialinteresfe daran haben, werden achtlos daran vorbeigehen. Denn hier lockt nicht die strenge Schönheit zweckmäßig gestalteter Geräte zum Hinsehen, hier handelt es sich nicht darum, eine neue Röhrenkonstruktion zu begutachten — und doch ist hier die Technik von heute und übermorgen in ihrer merkwürdigsten Auswirkung zu bewundern.
Eine winzige Koje; die Wände sind bedeckt mit bunten Karten, deren Inschriften zunächst geheimnisvoll erscheinen. Und auf einem kleinen Tischchen stehen zwei winzige Apparate: der eine ist halb so groß wie eine Zigarrenschachtel und trägt unter anderem eine Röhre, die kleiner ist als die Glühlampen, welche man gewöhnlich verwendet und die übrigens, wie ein Schild kündet, noch beträchtlich weniger Strom verbraucht. Der andere Apparat ist etwas größer — er sieht aus wie ein mittleres Empfangsgerät; aber es ist deutlich ein Versuchsmodell, äußerlich unscheinbar mit allen Kennzeichen primitiver Bastelei; notdürftig sind hier Spulen, Röhren, Drähte zusammengefügt — und doch ist der Apparat in seiner Art unerhört vollkommen. Daneben sieht man noch das übliche Inventar eines Funkbastlers eigener Art: Skalen, Batterien, zwei kleine Apparate mit den Aufschriften „Wellenmesser" und „Lautstärkeprüfer".
Und diese Koje demonstriert nun die Welt des Amateursenders. Hier wird gezeigt, mit welchem fast lächerlich geringen Mitteln eine drahtlose Verständigung über die ganze Erde möglich ist. Gewiß, der Lanze Rundfunk ist schon recht merkwürdig durch die unerhörte Oekonomie seiner Ärafttoirfungen und die relativ große Einfachheit der verwandten Apparate, aber schließlich müssen doch für den Rundfunk große, umfangreiche und einigermaßen komplizierte Stationen mit zahlreichen wertvollen und energiestarken Maschinen benutzt werden; wer eine Rundfunkstation gesehen hat, wird davon einen
starken Eindruck mitbekommen haben. Große Maschinenhäuser, riesenhafte Röhren, ausgedehnte Schaltanlagen, riesige Masten mit weiträumig zwischen ihnen aufgehängten Antennendrähten charakterisieren ihr Bild.
Und dies alles wird nun geschlagen von einer derartig bizarr kleinen Apparatur. Sie arbeitet, wie das Schild mitteilt, mit einer elektrischen Leistung von 0,18 Watt; und damit hat ein Amateur Zeichen ausgenommen und gegeben, die ihn in Verbindung mit einem anderen Funkfreund in Reufundland brachten. Der etwas größere Apparat genügt, um die ganze Welt zu erreichen.
Die Technik ist schon heute soweit vorgeschritten, daß man mit Hilfe kurzer Wellen und allerkleinster Energiemengen drahtlos die fernsten Stellen der Erde leicht erreichen kann. Und so sitzen den jeden Abend und jede Rächt zahlreiche Freunde, oft Fanatikers dieses Sports, der mehr ist als ein solcher — senden ihre Zeichen hinaus ins Weltall und erhalten dann Antwort aus Gegenden, die vor nicht allzu langer Zeit in einer mythologischen Ferne lagen.
Man weiß, daß diese unerhörte Technik des Kurzwellensendens, der die Zukunft gehört, in Deutschland noch arg durch gesetzliche Schranken gehindert ist — im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern. Rur wenige Konzessionen zum Kurzwellensenden werden offiziell gegeben — und so ist cs denn kein Wunder, daß diese Bestimmungen oft genug durchbrochen werden. Erst kürzlich wurde ein Senderamateur wegen unerlaubten Sendens angeflagt — und freilich zu einer mehr formalen Strafe von relativ geringer Hohe verurteilt.
Sehen wir uns diese sehr interessante Koje, die von dieser weltumspannenden Kurzwellentechnik zeugt, genauer an. Die zahlreichen Karten, die an den Wänden hängen, sind die Mitteilungen, mit denen die Amateure der ganzen Welt die geglückte Verbindung zu bestätigen pflegen. Es hat sich in dieser Hinsicht eine ganz feste Konvention herausgebildet, deren Träger die Amateurvereinigungen in allen Ländern sind. In Deutschland heißt dieser Verband „D. A. S. D. — Deutscher Amateur-Sende- und Empfangsdienst".
In der Mitte einer solchen Karte sind einige große Ziffern und Buchstaben aufgedruckt— das ist die Rufnummer des betreffenden Amateurs. Zum Beispiel wd4ss4“ oder „sp3ks“. Und dann
den hatten und so von vornherein eine minderheitenpolitische Tradition in den rumänischen Staat mitbrachten, ist das so in der Bukowina nicht der Fall gewesen: die Deutschen waren hier zwar auch eine Volksgruppe neben anderen, aber sie gehörten zum deutschen Volke Oesterreichs, das sich trotz aller Kämpfe als das staatsverwaltende Volk der österreichischen Reichshälfte fühlte; sie sind eigentlich erst im rumänischen Staate zur echten Minderheit geworden. Sie hatten in den 150 Jahren der österreichischen Herrschaft dem Lande in hohem Maße das kulturelle Gepräge gegeben. Ukrainer und Rumänen waren zunächst ganz primitives Dauernvolk gewesen, das sich an den Deutschen emporentwickelte und erst in den letzten Jahrzehnten vor dem Weltkrieg eigene Jntelligenzschicht aus sich her- auszustellen begann. Die Deutschen waren als Beamte, Offiziere, Professoren, Lehrer, als Bauern, Handwerker, Bergleute, Kaufleute mit mitteleuropäischer geistiger und wirtschaftlicher Kultur ins Land gekommen. Der Staat war deutsch, die Bildung war deutsch; was das Land geworden war, das verdankte es dem deutschen Staate Oesterreich und den Menschen, die dieser Staat ins Land gebracht hatte. Sv ist denn die deutsche Sprache die Vermittlungssprache zwischen den Volkstümern geworden, so hat das deutsche Wesen" in seiner österreichischen Ausprägung wie eine Art Sauerteig im ganzen Lande gewirkt und hat es zu einer Art deutscher Zivilisationsprovinz gemacht. Die Bukowina ist so — ganz abgesehen von ihrer deutschen Volksgruppe — auch heute noch eines der am meisten „subgermanischen" Gebiete Südosteuropas. Die rumänische Sprach; ist nunmehr die offizielle Staatssprache geworden; sie wird infolgedessen auch außerhalb des eigentlichen Rumänentums sich größere Bedeutung erringen, das Deutsche wird man aber auch in den nichtdeutschen Kreisen des Landes auch in Zukunft nicht missen können und nicht missen wollen. Die deutsche Sprache eröffnet einem den Zugang zu der Kultur und Wirtschaft des europäischen Westens. Man fühlt sich im Besitz der österreichischen Tradition als Mitteleuropäer und weiß sich infolgedessen dem Alt- reich überlegen. Es ist ein geschichtlicher Ruhmestitel des alten Oesterreich, daß dies ohne jeden Zwang so geworden ist. Es hat in österreichischer Zeit in der Bukowina keine Unterdrückung irgendeiner Volksgruppe durch den Staat gegeben; der.Staat war der Regulator des Lebens, zu dem man Zutrauen hatte, er war nicht sein Vergewaltiger. Cs hat auch bis zuletzt keinen eigentlichen Volkskampf gegeben; man organisierte sich zwar schon vor dem Weltkrieg nach volklichen Gesichtspunkten, auch die Deutschen taten dies, „aber man einigte sich schließlich über die gleiche Geltung aller Volker". „Die Bukowina war vor dem Weltkrieg das Musterland völkischer Duldung." —
Die Deutschen der Bukowina sind aus der Rhein- und Maingegend, aus der Zips, aus Deutschböhmen, aus Deutschösterreich gekommen. Die Zipfer waren vorwiegend Bergleute, die Bohmerwäldler Glasarbeiter, die Rhein-Mainischen (die „Schwaben") vorwiegend Bauersleute, die Oeslerreicher Beamte, Kaufleute, Handwerker, Soldaten. Die deutsche Kaiserstadt Wien war ihr und des Landes Kulturzentrum, dessen Lebensstil auch in die ferne Provinz hinein- strahlte und sie nach ihrem Bilde formte. Dies atmet einem auch heute noch, nicht nur aus Czernowitz, sondern auch aus den kleinen Städten des Landes entgegen. Die Deutschen der Bukowina sind daher durch den Untergang der Donaumonarchie besonders schwer getroffen worden. Sie sind nun erst wirklich Minderheit geworden und haben sich, Hand in Hand mit den anderen deutschen Volksgruppen, in einem bisher recht minderheitenfeindlichen Staate zu behaupten. Eins ergibt sich aus alledem: die Bukowina ist deutsches Einflußgebiet nach zweierlei Richtung; sie ist es einmal durch die deutsche Volksgruppe, die in ihr um ihre kulturelle Autonomie kämpft, sie ist es aber auch durch den zivilisatorischen Einfluß, den deutsche Sprache und Kultur sich im
findet man einen Vordruck, auf dem eine Reihe von technischen Datails verzeichnet werden — zum Beispiel die Zeit der aufgenommenen Signale, Lautstärke, die sogenannte Tonart, die Schaltung, Einzelheiten über die Antenne und ähnliches.
Darunter ist dann ein Platz frei gelassen für private Mitteilungen, die sich Menschen über die ganze Welt senden. Menschen, die sich verständigt haben und doch nicht kennen, vielleicht nie kennen werden.
Ein ganz durchgearbeiteter Code ist hier die international verwandte Sprache. Das ist vorläufig noch genügend, weil man meistens mit Morsezeichen telegraphiert. Freilich ist auf die gleiche Weise die Anwendung der Funktelephonie möglich. Unter diesen Bemerkungen findet man manchmal überaus interessante Dokumente einer völkerverbindenden technischen Gemeinsamkeit. Die Grüße, die ausgetauscht werden, sind oft von großer Herzlichkeit, um so mehr, wenn die Betreffenden vielleicht häufiger in Verbindung treten, ja sogar eine Art Funkfreundschaft eingehen. Cs sind Zeichen wie vom Mars — aber nichr schwer zu entziffern, „vy gld to hr ur sigs“ — das heißt „very glad to hear your signs“ — „Ich habe mich sehr gefreut, mit Ihnen in Verbindung zu treten“; und es geht dann weiter „Hpe c u agn“ — „Hoffentlich bald mal wieder". Und es wird weiter die Bitte ausgesprochen, auch einmal eine Ansichtskarte zu schicken oder eine Photographie. Dann folgen die originellen Höflichkeitsfloskeln, die unter den Kurzwellenamateuren üblich sind. So steht auf der Karte mittendrin die Anrede „dr — o — b“ — ,,dear old boy" — ein kameradschaftlicher Ausdruck, mit dem sich die Funkamateure gleichsam kräftig auf die Schulter klopfen, „Hallo, alter Junge!"
Und es sind nun hier in dieser Koje des Kurzwellenamateurverbandes tatsächlich aus der ganzen Welt Karten zu sehen, aus Indien, Australien, Rord- und Südamerika, Japan, Afrika und Asien. Manche Amateure schicken gleich ihre Photographie mit. In vielen Ländern findet man hübsche Bildchen auf den Karten vorgedruckt, zum Beispiel in Oesterreich, Ungarn, auch in vielen anderen Städten — und da werden dann diese Aethermitteilungen oft für höchst praktische Zwecke, nämlich für die Derkehrswerbung benutzt. „Besucht Augsburg" — heißt es groß auf einer Karte. Und die Stadt Wien hat sogar für ihre Amateure einen kleinen Bilderbogen mit unzähligen Einzelbildchen herausgegeben, die für die gleichen Zwecke versandt werden.
Samstag, 21. September 1929
ganzen Lande und bei allen seinen Volkstümern in der Vergangenheit errungen hat und den sie heute noch besitzt. — *
Das deutsche Volkstum der Bukowina ist sehr gut organisiert. „D i e deutsche Volksgemeinschaft" umfaßt die Gesamtheit aller rumänischen Staatsbürger, die sich zum deutschen Volkstum bekennen. Ihre Organe sind; 1. der Volksrat. der aus einem Präsidium, einem Vollzugsausschuß, einem Großen Ausschuß besteht; 2. die fünf Kreisausschüsse in Czernowitz, Radautz, Storozynetz, Kimpolung und Suczawa; 3. die Ortsräte in allen Orten mit größerer ’ deutscher Bevölkerung; 4. die Vertrauensmänner in Orten mit geringerer Bevölkerung. Von besonderer Bedeutung ist der „Verein der christlichen Deutschen in der Bukowina" mit 31 Ortsgruppen. Der „V e r- band deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften in der Bukowina" umschließt annähernd 60 Spar- und Darlehns- kassenvereine. Die „Bukowiner Landwirt- schastsbank 21.-0. Czernowitz" besitzt zehn Zweigstellen im Lande. Im Dienste besonderer Zwecke des Volkstums stehen: die „Deutsche Zeitungsgenossenschaft in Czernowi h", der Verein „D e u t s ch e s S ch stier he im" in Czernowitz, das „Ka t ho lisch- deutsche Waisenhaus" und das „Evangelisch-deutsche Waisenhau s". Die Katholiken besitzen ihren „K a t h. - d e u t s ch e n Volksbund". Eine Fstlle von 2)ereinen: Gesang-, Turn-, Frauen-, Jugend-, Akademikervereinen, überspannt die deutschen Siedlungen und hält das Volkstum zusammen.
(Schluß folgt.)
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 21. September 1929.
Gleitflug und Segelflug.
Zur laufe des Segelflugzeugs „Stadt Gießen".
In der letzten Zeit konnte man oft beobachten, wie ein Sportflieger Kunstflüge über unserer Stadt ausführte. Das geht solange, wie der Motor arbeitet; setzt er plötzlich aus, dann stürzt das Flugzeug nicht etwa senkrecht herunter, sondern vermöge seiner Geschwindigkeit wird es von seinen Flügeln getragen und sinkt in dem Maße, wie seine Geschwindigkeit abnimmt, langsam zu Boden. Diesen Vorgang nennt man einen Gleitflug. Ganz ähnlich ist das beim Gleitflugzeug. Der Führer startet vom hohen Bergeshang; er wird von etwa zwölf Mann mit einem starken Gummiseil in die Lust geschnellt und gleitet im Geradeausflug oder in Kurven zu Boden. Ein typisches Muster dieser Flugzeuggattung ist das vor zwei Jahren erbaute Gießener Gleitflugzeug „Zöglin g". Die Jungfliegergruppe des Gießener Vereins für Luftfahrt hat aber beim Gleitflug nicht Haltgemacht, sondern wird zum Segelflug übergehen. Das neue Segelflugzeug „Stadt Gießen" mit einer Spannweite von 10,60 Meter und 110 Kilogramm Gewicht ist fertig und soll am morgigen Sonntag getauft werden.
Wie oft werden diese Flieger gefragt: „Fliegen Sie denn wirklich stundenlang ohne Motor?" Der Laie will es nicht glauben, zum mindesten kann er es sich nicht erklären. Er spricht etwas von einem „kleinen Hilfsmotor" oder dergleichen. Aber die Segelflieger fliegen doch ohne Motor. Vielleicht ist der Vorgang am besten verständlich zu machen durch einen Vergleich mit dem Strömen des Wassers in einem Flusse. Stellt Jid) dem Wasser ein breites Hindernis entgegen, so ist es gezwungen, vor dem Hindernis aufzusteigen, um darüber hinwegströmen zu können. Dem strömenden Wasser entspricht der Wind, dem aufwärtsströmenden der Aufwind, der sich entwickeln muß, wenn sich dem Winde ein Höhenzug als Hindernis entgegenfteUt.
Die Segelflieger stehen nun mit ihrem Segelflugzeug auf der dem Winde zugekehrten Seite des Berghangs und schnellen es auf die Kommandorufe des Führers gegen den Wind. Der Stark geht genau so vor sich, wie der eines Gleitflugzeugs, doch der
•ilnö das ist nun die Technik von übermorgen. Man stelle sich vor, was schon die heutige Form bedeuten kann: Mit diesen kleinen Apparaten kann jeder Mensch sich fein eigenes weltumspannendes Reh der Verbindung aus Morsezeichen und gesprochenem Wort schaffen; und wenn ein guter Freund oder eine Frau, nach dem man sich sehnt, an das andere Ende der Welt verbannt sind — so braucht man doch nicht von ihnen getrennt zu sein. An Stelle wochenlang gehender Driefsendungen schwirren im Bruchteil einer Sekunde die Zeichen von einem zum anderen — beladen mit fr em Wort, und wenn es telephonisch ist, mit dem persönlichsten Klang der Stimme — und nur ein beengendes Gesetz hindert noch hier zu Lande die volle Auswirkung dieser Möglichkeiten. — Welche Visionen einer neuen Gemeinsamkeit, einer veränderten Lebens- fituation eröffnen sich da! In welche seltsame Nähe sind sich die Menschen der Erde gerückt! Denkt man sich nun noch die Technik des Fernsehens hinzu, die sich der gleichen vereinfachten Mittel bedienen kann — so hat man das Bild der technischen Zukunft von übermorgen. Jeder einzelne wird kleine Apparate dieser Art besitzen, bedienen und wahrscheinlich mit sich herumtragen können, die ihm Sprache und das lebende Wirklichkeitsbild aus den fernsten Gegenden zutragen können. Ein Druck auf einen Knopf, die leichte Drehung eines Kondensators und auf der Blickfläche erscheint unter einer vergrößernden Linse das Bild des gesuchten Menschen oder der gesuchten Landschaft. Man sieht das alles, wie es sich im gleichen Augenblick wirklich abspielt und hort, was gesagt ober musiziert wird.
Unb bies ist ja eigentlich nun noch fast ver- blüffenber unb fast noch umwälzenber als ber Runbfunk. Jebermann sein eigener Senber — ber Funkverkehr millionenfach auf alle Cinzel- menschen verteilt — brahtloses Fernsehen unb Fernhören als selbstverstänbliche Gewohnheit unseres täglichen Lebens: bas ist bie großartige Vision, ber Wirklichkeit von morgen, bie sich aus dieser unscheinbaren Koje erhebt.
Hochschulnachrichien.
Die Ernennung des o. Professors Dr. Leo W a i • b e I von der Universität Kiel zum ordentlichen Professor ber Geographie an der Universität Bonn als Nachfolger des Geh. Rates 21. Philippfon ist erfolgt


