Ausgabe 
21.6.1929
 
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m. U5 Erster Blatt

179. Jahrgang

Zrettag, 21 Juni 1929

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle.

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Gießener Anzeiger

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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Kommt ein Getreidehandelsmonopol?

Roch fein Beschluß des Gachverständigeuausschuffes. Widerstand der Mittelparteien und des Reichsernährungsministers.

Don unserer Berliner Redaktion.

Die deutsche Landwirtschaft ist schwer notlei­dend. Daran kann kein Zweifel bestehen, auch wenn man sich auf den etwas bequemen Stand­punkt stellt, daß sie in der Theorie viel lei­stungsfähiger sein mühte, wenn man alles Mög­liche zu ihrer Rationalisierung, kaufmännischen Detriebssührung, Zusammenfassung und genossen- fchastlichen Organisation im Beschaffungs- und Dertriebswesen getan hätte. Die deutsche Land­wirtschaft ist notleidend aus mindestens drei Gründen: erstens, weil das Leihkapital, aus das sie dauernd in Form von Hypo­theken und vorübergehend zur Lieberbrückung von Mißernten, sonstigen Detriebsausfällen, Sai­sonbedarf und zur Modernisierung ihrer De- triebseinrichtungen angewiesen ist, viel zu teuer ist. Sie ist zweitens notleidend, weil die V reise für Industriebedarf und Löhne viel stärker gestiegen find als diejenigen der hauptsächlichen Agrarerzeugnisse, ilnö sie ist drit­tens notleidend wegen einer steuerlichen D e l a st u n g , die sowohl der Form wie der Höhe nach die Kapazität eines Berufsstandes übersteigt, der keine regelmäßigen und laufenden Betriebseinnahmen hat, von Konjunktur und Wetter abhängig ist und dessen Träger sich zum großen Teil nur sehr schwer in die Anforderun­gen einer modernen kaufmännischen Geschäftsfüh- turq hineinsinden können.

Man hat schon viel zu lange an den Symptomen herumkuriert, obwohl es alle Kreise, auch die ver­meintlich am meisten landwirtschaftsfeindlichen, in klarer Erkenntnis der Lage, gut mit der Landwirt­schaft. meinen. Das neueste Projekt ist, neben einer Zusammenfassung der Genossenschaf­ten in einem Einheitsverband, b;e Schaffung eines Getreide Monopols. Es begegnet bei den Mittelparteien heftigem Widerstand, findet aber in dem hierfür eingesetzten Sachverständigenausschuß viele Freunde, da Deutschnationale und Sozialdemokraten sich dafür stark zu machen scheinen. Diese sonderbare Zusammensetzung ergibt sich aus den spezifischen landwirtschaftlichen Inter­essen auf der Rechten, aus der Neigung zu Ver- staatlichungs- und staatssozialistischen Organisationen auf der anderen Seite. Ob man damit di e Preis­schere schließen kann, ob nicht vielmehr eine Verteuerung der wichtigsten Grundlagen unse­rer Lebenshaltung, die ja doch eingestandenermaßen das Ziel eines Getreidemonopols, wie einer Zoll- erhöhung sein müßte, sich nicht in einer entsprechen­den Verminderung unserer indu st riel- len Leistungsfähigkeit durch notwendige Lohnerhöhungen auswirkt und dann wieder zu einer Teuerung führt, die die Zoll- und Monopol- rnaßnahmen unwirksam machen, ist eine wissen­schaftlich stark umstrittene Frage. Eine Preis- rninberung ber Bebarfsgüter ber Landwirt schäft würbe bem gleichen Zweck ohne bie gleiche bebenkliche Nebenwirkung bienen. Denn wenn man z. B. bie Rechnung aufstellt, baß 60 bis 75 v. H. des Wertes ber landwirtschaftlichen Erzeugung (je nach Größe und Lage bes Besitzes) auf Löhne, Düngemittel, lanbwirtschaftliche Gerate nsw. en fallen, bie birekt unb inbirekt burch bas be­stehende handelspolitische System, durch Zölle usw. um 15 bis 20 v. 5). verteuert sind, so würde die Beseitigung dieser Lasten einer 10 bis 15 v.H. Preiserhöhung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse oleichkommen, aber eine Verminderung unserer Kon­kurrenzfähigkeit am Weltmarkt nicht zur Folge haben. v

Ehe man sich also zu so einschneidenden und un­übersehbaren Maßnahmen entschließt (ein Beschluß des Sachverständigenausschusses scheint entgegen der gestrigen Meldung derVoss. Ztg." noch nichts folgt zu fein) wird zunächst zu prüfen sein, ob sich Dicht im Interesse der Landwirtschaft auf genau u m - gekehrtem Wege das gleiche oder sogar Besseres erzielen läßt denn zu einem erheblichen Teile tragt iie ländliche Bevölkerung ja jede Erhöhung des Preisniveaus wieder mit und macht deshalb den erzielten Vorteil einer solchen einseitigen Maßnahme für sich selber illusorisch. Weitblickende landwirt­schaftliche Führer haben das zum Teil selbst schon längst erkannt: eine geeignete Aufklärung der Matzen könnte hier scheinbar Unmögliches möglich machen. Wie das Monopol aussehen soll.

Die Stellung der Parteien.

Berlin, 21. Juni. (Priv.-Tel.) Die verhandlun. gen bes Sachversiändigenausschusses, der die Frage -er Getreidewirtschaft zu prüfen hat, stehen offenbar kurz vor dem Abschluß. 3n parlamentarischen Krei­sen verlautet, daß ein Getreidemonopol vorgeschla­gen werden soll, das zur Bildung eines Rcichsgetreiderates führen würde. In die­sem Gremium würden 40 o. h. Landwirte, 40 o. h. Derbraucher und 20 v. h. freie unabhängige Sachver­ständige vertreten sein. Ls handelt sich also nicht um ein Staatsmonopol. Lin rein berufs- ständisch von ber Landwirtschaft gebildeter Reich sge- treiderat tarn nicht in Frage. Die Aufgabe dieses Gremiums würde es fein, der Landwirtschaft bestimmte Preise zuzusichern. Für die Lin- fufjr ausländischen Getreides sollen sollen künftig Linfuhrscheine erforderlich sein, für die ein bestimmter Zuschlag zum Einfuhrpreis zu zahlen wäre.

Soweit bisher bekannt geworden ist, werden die Bertreter der bäuerlichen Einheits­front und die Sozialdemokraten diesem Plane, der übrigens auf ein Jahr befristet fein soll, ; ustimmen. Die Demokraten und große Teile der Deutschen volksparlel sind dagegen, ebenso sicherlich die Wirt­schaftspartei. Aber auch in Zentrums- kreisen sollen sich trotz der Zustimmug von Her­mes gewisse Bedenken gellend machen. Die Gegnerschaft des Reichsernährungsministers Diet­rich- Baden steht seit langer Zeit fest. Wie es heißt, wird der Minister unter keinen Umständen das Gutachten zur Annahme im Kabinett empfeh­len. Es find noch schwere innenpolitische Kämpfe zu erwarten.

Wie dieD. A. Z." zu berichten weiß, wird versucht, noch in letzter Stunde die ziemlich weit gediehenen Pläne für das Getreidehandelsmono­pol wieder zu b e s e i t i g e n. Es werde versucht, mindestens über die Zollfrage noch soweit eine Derständigung herbeizuführen, daß wenigstens dieser Teil des Agrarprogramms noch vor der Sommerpause verabschiedet werden könne. Das I

Getreidehandelsmonopol begegne in den Frak­tionen zunehmenden Widerständen. DerD o r- w ä r t s" seht sich mit den Angriffen der demo­kratischen Presse gegen das Getreid Handelsmono­pol auseinander und sagt, der Monopolplan be­deute einen Versuch, deutschen Erzeugern und Derbrauchern einen Ausgleich herbeizuführen. Zollerhöhungen aber seien ein einfacher Raubzug gegen die Verbraucher, in dessen Gewinn sich die getreideproduzierenden Landwirte mit dem Zwischenhandel teilten. Der demokratische Börs en - Courier" schreibt, die Regierungs­koalition werde vor eine neue Belastungsprobe gestellt. Geschlossen würde sie für eine Monopol­lösung keineswegs eintreten. Unter allen Um­ständen würde die demokratische Fraktion gegen eine solche Borlage stimmen. Daß sie daraus die Konsequenzen ziehen würde, aus der Regierung auszuscheiden, sei allerdings nicht zu erwarten. Schon deshalb nicht, weil sie sich einen Ein­fluß auf die Durchführung und Kontrolle eines Monopols sichern müßte. Der demokratische Reichsernährungsminister könne und werde jeden­falls einen Gesetzentwurf für ein verschleiertes Getreidemonopol nicht einbringen.

Industrie und Landwirtschaft

lichen Lage der deutschen Landwrrtichast toirriame i Mittel durchgeführt werden. Hierbei ist auf die I

Berlin, 20. Juni. (WTD.) Der Deichsver­band der Deutschen Industrie hat zu dem Rot­programm der Landwirtschaft in einer Entschlie­ßung Stellung genommen, die folgende Punkte enthält:

1. Die Industrie erkennt die schwere Rotlage der Landwirtschaft an. Alle Mittel, die mit den Interessen der Gesamtwirtschaft vereinbar sind, müssen angewandt werden, um die Ren­tabilität der Landwirtschaft wieder­herzustellen.

2. Die Wiederherstellung ber landwirtschaft­lichen Rentabilität muß auf Wegen gesucht wer­den, die den Bestand und die Erweite­rung unserer Ausfuhr nicht ge­fährden.

3. Wenn der Reichsverband der Deutschen In­dustrie demnach eine grundlegende Ver­änderung der Zollpolitik nicht be­fürworten kann, so hält er doch zur Abwehr von Krisenzuständen eine ausreichende Zollerhöhung f ü r Getreide für un­entbehrlich. Auch einer Angleichung der Viehzölle an die Fleischzölle ist grundsätzlich zuzu stimmen. Höhere Üebergangszölle für Molkereierzeugnisse könnten nur unter der Vor­aussetzung in Betracht kommen, die unsere Han­delsbeziehungen zu den bisherigen Einfuhr­ländern nicht ernstlich gefährden. Sollte durch die notwendigen Zollerhöhungen eine Verteue­rung der Lebenshaltung eintreten, so hält diese sich nach sorgfältiger Berechnung in einer Höhe, daß sie bei der Größe des Ziels von den anderen Devölkerungskreisen hingenom­men werden muß.

4. Daneben sollte eine Senkung der land­wirtschaftlichen Selbstkosten durch Steuererleichterung und Zinsbeihilfen umgehend

durchgeführt werden.

5. Die vorgeschlagenen Rotmatznahmen können von der Industrie nur dann befürwortet werden, wenn unverzüglich zur Besserung der wirtschaft­lichen Lage der deutschen Landwirtschaft wirksame

Hebung der Qualität der landwirtschaft­lichen Erzeugnisse und eine Verbesserung der Absatzorganisation, ferner auf die Ausgestaltung des landwirtschaftlichen ü n ter« richtswesens und die Pflege der wissen­schaftlichen Forschung das Hauptgewicht zu legen.

6. Eine öffentliche Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Produkte ist abzulehnen, weil sie notwendig zu steigenden behördlichen und parlamentarischen Eingriffen in die Wirt­schaft und schließlich zur Zwangswirtschaft führt.

Ergebnislose Verhandlungen über die Echwedenzölle.

Wird der Handelsvertrag mit Schweden gekündigt?

Berlin, 21. Juni. (TU.) Vor einigen lagen ist auf Grund eines Beschlusses des Reichskabinetts der Staatssekretär im Reichsernährungsministerium, Dr. Heukamp, nach Stockholm entsandt worden, um mit der schwedischen Regierung über eine Auf. Hebung der sog. Schwedenzölle zu ver­handeln. Wie dieDeutsche Tageszeitung" hört, sind die Verhandlungen Dr. Heukamps mit der schwedi­schen Regierung ergebnislos geblieben. Für die deutsche Landwirtschaft bedeutet dieser Ausgang der Stockholmer Verhandlungen, wie dieDeutsche Tageszeitung" hinzufügt, eine schwere Ent- täuschung, ba sie in bem Versuch, bie ganz unzulänglichen und in ihrer Auswirkung sehr weit­reichenden Schwedenzölle zu beseitigen, den ersten Schritt zu der allseitig geforderten Anpassung des Zolltarifs an die Bedürfnisse der Landwirtschaft hätte erblicken müssen. Nachdem sich nun eine güt­liche Einigung mit der schwedischen Regierung als undurchführbar herausgestellt habe, müsse mit aller Bestimmtheit erwartet werden, daß die Reichsregie­rung umgehend die Kündigung der mit Schwe­den getroffenen Zollvereinbarungen ausspreche.

Kastl berichtet über Partei.

©er Reichsverband der deutschen Industrie zum ssoung-Plan.

Berlin, 20. Juni. (TU.) In ber heutigen Vor- stanbssitzung des Reichsoerbandes der Deutschen In­dustrie hielt Geheimrat K a ft l ein ausführliches Referat über bie Pariser Sachverstänbigenkonferenz. Geheimrat Kastl stellte fest, baß sie sich nicht aus­schließlich von finanziellen und wirtschaftlichen Ge­sichtspunkten hat leiten lassen. Außerdem stellt er ausdrücklich fest, daß seitens der deutschen Regierung auf die Sachverständigen in keiner Weise irgendeine Einwir­kung versucht worden ist. Er vergleich darauf den Daroesplan mit dem Poungplan. Im Gegensatz zum Daroesplan sind die deutschen Zahlungen zeit­lich und in ihrer Hi he begrenzt, außerdem sind die Zahlungen für die ersten zehn Jahre so niedrig roie möglich gehalten. Er besprach weiter die Auf­gaben der internationalenBank und streifte die Frage der Sachlieferungen und Liqui­dation des deutschen Eigentums.

Präsidium unb Dorstanb des Reichsverbandes der deutschen Industrie tarnen nach eingehender Aus­sprache einstimmig zu folgender Stellungnahme: Der Reichsverband der Deutschen Industrie spricht den Mitglidern der deutschen Dele­gation für die im Interesse des deutschen Volkes geleistete Arbeit Dank unb Anerkennung

aus. Er ist überzeugt, baß j eher ber Sachverstän- bigen nach bestem Wissen unb Gewissen bestrebt gewesen ist, nach Lage der Verhältnisse bas günstigste Ergebnis für bie Zuukunst bes deutschen Volkes zu erreichen. Er versteht durchaus, daß Dr. V ö g l e r aus der wirtschaftlichen Beurteilung der Lage sich zur Erklärung feines Rücktrittes veranlaßt gesehen hat. Bezüglich der wirtschaftlichen Bedeutung des Poung-Planes steht der Reichsver­band auf demselben Boden wie bei seiner Stellung­nahme zu den Leistungen auf Grund des Dawes­planes. Damals im Jahre 1924 hat der Reichsver­band erklärt, daß die auferlegten Lasten die Lei­stungsfähigkeit Deutschlands erheb­lich übersteigen. Die Art und Weise der bis­herigen Aufbringung der Daweszahlungen gibt kei­nen Anlaß, diese Zahlen zu ändern. In Ueberein- ftimmung mit den deutschen Sachverständigen ist der Reichsoerband der Ansicht, daß auch derPoung- Plan dem deutschen Volke für eine lange Reihe von Jahren Lasten aufbürdet, die über bie Leistungsfähigkeit ber beutschenWirt- schäft hinausgehen. Wie aus bem Pariser Gutachten heroorgeht, hat das Sachverständigen- Komitee sich wesentlich von politischen Gesichts­punkten leiten lasten. Aus diesem Grunde behält sich

der Reichsverband eine endgültige Stellungnahme bis zur Entscheidung der berufenen politischen In­stanzen über die Annahme oder Ablehnung des Planes vor.

©ie Lander melden sich.

Der baycrischeFinanziinistcr zurBcrleilung des Rcparationsnachlasses.

München, 20. Juni. (WB.) 3m Landtag erklärte Finanzminister Dr. Schmelzle zu den Pariser Verhandlungen: Vielleicht waren diese Verhandlungen verfrüht, vielleicht auch war die Zusammensetzung der deutschen Delegation zu einseitig. Jedenfalls bleibt das Ergebnis weit hinter dem zurück, was das deutsche Volk, der deutsche Staat, die Wirtschaft unb die Kultur an Erleichterungen von einer dauern­den Lösung der Reparationsfragen erwarten mußten. Das Ergebnis wird wohl nur a l s eine Etappe auf dem Leidensweg zu be­werten fein, Öen das deutsche Volk zurückzulegen hat. Diese Etappe bedeutet immerhin eine Er­leichterung von zunächst einmal 900 Mil­lionen für den Reichshaushalt.

Roch ehe diese Erleichterungen Tatsache ge­worden sind, hat auch schon der Streit be­gonnen, wie sie auf das Volk, die Staatswirt­schaft unb innerhalb der Volkswirtschaft auf bie einzelnen Devölkerungs- unb Wirtschaftskreise verteilt werden sollen. Ich glaube, daß nichts wichtiger ist, als zunächst die Wirt sch af t des Reiches, ber ßänber unb ber Ge - meinben toicber auf eine gefunbe Da- sis zu stellen. Ohne eine Gesundung der finanziellen Verhältnisse von Staat und Gemein­den gibt es kein Heil für bie Volkswirtschaft unb bie Einzelwirtschaft. Dazu ist notwendig, daß das Reich die Lebensnotwendigkeit der Länder anerkennt unb burch endliche Erfüllung ber Verpflichtungen aus der Post-, Eisenbahn- unb Diersteuer-Der- reichlichung Bayern in ben Stanb seht, Aus­gaben, bie in Wirklichkeit Ausgaben bes Reiches sinb, zu erfüllen.

Reue Anschläge auf das Gaargebiet.

Frankreich wünscht ein zweites Danzig.

Paris, 20. Juni. (WB.) Seit einiger Zeit entfesseln gewisse französische Organisationen eine fieberhafte Tätigkeit, um Mittel unb Wege zu finden, damit das Saargebiet bei Frankreich bleibe. Während diese Agi­tation im allgemeinen im geheimen betrieben wurde, tritt heute das Coty-BlattAmi du P e u p l e" in seiner Abendausgabe ganz öffent­lich für eine flagrante Verletzung des F r i e d e n s v e r t r a g e s von Versailles ein. Cs schreibt: Das Rheinland wird zu Deutsch­land zurückkehren, wenn dieses seine Verpflich­tungen erfüllt hat, während die Saarfrage 1935 durch einen Volksentscheid geregelt wer­den soll. Man kann also nicht daran den­ken, die Saarfrage mit der Rheinlandfrage! im Verlaufe ber bevorstehenden diplomatischen Verhandlungen zu verbinden. Es gibt Deutsche, die von Frankreich bereits jetzt bie Saar­gruben zurückkaufen und hierfür einen ver­hältnismäßig hohen Preis zahlen möchten, aber das würde heißen, leichtfertig das Ergebnis des Volksentscheids präjudizieren. Wenn es wahr­scheinlich ist, daß mehrere Bezirke sich für Deutsch­land aussprechen werden, gibt es noch andere Bezirke, die sicher den Anschluß an Frank­reich verlangen werden. Um die Zerstücke­lung des Saargebietes, die bei bem System des Vollsentscheids erfolgen würde, zu vermeiden, hegen gewisse Kreise den Wunsch, daß das gegenwärtige Regime, das sich bewährt habe, beibehalten bleibe. Das Saargebiet soll endlich internationalisiert werden nach dem Beispiel Danzigs. Man müsse zugeben, daß diese Lösung gewisse Vorteile bietet.

©as Preußenkonkordat.

Der preußische Staatsrat übt Renitenz.

Berlin, 21. Juni. (VDZ.) Die gegen das Konkordat eingestellten Gruppen im Staatsrat, die Arbeitsgemeinschaft unb bie Kommunisten, haben ben Beschluß durchgeseht, daß entgegen bem Wunsche des preußischen Ministerpräsidenten der Staatsrat nicht in seiner laufenden Tagung das Konkordat behandelt, sondern erst vom 2 7. Juni a b. Die Parteien der Arbeitsge­meinschaft, Deutschnationale und Volkspartei, wollten damit zum Ausdruck bringen, daß sie sich mit dem Konkordat erst beschäftigen möchten, wenn entsprechende Verhandlungen mit ber evangelischen Kirche durch - geführt seien. Der Vertagungsbeschluß der Staatsratsmehrheit wirkt insofern besonders stö­rend, als es dem Landtag dadurch erheblich er­schwert wird, den Vertrag mit der Kurie noch vor der Sommerpause zu erledigen. Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun hat daher auf Grund des Artikels 38 der preußischen Verfas­sung an den Staatsratspräsidenten das Ersuchen