Montag. 21. Januar 1929
Giessener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)
Nr. \l Zweites Blatt
Hessens Befahungsnoi
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cs keine Reichsgrenze besitzt. Diese Richtbeteili- riung Hessens an den Gvenzfonds muh als
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Tragischer Bibliophile
Don Or. Frih Adolf Hünich.
Die Frau des Künstlers, Bertl)a Lenz, ist mit drei sympathischen Blumenstilleben zur Stelle, die durch eine vornehme und zurückhaltende Kolorit« führung angenehm auffallen.
Ein Münchener Graphiker, Franz Hecht, zeigt eine Folge von Holzschnitten; gekonnt und ganz persönlich in der Technik; altmeisterliche Motive, Landschaftskompositionen, Städtebilder. Eine _ gewisse, gedrungene Plastik zeichnet alle diese Blätter vorteilhaft aus; jedes ist aus Hell und Dunkel, aus Licht und Schatten prall und raumfüllend zu-
Sin Verleger hat an Roda Roda geschrieben; ob RoRo wohl ein Buch österreichischer Anekdoten für den Verleger schreiben könnte?
RR. antwortet: „Schreiben könnt ich das Buch schon, aber ich will nicht. Wenden Sie sich doch an meinen Kollegen R. Er kann es zwar nicht, wird es aber gern tun.“
Einmal, als es RoRo lausig ging, pumpte er den Bankier 2E. um fünfzig Mark an.
2E. sagte:
„Lieber Freund, bei den fünfzig Mark wird es nicht bleiben. Sie werden mich nächstens um hundert anborgen — zum dritten, vierten Mal anborgen — um wachsende Beträge — und boÄ wird schliesslich unsre Freundschaft trüben. Wählen Sie also zwischen fünfzig Mark und meiner Freundschafti“
„Herr sprach Roda, ich bitte um trte fünfalfl Mark."
RoRo-Geschichien.
„Gehen Sie heute in den Tanzabend der Petrowa?" fragt man den Roda Roda.
„Die is doch schon ganz alt ..."
„Was fällt Ihnen ein? Die Zeitungen schreiben: sie wird jeden Tag jünger.“
„Ra, da wart ich noch ein paar Tage.“
„Kennen Sie viele deutsche Dichter persönlich?^ fragt man den RoRo.
„Rur zwei." entgegnete er. „Heinrich Mann, Gustav Meyrink und Carl Sternheim.“
Staatspräsident Dr. Adelung über die heffifchc Befatzungsdenkfchrift.
Darmstadt, 19. Ian. Zu der Frage nach idrm Zweck um) der Bedeutung der hessischen Denkschrift über die Desatzungsoerhältnisse äußerte sich Staatspräsident D r. Adelung eingehend. Zu dem Einwande, daß bei ter gespannten Finanzlage des Reiches die D e - reitstellung ausreichender Mittel auf Schwierigkeiten stoßen könne, bemerkte Staatspräsident Dr. Adelung, dah gewiß der Zeitpunkt für die Hilfsaktion nicht besonders günstig sei. dah aber nicht übersehen werden könne, welche bedeutende Summen in den letzten beiden Jahren trotz auch damals bestehender schwieriger Etatsverhältnisse für die sogenannten Grenzgebiete vom Reichstag bewilligt worden sind (über 150 Millionen Mark). Bewilligungen, an denen Hessen trotz aller Bemühungen nicht teilnehmen konnte, weil
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Nur die Wirklichkeit erfindet solche Dramen ' i n 5 , des leidenschaftlichen
große Ungerechtigkeit empfunden wer- den, weil nachweislich auch Hessen durch die neue Grenzziehung im Westen des Reiches ganz bedeutende Absatz Verluste erlitten hat,
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Deutscher Landgemeindetag.
Auf der kürzlich in München abgehaltenen Vorstandssihung des Deutschen Landgemeindetags standen dne Reihe wichtiger Gegenstände zur Beratung.
Zu dem neuen Entwurf eines Steuerver- einheitlichungsgesetzeS wurde ein- gehend Stellung genommen. Berichterstatter hierzu war Geschäftsführer Schmid- Stuttgart vom Württembergischen Gemeindetag. Als zweiter Referent sprach zu dem Gesetz der Geschäftsführer des Deutschen Landgemeindetags, Landrat a. D. Dr. Gereke-Berlin. Aus den Referaten ging hervor, dah sich die Aussichten des Entwurfs, Gesetz zu werden, verschlechtert haben, nachdem das Gebäudeentschuldungsgeseh vom Reichsrat bereits abgelehnt worden ist. Da es sich bei der Vorlage teilweise um ein verfassungsänderndes Gesetz handelt, so ist es überhaupt fraglich, ob die hier vorgeschriebene Zweidrittelmehrheit im Reichstag zu erreichen sein wird. Auf Grund der beiden Referate wurde beschlossen, den Gesetzentwurf den einzelnen Landesverbänden des Deutschen Landgemeindetags mit den vorgeschlagenen Abänderungen zur Stellungnahme zugehen zu lassen.
Dor der chilenischen Galpeierküsie.
Äon Kurt Jeferid).
gebracht, und dazu gehört schon einiges, die Eintönigkeit der unter Lava chutt erstorbenen Ratur. das hässliche Ge icht der Barackenstra^e durch grausame Geschmacklosigkeit zu übertrumpfen. „Vino Casablanca“ und „Articulos dr la Goma Drogeria de Santiago“ strahlt dem er reuten Seemann über das Meer entgegen! „Dienvenida en Bella Vista" empfiehlt sich ein Amüsierlokal letzten Ranges, der Clou von Antofaga'-a. Langsam geht als Gruß an unserem Fockmast die „Bandera de Chile" hoch, dazu Lotsen- und Quarantäneflagge.
Arzt und Hafenpolizei sind schnell an Bord. „Alles in Ordnung Capitano?" — „Si. si. Sonores!" — „Dueno! Hasta luego, cadallervs!" Das geht sehr schnell, aber auf den „senor Piloto“, den Lotsen, wa.ten wir Stunden und Stundenr Endlich erscheint er, reichlich mit Gold bestickt, beknöpft, betresst, bebändert. — Man liebt hier Aufmachung, offenbar. — Senor Piloto ist zuvorkommend und freundlich, dabei von der Hacken knallenden Höflichkeit, die alle Llnisvrmierten in diesem Lande zu gewichtigen Persönlichkeiten macht, aber er kommt nur, um uns sachlich mitzuteilen, daß wir nicht ein lauf en können, denn es liegen bereits sieben (II) Schisse in diesem Riesenhasen, somit ist er voll. „Absolutamente completo, capitano! Deploro muchol"
Aber das Schiff wird dennoch mehr an die Küste bugsiert, immer begleitet von schnaufenden Seelöwenrudeln, endlich rasseln beide Ankerkelten. Ruderboote oder, wie der Chilene sagt, „lanchas“ kommen längsseits. Ich fahre an Land. Das Boot tanzt durch die beginnende Brandung, ein Indiomischling, „roto" chilenisch, rudert stehend. Er schielt entsetzlich, und bei jedem neuen Ruderschlag fletscht er seine dicken wulstigen Lippen auseinander, zeigt die Reihen angefaulter Zahnstummel, unter mittelalterlicher Spihkappe hängen struppige, verklebte Haare hervor. Aus dem zerrissenen Hemd quabbelt ein Speckwanst und quillt über den Hosengurt. Ringsum sind prustende Seelöwen, wenn sie zu dicht ans Boot Eornmen, unterbricht der Dicke seine Arbeit, fein Gesicht wird noch grausiger, pfeifend saust der schwere Riemen auf die Schädel nieder, „viva Chile, mierdaaa!“ flucht dazu der Rote. Lind weiter bringt uns der Taft der Ruderschläge den Felsen zu. über die die Brandung schäumend ihre weisse Gischt hinklatscht. Ein paar Aasgeier stecken neugierig ihre rotpelligen Hälse aus den weissen Kragen.
An der Landungsbrücke prangt auf einem Schild ein riesiges Hakenkreuz, Markenzeichen einer harmlosen Benzinfabrik. Während ich über den löcherigen Landungssteg stolpere, weiss ich noch nichts von der wilden Schönheit dieses Landes und seinen Menschen, die meine Freunds wurden. z
Hessen, wie bei der Zahl der gewerblichen Betriebe, eine starke Aufwärtsbewegung vor dem Kriege sich im Gegensatz zum Reich und anderen Ländern in eine überaus ft arte Abwärts bewegung verwandelt hat, so müssen zu den überall wirksamen Schwierigkeiten und Hemmungen für Hessen noch besondere LI m st ä n d e hinzukommen. Lind das können nur die mit dem Friedensverirag zusammenhängen- genden Einwirkungen sein: neue Grenzziehung, Besetzung, Ruhrkampf.
Die Hilfsaktion soll der Erhaltung und Förderung der Wirtschaft sowie der Behebung der kulturellen Rötst ä n d e dienen. Der Ausgleich für die Staatsfinanzen ist Gegenstand besonderer Verhandlungen, die weiterhin mit dem Reichsministerium der Finanzen geführt werden und hoffentlich bald zu einem guten Abschluß kommen. Lieber das Ergebnis der Aussprache mit den Retchstagsabgeordneten und den Vertretern der Landtags- sraktionen befragt, betont der Staatspräsident die erfreuliche Lieberein ft immung aller Parteien, in der Linterstützung der hessischen Forderungen an das Reich über alle Parteige- gensätze hinweg einmütig zusammenzustehen.
ter- Zone, die Artikel 42ff. des Vertrags von Versailles geschaffen hat. Die Folgen dieser Zugehörigkeit können heute noch nicht übersehen werden, zum Teil wirken sie sich aber schon heute aus. Das hessische besetzte Gebiet gehört ganz der 3. Desatzungszone an. die am längsten besetzt bleiben soll. Die Räumung der 1. Zone hat für Hessen Rach teile gebracht und noch mehr wird dies bei Räumung der 2. Zone der Fall sein, da die Desahungstrup- Pen unter einen gewissen Mindeststand nicht heruntergehen werden, der Raum für die Truppen sich aber verengt. Am Sitze und im Llmkreise des Oberkommandos Mainz werden die grössten Truppenmassen konzentriert sein, bis der letzte Mann den deutschen Boden verlassen hat.
Die in der Denkschrift enthaltenen Beispiele ergeben, dass auf wirtschaftlichen und steuerlichen Gebieten vor dem Kriege Hessen mit in der ersten Reche der deutschen Länder und deshalb über dem Reichsdurchschnitt gestanden hat. Hente müßte bei gleichen Einflüssen in den verschiedenen Ländern das Verhältnis das gleiche sein. Wenn aber Hessen, wie nachgewiesen ist, nicht nur nicht mehr über dem Reichsdurchschnitt steht, wie es vor dem Kriege der Fall war, sondern erheblich darunter, wenn sogar in
Fast genau da, wo der Wendekreis des ©tein» bockes die Küste Chiles schneidet, sollte ich zum ersten Make südamerikanischen Boden betreten. Es war ein eigenartiges Bild, das ich vor mir hatte, aber weit entfernt von Schönheit oder Anmut. Langsam und erhaben rollte eine mächtige Dünung der grauen Küste zu. Von Panama bis hierher war das Schiff durch diese ewige Dünung gezogen, die so gewaltig ist und dennoch ein wenig müde und traurig. Allmählich, ganz gemach, rückte der riesige Tetasf elfen zur Seite und gab den Blick frei auf die zackigen Derg- monumente der Cordrlleras de los Andes. Graubraun lagen sie da. unheimllch, verwittert. Lieber ihre Kämme zogen schwere schwarze Wollen, es sah aus. als ob aus verborgenen Schluchten dicke Rauchschwaden drängen, als ob es brobele, dahinter irgendwo, zaubergleich und geheimnisvoll. An Backbord tauchten schwarz glänzende Walsischkörper aus dem Wasser, bliesen Fontänen in die Luft, die der Wind auffing und in silber- grauen Fetzen davonslattern ließ. Lange, schier unendliche Reihen von Peliianen zogen von einer öden Felsenbucht in die andere, immer mehr, immer neue, alle in gleicher Höhe, laufendes Band in der Luft, das Felsen mit Felsen verknüpfte. Beutclschnabel und Flügelschlag, Deu- telschnabel und Flügelschlag, immer wieder und wieder.
Pelikan auf Pelikan, einer hinter dem anderen, ftlometerlange Bänder, die plötzlich, nach halben Stunden, von unsichtbarer Schere abgeschnitten scheinen, doch unverzüglich ziehen sich von anderen Felsen neue Bänder in endlosem Spiel, das nur unterbrochen wird, wenn sich die Geschwader sammeln zum Sturzflug auf Fischschwärme, die die Oberfläche der langhinrollenden, glatten Dünung kräuseln. Kaptauben umkreisen zu Hunderten das Schiff. Spitze, riesige Wolken steuern gegen den Wind und fallen klatschend aufs Meer. Es sind Tausende und aber Saufenbe von Taucher- Vögeln, unglaubliche Mengen, die nicht nur. nach jenem historischen Vorbild, die Sonne verfinstern, sondern es ist diesen ungeheuren Scharen auch unmöglich. aufs Wasser niederzugehen, ohne daß Dutzende von Vögeln im Gedränge zerdrückt werden. @01136 Familien von Seelöwen stecken prustend die dicken braunen Schädel in die Luft, wälzen sich im nächsten Moment wieder in die Tiefe. All diese Heere sind ausgezogen zum Kampf gegen die Fische und vertilgen stündlich ungezählte von ihnen. Lim so seltsamer mutet dann die Tatsache an, daß die Küstenstädte zeit-
Sohn ihre Titel vorzuwerfen. Der wehrte sich, es befanden sich höchstens zwei Komödien unter den nach Kamenz geretteten Werken. Don dem Bibliophilen Lessing während seines Literatenlebens in Berlin und in Leipzig, das das Jahrzehnt 1750 bis 1760 ausfüllte, wissen wir nichts. Erst die Berufung nach Breslau als Sekretär des Generals Tauentzien gab Lessing wieder die Möglichkeit, Bücher sammeln zu dürfen, und feit 1760 überließ er sich einer Buchersucht, die feiner Spielsucht ver- glichen wurde. Er sammelte systematisch, feine Ankäufe beschränkte er nicht auf den Breslauer Bücher- markt, sondern nahm die anderswo sich bietenden Gelegenhellen, stets zu hohen Geldopfern bereit, wahr. In Berlin war Friedrich Nicolai der Vertrauensmann, der die Auftrage besorgen mußte. Einmal war der leidenschaftliche Sammler Lessing auch ein vergeßlicher Sammler gewesen; er hatte einen dringenden Auftrag noch einem zweiten Bekannten in Berlin gegeben, und die beiden Bieter übersteigerten sich gegenseitig Zu Lessings Schaden, bis sie endlich einander auftlärten. Eine gewählte und große Büchersammlung zierte 1765 die Wände von Lessings Berliner Wohnung. 1767, als er die Uebersiedlung nach Hamburg vorbereitete, mußte er sich notgedrungen von ihr trennen, um den Vorschuß für die neubegründete Bode-Lessingsche Buchdruckerei zahlen zu können. „Meine Bibliothek wird springen, schrieb er am 1. Februar 1767 an Gleim, „ich behalte von etwa 6000 Stück nichts, als was ich zu meinen vorhabenden Arbeiten unumgänglich brauche. Es geht mir nahe, daß ich mich ihrer entschlagen muß ... Aber was zu tun?" In Hamburg begann er die Versteigerung der Berliner Bücher vorzubereiten, wobei ihn der in Berlin lebende Bruder Karl Gotthels unterstützte. Anfang 1768 scheint die Druckvorlage des Katalogs fertig geworden zu sein, den dann Karl Gotthels drucken ließ. Anfang Oktober wird dann wohl die Versteigerung stattgefunden haben, deren Ergebnis well hinter den Erwartungen Lessings zurückblieb. Das mag, neben dem Entschluß, Hamburg zu verlassen, mitbestimmend gewesen sein für die Eile, mit der er nun auch die Auflösung seiner in Hornburg befindlichen Bücherei veranlassen wollte. Nach Fertig-
stellung des Katalogs im Dezember 1768 und Januar 1769 nahm er dessen Versendung selbst in die Hand und verschickte ihn an die Bekannten und Freunde. Anzeigen in der „Neuen Hamburgischen Zeitung", dreimal bekanntgemacht, bestimmten Ort und Zeit der Versteigerung. Aber noch immer war der Bücheroorrat Lessings nicht erschöpft, und die Verwertung von dessen Resten blieb einer dritten Versteigerung Vorbehalten. Auch für sie ist ein Verzeichnis veröffentlicht worden. Lessing war aller Büchersorgen ledig. Am 7. Mai 1770 trat er sein Amt als Bibliothekar an; am 14. Mai 1770 fand die letzte der Lessingoersteigerungen statt, und der, dessen Namen sie trug, durfte sich erleichterten Herzens bekennen: „Bücher kann ich nun am ersten entbehren.“ Tragischer Bibliophiles
weife unter regelrechten Fischplagen leiden, das heisst, dah die Vrandung dann und wann ganze Waggonladungen von Fischen an Land spült, die sich längs des Strandes zu hohen Wällen aEfchichten, in Verwesung geraten und ekelhaften Gestank verbreiten. Zu dieser Zeit ziehen die Bürger aus, um den silberschimmemden Llnrat in tiefe Gruben zu schaufeln. Häufige Begebenheit, trotz Seelöwen. Potwalen und kilometerlangen Vogelschwärmen.
Langsam schlingert bas Schiff der traurigen Küste zu. Ja. sie ist traurig mit ihren hohen öden Felsen, die kahl und schauer ich auf die See starren, nichts wächst auf ihnen, nicht einmal Gras oder Kakteen. Traurig scheint alles hier, traurig die See mit ihren schre mittigen Wogen, traurig dcr kümmerliche Hasen, der eigentlich nur ein Detonpier ist, der sich wie ein steifer Arm um ein Stückchen ruhiges Wasser gelegt hat, traurig auch die Salpeterstadt Antofagasta, deren Hol-zoaracken sich am Fuße der Atacamaberge hinducken, etwa als dürften sie nicht wagen, sich über den Erdboden zu erheben. Grau in grau verstauben die Gassen. Zwei, brei, Gotteshäuser Hrecken ihre Türme auf, als müssten sie Blitzableiter gegen drohendes Llnhnl sein. Es ist wirklich trostlos! Dabei scheint die Mittagssonne, aber nicht etwa gleißend und grell, wie weiter nördlich in Ecuador und Panama, nein, auch die Sonne ist krank hier, bleich steht sie hinter Dunstschleiern des fahlen chileni chen Winterhim- mels. sendet kaltes, neutrales Licht, das künstlich wirkt, wie eine Jupiterlampe im Filmatelier. Der Dampfer passiert ein Spalier spitzig gebogener Flossen von Schwert- und Haifischen...
Roher rüden die Berge, und nun entziffert man die weissen Striche an den Felsenwanden, de schon weit auf die Dee hinaus leuchteten. Mit ungeheuer grossen, unbeholfenen Buchstalen find Reklamen auf das Gestein geschmiert, wild und wahllos durcheinander, so etwa, wie man bei unS eine alte, brüchige Mauer mit hässlichen Plakaten bekleistert. Man kann sich diese SHakrei an den Bergen gut erlauben, hier regnet es niemals, hier, wo der südliche Wendekreis d.e Westküste schneidet. Kein Wunder, dah der Atacama böse dreinschaut, wenn man ihn so behandelt. Da stehen sie nun. diese Berge, hilflos und drohend, Litfaßsäulen für die Ewigkeit. „Fumare Reina Victoria" (raucht...) steht leuchtend weiß auf ihrer düsteren Stirn. „Jnstituto Fotografico" und „Hola Caballero Cafs Lucsik“. Mit Affichen solcher Art hat man es wirklich noch fertig-
fammengesetzt. „ Ä ,
Die Elfenbein-Miniaturen von Frau L. Becker- Emmerling (Darmstadt) dürsten vielen Besuchern nicht mehr unbekannt fein; es handelt sich um Porträts, z. T. von bekannten Gießener Per- sönllchkeiten; eine liebenswürdige, rokokohaste Kleinkunst, die heute wohl schon im Aussterden ist.
Die Ausstellung wurde gestern, Sonntagvormit- tag, dcr Oefsentlichkell übergeben. Der Vorsitzende des Kunstoereins, Landgerichtsdirektor Bücking, hieß die Erschienenen willkommen und führte sie mit einer Ansprache in das Werk der ausstellenden Künstler ein. hth.
und weil die hessische Wirtschaft, insbesondere in der Provinz Rheinhessen, noch heute stark unter den veränderten Grenzverhältnissen leidet.
Jedem Einsichtigen ist klar, dah für das besetzte Gebiet etwas geschehen muß, um zu verhindern, doh dieses Gebiet und insbesondere Städte wie Mainz, Worms usw. auf Iahre hinaus in_ der (Snttoixflung zurückgeworsen werden und Schaden erleiden, die spater vielleicht, überhaupt nicht mehr gutzumachen sind. Wenn jedoch jetzt infolge dcr schwierigen Finanzlage des Reiches etwa nicht die erhofften Beträge zur Verfügung gestellt werden können, so muh Hessen einen.stärkeren Anteil an den möglichen Bewilligungen unbedingt erwarten.
Heber ein Viertel des Staatsgebietes und über 36 Prozent der hessischen Gesamtbevölkerung entfallen auf das besetzte Gebiet. Bekannllich war dos besetzte Gebiet der fortgeschrittenste, am dich- iLsten bevöllerie und leistungsfähigste Teil des Londes. Umfang und Wert des besetzten Gebiets, vor allem aber die räumlich und wirtschaftlich sehr enge Verbundenheit des unbesetzte n 5) essens mit dem besetz tenGe- 6 ie t haben zur Folge, daß das gan^ze Land unter den Folgen der Besetzung und oes Ruhr» kainpfes zu leiden hat. Man muh sich den hierdurch hervorgerufenen großen Llnterschied der , hessischen Verhältnisse gegenüber den preußischen und bayerischen, wo die besetzten Gebiete verhältnismäßig nicht annähernd diese Bedeutung haben, immer wieder vor Augen führen. Die Kräfte und Hilfsquellen des Heffenlandes sind in ihrer Gesamtheit betroffen und gelähmt. Die Folgen der Besetzung sind hx Hessen besonders groß, weil das hessische Gebiet die stärksten Desatzungsla sten zu tragen bat. Fast 28 Prozent der gesamten De- -i sahungstruppen stehen in Hessen, gegenüber einem Anteil des hessischen besetzten Gebiets an ter Gesamtbevölkerung der besetzten Gebiete von nur 13,1 Prozent. Auf 10 000 Einwohner kom- nten im besetzten Hessen 385 Desahungsangehö- rtge, in der Pfalz deren 160 und im preußischen besetzten Gebiet 137. Roch stärker ist der hessische Anteil an den Beschlagnahmungen. Denn es entfallen z. B. 30 Prozent der sämtlichen beschlagnahmten Dürgerwohnungen auf das besetzte hessische Gebiet. Geraden katastrophal sind bekanntlich die Folgen der Besetzung für die größte tesfische Stadt, für Mainz. Keine andere be- |eilte Stadt hat so stark gelitten, ist in gleichem Maße auf Jahrzehnte zurückgeworfen worden wie diese Stadt. Zu diesen Besetzungsnöten gesellen sich, wie schon erwähnt, die durch die neue Grenzziehung im Westen des Reichs verursachten schweren wirtschaftlichen Schädigungen.
Das unbesetzte Hessen gehört zu einem großen Teil in die sogenannte 50-Kilome-
Oberheffischer Kunsiverein. s
Die gestern eröffnete neue Ausstellung des Ober- hessischen Kunstvereins am Brandplag vereinigt eine kleine Anzahl teils hessischer, teils auswärtiger Künstler und Künstlerinnen. Die Einheimischen dürften den ständigen Besuchern von früher her bereits bekannt fein. Im übrigen sieht man vorwiegend Malerei, dazu elliche Graphik und einige Miniaturen.
Oskar Achenbach (Runkel) erscheint in erster Linie als Landschafter, hat aber zwischen den Freilichtstücken ein gutgemaltes, derbes Bauernporträt Höngen, unferm Empfinden nach das beste Stuck, dos'er zeigt. Von den Landschaften fällt der eigenartigen Technik wegen — es handelt sich da um aquarellierte Lithographien — eine Runkeler ^luß- portie mit Brücke besonders auf; doch war u. E. die dreifache Absvandlung des gleichen Motivs ein wenig glücklicher Einfall. Etliche frische, luftige Rheinland- i(haften und ein toniges, obwohl räumlich ein wenig verwischtes und gedrücktes Stadtbild von Diez feien noch erwähnt.
Käthe Spen gel, Hamburg, zeigt eine Anzahl klarer Aquarelle, Werft- und Sch ffsmotioe, etwa in Kallmorgens Manier; alles für Aquarellmalerei sehr exakt und mit linearen Betonungen ohne Wischer vorgetragen; nichts ist verfließend oder auf- gelöst. Die Dünenbilder geben ähnliche Eindrücke; ein Hamburger Stadtbild, hell und locker gemalt; ein Kirchen-Interieur; ein dekoratives Blumenstück.
W e b e r ° T y r o l (München) ist mit einer großen Landschaft vertreten: „Achensee"; Oelbild. Talentiert, mit frischen Zugriff, schnell aufgetragen. Das Ganze etwas abrupt und und unvermittelt, ungefähr int Stil der späten Walchensee-Bilder von Corinth.
Ein großer Teil der Ausstellung ist den Bildern des hier bereits bekannten hessischen Malers L e n z (Erdhausen) eingeräumt. Er ist seit den letzten grösseren Ausstellungen entschieden gewachsen; die Kollektion gibt ein aufschlußreiches Bild von seiner gediegenen, ganz im Heimatlichen wurzelnden, bodenständigen Malerei. Neben den sicher gesehenen, tüchtig komponierten und trocken gemalten Land- schaftsmotioen sieht man großangelegte Genrebilder, Siraßenszenen etwa im Sinne Bantzers, volkstümlich, lebendig, gegenständlich, episodisch erzählend, aufgegriffen aus dem ländlichen Alltag. Wir nennen die „Klatschbasen", den farblich und figürlich sehr sauber komponierten „Kuhhandel", den „Schimmel" und die „Kirmes". Zeichnungen und Aquarelle ergänzen die Kollektion.
das Leben Lessings, des leidenschaftlichen Kämpfers aus Wayrhsitsfanatismus, des Bücherenthusiasten aus Erkenntnisdrang, des Menschen, bem das Geschick die Siege aus den Händen wand. Auch der Büchersammler Lessing ist eine tragische Figur. 3n dem verdienstvollen dreibändigen Werke
Die großen Bibliophilen", das G. A.E. Bogen g i'm Jahre 1922 veröffentlicht hat (Verlag von E. A. Seemann, Leipzig), ist ihm in dieser Eigenschaft eine eingehende Darstellung gewidmet, der wir in gedrängter Kürze nun das Wort geben. Die Be- kesenheit Lessings entsprang der Leidenschaftlichkeit seiner Wissbegierde, und ihr entsprach in seinen früheren Jahren auch das Bemühen um den Besitz einer eigenen gewählten Büchersammlung. Die ,.ge° wisse Ueberzeugung des Leipziger Studenten, „daß sein ganzes Glück in den Büchern bestehe", wandelte sich freilich zuerst, als er in den Neuberschen Theaterbann geriet: „Ich lernte einsehen," so schrieb er am 20. Januar 1749 an die Mutter, „die Bücher würden mich wohl gelehrt, aber nimmermehr zu
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Mission, ankenbach verkauft im m Angebots folgendes chten-Stammho^m ieftrn. , . 54,47 hn 144,80 , 81Z - 18,06 , 4;4 , 3,61 ,
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ist mit einem Menschen machen." Aber mit der notgedrungenen Uebersiedelung nach Wittenberg erwachte die Bücherlust von neuem, und der allzu beeilte Büchererwerb trieb ihn in Bücherschulden. Nach einem halben Jahre schon mußte er, nach Berlin fliehend, die kleine Prioatbtbliothek in der Lutherstadt zurücklassen. Der Vater löste die Bücher aus, um dem


