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Nr. 298 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhesien)

Zreitag, 20. Dezember (929

Das oberschlesische Menetekel.

Deutsche Stimmen in Kattowih: 1921:86%, 1929: 40%!

Don unserem W. dl.-Berichterstatter.

(Bachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Kattowih, Drzrmber 1929.

Dach zweijähriger Mißwirtschaft ist jetzt in Groß-Kaitowitz wieder e n ordentliches Stadt­parlament gewählt worden. Die Kattowiher Stadtverordnetenwahl hat ebenso wie die vor­angegangenen Wahlen in den Landgemeinden eine völlige Niederlage der Regie­rungspartei ergeben. Don den 60 Stadt- verordnetensihen in Kattowih hat die Regie­rungspartei nur 13 errungen. Die übrigen 47 Mandatsinhaber gehören restlos der Opposition gegen die jetzige Regierung an. Don den polni­schen Parteien ist als stärkste Gruppe aus dem Wahlkampf der Korfanty-Block hervor­gegangen, der zusammen mit der ihm nahe­stehenden Rationalen Arbeiterpartei 18 Mandate errungen hat. Korfanth hat in der ersten großen Wahlschlacht über Grezinski, den berüchtigten Wojewoden, gesiegt. Die Kommu­nalwahlen, die in mehreren Etappen jetzt in Ostoberschlesien durchgesührt wurden, waren aber nur das Probeexempel für die bevorstehenden großen politischen Wahlen, insbesondere für die Neuwahl des seit Februar aufgelösten schlesi­schen Sejm. Der Kampf zwischen Kor­fanth und Grazhnski ist nochnicht be­endet, die Entscheidung wird erst falley.

Das Deutschtum ist bei den Kattowiher Kommunalwahlen in zwei Gruppen, in der bürgerlichen deutschen Wahlgemein­schaft und der deutschen Sozialdemo­kratie, ausgetreten. Don den deutschen Sozia­listen wurde ein Bündnis mit der deutschen Wahlgemeinschaft abgeiehnt und eine Listen­verbindung mit den polnischen Ge­nossen eingegangen! Die scz'alistische Taktik ist auch bei den Kattowiher Stadiverordneienwahlen fortgesetzt worden. Die Strafe für schmutzige Presseangriffe gegen den deutschen Dollsbund und auch die deutschen Katholiken ist nicht aus­geblieben. Die deutschen Sozialisten haben eine gewaltige Niederlage erlitten. Die Listenverbindung mit den polnischen Genossen hat ihnen nichts eingebracht. Das Geschäft ha­ben dabei die polnischen Scz'aldemokraten gemacht, die durch die Listenverbindung ein Mandat gewonnen und damit insgesamt drei bekommen haben, während die deutschen Soz'cll- dempkraten nur zwei Sitze erhielten. Bei der letzten Wahl im November 1928 hatten sie fünf Dkandate. Der Stimmenrückgang der deutschen Sozialisten beträgt mehr als 30 Prozent.

Die Deutsche Wahlgemeinschaft, die alle bürgerlichen deutschen Parteien z isammen- faßt, hat an der Stimmenzahl lediglich einen Rückgang von etwa 12 Prozent er­litten. Dieser Stimmenrückgang war von vorn­herein zu erwarten, da in den letzten Jahren viele deutsche Familien aus Kattowih a u s g e - wandert sind bzw. von den rücksichtslosen Polonisierungsmaßnahmen durch wirtschaftliche und persönliche Schikanen aller Art dazu ge­zwungen wurden. Trotz dieser unter den gegebe­nen Verhältnissen an und für sich geringfügigen Stimmeneinbuße hat die Deutsche Wahlgemein- schaft nur 22 Stadtverordneien-Mandate erhalten und gegenüber 1926 insgesamt sieben Sitze verloren. Der Mandatsverlust ist also ver­hältnismäßig bedeutend höher als der Stim­menverlust.

Diese Tatsache hat ihre besonderen Ursachen. Die -Zahl der Wahlberechtigten ist in Kattowih von 1926 bis 1929 um über 7C00

Rückkehr zum Geist.

Von Werner Dock.

Fabriken und Hochhäuser speien allabendlich glanzlose Jugend aus. Sie drängt sich an den Byettannahmestellen und vor den Kinos. Sie kreischt bei Boxkämpfen und Sechstagerennen. Sie tanzt in Cafes und Dielen zur Jazzmusik und bläst während der Pausen Ringe in die Luft, Gleichnisse alles Heutigen: hohl und flüchtig. In den Händen vieler Jungen liegt der letzte Sport­bericht wie eine heilige Schrift, vor einem Acht- zhlinder erschauern sie wie ihre Dorfahren vor einem gotischen Dom.

Ein paar Schritt neben dem Großstadttrubel, umbraust von unablässigem Geschrei, Getute, Ge­klingel, Gewoge, schläft ein kleiner Friedhof aus vergangenen Tagen. Auf den Steinen verwittern Namen, die wie Glockenklang frühere Geschlechter durchbebten. Wem bedeuten sie in dieser Zeit mehr als eine fahle Erinnerung ? Haben die Feuer großer Herzen und Geister umsonst geglüht, ist ihre metaphysische Spur ausgelöscht in einer Menschheit, die nur noch anbetet, was sichtbar ist? Während mein Blick über die Gräberreihen streift, gewahre ich ein schlichtgekleidetes junges Mädchen, das von Stein zu Stein schreitet. Ein- yend steht die schlanke Gestalt jedesmal eine Weile still, bevor sie sich mit einer andächtigen Bewegung herabncigt und hier und dort eine Dlume niederlegt. Auf einmal weiß ich, daß die Saat jener Schweigenden doch noch irgendwo wei­terkeimt. And von dieser Stunde an ist es mir, als ob eine dämonische Hand mich immer wieder mit jungen Menschen zusammenführte, die in aller Unerbittlichkeit unseres Zeitalters nicht verhär­tet, in aller Kälte nicht erstarrt sind. In ihrem Antlitz wohnt nicht das leere Lächeln derer, die genügsam das Leben wie eine Laufbahn (Kar­riere") zwingen wollen. Don ihrer Stirn weht der Hauch der Einsamkeit, aber in ihren Augen unö um ihren Mund strahlt die heitere Freiheit derer, die um das älnvergängliche in Menschen und Dingen wissen.

Da ist eines Großkaufmanns einziger Sohn, dem ich auf einer Hochgebirgswanderung begeg­nete. Leichter als im Dunst der Ebene taut un- term Licht der Gletschersonne die Seele. älnd so öffnete sich mir ein junger Mensch, der mit leiden- schafllichem Ernst den Kampf mit der nüchternen Umwelt, dem selbstsüchtigen Dater, der dem All­tag verhafteten Mutter durchsicht, um das aus sich zu gestalten, wozu ihn seines Wesens Kem verpflichtet. Wie enttäuscht er Eltern und Mit­bürger: niemals wird er die Leitung des Han­

ge stiegen. Di.se 7700 neuen Wahlberechtigten muß man zveifelsohne den polnischen Parteien zurechnen, denn sie stellen den Zuzug nach Kattowih aus den östlich-polnischen Gebieten dar. Durch die E.-Höhung der Zahl der Wahlberechtigten ist auch der Quotient höher geworden, der jetzt für den Erwerb eines Stadt- Verordnetenmandats notwendig ist. Bei der klei­nen Stimmeneinbuße auf der einen Seite und der Erhöhung des Wahlquotienten auf der an­deren Seite wirkte sich der Derlust der Deutschen Wahlgemeinschaft bei der Mandatsverteilung wesentlich stärker aus als bei der Stimmenzehl. Trotzdem ist die Deutsche Wahlgemeinschaft mit 22 Mandaten nach wie vor die stärkste Partei im Kattowiher Stadtparlament ge­blieben. Bon den Deutschen müßte daher nach den sonst im Kommunalleben üblichen Gewohn­heiten sowohl der Stadtverordneten-Dorstehar als auch der Oberbürgermeister gestellt werden. In Polen kümmert man sich selbstverständlich um solche Gepflogenheiten nicht, ga z abgesehen davon, daß nach den Vorankündigungen der polnischen Regierungspresse auch das neuge­wählte Stadtparlament, sofern seine Beschlüsse den Wünschen des Wojewoden nicht entsprechen sollten, baldigst wieder aufgelöst und durch von der Regierung ohne Rücksicht auf den in den Wahlen z im Ausdruck gekommenen Willen der Bevölkerung ausgesuchte kommissarische Ver­treter abgelöst wird.

Insgesamt haben die Deutschen Deutsche Wahlgemeinschaft und deutsche Sozialisten 22 131 Stimmen von 53 475 abgegebenen gütigen Stimmen erhalten. 40 Prozent der Be­völkerung von Groß-Kattowih mit den gro­ßen eingemeindeten Arbeitervierteln hat dem­nach deu sch gewählt Dies ist ein sehr beachtens­werter Erfolg. Das Deutschtum hat bei den Kattowiher Wahlen das erreicht, was überhaupt bei verständiger Beurteilung der Lage zu er­warten war. Bei der hemmungslosen Pvlonisie- rungswut und dem starken Z z:g aus den polni­schen Ostgebieten, insbesondere auch von polni­schen Juden zum erstenmal werden in das neugewählte Kattowiher Stadtparlament zwei polnisch-jüdische einer eigenen Liste einziehen ist das Wahlergebnis der Deutschen durchaus befriedigend.

Die polnische Regierungspresse schreit na'ürlich Sieg und versucht die Niederlage der Regie­rungspartei durch Frohlocken über das Drechen der deutschen Mehrheit von Kattowitz zu ver­tuschen. Die deutsche Mehrheit, die die letzte Kommunalwahl im November 1928 noch ergab, ist allerdings tatsächlich nicht mehr vorhanden. Bei der Volksabstimmung am 20.März 1921 stimmten in Kattowih 86 Proz. deutsch. Im November 1926 wählten noch 51 Prozent der Wähler deutsch, bei den Sejm- und Senatswahlen im Mcllz 1928 nur noch 47 Prozent und jetzt bei den Stadt­verordnetenwahlen im Dezember 1929 nur noch 4 0 Prozent. Wenn das jetzige Ergebnis an sich in Berücksichtigung aller Tatsachen gut ist, so tarnt selbstverständlich der fortschreitende Rück­gang der Deutschen in der Verhältniszahl zur Gesamtbevöllerung nicht verheimlicht werden. Die Arbeit des Deu'schenhassers Graztznski zeigt ihre Erfolge. Der Rückgang des Deutschtums ist in erster Linie sein Derdienst, aber auch eine Reihe anderer Umstände haben diesen Entwicklunas- prozeß von außen her beschleunigt. Der Völ­kerbund, der nach dem Genfer Vertrage der Schützer der deutschen Minderheit in Ostober» delshauses übernehmen, für das er geboren schien! 2loer er wird seine Bestimmung erfüllen als einer jener Aerzte, die tief hinter die Wand des Kör­pers schauen und zu heilen vermögen, wo tausend Mittel versagen.

Da ist der Bauernsohn, der mir auf einer nächtlichen Eisrnbahnfahrt fein Schicksal enthüllte. Don der Geruhsamkeit der Scholle trieb es ihn fort über die Meere, und im fremden Erdteil ent­deckte er plötzlich die Heimat in sich selbst. Dun sitzt er über den Büchern und pflügt mit der ganzen unverbrauchten Kraft seines Stammes die Felder der Wissenschaft, wie er ehedem den Acker dahcim durchfurchte. Ich sehe den starken Menschen vor mir, wie er in ein paar Jahren als Lehrer und Führer immer neue Scharen be­geistern wird, die sich rnitreißen lassen von der gesunden Ursprünglichkeit seiner Gedanken.

Nie werde ich den jungen Drogisten vergessen, der in stillen Stunden Spinoza liest. Im Halb­dämmer des Ladens leuchtete sein Gesicht, als er von der Einheit des Geistes mit der Natur sprach, von der unzerreißbaren Gesetzmäßigkeit alles Seins und der Liebe zum Göttlichen. And nicht minder bleibt mir der jugendliche Nacht- Portier im Gedächtnis, der mir sagte, er beher­berge in seiner bescheidenen Klause einen er­lauchten Gast, und dabei auf ein paar Bände Shakespeare im Urtext wies, die sich von Frem­denlisten und Adreßbüchern merkwürdig feierlich abhoben. Der Telephonistin gedenke ich, deren literarisches Feingefühl den Buchhändler be­schämte, der Krankenpflegerin, die, ohne je in Flo­renz gewesen zu fein, jebe Nische der Affizien kennt, des Gärtners, der sich abends an Homer erbaut, des Soldaten, der mit Hannibal und Caesar vertraute Zwiesprache zu halten pflegt.

Tag um Tag mehrt sich so vor mir der Reigen: 2unge vom Land, Junge aus den Städten, Junge aus Herrenhäusern, Junge aus Mietskasernen, die gleichermaßen ungebeugt von den Lasten un­serer Zeit, unberührt von der Niedrigkeit und Geschäftigkeit der ilmlebenben mit festem, unauf­haltsamen Schritt die verlorene Welt des Geistes zurückerobern.

Melodie des Herzens."

Ein neuer deutscher Tonfilm.

Berlin, im Dezember.

Mit dieserMelodie des Herzens" hat der deutsche Tonfilm endlich fe.ne Kinderkrank­heiten überwunden. Während die Fortschritte auf neuen Gebieten immer nur sehr zögernd gemacht werden, hat dieser neueste Tonfilm mindestens einen gewaltigen Sprung vollführt, weil er zu

schlesien fein sollte, hat bei allen deutschen Be­schwerden völlig versagt und den polnischen Re­gierungsstellen in ihrem rüäsfchts.osen Kampf gegen des Deutschtum freies Spiel gelassen. Aber auch von dem deutschen Muttcrvolk ist bie deutsche Minderheit in Ostoberschles en in dem Kampfe um ihre Er ste. z>..-auptung nicht so unterstützt toor.en, wie es yotwend.g ge­wesen wäre. Das Deutsche Reich hat bei der Fülle der eigenen Sorgen im Rahmen der Der- ständigungs wlilik nicht die Krall gehabt, um in Genf dafür z t sorgen, daß die Rechte der deut­schen Minderheit in Ostoberschlesien nicht nur auf dem Papier der Verträge stehen, sondern auch durch Maßnahmen des Völkerbundes i n praxi gesichert werden. Preußen, das in­direkt durch das Verhallen gegenüber der pol­nischen Minderheit in Preußen auch für die Interessen der deutschen Minderheit in Polen arbeiten konnte, hat den Polen in den preußischen Gebietsteilen alle Rechte gegei en. ohne irgendwie Sicherungen dafür za schaffen, daß auch um­

gekehrt von polnischer Seite, auf bet immer das Recht der Gegenseitigkeit betont wird, die deutsche Minderheit ebenso behan­delt wird, wie die polnische in Preußen. Man hat von Preußen und spä.er auch vom Reich, von dem die gleiche Minderheitenpolitik getrieben wird, alle Trümpfe aus der Hand gegeben, ohne für die eigenen DolLgenosfen im Ausland« zu sorgen.

Die Wahlzahlen von Kattowih. die die Folgen der Schutzlojigkeit und Preisgabe des Deutsch­tums in Ostoberschlesien zeigen, sind ein Mene­tekel für die Zukunft. Man wird sich auf deut­scher Seite hüben wie drüben prüfen müssen, ob die bisherige deutsche Politik gegenüber Polen weiter am Platze ist. Roch ist Kattowih zu 40 Prozent deutsch, noch ist nicht alles verloren. Aber ein energisches Auftreten so wohl von der deutschen Minderheit als auch von den reichs­deutschen Regierungsstellen gegenüber Po'en er­fordert der deutsche Selbsterhaltungstrieb in Ost­oberschlesien.

"*' 11 '- ......

Tumen, Sport und Spiel.

D. f. B.

Die Ligamannschaft verlor vor vier Wo- chen das Derbandsrückspicl gegen F. D. Wallau auf dortigem Platz mit 2:4. Der Plahverein hatte jedoch in diesem Treffen einen Spieler Mit­wirken lassen, der am Sonntag vorher vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen worden und deshalb gegen V. f. B. nicht spielberechtigt war. Der Tezirks-Fußba.l-Sachoearoeiter hat nun, wie in denoffiziellen Bekanntmachungen aus dem Bezirk Hessen-Hannover im Westdeutschen Spiel­verband" veröffentlicht wurde, entschieden, daß das Spiel als für Gießen gewonnen gilt. Somit rerhält V. f. B. auch die beiden Punkte zugespro­chen und führt jetzt bei neun abgetragenen Spie­len mit 15:3 Punkten vor Lckershausen (10 Spiele 14:6 P.),Germania" Marburg (9 Spiele, 12 P.) und Spielvereinigung Gießen (8 Spiele, 10 P.). Die Stellung des Tabellenführers ist damit we­sentlich verbessert worden. Am kommenden Sonn­tag gilt es für ihn, den Torsprung zu vertei­digen. Er hat auf eigenem Platz den F. D. Breidenbach zum Gegner. Dieser steht z. Z. an letzter Stelle der Tabelle, hat allerdings erst acht Spiele ausgetragen. DaS Vorspiel auf dor­tigem Platz endete nach scharfem Kampf mit einem verdienten 5:3-Sieg Gießens. Die Auf­stellung der Einheimischen wird wahrscheinlich die gleiche sein, wie am vergangenen Sonntag. Nach ihrem glänzenden Abschneiden in den drei Gesellschaftsspielen gegen die tUniversitätsmann- schaft (15:0),Kurhessen" Kassel (0:0) und V.f.B. Weidenau (1:1) und den dabei gezeigten Lei­stungen zu urteilen, sollte man ihnen auch gegen Breidenbach einen Erfolg zutrauen können. So ohne weiteres wird sich dieses allerdings nicht geschlagen bekennen. Die Gäste haben wohl nichts zu velierren, da ein Abstieg für sie nicht in Frage kommt, immerhin werde nsie alles daran­setzen, um ihre Tabellenstellung doch noch etwas zu verbessern, um sich wenigstens vor ihren Nachbarverein Wallau zu sehen. Was der Mann­schaft an technischem Können mangelt, versteht sie durch großen Eifer und Ausdauer fast wieder auszugleichen.

Die 2.Mannschaft steht vor einer schweren Aufgabe. Sie muß zum fälligen Verbandöspiel nach Wetzlar. Die gleiche des Wetzlarer Sportvereins ist wohl ihr stärkster Gegner und wird ihr kaum beide Punkte überlassen. Zum Vorspiel auf hiesigem Platz trat Wetzlar damals nicht an, und es wird sich nun doppelt anstrengen, den Ver.ust wirdcr elnzuholen. V. f.D. muß schon in besonders guter Formsein, wenn er bas für ihn sehr wichtige Spiel gewinnen will.

Die 3. Mannschaft empfängt zum Ver­band f 3ul ihren Lokalgegner, die 3. Mannschaft der Spielvereinigung. Sie wird ebenfalls alle Mühe haben, das Treffen für sich zu ent­scheiden. Eine Niederlage ist ebensogut möglich scheiden. Eine Niederlage ist ebensogut möglich, wie ein knapper (Sieg.

(Spielvereinigung 1900 Gießen.

o. Nach einem Ruhesonntag trägt 19008 Liga am kommenden Sonntag ein Gesellschafts­spiel aus. Die Reise fütjrt diesmal in8 Siegerland. Gegner ist der Ballspiel- C l u b Siegen, der in der zweiten Klasse Südwestfalens eine führende Rolle spielt. 1900 wird dieses Treffen Umftänöe halber nicht in stärkster Besetzung bestreiten. Die Mannschafts­wahl ist jedoch so getroffen, daß mit einem gün­stigen Abschneiden der Gießener, die erfahrungs­gemäß auswärts immer zu besonderen Taten befähigt sind, gerechnet werden kann.

Das vereinbarte Alte - Herren - Spiel kann leider nicht zum Austrag kommen.

.1900'3 vierte Mannschaft hat Daub- ringens zweite Elf im Derbandsspiel hier öum Gegner und dürfte, bei Aufbringung der nötigen Energie, s icherer Sieger bleiben.

Handball der Sp.-Vg. 1900.

ö. Am kommenden Sonntag haben die 1900er zum Austrag ihres zweiten Spiels um die Bezirks­meisterschaft die Reise nach Kassel anzutreten. Ihr Gegner ist der bekannte SportvereinKur- fsessen". Die Kurhessen sind der diesjährige Mei­ster der Kasseler Gruppe und dürfen als die spiel- stärkste Mannschaft des Bezirks angesehen werden. Die Spielweise der Elf ist ganz auf Erfolg abgestellt und dadurch härter, als die der sonst mindestens gleichwertigen Hessen-Preußen. Die Kurhessenmann­schaft schlug am vergangenen Sonntag im Bezirks- Meisterschaftsspiel den S. C. 05 Göttingen 12:0. Auch die Spielvereinigungsleute werden einen äußerst schweren Stand haben und sich dem ausgereiften Können der Kassclaner beugen müssen. Die Gieße­ner Mannschaft wird das Treffen mit dem wieder spielberechtigt erklärten Torwart, im übrigen mit der Mannschaft des Borsonntags bestreiten. Es ist an­zunehmen, daß die Hintermannschaft wieder ihrer Aufgabe gerecht wird: dem Sturm soll noch einmal Gelegenheit gegeben werden, zu beweisen, daß er sich besser durchzusetzen vermag, als dies seither den Anschein hatte bzw. der Fall war.

Fußball in Heuchelheim.

Nächsten Sonntag spielt die erste Els de« Sportvereins gegen den D. f.R. Bu tz-

allerlei Anfängen den Mut hat. Man kann, denn auch dieser Tonfilm wurde schon b:r einem halben Lahre begonnen, nicht wissen, wie er nach einem Jahre gewertet werden wird, aber man kann sich daraus vorstellen, daß er in der Geschichte des deutschen Tonfilms, die ja doch einmal geschrie­ben werden wird, seinen eigenen Platz erhalten wird.

Der Regisseur Hans Schwarz er ist von derUngarifqjen Rhapsodie" her bekannt hat sich zunächst wieder als der kultivierte Bild­ner des volllichen und landschaftlichen ilngarn bewährt: er sieht auch hier Gebenden, Städte, Dorswinkel, Idyllen, Puftaherden, Jahrmärkte und Radauplähe mit dem Blick des Maler 3, tee Weite, Atmospäre und Eigenart der Objekte er­kennt, er hat entzückende und ergreifende optische Regieeinfälle, w'e es überhaupt einer der Vor­züge ,des Tonfilms ist, daß man ihn nicht nur als akustische Er'cheinung nehmen kann, daß man auch seinen bildlichen Gehalt werten muß, der bei den bisherigen deutschen Tonfilmen (auch bei den uns belannten amerikanischen) stets hinter dem Phänomen des Tonet! zurücktrat. Hier ver­einigen sich, soweit man sieht, zum ersten Male Die Erscheinungen des Bi.des und des Son3 zu dem organif^e.x Ganzen eines Tonfilm 3. Diesem ganzen Komplex eingeordne. ist die Fabel des Spiels, ein Stück ungarisches Del sieben, schlicht, beinahe unauffällig und liedhaft, anspruchslos und zurückhaltend. Das Bauernmädchen Julia kommt nach der großen S.adt Bubapest, wo sie die Liebe kennen lernt: eine bittere Erfahrung an der sie zeroricht, so daß sie ins Wafer geht- denn auch zu diesem herben Ende findet der Film den Mut, und es erweist sich, daß das Fehlen eines happy end keinen Mangel bedeutet.

Immerhin: wir sehen ja heute einen Tonfilm doch mehr auf das Akustische als auf das Dild- unb Handlungsmäßige hin an. Auch auf diesem nocy sehr problematischen Gebiet zeigt bet neue Slim ben Mut zum Wagnis, der in kurzer Zeit vielleicht nicht mehr viel. bedeuten wird, heute aber durchaus anzuerlennen ist. Man wagt et, die Möglichkeiten der Apparatur zu zeigen, ohne sie sinnlos zu martern und ihr Wirkungen zu entlocken, die sie vielleicht heute noch nicht geben tann. Das geschieht mit Mut, aber auch mit Zurückhaltung und viel Geschmack, denn die akusti­schen Elemente stehen niemals protzenhaft für fid) allein da, sie gehen aus dem Filmischen hervor und ergänzen es auf sehr glückliche Art.

Die synchronisierte Musik also der Ersah der bisherigen Filmorchester - ist vorhanden, aber sie wirb doch schon beinahe burch eine andere verdrängt, die aus der Situation selbst entsteht.

Wenn die j unge Julia nach Budapest einfährt, hören wir das Rollen de 3 Zuges, das Dröhnen der Räder, das Anziehen der Bremsen. Wenn sie die ersten Schritte in die große Stadt tut. vernimmt man die Geräusche der Straß en rahnen, die Schritte vieler Menschen, den Lärm der Straße. Julia ist in der Küche allein, und durch die Stille dringt die Musik ei: e3 Leierkastens: auf Dem ländlichen Bauernhof gackern und schreien die Gänse: in Gartenlokalen wird getanzt, die Zigeuner geigen, die Honvedmusketiere singen ihre einfachen Soldatenlieder, von denen da« eitzeBin kein Hauptmann, bin kein große« Sier" sicherlich bald von allen Grammophon­platten tönen und auf allen Straßen ge'ungen werden wird: es hat der Tell des Films ist von Hans S z e k e l y , die Musik nach ungari­schen Motiven von Werner R. Heymann jenes unbestimmte EtwaZ, was AlJvlson« Sonny doy" populär gemacht hat der Ton­film erweist sich als eine schlagerbildende Macht.

Akustisch und bildlich gut gelungen sind die Episoden im Lärm und Tabaksdunst der Kneipen, und wenn der Honvedmus.'etier das Lied singt: Sieben Sterne hat der große Bär, Mädel reich' mir deine Hände her..weht aus dem Zu- fammenflang von Melodie, Geräusch und Bild doch eine so starke Wirkung, daß das Publikum sich des lebhaftesten Befallsbei offener Szene" picht enthalten kann, älnö in diese Steigerungen sind die leisen, stummen Idyllen eingelegt; der Film wagt es. stumm zu werden und allein bas -Bilb für sich reben zu lassen, und er wagt e« auch, einmal eine <3;ene ganz unfilmischer Be­haglichkeit und Breite einzustreuen: es ist die, in der sich zwei Bauern bei Tabak und Schnaps über die Heirat ihrer Kinder unterhalten: und diese eine kleine Episode birgt in ihrem ganz eigenen Stil schon allein viele Möglichkeiten: für künftige Tonfilmkomödien. Das gesprochen» Wort wird noch sparsam verwendet, aber auch hier ift, von der technischen älebermittlung ab­gesehen, ein Stil gesundem zum wenigsten an- gebeutet.

Willi Fritsch spielt ben Honvedmuskotier, toie immer, hübsch und jungenhast-nett: Dita a r l o als Heines MädHen vom Lande: eine hervorragende schauspie erische Leistung. Da« Publikum geht nicht nur mit, es ist am Ende eoenso gerührt wie nur je bei Al Jolson Noch hat kein deutscher Tonfilm diese Wirkung er-

.weil es bisher eigentlich noch feinen gab. Mit derMelodie des Herzens" ist er, durch Sans Schwarz und seinen Produktionsleiter Erich Pommer, ins Dasein getreten.

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