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Militärs den künftigen Herrscher mit sudelndem Zuruf begrüßen.

Etwas anders wird schon der Eindruck, sobald man sich in das schöne StrandcafL setzt und die jugoslaoischen Zeitungen überfliegt, die eine seltsam ruhige und gemäßiate Sprache führen, eine Sprache, die doppelt überrascht, wenn man sich an die lei­denschaftlichen Auslassungen und Angriffe erinnert, die noch im Vorjahre fast alle Spalten der Presse füllten.

Damals tobte noch der Parteikampf, der Jugo- slavien an den Rand des Abgrundes gebracht und den König schließlich zu dem Entschluß genötigt hatte, die Führung der Staatsgeschäfte in seine Hand zu nehmen, in voller Stärke, damals litt alles unter der quälenden Gewißheit, daß es auf diese Weise nicht lange mehr weiter gehen könne heute herrscht die Diktatur und mit ihr die Zensur. Gewiß die Gemüter stellen unter einem gewissen Druck, aber dieser begreifliche Druck ist nicht so spürbar.

Man hat, wenn man heute durch Iugoslaoien reist, den Eindruck, daß sich, natürlich unter gewis­sen Nötigungen, eine Wendung zur größe­ren Ordnung vollzieht. Der wüste Kampf der Parteien ist verstummt, in der vor­mals zerrütteten Verwaltung vollziehen sich erfreu­liche Wandlungen, und wenn auch unter der glat­ten Oberfläche der Kampf zwischen den Serben und Kroaten weiter geht, wenn man auch in Agram mit Zähneknirschen die strengen, aus Bel- grab kommenden Verfügungen zur Kenntnis nimmt, so sieht man doch ein, daß dieser Weg, der Weg der Diktatur, notwendig war, um die Einheit des jungen Königreiches der Serben, Kroaten und Slovenen zu wahren. Der kühne Staatsstreich des Königs im vergangenen Winter hätte gefährlich werden und unter Umständen den Bestand der Dynastie verruchten können. Daß dies nicht geschah, daß Alexander trotz der Diktatur und ihrer nicht wegzuleugnenden Härten auch weiterhin di« Sym­pathien seiner Völker genießt, beweist, daß er

richtig gehandelt hat, beweist auch, daß man den persönlichen M u t des Königs, alle Ver­antwortung auf sich zu nehmen, bis wieder die Staatsordnung in vollem Umfang gewährleistet ist, zu schätzen und zu respektieren weiß.

Ob die Kroaten und Serben jemalszusammen­kommen" werden, ist eine Frage, die nur die Zu­kunft beantworten kann. Die Kroaten sind unzwei­felhaft das kulturell höher stehende Element, der am meisten westlich orientierte Dolksstamm des Landes. In allen steckt aber auch ein unbändiger Drang zu politisieren, an den Staatsdingen in irgendeiner Weise mit Temperament und Leiden­schaft teilzunehmen. Sie treiben gewissermaßen die Politik als Passion. Darum empfinden sie auch die gegenwärtige Diktatur weitaus härter als der serbische Teil der Bevölkerung, der schon etwas von dem orientalischen Fatalismus in sich trägt und aus dem Vergleich von einst und jetzt keinen Unterschied im Wohlergehen des Einzelnen, eher eine Wendung zum Besseren erkennt, weil der ganze Staatsapparat heute exakter und zuver­lässiger arbeitet. Die derzeitige Regierung bemüht sich augenfällig, die bestehenden Gegensätze zwischen Kroaten und Serben durch eine Politik auf lange Sicht allmählich zu überbrücken (weshalb man auch nicht annehmen kann, daß der Diktatur in Iugoslaoien nur eine kurze Lebensdauer beschie- den ist), sie hat ihre Aufmerksamkeit vor allem der Heranwachsenden Jugend zugewendet und sucht durch Austausch serbischer und kroatischer Schüler und durch großzügige Jugendorganisationen das gemeinsame Staotsgesühl zu stärken und zu befe­stigen.

Von diesen Dinaen und Problemen spricht es sich mit den jugoslaoischen Führern am Gestade des entzückenden Veldessee's weitaus leichter und ungezwungener als etwa in Belgrad, lieber allem liegt ein Reiz von lieblicher Beschaulichkeit und eine friedliche Stimmung. Nur mittags, wenn die Sonne allzu sehr sticht, wird plötzlich etwas von der elektrischen Spannung fühlbar, die in diesem Lande nach Entladung drängt...

Der Verlustvortrag bei der Einkommen- und Körperschastssteuer.

Don Dr. Zeidler, Syndikus der Industrie- und Handelskammer Gießen.

Schon feit Jahren fordert die gesamte deutsche Wirtschaft durch ihre amtlichen Derufsvertre- lungen die Wiedereinführung des drei- jährigen Durchschnitts bei der Ver­anlagung zur Einkommen- und Kör­perschaftssteuer. Zur Prüfung dieser Frage hatte denn auch der Reichstag vor länger als Jahresfrist eine Sonderkommission eingesetzt, bei deren Verhandlungen sich jedoch gezeigt hat, daß der Lösung dieses Sleuerproblems nicht ge­ringe Schwierigkeiten entgegenstehen. Das Er­gebnis der Kommissionsberatungen ist dem Reichs­tag vom Finanzminister in einerDenkschrift über die Besteuerung nach dem dreijährigen Durchschnitt und die Abzugsfähigkeit des Der- lustvortrags bei der Einkommen- und Körper­schaftssteuer" vorgelegt worden. DieZusammen­fassende Stellungnahme", welche der Reichssinanz- minister am Schlüsse der Denkschrift gibt, ent­behrt nicht des allgemeinen Interesses, weshalb sie an dieser Stelle wiedergegeben sei:

Jedes der Systeme dreijähriger Durch- schnitt mit oder ohne Verlustabzug, sowie Ver­lustvortrag ohne Durchschnittsbesteuerung . mühte so gestaltet werden, dah es für alle Steuerpflichtigen in gleicher, oder doch mög­lichst entsprechender Weise Anwendung fände. Die Einführung der Durchschnittsbesteuerung würde bei den Kleinbetrieben in Landwirt­schaft, Gewerbe und Hausbesitz und vor allem bei den Arbeitnehmern zu technischen Schwie­

rigkeiten führen. Diese Schwierigkeiten wür­den in der gegenwärtigen Zeit angesichts der schwankenden Verhältnisse in der Wirtschaft und insbesondere der ungünstigen Lage der Landwirtschaft in weitaus verstärktem Maße auftreten. Fiskalisch verbietet augenblicklich schon der Stand der Finanzen von Reich. Län­dern und Gemeinden die Einführung des drei­jährigen Durchschnitts mit Verlustabzug. Der dreijährige Durchschnitt ohne Verlustabzug ist zwar fiskalisch weniger gefährlich, in steuer­politischer und steuertechnischer Beziehung be­stehen gegen ihn aber die gleichen Bedenken wie gegen die Durchschnittsbesteuerung mit Ver­lustabzug. Auch gegen das System des Ver­lustvortrags sprechen gewisse Bedenken steuer­politischer und steuertechnischer Art. Richt nur seine unmittelbare Anwendung bei allen Pflichti­gen, sondern auch ein entsprechendes Ent­gegenkommen bei den Arbeitnehmern würde zwar technisch durchführbar sein, aber doch zu einer gewissen Mehrbelastung für die Finanzverwaltung führen, die bei dem gegen­wärtigen Stande der Verwaltung nicht zu ge­ring angeschlagen werden darf. Der Ausfall beim Verlustvortrag ist zwar wesentlich ge­ringer als beim dreijährigen Durchschnitt mit Verlustabzug. Er bleibt aber mit 30 bis 40 Millionen Mk. so beachtlich, dah die gespannte Finanzlage im gegenwärtigen Augenblick seine Einführung verbietet. Sobald es die Verhält-

Sie leien totn Doa Moo.

Roman von Edgar Wallace.

32. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Der blinde 3a!e beachtete sie nicht weiter. Er hatte diese Geschichte schon so oft gehört, dah sie jedes Interesse für ihn verloren hatte.

Er hat ja niemals gewußt, dah er Zwillinge hatte, und dachte, fein Kind wäre gestorben."

Wenn de nich geklaut und gesoffen hättest, hättste ihm ja erzählen können, wo sie war. Aber mach' dir man darüber keene Kopfschmerzen. Sie haben bet Mädel gesunden,ne feine Dame is fc und hat viel Geld. Ich habe gehört, wie SIE gesagt haben, daß siene feine Dame is und viel Geld hat", fügte er einfältig hinzu.

Sein Glauben unS fein Vertrauen in feine ge­heimnisvollen Gebieter kannte keine Grenzen.

Ich trank ganz gern mal einen Tropfen," ge­stand die nicht ganz zurechnungsfähige Frau ein, und sie haben mich für rein gar nichts ins Gefängnis geschickt, älnd die Anstalt war fürchter­lich!"

Plötzlich schoß er auf sie zu und legte seine Hände auf ihre Schultern. Sie öffnete den Mund, um zu schreien, aber bevor sie noch einen Ton hervorbringen konnte, zischte er ihr dicht ins Gesicht:

Einen einzigen Laut und de bist tot! Sei still!"

Seine feinfühligen Ohren hatten das Geräusch ton Fußtritten auf dem Fuhboden über ihnen vernommen. Rur ein Blinder konnte diese schwa­chen Geräusche durch die trennenden Mauern hin­durch gehört haben. Er kroch ganz dicht an sie heran, legte einen Riesenarm um ihre Schulter und hielt den anderen dicht vor ihr Gesicht.

Rur einen Laut und de bist tot!" flüsterte er noch einmal, und dann hörte man, wie jemand an die kleine eiserne Tür am anderen Ende an­klopfte und Larry Holts Stimme ertönte:

Ist hier jemand?"

30.

Diana Ward war es gewesen, die Larry auf den großen verrosteten Kessel in einer Ecke des Kellers aufmerksam gemacht hatte, der der Wä­scherei Dampf und Energie lieferte. Larry ver­suchte vergeblich, die dicke, eiserne Kesseltür, die in den Feuerungsraum führte, zu offnen. Er zog und zerrte, aber alle feine Mühe war um» fpnst.

Da kann doch niemand drin fein", sagte Larry kopfschüttelnd.Was meinen Eie, Harvey?"

In dem Kessel würde man ja ersticken", er­widerte Sergeant Harvey.

Das junge Mädchen blickte enttäuscht xm sich.

Gibt es nicht noch einen anderen Platz, wo sie sein könnte? Ich hatte so sehr gehofft ----"

Sie beendete ihre Worte nicht.

Rein, Miß," sagte der Sergeant,wir haben das ganze Haus sorgfältig durchsucht... Sollen wir die Tür aufbrechen, Sir?" fragte er.Das wird ein paar Stunden dauern."

Larry schüttelte den Kopf.

Ich glaube, es ist nicht nötig. Ich stimme Ihnen bei, daß fich fein Mensch in dem Kessel aufhalten könnte, falls überhaupt Platz genüg für einen Menschen sein sollte, um sich darin zu verstecken, was ich nicht einmal annehmen kann."

Glauben Sie?" fragte das junge Mädchen, als sie toeggtngcn,daß uns Mr. Grogan die Wahr­heit gesagt hat? Es ist töricht, so dumme Fra­gen zu stellen: ich bin ja selbst davon überzeugt."

Da haben Sie recht", sagte Larry.Fred ist nun gerade kein Musterknabe, aber in diesem Fall hat er uns nicht angelogen. Es ist wirklich wie ein Glücksspiel", fügte er bitter hinzu. Manchmal habe ich das Gefühl, als ob ich dies Rätsel niemals ergründen werde."

Das Rätsel wird gelost, und zwar noch inner­halb einer Woche!" Diana sagte dies mit solcher Sicherheit, dah Larry sie sprachlos ansah.

Dann müssen Sie es lösen." sagte er schließlich, denn ich bin jetzt auf einem Punkte angelangt, und zwar dem gefährlichsten für jeden Detektiv, wo ich jeden Menschen in Verdacht habe. Verdacht auf Dr. Iudd,. auf den unschuldigen Mr. Dear- bom, auf Flimmer Fred, den Chefkommissar, auf Sie selbst", fügte er gutgelaunt hinzu, aber Diana lächelte nicht.

Ich habe mich schon gewundert, wie lange es dauerte, bis Sie mich in Verdacht haben wür­den", sagte sie ernsthaft.

Sie ging in Begleitung von Harvey nach dem Präsidium, während Larry nach dem Hospital fuhr, um dem verwundeten Hochstapler noch einige weitere Fragen vorzulegen.

Der Himmel weiß, dah ich in meinem ganzen Leben noch niemals einem Polizisten vertraut habe," sagte Flimmer Fred, der aufmerksam Larrys Worten gelauscht hatte, salbungsvoll, aber ich glaube, Sie sind ein anderer Schlag, Mr. Holt. In einet meiner Taschen ist der Schlüssel von meinem Bankschliehfach, meine Garderobe hat die Anstalt in Verwahrung ge­nommen. Es ist die Dank in Chancery Lane, und ich habe nun mal Vertrauen zu Ihnen", sagte er mit eigenartiger Betonung.In meinem Fach liegen verschiedene Dinge, die ich keinen Menschen sehen lassen mochte, aber Sie werden schon finden, was Sie suchen, ohne zuviel zu kramen. Da ist ein Paket Kriegsanleihe," sagte er unsicher,die ich mir im Schweiß meines Angesichtes «worbe» habe."

nisse gestatten, wird aber, wie das der Stet- s lungnahme der Reichsregierung im Jahre 1925 entspricht, die Einführung des Derlustvortrags von neuem in Betracht gezogen werden." Trotz dieser Bedenken des Reichsfinanzmini­sters hat der Reichstag mit der Novelle zum Einkommen- und Korperschastssteuergesetz die Einführung des Derlustvortrags wie folgt beschlossen:

Rach § 15 des Einkommensteuergesetzes wird es künftig dem Steuerpflichtigen, welcher Bücher im Sinne der Paragraphen 13 und 28 des Ge­setzes führt, gestattet sein, neben Werbungskosten, Sonderleistungen. Schuldzinsen usw. auch den Ver­lust abzuziehen, der in den beiden unmittelbar vorangegangenen Steuerabschnitten nach den Er­gebnissen der Buchführung im Sinne der Ein­kommensteuervorschriften entstanden ist. älmge- kehrt bedeutet dies, daß der in einem ©teuer- abschnitt entstandene Verlust von dem Gewinn des nächsten oder übernächsten Jahres abgesetzt werden darf. Die neue Vorschrift gilt, wie aus­drücklich hervorgehoben sei, nur für buch - führende Gewerbetreibende und Landwirte. Um jedoch den aus der Zulassung des Derlustvortrags erwachsenden steuerlichen Dorteil auch allen nicht buchführenden Steuer­pflichtigen zukommen zu lassen, ist im Absatz 1 des § 56 des Gesetzes (Härteparagraph) eine Be­stimmung eingefügt worden, wonach eine Er­mäßigung oder ein Erlaß der Einkommensteuer auch dann eintreten kann, wenn der Steuer­pflichtige in dem vorangegangenem Steuerabschnitt kein Einkommen bezogen und den Lebensunter­halt im wesentlichen aus seinem Vermögen, ins­besondere aus Ersparnissen, gedeckt hat. Schließ­lich ist im Interesse derjenigen Kreise (nichtbuch­führende Gewerbetreibende und Landwirte), für deren Einkommenermittlung Durchschnittssätze ausgestellt worden sind, vom Reichstag eine Ent­schließung dahingehend angenommen worden, daß bei der Festsetzung solcher Sätze auch Verlust­jahre mit zu berücksichtigen sind.

Der Derlustvortrag gilt auch für die Kör­perschaften. Das Körperschaftssteuergesetz ist nämlich dahin abgeändert worden, daß bei der Ermittlung des Einkommens diejenigenBeträge für abzugsfähig erklärt werden, welche zurDeseitigung eines Verlustes verwendet werden, der in den beiden unmittelbar borangegangenen Jahren nach den Ergebnissen der Buchführung entstanden ist. Allerdings war nach dem Körperschaftssteuer­gesetz schon bisher ein Derlustvortrag zulässig. Voraussetzung hierfür war, daß durch den Ver­lust das Grund- oder Stammkapital angegriffen worden toar; auch war der Derlustvortrag bei der Körperschaftssteuer zeitlich unbeschränkt. Die­ser sachlich auf den Fall der Anterbilanz be­schränkte, zeitlich aber unbegrenzte frühere Der. lustvortrag kommt durch die Gesetzesänderung in Wegfall zugunsten eines zeitlich auf zwei Jahre begrenzten, sachlich aber unbeschränkten Derlust­vortrags. Lediglich für die in den Kalender­jahren 1929, 1930 und 1931 endenden Steuer­abschnitte bleibt als älebergangsregelung die alte Dorschrift nebenbei in Geltung.

Die neuen Dorschriften sollen erstmals für diejenigen Geschäftsjahre Anwendung finden, welche 1929 enden. In dem älebergangsjahr 1929 wird aber nur der Derlust des Vorjahrs berücksichtigt; später sotten dann die beiden vor- angegangenen Jahre maßgebend sein.

Wenn schon durch die Gesehesnovelle den drin­genden Wünschen der Wirtschaft nach Berech­nung des Einkommens nach dem Durchschnitt der letzten drei Geschäftsjahre nicht entsprochen worden ist, so muh doch anerkannt werden, daß die Reuerungen einen immerhin beachtenswerten Schritt nach vorwärts bedeuten. Damit soll frei­lich nicht gesagt sein, dah nunmehr die Bemühun­gen um die Erreichung des gesteckten End­ziels, nämlich die Einführung des drei­jährigen Durchschnitts unter Berück­sichtigung des Verlustvortrags, -zum Stillstand kommen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

$ Lollar, 19. Juli. Eine öffentliche G e * meinderatssitzung fand gestern abend statt. Als bemerkenswert ist darüber zu berichten: Das Lumdabett und die Böschungen zwischen dem Wehr und der Eisenbahnbrücke über die Lumda müssen geräumt und ausgebessert werden. Rach sachverständigem Ermessen werden hierzu etwa 2000 Mk. benötigt. Die Arbeiten wurden ge­nehmigt und sollen der Firma Schneider in Heuchelheim übertragen werden. Die Firma D. Ruhn will ein gröheresGeländestück (Gemeindewiesen) gegenüber dem Sägewerk läuft lich erwerben und teilte schriftlich die Zustim­mung zum geforderten Preise von 2 Mk. für den Quadratmeter mit. Der Gemeinderat beschloß einstimmig folgende Zahlungsbedingungen: Cs sind 6000 Mk. am 15. Rovember 1929, der Restbetrag in vier gleichen Raten je­weils am 15. Rovember der folgenden Jahre bet Iprozentiger Verzinsung zu zahlen. Alle ent­stehenden Kosten und Gebühren gehen zu Lasten des Käufers. Es hat sich als ein Mißstand erwiesen, dah bei Reparaturen an der Wasserleitung größere Ortsleile ohne Wasser sind. Durch die Erbauung einer Ring­leitung sott erreicht werden, dah die Sperrung auf den geringst möglichen Umfang beschränkt werden kann. Hierzu ist die Verlängerung der Wasserleitung im Holzmühlerweg bis zur Hauptstraße erforderlich, wozu die Waffer- genofsenschaftGlückauf" nicht herangezogen wer­den kann, da das in Frage kommende Gelände noch unbebaut ist. Die Gemeindevertretung er­kennt die Vorteile einer solchen Maßnahme an und ist bereit, die Arbeiten auf Kosten der Ge­meinde durchzuführen, macht jedoch den Vor­behalt, daß die Wafsergenossenschaft sich zuvor verpflichtet, die Gemeinde im Verhältnis der fortschreitenden Bebauung des Wegestückes zu entschädigen. Eine längere Besprechung ergab fich bei der Beratung über die diesjährige De r- faffungöfeier. Zur Vorbereitung der Feie« wuroe eine Kommission, bestehend aus dem Bür­germeister, den Gemeinderäten Keller und Klin- tel, gewählt. Gewünscht wurde, daß sämtliche Ortsvereine dazu eingeladen werden und dah der Redner entweder der sozialdemokratischen, der demokrattschen oder der Zentrumspartei ange* höre. Die Feier soll unter Mitwirkung einer Musikkapelle und bei Teilnahme der Schuttinder stattsinden. An die älteren Schulkinder sollen Broschüren verteilt werden, wia sie die hessische Staatsregierung emp­fohlen hat. Der Gemeinderat erklärte ferner seine Zusttmmung dahin, daß die Kosten der Feier aus der Gemeindekasse gedeckt werden. Außerhalb der Tagesordnung gab der Bürgermeister bekannt, daß der Vertrag über die Abtretung eines 10 Meter breiten Strei­fens des ßollarer Kopfes an den Dasalt- bruch zum Zwecke der Ausbeutung nunmehr genehmigt worden sei, gleichzeitig aber auch darauf hingewiesen wurde, daß eine weitere, Abgabe von Gelände aus forstwirtschaftlichen Gründen nicht genehmigt werden würde. Die Beratung über eine von dem Besitzer gewünschte Regelung der Zuweisung dieses Geländestrei­fens wurde wegen der weittragenden Bedeu­tung vertagt.

4- Aus der Rabenau, 19.Juli. In den bei­den letzten Tagen hat man in den meisten Dörfern unserer Gegend mit dem Kornschnitt begon­nen. lleber das Ergebnis des Schnittes kann schon jetzt gesagt werden, daß die Anzahl derKorn­männer", di« auf den Aeckern stehen, einer guten Ernte gleichzusetzen sind. Die Gewitterregen der jüngsten Tage waren bei weitem nicht ausreichend, um den Boden zu durchdringen und den Gewäch. sen die notwendige Feuchtigkeit zu bringen. Lei­der sind die Frühkartoffeln schon am Absterben, ohne daß man die gewünschte Zahl der Knollen

Dah jemand dabei geschwitzt hat, möchte ich wetten, sagte Larry munter.Sie brauchen sich keine Sorge zu machen, Fred, dah ich hinter Ihre Geheimnisse kommen Witt, oder dah ich irgend etwas, was ich vietteicht finde, gegen Sie verwerten werde."

Fred fühlte sich äußerst unbehaglich.

Ich wußte ja, dah ich viel riskierte, als ich Ihnen die ganze Geschichte erzählte, denn es war sicher, dah Sie der Sache auf den Grund gehen würden, und ich war mir auch klar dar­über, dah ich Ihnen helfen würde. Wenn ich gesund und munter wäre, würde es sehr einfach sein, denn ich hätte Ihnen die Schlüssel ge­geben."

Was sind denn das für Schlüssel?" fragte Larry.

Rachschlüssel," sagte Fred ohne zu erröten,ich habe sie mir machen lassen. Straub bekam die Schlüssel in die Hände, als der Doktor schlief, und machte Abdrücke. Strauh ist gar kein so schlechter Kerl, aber das Schlimme ist, dah er ,kokstt. Ich habe niemals für solche schlechte An­gewohnheiten etwas übrig gehabt, fügte Fred tugendhaft hinzu.Man muh ein klares Auge und einen klaren Kopf haben, um im Leben vor­wärtszukommen, stimmt das nicht, Mr. Holt?"

älnd acht geschickte Finger plus zwei flinke Daumen," sagte Larry.

Ohne weitere Schwierigkeiten erhielt er die Schlüssel, und eine halbe Stunde später betrat er, vergnügt eine Melodie summend und mit Freds unrechtmäßigen Besitztümern in seiner Tasche klappernd, sein Zimmer Rümmer 47 in Scotland Bard.

Rach langem Zureden war Diana daraus ein­gegangen, bis auf weiteres unter Larrys Schutz zu bleiben. Auch die mütterliche Pflegerin war nun eine bleibende Einrichtung in Regents Gate Gardens geworden, was aber Mr. Patrick Sumst) äußerst mißfiel, da er gezwungen war, sich in der Küche ein Feldbett aufzuschlagen.

Es tut mir leid, Sunny," hatte Larry am Abend des ereignisreichen Tages gesagt,Ihnen diese Unbequemlichkeit verursachen zu müssen. Wie ich annehme, ist das nicht angenehm für Sie."

Rein, Sir, es ist nicht sehr angenehm für mich."

Aber doch schließlich zu ertragen, hoffe ich." Ja, Sir, es ist zu ertragen.

Sehen Sie, die Dame schwebte in großer Gefahr", Sunny wußte das sehr gut, denn die ganze Angelegenheit war freimütig in sei­ner Gegenwart besprochen wordenund man hätte sie unmöglich in ihrer Wohnung lasten können."

Rein, Sir, das war ausgeschlossen. Was lüi eiuen Stagen wünsche» Sur beutst ? v *

Irgendeinen", sagte Larry mit einem Lächeln. Ra, auf jeden Fall ist die Dame sicher, wenn sie hier schläft."

Rein, Sir", sagte Sunny, und Larry blickte ihn sprachlos vor äleberraschung an. Zum ersten- mal in seinem Geben stimmte Sunny ihm nicht bei.

Rein?" fragte er ungläubig.Haben Sie denn nicht gehört, was ich gesagt habe? Ich sagte, die Dame ist in unserer Wohnung sicher.

Rein, Sir", sagte Sunny wiederum.Ich bedauere, Ihnen widersprechen zu müssen, und bitte ergebenst um Entschuldigung."

Aber Sie meinen wirklich ,nein? Ja. warum ist sie denn hier nicht in Sicherheit?"

Well Sie selbst nicht sicher sind, Sir," er­widerte Sunny ruhig,und solange Sie es nicht sind, ist es die junge Dame auch nicht."

Es ist gut, lachte Larry,denken Sie, toaf Sie wollen! Roch eins, Sunny--

Ja, Sir?

Schließen Sie bitte heut nacht die Küchen­tür. Ich habe gehört, wie Sie fich im Bett be­wegten und bin dadurch wach geworden.

Ja, Sir, ich werde die Küchentür schließen,'' sagte Sunny und tat es auch wirklich.

Als Larry zu Bett gegangen war und die Wohnung in tiefem Schweigen lag, schleppte Sunny sein schmales Feldbett in die Diele, stellte es so auf, daß das Fußende ungefähr vierzig Zentimeter von der Tür entfernt war, lehnte einen Besen so gegen die Tür, dah der Stiel auf seiner Dettkante stand und legte fich hin. Aber die Küchentür hatte er zugemacht!

Gegen zwei älhr morgens wurde geräuschlos ein Schlüssel in das Schloß gesteckt, und die Tür öffnete sich langsam einige Zentimeter. Unbarm­herzig fiel der Besen auf Sunnhs Kopf.

Larry hörte drei schnell aufeinanderfolgende Schüsse, sprang aus dem Bett und lief, den Re­volver in der Hand, in den Gang. Er sah ein leeres Feldbett, eine offene Tür, aber Sunny war verschwunden. Er flog die Treppe hinunter und begegnete dem würdigen Sunny, der einen kleinen Kerl, dessen gemeine Gesichtszüge schmerzhaft ver­zogen waren er hatte eine Fleischwunde im Bein davongetragen, am Kragen hinter sich Herzog.

Bringen Sie ihn hinein", sagte Larry und ver­schloß die Tür.

Diana, die im Gang stand, zog fich hastig zu­rück. als man den Mann hindurchführte, erschien aber bald wieder, um an dem nicht sehr ord­nungsgemäßen Verhör teilzunehmen, das durch eine sehr respektvolle Entschuldigung Sunnvs eingeleitet wurde.

(Fortsetzung folgt) '. r

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