öegyt noch tut DerNVH«77 stnv Ne RoTeit fMn. Ganz langsam fallen die Blätter ab, und der letzte, herrlichste Duft entströmt der sterbenden Rose. Wie -eine leise Klage geht es von ihr aus: Alles Schöne muh einmal vergehen auf dieser Erde! K.I.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 30 bis 35, Spinat 25 bis 30, Römischkohl 15 bis 20, Dohnen (grüne) 40 bis 50, (gelbe) 60 bis 70, Spargel 50 bis 90, Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 15 bis 20, Tomaten 60 bis 100, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln (alte) 5,5, (neue) 15 bis 20, (alte pro Zentner 4,50 Mk.), Äepfel (ausl.) 45 bis 70, Dörrobst 35 bis 40, Kirschen 40 bis 60, Stachelbeeren 30 bis 35, Erdbeeren 60 bis 100, Aprikosen 70 bis 90, Russe 70 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund; Tauben 70 bis 90, Eier 12 bis 13, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 10 bis 15, Salatgurken 30 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 15 pro Stück; gelbe Rüben 15 bis 25, Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund.
*• Deranlagungsgrenze für Lohnsteuerpflichtige. Lohnsteuerpflichtige werden, soweit ihr Einkommen aus Arbeitslohn 8000 Mk. nicht übersteigt und soweit sie nicht aus sonstigen Einkommen mehr als 500 Mk. beziehen, nicht zur Einkommensteuer veranlagt. Bekanntlich ist streitig geworden, wie diese 8000- Mark-Grenze zu berechnen ist, ob nach dem Einkommen nach Abzug des steuerfreien Lohnbetrages, oder nach Abzug des steuerfreien Lohnbetrages und etwaiger Familienermäßigungen. Die erstgenannte Ansicht vertrat der Reichsfinanzminister und ihm folgend die Deranlagungs- behörden, die andere der Reichsfinanzhof Dd. 23, S. 289. Sn einem neuen Erlaß — S. 2209/2 — hat der Reichsfinanzminister, wie wir den von dem Steuersyndikus Hermann Will in Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" entnehmen, die Finanzämter erneut angewiesen, nicht gemäß der Reichsfinanzhofentscheidung zu verfahren. Er hat angekündigt, daß diese Frage demnächst int Gesehgebungswege geregelt werden würde, und angeordnet, daß etwa anhängig gemachte Rechtsmittelverfahren unter Stundung der strittigen Beträge vorerst auszusetzen seien.
".Sommerfest der Gießener Studentenschaft. Man schreibt uns: Kaum hat die Ausstellung „Der Mensch" ihre Pforten geschlossen, und schon herrscht wieder reges Treiben in der Volkshalle. Große Scharen von Studenten sind eifrig dabei, die große Halle für das Sommerfest am kommenden Sonntag herzurichten. Diele Hände, solcher Arbeit kaum gewohnt, zimmern, kleben und malen, um alles zur rechten Zeit fertigzustellen. Die Studenten sehen ihre Ehre darein, die Gießener Bürger würdig zu empfangen und ihnen den Aufenthalt auf dem Feste so angenehm wie möglich zu machen. Es soll ein Tag werden, der die innige Verbundenheit aller Schichten des Gießener Bürgertums mit seiner Studentenschaft zutagetreten läßt.
** Schulpersonalie. Der Lehrer Adolf F r i st e r zu Ober-Schmitten wurde mit Wirkung vom Tage des Diensteintritts ab zum Lehrer an der Volksschule zu Eichelsachten, Kreis Schotten, ernannt.
** Städtische Heugrasversteigerung. Bei der gestrigen Heugrasversteigerung der Stadt Gießen wurden bei starker Nachfrage folgende Preise erzielt: von den Wiesen am Altentisch 60 bis 80 Mk., von den Ochsenwiesen 70 Mk. und von den Wiesen im Stolzenmorgen 75 Mk. je Morgen.
** 6 i n Geräteschuppen niedergebrannt. In der letzten Rächt gegen 0.30 Ähr wurde die Feuerwache nach den Eichgärten gerufen. wo in dem Geräteschuppen des Gärtners G ill m a nn ein Brand ausgebrochen war. Den Flammen fiel der gesamte Schuppen mit Inventar zum Opfer. Die in dem Schuppen untergebrachten Hühner konnten gerettet werden, nachdem der Wachhund schon beim Ausbruch des Brandes von rasch zur Hilfeleistung herbeigeeilten Studenten in Sicherheit gebracht worden war. Rach etwa halbstündiger Löscharbeit konnte die Feuerwache wieder abrüden. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
* Rödgen, 18. Juni. Am Sonntag beging der hiesige Gesangverein „Konkordia" die Feier seines 45jährigen Bestehens, mit der gleichzeitig ein W e r t u n g s s i n g e n verbunden war. Unser Ort hatte dem Iubelverein und seinen Gästen zu Ehren reichen Fahnen- und Girlandenschmud, sowie Blumen- und Grün- dekorationen angelegt, außerdem waren an den drei Ortseingängen Ehrenpforten errichtet. Samstagabend fand an der Gedächtnishalle auf dem Friedhof eine Gedenkfeier für die im Weltkriege gefallenen Vereinsmitglieder statt, bei der nach einem passenden Chorgesang der 2. Vereins- Vorsitzende Etzelmüller bei der Kranzniederlegung und der Ortsgeistliche, Pfarrer Bönnings, herzliche Worte des Gedenkens sprachen. Gegen 9 Uhr bewegte sich ein F a d e l z u g durch den Ort nach dem Festplatze, wo sich der festgebende Verein mit den Sangesbrüdern aus Edenheim und dem Druderverein „Harmonie" Rödgen, sowie zahlreichen Gemeindegliedern zu einem Kommers vereinigte. Rach einem De- grühungschor mit Orchesterbegleitung hieß der 2. Vorsitzende Ehelmüller die Gäste willkommen, hierauf beglückwünschte Bürgermeister Wagner den Verein zu feinem Feste, anschließend sprach der Präsident des Eckenheimer Vereins herzliche Glückwunschworte, und Überbrachte noch Ludwig Roder von der „Harmonie" dem Druderverein „Konkordia" einen Fahnennagel. Präsident Dellof dankte im Ramen des Iubel- vereinS. Der weitere Verlauf des Abends brachte Orchestermusik und Liedervorträge in wechselnder Folge und bereitete den Besuchern frohe Stun- Den. Am Sonntagmorgen 9 Uhr begann im Wagnerschen Saalbau das Wertungssingen. Es beteiligten sich daran 9 Vereine: in Abt. A, Stadtvereine, Kl. I Gesanav. „Eintracht" Steinberg mit 70 Sängern; XKl. II Ges. „Germania" Watzenborn-Steinberg mit 67 Sängern und Ges. „Männerchor" Frankfurt-Edenheim mit 47 Sängern; in Abt. B, Landvereine, Kl. III Ges „Germania" Wißmar mit 33 Sängern, Ges. „Eintracht" Ober-Eschbach mit 36 Sängern, Ges. „Lie- derkranz" Roth mit 32 Sängern, Ges. „Eintracht" Albach mit 33 Sängern; in Abt. C, nicht preisgekrönte Vereine und solche, die bisher noch
3m Hauptquartier der Führerinnen
Zu dem Zubiläums-Kongreß des Weltbundes für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit in Berlin.
Worum wir kämpfen...
Don Margerie Corbett-Ashby (England), Präsidentin des Weltbundes.
Ein großer Teil der Oeffentlichkeit ist der Ansicht, daß die große Frauenbewegung heute einen mehr dekorativen als tiefernsten Zwcd hätte, weil vielfach angenommen wird, sie hätte schon alle Ziele erreicht, die sie sich einstmals vorgenommen. Demgegenüber muß einmal betont werden, daß sich die Frauenbewegung nicht am Ende, sondern am Anfang ihres Kampfes befindet.
Roch lange nicht alle Staaten der Welt haben — was fast ganz Europa heute selbstverständlich ist — das allgemeine Frauenstimmrecht. Dem Mann erscheint der Kampf darum vielleicht häufig als eine Machtfrage der Frau. In Wirklichkeit liegt, wie die bisherigen Ergebnisse gezeigt haben, hier eine ihrer verantwortungsvollsten und schwersten Aufgaben. 2n den Ländern, in denen Frauen schon seit zehn Jahren in Regierung und Politik mitwirken, zeigen sich erfreuliche Ergebnisse. Man beobachtet hier eine Entwicklung der Sozialen Fürsorge, ein Streben zu höherer Sittlichkeit, ein erhöhtes Heiratsalter und eine verbesserte Kinderfürsorge. Die ökonomische Sicherstellung der grau, die ihr die allein mögliche Unabhängigkeit garantiert, wird nur durch Beruf und Dienst am Staate gesichert. Beide Faktoren — Beruf und politische Arbeit — können zwar unabhängig voneinander sein (wie das Beispiel Frankreichs zeigt), sie laufen parallel nebeneinander her, aber das Fluidum iljrer Wirkung strömt doch vom einen zum anderen.
Wenn Jahrhunderte nicht die Herrschaft des Mannes befestigt hätten, würde jeder gesunde Menschenverstand das Frauenstimmrecht als selbstverständliche Forderung anerkennen. Denn es liegt ja auf der Hand, daß die Frau dasselbe Interesse an der Regierung wie der Mann hat. Auch sie zahlt Steuern wie er, auch für sie hat das Gesamtleben und die Entwidlung menschlicher Fragen die gleiche Bedeutung. Dazu kommt jetzt noch für sie eine große, vielleicht die größte Aufgabe der Zeit: die nationale und internationale Organisierung des wirklichen Friedens. Dazu sind alle Frauen, ob sie sich nun für Parteipolitik interessieren oder nicht, von jeher von der Ra- tur berufen.
Reunundzwanzig Staaten haben heute das Frauenstimmrecht. In der Türkei unö in Indien, auf dem australischen Kontinent und m den Vereinigten Staaten, von Südamerika nur in Brasilien wählen die Frauen. Selbst in Spanien genießen die weiblichen Parlamentsmitglieder seit vier Jahren völlige Gleichheit mit den männlichen. Ganz Europa hat die Idee des Frauenstimmrechts anerkannt. Frankreich und Italien bilden Ausnahmen in der Regel. In Rumänien soll das Frauenstimmrecht im Oktober 1929 eingeführt werden. Man hat früher behauptet, das Denken der Frau eigne sich nicht für die Politik. Wie groß der Einfluß der Frauen ist, zeigt demgegenüber die Tatsache, daß vierzehn Frauen unter sechshundert Männern im englischen Parlament, und eine Frau im englischen Ministerium viel mehr erreicht haben, als zahlenmäßig von chnen zu erwarten war. — Die Zukunft wird sich nach den Bedürfnissen der Zeit richten. Ich glaube aber, daß diese Bedürfnisse der Zeit: Freiheit und loyale Partnerschaft heißen werden. Es wird dem Frauenstimmrecht wohl so gehen wie dem kurzen Rod. Als er aufkam, wurde gemurrt, das sei eine unmögliche Tracht für eine verheiratete Frau und Mutter. Solange, bis die Statistik zeigte, daß die sporttreibenden, kurzberodten Mütter gesündere und lebensfähigere Äinber zur Welt brachten als üjre Großmütter mit den meterlangen Staubfängergewändern.
Weibliche Polizei.
Von CRofa Manus (Holland), Vizepräsidentin des Weltbundes und Präsidentin des Ausschusses für weibliche Polizei.
Auf dem Polizeiweltkongretz 1926 in Berlin machte eine englische Delegierte, die Comman- bttin Allan, den Vorschlag, eine Frauenpolizei zu schaffen und zu organisieren. Dieser Gedanke fand Beifall. Auf dem Weltbundkongreh für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit in Paris 1926 wurde von der deutschen Delegation der Antrag eingebracht, eine weibliche Polizei ins Leben zu rufen. Der Kongreh schuf einen Ausschuh, dessen Aufgabe die Förderung der weiblichen Polizei aller Länder ist. — Inzwischen hat sich auch der Völkerbund mit der Frage beschäftigt und sich sehr für die Institution weiblicher Polizei ausgesprochen, weil er von ihr die wirksamste Bekämpfung des Mädchenhandels erwartet. Der Gedanke einer weiblichen Polizei ist viel selbstverständlicher und naheliegender, als es dem Uneingeweihten auf den ersten Blick erscheint. Denn die Frauen beabsichtigen durchaus nicht, dem Mann eines seiner allen Reservatrechte abzunehmen. Rur ein kleiner Prozentsatz von Frauen soll bei der Polizei tätig fein, und zwar nur auf dem Spezialgebiet, das die wichtigste Aufgabe der arbeitenden Frau birgt und für das sie mehr prädestiniert ist als der Mann: die soziale Arbeit, Politik und Fürsorge, hauptsächlich für Frauen und Kinder. Hier liegen auch die Erfolge der bisherigen weiblichen Polizisten.
Cs gibt schon bedeutend mehr Polizistinnen, als allgemein angenommen wird. Australien hat, wie die Tschecho-Slowakei, bisher keine Frauen
in der Polizei, aber in der mit ihr zusammengehenden Wohlfahrtspflege. In Oesterreich arbeiten seit 1928 fünfundzwanzig Frauen der Fürsorge mit der Polizei zusammen. Dänemark hat neun, Deutschland 121 Frauen in der Polizei. In beiden Ländern tragen sie keine Uniformen. In Deutschland sind sie zu einem Rationalverband zusammengeschlossen, dessen Vorsitzende Frau Römer-Kubin ist. Vor ein paar Wochen wurde in Berlin Fräulein Freudenthal zur ersten weiblichen Kriminalkommissarin ernannt. Frankreich, Italien und Spanien kennen noch keine Frauen» Polizei. Aber es sind entsprechende Bestrebungen im Gange. England dagegen hat hundertfünfzig Polizistinnen, die Uniform tragen, Irland zwei. Eine große Bewegung in Großbritannien fordert noch eine bedeutende Erweiterung der Frauenpolizei. In Holland arbeiten einundzwanzig Frauen in sechs Städten ohne Uniform bei der Iugendpolizei. Schweden hat bisher nur Polizeischwestern für soziale Fürsorge, Norwegen vier Polizistinnen, die Schweiz eine in Lausanne. Die Vereinigten Staaten haben 228 Polizistinnen ohne Uniform in hundertfünfundzwanzig Städten.
Die für den heutigen Stand der Entwidlung sehr hohe Zahl von Polizeibeamtinnen in Deutschland trägt keine Uniform. Seit zwei Jahren aber sind außerdem in Dresden sechs Polizistinnen angestellt, die Uniform tragen, regelrechten Dienst tun wie die Männer und sich in dieser Arbeit bewährt haben. Das wirst die Frage auf: Sollen Frauen als Polizisten Uniform tragen oder nicht? Das ist durchaus nicht eine Frage der weiblichen Eitelkeit, sondern eine Kernfrage der Wirkung der Frau als Polizistin. Ich glaube, man darf sie vielleicht in den meisten Fällen mit „nein" beantworten. Cs ist schwer, eine allgemeine Regel aufzustellen. Denn die Frau soll ja nicht den männlichen Polizisten ablösen, sondern seine Arbeit helfend ergänzen. Ihre Spezialaufgabe in sozialer Fürsorge und Mädchenhandel kann sie besser erfüllen, wenn sie in privater Kleidung das sieht, was ihr in Uniform verborgen bleiben würde.
Oie Frau im Parlament.
Von Annie Furuhjelm (Finnland), Mitglied des finnischen Reichstags.
1907 wählte das finnische Volk — zum ersten Male in der Weltgeschichte — Frauen als Delegierte in das damals noch unter Rußlands Autonomie stehende Parlament. Es war ein ganz großer Erfolg der finnischen und der internationalen Frauenbewegung, daß damals schon neunzehn Frauen Parlamentarierinnen wurden. Die Zahl ist seither etwa der Durchschnitt der Anzahl finnischer Parlamentarierinnen, die zwischen fünfundzwanzig und vierzehn schwankt. '
Ich selber erinnere mich dieser Kinderzeit der parlamentarischen Frau mit vielem Vergnügen. Aus ganz Europa kamen damals die Journalisten und neugierigen zu den Wahlen der ersten Kandidatinnen. Man versprach sich große Sensationen von dieser kulturellen Premiere — und wurde angenehm enttäuscht. Denn die finnischen Frauen traf diese plötzliche Freiheit nicht so unerwartet wie die internationale Oeffentlichkeit. Sie hatten schon feit Jahrzehnten nach Freiheit und Recht gestrebt, die Zeit der Erfüllung traf sie nicht unvorbereitet. Sie bewährten sich über Erwarten im Parlament, so daß im nächsten Jahr weitere sieben Kandidatinnen aufgestellt wurden. — Freilich brachten die ersten Jahre Schwierigkeiten wie jeder Anfang. Z. B. wollten die Sozialdemokratinnen in den unparteilichen Fragen nicht mit den bürgerlichen Frauen zusammen arbeiten, aber im Laufe der Zeit legten sich alle diese Differenzen. Heute arbeiten wir mit den Männern zusammen, jede für ihre Partei, und — die Frauen aller Parteien zusammen in enger Arbeitsgemeinschaft für Fürsorge und die Rechte von Frau und Kind. Rur so konnte es uns gelingen, die wichtigen Gesetze: der Gleichheit im Beruf und vor dem Gesetz, die Rechte des unehelichen Kindes, der Staatsangehörig- keits- und Scheidungsgesehe durchzubringen. Und das ist es, was ich für die doppelte Pflicht der Parlamentarierin halte: ihrer Partei zu dienen wie nur irgendein Mann, unö zugleich an den überparteilichen, sozialen Gesetzen mit den Frauen zusammen zu arbeiten.
In den ersten Jahren gab es selbstverständlich noch ein paar Zwischenfälle ungewollter Komik. So wollten wir Frauen 1923 in der letzten Sitzung des Parlaments dem Problem zu Leibe rüden, auf dessen Lösung wir schon lange hin- arbelfeten, und die uns erst in diesem Jahr ge- geglüdt ist: dem Ehegesetz. Wichtige Vereinbarungen waren unter den Frauen getroffen, verschiedene — darunter auch ich — hatten große Reden schon im Kopf oder in der Mappe. Die Sitzung dauerte aber, schon ohne unser Thema zu berühren, bis 1/23 Uhr morgens. Da schloß der Vorsitzende die Sitzung, strich unseren Gesetzentwurf vom Programm und — wir saßen da mit unseren Reden, und die Männer lachten.
Die größte Stunde, die ich im Parlament erlebte, war die, in der der Reichsverweser 1917 im Ramen des Parlaments Finnland unabhängig von Rußland erklärte. Die Frauen hatten keinen geringen Anteil an dieser Lösung, wie ich überhaupt glaube, daß die Frauen berufen sind, in den überparteilichen Fragen der Politik mitzureden. Denn ihre Ausgabe ist nicht, die kleinen Streitpunkte zu suchen, die trennen, sondern die großen Ziele, die vereinen.
keinen Wettstreit besucht haben. Kl. II Quartettverein „ Flügelrad" Gießen mit 13 Sängern und Gesangv. „Liederblüte" Burkhardsfelden mit 30 Sängern. Das Ergebnis des Wertungssingens ist folgendes: Abteilung A, Kl. I: „Eintracht" Steinberg Klaffensieg 1. Preis mit 167^ Punkte, Ehrenpr. und 1. Preis mit 74 Punkte; Klasse!!: „Germania" Watzenborn-Steinberg Klassensieg, 1. Preis mit 173V, Punkte, Ehrenpr., 1. Preis mit 79 Punkte; „Männerchor" Edenheim Klasiens. 2. Preis mit 166 Punkte, Ehrenpr., 1. Preis mit 78V2 Punkte; Qlbteilung B, Landklasse: „Germania" Wißmar Klassens., 3. Preis mit 1411/2 P-, Ehrenpr., 1. Preis mit 74 Punkte; „Eintracht" Ober-Eschbach Klassens., 1. Preis mit 150 Punkte, Ehrenpr., 1. Preis mit 77 Punkte; ,.Liederkranz" Roth Klassens., 2. Preis mit 147V» Punkte,
Ehrenpr., 1. Preis mit 77 Punkte; „Eintracht" Albach Klassens., 139i _> Punkte; Abteilung C: Quartettv. „ Flügelrad" Gießen Klassens., l.Pr. mit 149 Punkte, Ehrenpr. 1. Preis mit 75'/, P.; „Liederblüte" Burkhardsfelden Klassens., 2. Pr. mit 143'/2 Punkte, Ehrenpr., 1. Preis mit IS1/« P. Die „Germania" Watzenborn-Steinberg erhielt außerdem den Dirigentenpreis. Bei prächtigem Festwetter bewegte sich am Rachmittag ein F e ft» z u g, an dem 30 Vereine teilnahmen, durch das Dorf nach dem Festplatze. Hier sprachen der Vereinspräsident Bellos, namens der Festjung- frauen Frl. Balser und als Festredner Pfarrer Bönnings. Anschließend erfreuten die Vereine in einer großen Halle durch schöne Gesangs- darbietungen. Bei frohem Festtreiben nahmen die übrigen Stunden des Tages einen stimmungs
vollen Verlauf. Am Montag tourte ter Jugend unseres Dorfes eine festliche Veranstaltung geboten. In einem Festzuge marschierten die Schulkinder mit Fähnchen nach dem Festplatze, wo der Vorsitzende des Schulvorstandes und Bürgermeister Wagner die Fest- Versammlung begrüßten. Hierauf widmeten sich die Kinder unter der Leitung ihrer Lehrer allerlei frohen Spielen, die das lebhafte Interesie der Zuschauer fanden. Am Schlüsse der Veranstaltung wurden Brezeln an die Kinder Verteilt, während Bürgermeister Wagner den beiden Lehrern für ihre Mühewaltung bei diefem Feste unseres Dorfes herzlichen Dank sagte.
4= Aus dem mittleren ßumbatal, 19. Juni. In fast allen Dörfern unserer Gegend fan&en dieser Tage die ersten Heugvasver- fteigerungen statt. Die Preise bewegten sich überall auf ansehnlicher Höhe; für den Morgen gutes Gras wurden durchschnittlich 80 bis 100 Mark geboten und bezahlt. Die verhältnismäßig ansehnlichen Preise haben darin ihren Grund, daß die Wintervorräte an Heu und Grummet fast restlos verfüttert werden mußten.
+ Grünberg, 18. Juni. In der jüngsten Gemeinderatssitzung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller waren acht Gemeinderäte anwesend. Bezüglich der Ausgestaltung des Gallusmarktes hatte die für diesen Markt bestehende Kommission neben der Verlosung auch die Abhaltung einer Prämiierung angeregt. Rach längerer Aussprache, in der die Gegner dieses Vorschlages auf die Kosten einer solchen Tierschau hinwiesen und als verkehrwerbendes Mittel eine größere Ausgestaltung des Iuxplatzes befürworteten, wurde mit sechs gegen zwei Stimmen bei einer Enthaltung die Abhaltung einer Prämiierung ab gelehnt. — Auftraggemäß hat die Firma Appel (Gießen) den beschädigten Kessel der Zentralheizung in der Volksschule auseinandergenommen, und schlägt nun vor, entweder die Reparatur des Kessels mit etwa 600 Mk. Kosten, oder Einbau eines neuen Kessels zum Preise von 1400 Mk. Der Beigeordnete soll vor der endgültigen Beschlußfassung bei der Firma anfragen, was vorteilhafter wäre. — Für das Kiefern st ammholz aus den städtischen Waldungen, etwa 330 Festmeter, hatte eine Darmstädter Holzhandlung auf dem Sub- misfionswege für 9800 Mk. den Zuschlag erhalten. Da die Firma mittlerweile in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist und auch die im Vertrag verlangte Bürgschaft bzw. Anzahlung nicht geleistet hat, beschloß der Gemeinderat, das Holz sofort wieder auszuschreiben, und behielt sich vor, für etwaigen Mindererlös Schadenersatz bei der Konkursmasse anzumelden. — Um die Erbauung der beiden De am t e n h ä u se r für Reich-» finanzbeamte zu ermöglichen, war in der vorigen Sitzung beschlossen worden, den beiden Bauunternehmern B0 d (Grünberg) und Jäger (Quedborn) den an der Ede Dismardstrahe— Diebsturm st raße gelegenen städtischen Bauplatz, 748 Quadratmeter, zum Preise von 3,54 Mk. für den Quadratmeter anzubieten. Sie erklärten sich mit dem Preise einverstanden. Der Gemeinderat beschloß mit 5 gegen 2 Stimmen, daß die Zahlung bei der gerichtlichen Auflassung in bar erfolgen solle. — Eine längere Aussprache rief die Weiterführung der Dismardstrahe hervor. Rach dem im Jahre 1921 aufgestellten und ministeriell genehmigten Debauungsplan für das Heegviertel macht diese Straße an ihrem jetzigen Endpunkte einen Winkel nach rechts. Es dreht sich nun um die Frage, ob dieser Winkel beibehalten werden soll, oder, wie von anderer Seite angeregt wurde, durch eine Keine Biegung, die oberhalb des Grundstüdes der Reuapostv- lischen Gemeinde erfolgen soll, dies vermieden werden könne. Da die Meinungen darüber geteilt sind, soll vor der endgültigen Beschlußfassung nochmals ein Bausachverständiger gehört werden.
+ Grünberg, 19. Juni. In der Rächt zum Mittwoch, kurz vor 3 Uhr, erscholl hier Feueralarm. In der Weberei H. Schmidt I. an der Gießener Straße war in einem kleinen Schuppen, in dem Spinnerei-Abfälle lagern, Feuer ausgebrochen. Die rasch herbeigeeilte Feuerwehr brauchte mit ihren Geräten gar nicht einzugreifen, da man schon vorher mit einigen Eimern Wasser den Brand gelöscht hatte. Die mit Oel getränkten Abfälle der Spinnerei, die hier fest aufeinander lagern, sind wahrscheinlich durch Selbstentzündung zum Brennen gekommen, und jedenfalls wäre das Feuer in dem aus Steinen erbauten Schuppen mit Betondecke in sich verkohlt, wenn nicht an der einen Seite, öle offen Ist, ein aufgeschichteter Haufen Dohlen dem Feuer Rahrung geboten hätte. Ein weiteres Umsichgreifen des Feuers war nicht zu befürchten, da die in der Rähe stehenden Lagerschuppen der Fabrik ebenfalls aus Stein bzw. Wellblech sind.
Kreis Friedberg.
Pb. D u h b a ch, 19. Juni. In der gestrigen Stadtratssihung wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Der Transformator des ftäöt. Griedeler Pumpwerks ist kürzlich durch Blitzschlag beschädigt worden. Um die llöas- serversorgung nicht zu gefährden, mußte, da sich gerade die Gelegenheit bot, von Mühlenbesitzer Christ (Griedel) ein Transformator für die Zeit der Reparatur gegen eine Gebühr von 50 Mk. entliehen werden. Es ist Befchafsung eines Reservetransformators erforderlich. Christ ist bereit, den entliehenen Transformator zum Preise von 600 Mk. zu verkaufen. Der Stadtrat ist mit der Beschaffung einverstanden. — Mit der Firma Rumps u. Sohn soll ein Rachtragsvertrag zu dem bestehenden Stromlieferungsvertra g von 1927 abgeschlossen werden, wonach sich die Firma verpflichtet, ihren gesamten Bedarf an elektrischer Energie auf die Dauer von 10 Jahren, vom 1. Ap>ril 1928 ab gerechnet, vom ftäöt. Elektrizitätswerk zu beziehen. Der früher von der Firma eingezogene Kostenanteil von 3000 Mk. für Kabelverlegung soll hierbei der Firma in drei Jahresraten ungerechnet werden. Der Antrag wird abgelebt, da Sozialdemokraten, Zentrum und Wirt- scbftspartei dagegen stimmen. — Das Kreisamt Friedberg verlangt erneut die Anstellung eines städtischen Polizei-Kommissars zum 1. Juli 1929. Als geeigneten Beamten für diese Stelle hat es den demnächst in den Ruhestand tretenden Gendarmeriemeister Ludwig Biebrich vorgeschlagen. Der Minister des Innern sowie das Kreisamt halten zur Vereinheitlichung der gesamten örtlichen Polizeiverhältnisse die Einstellung eines Kommissars unter der Leitung deS gesetzlichen örtlichen Polizeiverwalters, insbesondere auch zur Durchführung des Außen- und des Kriminalpolizeidienstes, für erforderlich. Der hessische Staat will der


