Ausgabe 
20.6.1929
 
Einzelbild herunterladen

s a tz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet sind und außerdem durch den Ausschuß des Arbeits- amts in eine Drbnungs (träfe bis zur Höhe von 1000 Mark genommen werden können.

Sinter Hinweis auf diese Anträge macht die Germania" darauf aufmerksam, daß den Vereinbarungen, die dem Zusammenschluß der jetzigen Regierungsparteien vorangingen, der Sah stehe, daßzur Gewährleistung eines rei­bungslosen Ganges der Reichsgeschäfte An­träge von grundlegender Bedeutung überhaupt nur ingegenseitigemBeneh- m e n gestellt oder weiterverfolgt werden". Das Blatt sagt weiter, nach den Vorgängen innerhalb der Regierungsparteien und des Kabinetts sollte eigentlich kein Zweifel darüber bestehen, daß jenen Anträgen für die Zusammenarbeit der Koalitionsparleien eine erhebliche Bedeutung zu­komme. Es wäre deshalb Wohl zu empfehlen, diesen Gesichtspunkt nicht außer acht zu lassen. DerVorwärts" sagt, die Vorschläge bedeu­teten eine außerordentliche Erschwerung je­der Reformarbeit. Sie zeigten zugleich, wieweit dieses Problem noch von der Reife sei und wie unmöglich das Verlangen der Demokraten sei, es noch in diesem Sitzungsabschnitt des Reichs­tages zu lösen.

Die Reichsreform.

Neue Vorschläge für die Auftrags- Verwaltung.

Berlin, 19. Juni. (WB.) Der zweite Un­terausschuß des Versassungsausschusses der L ä n- derkonferenz hat nunmehr auch sein Re­ferat über die Abgrenzung der Zuständigkeit zwi­schen Reich und Ländern vorgelegt. Zwischen die reichseigene Verwaltung und die Eigenver­waltung der Länder schiebt das Referat die Auf- tragsoerwaltung, die aber nach Mög­lichkeit in eine Form gekleidet ist, daß maj wohl von einergebundenen Selbstverwal­tung" sprechen kann. Immerhin verlangt auch die Auftragsverwaltung die Abschaffung des Parlamentarismus in den Län­dern ; denn es ist unmöglich, daß eine Landes­regierung durch ein Mißtrauensvotum gestürzt werden kann, weil sie einen Auftrag der Reichs- rcgierung ausgeiührt hat. Das Referat zählt die Gebiete auf, die unbestritten der unmittel­baren Reichsverwaltung angehören. Strittig sind dagegen vor allem Polizei, die Ho­heitsaufsicht über die Gemeinden, die Gewerbe und die Schulaufsicht. Den Ländern Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden steht es frei diese Derwaltungszweige in selbständiger Verwaltung oder in Auftragsver- Wallung zu behalten. Die Vorschläge geben dann weiter einen Sieberblick über die Gegenstände der Auftragsverwaltung und die der selbständigen Landesverwaltung. Von besonderem Interesse ist dabei der Vorschlag, die zersplitterten Sozial­verwaltungen zu vereinheitlichen.

Technisch werden die Dinge nun so weitergehen, daß die Sinterausschüsse unter dem Vor­sitz von Reichsinnenminister Severing am 5. Juli wieder zusammen treten, um dann zu be­stimmen, was mit den Vorschlägen geschehen soll, oie in den Referaten niedergelegt sind. Das Ergebnis dieser Beratungen geht daim an den Verfassungs ausschuß, und dann an die Länderkonferenz selbst. Wenn sie ihre Aufgaben als beendet onsieht, werden die zustän­digen Instanzen des Reichs die Frage auf den parlamentarischen Weg bringen.

GvangeWeKircheundKonkordat

Zu Verhandlungen mit Preußen bereit.

Berlin, 20. Juni. (SSI.) Wie die Spie» graphen-Sinion erfährt, sind die evangelischen preußischen Landeskirchen bereit, jederzeit i n Verhandlungen mit dem preuß is chen Staat über einen Vertrag einzutreten, der sich als Gegenstück dem jetzt vorliegenden Konkordais- entwur, an die Seite zu stellen hätte. Ein ge­meinsames Programm der preußischen Lan­deskirchen, das deren Forderungen enthält, liegt fertig bereit, so daß die Verhand- lungen bei gegenseitigem guten Willen innerhalb acht Sagen zu einem Vertrage führen können. Von evangelischer Seite wird daraus hingewiesen, daß entsprechende Verhandlungen vor zwei Jahren ohne Angabe von Gründen seitens des preußischen Staates schroff abgebro­chen worden sind.

In Kreisen des Obersten Kirchenrates und des Evangelischen Bundes verhehlt man sich aller­dings nicht, daß ein dem Konkordatsentwurf ent­sprechender Vertrag mit den evangelischen Lan­deskirchen sachlich die volle Parität nie­mals erreichen kann, wenn der vorliegende Konkordatsentwurf zum Gesetz wird. Die grund­sätzlichen Bedenken liegen vor allem darin, daß der Vertrag mit der Kurie unkündbar ist und mit dem Heiligen Stuhl als einem völker­rechtlichen Subjekt abgeschlossen worden ist, also durch kein Gesetz abgeändert werden kann, während die Machtverhältnisse zwischen, preußischem Staat und evangelischer Landeskirche insofern gan* andere sind, als die evangeli­sche Kirche schon heute nach den Gesetzen vom Jahre 1924 keinen Schritt ohne die Einwilligung des preußischen Staates unternehmen kann.

Zwischen den Zeilen des vorliegenden Konkor­datsentwurfs glaubt man eine Fülle von Ge­fahren zu erblicken, die vielleicht im Augenblick noch nicht sichtbar sind, die aber eine un - begrenzte Möglichkeit für die Er­richtung von Propagandabistürnern bedeuten, sowie eine völlige S1 rnkehr des bis­herigen Verhältnisses zwischen Staat und Kirche in der Besetzung hoher katholischer A e m t e r. Gefahren sieht man ferner in der grundsätzlichen Möglichkeit der Einfluß­nahme der international eingestellten Kurie auf d i e deutsches Hochschulen und in der Möglichkeit der Heranziehung von Ordensgei st lichen zur weltlichen Seelsorge. Im übrigen, so wird betont, ist der Staat als Vertragspartner der evangelischen Landeskirchen in einer ganz anderen Lage als in seiner Eigen­schaft als Vertragspartner mit der Kurie, weil die römisch-katholische Kirche in der Zentrums­partei eine wirkungsvolle Vertretung ihrer Interessen im Staate und in der Regierung selbst besitzt.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie zum Voun^-plan.

Berlin, 20. Juni. (Priv.-Txl.) Dem09. S. zufolge hat der Reschsverband der Deutschen In­dustrie eine Entschließung gefaßt, in der der Boungplan als untragbar und wirt­schaftlich bedenklich bezeichnet, jedoch auch

Debatte im Hessischen Landtag.

Darmstadt, 19. Juni. Präsident Delp er­öffnet die Sitzung um 10,20 SIhr bei schwach be­setztem Haus.

Auf eine kleine Ansrsage des Abg. Maurer (S.) wegen ungerechter Veranlagung zu den Beiträgen der Land - und forstwirtschaft­lichen Derufsgenossenfchaft für Hes­sen wird erwidert, daß diese Berufsgenossenschaft der Dienstaussicht des Reichsversicherungsamtes untersteht, doch fei die Berufsgenoffenschaft um eine andere Verteilung der Beiträge gebeten worden.

Auf eine kleine Anfrage des Abg. Maurer ne r wegen der Millionenerbschaft Ern- rnerich-Astor erwidert die .Regierung, in dieser Sache sei die hessische Regierung schon feit mehreren Jahren tätig und durch Vermitt­lung des Auswärtigen Amt^s in Berlin bemüht gewesen. Weder die hessische Regierung noch das Auswärttge Amt könnten von sich aus die Rechts­lage klären, wer als Erbe nach dem am 16. De­zember 1816 verstorbenen John Nicholas Eme­rick anzusehen ist und ob deutsche Nachkommen heute noch Erbansprüche mit Erfolg stellen können. Es wird daher Öntereffenten anheimgegeben, sich unmittelbar mit dem deutschen Generalkonsulat in Reuhork in Verbindung zu setzen.

Abg. Frau H a 11 e m e r (Ztr.) wendet sich ge­gen die Auswüchse in den Vorstellun­gen der Kinos, Theater und in den Auslagen der Zeitungsstände. Die von der Regierung ge­gebene Erklärung, daß die bestehenden Gesetze streng durchgeführt würden, genügt nicht. Die Filmzensurstellen müssen vermehrt werden. Das Hessische Landestheater habe eine große Sra= dition zu erfüllen und sie in zahlreichen Auf­führungen hochgehalten, aber die bolschewistisch tendierten und sittlich zersetzenden Stücke, wie Revolte im Erziehungshaus",Androklus und der Löwe",Herr Lambertier" usw. hätten auf der Bühne des Landestheaters keine Berech­tigung.

Abg. Dr. Werner (frakttonslos) erblickt in dem Kinokapitalismus die scheußlichste Form der Profitgier: 99 Prozent der Filmerzeugnisse dien­ten nur zur Befriedigung der niedrigsten Regun­gen der Seele. (Zwischenruf:Hugenberg".) Ich habe schon einmal gesagt, daß das Darmstädter Theater immer mehr zu einer jüdischen Pepinerie wird.

Abg. (Salm (Komm.) erklärt, gerade die russi­schen Filme beiitzen erzieherische Tendenz. Rur weil sie die Verlogenheit der deutschen und ameri­kanischen Filme nicht haben, finden sie dieGegner- schaft der Dunkelmänner.

Abg. Frl. Birnbaum (DV.) ist ebenfalls mir der Regierungsantwort unzufrieden. Die

Frage ist eine Schicksalsfrage unseres ganzen Volkes, die Handhabung des Gesetzes gegen Schmutz und Schund ist viel zu umständlich und zeitraubend. Dis ein Verbot rechts­kräftig wird, ist meist die gesamte Auflage ver­griffen.

Abg. Reiber (Dem.): Wenn man selbst der Auffassung ist, daß es bekämpfenswerte Aus­wüchse gibt, so kann man trotzdem der Auffassung fein, daß es unzweckmäßig ift, die bereits be­stehenden polizeilichen Maßnahmen zu erweitern. Wichtiger ist, daß wahre Kunst unter Polizei, lichen Kunst auf f assungen nicht zu leiden hat. Vielevaterländische" Filme sind nach meiner Ansicht ausgesprochener Schund. Der Ruf und Ruhm der Darmstädter Bühne als eine der allerersten im Reich ist unbestritten. Wem die Einstellung eines Stückes nicht zusagt, braucht es sich nicht anzusehen. Auch der lebende Künstler einer unruhigen Zeit mutz zu Worte kommen.

Abg. Kaul (S.): Die SInmoral und Slnsittlich- keit der herrschenden besitzenden Klassen ist viel größer als die der breiten Massen. Die Begriffe Schund und Schmutz find sehr verschieden und durch religiöse und politische Erwägungen be­stimmt. Ser größte Teil der Kinobesucher ist sicher kein Gegner des vorliegenden Zentrums­antrages.

Abg. Dr. Werner erinnert an eine Reihe von Prozessen links gerichteter Persönlichkeiten.

Abg. Ille (Z.): Wir kennen keine Doppel­moral. Wer sich gegen das Sittengesetz vergeht, verdient Strafe, ob er Kaiser oder Kärrner ist.

Mit 29 gegen 24 Stimmen wird der Antrag angenommen, bei der Reichsregierung auf eine Beseitigung der Auswüchse zu bringen und ebenso in Hessen geeignete Maß­nahmen zu ergreifen.

Die Genehmigung zur Erhöhung der Simlage der Versicherungs-Anstalt für ge­meindliche Beamte wird einstimmig ab­gelehnt.

Auf Antrag Werner-Böhm (Dn.) wird die Regierung ersucht, beim behördlichen Einkauf in Warenhäusern in erster Linie mittelständische Geschäfte heranzuziehen.

Abg. Kunkel (D. Vp.) plädiert für die Aus­hebung der Stempelgebühr bei Offenhaltung der Bankbetriebe an Feiertagen, wogegen sich Abg. Winkler (Zentr.) wegen der Kon­sequenzen für das Gastwirtsgewerbe usw. aus- spricht. Der Antrag wird abgelehnt.

Gegen die Auswüchse der Immunität der Abgeordneten wendet sich Abg. Dr. Wer­ner (fraktionslos). Der Antrag wird für er­ledigt erklärt, da der zuständige Ausschuß in Zu­kunft evtl. Fälle sehr scharf prüfen will.

Da das Haus beschlußunfähig ist, vertagt Vize­präsident Blank die Sitzung auf Donnerstag.

festgestellt wird, daß durch den Verlauf der Pa­riser Konferenz kein wirtschaftliches, sondern ein politisches Ergebnis er­zielt worden sei, zu dem der Reichsverband der Deutschen Industrie als wirtschaftliche Körper­schaft keine Stellung zu nehmen habe.

$ür em befristetes Getreidemouypol.

Wie dievosslsche Zeitung" hort, hat sich der Sachverständigenausschuh für die Ge­treidevalorisierung im Prinzip für ein G e t r e i d e - Handelsmonopol für Roggen und Wel­zen, das auf ein Iahr befristet fein soll, entschieden. Die Entscheidung erfolgte mit allen Stimmen gegen die des demokratischen Abgeord­neten Oskar Meyer.

Weder Anfall noch Erkrankung des Reichspräsidenten.

Berlin, 19. Juni. (WTB.) Im Laufe des heu­tigen Tages kursierten in Berlin Gerüchte, daß der Herr Reichspräsident, der sich bekanntlich zur Zeit in O st preußen befindet, das Opfer eines Unfalls geworden sei. Von anderer Seite wurde behauptet, er sei erkrankt. Stuf Grund direkter Erkundigungen kann demgegenüber amt- l i ch f e st g e st e l l t werden, daß der Herr Reichs- präsidentsich der be st en Gesundheit erfreut.

Herabsetzung der Vergnügungssteuer in Berlin.

Berlin, 19. Juni. (WTB.) Der Magistrat hat in seiner heutigen Sitzung dem Beschluß der Finanz- und Stcuerdcputation, oci der Vergnügungssteuer der Notlage der Kinotheater Rechnung zu tragen und diese Steuer bei nachgewiesenem Einnahmerückgang in der Zeit vom 1. Mai bis 15. September um ein Drittel bzw. um die Hälfte herabzusetzen, zugestimmt. Der Magistrat hat gleichzeitig diesen Beschluß, soweit er die Kino- theater betrifft, auch auf die Sprechbühnen ausgedehnt.

Ans aller Wett.

Schweres Eisenbahnunglück in L «Isländern.

Infolge eines Erdrutsches entgleiste die Lokomo­tive eines Lisenbahnzuges bei Moerbeke, in der Röhe von Grammont (Ostslandern), und legte sich quer, über die Schienen. Wenige Augenblicke später tarn aus entgegengesetzter Rich- fungein Zug, der Arbeiter aus Gent beförderte, und fuhr auf die Trümmer auf. Die Wirkung war entsetzlich. Mehrere Wagen wurden zerstört. Bisher konnten acht Tokeund 1 5 verletzte geborgen werden.

Hochbahnunglück in Ncuhork.

Reu yo rk, 20. Juni. (WTB. Funkspruch.t Auf der höchsten Stelle der Reuyorker Hochbahn zwischen der 112. und 113. Straße fuhr ein aus Holzwagen bestehender Zug auf einen vor ihm fahrenden Zug auf. Der letzte Wagen des ersten Zuges und der erste Wagen des nachfolgenden schoben sich inein­ander und der vordere Zug wurde noch eine Strecke weitergeschoben. Rach den bisherigen Mel­dungen wurden bei dem Zusammenstoß e i n Schaffner gelötet und 30 Insassen der ineinandergeschobenen Wagen so schwer ver­letzt, daß an dem Aufkommen vieler ge­zweifelt werden muß. Unter den Insassen beider Züge brach eine furchtbare Panik aus, die

dadurch noch vermehrt wurde, daß die Trümmer in Brand gerieten und die Unglücksstelle sich in der höhe des siebenten Häuser st ock- wertes befand. Der brennende Zug fehle auch die Holzschwellen des Bahngleises in Brand, so daß nur wenige Reisende sich zu retten versuchten, sondern (auf jammernd das Eintreffen der Feuerwehr ab- warteten, die, mit Hochleitern ausgerüstet, alsbald an der Unglücksstelle erschien. Der Brand war in­zwischen bereits soweit vorgeschritten, daß bren­nende Trümmer auf die Straße fielen und die untenstehende Menge gefährdeten. Infolge­dessen war auch die Rettung der verletzten aus den Trümmern äußerst schwierig.

Bis 39 Grad im Schatten in Amerika.

Reuhork, 19. Juni. (WB.) Die nunmehr eine volle Woche dauernde Hitze erreichte gestern mit 3 4 Grab Celsius einen Höchst­stand, wie er seit dem Bestehen des 'Detter­bureaus noch nicht verzeichnet worden ist. Aus einigen Städten in der Simgegend von Reu­hork werden sogar noch höhere Tempera­turen, und zwar bis zu 39 Grad im Schatten gemeldet. Aus fast allen Städten im Rordosten des Landes sind Meldungen Über Hitz- schlüge eingetroffen. Seit gestern sind in den östlichen Staaten sechs weitere Personen der Hitze erlegen. Die Zahl der vom Hih- schlag Getroffenen ist groß. Die Bewohner der dichtbevölkerten östlichen Bezirke Reuyorks leiden unter der Hitze außerordentlich. Die An­gestellten der Verwaltungsbureaus der Zentral­eisenbahn im Reuyorker Stadtbezirk wurden wäh­rend der Mittagsstunden beurlaubt.

Schweres Aulomobilunglück bei Innsbruck.

In Innsbruck ereignete sich in der Krane- bittcr-Allee bei Innsbruck ein schweres Autoun­glück. Ein neunjähriges Mädchen, dessen Eltern auf einem Felde neben der Straße arbeiteten, wollte vor einem Auto rasch die Straße über­queren und lief dabei in den mit vier Damen besetzten Kraftwagen hinein. Die Len­kerin, Fräulein Rüburn aus Reuhork, fuhr bei dem Versuch, auszuweichen, mit voller Wucht gegen einen Baum und erlitt schwere Verletzungen, denen sie während einer so­fort vorgenommenen Operation im Krankenhaus erlag. Ihrer Mutter wurden durch den hef­tigen Anprall einige Rippen gebrochen: ihre Schwester kam mit leichten Prellungen und Haut­abschürfungen davon, während eine weitere Schwester unverletzt blieb. Das neunjährige Mäd­chen wurde lebensgefährlich verletzt.

Großzügiger Weltschwindel.

Ein raffiniertes System zur Durchführung von Wettschiebungen, deren Opfer konzessionierte Buchmacher waren, wurde in Berlin durch die Verhaftung eines gewissen St an holz aufgc» deckt. Die Seele des Sinternehmens war, wie schon in früheren ähnlichen Fällen, ein gelernter Funktelegraphist Wudtke, der die drahtlosen Rachriwten über die Siege auf französischen Rennplätzen auf unrechtmäßigem Wege ab* hörte und entzifferte. Er teilte dann das Resultat, noch ehe es auf dem gewöhnlichen Wege an die offiziellen Buchmacher gelangt fein konnte, seinem Gehilfen Stanholz mit, der sich in einem Lokal in der Rähe eines Buchmachers aufzuhaltcn pflegte und so in der Lage war, noch vor Toresschluß Wetten über große Beträge mit sicherem Erfolg anzulegen. Wudtke baute das System dann noch aus. Richt nur verschaffte er sich größere Geldmittel durch Beteiligung eines Schlächtermeisters und eines Fuhrwerk­unternehmers, sondern er schaltete auch, um eine Entdeckung des S^windels zu erschweren,

weitere Glieder in die Rachrfchtentett? ein. Sein Gehilfe Stanholz hielt sich nunmehr dauernd innerhalb des Buchmacher» ladens in der Rähe des Schaufensters <ms. Einer der anderen Gehilfen erhielt die Ramen der Sieger auf dem gewohnten Wege übermittelt, schrieb sie groß auf den Rand einer Z «i -. tung und ging dann an diesem Wettladen vor­bei, äjne ihn zu betreten, was auch nicht nötig war, da Stanholz mit einem Blick durch die Scheibe sich hinreichend informieren kannte. Wudtke selbst inszenierte aber schließlich, um den Fuhrwerksunfernehrner und den Schlächter­meister um ihre eingeschossenen Beträge zu prÄ- len, eine Verhaftung dieser Mittelsmänner durch eine falsche Kriminalstreife und erreichte dann von den beiden Geschäftsleuten.unter dem Dorgeben, eine Riederschlagung des Verfahrens betreiben zu können, d i e § e r * gabeweitererGeldbeträge, bis die be­treff enden die Geduld verloren und Anzeige erstatteten. Dem Slrheder des ganzen Schwindels, dem Funker Wudtke, ist es gelungen, rechtzeitig zu flüchten. Die Summen, die das Konsortium erbeutet hat, sollen innerhalb zwei Iahren etwa 100 000 Mk. betragen haben.

Zwei Männer Im Rhein ertrunken.

Beim Baden im Rhein am sogenannten Stap bei Dinslaken geriet ein >43jähmger Wsnn in einen gefährlichen Strudel und wurde in d ie Tiefe gerissen. Sein Kollege, ein 40jähriger Mann, versuchte, ihm Hilfe zu bringen, wurde aber ebenfalls von dem Strudel erfaßt und ver­sank sofort. Der Vorfall spielte sich vor den Augen der entsetzt am Slfer stehenden Frauen und Kinder der beiden Männer ab.

Dieder zwei Tote bei einem Brande.

In einer Malerwerkstatt im Rordosten Ber­lins entstand durch angebliche Slnvorsichtig- keit von Arbeitern Feuer, das auf die leicht brennbaren Stoffe in der Werkstatt Übergriff. Ein junger Mann und ein junges Mädchen, die sich bemüht hatten, vor Eintreffen der Feuer­wehr die Flammen zu löschen, hatten s p schwere Brandwunden davongetragen,daß sie nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden mußten. Hier erlagen beide nach ihrer Einlieferung den erlittenen Drand- verlehungen.

Kunst und Wissenschaft.

Trauerfeier für Professor heinsheimer.

Unter ungewöhnlich großer Beteiligung fand auf dem Heidelberger Bergfriedhof die Trauerseier für den verstorbenen Rektor der Universität Heidelberg, Geheimrat Professor Dr. Heins­heimer, statt. Die Universität war durch den Lehrkörper und die Studentenschaft außerordentlich stark vertreten. Die Trauerrede hielt Pfarrer Maas. Prorektor Professor D i b e l i u s drückte die Trauer der Universität über den unerwarteten Verlust aus. Er gedachte des verdienstvollen Wirkens des Ver­storbenen als Rektor in diesem gerade für die Hoch­schule so wichtigen Jahre der Entscheidungen. Für die juristische Fakultät sprach Professor Dr. Rad - bruch. Minister Dr. Seers sprach für das ba­dische Unterrichtsministerium. Die Stadt Heidelberg war durch Oberbürgermeister Dr. N e i n h a u s ver­treten. Auch der Verein Deutscher Zeitungsverleger, bei dessen Heidelberger Hauptversammlung Professor Dr. Heinsheimer kürzlich noch so schöne Worte über die Presse gesprochen hatte, ließ durch Dr. Knittel und Geheimrat W a l d k r i ch einen Kranz nieder­legen. Dann bewegte sich ein langer Trauerzug von der Leichenhalle zum Grabe, wo unter Musikklcmqen und gesenkten Korporationsfahnen der S Erde übergeben wurde.

Oie Wetterlage.

^Aittv/och,

StydlSf.-

V55

2-

W

/W ' 1Z ° w

ZH 7 - -*<3

^3 fU&M 76 aatf

KHar.

30 ^=9»

c

0 woixenlos. 0 nener. <j naiö oedecKu 0 woinig. O oedecXL «Keglig * Schnee a Graupeln, e Neöel K Gewitter.^Winostiiie-O» sei» eichtet Ost ^5 massiger lüdsuowesL <5 stürmischer «ordwest Oie Pfeue fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zah­len geoen die Temperatur an. Die Linien veroindeo Orte mit gleichem »uf Mezresnlveau umoer«nneUrwUiftdrucfc

Wettervoraussage.

Ein Ausläufer der Nordmeerstörung greift über das deutsche Nordseeküstengebiet bis nach Nordwest­deutschland vor, wo es bereits zum Auftreten von Bewölkung gekommen ist. Sein Einfluß dürste sich weiter südwärts ausbreiten und auch in unserem Bezirk zu Bewölkung und Gewitterstörungen führen. Der Umschlag ist jedoch nur vorübergehend, denn von Westen her breitet sich erneut hoher Luftdruck aus, der wieder zu sommerlich warmem und trocke­nem Wetter führen wird.

Wettervoraussage für Freitag: Vor­übergehend vielfach Gewitterstörungen, dann erneut sommerliches Wetter.

Wettervoraussage für Samstag: Meist heiter, warm und trocken.

Lufttemperaturen am 19. Juni: mittags 26,8 Grad Celsius, aber. - 17,6 Grad: am 20. Juni: morgens 19 Grad. ,mum 28,8 Grad, Minimum 11,7 Grad. örfcicnipcraturen in 10 cm Tiefe am 19. Juni: abends 28,2 Grad, am 20. Juni: morgens 20,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 11 Vi Stunden.