Ausgabe 
20.3.1929
 
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Mittwoch, 20. März 1929

119. Jahrgang

Nr. 67 Erstes Blatt

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inb der Ansicht, daß die Lage zur Zeit ge-

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Oie Lage in China

Der Witte zur Einigkeit.

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mindestens aber bis zum 2ahr 1930, verscho­ben werden mußte. Herremans kommt bei sei­nen obigen Feststellungen zu dem Schluß, daß die in Brüssel abgegebenen Erklärungen Frank- Heines nichts gegen die Echtheit der in Frage stehenden Dokumente besagen. Frank- Heine sei augenscheinlich durch die Utrechter Ver- öfsentlichung des einen Dokuments plötzlich un­erwartet in Bedrängnis geraten, aus der er sich nur durch Abgabe unwahrer Erklä­rungen habe herausreden können, was für ihn um so leichter sein muhte, als er Beziehungen zu sehr hohen belgi­schen Persönlichkeiten besitze. Außerdem habe Frank-Heine auch gewußt, daß er von den holländischen Erwerbern der Dokumente nach de­ren Ablieferung keine weiteren finan­ziellen Vorteile mehr zu erwarten hatte, so daß es ihm kaum schwer gefallen sein könnte, die Dokumente oder mindestens das veröffent­lichte Dokument nachträglich zu desavou­ieren. Die Freilassung Frank-Heines sei LieApotheosediesesSpielsderHeu- chelei und des Betrugs gewesen. Herre- mans schließt seine Schrift mit folgenden Worten: Bon dieser ganzen elenden Komödie würde man niemals etwas erfahren haben, wenn man mich rechtzeitig hinter Schloß und Riegel hätte setzen und mir für immer das Schweigen hätte aufer­legen können."

Ein ärztliches Gutachten für Trotzki.

Berlin, 20. März. (Prim-Tel) Der Berliner Rechtsvertreter Trotzkis, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Kurt R o - s e n f e l d, hat bei der Reichsregierung und zugleich bei dec preußischen Staatsregierung ein ärzt- liches Gutachten eingereicht. Darin erklärt Professor Dr. Julius Eit r o n , der im Jahre 1926 gemeinsam mit Professor Kraus den an einer fieberhaften Erkrankung leidenden Trotzki in Ber­

lin behandelt hat, daß eine damals bei dem Patienten vorgenommene Operationohneden gewünschten Erfolg blieb. Professor Citron bezeichnet es als wünschenswert, daß der kranke Trotzki heute von denjenigen Aerzten, die seine Krankheit noch von damals her genau kennen, be­handelt werden kann.

goms, der sie von der norwegischen Grenze abgeholt hatte, eingetroffen. Nachmittags unternahm das Brautpaar im offenen Wagen eine Fahrt durch die Straßen der Stadt, bei der es von der Bevölke­rung herzlichst begrüßt wurde. Heute abend findet im Schloß eine Soir6e statt.

Hilfe vom Ausland zunichte machen würden. Daher dürfte das gemeinsame Interesse schließlich überwiegen und die Beilegung der laten­ten Differenzen herbeiführen. Dergleichen Manöver mit Rücktrittsgesuchen und Abreisen wie auch die heutige plötzliche Erklärung des alten Kuomintangführers Tsaiyuanpei, wegen Er­kältung von Schanghai nicht nach Nanking zurück­kehren und am Kongreß teilnehmcn zu können müssen als alte chinesische Berzöge-

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Dr. Fnedr. Will;. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

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London, 20. März. (ZDIB. Funkspruch.) Rach derFinancial Times" nannte Moreau die Summe, die Frankreich von der Mobilisierung der deutschen Schuld erwartet, zehn Milliarden Mark. Großbritannien soll vier Milliarden und Belgien drei Milliarden Mark erwarten. Die Gesamtsumme der vorgebrachlen Ansprüche würde eine deutsche Annuität von 1 2 40 Millionen Mark bis 1,5 Milliarden Mark erfordern. Ls bestehen Anzeichen, daß Deutschland es ablehnen wird, die Zahlung einer derartigen Summe zu erwägen. Moreau er­klärte in seiner Rede mit Orocn $oung, weniger als ad)t Milliarden Mack würden für Frankreich unannehmbar sein.

Der Pariser Korrespondent derTimes" hält die Meinungsverschiedenheit für so ernst, daß die ganze Arbeit des Ausschusses gefährdet werden könnte. Frankreich würde durch einen Fehlschlag der Verhandlungen und durch eine Rückkehr zum Dawesplan weniger zu verlie­ren haben, als irgendein anderes Land, wenn auch alle Alliierten es sich leisten können, sich mit einem olchen Ergebnis abzufinden. Die Mcinungsver- chicdenheil zwischen dem französischen und dem deutschen Standpunkt scheint augenblicklich die heikelste Seite der Verhandlungen zu sein. An­dererseits würde ein Fehlschlag nach so langen Ar­beiten sicher derartig ernste Rückwirkungen nicht nur in Deutschland ausüben, daß Grund zu der Hoffnung besteht, daß die Rationen in ihrem eige­nen Interesse eine Regelung zustandebringen werden. Am Schwänze aufgezänmt?

Wenn ein Kaufmann mit einem andern einen Vertrag schließen will, der ihm bestimmte, lange laufend Verpflichtungen auserlegt, so einigen sich beide zunächst über die Höhe des Ges am t- objekt s. Wenn man z. B. ein Automobil auf Ratenzahlungen kauft, so stellt man zunächst fest, wieviel es kosten soll, bevor man sich über den Zahlungsmodus einigt. Ob dann 12 Monatsraten zu je T Mark oder 20 zu je V Mark vereinbart werden, ist eine sekundäre Frage. Ob die Zahlung durch Wechsel zu geschehen hat, oder ob fte ie- weils an ein« Bank überwiesen wird, ist di« dritte und wenigst wesentliche Frage.

Da in Paris bei dem 'Bemühen um eine Ver­ständigung über die deutschen Reparations­leistungen genau umgekehrt verfahren toiro, so könnte man zu der Annahme gelangen, daß die dort versammelten großen Finanzmännerden Gaul am Schwänze aufzäumen". Denn da ist zuerst in wochenlangen Verhandlungen die tech­nische Seite des Problems aufgerollt worden; man hat versucht, sich über die Methoden zur älebertragung deutscher Zahlungen, über die Ein­teilung in Bar- und Sachleistungen usw. zu einigen; dann erst ist man der Frage der Jah­resraten nähergetreten, worüber aoer noch keine Einigung zu erzielen war; und erst wenn diese erreicht sein wird, kommt die Kern­frage dran, nämlich die Höhe der Ge­sa m t s u m m e , die Deutschland leisten soll, viel­leicht auch noch verbrämt als eine zeitliche Be-

London, 20.Mär;. (MTV. Funkspruch.) Der Pariser Korrespondent desDaily Telegraph" mel­det: Die offiziösen Besprechungen zwischen den Sach­verständigen über die höhe der deutschen Reparationssumme haben bereits begonnen. Außer Dr. Schacht hat auch der Gouvernei,r der Bank von Frankreich, Moreau, eine Konferenz mit dem Vorsitzenden des Ausschusses, Owen D. P o u n g, gehabt, um die Forderungen Frank­reichs zu erläutern.

Der Reuyorker Korrespondent desDaily Tele­graph" berichtet: Menn die Pariser Meldungen über den vom Sachversländigenausschuß erwogenen Reparationsplan zulreffen, wird dieser Plan wenig nach dem Geschmack der amt­lichen Stellen in Washington sein. Es heißt, daß die amerikanische Regierung in dem Plan einen Versuch erblickt, die Alliierten aus demRe­parationsgemälde" zu entfernen, soweit nicht der Empfang der Entschädigung für die zerstörten Gebiete in Betracht kommt und dafür die Ver­einigten Staaten als einzigen und wirklichen Ruhnießer der Reparatio­nen ins £id)t zu rücfen. 3n Deutschland und der übrigen Welt würde dadurch der Eindruck ent­stehen, daß, abgesehen von den Unkosten für wirk­liche Zerstörungen, die ganzen Repara­tionsgelderOnkel Shylock" zugute kommen. Dies würde die Vereinigten Staaten

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Amerika und dieSachverständigen

Oie Vereinigten Staaten wünschen nicht als Meingläubiger für die Reparationen aufzutreten.

antwortlich seien, die den Kriegsgegnern und ihren Staatsangehörigen durch den Krieg entstan­den seien. Und man hat in den folgenden Ar­tikeln die Festsetzung der Höhe der hieraus hergeleiteten Ersatzforderung auf unbe­stimmte Zeit und ebenso der Höhe nach unbestimmt gelassen. Tatsächlich ist also das Objekt der jetzt zur Erörterung stehenden Transaktion noch nie und nirgends fest­gesetzt, so daß man sich auf Umwegen und mit allerhand Vorfragen langsam an diese Kernfrage heranarbeitet.

Aber auch auS anderen Gründen ist das Pa­riser Verfahren nicht, wie es scheinen möchte, sinnwidrig. Denn die Höhe der IahreSzahlun- gen, selbst wenn ihre Dauer festgestellt ist, be­stimmt die Höhe der Gesamtverpflichtung bet Derartig lange laufenden Vereinbarungen nur un­ter der Voraussetzung, daß Zinsfuß und Geldwert einigermaßen unverändert bleiben. Das ist sicherlich nicht der Fall, und deshalb bilden die Annuitäten den entschei­denderen Teil der Vereinbarungen verglichen mit der Gesamthöhe. deren Festsetzung fretlich eben­falls wünschenswert, ja notwendig ist. Und für diese Iahreszahlungen wiederum ist der Zah­lungsmodus wegen der bekannten Schwierigkei­ten zur Uebertragung von Riesensummen in barem Gelbe, eine notwendige Voraussetzung.

Schwierigkeiten überbrückt werden, da die füh­renden Männer einschließlich Fengjusiangs wissen, daß ein erneuter Zerfall und Kampf sämtliche bis­herigen außenpolitischen Erfolge, die Einigung un­ter der Nankingsregieruna sowie alle weiteren Hoffnungen auf politische Erfolge gegenüber dem Ausland oder politische und wirtschaftliche

immer unpopulärer im Auslande machen, und es heißt, daß W Washingtoner Regierung zu einer solchen Regelung niemals ihre Zu- stimmung geben würde.

Deutschlands Wirtschaftslage.

Der Bericht

des amerikanischen Handelsattaches.

Washington, 19. März. (WTB.) Das Handelsamt veröffentlicht jetzt den am 15. März teilweise bekannt gewordenen Bericht des Ber­liner amerikanischen Handelsattaches Allport im vollen Wortlaut. Der Bericht, der vom 8. März datiert ist, erklärt, die Depression der Ge­schäftslage äußere sich u. a. in der Zu­nahme der Arbeitslosigkeit und der Bankrotte, in der Richteinhaltung finanziel- ler Verpflichtungen, in der Verringerung deS Güterwagenverkehrs und des Zurückgehens des Umsatzes im Handel mit Anlagepapieren. Die Arbeitslosigkeit bis zum 15. März werde auf 1 300 000 geschätzt. Etwa ein Drittel der jetzigen Arbeitslosigkeit fei durch das Frostwetter ver­ursacht. Sie Reichsbanklage sei Ende Februar etwas weniger günstig gewesen als in den Vor­monaten. Trotz der allgemeinen ungünstigen Ge­schäftstendenz hätten gewisse Industriezweige ein befriedigendes Betriebsniveau beibehalten, be­sonders die chemische, die elektrische, die Papier- und die Eisen- und Stahlindustrie.

Giftgas.

Ohne Frage leben wir heute in einer Zeit des technischen Fortschrittes, der kühnsten Erfindun­gen und der unglaublichsten Sensationen. All das ft außerordentlich realistisch, ja im Grunde ge­nommen so realistisch, daß für die Romantik der Erfindergenies in Anbetracht des Tempos nicht mehr viel übrig bleibt. Lind doch ist diese Zeit höchst merkwürdig. Auf der einen Seite wird Die Menschheit noch sehr von den furchtbaren Eindrücken des Weltkrieges beherrscht. Vernünf­tige Menschen nahmen das zum Anlaß, um eine Präventivaktion gegen etwaige Kriege zu unternehmen. Diesen- Menschen schlossen sich anderseits internationale Phantasten ! an, die vom Humanitätsgefühl übermannt, be­reits glaubten, die Treuga Sei, den Gottes- I | rieben a u f Erden installieren zu können, i Daneben gesellten sich dieser Richtung aber auch I Kreise, die aus einer gewissen Feigheit heraus, nennen wir es modern Minderwertigkeitsgefühl, aus Furcht vor dem Phantom des mächtigen Deutschland, glaubten, zur Realisierung des Weltfriedens schreiten zu müs­sen, auf einem Wege, der mit Kanonen, mit Flug- zeugen und anderen grausamen Vernichtungs­mitteln gespickt wurde. Sicherheit wurde der 'Wrüstung gegenübergestellt. Rüstung wurde mit Der Unsicherheit und dem Mißtrauen, das man | ntoar nicht begründen konnte, gerechtfertigt.

Dazwischen unternahm man Aktionen, ohne beson- k dere Anstrengung, die nach außen hin den Friedens- cngel repräsentieren sollten, im Grunde genommen > aber eben n u r A t r a p p e, nur Staffage sind, ohne' im Ernstfälle wirksam werden zu können. Man gründete ursprünglich den Völkerbund in der Absicht, wenigstens heißt es so in der Satzung, damit , ein Gremium zu schaffen, das eine kriegerische Aus­einandersetzung beinahe unmöglich machen oder eben Mir für den allerletzten Ausweg zulassen sollte. Da­bei ist sicher manch ehrlicher Gedanke mitverwandt morden, das leugnen zu wollen, hieße die Geschichte i Lügen strafen. Genau so wäre es verfehll, den Kellogg Pakt zu einer bloßen Farce hcrabzu- ; loüröigen. Die ursprüngliche Zdee war aufrichtig ge- j meint, die Wirkung des Vertrags ist auch gut ge° I wesen, trotzdem verbleibt naturgemäß nach wie vor bie Gefahr, daß in einem Ernstfall ein solcher Ser« , trag schließlich, wie es mit den vielen Verträgen der 1 Vorkriegszeit der Fall war, ad acta gelegt wird.

Das Genfer Giftaas-Protokoll, das I beute im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages | ?ur Beratung stand, soll auch ein Schritt zur Ab» | rüstung fein. Der Gistgaskricg ist sicherlich eine l her furchtbarsten Ausartungen der Kriegs- I :cit gewesen. Wenn es gelänge, dieses Mittel endgültig aus der Welt zu fchaffen, so Ware .wahrhaftig viel erreicht. 2m Auswärtigen Aus- 'chuß ist man trotzdem noch skeptisch gewesen. Man i hat jedenfalls festgestellt, daß die Frage des und Luftschutzes auch weiterhin be- I handelt werden muh. Also auch hier ein Fall, | >cr Skepsis mit gutem Willen kontrahiert und h dadurch eine rasche Entwicklung in der Richtung ' her Aechtung aller Kriege auch in Wirklichkeit ' hemmt. Run wäre es verfehlt, mit dem Ressen- | timent aufzuwarten, wie es vielfach gerade die Kreise zu tun pflegen, die sich überhaupt noch nicht recht daran gewöhnen können, daß wir nach dem Kriege einen Zeitabschnitt in der Geschichte Der Menschheit eröffnet haben, der eigentlich schon ! von Grund aus eine kriegerische Entwicklung un- ! möglich macht. Die Wunder der Technik, das I Tempo, die Grenzenlosigkeit der technischen Er- ! fjiidungen. all das wird sicher dazu beitragen, - Die räumliche Beschränktheit, die der Krieg zur Voraussetzung hat. zu zersetzen und damit den i Krieg an sich unmöglich zu machen. Romantik da > unb Romantik dort; dazwischen bewegt sich die : Entwicklung der Wirklichkeit.

Die pariser Reparationskonferenz an einem Mischen Punkt

Frankreich nennt seine Forderungen. - Um die Gesamtsumme der Reparationen.

Oie Hochzeit des Kronprinzen von Norwegen.

Die Braut in Oslo eingetroffen.

Oslo, 19.März. (TU.) Am Donnerstag findet die kirchliche Trauung des Kronprinzen Olaf von Norwegen mit Prinzessin Martha von Schweden statt. Bereits jetzt aber ist Oslo in Feststimmung, zumal, da es 700 Jahre her ist, seit der letzte nor­wegische Kronprinz geheiratet hat. Die Feststim­mung ist noch dadurch erhöht, daß nach langem Winter der Frühling Einkehr gehalten hat. Die 2lusschmückung der Stadt war bereits am Montag­abend beendet. Die großen öffentlichen und pri­vaten Gebäude haben sich auf eine bestimmte Aus­schmückung geeinigt. Lange breite Bänder mit nor­wegischen und schwedischen Farben zieren die Fassaden. Hier und da sieht man die Bilder des Kronprinzen und seiner Braut, umaeben von Grün, norwegischen und schwedischen Farben und mit der Krone geschmückt. Die Straßen sind mit langen Masten eingefaßt, von denen Fahnen wehen. Große Menschenmengen füllen die Straßen, um die Früh­jahrssonne zu genießen. Die Menge wächst stündlich an, bringen doch die Züge unaufhörlich neue Scharen aus der Provinz nach der Hauptstadt. Auch die Eis­obelisken, die einen Teil der Einzugsstraßen um­säumen, sind bereits aufgestellt. Hoffentlich wirken die Strahlen der Frühlingssonne nicht zu stark, da­mit von den Eismassen bis zum Donnerstag noch etwas übrigbleibt. Prinzessin Martha von Schweden ist heute vormittag in Begleitung ihres Bräuti-

grenzung der Iahresleistungen, aus der man sich dann selbst den Gegenwartswert, also die Effektivhöhe der deutschen Schuld wird errechnen müssen. ,

Dieses Verfahren leuchtet nicht ohne werteres ein, eben weil es dem sonst in kaufmännischen Singen üblichen so auffallend zuwiderläuft. Es ist auch wohl in der Hauptsache durch die poli­tisch-diplomatischen Schwierigkeiten der Aufgabe bedingt und entspricht kaum den innersten Rer- gungen und Gepflogenheiten der Männer, die es nun anzuwenden haben. Aber trotzdem kann man nicht ohne weiteres behaupten, daß es sinnwidrig wäre. Senn bei allen kaufmännischen Verträgen und Vereinbarungen ist das Objekt, über das man sich einigen will, im voraus genau bestimmt, also ein Automobil, ein Haus, eine bestimmte Ware xl dgl. Und der Wert dieses Objektes steht von vornherein, mindestens für den Verkäufer, bereits fest.

Bezüglich der deutschen Leistungen aber hat man etwas in der Geschichte noch nie Dagewese­nes getan. Man hat im Artikel 231 des Ver­sailler Vertrages, freilich entgegen den Zusagen der Lansingnote vom Rovernber 1918, die nur Wiedergutmachung der in den Kriegsgebieten entstandenen Sachschäden forderte, festgestellt, daß Deutschland und feine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden ver-

Schanahai, 19.März. (Prio.-Tel.) Die durch den plötzlichen Rücktritt des Kriegsministers Feng- j u s i a n g und den heute erfolgten, ebenfalls mit Gesundheitsrücksichten begründeten Rücktritt des in Peiping weilenden Generals Peichunghsi ge­schaffene Lage ist zwar nicht unbedenklich und in ihrer weiteren Entwicklung noch nicht zu übersehen, jedoch im Augenblick und für die Dauer des Kuo- rnintang-Kongresies kaum bedrohlich. Die Meldung, Fengjusiang verweigere die Ausführung der Nankinger Beschlüsse und Anordnungen, ent- pricht nicht den Tatsachen. Deutsche Beobachter

Oie Utrechter Dokumente.

Ward Herremans über denFallFrank-Heinc Amsterdam. 19. März. (WB.) .Rieuwe Votterdamsche Courant veröffentlrcht im An­schluß an die gestern wiedergegebene Unterredung

1 mit dem nach Holland geflohenen flämischen Iournalisten Ward Herremans einen aus­führlichen Auszug aus der Verteidigungsschrift, die dieser zur Widerlegung der gegen ihn erho­benen belgischen Anklage geschrieben ha. Sie e sehr eingehende Veröffentlichung enthalt zahl- reiche weitere interessante Einzelheiten über den Hergang der Angelegenheit. Unter anderem.wird darin mitgeteilt, daß Frank-Heine, mit dem Herremans nach einer zufälligen Bekanntschaft j-im Zweck der Beschaffung der in örage stehen­den Dokumente in enge Verbindung getreten war eine Anzahl militärischer Papiere aus demHaufe des verstorbenen belgischen Generals Mahieu heimlich entwendet habe, als zwei höhere belgische Offiziere gerade mit der Durchsicht dieser Papiere be- f s ch ä f t i g t waren, ferner, daß der mit öranr* Heine eng befreundete General Mahieu gerade ,n einem Zeitpunkt gestorben fei, als er Heine »u publizistischen Zwecken ein wichtiges Schrift­stück nur für mehrere Tage zur Verfü^ns ge­stellt hatte, das Frank dann nach dem ^ode des Generals behalten habe. Aus dem einen So- hmient ergebe sich deutlich, daß die englische Beteiligung an den Plänen des belgischen und des sranzösischen Generalstabs von letzteren noch als unsicher angesehen wurde da nach Mitteilung eines englischen Unterhändlers die Ratisizierung der von den beiden genannten Generalstäben aufgestellten militärischen Wma- chungen durch die britische Regierung vorläufig.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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