Ausgabe 
19.10.1929
 
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Kind nehmen. Es ist Tatsache (wenn mich nicht genügend bekannt) daß, wenn Mann und Frau in Scheidung leben, das soeben geborene Kind der Frau vom Manne fortgenommen und in Pflege gegeben werden kann. Ganz abgesehen von all den anderen für die Frau sehr un­günstigen Gesehen im Falle einer Scheidung.

Die Stellung des unehelichen Kin­des und der unehelichen Mutter be­darf gleichfalls eines anderen Schuhes. -Zum Kampf um den § 218 ist aus der Erfahrung der Praxis heraus zu sagen: Fast jede gesunde und in einigermaßen gesicherten Verhältnissen lebende Frau hat den Wunsch, das in ihr werdende Leben nicht zu vernichten. Bekommen wir eine erweiterte Fürsorge und duldsamere Moral, so wird der § 218 nur noch zur Diskussion stehen bei Krankheitsfällen.

Mit aller Energie müssen die Frauen anstreben, dah ihre Leistungen als Führerin des Haushaltes und Erzieherin der Kin­der auch geldlich anerkannt werden. Die Frau muh eine bestimmte Summe erhalten, über die sie persönlich verfügen kann. Denn die Haushalts- und Taschengeldfrage ist mit eine der Ursachen unglücklicher Chen. Zu dem der Frau durch Generationen anerzogenen geistigem und sexuellem Minderwertigkeitsgefühl kommt noch die pekuniäre Abhängigkeit gegen­über dem Manne. Sie wird sehr häufig von einem kulturell unentwickelten Manne als Pres­sionsmittel benutzt. Mer auch in seelisch ver­feinerten Ehen ist die pekuniäre Unmündigkeit der Frau eine Quelle der Unstimmigkeit es sollte also schon die Klugheit hier Wandel schaffen.

In der Wohnungsfrage, die ja eminent wichtig ist für Gesundheit und Ethik eines Volkes, müssen die Frauen mehr Einfluß gewinnen. Heber das Hygienische hinaus sind anzustreben: Zen­tralküchen, Zentralwaschküchen, Hauskindergärten usw., damit die durch den Zwang der wirtschaft­lichen Rot berufstätig gewordene Frau Kräfte frei bekommt. Die dreifache Belastung als Haus­frau, Mutter, Berufsfrau geht auf Kosten der körperlichen und geistigen Kräfte: und damit auf Kosten des Volkes. All diese Fragen sind nur vorwärtszutreiben, wenn die Frau mehr als bis­her in Dürgerdeputationen, Parlamenten und Ministerien sitzt.

Frau Rüdiger, Vorsitzende des Verbandesderpost-undTelegraphen- beamlinnen:

Die Beamtinnen müssen wirklich die glei­chen Rechte haben wie die Beamten, wie es ja in der Verfassung zugestanden ist. Demgemäß muß nicht nur die Beamtin bei der Verheiratung vor Kündigung geschützt fein, sondern im Falle ihres freiwilligen Ausscheidens muß auch ihr die Abfindungssumme gezahlt werden wie dem Manne. Die Hinterbliebenen­fürsorge, die bisher sich nur auf Frauen und Kinder erstreckte, ist in einem weiteren Sinne zu fassen. Sie muß sich auch auf weitere Hinter­bliebene der Beamten und Beamtinnen erstrecken, z. B. auf unterstützungsbedürftige Blutsver­wandte, Eltern, Geschwister, sie muß also aus dem engen Kreis der durch Heirat entstandenen Familie hinausgeführt werden. Zur Durchfüh­rung der sozialen und wirtschaftlichen Forderun­gen müssen mehr Beamtinnen in die leitenden Stellen der Berufsvertretungen hinein.

Frau Mhsam-Wetthauer, Vorsitzende der Verliner paussrauen- verelne:

Die Frauen stellen die größte Käufer- schicht des Landes dar, durch ihre Hände geht ein großer Teil des Volkseinkommens. Also buchtet es ein, daß man die Frauen dahin brin­gen muß, die volkswirtschaftlichen Güter möglichst sinngemäß und für die Gesamtheit nutzbringend zu verbrauchen. Man muh demgemäß erzielen: Planmäßige Kenntnis der Haushaltführung, des Einkaufes, der Verwendung, Warenkunde, Le­bensmittelkunde und Ernährungslehre. Weiter: Tätigkeit jedes Einkaufes in Hinsicht aufs Ganze und Entschlossenheit, deutsche Erzeugnisse nicht zugunsten fremder hintanzusehen. 3e klarer die Frau die Zusammenhänge der pri­vaten Wirtschaft mit der des ganzen Landes er­kennt, um so mehr wird sie bestrebt sein, die Durchsetzung ihrer aufs Mlgemeinwohl gerich­teten Forderungen da durchzusetzen, wo die Ge­setze gemacht werden. So müssen mehr Frauen in die Ministerien für Ernährung und Land­wirtschaft. Daß ihre Mitarbeit fruchtbar sein kann, zeigt sich in der Mitarbeit der Frau im Reichswirtschaftsrat.

Frau Dr. Wegscheider, Schulrälin:

Die wichtigste Forderung auf dem Gebiete der Erziehung ist die Koedukation, d. h. die Gemeinschaftserziehung von Knaben und Mäd­chen vom ersten bis zum letzten Schul­jahre. Beide Geschlechter müssen fernen, sich als gleichwertig gegenüberzustehen, sich einander anzugleichen, damit nicht späterhin sie sich als sremd, andersgeartet oder rein erotisch werten. Solange wir die Koedukation nicht haben, sollten anKnabenschulenauch Frauenunter­richten. Die Schulverwaltung müßte mit viel mehr Frauen durchsetzt fein. Denn den Frauen ist es gegeben, den rein bureaukratischen Gang des Schulwesens zu lösen und das seelisch- individualistische Prinzip zur Geltung zu bringen, mit dem man die Iugend gewinnen und erz:ehen kann. Der bisherige Schultyp, auf den man vorderhand noch angewiesen ist, muh elastischer werden, um den verschiedenartigen Begabungen der Kinder besser Raum zu geben.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 20. Oktober, von 19.30 bis gegen 23 Hhr: Carmen. Montag, 21., von 20 bis nach 22 Hhr: Orpheus und Eury­dike. Dienstag, 22., von 19.30 bis nach 22.30 Hhr: Die Macht des Schicksals. Mittwoch, 23., von 19.30 bis 22.15 Hhr: Fra Diavolo. Donners­tag, 24., von 20 Uhr bis 22.30 Hhr: Schwanda, der 'Dudelsackpfeifer. Freitag, 25.: 1. Opern­haus-Konzert. Samstag, 26., von 19.30 bis 22.15 Ähr: Fra Diavolo. Sonntag, 27., von 19 Hhr bis nach 22.45 Uhr: Der Rosenkavalfer.

Schauspielhaus. Sonntag, 20. Oktober, von 11 Llhr bis gegen 12.30 Uhr: Gastspiel des Friedrichs-Gymnasiums zu Kassel: Die Perser des Aischylos, in griechischer Sprache: hon 20 älhr bis nach 22 Ähr: Frau Didal hat einen

Das englische DominionOstafrika" und der Vorschlag Lord noihermeres.

Lord Rothermere, Besitzer des größten Zeitungstrusts Englands, der dadurch einen gro­ßen Teil der englischen Öffentlichkeit beein­flußt, schlug vor lurzem, in einem Reisebericht über Deutschland, die Rückgabe der eng­lischen Mandatsanteile an den früheren deutschen Kolonien Togo und Kamerun vor.

Das geplante britische Dominion «Ostafrika

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Mit dieser scheinbar großzügigen Geste will der ehrenwerte Fabrikant der englischen öffentlichen Meinung die bevorstehende völkerrechtswidrige Eingliederung des Völlermandats Tangan­jika (früher Deutfch-Ostafrika) ins Britische Reich versüßen. Anfang Oktober wurde der Be­richt von Sir Samuel Wilson, des Unter* staatssekretärs des britischen Kolonialamtes über seine Inspektionsreise in Ostafrika veröffentlicht, in toekbem die Vereinigung der englischen Kolo­nien Kenia und llganba mit dem Mandatsgebiet Tanganjika in ein ostafrikanisches Verwaltungs- gebieb vorgeschlagen wird. Der Bericht sieht da­

mit, wie auch schon der früher erstattete Bericht der Hilton-Voungkommifsion, die Schaffung eines britischen DominionsOst- a f r i I a vor, mit Einverleibung des früheren Deutsch-Ostafrika, trotzdem dies juristisch kein britisches Hoheitsgebiet ist. sondern dem Völkerbund nur a l s zeitwei­liges Auftrags gebiet (Mandat) Groß­britannien administrativ unterstellt wupde. Das zukünftige Dominion würde 1 800 000 Quadrat­kilometer umfassen, mit fast 10 Millionen Ein­wohner (zum größten Teil Reger, nur 17 000 Europäer, 15 000 Araber und 5o 000 Inder).

Zum Vorschlag Lord Rofhermeres

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Das frühere Deutsch-Ostafrika würde dabei über die Hälfte des Gebiets und 42 Prozent der Bevölkerung des neuen Dominions bilden. Durch Schaffung des ostafrikanischen Dominions würde nun dieses Rückgrat der nordsüdlichen britischen Zone durch ganz Afrika,von Kairo bis zum Kap", auch juristisch gesichert fein. Für diesen Vorteil könnte Großbritannien leichten Herzens als Preis die Rückgabe der politisch- wie wirt­schaftsgeographisch ganz unmöglichen, schmalen Streifen von Dritisch-Togo (34 000 Quadratkilo­meter mit 190 000 Einwohner) und Britisch- Kamerun (80 000 Quadratkilometer mit 690 000 Einwohner) zahlen, um so mehr, weil nach Ein­geständnis des britischen Kolonialamtes diese zu­meist wenig fruchtbaren Gebiete gegenwärtig mehr Derwaltungskosten beanspruchen, als sie Einnahmen abwerfen.

Geliebten. Montag, 21., von 20 Llhr bis gegen 22.15 Ahr: Der 14. Iuli. Dienstag, 22., von 20 Ahr bis gegen 22.15 Ahr: Der 14. Iulii. Mittwoch, 23., von 20 Ahr bis gegen 22.15 Ahr: Der 14. Iuli. Donnerstag, 24., von 20 Ahr bis 22.30 Ahr: Das Gerücht. Freitag, 25., von 20 Ahr bis gegen 23 Ahr: Die andere Seite. Samstag, 26., von 20 Ahr bis gegen 22.15 Ahr: Der 14. Iuli. Sonntag, 27., von 20 Ahr bis ge­gen 22.45 Ahr: Pariser Leben. Montag, 28., von 20 Ahr bis gegen 22.15 Ahr: Der 14. Iuli.

Oberheffen.

Oer Grünberger Gallusmarki.

+ Grünberg, 17. Oft. Begünstigt vom schön­sten Wetter nahm der diesjährige G a l l u s m a r k t einen allseits guten Verlaus.

Am Dienstagabend versammelte sich schon eine große Menge Schaulustiger auf dem Marktplätze, wo nach einem Marsche der Feuerwehrkapelle Bei­geordneter Keller vom Rathaus« aus eine An­sprache hielt, dabei auf den Freiheitsbrief Kaiser Friedrichs III. vom Jahre 1481 hinweisend, in dem die Verleihung des Marktrechtes an Grünberg und Stiftung des Gallusmarktes verbrieft wurde, und wie trotz allen Stürmen und Nöten der Zeit dieser Markt sich erhalten hab« und zum Gelöbnis auf­forderte, auch weiter fest an ihm zu hangen. Zum sichtbaren Zeichen, daß Grünberg drei Taae unter Marktrecht stehe, fand die Hissung der st ä d t i - schen Marktfahne (blau-weiß-rot) statt.

Am Mittwoch, dem Hauptmarkttag, herrschte schö­nes Herbstwetter. Der Vieb- und Schweinemarkt hatte flotten Geschäftsgang. (Näheres hierüber ist in der Donnerstay-Nummer berichtet.) Brachten die er­sten Morgenzüge auch nicht die Menschenmengen wie in früheren Jahren, desto mehr war der Zu- ström zu Fuß, mit Fahrrad und nicht zuletzt mit Autos und Kraftomnibussen. Auf dem Marktvlatz in der Stadt, ebenso auf dem Markt auf der Käs­wiese standen oft ganze Kolonnen Autos zum Par­ken. Große Scharen Marktbesucher trafen auch mit den Mittagszügen ein, und die Schätzung der Gal- lusmarktbesucher dürfte wohl mit der Zahl 10 000 nicht allzuweit fehlgehen. Gegen Mittag setzte denn auch das Haupttreiben auf dem Krämermarkt und dem Juxplatze ein. Die Zahl der Derkaufsstände war dieses Jahr wieder sehr groß und bildete meh­rere lange Neihen. Der Juxplatz, der bis in die späten Abendstunden seine Anziehungskraft aus­übte, war diesmal besonders reichhaltig besetzt. Daß auch Langfinger ein derartiges Markttreiben zur Ausübung ihres Gewerbes benutzen, zeigten meh­rere Diebstähle. So wurde u. a. einem Landwirt aus Reiskirchen der Erlös für Ferkel (55 Mark) nach kurzer Zeit aus der Rocktasche entwendet und einer Frau wurde das aus der Handtasche gefallene Portemonnaie mit 22 Mark gestohlen. Von dem Geschäftsgang waren die Kaufleute in der Stadt zuerst nicht befriedigt, da ihrer Meinung nach durch das gute Wetter die Geschäfte auf dem Markte den größeren Umsatz hatten, trotzdem war aber auch in der Stadt starker Verkehr und Ge­schäftsbetrieb: die Gasthäuser waren stets gut besetzt. Nachmittags und abends war an einem hal­ben Dutzend Plätzen Tanzmusik.

Am Donnerstag nahm das Markttreiben feinen Fortgang, der auswärtige Besuch war aber be­deutend geringer, da dieser Tag mehr für die Ein­heimischen ist. Am Nachmittag war in der Turnhalle die Gewinnziehung der Gallusmarkt-Lot- t e r i e. Die drei ersten Gewinne: ein Rind, ein Fohlen und eine Nähmaschine fielen der Reihe nach auf die Nummern 1712, 138 und 74.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 18. Oft. Dieser Tage fand hier eine Versammlung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen statt, die stark besucht war. Es wurde Protest erhoben gegen die derzeitigen Sparabbaumaßnahmen der Versorgung der Kriegs­opfer. Bezirksleiter Denner, Gießen, schilderte in einem eingehenden Referat die Lage der Kriegs­opfer. Er wies darauf hin, daß im Laufe dec letz­

ten Jahre ständig ein Aufbau der Versorgung durch das gemeinsame Arbeiten der Organisationen und der Regierung zu verzeichnen sei. Unverständlich sei somit das gegenwärtige Vorgeben der Regierung den Kriegsopfern gegenüber. UeberaU rufe dies größtes Befremden hervor. Erst im Vorjahre habe der Reichstag eine einmütige Erklärung abgegeben, daß für die Opfer des Krieges alles getan werden solle, während jetzt diese Versprechungen durch einen rücksichtslosen Abbau, der für den größten Teil der Kriegsopfer geradezu katastrophal sei, ersetzt wür­den. Es brauche nur die Einstellung der Kapital- abfinbuna angeführt zu werden, wodurch viele Kriegsopfer wirtschaftlich schweren Schaden er­leiden. Die Versammlung war einmütig der Auf­fassung, daß durch eine Eingabe an den Reichstag und alle Parteien sofort darauf hinauszuwirken sei, daß diese Sparabbaumaßnahmen unterbleiben. Der Vorsitzende Ludwig Weltmann ergänzte die Ausführungen des Vorredners und schloß sodann die Versammlung.

Q] Lollar, 18. Oft. Zur bevorstehenden G e - meinderatswahl liegen drei WahlVor­schläge vor: eine Landbundliste, eine unparteiische Bürgerliste und eine sozialdemokratische Liste. Der Landbund hat folgende Kandidaten aufgestellt: 1. Ludwig H o f m a n n V., Landwirt und Gemeinde­rat: 2. Heinrich Moos VI., Landwirt und Ge­meinderat: 3. Friedrich Geißler IV., Landwirt und Gemeinderat: 4. Heinrich Schön II., Landwirt: 5. Heinrich Geißler VIII., Landwirt: 6. Karl Frey, Mühlenbesitzer und Landwirt. Der das KennwortVereinigte B ü r g e r l i st e" tra­gende Wahloorschlag weist zwölf Namen in folgender Reihenfolge auf: i. Martin iaubert, Steuer­inspektor und Gemeinderat: 2. Heinrich Henkel- mann III., Schreinermeister und Landwirt: 3. Hch. Fuchs V., Reichsbahn-Rottenmeister; 4. Heinrich Rain II., Magazinverwalter: 5. Georg Schnell, Schuhmachermeister: 6. Ludwig Hofmann VI., Metzger und Landwirt: 7. Ludwig Muth, Händler: 8. Wilhelm Schultheis, Stellwerksmeister: 9. Jost Rauch, Hüttenarbeiter und Landwirt: 10. E. Wilhelm Kutscher, Schlossermeister: 11. Karl Brück, Reichsbabn-Betriebsassistent: 12. Robert Ewald, Werkmeister. Der sozialdemokra- tische Wahlvorschlag umfaßt nachstehende zwölf Namen: 1. Georg Wissemann, ehemaliger Eisenbahnschlosser; 2. Ernst Klinket, Schlosser: 3. Wilh. Deußing, Schlosser: 4. Wilh. Zecher, Hüttenarbeiter: 5. Fritz Rohrbach, Maschinen­meister: 6. Karl Klinkei, Schlosser: 7. Ernst Wolf, Dreher: 8. Hermann Hahn, Former; 9. Jakob Lehr, Hüttenarbeiter; 10. Fritz Riehm, Hüttenarbeiter; 11. Karl Frank, Schlosser; 12. Stefan Boßhammer, Former. Zwischen der Landbundliste und der Vereinigten Bürgerliste be­steht Listenverbindung.

T Aus der Rabenau, 17. Oft. Obwohl schon seit einigen Tagen die 0 b st e r n t e unter Dach und Fach ist, besteht bis heute nur sehr geringe Nachfrage nach Obst, besonders nach Fall- und Schütteläpfeln, die sonst hauptsächlich zur Apfel­weinbereitung sehr gesucht waren. Der niedrige Preis von 2,50 bis 2,75 Mark lohnte kaum das Ab­schütteln der Aepfel, sofern es von fremden Arbeits­kräften besorgt werden mußte. In diesem Herbst sind deshalb die Erzeuger gezwungen, auch dieses Obst im eignen Haushalt zu verwerten, das durch das vermehrte Bereiten von Hohenastheimer geschieht. Auch das Tafelobst ist zum größten Teil eingekellert und wird hier und da nur in kleinen Mengen von Verbrauchern aufgekauft. Die Preise für erste Quali­tät der Sorten Goldreinette von Blenheim, Schöner von Boskoop, Harberts Reinette usw. sind verhält­nismäßig gering und betragen durchschnittlich 11 bis 13 Mark.

* Rödgen, 18.Oft. Eines guten Besuches hatte sich ein dieser Tage hier veranstaltetes Konzert des Kurorchesters Neuwied-Oberbie­ber a. R h. zu erfreuen. Musikdirektor Knirsch hatte sein Orchester, in dem auch ein Sohn unserer Gemeinde mitwirkt, vortrefflich in der Hand. Di« verschiedenen Stücke der Programmfolge wurden überaus exakt und f lang rein zum Vortrage gebracht. Di« dankbaren Zuhörer spendeten reichen und wohl­verdienten Beifall. Das Orchester dürfte mit dem 1

musikalischen wie auch mit dem finanziellen Erfolg des Konzerts recht zufrieden fein.

s. Aus dem Horlofftal, 15. Ott. In diesem Herbst macht sich auch in unserer Gegend eine bisher in diesem Umfang nicht gekannte Absatzschwierigkeit aller landwirtschaft­lichen Erzeugnisse geltend. Während in früheren Iahren die meisten Kartoffeln vom Acker weg zu den Verladestationen gebracht werden konnten, kam in diesem Iahr während der Ernte überhaupt kein Geschäft in Gang. Selbst jetzt, zwei bis drei Wochen nach ihrer Beendigung, herrscht kaum Rachfrage, so daß sich auch noch keine Preise gebildet haben; nur zögernd hört man 2,80 bis 3 Mk. für den Zentner nennen. Ebensowenig ist Getreide gefragt. Nachdem die örtlichen Aufkäufer eine Zeitlang überhaupt keinen Weizen annahmen, da ihre Lager noch gefüllt waren, zahlen sie jetzt für gute Qualität 24 Mk. für den Doppelzentner. Gerste, die unsere Landwirte infolge ihres hohen Preise- im vorigen Iahre im größeren Umfang angebaut haben, findet jedoch gar keinen Absatz. Es wäre sehr zu wünschen, dah sich unsere Brauereien mit einheimischer Gerste eindeckten,'zumal sie in diesem Sommer vorzüglich gediehen ist. Ange­zogen haben in geringem Maße die O bst - preise, indem für gut sortiertes Tafelobst bi- zu 11,50 Mk. je Zentner geboten wird. Fette Schweine sind nach wie vor am Preis, für das Pfund Lebendgewicht zahlen die Metzger 85 Pf., für Rindvieh 48 bis 60 Pf. je nach Alter und Beschaffenheit. Der Preis für Ser­ie [ hat etwas nachgelassen, siebenwöchige sind für 32 bis 35 Mk. zu haben. Läufer von etwa 50 Pfund Gewicht kosten 58 bis 63 Mk.

Kreis Büdingen.

? Büdingen, 18. Ott. Die unter Beteiliguna der Kreise, Gemeinden und privaten Personen auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebauten Ober- hessischen 0 b ft ro e r t hatten seit einiger Zeit mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die gesamte Anlage ist nun mit Einschluß aller Ak­tiven und Passiven von der Zentralgenossen­schaftsbank zu Darmstadt erworben wor­den. Diese Regelung wird sowohl seitens der Ge­nossen, als auch der oberhessischen Obstzüchter leb­haft begrüßt, weil nun die Mittel vorhanden sind, die Obstverwertung in großzügiger Weise auszu­bauen.

rl. B l e i ch e n b a ch, 17. Oft. Die Wan ver­hau s h a l t u n g s s ch u l e des Kreises hat am Montag hier einen sechswöchigen Kursus er­öffnet. Diese Einrichtung wird allenthalben al- segensreich empfunden und findet auch hier vollen Anklang, um so mehr, da die Leiterin des Kurse-, Sri. Streck Hardt aus Darmstadt, als erfolg­reiche Lehrerin bekannt ist. Der Kursus findet hier im Graulingschen Saale statt; es nehmen 20 über 16 Iahre alte Mädchen daran teil. Auch in unserer Büdinger Ecke, die als Er­zeugerin besten Obstes bekannt ist, st o ck t immer noch der Absatz des T a f e l o b st e s. Die bisher gebotenen Preise waren in keiner Weife der Ware und der Arbeit entsprechend. Run haben Händler aus der Umgegend von Srankfurt für Pflückobst drei Preise gemacht, mit denen schon etwas anzufangen ist: Für die erste Sorte (Boskop usw.) rechnen sie 11 Mk., für die zweite Sorte (Goldparmäne usw.) 9 Mk. und für die dritte Sorte (Wirtschaftsobst) 6 Mk. Hoffentlich entwickelt sich damit der Handel.

Kreis Schotten.

? Schotten, 18. Oft. Der vor drei Jahren von dem Stadtvorstand beschlossene Erlaß, di« Ge­schwindigkeit der Fahrzeuge innerhalb der Ortsdurchfahrt auf 15 bzw. 10 km herab^u- setzen, ist jetzt wieder aufgehoben woroen. Für diese Entscheidung war der Gedanke maßge­bend, die Derkehrsdisziplin habe sich so stark durch- gefetzt, daß eine Beschränkung der Geschwindigkeit nicht mehr als zeitgemäß anzusehen sei. Nebenbei galt es, den Auto- und Motorradsport, der beson­ders durch das RennenRund um Schotten" mit unserem Städtchen verwachsen ist, von einer als lästig empfundenen Fessel zu befreien.

Z Schotten, 19. Ott. (Eigener Drahtbericht des Gieß. Anz.) Die Hessische Industrie- und Handelskammer Friedberg hielt gestern im festlich geschmückten Rathaussaale der Stadt Schotten eine Tagung ab. Bürgermeister Menge! begrüßte die Mitglieder der Kammer und ließ einen Ehrentrunk reichen. Unter dem Vorsitz von Kommerzienrat Langsdorf ver­handelte die Kammer über ebne Reihe wirtschaft­licher Fragen, über die Lage des Handels und der Industrie, über die neue Handwerkerrolle. Reichsbahnfragen u. dgl. mehr. Dem verstor­benen Syndikus, Rotar Stahlin Dad-Rauheun, wurde ebn warmer Rachruf gewidmet. Im An­schluß an die Tagung sand imHessischen Haus" ein Essen statt, bei dem Kreisdirektor Dr. Iann namens des Kreises die Gäste begrüßte. Rach­mittags besichtigten die Kammermitglieder die neu hergerichteten Klubräume auf dem Hohe- rodskopf und sprachen sich sehr lobend über die Umänderungen aus. Der Allgemeine Deutsche Motorradklub hat für 1930 zwei große Meister­schaftsläufe für Motorräder vorgesehen, von denen einer auf dem Rürburg-Ring und der an­dere .Rundum Schotten" ausgetragen wird. Das Rennen findet am 6. Iuli in Schotten statt und- verspricht einen sehr großen Umfang an$u- nehmen. Mit den Vorderettungen hat man htek bereits begonnen.

0 b e r - S ch m i 11 e n, 18. Oft. Der Aepfel- versand vom hiesigen Bahnhof war in den letz­ten Wochen äußerst rege, wenn er auch nicht die Rekordziffern des Jahres 1927 erreichen konnte. Es tarnen etwa 15 Waggons Schütt«lobst, die vorwiegend nach Frankfurt a. M. rollten, 3um Verladen. Der Handel in Wirtschafts- und Ta­felobst ist noch im Gange. Es werden vorerst nur bevorzugte Sorten abgenommen, so daß noch immer große Mengen, die über Eigenbedarf geerntet sind, i in den Aufbewahrungsorten lagern, ohne Liebhaber zu finden. Für Schöner von Boskoop, Reinetten und Goldparmänen werden, bei durchlesener Ware, bis zu 10 Mark pro Zentner bezahlt. An der Apfel- , lieferung sind die Gemeinden Ulfa, Ober- und Unter-Sch n^itten, die sämtlich über große Obstanlagen verfügen, beteiligt. Das noch vorhan­dene Schütte lo bst ijt schlecht abzusetzen. Der Zentnerpreis ist bis auf 2 Mark zurückgegangen. Was nicht als Haustrunk verwertet werden kann, muß verfüttert werden.

* Ober-Schmitten, 19. Ott. Gestern abend I 21,15 Ahr erfolgte in der hiesigen Ortsdurchfahrt I ein Zusammenstoß zwischen einer Solo* L mobile (Dreschmaschine) mit Anhänger und dem Personenzug Ridba Schotten. Verletzt wurde hierbei ein bei der Dresch«

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