Ausgabe 
19.10.1929
 
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'kHwäche der Zentralregierung und dergleichen LieHr. Es wird darin auch keine Bereitwilligkeit ausgesprochen, eine Hilfe für die Hungernden ; in China zu organisieren. Denkt man ein Jahr

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'(Labour-Regierung sich darüber tlar sein, bas sie im Fernen Osten und in China will. Klar -ist ihr der Wunsch, das; die Seerüstungen auch ;3aHans gebunden und vermindert würden. Aber beiter: wie sich nun stellen zu der chinesischen Hauptforderung, daß dieungleichen" Verträge icfcitigt würden? Den letzten Vorstoß der Ran° liit g°Regierung in dieser Beziehung haben, mit IW ganz gleichen Argumenten, sowohl England die Nordamerika abgelehnt. Das ist verständlich,

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Als ich das Sichabstürzen und Aufdemrücken- I |iu*gcrt zum erstenmal bei einem der großen > eraasilbernen Fischreiher sah, dachte ich. daß der (Tiendtafl'2'6*^11* von der Kugel eines Jägers schwer ver- i worden sei und im Todeskampf liege. Da-

nnno nis 22 UH1 dals stand ich am Strom und spann auf den v° fipniohWl Hecht. Jenseits des Wassers stieg nach einer ., .-Sfotflin Imni fünfzig Meter breiten Wicsenfläche ein Ä?,»o Ddig steil aus dem Tal empor. An dem Abhang, »* l. rchsetzt mit Stellen alter Tannenbestände, mit

ffilfflOH'illL'lOlft hißen Eichen- und Buchenhainen, verlassenen *19', bi5-2 UW El^inbrüchen und wildem, undurchdringlichen ®c- wnte s^pp, befanden sich Horste, die in jedem Früh­jahr bezogen wurden und sich bald darauf als

9er Ferne Osten und die Mchte.

Außenpolitische Umschau.

! D on Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. V.

Man kann ohne weiteres annehmen, daß die . ilmterhaltungen zwischen Hoover und Mac- > r> n a l d sich auch um d i e Lage im Fernen i fl) [t e n und damit um das Verhältnis sowohl Lil China wie zu Rußland gedreht haben. Die unmittelbaren Interessen Englands und Amerikas nd dort zwar nicht allzugroß, aber natürlich >5gt der mandschurische Dahnstreit , Probleme in sich, die beide Mächte recht sehr inter- 1 |fieren. Der Konflikt rückt nicht von der Stelle. <eit dem Scheitern des letzten Rotenwechsels ie-st man nur von gegenseitigen Klagen über die ^Handlung der eigenen Untertanen durch den itberen, wobei die Russen nach der Lage der Singe im größeren Rachteil sind und dement» prechend auch mehr Lärm schlagen. Die Chinesen cefcnen, daß sie im Besitz des Streitobjektes sind piL) sie mit Gewalt nicht heraustreiben kann, fcjina also in Ruhe die weitere Entwicklung ab» varten könne, bis Rußland nachgeben würde. Kieses wieder rechnet wohl auf die Wirkungen es Marschallkrieges, der ganz deutlich in der Zweiten Septemberhälfte wieder ausgebrochen ist. iitb auf den Gegensatz zwischen der Zentral- I Regierung in Ranking und der Provinzialregie- . nug in Mukden. Beide Teile aber rechnen wohl tamit, daß der beginnende Winter die Gefahr Negerischer Entwicklungen von selbst lahmgelegt. 6» ist wohl auch mit einem kriegerischen Aus- truch nicht zu rechnen.

Während nun Japans Haltung ununter­brochen die gleiche geblieben ist, nämlich lediglich tir des scharf aufmerkenden Beobachters, ist in icr Haltung Amerikas eine Veränderung tingetreten. Rachdem Simsons Derniittlung im Gommer zu nichts geführt hat, hat man von ; irgendwelcher Aktivität der Vereinigten Staaten lur Vermittlung rein nichts wieder gehört. Ja, es sind Anzeichen dafür da, daß die Stimmung Amerikas gegen China sich verschlechtert hat. Ein Bericht des amerikanischen Roten Kreuzes, das lie Hungergebiete Chinas studiert hat, ist dafür , tiix guter Beleg. Darin wird die Hungersnot

zurück, als Kellogg die Rankingregierung aner» lannte, als man von einer großen Anleihe an Rankingregierung sprach, so wird an der gütigen Passivität und Zurückhaltung der Der- (i rügten Staaten die Wendung noch eindringlicher, i 2!an ist dort nicht erfreut über das Bemühen lcs neuen China, die Vorrechte der Fremden in beseitigen, und ebenso nicht über seinen "Bor- floß gegen Recht unu fremdes Eigentum im i mandschurischen Bahnst reit. In Rußland notiert man das mit Befriedigung. Aber damit kommt

? kc Streit mit China erst recht nicht weiter.

Wir bezweifeln, daß man in Washington schon fconj klare Vorstellungen hat, wie man sich dem neuenChina und seinem Rationalismus

*acher «Sj GietMer Anzeiger.

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Frauenabteilung

Turnstunden wied. Diens­tags 8.15 Uhr wie seither.

MM, 21. Mkk.

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Dienstag Me ^rückgeführt auf die innere Unordnung, Astenreg-Norhanl, Wiederaufleben des Bürgerkrieges, die Klndeimaniel verlor. C£ t'~ K ° 1 T "**x

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idjt ouebl «cgenuber im einzelnen stellen soll, da die alten

Znm-.i.s WWM1W Grundsätze:Integrität des chinesischen Reichs- 1 xcbietes und Offene Tür" offensichtlich nicht mehr

cnsreichen. Roch weniger dürfte die englische

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Ir.derstube zahlreicher Rachkömmlinge vorstellen rften. Wie oft habe ich hier das Leben der Einen, hochbeinigen Segler mit dem breit- lanten Leib beobachtet. Das, was mir jetzt ;jficL war mir noch nie zu Gesicht gekommen, h warf die Angelgerte hin und lief hinter m Taumelnden her, fest davon überzeugt, daß in wenigen Augenblicken zur Erde nieper-

i Ischen müsse.

Sonst ziehen Fischreiher majestätischen Fluges hrcn Restsihen oder Futterplähen zu, kreisen c.uch manchmal in nicht zu weiten Dogen und tireswegs in solchen, die denen der Raubvögel lyrlich sind, über dem Strom und ihren Woh- rniigen. Mein damaliger Freund benahm sich aiLers. Er schrie und kreischte ohne Unterlaß fein schallendes, melodieloses und ost häßliches älrail oder Kräk oder Aeei oder Eeeiii. Dabei bar keine einzige Flugbewegung der sonst er- {itcn ruhigen Lage mit aufwärtsgebogenem )a.lse, vorgestrecktem Kopfe und nach hinten ge- l-g ien Deinen vergleichbar. Der Vogel preßte die flLgel an den Körper und fiel senkrecht ab. ton flatterte er scheinbar hilflos und so, als ob (r jedes Gefühl für die Gleichgewichtslage ver- brm habe, hin und her, schnellte sich wieder in tie Höhe, torkelte darauf in Winningen, die den ^en von Schrauben glichen, nieder, schmiß auf den Rücken und flog eine Strecke weit so, vy sich von neuem aufwärts, um dann nur auf­geregter und wilder in das Wirbeln und Flattern zirückzukehren. Augensichtlich verzweifelt, angst- esullt und in höchster Aufregung. Wie ich an jmem Tage annahm. War auch das Tier blind gttoorben? Das scheue und sonst so vorsichtige fffani) sich lange Zeit nur zehn Meter über mir, Ii. senkte sich zuletzt ich hatte es schon zwei- >s dreihundert Meter verfolKt so tief herab,

Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Gberhessen)

aber eine Chinapolitik und England hat in China doch sehr erhebliche Interessen ist das doch noch nicht! So sind beide, England wie Amerika, im mandschurischen Konflikt passiv. Dieser schwelt weiter trotz Völkerbund, Kellogg- pakt, SchiedSgedanke usw., ungelöst, bis vielleicht schließlich doch einmal ein Funke auffliegt, und ein großes Feuer entzündet, das zu löschen dann viel mehr Mühe und Kosten macht, als eine Mediation, die längst hätte wirksam sein können.

Aber näher liegt dem Labour-Kabinett das Verhältnis zu Rußland von Europa aus gesehen. Die überraschend schnell zustande ge­kommene Verständigung, mit der die diplomati­schen Deziehungen wieder eröffnet werden, ist vom Parteikongreß in Brighton lebhaft begrüßt und am 7. vom englischen Kabinett gebilligt worden. Da das Kabinett versprochen hat, nichts ohne Sanktion des Parlaments in der russischen Frage zu tun, muß diese noch eingeholt werden. Trotz der Opposition eines Teils der Konser­vativen ist sie aber Wohl sicher. Die liberale Partei war Gegnerin des unüberlegten Abbruchs der Beziehungen, zu dem sich Chamberlain drän­gen ließ, und hat auch deren Wiederaufnahme gefordert. Alnd der industrielle Teil der Konser­vativen nimmt die gleiche Haltung ein, weil die Industrie von der Anerkennung Rußlands wirt­schaftliche Deziehungen erwartet, die sich zur Verminderung der Arbeitslosigkeit auswirken würden. Das wird ja nicht so schnell gehen; auch das neue englisch-russische Geschäft wird mit den­selben Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie die Wirtschaftsbeziehungen mit Rußland über­haupt. Aber in mutigem und energischem Vor­gehen hat das Labour-Kabinett bamü ein Wahl­versprechen eingelöst. Die englisch-russische Ver­ständigung ist ebenso ein Erfolg Macdonalds und Hendersons, wie ein Erfolg der Sowjetregierung.

Er ist ihr auch wertvoll gegenüber der Jan« mmauatiim uuni in in ini nhi hi daß ich es beinahe ergreifen konnte. Dann aber jäh mich erkennend in äußerster Furcht die Schwingen ausbreitend Und zu wuchtigem Schlage ausholend zog es, höher und höher strebend, geradlinig, stark und gesund, hinweg.

Todwund konnte es nicht gewesen sein, älnd doch glaubte ich. daß irgend etwas Ungewöhnliches, vielleicht der Angriff eines Fuchses, der Schuß eines Jägers oder das unvermittelte Au'kauchen eines Menschen den Vogel so erschreckt habe, daß er wie irr von Sinnen wurde und jede Deherr- schung der Rerven, der Muskeln und des Ge­sichtsvermögens verlor. Ich forschte im Drehm und anderen naturwissenschastlichen Dächern nach, fand aber nirgends das nur ausgefallene sonder­bare Benehmen des Reihers ich hatte übrigens Gelegenheit, meine Beobachtung zu wiederholen erwähnt und erklärt.

Vorgestern habe ich meine Ansicht über den Grund der eigentümlichen Flugleistung ändern müssen. Ich war gezwungen, sie völlig umzu- wersen. Wieder befand ich mich am Strom. Einer regnerischen Rächt war ein Morgen ge­folgt, an dem Sturmwind die Wellen peitschte, so daß sie brausend und weißschäumend in ihrem Bett tanzten, Sturmwind die Aeste der Weiden und der jenseitigen Waldbäume wie Gerten bog und Sturmwind so stark und zerrend in meine hinausgeschleuderte Seidenschnur griff, daß ich jegliche Empfindung für richtige oder falsche Führung des Spinners verlor und die Ruhlosig- leit meines Bemühens, einen Schlaumeier von Hecht zu überkören, einsehen mußte. Während ich zusammenpackte, auf einmal wieder das weit­hin hörbare Kraik, das mich ausschauen ließ und mir zwei Fischreiher in jener von mir beschriebenen Flugweise zeigte. War das ein Schauipiel! Ain Himmel jagende, drohende Wol­ken und deutlich vor ihrem Grau und Schwarz, nahe bei mir und über mir, die silberschimmern­den Vögel in unaufhörlichem Auf und Rieder, in keckem Sichüberschlagen, waghalsigen Purzel­bäumen, kopfüber, kopfunter, in halsbrecherischen Spiralen und Windungen. Am aufregendsten aber war es, wenn sie sich mit angepreßten Flügeln stürzen ließen oder sich mit weitgeöffneten Schwingen der Wucht des Windes entgegen­stemmten.

ilnb jetzt bemerkte ich es genau. Es war keine Angst in ihrem Gebaren, es geschah nicht aus Bedrängnis und es lag keine Verzweif­lung dahinter, Lust und Freude zwangen die Vögel zu einem Spiel, wie ich es schöner noch nie bei Tieren gesehen habe. Frohlocken eines un­bändigen Vergnügens erstrahlte von den Kunst­

europa"-Bewegung und -Erörterung, der die Sowjet-Alnion mit Mißtrauen zusieht. Wie man nach manchen Aeußerungen der Paneuro­päischen Bewegung nicht bestreiten kann, hat sie dazu auch ein gewisses Recht. Ein Recht nämlich zur Sorge, daß sich ein solcher Zusammenschluß der europäischen Staaten so oder so gegen Rußland richten könne, jedenfalls konsfruktiv unter Ausschluß Rußlands gedacht sei. Man sieht auch in Rußland in Ausführungen Sauerweins, dessen nahe Beziehungen zu Briand bekannt sind, eine Bestätigung solcher Tenden­zen. Auch dies ist ja akademisch und platonisch, weil die Paneuropa-Bewegung das zweifellos heute noch ist. Man kann sich einPaneuropa" ohne England und Rußland praktisch nicht vor- stellen, und m i t England und Rußland, die beide Weltreiche sind, ist es eben kein Paneuropa. Für Deutschland ist das in diesem Zusammenhang Maßgebende in Genf von Dr. Stresemann gesagt worden, daß eine solche Verständigung nur wirt­schaftlich gedacht werden könne und ohne Spitze gegen ein Land außerhalb einer solchen Ver­ständigung.

Der englisch-russischen Verständigung, die ein Labour-Kabinett zustande brachte, ist gerade nicht dienlich, wenn die russische Presse von der eng» lischen Arbeiterpartei alsSozialimperialisten" oderCozialfaszisten" redet. Allerdings im Sinne der 3. Internationale war weder der englische Gewerkschaftskongreß in Belfast noch der Labour- parteikongreh in Brighton. Von Sozialismus war da gar keine Rede. Die englische Arbeiter­schaft, die da dominierte, will eine Verstän­digung mit dem Kapital, der Industrie, der Bourgeoisie, und das Labourkabinett ist ja auch von liberal-bürgerlicher Alnterstühung ab­hängig. Damit ist freilich der Radikalismus der Minderheit (in Schottland und den Distrikten des Bergbaues) nicht erledigt. Ilnb damit sind

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stücken, die sich mir plötzlich wie eine Art von Reigen vorstellen wollten. Gefühl und Bewußtsein der Kraft sangen in Bewegungen dem Sturm und dem Leben einen jauchzenden inbrünstigen Gesang.

Dem Leben!

Die Reiher sammeln sich schon. Frühmorgens, wenn sich der Rebel über den Wiesen am Flusse lichtet, sieht man sie schläfrig beisammen stehen, frierend und sich nach wärmeren Tagen sehnend. Der Ruf einer fernen Erde bringt durch ihren Sinn. Es geht bald 3um Süden. Selten ist es, wenn ein Fischreiher im Winter bei uns bleibt.

Liegt vielleicht in den Lufltönzen über die Erklärung des einfachen Spieles hinweg ein Ausdruck der Reifeerregung? Wollen die Vögel ihre Stärke im lustigen Kampf mit dem Winde prüfen? Wollen sie Kräfte und Ausdauer auf die Probe stellen? Wahrscheinlich, denn anders vermag ich mir die Erscheinung, die ich zu keiner anderen Jahreszeit festzustellen vermochte, nicht zu erklären.

ilralfe chinesische Heilkünste.

China, das Land uralter Weisheit, besitzt auch in der Medizin eine vieltausendjährige lieber- lieferung. Das Rei Ching, das Hauptwerk und die Grundlage der chinesischen Medizin, um das Jahr 1000 v. Chr. entstanden, steht noch heute in hoher Achtung bei allen Aerzten des Reiches der Mitte. In einem AufsatzVier Jahrtausende chinesischer Medizin" von K. C. Wong, der in derOstasiatischen Rundschau" wiedergegeben wird, ist die Geschichte der chinesischen Medizin in vier Perioden eingeteilt: in die sog. Le­gendenzeit bis 1145 v. Chr., in die historische oder klassische Zeit bis 959 n. Chr., in die Pe­riode vom 11. bis 18. Jahrhundert und in die moderne Zeit seit 1805, in der die westliche Heil­kunde einbringt. Die Heilkünste, die die klassische Medizin vor 2000 Jahren in China ausübte, zeigen die Heilkunde bereits auf einer verhält­nismäßig hohen Stufe. Von dem ersten Arzt Pien Chiao, der nachweislich auch als Chirurg eine Praxis hatte und ums Jahr 255 v. Chr. lebte, werden viel Wundergeschichten erzählt. So wird berichtet, er haben den Menschen durch den Körper hindurchsehen können und so alle Krank­heiten der inneren Organe erkannt. Eines Tages kamen zwei Kranke, Ching Wu aus Lu und Tsi Ving aus Chao zu dem Arzt, um von ihm ge­heilt zu werden. Er gab ihnen einen Schlaftrunk, durch den sie drei Tage lang in tiefen Schlummer verseht wurden, schnitt ihnen die Brust auf und wechselte ihre Herzen aus. Als sie erwachten.

Samstag, 19. Moder 1929

die Ausgaben der Wirtschaftspolitik auch noch nicht gelöst. Arbeitslosigkeit, Bergbaufragen und dergleichen mehr drängen an die Labourregie- rung heran. So gemäßigt, sobourgeois"hast sie auch sein will, so realpolitisch sie vorgehen will, sie ist doch schließlich eine Arbeiter­partei, eine Partei der sozialen Reformen für die Massen. Selbstverständlich verlangen diese ihre Berücksichtigung, zumal der Wahlkampf stark mit dem Schlagwort: Beseitigung der Arbeits­losigkeit gemacht worben ist. Jedes energische Vorgehen aber stärkt die konservative Opposition, die sich sicherlich an der russischen und der sozialen Frage wieder rangieren will, und macht Mac- donald seine Abhängigkeit von Lloyd George fühlbar. Dieser ist heute still, er wirb sich be­mühen, wieder hervorzutreten und noch einmal um die Palme der Premierministerschaft kämpfen. Darum sucht die Labourregierung, bevor im Winter diese Kämpfe im Innern entbrennen, möglichst viele außenpolitische Er­folge nach Hause zu bringen oder wenigstens möglichst viele Beweise ihres zweifelsfreienguten Wittens" in der Außenpolitik zu erbringen und so diese in einer bestimmten Linie festzulegen, zu garantieren und damit die eigene Stellung des Labourkabinetts zu konsolidieren. Man kann daher, um zum Anfang zurückzukehren, verstehen, daß und warum ihr dabei der mandschurische Konflikt nicht eine ihrer Hauptsorgen ift

Was erwartet die Frau von der Politik?

Eine lehrreiche Umfrage bei führenden deutschen Francn.

Nachdruck verboten.

Wir fragten eine Anzahl im öffentlichen Leben stehende Frauen, was f i e von der Politik erwarten. Das Ergeb­nis der Umfrage ist ebenso überraschend wie lehrreich: keine dieser Frauen, die doch sämtlich an hervorragender Stellung im öffentlichen Leben stehen, stellten For­derungen im engpolitischen Sinne auf, alle erblickten als wesentlichstes in der Politik die Erfüllung kultureller, fitt- licherund wirtschaftlicher Wün - s ch e. Kann man hiernach der Frau die Berechtigung versagen, ihr gewichtiges Wort in der Politik mitzusprechen? Wir glauben nicht, denn gerade diese rein menschliche Einstellung der Frau weist ihr die Rolle als Mittlerin zwischen den Gegensätzen zu.

Frau Dr. med. Seusler-Edenhuisen, Begründerin des Sundes deutscher

Aerztinnen:

Vom Standpunkt des weiblichen Arztes aus gesehen, liegen die Haupt­forderungen der Frau an die Politik auf fol­genden Gebieten: Kinderfürforge, Sexualfragen und Sexualethik. Trotz aller fortschrittlichen Ein­stellung gegenüber den Fragen der Sexualmoral muß die Forderung nach der gesetzlichen Beibehaltung der D a u e r - E i n - E h e bestehen bleiben. Bei allen Versuchen, die Ehe in neue Formen zu bringen, sei es Kamerad­schaftsehe, sei es Dersuchsehe, wird die Leid­tragende in Wahrheit nur d i e Frau sein. Denn sie ist es, die in der Zeit vor und nach der Geburt ihres Kindes des Schutzes der Chegemeinschaft bedarf. Im Zusammenhänge da­mit, daß die Frau zu dem Kinde, das sie ge­tragen und geboren hat, in viel innigerer Be­ziehung steht als der Mann, muß die Frau Abänderung all jener Gesetze fordern, die ein­seitig vom Manne für den Mann ge­macht, ihr völlig das Verfügungsrecht über ihr

fühlten sie sich genesen. In dieser Sage wird zum ersten Male in China von der Anwendung eines Betäubungsmittels berichtet. Auch sott Pien Chiao als erster seinen Patienten den Puls gefühlt haben. Seit undenklichen Zeiten verwendet man in China die Massage, die sogar zu einer besonderen Wissenschaft erhoben und an den Hochschulen gelehrt wurde; sie bil­dete eine der sieben Hauptabteilungen der Heil­kunde, ist aber jetzt fast nur noch in den Händen von Tarbieren und Blinden. Ein andres ur­altes Mittel im Reich der Mitte ist die Aku­punktur. bei der Stiche mit Radeln am Kör­per ausgeführt werden. Diese Behandlung hat viel Schaden angerichtet, da keine aseptische Be­handlung der Radeln stattfand; sie wurde Ende des 17. Jahrhunderts durch einen holländischen Arzt nach Europa gebracht und ist noch im 19. Jahrhundert befürwortet worden. In der Kaiserlichen Akademie für Medizin in Peiping befindet sich ein kupfernes Modell eines mensch­lichen Körpers, an dem die 367 Punkte ange­zeichnet sind, an denen der Stich gemacht werden muß. Bei der großen Ehrfurcht, die die Söhne des Himmels vor dem Toten haben, war die Sezierung der Leichen verboten und wurde nur hie und da an den Körpern von Europäern vorgenommen. Doch haben die Chinesen schon 2000 Jahre, bevor Harvey den Blutkreis­lauf entdeckte, die Erscheinung gekannt, denn im medizinischen Kanon findet sich die folgende Darlegung: ..Der ganze Diutlauf steht unter der Herrschaft des Herzens. Die zwölf Blutgefäße sind tief zwischen Muskeln eingebettet und können deshalb nicht gesehen werden. Rur die auf den Gelenken befindlichen sind sichtbar, weil an diesen Stellen nichts sie verdeckt. Litte anderen Blut­gefäße im Körper sindloh"-Dlutgefäße (Adern). Die schädlichen Einflüsse von Wind und Wetter bringen zunächst durch die Haut ein. Das Blut wird dann zu denSonnen"-Gefäßen hinein- getrieben. Sind diese voll, so geht es zu den ,.loh"-Gefäßen und schließlich in die großenchin" (Arterien). Der Dlutumlauf geht fortwährend in einem Kreise weiter und wird nicht unter­brochen." Auch Krankenhäuser haben die Chinesen schon zu einer Zeit gehabt, als man in Europa noch nichts von solchen Einrichtungen wußte. Prüfungen für Aerzte werden seit dem 10. vorchristlichen Jahrhundert in China abgehalten. Es war festgesetzt, daß am Ende jedes Jahres die Tätigkeit der Aerzte überprüft werden sötte, und danach wurden dann die Ho­norare festgesetzt, die dem einzelnen nach seinen Leistungen zugesprochen wurden.

Die Enischeidung in Afghanistan

Hinter Radir Khan stehen gegenwärtig die mäch­tigsten Stämme von Ost- und Südafghanistan. Rach seiner bisherigen politischen Haltung ist zu erwarten, daß Radir Khan nach Festigung seines Sieges eine Dshirga (afghanische Rational­versammlung) einberufen wird, um die afghani­sche Einheit wieder herzustellen.

Der Bürgerkrieg in Afghanistan, der seit zehn Monaten das Land in den Zustand einer vollständigen Auf­lösung der Staatsgewalt stürzte, ge­langte mit der Einnahme von Kabul durch Radir Khan zu einer entscheidenden Wendung. Roch Ende September schien es, daß Emir Habibullah (Batscho-i-Sakao), der Anfang des Jahres nicht ohne britische llnlerstützung den fortschritt­lichen König A m a n u l l a h ent» trohnle, Herr der Situation wird. Seit dem Sommer versuchte Radir Khan, ein Verwandler und früherer Kriegsminister Amanullahs, die Stämme des östlichen und südlichen Afghanistans gegen Habibullah zu bereinigen, jedoch seine von der bri­tisch-indischen Srerz? im Sommer dieses Jahres aus geführten Angriffe auf Kabul blieben ohne Erfolg. Ende September gelang es zvar dem Durani-^.amm, dem auch^lmanuttah angehört, die bedeutende Stadt Kandahar einzunehmen, gleich-

zeittg jedoch erlitten die Radir

Khan unterstützenden S.ämme in Ost-Afghanistan I gen Kräfte, welche die Hauptstadt verteidigten. (Shinwari, Mohmand, lUjugiami) östlich von Ka- | Habibullah scheint es gelungen zu sein, nach bul eine bedeutende Riederlage und mußten die Stabt Dfhalalabad räumen. Während nun bie

Hauptkrä; >e von Habibullah auf beiden Flügeln, bei Dfhalalabad im Rordosten und Kan­dahar im Südwesten, gebunden waren, brach Radir Khan überraschenderweise im Logar-Tal die Kabul schützenden feindlichen Stellungen durch, schnitt damit bie meisten Truppen Habt- bullahs von Kabul ab, und überrannte bie gerin-

I gen Kräfte, welche Habibullah scheint Kuhistan, der Basis seiner Macht, zu entfliehen.