Ausgabe 
19.9.1929
 
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Nachdruck verboten.

3£. Fortsetzung.

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Dämonm der Zeit

Vornan von Arthur Brausewetter.

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Obftausstel« ^rst in diesem Früh ?r junge Verein fy o auch bei her Der« iftung bester Unter- sammerausschuh für b der Slreis-Obst« n haben je einen bewilligt, womit die ng bestritten werden Ausstellung in Sam» auch die Verpackung Stifte des Reichsver« lenbaus gezeigt und >on der allgemeinen m Mhnahmen ab« lau wettbcwerbssähig ist. Für den Winter tzmg möglichst aller mit Obstbcwmlarboli« Rotorboumsprihe der

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tat, 18. Sept. Die fyben iljren Anfang die Zwetschcn. Dec er mittet und durch i grvher Teil davon Auch ist ein auher» ah in diesem Jahre llt sich am Vaum Mark. Momale Preise rzielt. 3e nach Sorte Preis zwischen 5 bis mit haltbarem Dm« rette von Aechm Iber dem Durchschnitt

besonders begehrt >gen die Timen aut . äufig zu sagen pflegt

daß ffir teettg Geld fchwervehangene große Bäume zu erstehen waren. Meistens handelt es sich dabei um ausgesprochene Honigbirnen. Winterbirnen, tote Glockenbirne, Madame Berte u. a. waren etwas begehrt und stellten sich auf 2 bis 3 ML je Zentner am Baume.

r. Lang. Göns, 18. Sept. Gestern nachmit­tag ist der Landwirt Wilhelm Reusch beim Ob st pflückenvonderLeiterge stürzt. Er mußte vom Gießener Sanitätsauto nach der dortigen Klinik verbracht werden, da et anschei­nend schwere Verletzungen erlitten hat.

! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 18. Sept. Die Landwirte haben vergeblich auf einen durchdringenden Regen gewartet. Da die Kartoffelpslanzen nun abstetben, seht die Spät« kartoffelernte schon überall ein. Das ist verhältnismäßig sehr früh. Aber die Erträge sind auf schweren und mittelschweren Böden immer noch recht gut, wenn auch nicht so dicke Knollen geerntet werden wie in früheren Zähren. Dafür sind die Kartoffeln aber gesünder und stärke» reicher. Auf leichten Böden waren die Stöcke schon vor längerer Zeit dürr geworden, hier ist die Ernte mäßig. Den besten Ertrag haben in diesem Jahre die Frühkartoffeln gebracht. Bet- hältnismäßig gut stehen die Dickwurzpflan­zen , wenn sie auch durch den Futtermangel verursacht stark entblättert wurden. Aber hier kann ein guter Regen noch viel wirken, auch bei dem Gemüse, das von den Erdflöhen sehr stark im Wachstum behindert wurde. Die ersten Aussichten der Obsternte waren glänzend, aber auch hier hat die Trockenheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin gibt es in den meisten Gemeinden eine gute Mittel­ernte. Allerdings sind viele Früchte wurm­stichig. Auch viel Fallobst, besonders bei den Zwetschen, brachte uns die trockene Witterung. Zur Zeit werden Zwetschen an verschiedenen Stationen eingeladen, für den Zentner zahlen dis Händler 56 Mk. Gut ist die CBimen­et n t e; AmanliS Butterbirne und Williams Ehristbirne gaben hohe Erträge, doch besteht wenig Rachfrage nach ihnen. Schade ist es, daß diele Landwirte nun auch ihre Aepfel ab- nehmen. Das ist entschieden zu früh, wenn man bedenkt, daß die Apfelblüte in diesem Jahre vier Wochen später als in normalen Zeiten ein­trat. Bessere Sorten, wie Doskoop, alle Re­netten usw. sollten unbedingt bis zum Monats­ende hängen bleiben.

Kreis Büdingen.

V Aus dem südlichen Vogelsberg, 18. Sept. Die Kartoffelernte hat jetzt auch hier allgemein begonnen. Man macht dabei die Beobachtung, daß feuchte Aecker in diesem Jahre besonders dicke Früchte liefern, wahrend die trockenen Aecker nur Knollen mittlerer Stärke hervorbrachten. Die Ernte verspricht trotz der sommerlichen Trockenheit eine gute Mittel­ernte zu geben.

Kreis Schotten.

V Gedern, 18. Sept. In den vergangenen vier Jahren hatte unsere Stadt stets an Trink­wassermangel zu leiden. Durch schadhafte Stellen im Ortsnetz der Wasserleitung waren dauernd große Mengen Wasser fortgelaufen. Run hat man in den letzten Jahren sämtliche Hausanschi üsse neu verlegt. Bis auf wenige Ausnahmen ist diese große Arbeit jetzt vollendet. In diesem trockenen Jahre haben wir nun schon den Vorteil davon. Während in den früheren Jahren die Bewohner des Schloßbergs und anderer höher gelegener Ortsteile um diese Zeit kein Wasser aus der Wasserleitung ent­nehmen konnten, ist in diesem Jahre reichlich Wasser vorhanden. Vorsichtshalber wollte man anfangs das zum Sprengen der Ortsstraßen nötige Wasser dem Mühlbach entnehmen. Dies

Alm ihn her jagte, raste, Hehle das fiebernde Berlin. Etwas Llnersättliches war in diesem nie aufhörenden Kommen und Gehen, diesem un­aufhaltsamen Steigen und Fallen. Manchmal er­schien ihm das ganze Leben und Treiben um ihn herum wie eine unentrinnbar sich sortwäl- zende Flut, die schließlich einmal über alle Hin­wegbrausen mußte.

Er aber stand ihr gegenüber .wurde von ihr ergriffen, mitgerissen und konnte nicht die Arme bewegen und schwimmen, sondern mußte sich willenlos von ihr treiben lassen, wohin es ihr gefiel. Es toar ein oft bis zur Unerträglichkeit quälendes Gefühl.

Aber den Mut verlor er auch jetzt nicht. Lind wer ihn, nach wie vor tadellos angezogen, in seiner lässig vornehmen Haltung durch die Stra­ßen schlendern sah, der konnte.nicht darauf kom­men, daß er es hier mit einer jener vielen Existenzen zu tun hatte, die des Morgens noch nicht wissen, wohin sie des Abends ihr Haupt legen, woher sie für den nächsten Tag das Brot nehmen sollen.

Sehr verehrter Herr Körber!

Ich muß Sie unbedingt sprechen, um 36nen die notwendige Aufklärung über das Vor­kommnis des gestrigen Abends zu geben, vor allem, um Ihnen für die Ritterlichkeit zu danken, mit der Sie sich meiner angenommen und mir in meiner furchtbaren Lage Hilfe geleistet haben. Sie werden es begreiflich finden, daß ich nach dem, was sich dort ereignet hat, nicht in Ihre Weinstuben" kommen und Sie daher bitten möchte, mir zu schreiben, wo und zu welcher Stunde ich Sie treffen kann.

Es grüßt Sie bis dahin in großer Dankbarkeit Ihre Lotte Bernhard.

Diesen Brief hatte Klaus in dem Augenblick erhalten, als er im Begriff stand, das Dett- millersche Haus zu verlassen. In dem täglichen Hin und Her seiner Gänge und Bewerbungen hatte er noch nicht die Ruhe gefunden, ihn zu beantworten. Jetzt aber war es die höchste Zeit. So schrieb er einige kurze Zeilen an Lotte Bernhard, daß er sie am Montag nachmittag zwei ilßr bei Kranzler erwarten würde.

Eben hatte er sich in der um diese Stunde start belebten Konditorei niedergelassen, als sie auf ihn zutrat und ihn mit einem halb erfreuten, halb verlegenen Gesicht begrüßte. Rur mit einiger Mühe konnte er sie bewegen, eine Tasse Kaffee und ein wenig Gebäck zu sich zu nehmen. Sie befand sich in einer sichtlichen Unruhe und schien von dem Verlangen beseelt, sich sobald wie mög­lich ihm gegenüber aussprechen zu können.

Rein, hier in dem engen Raume unter den vielen Menschen ist es unmöglich," erwiderte sie,

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toar bis jetzt auch noch nicht nötig, da die Quellen der Wasserleitung starken Zufluß liefern, im Gegensatz zu vielen Wasserleitungsanlagen der Umgebung.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 18. Sept. Rachdern sich das Gießener Stadttheater dank seiner guten schauspielerischen Leistungen bei dem Alsfelder Publikum gewissermaßen eingebürgert hat, ist beabsichtigt, im kommenden Winter die Gast­spiele in Alsfeld wieder aufzuneh­men. Rachdem seither die Finanzierung des Llndernehmens in einer für die Stadt erträg­lichen Weise möglich war, darf man die Erwar­tung aussprechen, daß der Besuch auch im kom­menden Winter wieder das gleiche Interesse für ein gutes Theater bringen wird, wie seither. Das Gießener Theater leistet, wenn es in den Provinzstädten spielt, ein Stück Kulturarbeit, das allgemeine Anerkennung verdient. Bei der Aus­wahl der Stücke wird nach Möglichkeit den verschiedenen Kunstrichtungen Rechnung getragen. Als Eröffnungsvorstellung wird am Sonntag, 13. Oktober das auf vielen deut­schen Bühnen im vergangenen Winter gespielte StückKatharina Knie" von dem bekann­ten hessischen Dichter Zuckmayer, der kürzlich mit dem hessischen Büchner-Preis ausgezeichnet wurde, gegeben werden.

Preußen.

Dillkreis.

WSN. Dillenburg, 18.Sept. Gestern nach­mittag brach in dem Oekonomiegebäude des Land­wirts Klaas in Mademühlen Feuer aus. Den angestrengten Bemühungen der einheimischen Feuerwehr gelang es nicht, des Feuers Herr zu werden. Begünstigt durch die große Trockenheit, fand das Feuer in den vorhandenen Futtervorräten und dem Holzfachwerk reichlich Nahrung. Erst vier wei­teren Wehren aus der Umgebung gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Alles ist bis auf die Grundmauern niederge­brannt. Das Vieh konnte gerettet werden, jedoch wurden die gesamten Futtervorrät« vernichtet. Der Schaden, der nur teilwese durch Versicherung ge­deckt ist, ist bedeutend, da das Gebäude erst vor einigen Jahren vollständig erneuert wurde. Als Brandursache wird Kurzschluß vermutet.

Kommunales aus Marburg.

][ Marburg, 18. Sept. Der Kreistag des Landkreises Marburg beschloß in seiner heutigen Herbstsihung den R e u b a u einer landwirtschaftlichen Schule am Südbahnhof. Das bisherige Schulgebäude am Kaffweg, das früher als landwirtschaftliche Ver­suchsstation diente, genügte seit langem nicht mehr den heute an ein Schulgebäude zu stellenden Ansprüchen. Es soll verkauft und der Erlös von schätzungsweise 70 000 Mk. den Baukosten der neuen Schule, die 200 000 Mk. betragen, zu­geschossen werden. Außerdem sind 20 000 Mk. Beihilfe vom Landwirtschaftsministerium in Aus­sicht gestellt, so daß der Kreis noch 110 000 Mk. zu verzinsen hat. Ferner ist der Kreistag mit der Einrichtung einer 139 Morgen großen Krersjungviehweide bei Schönstadt einverstanden, deren Einrichtungskvsten auf IG 000 bis 18 000 Mk. geschäht sind. 6000 Mk. Beihilfe werden dafür vom Landwirtschaftsministerium in Aussicht gestellt, so daß der Kreis noch 12 000 Mark aufzubringen hat. Rach längerer Aus­sprache genehmigte man den Anschluß des Landkreises Marburg an die im Ent­stehen begriffene kommunale Elektro- verband-A. -G. Die Lieberlandzentrale und das gesamte Leitungsnetz im Kreise Marburg waren bekanntlich bei der Auskreisung der Stadt

als er sie darum bat.Das kann ich nur da draußen im Freien tun und nur, wenn ich mit Ihnen allein bin."

Sie hatten das Kranzlersche Cafe verlassen und waren, die Linden entlang, durch das Bran­denburger Tor in den Tiergarten gelangt.

Das Schneetreiben, das bei dem starken Frost den Tag über ausgesetzt hatte, begann von neuem. Mit fast feierlicher Langsamkeit glitten die großen Flocken, von keinem Wind geängstigt, über ihre Häupter dahin, schmiegten sich um die kahlen Aeste und Stämme der Bäume, mach­ten die Steige, obwohl die frühe Dämmerung bereits im Airzuge toar, hell und licht, gleich als wollten sie der Adventszeit das Festkleid weben und dem Weihnachtsfest den Weg be­reiten.

Solange sie im Gewühl der Menschen einher- gegangen waren, hatten sie sich über allerlei gleichgültige Dinge unterhalten. Aber von dem, das sie beide bewegte, war keine Silbe gefallen.

Jetzt aber, als die Stille des Tiergartens und die feiernde Ratur sie umgab, schien der Bann von ihnen zu weichen, und je weiter sie vor­wärts schritten und je luftiger die Flocken sie umwirbelten, um so mehr begannen sie aufzu- tauen.

Als wir uns damals auf Ihrem Gange zu Ihrer neuen Stellung trafen. begann sie,da erzählte ich Ihnen wohl einiges von mir und meinem Studentenleben. Es waren nur Andeu­tungen, und Sie werden begreifen, daß ich Ihnen das Mißliche, ja, heute darf ich es be­kennen, das Traurige meiner Lage nicht offen­baren wollte. Man hat mich zu Hause und im Kreise meiner Bekannten oft genug gewarnt, ohne alle Mittel nach Berlin auf die ilni- versität zu gehen. Ich aber hatte guten Mut und ließ mich nicht abschrecken. Freilich... mit welchen Kämpfen und Widerständen das Stu- dentenleven in dieser schweren Zeit für ein junges Mädchen verbunden ist, das hatte ich mir da­mals nicht träumen lassen. Doch ich hatte mit meiner Anzeige Glück und erhielt gleich am nächsten Tage eine vorzügliche Stelle bei Pro­fessor Dillburg. Sie werden seinen Rainen gewiß auch schon gehört haben, denn er ist eine aner­kannte Größe und wird von weither aufgesucht. Er öffnete mir sein Haus, empfahl mich an eine Reihe von Bekannten, bei denen sein Wort viel gilt, und heute, ja, lachen Sie nur. heute stehe ich glänzend da. habe so viel Geld, daß ich von Bater gar nichts mehr brauche und für die Eltern ein Weihnachtsgeschenk eingekauft habe, habe, das die alten Herrschaften vielleicht mit mehr Entsetzen als Freude erfüllen wird. Aber ich kann ihnen die beruhigende Versicherung geben, daß es redlich verdient ist.

Und auf diese Weise kam ich auch in das Haus jenes Herrn"

Sie brach ab. Es toar jetzt nicht mehr Ver­legenheit. es toar heißer Unmut, der ihr hüb-

Marburg in die Hände deS neuen Landkreises übergegangen.

In einer langen Sitzung beschäftigten sich gestern die Marburger Stadtverordne­ten bis in die Abendstunden hinein mit ver­schiedenen wichtigen kommunalen Fragen. So wurde zwecks Unterbringung obdachlos werdender Familien beschlossen, auf städtischem Gelände am Südbahnhof eine Siedlung mit zwanzig Klein st Wohnungen (16 mit je einem Zim­mer nebst Küche und vier außerdem mit Schlaf­kammer) zu errichten. Die Kosten in Höhe von 97 000 Mk. werden mit 60 000 Mk. aus dör Hauszinssteuer und 37 000 Mk. aus Anleihe­

mitteln gedeckt. Ferner genehmigte man die so­fortige Erbauung eines Stegs überd i e Main-Weser-Bahnlinie beim Haupt- bahnhof. damit die Bewohner des neuen Stadtteils Elsaßhausen nicht mehr so große Um­wege zwecks Erreichung der Innenstadt machen müssen. Zur Anlage von sechs Tennis­plätzen für die Studenten auf städtischem Gelände am Stadion wurden 24 000 Mk. bewil­ligt. Rach längerer vertraulicher Beratung ge­nehmigte man den Bertrag wegen Einge­meindung von Ockershausen, wodurch Marburg einen Zuwachs von etwa 2000 Ein­wohnern erhalten dürfte.

Kirche und Schule.

(5 Allendorf a. b. Lumda, 18. Sept. Am Sonntag wurde hier das Jahresfest des Ver­eins für Innere Mission, verbunden mit dem Dekanatsfest für Innere Mission, gefeiert. Im Vormittagsgottesdienst in der Kirche predigte Volks- schriststeller Heinrich Naumann aus Nanzhauscn über Lukas, Kapitel 7, Vers 11 und folgende, Auferstehung des Jünglings von Nain. Im Nach» mittagsgottesdienst, der bei dem herrlichsten Som- merwctter auf dem schattig gelegenen Platze vor der Kirche, dem sog. Rost, stattfand, sprach Pfarrer V ö m c l aus Rodhcim a. d. Bieber über Psalm 143, Vers 5 bis 10. Der Redner, der von 1914 bis 1925 Leiter des Erziehungsheims Düsseltal bei Düsseldorf war, schilderte in eingehender Weise die Not und das Elend der dortigen Zöglinge. Sodann sprach noch Volksschriftsteller Naumann über 1. Brief Pauli an die Korinther, 13. Kap., Vers 13. Den Rechenschaftsbericht erstattete in Verhinderung des Dekans Gußmann, Kirchberg, dessen Stellvertreter, Pfarrer Sattler, Wieseck. Viel zur Verschöne­rung des Nachmittagsgottesdienstes trug der Vo- saunenchor Bersrod durch seine Mitwirkung bei. Die für die Innere Mission bestimmte Kollekte ergab in beiden Gottesdiensten zusammen etwa 125 Mark. Außerdem wurden noch für 33 Mark Ansichtspost­karten unserer Kirche zum Besten unseres Orgel­fonds verkauft.

T Hirzenhain, 18. Sept. Auf Wunsch der Geistlichen des Dekanats Ridda fand hier im Gasthof Iungmann eine Dekanatskon­ferenz statt. Die Konferenz wurde durch Pfar­rer Kornmann (Rodheim) mit Schriftlesung und Gebet eröffnet. Dekan 6er ib a (Ridda) begrüßte die fast vollzählig erschienenen Amts- brüber des Dekanats Oberkirchenrat W a g- ner (Gießen) nahm auch an der Konferenz teil und machte einige geschäftliche Mitteilungen. U. a. gab der Vorsitzende der Versammlung Kenntnis von einem Schriftwechsel zwischen dem Dekanat und dem Bezirkslehrerver­ein Ridda, der kürzlich sein 50. Jubiläum begehen konnte. Der Schriftwechsel war ein be­redtes Zeugnis für das gute Zusammenarbeiten von Lehrern und Pfarrern im Bezirk Ridda. Mit Bedauern horte die Konferenz, daß die Dekanatsschwester ab 1.Dezember Ge­meindeschwester in Ridda wird. Es soll eine baldige Wiederbesetzung der freigewordenen Dekanatsschwesternstelle erfolgen. Rachdem noch zum Ob er hessischen Dorfkirchentag am 7. Oktober in Ridda eingeladen worden war, Pfarrer Müller (Eichelsdorf) an die Einsendung der Gaben in die Sammelbüchsen des Gustav- Adolf-Vereins erinnert hatte, hielt Pfarrer Kornmann (Rodheim) einen Vortrag über: Reue Wege der Seelsorge das Laienapostola t. Rach reger Aussprache, an der sich auch Oberkirchenrat Wagner be­teiligte, schloß der Vorsitzende die Konferenz. Am Rachmittag fand unter Führung der Herren Stein und Rippe! eine fast zwei- sches Antlitz noch um einen Hauch roter färbte, als es die Kälte bereits getan hatte.

Ich hatte einem schwächlichen, aber gutbe­gabten und wohlerzogenen Jungen von vierzehn Jahren, der viele Wochen die Schule hatte ver­säumen müssen, jeden Rachmittag Rachhilfe­stunden zu geben. Der Unterricht war mir eine Freude, eine größere aber ber Verkehr in der Familie. Die Dame war eine etwas zurückhal­tende, jedoch feine und vornehm denkende Frau, mit der ich meist allein zusammen war, weil ihr Mann den ganzen Tag und bis in die späte Rächt hinein beschäftigt war. Dann unb wann aber, besonders in der letzten Zeit, erschien er, erzählte viel aus seinem Leben unb seiner Praxis, unb die Unterhaltung mit ihm war für mich etwas so Reues unb Anregendes, daß ich glück­lich toar, wenn er sich zu uns fetzte.

Eines Tages lud er mich ein, da seine Frau sich nicht frisch fühlte, mit mir in das Deutsche Theater zu gehen. Wan spielteAlt-Heidelberg", und es toar ein hübscher Abend. Rach Schluß der Vorstellung meinte er:Run wollen wir zu­sammen zu Rächt essen und ein Glas Wein trinken." Ich toar völlig harmlos: das vornehme Lokal und die herrlichen Sachen, die man uns auftrug, machten mir ein Riesenvergnügen. So etwas hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen. Sekt kannte ich überhaupt nicht, ich glaube, ich hatte ihn noch nie gesehen.

Mit einem Male es wird mir schwer, Ihnen das zu erzählen, aber es muß sein, damit Sie nicht etwa denken, ich hätte unbedacht oder aus übertriebener Prüderie gehandelt fühlte ich seine Arme um mich geschlungen, sah fein er­hitztes Gericht, seine gierig funkelnden Augen, hörte ihn wahnsinnige Worte stammeln ich weiß heute noch nicht, woher ich die Kraft ge­nommen, mich aus seiner Umarmung loszureißen es war alles so ekelhaft und erniedrigend"

Sie brach ab; ihr sonst so lebendiges Gesicht war wie versteinert.

Die Dämmerung nahm zu, die Schneedecke hatte einen bläulich fahlen Schimmer angenom­men, die Baumskelette streckten die dürren weißen Arme gegen den blassen Himmel, an dem ein Stück d^s Mondes sichtbar toar; aber auch das toar bleich und ohne Leuchtkraft.

Es ist gut, daß Sie mir das alles erzählt haben, sagte er nach einer langen Pause. Aber von dieser Stunde an, nicht wahr, wollen wir nie wieder ein Wort über all dies sprechen. Es sei tot unb vergessen zwischen uns beiden." Gut," erwiderte sie und atmete erleichtert auf, ich wollte Ihnen nur noch einmal von ganzer Seele danken. Sie sind zum zweiten Male mein Retter geworden. Das werde ich -nie vergessen. Und nun erzählen Sie mir von Ihnen. Sind Sie mit Ihrem neuen Posten zufrieden? Oder", fügte sie scherzend hinzu,wollen Sie sich wieder verändern wie damals?"

Ja, ich bin wieder auf dem Veränderungs- Wege."

stündige Besichtigung der Eisenwerke Hirzenhain statt. Cs toar außerordeirtlich interessant, bas Werk, welches fast tausend Ar­beiter beschäftigt, in allen Abteilungen unter sachkundiger Erklärung gerade bei der Tages­arbeit zu sehen. Besonderes Interesse erregte die Arbeit der Former in der großen Gußhalle und die Arbreit in den Emallierwerkstätteni. Rach Schluß der Besichtigung dankte Dekan Scriba den Herren Stein und Rippe! für die Führung, zugleich bat er, der Direktion für die freundliche Aufnahme im Eisenwerke den Dank der Geistlichen zu übermitteln. Herr Stein gab dem Wunsche Ausdruck, daß alle Herren von der Besichtigung den Eindruck mit- nehmen möchten, daß das Eisenwerk an feinem Teil auch ein Stück zum Wiederaufbau unseres deutschen Vaterlandes beitrage.

* Atzenhain, 18. Sept. Eine seltene Feier­stunde erlebte am vorigen Sonntag unsere Ge­meinde. Das alte Gotteshaus, das schon seit Jahrhunderten auf das Dorf herniederschaut, wohl eine der ältesten Kirchen des Hessenlandes, wurde nach einer gründlichen inneren Wieder­herstellung in einem feierlichen Gottesdienst zum neuen Gebrauch geweiht. Der Gesang­verein unter Leitung des Lehrers Dotzert, eröffnete die Feier mit einem Choral. Rach der Festpredigt des Ortspfarrers wurden ab­wechselnd mit Gemeindegesang und Gesangverein noch zwei weitere Ansprachen gehalten von Leh­rer Kaufmann (Gießen) und Pfarrer Dr. Lic. Stumpf (Merlau). Ersterer neun Jahre Lehrer in Atzenhain, den Organisten- unb Lek- tordienst in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit ver­sehend, ein treuer Kamerad und Mitarbeiten seines Pfarrers, ging von dem Gedanken aus, daß Kirche unb Schule äußerlich wie hier neben­einander stehend, auch innerlich zusammenarbeiten müssen. Denn es gilt für das Leben nicht nur kluge Köpfe heranzubilden, sondern vor allem Menschen mit der rechten Gesinnung, Charaktere, die überall und in jeder Lebenslage ihren Mann stehen. Sie aber wachsen nur da, wo das Bild unseres Heilandes in die Kinderseele gesenkt wird. Mit einem toarmen Appell unseres allseitig hochgeschätzten Lehrers, dem neuen Kirchlein die alte Treue zu halten, schloß der Redner seine Ausführungen. Zum Schluß beglückwünschte Pfarrer Lic. Dr. Stumpf (Merlau) die Ge­meinde und ermahnte sie, bei aller Freude a.i ihrem im neuen Schmuck wieder erstandenen Gotteshaus des großen Zusammenhangs mit der Gesamtheit nicht zu vergessen. Der Redner zog zum Vergleich das Völkerbundkonzert heran, das kürzlich durch den Rundfunk übertragen wurde, und legte der Gemeinde ans Herz, auf neuem Instrument mit alter Gewissenhaftigkeit, Treue und Unterordnung unter der unsichtbaren Lei­tung des ewigen Meisters im großen Konzert des Glaubens mitzuspielen. Mögen von der Feier so auch die auf ihr gesprochenen Worte der ®e-

Mit hellem Erstaunen blickte sie zu ihm auf.

Ist das Ihr Emst? Lind schon wieder?

Rein, das glaube ich nicht."

Sie dürfen es schon glauben.

Aber warum in aller Welt

Mit einem Male zuckte es wie eine Ahnung in ihr auf.

Sie gehen weil Sie müssen? Weil"

Sie sprach den Satz nicht zu Ende. Eine töd­liche Angst war in ihren Zügen, sprach aus ihren erschreckten Augen.

Ich bin die Veranlassung, daß Sie gehen! ... Rein... sagen Sie mir nichts. Ich weiß es. Ich fühle es. Daß Sie sich zu meinem Schützer aufwarfen, hat Sie Ihre Stellung gekostet. Oh, das ist das Schlimmste von allem.

Sie hatte mit fliegendem Atem gesprochen; eine wachsende Erregung toar in ihren Worten und zugleich eine brennende Scham.

Er suchte sie zu beruhigen, ihr vorzutäuschen, daß er gewiß auch so nicht lange geblieben, daß alles, was er getan, doch nur etwas Selbstver­ständliches gewesen wäre, daß er jeder fremden Dame gegenüber genau so gehandelt hätte es war vergeblich.

Fühlen Sie denn nicht, wie schrecklich das für mich ist? Ich hätte meine Sache auch allein führen können. Weshalb mußte ich Sie mit hinein- reißen?"

Lind bann wie von einer jähen Erkenntnis er­hellt:Lind das war nicht bas erstemal. Auch damals, als Sie Ihre Stelle im Hotel verließen, als wir uns Unter den Linden trafen unb Sie mir einzureden versuchten, daß Sie es aus dem Wunsche, sich zu verändern, täten: ja, leugnen Sie nur nicht... auch damals war ich die Ver­anlassung!"

Hörte et sie nicht? War er nicht mehr bei der Sache?

Er antwortete ihr mit keiner Silbe. Mit einer schnellen Bewegung hatte er sich umgedreht und stand ihr gegenüber, bas Auge mit scharf spä­hendem Blick in das schneebehangene, vom ersten Mondlicht burchgeisterte Gebüsch gerichtet.

Sie wollte ihn fragen, aber das Wort erstarb ihr auf den Lippen. Ein unbeschreibliches Furcht­gefühl hatte sie erfaßt.

Da sah sie seine Hand mit schnellem Griff in die Seitentasche seines Mantels gleiten.

ilm Gottes willen... was haben Sie?

Aber er winkte ihr, stille zu fein.

Am ganzen Leibe zitternd, hielt sie sich neben ihm, unwillkürlich ihren Arm an den seinen lehnend.

Sein Auge haftete noch immer an derselben Stelle, und die Pistole in seiner Hand hob sich.

Dann ließ er sie sinken.

Es ist vorüber, sagte er nach einer kurzen Weile,und Sie haben, in Ihre Worte ver­tieft, gar nicht gemerkt, in welcher Gefahr Si« waren. Gut. daß ich mehr auf der Hut war.

(Fortsetzung folgt.)