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Ur. 167 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Freitag, 19. Juli 1929

Amerikas verhängnisvolle Handelspolitik.

Von Professor Or. Hermann Levy.

Man weih, daß die meisten Länder der Welt­wirtschaft schon seit Abschluß des Weltkrieges die außerordentlich einschneidenden Er­höhungen und Vermehrungen der amerikanischen Zolltarifpositionen mit wachsender Besorgnis betrachtet haben! aber niemals ist bisher diese Besorgnis in einer so großen Verstimmung zum Ausdruck gekommen, wie es jetzt der Fall ist, wo die Union mit neuen verschärfenden Tarifbestimmungen auf den Plan tritt. Vicht weniger als 3 8 Staaten haben bei dem Staatsdepartement in Washing­ton gegen die geplanten Erhöhungen des Zoll- tarifes protestiert. 3n Belgien hat ein großer Textilverband sofortige zollpolitische Kampfmah- nahmen wie etwa eine Erhöhung der Zölle auf amerikanische Automobile angeregt. Der englischeEconomist", ein sehr gemäßigtes Fach­blatt, das stets nur friedlichen Mitteln das Wort redet, bringt in einer seiner letzten Num­mern einen sehr energischen Aussatz, in welchem die immer stärker wachsende Abhängigkeit Eu­ropas von der amerikanischen Wirtschaftspolitik behandelt wird.Für jeden denkenden Europäer", so heißt es dort,ist die Revolutionierung in den Beziehungen zwischen der alten und der neuen Welt, ob sie nun durch den Krieg, oder von Na- tur aus entstanden ist, das entscheidende Merk­mal und die entscheidende Tatsache unserer Zeit. Handelt es sich um Bevölkerungsfragen oder um die Arbeitslosigkeit Europas, steht die Ein­wanderungspolitik Amerikas im Wege! handelt es sich um die Stabilität der Währungen, internationale Investie­rungen und Goldfragen, so muß jedes europäische Auge nach Wall Street oder Washington blicken; und, was das wichtigste ist, im Kampfe um die Warenausfuhr, mit welcher Europa seine Schulden bezahlen muß, steht der immer höhere Schutzzoll der Vereinigten Staaten da."

Es ist in Vorkriegszeiten niemals vorgekommen, daß ein großes Gläubigerland eine sogenannte günstige" oder aktive Handelsbilanz hatte. Denn die Anleihen, welche reiche Länder wie etwa England oder auch Deutschland anderen Län­dern gewährten, bedingten ja große Einfuhren, die von dem reichen Einfuhrland nicht alsTri­but" an das Ausland, sondern nur als dessen Zinszahlungen für gegebene Kredite anzusehen waren. Seit dem Weltkriege hat sich das unnatür­liche Verhältnis herausgebildet, dah die Ver­einigten Staaten einerseits das größte Gläubigerland der Welt geworden sind und daß sie anderseits trotzdem eine aktive Handelsbilanz haben, das heißt: dah sie mehr an Warenwerten aus-, als einführen. Vach der vor kurzem in Washington veröffentlichten Zahlungsbilanz der Union für 1928 betrug der Ueberschuh des Wertes der Ausfuhr über den Wert der Einfuhr im Jahre 1927 etwa 681 Mil­lionen Dollars, im Jahre 1928 über eine Mil­liarde Lollars. Obschon also heute die Union durch ihre neuerlichen Kreditgewährungen erhöhte Zinszahlungen vom Auslande zu erhalten hat, ist sie in der Lage, mehr an das Ausland aus­zuführen, als sie einführt. Dah hieran die ge­waltigen landwirtschaftlichen und mineralischen Erträgnisse der Union den Hauptanteil haben, ändert an der Tatsache als solcher nichts. Aber die Ursache dec vergleichsweise geringen Einfuhr ist darin zu suchen, dah die Union durch immer höhere Zölle den Weg derEin- fuhr verrammelt hat. Wiederholt hat der englische Handelsattachee in Washington, Sir Joyce Bro der ick, der sich das Studium der amerikanischen Marktverhältnisse zu einer be­sonderen Aufgabe macht, darauf hingewiesen, dah der amerikanische Markt für reguläre euro­päische Waren nicht mehr in Frage komme: nur

Was wissen wir vom Blitz?

Von Oipl.-Ing. Or. Arthur Hamm.

Don allen Vaturerscheinungen irdischen Ur­sprungs haben Blitz und Donner wohl am frü­hesten die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen und zum Vachdenken über ihren Ur­sprung angeregt. Dah dieses Vachdenken lange Zeit, jahrtausendelang, zu keinem Ergebnis füh­ren konnte, war selbstverständlich, weil alle expe­rimentellen Hilfsmittel fehlten und vor allen Dingen die Erscheinungen der Elektrizität, die allein die Aufklärung verschaffen konnten, noch ganz unbekannt waren. So hielt man die ge­waltige Aeuherung der Vaturkraft für ein Werk mißgünstiger Dämonen oder für Zornesaus- brüche gereizter Götter, wie derBlitzstrahl des Jupiter" oder derHammer des Thor" zeigen. Als dann der Götterglaube verschwand, aber die Wissenschaft noch unfähig war, die Frage zu lösen, stand man jenen Tatsachen überhaupt ratlos gegenüber.

Dieser Zustand dauerte bis zum Jahre 1752, als zuerst Benjamin Franklin die einzig zu­treffende Erklärung gab und durch die Erfin­dung des Blitzableiters zugleich auch die prak­tische Nutzanwendung fand. Aber es zeigte sich, daß mit der Franklinschen Erklärung noch längst nicht alle Fragen Beantwortung fanden. Na­mentlich als die Erscheinungen der drahtlosen Telegraphie erforscht wurden, kam man ganz von selbst wieder auf die Untersuchung des Blitzes »urück, der ja auch ein Funke war wie der Funke, der die elektrischen Wellen erzeugte. Ganz mit Recht sagte man sich, dah auch der Blitz wie ein im Laboratorium erzeugter Funke eine Schwin­gung und nicht ein einfacher' Uebertrag von der Wolke zur Erde sein müsse. Man suchte nun nach den Erscheinungen, die den Schwin­gungscharakter des Blitzes dartun sollten. Da- zu gehörte, daß auf den ersten Ueberschlag von der Wolke zur Erde ein zweiter zurück zur Wolke folgen müsse, dem sich vielleicht noch eine ganze Reihe weiterer, immer schwächer wer­dender Schläge anschliehen könne. Mit allen mög­lichen Mitteln, sogar mit den Wellenmessern der drahtlosen Telegraphie suchte man die angebliche Echwingungszahl des Blitzes zu erforschen, meist ohne Erfolg, und die wenigen Erfolge waren stark umstritten. Als dann der große holländische Physiker H. A. Lorentz die Elektronentheorie begründete, die heute die Wissenschaft beherrscht, fand man hierin neue Mittel, die merkwürdigen

noch Waren besonderer Qualität, und Erzeugnisse besonderer Derfeinerungstechnik, der die amerika­nische Standardisierung nicht gewachsen sei, seien in der Union angesichts der hohen Zölle konkur­renzfähig. Das ist besonders für die Textil­industrien Europas von bedenklichster Tragweite. Eine Ausnahmestellung hoben natürlich auch auf dem amerikanischen Markte monopolartige Er­zeugnisse, wie etwa unser und das französische KaU, und manche Erzeugnisse unserer chemischen Industrie. Aber mit diesen allein kann Europa seine Schulden nicht begleichen. Will die Union nunmehr noch die letzten Ein­fuhrmöglichkeiten Europas abdros­seln?

Niemand wird es einem überseeischen Lande mit großen natürlichen Schätzen an Rohstoffen und Mineralien aller Art (Baumwolle, Kupfer, Erdöl, Zink, Blei) verargen, wenn es danach strebt, einen Teil derselben selbst zu verarbeiten. Niemand wird in der Welt neuen Ländern die Entwicklung zum Industrie- und Handelsstaat neiden, solange diese Entwicklung so geschieht, daß nicht die ganze übrige Weltwirtschaft von ihr in eine gefährliche Mitleidenschaft gezogen wird. Wenn die Union eine große und macht­volle Industrie herangebildet hat und dadurch ihren Wohlstand wesentlich vermehren konnte, so konnte Europa gerade eben durch den wachsen­den' Wohlstand des industriellen Amerikas einen erweiterten Absatz für seine hochwertigeren Er­zeugnisse finden. Hierin würde die weltwirt­schaftliche Bedeutung solchen überseeischen Fort­schritts liegen. Durch die amerikanische Handels­politik rücksichtsloser Absperrung aber geschieht das Gegenteil. Die Weltwirtschaft und insbeson­dere die europäische Wirtschaft wird nun durch sie geschädigt, und diese Schädigung wiegt heute um so schwerer, als Europa Schuldner­gebiet der Welt geworden ist. Freilich, die Beschwerden gegen die amerikanische Handels­politik erklingen nicht nur von Europa her, sondern auch aus unmittelbarster Nähe der

Union, nämlich aus Kanada. Gegen diesen Nachbar ist die Union seit langem nicht minder egoistisch vorgegangen, als gegen entferntere Ge­biete. Die neuen Zolltarifpläne der Union haben daher in Kanada, das schon seit dem Jahre 1911 nur Verschlechterungen seiner handelspolitischen Position gegenüber den Vereinigten Staaten er­lebt hat, begreifliche Erregung hervorgerufen. Die Haltung der QJ/rcinigtcn Staaten hat den Anhängern einer engeren wirtschaft­lichen Verbindung Kanadas mit Eng­land den Rücken gestärkt, und man spricht bereits von einer weitgehenden Begünstigung englischer Waren gegenüber amerikanischen, wenn Kanada sich gegen die amerikanische Handels­politik zur Wehr seht.

Wird Amerika auf die Stimmen der Welt hören? Oder wird es an seiner vorgefaßten Mei­nung für immer höhere Zölle ebenso hartnäckig festhalten, wie es bis vor kurzem glaubte, das Gold der Welt aufspeichxrn zu können und erst durch den hierdurch angerichteten Schaden eines anderen belehrt wurde? Wenn die Union ihre Zölle wahllos weiter erhöht, wird die Folge eine weitere Verschärfung der europäischen Kon­kurrenz auf dritten Märkten sein, da ja Europa schließlich seine .überschüssigen Waren irgendwo absehen muh. Ferner wird die Erhöhung der amerikanischen Zölle die Lage der dortigen Land­wirte, die schon ohnehin im Augenblick durch niedrige Agrarpreise, aber hohe Löhne und hohe Preise für Industriewaren recht bedenklich ist, noch verschärfen, und die Union wird in Form von Unterstützungen an die Landwirtschaft einen guten Teil derjenigen Gelder wiederhergeben müssen, welche sie durch die weitere Abdrosse- lung der Einfuhr ersparen zu können meint. Freilich, ein so reiches Land, wie es jetzt die Union ist, kann sich vielleicht solche Experimente gestatten. Aber der Vorwurf der Skrupellosigkeit auf dem Gebiete der Weltwirtschastspolitik, den man heute Amerika machen muh, wird dadurch nicht hinfällig.

Line bulgarische Sludiengesellschast in Hessen.

Auf Einladung der Deutschen Akademie zu Mün­chen bereist gegenwärtig eine Gesellschaft führender Persönlichkeiten des bulgarischen Geistes- und Wirt­schaftslebens Deutschland, um hier Einblick nehmen zu können in das Leben unserer Wissenschaft, Kul­tur und Wirtschaft, und Beziehungen zu erneuern oder anzuknüpfen, die im Interesse beider Länder gelegen sind. Die Teilnehmer an dieser bulgarischen Studienreise sind die Unioersitätsprofessoren aus Sofia: Jschirkoff (Geo- und Ethnographie); D a n a i l o f s, Minister a. D., Sobranjeabgeordne- ter, Präsident der Bulgarisch-deutschen Gesellschaft Sofia; Filoff (Archäologie); Molloff (Innere Medizin); Chlebaroff (Landwirtschaft), Regie­rungssachoerständiger; Galöboff (germanische Sprachen); ferner: Regierungsingenieur B o sch- ko f f, Generaldirektor der bulgarischen Staats­eisenbahnen; Papazoff, Präsident der Hypo­thekenbank und Vizepräsident der Handelskammer Sofia, Regierungsingenieur Dr. Kantfcheff, Generalinspektor der Industrie, Dr. Nikol off, Sekretär der Handelskammer Burgas; Dr. S ch i s ch- manoff, Schriftsteller, Vertreter der bulgarischen Presse.

Die bulgarischen Herren trafen bereits am 7. Juli in München ein und haben bisher außerdem Stutt­gart, Pforzheim, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und Frankfurt a.M. besucht, überall von staatlichen und städtischen Behörden aufs wärmste empfangen. An Rundfahrten durch diese Städte schlossen sich Besichtigungen wissenschaftlicher Institute, industrieller Betriebe und kommerzieller Einrichtungen und der Besuch besonderer historischer und kultureller Sehenswürdigkeiten an.

Am Nachmittag des 16. Juli trafen die Herren in Darmstadt ein. Es wurden dort zunächst die

Anlagen des Hochspannungslaboratoriums der Tech­nischen Hochschule eingehend besichtigt. Um 20 Uhr versammelte sich eine große Anzahl von Vertretern der hessischen Behörden, der Technischen Hochschule, der Stadt, der Handelskammer usw. in der festlich geschmückten Otto-Berndt-Halle zu einem Gesell­schaftsabend, zu welchem die Deutsche Akademie in Verbindung mit dem vorbereitenden Ausschuß der Landesgruppe Hessen der Deutschen Akademie ge­laden hatte, und an dem auch die zahlreichen, an der Universität Frankfurt und der Technischen Hoch­schule Darmstadt studierenden Bulgaren teilnahmen. Die Universität Gießen war durch die Pro­fessoren Rosenberg, Nörr und Bertram vertreten. Es sprachen namens der Deutschen Aka­demie deren Präsidialmitglied Dr. Paul Rohr­bach, für den verreisten Rektor magnicus der Darmstädter Hochschule, Prorektor Professor Dr. Kammer, für die Stadt Darmstadt deren Ober­bürgermeister Dr. Müller, für die Handels­kammer Darmstadt deren Präsident Dr. h. c. Schenk. Professor Nörr (Gießen) hielt eine Be­grüßungsansprache in bulgarischer Sprache. Auf alle diese Ansprachen erwiderten deutsch der Präsi­dent der Geselllchaft für bulgarisch-deutsche Kultur­annäherung, Professor D a n a i l o f f und cand. T o r b o f f. Den Kernpunkt des Abends bildete ein längerer deutscher Vortrag des Germanisten an der Universität Sofia, Professor Galöboff, über bulgarische Literatur, wobei er auch die Beziehun­gen zur deutschen Literatur heroorhob. Seine leb­haften Beifall erntenden Ausführungen waren stim­mungsvoll eingerahmt von Darbietungen der ge­schulten Stimmkn bulgarischer Studenten, die un­ferm Ohr schwermütig' klingende Heimatlieder von eigenartigem Rhythmus sangen. Mit dem Gesang

Erscheinungen des Blitzes aufzuklären. Wir wis­sen jetzt, daß der Blitz sozusagen eine in der Geburt erstickte Schwingung ist; dem ersten Schlage, der meist von der Wolke zur Erde geht, folgt zwar oft ein zweiter in umgekehrter Rich­tung, der aber schon viel schwächer ist; ein weiterer bleibt fast immer aus. Das rührt da­her, daß die Schwingung sehr stark gedämpft ist, sie kann sich nicht richtig ausbilden, und der Wind treibt noch dazu die Elektronen, die sich in der Dlitzbahn sammeln, und die den ersten Schlag erst ermöglichen, schnell weg.

Wir sind also ein Stückchen weiter gekommen, aber es ist noch unendlich viel zu erforschen, und die Wissenschaft hat noch lange zu tun, ehe die Naturerfcheinung des Blitzes wirklich als auf­geklärt gelten kann. So ist es z. B. eine noch stark umstrittene Frage, ob der Blitz posi­tive oder negative Elektrizität mit sich führt, und die bisherigen Beobachtungen scheinen zu zeigen, daß die Blitze über dem Lande andere Elektrizität führen als die über dem Meere. Das wäre wiederum eine äußerst merk­würdige Tatsache, die man sich zunächst noch gar nicht erklären kann. Sehr wichtig ist auch die Untersuchung, wie groß die Spannung des Blitzes wohl sein mag. Wir messen bekanntlich alle elektrischen Spannungen in Volt, und für uns ist hier eine Spannung von einigen hun­derttausend Volt schon außerordentlich hoch. Beim Blitz müssen wir aber alle solchen Begriffe bei­seite lassen, denn, wenn die Elektrizität imstande ist, eine Luftschicht von mindestens einem Kilo­meter Durchmesser zu durchbrechen, so müssen Spannungen wirksam sein, die eine gänzlich un­vorstellbare Hohe haben. Als Kuriosum sei er­wähnt, dah ein Gelehrter sogar einmal aus­gerechnet hat, wie groß die im Blitze enthal­tene Elektrizitätsmenge ist, und was demzufolge ein Blitz nach dem Tarif unserer Elektrizitäts­werke wohl kosten würde. Das Ergebnis ist übrigens sehr geringfügig, denn bei der außer­ordentlich kurzen Dauer des Blitzes ist die Elek­trizitätsmenge nur sehr klein, und ein ordent­licher Blitz wäre bei den heutigen Strompreisen schon für ein paTr Mark zu haben.

Der Blitz ist aber nicht nur interessantes Ob­jekt für die Wissenschaft, sondern er hat auch eine sehr große praktische Bedeutung infolge der Zerstörungen, die er anrichtet. Die Feuerversicherungsgesellschaften wissen davon ein Lied zu fingen, ebenso auch die neuerdings im­mer mehr an Umfang gewinnenden Tleberland- zentralen. In den ausgedehnten Hochspannungs­

netzen, die oft ganz ungeschützt sind, richtet er jährlich sehr großen Schaden an, wobei man noch gar nicht einmal an direkte Blitzschläge in die Leitung zu denken braucht. Schon ein in der Nähe einer Leitung niedergehender Blitz kann durch Induktionswirkung in der Leitung sehr hohe Spannungen erzeugen, die zu schweren Beschädigungen der Anlage führen können. Des­halb verwenden auch neuerdings die Elektrizitäts­werke besondere Aufmerksamkeit auf das Stu­dium des Blitzes. Welch' merkwürdige Wand­lungen die Geschichte der Wissenschaft dabei durchmachen kann, ist gerade hierbei klar gewor­den. Denn als andere Mittel versagten, griff man zur Llntersuchung der vom Blitz erzeugten Erscheinungen auf eine Entdeckung des großen Physikers Lichtenberg aus dem 18. Jahr­hundert zurück, die bis dahin in unseren Physik­büchern ein recht unbeachtetes Dasein geführt hatte. Lichtenberg hatte elektrische Entladungen auf Schwefelblume oder Därlappsamen einwirken lassen und hierbei merkwürdige Figuren erhalten, die verschieden ausfielen, je nachdem es sich um positive oder negative Entladungen handelte. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahr­hunderts fand man bann, daß dieselben Figuren auf einer photographischen Platte entstehen, die man einer elektrischen Entladung ausseht. Dieser Tatsache erinnerte man sich, als man zu messen versuchte, welche Spannungen ein niedergehender Blitz auf einer elektrischen Leitung induzieren könne. Man fand nämlich, daß die Figuren um so großer werden, je hoher die erzeugende Span­nung ist, und zwar vor allem die positiven Figuren. Diese zeigen eine von dem Mittelpunkte ausgehende, wunderfeine Verästelung, die an die zartesten Gebilde des Pflanzenreiches erinnert. Brachte man einen Film z. B., der von einem Uhrwerk angetrieben wurde, mit einer Hoch­spannungsleitung in Verbindung, und ließ man ihn tagelang laufen, so mußten sich alle während dieser Zeit niedergehenden Blitze vollkommen selbsttätig aufschreiben oder vielmehr photogra­phieren. Tatsächlich ist es gelungen, auf diese Weise derartige Messungen zu machen und zum Beispiel festzustellen, daß auf den Leitungen durch in der Nähe niedergehende Blitze Span­nungen von mehr als zwei Millionen Volt erzeugt wurden. Noch andere Tatsachen konnte man aus diesen Lichtenbergschen Figuren ablesen, so z. D. die schon früher erwähnte, dah der Blitz fast nie eine vollständige Schwin­gung ausführt. Natürlich ist die Hauptsache, daß diese Llntersuchungen auch zu praktischen Erfol­gen führen, und daß es gelingt, die großen

der bulgarischen NationalhymneSchumi Mariza* und des Deutschlandliedes fand diese würdige Feier ihren Abschluß. Der bekannte Balkanforscher Dr. K. Fritzler (Buchschlag), Privatdozent an der Tech­nischen Hochschule Darmstadt und Schriftleiter der Südöstlichen Warte", hatte das starke Heft 7 dieser Zeitschrift alsBulgarennummer" herausgebracht und den Teilnehmern zur Verfügung gestellt; dieses Heft enthält einleitend begrüßende Worte für dis bulgarische Studiengesellschaft aus der Feder des Ministers Stresemann, des Rektors Rau der Technischen Hochschule Darmstadt und des Darm­städter Oberbürgermeisters Müller und in sei­nem Hauptteil Aufsätze aus den verschiedensten Wissensgebieten von hervorragenden Bulgaren und Deutschen.

Am Mittwoch, 17. Juli, fand vormittags die Be­sichtigung des hessischen Landesmuseums, sowie der Chemischen Fabrik E. Merck und der Maschinen­fabrik Carl Schenk statt. Nach einem Frühstück das gemeinsam von der Stadtverwaltung und von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt ge­geben wurde, erfolgte die Weiterreise nach Rüssels­heim zu eingehender Besichtigung der Betriebe der Firma Opel.

Von dort aus wird sich die bulgarische Studien­gesellschaft nach Jena begeben und dann weiterhin noch Braunschweig, Hannover, Bremen, Hamburg und Berlin besuchen.

Blitzschlag in die Wölfersheimer Transformatorenstation.

WSN. Friedberg, 18. Juli. Bei dem schwer ren Unwetter, das in der letzten Nacht in un­serer Gegend wütete, entstand im benachbarten Wölfersheim ein gröhererDrand. Ge­gen 4 Uhr morgens schlug der Blitz in die Transformatoren st ation des Wölfers­heimer Kraftwerkes ein und verursachte, da er die auf der Station lagernden 17 O elf äff ec in Brand fetzte, ein Riefenfeuer. Die Feuer­wehr des Kraftwerkes konnte den Brand auf fei­nen Herd beschränken, hatte aber mehrere Stun­den mit seiner Bekämpfung zu tun. Außer den Oelfässern, die nebst Inhalt dem Feuer zum Opfer fielen, scheint auch an den Akkumulatoren der Transformatorenstation Schaden angerichtet worden zu sein. Eine Rückwirkung des Brandes auf den Betrieb des Kraftwerkes trat nicht ein.

Blitzschlag in die Schafherde.

WSN. Bad Homburg, 18. Juli. Heute nacht ging über Bad Homburg und Umgebung ein Gewitter nieder. Der Blitz schlug in verschiedene Häuser ein, ohne jedoch nennens­werten Schaden anzurichten. Zwischen Homburg und Oberstedten schlug er in eine Schafherde und tötete 120 Tiere auf der Stelle. Der Schäfer hatte sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Durch H a g e 1 s ch l a g wurde auf den Feldern und an den Obstbäumen erheblicher Schaden angerichtet.

Oie Zlbenstädter Stiftskirche wird Basilika Minor.

WSN. Ilbenstadt, 18. Juli. Anläßlich der diesjährigen Jahresfeier des Benedik­tinerordens fanden hier größere kirchliche Veranstaltungen statt, die letzten Sonntag in Gegenwart des Bischofs von Mainz, Dr. Ludwig Maria Hugo, ihren Höhepunkt erreichten. Dor dem Pontifikalamt wurde ein Breve des Papstes verlesen, das die Ernennung der Ilbenstädter Stiftskirche zur Basi­lika Minor enthielt. Die Festpredigt hielt Domdechant Prälat Professor Dr. Leimbach aus Fulda. Nach dem Pontifikalamt spendete der Bischof die Firmung. Um 2 Uhr nachmittags fand eine Pontifikalvesper mit Firmpredigt des Bischofs statt, daran schloß sich eine Sakraments­prozession durch die Straßen Ilbenstadts.

Schäden, die der Blitz anrichtet, einzudämmen. Der sicherste Weg dazu ist immer die Erkennt­nis der Ursachen, und es kann nicht daran ge­zweifelt werden, daß auch die Dlihforschung zu praktischen Ergebnissen kommen wird, wie es in ihren Anfängen durch 'Benjamin Franklin ge­schehen ist.

Hochschulnachn'chten.

Professor Dr. Otto Stern in Hamburg hat den Ruf auf den Lehrstuhl der physikalischen Che- mie an der Frankfurter Universität als Nach­folger von Prof. R. Lorenz abgelehnt. Der Lehrstuhl für Stoffkunde und Elastizitätslehre an der Technischen Hochschule in Stuttgart, ver­bunden mit der Leitung der Materialprüfungsan. statt Stuttgart, ist dem Direktor des Kaiser-Wil­helm-Instituts für Eisenforschung in Düsseldorf Professor Dr. phil., Dr.-Jng. h. c. Friedrich Kör­ber angeboten worden. Der ordentliche Pro­fessor für romanische Sprachen an der Technischen Hochschule in Stuttgart Dr. Andreas C. 011 hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Lausanne abgelehnt.

Das Preußische Saatsministerium hat die von der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin vollzogene Wahl des Arztes Dr. Albert Schweitzer in ßambarene im französischen Kon­gogebiet zum Ehrenmitglied bestätigt. Prof. Dr. Gerhard Heinz elma nn in Basel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der syste­matischen Theologie an der Universität Halle als Nachfolger von Prof. W. Lütgert angenommen. Der durch den Weggang des Professors Dr. Friedrich Dertel nach Bonn erledigte ordentliche Lehrstuhl der alten Geschichte an der Universität Graz ist dem ordentlichen Professor Dr. Ernst Hohl in 9t o ft o tf angeboten worden.

Der Prioatdozent an der Münchener Universi­tät und Assistent am Chemischen Laboratorium ebenda Dipl.-Jng., Dr.-Jng. Clemens Schöpf hat einen Ruf auf das Ordinariat der organischen Chemie an der Technischen Hochschule in Darm­stadt als Nachfolger von Prof. H. Finger er­halten. Dr. Schöpf, der aus Gersfeld (9thön) ge­bürtig ist, ist Schüler und langjähriger Assistent von Prof. H. Wieland. Er promovierte 1923 an der Münchener Technischen Hochschule und hablli- tierte sich vier Jahre später an der Münchener Universität für das Fach der organischen Chemie. Dr. Schöpf hat erst kürzlich einen Ruf als Ex­change-Professor an die Universität Virginia (U.S. 21.) abgelehnt. Seine Arbeiten betreffen besonders Chemie der Naturstoffe.