Dienstag, 19. März 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Ar. 66 Zweites Blatt
Werk des britischen yDToijioriograpyen, atju uyt “,lv ?“*■ «'y
offiziellen britischen Geschichtsschreibung, sehr krisis, die beide Lander, England und Frankreich
an den Rand des Krieges brachte, niemals aus
nackt und klar zeigt, wie sich die entscheidenden
der diese Versuche oft nicht aushält,'worauf dann | sich der wiederholten Anläufe Wassermanns, ein schneller DerwellungSprvzeh des Gcmzen em- bevor er den Gipfel nahm.
war
sollten
Bezirk verbannt sind und ihn dann auch frei- , Willig mit mehr oder weniger triftigen 2lrgu- |
Zum teratur
Schule für Erzähler
Von Gerhard Bohlmann.
Hochschulnackrichieri.
Ordinarius für deutsche Sprache und Lian der Universität Bern ist als Rach>
•) ,Eduard VII.“ von Sir Sidney Lee. Aus dem Englischen über etzt von Gertrui e Aretz und Karl Freiherr von Werkmann. 2 Bürde mit 32 Lichtdrucltafeln. Verlag Paul Aretz. Dresden.
Ziel, das der Prinz au>ch während der Zeit der schärfsten Spannung wegen der französischen Kolonialbestrebungen und zur Zeit der Faschoda-
verfchlingt ungeheuere Summen, die dem Arbeiter den Lohn vermindern. In der Arbeit mutz wieder das Leistungsprinzip zur Anerkennung kommen. Mit dem Prinzip, private Betriebe unter öffentlichen und sozialen Lasten notleidend werden zu lassen, dann zu subventionieren und am Schluß zu sozialisieren. muh gebrochen werden. Die privatwirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand ist abzu bauen und gesetzlich zu regeln. Denn sie stellt die teuerste Wirtschaftsführung dar. Aber auch die Wirtschaft selbst wird Umstellungen vornehmen müssen, namentlich gilt das für die Kreditwirtschaft, die in der Kapitalve^ tcilung vieles gutzumachen hat. Auch nach diesem Aeuaufbau werden wir noch nicht vollkommen unabhängig sein, aber die Aussicht besitzen es zu werden. Wenn wir aber so weiter wirtschaften wie in den letzten Jahren, werden wir zu einem willigen Ausbeutungsobjekt der großen Kapitalländer werden, wie wir es teil-
den Äugen verloren hat.
Als Eduard VII. nach dem Tode der Königin Victoria am 22. Januar 1901, fast sechzigjährig, den Thron bestieg, war Großbritannien isoliert, die Einstellung der europäischen Groß-
trüt. Also auch Wassermann, es wird für manche neu sein. daS zu hören, weih heute noch nichk im voraus, ob der gefaßte Plan ausbaufähig ist.
Es ist jetzt gerade ein Dierteljahrhundert her, daß Lord Lansdowne und Paul Cambon den cnglifch-franzö!ischen Schied7gcrichtsvertrag unterzeichneten, der der erste in der Reihe jener offenen und geheimen Verträge war, welche die Grundlage der Entente cordiale bildeten. V^e die im vorigen Jahre neu bekräftigte englisch- französische Entente, so sollte nach den angeblichen Wünschen ihrer Väter auch die ursprüngliche in ihren Zielen natürlich nur friedlich, nur eine Bereinigung früherer Gegensätze, nur ein weiterer Schritt auf dem Wege zum Weltfrieden sein. Was aus diesen Dorkriegsabmachungen geworden ist, deren erste am 6. Avril 1904 zustande kam. das hat sich zehn Jahre später beim Aus- bruch des Weltkrieges mit fürchterlicher Deutlich-
menten meiden.“ Da fällt nun Da3 Wort von der Gnade, wir werden an den Auisgruch Fontanes erinnert: .Alles ist Gnade“, an diese kleinen Worte, die in Wahrheit den Schlüssel zu Den Geheimnissen des „Met ers" bilden, die ins Handwerk.iche führen, aber doch schon wieder von ihm fort und in jenen reinen Bereich, in dem sich Gestalten formen.
Wer soll diese Abhandlungen Wassermanns lesend Zeder. Der überhaupt .liest" — auch über Das Leben hat Wassermann schöne Worte geschrieben — und jrter. der sich vorgenommen hat, einmal .eine Geschichte" zu schreiben, damit sich der Schreiber bewußt werde, was Schreiben heißt, damit Der Leser etwas von Den Forderungen
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daß der hohe Zinssatz einen Druck auf die Löhne und Preise ausüben würde, dadurch die Ausfuhr gehoben und die Kapitalbildung gefördert werden könnte. Gerade das Gegenteil ist eingetretm. Sieht man zunächst davon ab, daß die Deutsche Wirtschaftspolitik Die starken Rückschläge mit verursacht hat, so muß festgestellt werden, daß die Rechnung der Dawes-Sachverständigen, ihren guten Willen vorausgesetzt, durch die hohen Schutzzölle aller Staaten durchkreuzt tourte. Die Erhöhung der Ausfuhr im letzten Jahre ist kein Gegenbeweis, denn wir exportieren in großem Umfange mit Derlust. Volkswirtschaftlich betrachtet bedeutet erhöhte Ausfuhr unter den gegenwärtigen Verhältnissen D e r m i n d e - rung der Kapitalbildung', sie ist teilweise aus produktionstechnischen und absatzpolitischen Gründen zu rechtfertigen.
Auf ter anderen Seite hat Die Revolution, die Inflation und nicht zuletzt das hereinstro- mende Auslandkapital die Ansprüche des öffentlichen Ve rw a l t u n g s a p p a r a - tes und der sozialen Etats weit über die wirtschaftliche Tragfähigkeit anwachsen lassen. Dazu kam. daß Der dauernte Abfluß von Kapital in Gestalt von Tributzahlungen Den Abbau des Zinsenstantes verhinderten, die hohen Zinsen aber nicht auf die Löhne und Preise drückten. Die Folge davon ist Meterteuerung ter Produktion, Mnterverzinsung des Industriekapitals. Unrentabilität ter Landwirtschaft und ein Derrnögensverfall in den mittleren Schichten Der Wirtschaft, die für Die gesamte Wirtschaft heute noch immer ausschlaggebend sind. Die Dank für Industrie-Obligationen stellt in ihrem neuen Bericht auch zahlenmäßig einen Ber - mögensschwund Der zur 3nDuftricbcIaftung herangezogenen Industrien fest. Das Auslandkapital ist zum Teil für die Tributzahlungen verwendet worden, zum Teil für Produktions- ztoecke, Die keine genügende Rente abtoerfen. Große Summen wurden aber auch dem zusätzlichen Verbrauch zugeführt, den wir aus Exportüberschüssen oder aus anderen Forderungen an das Ausland nicht bezahlen konnten. Reben Der Verschuldung muhten wir aber doch Vermögenssubstanz übertragen. Die Meter» frembung hat in Deutschland einen großen Umfang angenommen. Die unerträglichen Steuerlasten und die unzureichenden Rentabilitätsmög- lichkeiten veranlaßten weiterhin eine steigende Kapitalabwanderung in das Ausland, obwohl wir unter dringendem Kapitalbedarf leiden. Dadurch muh sich natürlich die Lage am Kapitalmarkt immer mehr zuspitzen, zumal wir in ter nächsten Zeit keine große Unterstützung von Amerika zu erwarten haben. Dollargeld ist heute teurer als Markgeld. Es werden deshalb nicht nur Dollarkredite zurückgezahlt, sondern Mark- geld wird in Dollar umgetoantelt und in Reu- york ausgeliehen. Die starke Rachfrage nach Devisen hat die Devisenkurse stark erhöht. Dollar und Pfund stehen nahe am Goldausfuhrpunkt. Mntcr diesen Mmftänteu muh damit gerechnet werden, dah trotz der äußerlichen Geldflüssigkeit in Der nächsten Zeit die Zinssätze sich Weiter erhöhen werten.
Diele Wirtschaftler hoffen auf ein günstiges Ergebnis ter Pariser Reparations» konferenz. Worauf sich diese Hoffnungen stützen, ist recht unklar, da in keinem ter ehemaligen Feindbundftaaten der Wllle vorhanden ist. die Höhe der Tributzahlungen der deutschen Leistungsfähigleit anzupassen. Das Zinsniveau bleibt aber in jedem Falle von den Cntschädi- gungszahlungen abhängig, ganz gleich, ob die Verpflichtungen politische bleiben oder kommerzialisiert werden. Würde Deutschland nach dem Wunsche Frankreichs ter Privatisierung von 15 bis 16 Milliarden Mark zustimmen. Dann mühte sich Der Zinsenstand noch weiter erhöhen, weil dem deutschen Kapitalmarkt Dann jede, auch jede kurzfristige Hilfe ter ausländischen Kapitalmärkte verschlossen bliebe. Auch das Fortbestehen des Dawesvertrages muh in absehbarer Zeit zu einer Transserkrisis führen. Der Generalagent wird sich nicht scheuen, sie mittels eines Deflationsdrucks solange als möglich hinauszuschieten; seine Wirkungen auf das Wirtschaftsleben sind schwer vorauszusagen.
ahnen lerne, welche er an den Erzählenden stellen kann und welche nicht. Mit einem Wort: alle, die sich noch um geistige Dinge kümmern, diese Aufsätze Wassermanns lesen.
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Liebe H-6., Hameln.
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Für die politische und diplomatische Geschichte des ersten Jahrzehnts des zwanzigsten Jahrhunderts, in Dem Die große Katastrophe sich vorbereitete, unD für Die Erkenntnis ihrer Zusammenhänge auch im Hinblick auf die Krieg schuld- fragc ist Die auch in deutscher Sprache erschienene Biographie von Sir Sidney Lee über „öDuarb VJl."e) geradezu eine Fundgrube, wenngleich dieses von einem Engländer für Engländer geschriebene Werk von deutscher Seite nicht unkritisch aufgenommen werden Darf, na- mentlich Dort, wo das persönliche Verhältnis zwischen Kaiser Wilhelm II. und Eduard VII. sowie die deut ch-engnschen Beziehungen behandelt und beurteilt werden. Daß der englische Hofbiograph — das Werk ist un Auftrage König Georgs V. geschrieben — Die Schuld für das Zerwürfnis zwischen Onkel und Reffen ausnahmslos auf Der Seite des Deutschen Kaisers sucht, kann schliehlich nicht weiter überraschen bei dem Bestreben, unter allen Mm- ständen die Politik Englands zu rechtfertigen und die Richtigkeit des Satzes zu beweisen: „©er Kaiser trägt vor Der Geschichte Die Schuld an Der Spannung zwischen Onkel und Ressen , und Damit gleichzeitig an Der Trübung Der deutsch- englischen Beziehungen. Das umfangreiche, vorn Verlag reich illustrierte Werk strotzt geradezu von Gehässigkeiten und hämischen Glossen, sobald Die Rete nur entfernt auf Deutschland oder gar auf Das, nach Annahme tes Ver- safsers. im Sündenpfuhl absolutistischer und müi- tar.st.scher Regierungsmaximen unret bar ertrinkende Preußen kommt. Trotzdem ist die oft recht ärgerliche Lektüre allen politisch und historisch interessierten Deutschen zu empfehlen, weil dies Werk des britischen Hofhistoriographen, also der
Dah Dichtung erlernbar und lehrbar sei. noch vor zweihundert Jahren, in den Gottsched- Zeiten, eine feste Mebrrzeugung: ihr bu[Dtgbm Die zah.losen „Pcetilen" von Aristoteles über Scaliger bis eben zu jener berüchtigten „Critv- schen Dichtkunst" des Leipziger Professors, aber Damit war diese Richtung noch längst nicht au&- qcüorten. Roch vor wenigen Jahrzehnten waren Bücher vorhanden, welche die „Regeln" Der Dicyt- kunst aus Den „Klassikern" ableiteten und diese einer heutigen Weltanschauung und Dichtirng auf- zuzwingen trachteten. Wenn heute em Dichter über seine Kunst schreibt, kann er aber nichts weiter meinen als das Handwerksmäßige des Metiers' das ist es, was er andeutungsweise begreiflich machen kann. Zum andern aber kann er wahrscheinlich nicht von sich auf andere schließen: eine literarische Zeitschrift hatte neulich einige Dichter aufgefortert, sich über ihre Ar- beitsme.Hoden, die Schnelligkeit des Fortgangs, die Wacht tes „Einfalls" und ahnliches zu äußern — siehe, sie wußten alle sehr Derschis- ter.es zu berichten. Run hat Jakob W affet- mann sich wieterho.t über feine Erfahrungen mit Dem Handwerk, über Anordnung und Aufbau des eigenen Schaffens ausgesprochen unD diese verstreuten und versteckten Abhandlungen liegen nun (mit einer reichen Fülle antern uua- teria.s) in Dem Sarnrnelbante „Lebensdienst vor, den er bei Grethlein & Co. letzthin perauÄ» gegeben hat. Es wird interessieren, was freier erfahrene Dichter über sich fehlst und seine Erkenntnisse nn weiteren zu sagen hat.
Was das Eigene angeht, so hat er — das zur Ermutigung für schwer Arbeitende — Die ersten fünfzig Seiten zum „Fall Maurizius" ätveiund- zwanzigmal geschrieben, an Mmfang also schon Die Arbeit eines dickbändigen Romans geleistet, ehe ter eigentliche noch begann, und das in einem Alter, das ihm die erfahrungsmäßig zugänglichen Kenntnisse schon lange bermittelt hat.e. Diese Anfänge aber bedeuten keineswegs, daß nun das Werk auch wirklich zu Ente wächst, sie stellen vielmehr nur Belastungsproben für die Tragfähigkeit tes vorliegenten Planes dar.
entrückt, nicht mehr einbezogen in die Dorurleike Der Stunde, sie schweben über der Wirklichkeit, die sie nicht mehr berührt und nicht mehr zu wandeln vermag. So, daß ist offenbar Wassermanns Ansicht, sollen aber Die Gestalten aller Dichtung entstehen, so in ihrer eigenen Sphäre, oberhalb des Lebens, hat der Dichter die Gestalten zu schauen, damit sie dem Leser wieder Gestalt zu werden vermögen. Hier frellich gerat man schon beinahe in 3 Meberfinnliche. „Da kann nur jeder für sich selbst zeugen", sagt er, und danach wird sich eine Scheidung zwischen Empfänglichen und Mnempsänglichen, zwischen Begnadeten und Ausgeschlo fenen leichterd.ngs ergeben, zwischen Denen, die in, mit unD von der Phantasie leben, und denen, die aus ihrem
Wirst dieser Klarstellungskomplex IBaffet- manns wahrschein ich schon viele e.ngewirrzclte Anschauungen von dem Ha.iDw.rkl.chen des Epikers um, so w.rd noch mehr die Antwort auf Die Frage verblüffen, w.lcher „Stoff denn nun eigentlich zu schreiben fei. Da 3 Wort vorn „Erlebnis" spult heute in allen Köpfen: man meint, Der Dichter erzähle ein,ach, was er qrlebt habe, vielleicht mit cm gen Phantasff ritzcrn al; gefällig ausschmüclenden Zutaten: er stelle Die Menschen Dar, wie er sie eben sehe, vielleicht mit einigem verbergenden Aufputz, der das „Modell" verdecke. Auch diesen grundlegenden Irrtum widerlegt Wassermann durch die schöne und au> schlußtiefe „Rede über die Gestall". Was ist Gestalt? Längst nicht kopierter Mensch, feine.- Wegs abgemalles Alotell. Gestalt hlltzt: Leben in ter Anschauung, in der innerlichen Anschauung; anders kann keine Gestalt entstehen. „D e r - Wandlung des Menschen durch die Phantasie", das bedeutet nach Was,ermann Gestalt. Richt äußerliches Abschildcrn schafft die Gestalt ter Dichter muh sich von Den Menschen, Die er zu schaffen gedenkt, innerlich so weit entfernt haben, daß er sie zu schauen vermag, daß sie etwas für sich Seiendes bilden, das sich vom Dichter gelöst hat und ohne ihn ihr eigenes Leben fichrt. So entstanden die Gestalten der Weltllleratur, sie sind dem Streit des Tages
folger des nach Marburg berufenen Pros. Harry Mayne der a.-o. Professor Dr. Fritz Strich von der Mniverfiiät München gewählt worden.
Zum Rachfolger des verstorbenen Professors Eduard Müller auf dem Lehrstuhl der inneren Medizin, sowie in Der Leitung der medizinischen Poliklinik an Der Mniversität Marburg ist Dr. med. Felix Klewih, a. o. Professor und Oberarzt an Der medizinischen Klinik Der Mni- Derfität Königsberg in Aussicht genommen. — Der Lehrstuhl der Botanik an der Mniversität Halle (an Stelle von Prof. G. Carsten) ist Dem ordentlichen Professor Dr. Kurt R o a ck in <Sr- langen angeboten worden. — Der durch das Ableben des Geheimrats M. Lidzbarski an ter Göttinger Mniversität erledigte Lehrstuhl ter orientalischen Philologie ist Dem ordentlichen Professor Dr. Phil. Dr. theol. h. c. Enno 2 i 11 • mann in Tübingen angeboten Worten. — Zur WieDerbesehung des Durch den Weggang tes Pros. A. von Salis nach Heidelberg an ter Mniversität Münster erledigten Lehrstuhls Der klassischen Archäologie ist ein Auf an den Privatdozenten Dr. Karl Lehma nm in Heidelberg ergangen.
Neuaufbau
-er deutschen Wirtschaft.
Von Arthur Zmarzly.
Die deutsche Wirtschaft steht in einer schweren Krisis, deren Ende noch nicht abzusehen ist und von Der noch niemand zu sagen vermag, ob sie nicht am Ende zu katastrophalen wirtschaftlichen und politischen Zuständen führen wird. Die Krisis st zweifellos durch einige äußere Mmstante. wie )cn außerordentlich langen und harten Winter und die Verhältnisse auf den ausländischen Geldmärkten verschärft worden, aber der Erstarrunas- uiftanD der deutschen Wirtschaft ist doch in Der Hauptsache auf Die Reparations- Del a - <t ung und auf Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der letzten zehn Jahre zurückzufuhren. Selbst wenn es gelingen sollte. Die Krisis zum Stillstand zu bringen, wofür gegenwärtig noch leine Aussicht besteht, wird Der deutschen Wirtschaft nicht nur eine Schonfrist für die Repara- .ionszahlungen cingcräumt werden müssen, sondern es wird auch eine innere Mmstellung notwendig sein, ein Reuaufbau der wirtschaftlichen Grundlagen, wenn wir nicht völlig zu einem Spielball Der Gläubigernationen werden wollen. . , .
Was heute in Deutschland selbst in Den breiteren Wirtschaftskreisen noch fehlt, ist Klarheit über die Mrfachen des wirtschaftlichen Verfalls. Man kennt die Millionenzahlen ter Arbeitslosen und Kurzarbeiter, die abnehmende Kreditsicherheit, Die gewagten Geschäflsmanipula- tionen, die vielen Zusammenbrüche großer und alter Firmen, die sich täglich verschärfende Krisis in der Landwirtschaft, das Steigen der Devisenkurse und betrachtet mit Sorgen Den Ablauf zahlreicher Tarifverträge, Die neue Lohnkämpfe für runD fünf Millionen Arbeitnehmer unkundigen, aber man bewegt sich resigniert wie in einem Labyrinth, dessen AuSgang man nicht mehr zu finden hofft. In Der Zeit der Depression sinkt auch das Selbstvertrauen, in den Tagen der Konjunktur steigt der Optimismus über alle Gipfel. Gegen die Krisen ist noch kein Mittel gefunden worden: es wird auch nicht gefunden werten. Cs ist ein Irrwahn, zu glauben, dah die Krisen eine Folge Der privatkapitalistischen Wirt- schaftsform sind. 2 e D e s Wirlschastssystem, auch die Zwangswirtschaft des Sozialismus und des Konununismus wird von Krisen erschüttert werden: Denn ihre tieferen Mrsachen liegen in Der Raturverbundenheit des menschlichen Daseins. Der Hinweis auf Rordamerita kann weder die eine noch die andere Theorie als richtig erweisen, Da die jahrelange Konjunktur Der amerikanischen Wirtschaft eine Folge Des wirtschaftlichen Riedergangs Europas ist. Muter normalen europäischen Verhältnissen wäre die Mnion in den letzten fünfzehn Jahren schon mehrere Male von wirtschaftlichen Tiefs heimgesucht worden.
Das Bedenkliche der wirtschaftlichen Depression in Deutschland ist aber nicht allein die Krisis, sondern daö Hervortreten von Anzeichen, die auf einen wirtschaftlichen Verfall Hinweisen. Das äußerliche Wachstum Der Deutschen Wirtschaft seit Der Wiedererlangung einer stabilen Währung ist mit einer schweren Belastung an Schulden und Zinsen erlauft worden, Die auf Die Dauer jede Rentabilität ersticken müssen. Die deutsche Wirtschaft krankt an Dem W ßverhältnis zwischen Schu denzinsen und Produkt.onsrente. OHit Der Auslandverschuldung sollte zweierlei erreicht werden: Die Leistung Der Kriegstribute unD Die Erhöhung Der Produktivität Der Wirt- schäft und Der KapitalbilDung in einem Mmfange. daß Die Wirtschaft wieder rentabel wurde, daß also die Meberschüsse dazu ausreichten, Zinsen, Amortisation und Kriegslasten abzutragen. Diese Erwartungen schlugen fehl. Rach Dem gegenwärtigen Stande der Wirtschaft können wir d:e.en Verpflichtungen nur nachkommen, wenn wir uns weiter verschulden. Die neue Verschuldung hilft uns aber ebensowenig wie die vorhergegangene, denn so lange Die Zinssätze so hoch bleiben, ift an eine Meberwindung Der Schwierigkeiten nicht zu denken. Die Dawes-wachverstänDlgen stutzten sich bei Aufstellung ihres Planes auf Theorien, die nicht wirksam werden konnten. Man glaubte.
Die Lnislehmg der Emkreisungsallianzen
König Eduard VII. führt England aus der splendid Isolation.
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Man kann von einem Dichter, ter so gewissenhaft, abwägend und ehrlich „arbeitet", der sich nichts anfechten und nichts verdrießen läßt, kaum erwarten, daß er für genialisch Hingewühltes viel Verständnis habe. Mag auch sein, dah diese Aufsätze zur Zeit tes Expressionismus geschrieben wurden und sich unter Dem Eindruck ter damaligen Strömungen mit einiger Schärfe gegen Explosives und ungezü e.t Expre.fionistisches im Epos wenden. „Eine Sache können heißt, sich mit Freiheit ter Formen bedienen, durch die sie zur Wirkung oder zur Erscheinung gelangt", postuliert er im anderen Zusammenhänge. Wer also kann Epos? Schon diese Frage will er nicht nach einem einmaligen Manuskript beantworten, noch weniger glauben, dah sich daS Talent in einem bestimmten Alter, etwa um zwanzig herum, eruptiv äußern müsse. So nebenher meint er, Talent sei wohl nicht die Fähigkeit zu Überraschenden Phantasiekvmbinationen, eher Die Fähigkeit, Hemmungen einzuschalten, was doch wohl heißt: eigene zweifelnde Kritik zu üben und die Arbeit hierdurch zu überprüfen, also zu verlangsamen. Was hat es überhaupt mit dem Handwerk des Romanschriststellers aus sich? Es soll Leute geben, die wähnen, Die Abfassung eines Romans gleiche etwa ter eines Briefes, als hieße eine Geschichte zu erzählen nichts weiteres als sie eben — schreiben, und schreiben können wir doch alle.
In welchem Zustande aber schreibt der erfahrene Epiker? Richt in Dem ersten „intuitiven" (es gibt Leute, Die das immer noch glauben), nicht in seherischer Erregtheit oder in ähnlichen Rauschve^assungen, sondern: „schreiben" heißt — nachdem Die Momente des Sturms überwunden sind — Wort für Wort fetzen, Zeile an Zeile fügen, Kleinigkeit an Kleinigkeit schließen, eine entsagungsvolle und mühsame Arbeit, aber immer mit Dem Ausblick, aufs Ganze, von welcher sich ter „Fernstehende" wohl kaum einen Begriff macht. Die dennoch, wie oft. vergeblich bleibt und als Fragment endet; man erinnere
EntwicklungSjahre teS modernen preußisch-deut- schen Staatswesens in Den Augen des mißtrauisch und argwöhnisch beobachtenden Auslands gespiegell haben.
König Eduards Charakterbild schwankt in per Geschichte. Daß er zielbewuht auf den Krieg hin- gearbeitet und ihn Direkt gewünscht hat, wie etwa Poinearö und Iswolski, Das erscheint unwahrscheinlich. Aber Eduard VII. mußte sich darüber klar sein, daß die von ihm geschaffene Mächtekonstellation die Gefahr kriegerischer Verwicklungen in absehbarer Zeit in sich bergen mußte. Das hat schon frühzeitig, im Jahre 1933, der Fluge belgische Gesandte Baron G r e i n d l erkannt, Der unter Dem 13. Mai an seine Regierung berichtet: „Der Dreibund hat während 30 Jahren den Weltfrieden gesichert, weil er unter Führung Deutschlands stand, das mit der politi'chen Gliederung Europas zufrieden war. Die neue Gruppierung bedroht ihn. weil sie aus Mächten besteht, Die eine Revision DeßStatus quo anstreben, und zwar in so hohem Grade, dah sie Gefühle jahrhunderkelangen Hasses zum Schweigen gebracht haben, um diesen Wunsch verwirklichen zu können."
Trotz seiner deutschen Abstammung hat Eduard VII. schon als Prinz von Wales eine starke Abneigung gegen Preußen-Deutschland. gegen die angeblichen „militärischen und autokratischen Traditionen der preußischen Regie- rungslreise". Die angeblich „hinterlistige preußische Politik'. Die „diplomatische Ränkeschmiederei tes Fürsten BNmarck" verraten. Diese Abneigung gegen Preußen, trotz der engen verwandtschaftlichen Beziehungen zum preußischen König: Hause fand ihren Riederschlag in der Haltung, die der Prinz von Wales in den Kämpfen um Die deutsche Einheit bekundete. Sowohl der dänische Krieg 1864, der Bruderkrieg mit Oesterreich 1836 und der französische Krieg 1870/71 sah Den Prinzen von Wales im Lager ter Gegner Preußens,; daß er gleich zu Beginn des Siebziger Krieges gegenüber Dem französischen Botschafter die Hoffnung ausgesprochen habe, Preußen möge erliegen, bestreitet der Prinz zwar, aber seine „Vorliebe für alles Französische und feine Abneigung gegen den Ehrgeiz Preußens waren tief in seinem Innern verwurzelt“ und seine persönlichen Gefühle neigten allzusehr Frankreich zu. Schon früh zeichnet sich das Ziel seiner Politik, eine Entente mit Frankreich, ab, ein
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Wie auch die Reparationskonferenz auSsallen mag, Die Belastung mit Entschädigungszahlen wird nicht wesentlich vermindert werten. Die deutsche Wirtschaft bedarf daher einer Schon- frist. In dieser Zeit muß die Mmstellung, der Reu auf bau ter wirtschaftlichen Grund- lagen vorgenommen werden. Hierzu gehört Die grundlegende Aenderung der Finanz- u n d Steuerpolitik, die Die KapitalbilDung bevorzugt und die Substanzerhaltung sichert. Hierzu gehört aber auch eine Mmstellung in der Zollpolitik, Denn wir können uns allein nicht den Luxus leisten, daß Land mit ausländischen Waren überschwemmen zu lassen, während Millionen Arbeitshände beschäftigungslos sind. Die deutsche Wirtschaft besitzt noch bedeutende Wachstumsmöglichkeiten im inneren Markt. Wir können als einzelnes Land Die Entwickelungstentenzen zum Protektionismus hin nicht aufhalten. Der KapitalvergeuDung durch übcrorganifi:rte Zwangsver icherungen muß Ein- o_ halt geboten werden. Dieser Berwaltungsapparat | weise schon heute sind.
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