Einzelbild herunterladen

2lr. 16 Erstes Blaff

179. Jahrgang

Samstag, 19. Zannar 1929

3

D

2

3

s> s

o o o *

2

c '

® 0= "y « r.

S z

s

K s 5

3 3« v 9

e J,

&ö

2 o

1=5

5,^0 ?

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen

Die Illustrierte

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Sezugrpreir für 2 Wochen: l Reichsmark und 15 Retchspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsf«: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stießen.

Postscheckkonto: ürantfurt am Main 11686.

- 5 S ' d-5. h:

,s" ä

3-Sflo

D:5"

r. s c

5-3-'-

4 3 V ?e U

» cy sa 5 *

3

-5

Der MchHnanzmimster begründet die Deünngsvoriage.

Oer Reichsetat für 1929.Oer Ausgleich des Defizits.Reparationen und Staatshaushalt. Schwerste Belastung der deutschen Wirtschaft.

-m

««SUE'

.2 2 6

! ^6 9 '

Ls--gv5'

--iS g

JiJ ST

? 2.° »p

»sf =8/3

*a;§o 4g

« L" !- =äis2 j;.

? < 2. 5 S "J

6) 5

56 5" 7^' 2. ,p < « c-^

wird, liegt auf der Hand. Weitere Mittel zur Beseitigung deS Defizits erwartet man von einer erhöhten Ablieferung aus den Einnahmen der Aeichspost und schließlich aus einer Aende- nmg des Finanzausgleiches dergestalt, daß das Reich vor der Teilung der Cuckommen- und Körperfchaftssteuer zu 25 und 75 Prozent unter Reich und Länder vorweg ettva 100 Millio­nen Marl für sich beansprucht. Es ist kaum an- zunchmen, daß die Länder sich mit diesem Dekret abfinden werden. Wenn sie auch, wie Preußen z.D. bei der Aufstellung ihres eigenen Etats schon mit geringeren äleberweisungen aus dem Finanzausgleich gerechnet haben sollten, so wird es doch über diesen Passus im Reichsrat noch zu einer heftigen Fehde und vielleicht zu einer Ablehnung der ganzen Vorlage kommen.

Aus einer energischen Beschneidung der vielfach erheblich überspannten Bedürfnisse der öffentlichen Hand und einer organischen Umgestaltung unseres Steuersystems, wie wir es nach den langen Mo­naten vorbereitender Arbeit im Reichsfinanzmini­sterium erwartet hätten, ist nun dies willkürlich und wahllos zusammengestellte Steuerbukett geworden, bas alles andere als einen harmonischen Anblick ge» währt. Es sind zuviel Diesteln und Dornen hineinge­bunden, als daß wir den Glauben hegen dürften, aus ihm könnte durch pflegliche Behandlung in Reichsrat und Reichstag noch etwas Rechtes wer­den. Das deutsche Volk wird von seinen Beauftrag­ten eine strenge und rücksichtslose Prüfung aller nur denkbaren Ersparnismöglichkeiten verlangen müssen, dann erst wird sich feststellen lassen, ob es keine an­deren und für die Volksgesamtheit weniger gesähr- liä)en Wege zur Deckung des verbleibenden Defizits gibt, als die von Herrn Dr. Hilferding aufgezeigten. Das deutsche Volk wird aber gut daran tun, selbst die Augen offen zu halten, wenn es vor un­liebsamen Ueberraschungen bewahrt bleiben will.

.M-» 52ö= = . = : ^3ga

S- O?5?; klzl-Z'

="=2=22 ' u. .a

0:

s□^7® 2 = 2

hi=93?f

® y ~ 2 ' 0 3

bleibenden Defizits sollen nun die Einnahmen aus dem Branntweinmonopol um rund 100 Millionen Mark gesteigert und die Bier - st e u e r um etwa 165 Millionen Mark erhöht werden. Es bedarf kaum der besonderen Erwäh­nung, daß gegen diese letztere Bdatznahme im Reichsrat Bayern, im Reichstag die Bayerische Volkspariei und bei der in letzter Zeit wieder emsig angestrebten engen Verbindung beider Par­teien auch das Zentrum heftig Sturm laufen Werdern Weit bedenk l-eher erscheinen uns aller­dings die weiteren 2 orschläge zu sein, die auf eine Erhöhung der Vermögens st euer und eine Verschärfung der Erbs chafts st euer durch Wiedereinführung der 1922 gefallenen Be­steuerung des Gattenerbes hinzielen. Es ist doch tatsächlich ein Absurdum, daß Deutschland, dessen Wirtschaft unter schwer st em Kapital­mangel leidet, das alljährlich in erhöhtem Maße ungeheuere Zinssummen für im Ausland auf genommene riesige Anleihen an ausländische Gläubiger abführen muß, weil ihm eigenes Kapital in dem für seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau notwendigen Umfang fehlte, diese Eigenlcrpitaloildung durch eine rigorose Steuer­gesetzgebung geradezu unter Strafe stellt. Jeder Pfennig, den der Steuerbedarf der öffent­lichen Hand der Bildung von Erweröskapital ent­zieht, kostet der deutschen Wirtschaft Zinsen an das Ausland. Das wlll doppelt bedacht sein in einer Zeit sinkender Konjunktur und erschreckend wachsender Arbeitslosigkeit, in der täglich aus hunderten erwerbstätiger Menschen Renten- und Unterstützungsempfänger werden Daß dieser Pro­zeß durch noch schärfere Wegsteue.ung des ar­beitenden Eigenkapitals der deu,,chen Wirtschaft zugunsten des Staatssäckels noch beschleunigt, gleichzeitig aber auch die gelinde gesagt Abhängigkeit vom Ausland katastrophal gesteigert

^1^22=?^

^3'i

3-

MJ

Berlin , 19. Jan. (WTB.) Reichs- sinanzminister Dr. Hilferding gab der Presse einen ileberblid über öle Gest al- tung des Reichshaushaltes f ü r 1 9 2 9/30. Dabei wies er einleitend darauf hin, daß diese Etataufstellung die schwierigste seit dem Jahre 1924 sei, weil sie von zwei Tat­sachen beherrscht wird: Einmal sah sich der Rcichsfinanzmlnister beim außerordentlichen Haushalt einem Defizit von 650 Mil- l i o n en gegenüber, zum anderen beim ordent­lichen Haushalt einem Fehlbetrag von etwa 6 0 0 Millionen, die sich daraus er­klären, daß die Aufwendungen für Repara­tionen ein Mehr von 312 Millionen ergeben, während die einmalige Einnahme im Vorjahre von 175 Millionen aus Detriebsüber- schüssen und 125 Millionen aus Münzgewinn diesmal fehlt. Trotz dieser Schwierigkeiten wird, der außerordentliche Etat balancieren, ohne daß eine neue Anleihe angefordert wird. Damit hat dieser Etat mehr formale als materielle Bedeu­tung. Allerdings ist mit allen Mitteln s o spar- sam wie möglich umzugehen. Deshalb sind die Sparsamleitsbestimmungen, die bereits im vorigen Jahr im HaushaltSgesetz vorgeschrieben wurden, noch verschärft worden. So ist d a s Einspruchsrecht des Reichsfinanz­ministers gegenüber Ausgaben der Ressorts für den außerordentlichen Haushalt erweitert worden, und z. B. Ausgabenreste dürfen nicht ol)ne seine Zustimmung verwendet werden. Auch öre Uebertragbarfeit solcher Reste fällt fort.

Oer ordentliche Etat

schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 9,9 Milliarden ab, das sind 350 Millionen mehr als im Jahre 1923. Außer der Vermeh­rung derReparationsforderungen um­faßt diese Erhöhung u. a. folgende Posten: Ein Mehr an Ueberweisungen an die Län­der von 68 Millionen, die. Erwerbslosensürsorge, die aus dem außerordentlichen Haushalt herüber­genommen ist, mit 55 Millionen, Mehrausgaben bei der Invalidenversicherung von 15 Millionen, Ostpreuhenhil'e mit 16,5 Millionen, Erhöhung der Krisenuntcrsiützung mit 20 Mill onen, Wohnungs­bau im Grenzgebiet mit 8,5 Millionen und ver­schiedene Mehranforderungen der Ressorts.

Der Minister teilte mit, daß alles getan wor­den sei, um die Ausgaben zusammenzu­streichen. Diese Möglichkeiten haben aber sehr viel engere Grenzen als es bei einem 10-Milliar- den-Etat im ersten Augenblick scheint. Die Aus­gaben setzen sich nämlich etwa folgendermaßen zusammen: Ueberweisuiigen an die Länder einschließlich der Kosten der Schutzpolizei rund 3,5 Milliarden, Kriegslasten 3,4 Milliarden, s o - ziale Ausgaben 753 Millionen (gegen 102 Mill. 1913). In den sozialen Ausgaben ist auch ein großer Teil indirekter Kriegslasten enthalten. 450 Millionen Reichsschuld, Personalauswand einschließlich Heer, Marine und Pensionen eine Milliarde. Rach Abzug dieser zwangsläufigen Ausgaben bleiben nur 803 Millionen für fach­liche und Verwaltungsausgaben übrig, bei denen allein Ersparnisse möglich sein können, als ein im Verhältnis zum Gesamthaushalt geringer Be­trag.

Oie Deckung des Defizits

von 600 Millionen ist folgendermaßen vorgesehen: Aus der Erhöhung der Bier st euer wird ein

Mehr von 165 Millionen erwartet, und zwar hat das Kabinett die Vorlage des früheren Reichs­finanzminister Dr. von Schlieben benutzt, der auch die Bayerische Volkspartei seinerzeit zugestimmt hatte. Dazu kommt die Erhöhung der Branntweinsteuer von 90 Millionen, 20 Millionen aus der Aenderung des Crbschaftssteuergesetzes dergestalt, daß das Gattenerbe mit dem halben Sah des Kin^ererbes herangezogen wird und ein 20pro- äcnuger Zuschlag zur Vermögens steuer, aus dem ein Mehr von 104 Millionen errechnet wird. Ferner wird ein Betrag von 36,5 Millionen aus den Ueberschüssen der Reichspost und von 3,5 Millionen aus verschiedenen Verwal­tungseinnahmen eingesetzt. Die Länder und Gemeinden sollen zur Balancierung des Reichshaushaltes beitragen. Da sie schätzungs­weise an Ueberweisungen ein Mehr von 170 Mil­lionen erhalten würden, ist es als erträglich angesehen worden, für das Reich vorweg 120 Millionen anzusetzen, die dann später dem Reich zur Verfügung stehen. Der Restbetrag wird dadurch balanciert, daß einzelne Steuereingänge gegenüber dem Vorjahre höher geschätzt werden (Betrag rund 90 Millionen Mark).

Der Minister betonte, daß die neuen Steuern ein neues schweres Opfer für die deutsche Wirtschaft bedeuten. Er verwies jedoch auf den U e b e r g a n g s ch a r a k t e r des Steueretats hin. der auch darin ;um Ausdruck komme, daß die Dortagen nicht als Gesetze, son­dern als Paragraphen de» haushaltsgesehes eingebracht werden. Die einzige Erleichterung ist in einer neuen Dorlage ju sehen, nach der eine Aenderung de» Einkommen­steuergesetzes durch Sproz. Ermößi- g u n g der Sähe für die kleineren und mittleren

Einkommen bi» 25 000 Mark eintreten soll.

Zum Schluß führte Dr. Hilferding noch u. a. folgen- des aus. Der Primat der Staatswirtschaft gegen­über manchen Wirtschaftserwägungen ist harter Zwang. Es kann sich nicht darum handeln, ein Defi- Zit im Reichshaushalt zuzulassen mit allen daran anknüpfenden Folgen für Wirtschaft und Finanzen, mit der Aussicht auf eine Kassenlage, die den geord­neten Gang der Verwallung stören würde. Es bleibt nur übrig, den Steuerdruck z u oerschär- f e n. Schon einmal, als es galt, die Währung zu stabilisieren, hat Deutschland durch ein Opfer, das zum Teil der Substanz der Wirtschaft entnommen war, den Uebergang zu einer besse­ren Zeit zu schaffen vermocht. Jetzt ist die Frage der Endregelung öer Reparationen aufge­worfen. Es gilt, die Bahn freizumachen für eine Regelung, die Deutschland notwendig eine wesent­liche Erleichterung seiner Losten brin­gen muß, soll sie wirtschaftlich vernünftig sein.

Aus dem ehrlichen Willen, bis zu dieser Lösung auszuhalten auch mit Anstrengungen, die sich für längere Zeit kaum aufrechterhallen lassen, kann der Schluß nicht auf Leistungs- fähigkeit, sondern nur auf £ e i - slungswillen gezogen werden Deuifchland zweifelt nicht, daß unabhängige Sachverständige dies erkennen und keine Mühe scheuen werden, das beste lltafj der deutschen Leistungsfähigkeit zu ermitteln.

2^3 *3«

Deutschland verzichtet in diesem Augenblick auf Worte der Abwehr gegenüber Forderungen, die ohne Rücksicht auf die Wirtschaftskraft Deutschlands und sein anerkanntes Recht auf angemessene Lebens­haltung seiner Bevölkerung erhoben werden. Es hat die Unabhängigkeit der Sachverständigen gefordert und ist der Ueberzeugung, daß besser als Worte die wirtschaftlichen Tatsachen selbst zu seinen Gunsten sprechen werden.

Die VayrischeVolkspaktej lehnt ab

Gegen den Hilferdingschcn Dcckrrngsplan.

Berlin, 18. Ion. (TU.) Die Reichstagskorre- fpondenz der Bayerischen Dolkspartei schreibt u. a.: Von dem Augenblick an, da d i e Pläne des Reichsfinanzmini ft ers über die Einzel­heiten der Deckungsvorlage zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gekommen waren, hat sie einzelnen Punkten dieser Vorlage unter keinen Um- ständen 3 u ft i m m e n können. Die Bayerische Volkspartei hat ihrerseits in der Presse Vor­schläge gemacht, die bei einigem guten Willen der übrigen Parteien durchaus annehmbar erschie- nen. Was ist geschehen? Die Deckungsoorschläge des Reichsfinanzministers wurden im wesentlichen angenommen. Um nur zwei Punkte heraus- zustellen: Die Sier ft euer soll um 50 v. H. er­höht werden und damit einen Mehrertrag von 150 Millionen bringen, der Anteil der Länder an den Ueberweisungssteuernsollum 120 Millionen gekürzt werden. Damit sind d i e sch 1 immsten Befürchtungen, die man be­züglich der endgültigen Entscheidung des Kabinetts hegen konnten, nicht nur erfüllt, sondern noch um ein Erkleckliches übertroffen worden.

Der Efafsentwurf konnte, wie die Dresse trotz der Vertraulichkeit der Kabinettsverhandlungen bereits zu berichten weiß, nicht einstimmig verabschiedet werden. Die sehr entschiedene ab­lehnende Haltung der Bayerischen Volkspartei, so heißt eS weiter, ist durch den Minister im Kabinett zum Ausdruck gebracht worden. Das Vorgehen des Kabinetts hat also für den Vertrauensmann der Bayerischen Volks­partei Im Kabinett eine Lage geschaffen, die außerordentlich ernst ist. Der Fraktions- Vorsitzende der Bayerischen Dolkspartei im Reichstag hat deshalb sofort Veranlassung ge­nommen. die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartei auf nächsten Montag telegraphisch zur Stellungnahme einzuberufen. In po­litisch-parlamentarischen Kreisen ist man sich des Ernstes der Situation durchaus bewußt. Wir stehen also wieder einmal am Vorabend politisch entscheidungsvoller Tage.

Die Finanzlage derLnvaliden- und Angestelltenversicherung. Erhöhung derBeiträgefür1933zu erwarten.

Be r l i n , 19. Jan. Der Sozialpolitische Aus­schuß des Reichstages beschäftigte sich mit der In- validen- und Angestelltenoersicherung, wozu von der Reichsregierung über die finanzielle Seite Be- iicht erstattet wurde. Die Beitragseinnah. men des Jahres 1928 betrugen bei der Invaliden- Versicherung 1080 Millionen Mark. Dazu kommen Zinsen mit 35 Millionen sowie sonstige Ein­nahmen mit 55 Millionen. Dem standen folgende Ausgaben gegenüber: 670 Millionen Renten-

Regierung mit dem Kanzler und drei weiteren Ministern bei weitem am stärksten vertretene Partei? Wir würden es für eine gefähr­liche Vogel st rauhpolitik halten, wollte man unter der DeviseEs wird schon nicht so schlimm werden!" mit der Taktik der Heinen Miltelchen versuchen, sich durch die Klippen der Ctatsberatung hindurchzuschlängeln und sich auf den Ausweg zu verlassen, mit wechselnden Mehr­heiten den Haushalt unter Dach und Fach zu bringen. Man könnte auf diese Manier doch eklig in die Tinte geraten und gerade dann in eine unheilvolle Krisis hineingesteuert sein, wenn der Stand der Reparationsverhandlungen eine starke Autoritätsregierung und verantwortungs­freudige Parteien erforderte. Daß die Oppo­sition der Regierung für eine solche Behelfs- taktik den Weg ebnet, ist übrigens so gut wie aus­geschlossen. Die Deutschnationalen haben heute schon, was man ihnen nicht verdenken kann, rundheraus erklärt, daß sie von allen Möglich- feiten, die ihnen ihre Oppositionsstellung gibt, ausgiebig Gebrauch machen werden. Daß Wirt­schaftspartei und Dauerngruppen diesem Etat Herrn Hilferdings auch nur das geringste Maß von Wohlwollen entgegenbringen, wird der Reichsfinanzminister wohl selbst nicht erwarten.

Sieht man sich nun den Hllferdingschen Haus­haltsvoranschlag näher an, so kann eigentlich des Wunderns darüber kein Ende sein, wie und wo er überhaupt eine Mehrheit in diesem Reichs­tag finden soll. Der Etat, der also jetzt als Vor­schlag der Reichsregierung zu gelten hat, balan­ciert in Einnahmen und Ausgaben mit etwa neun Milliarden Mark. Der ursprüngliche Fehl­betrag von 700 Millionen Mark gegenüber dem vorjährigen Etat ist durch AbstriA an den An­forderungen der einzelnen Ressorts auf 500 (Mil­lionen gesenkt worden. Zur Deckung dieses ver-

i 2 s ? 2.9..

r- - 55; *

'W0

?2o 3 o

l3-'3-5

- 2 X

V3\

Bitte,keineVogelftraußpolitik!

Der Etat, zu deutsch der Reichshaus- hultsvoranschlag, ist vom Reichskabinett »«rabfchlcdet worden. Gr geht nun als Vorlage d«r Reichöreglerung an den Reichsrat, das Gre- nutum der LandeSvcrtretunaen. und zur gutacht- IMjen Aeußerung auch an Den Reichswirtschafts­rot. Erhält die Vorlage die Genehmigung des Aleichsrats, so wird fle nun dem Reichstag zur D»archberatung in drei Lesungen, in den Aus- IsHüssen und im Plenum, zugeleitet, versagt jedoch her Reichsrat was in diesem Falle wahr» iHrinlich ist, seine Zustimmung, so muß sich bi e Reichsregierung entscheiden, ob sie dem A cichstag e ine Doppelvorlage zuleiten oder sich öl t Aenoerungen des Reichsrats an ihrer Dor­la ge zu eigen machen will. Man sieht also, es iifi noch ein langer Weg, bis die Ctatvorlage I«setz wird, und es gibt Schwierigkeiten genug, über Die sie stolpern fanrt. Da die Zeit nicht . üiahr lang ist, die zur Durchberatung des Haus» hcultsplans zur Verfügung steht, bis zum 31 . März muß er laut Der Reichsverfassung :11c verfassungsmäßigen Instanzen durchlaufen drüben besteht die Gefahr, daß seine Erörte- ru ng in den parlamentarischen Körperschaften üocht mit dem Ernst und der Gründlichkeit er- 'olgcn kann, die für einen so wichtigen (Segen- f,a»nb auch unter Den schwierigsten Umständen 1211-fgetDenDet werden mühten. Indem die Par- !ei cn eine solche Verschleppung der Haushalts- :o ilage, wie sie der Reichssinanzminister Dr. HAI fer ding beliebte, zuliehen, haben sie sich i bst eines ihrer wichtigsten Rechte, aber auch ihrer wichtigsten Pflichten begeben, des der U mnzkontrolle nämlich, Die zu einer bloßen iirce wird, wenn Reichsrat und Reichstag ge- r51igt sind, die bedeutsamste und folgenschwerste 3d:Lage des ganzen Jahres in wenig Wochen tu rchzupeitschen, ohne sich bei allem, im einzelnen (eene zugestandenen guten Willen eine klare Umbers ich t über alle einzelnen Positionen, ihre 1 Hintergründe und ihre Aenderungsmöglichkeiten teefdjaffen zu können, ganz zu schweigen von cxmen Derbesserungsvorschlag.n. Wir erwarten :o« den Beauftragten des Volkes, daß sie sich riJfjt Drängen lassen, sondern auf einer ganz (nündlichen Durchberatung des Haushaltsvor- :ufthlags bestchen werden. Die Gestaltung grade Wsieles Etats ist zu wichtig für unsere ganze si«anzgebarung, ja für die künftige Entwicklung lec Wirtschaftslage überhaupt, als daß hier irflenö etwas übereilt werden dürste.

Äas Reichslabinett Hal fast die ganze 2-vche für seine Clatsberatungen gebraucht und v tann doch überraschenderweise zu einer grund- U Erichen Billigung der Vorschläge des Reichs- ^«wzministers gekommen. Dies bescheidene Er- (boiid ist hoffentlich nicht von symptomatischer ?ci'eutung für den weiteren Gang Der Ereignisse. ko!!l man aus Dem reichlich verklausulierten amt- |l$<m Kommunique vielleicht herauslesen dürfen, $1 laß das Reichskabinett aus Mangel an Wie iseren Ideen dem Hilferdingschen Plan, ' I«' gewiß einer Reihe von Kabinettsmitgliedern '' kr Angriffsflächen übergenug bot, seine Zu- inrmung erteilte? Oder muh man gar annehmen, j^lafc bereits im Schohe der Reichsregierung d i e S(e z e n s ä h l i ch e n Meinungen so ausge- päizte waren, dah man nicht zueinander kam und ji cis diesem Grunde Die Entscheidung späteren Jn^an.en zuschob in Der allerDingd wohlbegrün- bJotn Annahme, Daß Die Vorlage diese Instanzen I hu:.n unverändert passieren dürfte? Das hieße svwch in bedenklicher Weise Den Kopf in Den ;l (am D ft e de n und Die Augen vor Schwierig- lrtl*=m schließen, die nicht früh genug gesehen und üx-äDunDen werden wollen. Sollten hier etwa looti Anzeichen einer mangelnden Rück cn- benf u n g des Kabinetts durch die Parteien spür- b.r toerDen? Wir sind fern davon, den Sicher- hitLkoeffizienten einer Bindung der Regierung ai eine feste Parteienkoalition zu überschätzen. Di.: würden erheblich weniger skeptisch Der Dcrterentwicklung unserer innerpolilischen Lage slv»chl, wie auch Den Reparationsverhandlungen etgxegensehen, wüßten wir in Der gegenwärtig-en 1 Regierung eine starke Persönlichkeit, die :tic:cttoa Poincare in Frankreich im entscheiden- tr Augenblick durch ihre Autorität die Parteien .xr Gefolgschaft zwänge. Der einzige, dem wir -lufl) dem Verlauf seiner Kanzlertätigkeit in dem :t)tgängnidDoIIen Jahre 1923 dies zutrauen möch- :ta,. Dr. Slresemann, hat im Parlament I|d>-tr nicht die starke Partei hinter sich, Die rein . z-h^mmäßig nun einmal notwendig ist, sich durch- i|ii|cf,en. Unter diesen Verhältnissen ist unseres 156<i' der Augenblick schon lange da, wo man b DdLch damit beginnen sollte, das gegenwärtige ) M.-i'hskwbinett, das im vergangenen Sommer zu- 1 yt inD^nermaben als ein Provisorium gedacht »it. fester zuuntermauern, wie der schöne ttn-uhuA technicus lautet, also zu einem Ka- '* IHniett Der Grohen Koalition auszugestalten.

IBir halten im allgemeinen nicht sehr viel von : iBifsr Parteienkonstellation und glauben auch : Achs übermäßig an ihre Wertbcständigkeit, aber iSk: lugenblickliche Zustand stellt sich von Tag zu : iJig als eine glatte älnmöglichkeit heraus. Sehen ; iLc nicht, dah Die Partei, Die im Kabinett Den lIncchsfinanzrninister stellt, den verantwortlichen :i£j).iber des Haushallsplans, nun in aller i ikellmruhe ihren Anhängern erklärt, was Herr - iHl^rding mache, sei feine Sache, gleichsam seine Hfatarbeit, die sie nichts angehe, sie selbst üsihS Den Vorschlägen ihres eigenen Ministers , Hm und mit ungebundenen Händen gegenüber? lNstd* soll vielleicht das Zentrum, das in Herrn Btn Guörard seinerzeit lediglich einen Deob- «Jiwtcc in das Kabinett entsandte, sich mit diesem ! IM"inett enger verwachsen fühlen, als die in der

:o : a ai-s - 1 2 <5. 'S C

-5 5T'.

's."-.5? 2 = »

= fr5/*

rOjffi o:-1 5 ö-

- ' 5 2=60-

#33 S&ihg

© 2lnna)me oon Anzeigen

-Im für die lagesnummer bis

Gictzener Anzeiger

Ks W Sy Ehefredakteur:

1 Dr. Friedr. Will). Lange.

General-Anzeiger für Oberhessen ZWZ

v » f Dlumschein,- für den An-

Drwd und verleg: vrühl'sche UniverfilSLs-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Gietzen. Zchrifttettung und Seschäflrstelle: Schnlstraße 7. ^^sämtlich^in^ße^"'