Ausgabe 
18.12.1929
 
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Nr. 296 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Mittwoch,'8. Dezember |929

Abfchlußarbeii im Gießener Giadirat.

Keine Hundesteuer-Erhöhung. Kampf um die Zentraluhrenanlage. Eine Weihnachisbeihilfe.

* Gießen, 17. Dezember 1929.

Der Gießener Stadtrat hielt heute die Schlußsitzung seiner vierjährigen Legislaturperiode ab. Es war noch ein­mal eine sehr arbeitsreiche Tagung, zu der sich die Mitglieder vor Toresschluß zusammenfanden. Auf der Tagesordnung waren zahlreiche Vor­lagen enthalten, die besonderer Aufmerksamkeit wert sind.

Gleich zu Beginn der Sitzung bereitete das Haus der Stadtverwaltung eine Enttäuschung; es lehnte nämlich die von der Verwaltung be­antragte Erhöhung der Hunde st euer ein­stimmig ab und gab dabei deutlich zu erkennen, daß günstigstenfalles für die nächstjährige Hunde­steuer nichts anderes in Betracht kommt als die Beibehaltung der bisherigen Sähe. Die Forde­rung des Stadtrates, endlich einmal dem grund­sätzlichen Gedanken der Steuersenkung näherzutreten, dürfte sicherlich in der Dürger- schast ein günstiges Echo finden. Der durch diese Steuererhöhung vermutete Mehrertrag von 6000 Mk. im Jahre erscheint übrigens auch uns höchst problematisch. Wir glauben, daß der Stadt­rat bei seiner Stellungnahme in dieser Sache auf dem richtigen Wege ist.

Eine schmerzliche Weihnachtsüberraschung mußte das Kollegium den Eltern der Schülerinnen der Studienanstalt bereiten. Das S ch ul g e 1 d mutzte nämlich, um einer grundsätzlichen Forderung des Hessischen Staates zu entsprechen, mit Wirkung vom 1. Oktober dieses wahres ab erhöht werden. Gerne hat diesem Beschlüsse wohl kein Stadt­ratsmitglied zugestimmt, aber die Macht der durch Verträge festgeleaten Tatsachen war hier stärker als der gute Wille, den Bürgern eine neue Last zu ersparen.

Eine sehr umfangreiche Aussprache widmete das Haus der im Entstehen begriffenen Zen­traluhrenanlage, durch die nun endlich auch in unserer Stadt nach jahrelangen vergeb­lichen Bemühungen eine eink^ltliche Uhrzeit ge­schaffen werden soll. Wir billigen es durchaus, daß der Stadtrat vor seinen Entscheidungen ge­nau prüft, ob nicht etwa gewichtige Interessen der Bürger durch seine Entschließung beeinträch­tigt werden. Allerdings dürfen dabei auch be­rechtigte Interessen der Allgemeinheit nicht not­leiden. Man hatte heute bei der Beratung die­ser Angelegenheit anfangs nicht immer den Ein­druck, daß die Betrachtung der Dinge unter groß­zügigem Gesichtspunkt von hoher Warte aus erfolge. Erfreulicherweise änderte sich aber nach den Darlegungen des Verwaltungsvertreters die Situation und das Haus kam schließlich zu einem Entschluß, der einen gesunden Fortschritt und die Befriedigung eines dringenden Allgemein- bcdürfnisses unserer Stadt sicherstellt. Wir sind überzeugt, daß die weitaus große Mehrheit der Mitbürger dieser Entscheidung des S/adtrates, von der man die Beseitigung des Durcheinan­ders in unserer öffentlichen Uhrzeit erwarten kann, zustimmen wird.

Eine in ihren Folgerungen weitreichende Vor­lage in Gestalt der Wasserversorgung Heuchelheims von Gießen aus fand erfreulicherweise einhellige Zustimmung. Wir be­grüßen diese Regelung als ersten Schritt auf dem Wege zur Eingemeindung, ohne natürlich heute schon den Zeitpunkt für diese kommunale Maßnahme absehen zr können.

Mit begrüßenswer.er Entschiedenheit begehrte das Hans heute erneut von der Verwaltung die endliche Schaffung von Heizanla­gen in unseren Straßenbahnwagen. Nachdem der Stadtrat diese Forderung schon

Gießener Konzertverein.

Geistliches Wcihnachlskon';ert

Dem geistlichen Weihnachtskonzert des Konzert- vcreins kommt eine doppelte Bedeutung zu: einmal ließ es das Mysterium der Geburt Christi durch die Wiedergabe einiger bedeutsamer Teile von Bachs Weihnachtsöratorium erleben, zum andern gewährte es einen interessanten Einblick in ein bis­her wenig beachtetes Zeitalter des Biolinspiels da­durch, daß man einen hervorragenden Kenner und Bearbeiter älterer Violinliteratur als Solisten ge­wonnen hatte.

Nachdem die Violine um 1600 ihre feststehende, noch jetzt gültige Form bekommen hatte, war einer­seits der Geigenbau auf klangliche Veredlung be­dacht, andrerseits fiel es den schaffenden Violin­künstlern zu, einen der Violine angemessenen indi­viduellen Stil entstehen zu lassen. Zunächst sind die Italiener führend, und eine Reihe von italienischen Violinvirtuosen hat in der ersten Hälfte des 17. Jahr­hunderts auch in Deutschland gewirkt. Die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts läßt bann einen spezifi ch deutschen Violinstil entstehen.

Die für die gesangliche Praxis in jenem Zeitalter übliche Verzierungs- und Variierungskunst hatte auch im Violinspiel ihre Geltung und führte zu einer be­achtlichen Steigerung des technischen Könnens. Dann aber wurden die Ausdrucksmöglichkeiten des Instru­ments dadurch erweitert, daß man es einer Art dar­stellender Musik nutzbar machte, indem man andere Instrumente auf der Geige wiederzugeben ober Tier- inb Naturlaute nachzuahmen versuchte, worüber z. B Spielanweisungen bes Italieners Carlo Farina berichten; zum anbern treffen wir bei ihm schon Doppelgriffe an. Ausgedehntere Anwendung- der Doppelgriffe unb Erweiterung des Technischen fin­det man bei Marini; er schreibt unter anderm einen vierstimmigen Satz, der von zwei Violinen ausge- sührt wird. Bei ÜcceUini wird die Technik schon bei weitem flüssiger; die eigentliche Ornamentik er­langt bei ihm schon einen besonderen Ausdrucks- wert, unb die typisch italienische Kantilene beginnt zu erstehen. Die dem deutschen Violinspiel eigentüm­liche Doppelgrifstechnik wendet er nicht an. Ebenso ließ auch Marini von der deutschen Art ab, als er 1641 wieder nach Italien zurückkehrte.

Die deutschen Violinrneister versuchen, die poly­phone Satzart mit der gesteigerten Violintechnik zu verbinden, und so gelangt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts das doppelgriffige polyphone Vio- linipiel zu besonderer Blüte.

Am bestimmte Doppelgriffe und gewisse thema­tische Wendungen ausführen zu können, nahmen die deutschen Meister eine Umstimmung der Bio­

früher erhoben hatte, um damit einem dringen­den Wunsche der Bürgerschaft Rechnung zu tragen, die Verwaltung bisher aber zur Aus­führung jenes Beschlusses nicht gelangte, darf man nun wohl mit Bestimmtheit hoffen, daß in dieser Sache endlich Ernst gemacht wird. Es würde in der Bürgerschaft nicht verstanden und auch nicht gebilligt werden, wenn die Befrie­digung des Verlangens nach Behe'zung der Straßenbahnwagen noch weiter hinausgeschoben werden würde.

Schließlich bewilligte der Stadtrat mit erfreu­licher Einstimmigkeit die Mittel für eine Win­ter- und Weihnachtsbeihilfe an be­drängte Mitbürger. Wenn auch das kom­munistische Mitglied des Stadtrates diese Bei­hilfe als eine Bagatelle bezeichnen zu können glaubte, so wird doch die Mehrheit der Bürger­schaft darüber ganz anderer Meinung fein. Cs ist hier nach Maßgabe dessen bewilligt worden, was im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten liegt; das kommunistische S.adtratsmitglied irrt sich gar sehr mit der Behauptung, daß Gießen das auch könne, was Frankfurt tue. Wer die wirtschaftlichen Verhältnisse und die dadurch stark beeinflußte Lage der Kommunalstna: zm richtig würdigt, wird zugeben müssen, daß oie Stadt­verwaltung uno der Stadtrat in voller Er­kenntnis ihrer Verantwortlichkeit für das Ee- samtwohl in dieser Sache eine Entscheidung ge­troffen haben, die sich durchaus rechtfertigen läßt.

Am Schluß der öffentlichen Sitzung gab cs noch einige Abscyiedsrevcn, Deren Inhalt allge­mein sehr sympathisch berührte.

Sitzungsbericht.

Anwesend: Bürgermeister Dr. Seid, die Beige­ordneten Dr. Hamm unb Justizrat Dr. Rosen­de r g , 39 Stadtratsmitglieder. Der Zuhörerraum ist schwach besetzt.

Als erster Punkt steht auf ber Tagesordnung die Festsetzung ber Gemeindehundesteuer für 1930.

Nach dem Antrag der Stadtverwaltung soll die Gemeindehundesteuer für 1930 auf 30 Mark pro Jahr (bisher 24 Mark. D. B.) festgesetzt werden. Für den mehrfachen Hundebesitz werden folgende Zu­schläge vorgeschlagen: für den zweiten Hund 20 Mark, für den dritten Hund 40 Mark, den vierten 60 Mark, den fünften 80 Mark usw. Der Bericht­erstatter verweist darauf, daß in zahlreichen anderen Städten noch höhere Sätze erhoben werden und daß die Stadtverwaltung im Hinblick auf die Finanzlage alles herausholen müsse, was möglich sei. Die jähr­liche Mehreinnahme durch die Erhöhung beziffert man auf rund 6000 Mark.

In der Aussprache nimmt Stadtrqksmitglied Schmieder (D. Vp.) sofort energisch Stellung gegen diese Steuererhöhung. Er betont, daß diese Steuerschraube auch einmal ein Ende haben müsse, Auma! der bisherige Hundcsteuersatz schon mehr als das Doppelte des Vorkriegssatzes ausmache. Man solle doch erst einmal d i e Leute zur Hundesteuer heranziehen, die für ihre Hunde keine Steuer be­zahlen. Uebrigens würden bei der Hundesteuerer­höhung doch wieder viele Leute, namentlich kleinere, die doch auch ihr Tier lieb hätten, die Hunde ab­schaffen, und dann werde natürlich auch keine Mehr­einnahme erzielt. Aus diesen Gründen sei er gegen diese Steuererhöhung und für die Beibehaltung der bisherigen Sätze. Stadtratsmitglied Horn (D. Vp.) unterstützt diesen Standpunkt und erklärt, die volks­parteiliche Fraktion werde die Vorlage ablehnen. Die gleiche Stellungnahme verkündet namens seiner Fraktion Stadtratsmitglied N i c o l a u s (Wirtsch. Vgg.), der hervorhebt, man müsse sich endlich ein-

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linfaiten vor; dieses Verfahren wurde als Skor- datura bezeichnet. Diese Maßnahme erschien um so mehr geboten, als man das sog. Lagenspiel damals nur auf der E-Saite ausnützte. Garz besondere Anwendung findet die ©Eorjatura bei Henricus Ignatius Franciscüs Biber. Reben seinem Zeitgenossen Iohann Iakob Walther stellt er den Gipfelpunkt deutscher Violinkunst dar. Wahrend Walther mehr das virtuose Moment betont, ist cs Biber um das innere Erleben zu tun, das seinen Ausdruck im Musikalischen findet.

Die von Prof. Robert Reih zur Aufführung gebrachte Sonate entstammt den sog. Slördatura- Sonaten. Tiber, setzt hier jeder Sonate ein Pro­grammbildchen voraus, das ein Ereignis aus dem Reuen Testament darstellt. Er läßt aber seine Vertonung des jeweils vorgesetzten Bildes, mit einer Ausnahme, nicht zu einer abschildernden Programmusik werden, lonbern nur die dem Bildchen innewohnende Grundstimmung sich im Werke ausschwingen. Die dargebotene Sonate knüpftp an ein Bildchen von der Geburt Christi unb der Anbetung der Hirten an, und so fügte sie sich dem geistigen Grundgedanken des Pro­gramms organisch ein. (Auf der gedruckten Vor­tragsfolge war allerdings die erste von den 16 Sonaten, die von der Ankündigung der Ge­burt . Christi handelt, verzeichnet.) Die Sonate übt als Typus jener Zeic die Variationskunst im Mittelsah aus; der erste Satz trägt prälu­dierenden Charakter, während das Schlußadagio teilweise dem polyphonen Stil Geltung gibt. Die vorliegende Bearbeitung Der Sonate durch Prof. Reitz nahm auf die heutige feststehende Stimmung Der Geige Rücksicht. Der Solist er­schloß das Werk mit liebevollem Eingehen auf die Vortragsmanieren der damaligen Zeit, und im Rahmen der Weihnachtsstimmung konnte es seine reizvolle Wirkung entfalten.

Ueberaus interessant erschien die Gegenüberstel­lung dieses Werkes mit einem Abagio aus I. S. Bachs E-Dur-Sonate. Hier ist der Violinpart zu vollstem Ausdruck geweitet unb vertieft. Ein hal­bes Jahrhundert hat Den Violinstil sich ausreifen unb völlig dem Instrument sich anpassen lassen. Während die Bibersche Sonate noch einfache Generolbaßbeglei- tung aufweist, ist ber Klavierpart (im vorliegenden Falle durch die Orgel ausgeführt) thematisch selb­ständig geworden und als gleichwertiger musikalischer Faktor neben das Soloinstrument getreten. Hier wie auch in der Violinbegleitung der Bach-Arie erwies sich Prof. Reitz als ein Geiger mit fein differen­ziertem Stilempfinden. Er weiß Bach mit persön­licher Wärme des Gestaltens zu erfüllen, ohne dabei eigenwillige persönliche Momente in den Vorder­

mal zu Dem Grundsatz durchringen: Schluß mit Stcuererhöhungen! Auch die Stadtratsmitgl. Mann (Soz.) und Fischer (Dem.) lehnen die Vorlage rundweg ab. Stadtratsmitgl. K«ä st n e r (Komm.) spricht sich gleichfalls gegen die Vorlage aus, ist aber bereit, einer Hundesteuer zuzuftimmen, bei der die Sätze nach dem Einkommen gestaffelt sind dergestalt, daß Einkommen von 4000 Mark abwärts hunde­steuerfrei bleiben, während für Einkommen über 4000 Mark eine mit steigendem Einkommen entspre­chend gestaffelte Hundesteuer erhoben werden solle.

Tie Abstimmung ergibt die e i n st i m m i g e Ablehnung Der Vorlage Der Stadt­verwaltung, so daß also keine Heraufsetzung der Hundesteuer erfolgen wird.

Zinslose Vorschüsse an den Volkshalleverein.

Dem Volkshalleverein, der noch zahlreiche Außenstände hat, werden bis zur Vorlage des endgültigen Rechnungsabschlusses für das Ge­schäftsjahr 1929 unverzinsliche Vorschüsse bis zur Höhe des errechneten voraussichtlichen Fehl­betrags von 10 900 Mk. gewährt.

Stadtratsmitgl. Rico! aus (Wirtsch. Dgg.) als Berichterstatter weist darauf bin, daß wir durch die Dolkshalle bei den verschiedensten Ver­anstaltungen einen starken Frrmdenbesuch zu verzeichnen hatten, bei dem nicht nur die Ge­schäftswelt Vorteil gehabt habe, sondern auch die Stadt durch erhöhte Einnahmen aus der Der- gnügungssteucr und durch stärkere Benutzung der Straßenbahn finanziclle Vorteile erzielte.

Reufestsehung des Schulgeldes für das Lyzeum unb die Sludienanstall.

Mit Wirkung vom 1. Oltober 1929 an wird das monatliche Schulgeld am Lyzeum und an der Studienanstalt in Anpassung an die staatlichen Sätze neu festgesetzt. Danach beziffert sich das monatliche Schulgeld bei Gießener Kindern für die unteren und mittleren Klassen (VI bis Ifb) tauf 21 Mk., für die oberen Klassen (Ha bis la) auf 24 Mk., für auswärtige Hessen auf 22 Mk. bzw. 25 Mk., für außerhalb Hessens wohnende Kinder auf 23 Mk. bzw. 26 Mk. Bei gleich­zeitiger Schulausbildung von mehreren Ge­schwistern treten die übiichen Ermäßigungen ein.

Wie der Berichterstatter Stadtratsmitglied Goerz (Fr. Dgg.) hervorhebt, sei diese Schul­gelderhöhung notto:ntij geworden, da der hessi che Staat nur dann feinen Zuschuß für die Schule gewähre, wenn für diese das gleiche Schulgeld erhoben werde wie vom Staat für seine An­stalten.

Festsetzung ber "pacht für den Flugplatz unb bas Flughafengebäube.

Aus Antrag des Finanzausschusses wird mit allen Stimmen gegen die des Kommunisten be­schlossen:

1. Das Flugplatzgclände wird der Oblag (Lusk- verkehr--G.sellschaft Obcrhessen-Lahngau) mit rück­wirkender Kraft kostenlos zur Verfügung gestellt.

2. Die Jahresleistung der Luftverkehr-Gesell­schaft Oberhessen-Lahngau für Pacht des Flug­hafengebäudes und alle Rebengcbäude wird auf 4500 Mk. festgesetzt.

3. Für das Iahr 1926 '28 sind von der Oblag an Pacht für das Flughafengebäude 7203 Mk. zu bezahlen, die der Oblag nach besonderer Ver­einbarung zu 5 Proz. gestundet werden.

4. Alle früheren Abmachungen mit der Gesell­schaft werden durch diese neue Vereinbarung ausgehoben.

In der Aussprache werden von den Stadtrats- mi gliedern Horn (Dt.Vp.), Fischer (Dem.), R ic ola us (Wirtsch. Dgg.) und Schmäh l (Fr. Vgg.) die starken Chaneen für Gegenwart

gründ treten zu lassen. Sein Spiel ließ einen auf­horchen unb ganz feinen! Darbieten folgen.

Um ber Weihnachtsstimmung eine besanbere Ver­tiefung zu geben, hatte ber Konzertverein aus bem Weihnachtsoratorium Bachs eine Reihe von Chören unb Rezitationen ausgewählt nach einem einheitlichen durchgehenden Grundgedanken. Zur Be­reicherung der ausgesuchten Sätze hatte man noch ein Rezitativ aus ber Kantate Nr. 155 (Aum zweiten Sonntag nach Epiphanias) unb eine Arie aus der Kantate zum dritten Weihnachtsfeiertag eingeschallet, und so hatte die Folge an innerer Geschlossenheit entschieden gewonnen. Daß eine vollständige Auf­führung des gesamten Werkes nicht in Frage kom­men konnte, dafür führte schon die Vorbesprechung zum Konzert die Gründe an; und kaum ein größeres Werk von I. S. Bach wäre so geeignet für geteilte Aufführung wie das Weihnachtsoratorium durch die zeitlichen Abstände ber zugrunde liegenden Ereig­nisse. Zudem wäre es wohl über den Rahmen ber geplanten Aufführung hinausgegangen, da bann die Zahl ber Solisten erheblich hätte erweitert und das Orchester durch charakteristische Bläser verstärkt wer­den müssen. In Anbetracht der Orchcsterbesetzung war eine Umarbeitung einzelner Sätze, namentlich in der Begleitung, durch Universitätsmusikdirektor Dr. Stefan Temesvary vorgenommen worden, der man nach sachlichen und musikalischen Rücksichten durchaus zustimmen kann.

Eine ganz besondere Weihe durchzog das Gottes­haus, als der Chor in Versonnenheit a cappella den ChoralWie soll ich dich empfangen" anstimmte; in wundervoller klanglicher Ausgeglichenheit ohne jede bewußte Akzentuierung wurde dem klanglichen Fließen der Stimmen eine fast mystische Auswir- Umg gegeben. Der Stimmung des nachfolgenden Rezitativs gab dann das Adagio aus Bachs E-Dur- Violin-Sonate klangliche Verklärung.

Ueber den Chor der Hirten »Lasset uns gehen" und über den ChoralDies hat er alles uns getan" führte das Dankesbewußtsein gegen Gott zu dem Eingangschor des vierten Teiles des Weihnachts­oratoriumsFallt mit Danken ...", dessen Ein­gangsstimmung mit überzeugender Frische durch das Orchestervorspiel feftgelegt wurde und dessen chorischer Anteil mit feinster dynamischer Abstufung und plastischer Linienführung und klarer Durch­sichtigkeit im thematischen Verlauf erstand. In ber Sinfonie, die bem Jubel ber Engel und Hirten Aus­druck gibt; hatte die Orgel den Bläseranteil über­nommen, und mit inniger, jubelnder Bewegtheit 30g dieser Satz bei sorgfältigster Abtönung und Klangschattierung vorüber.

Nach der oben besprochenen Biberschen Sonate sang Frau Elsbeth Reitz-Bergmann (Weimar) das Rezitativ aus dec Epiphaniaskantate unb Die

unb Zukunft betont, Die unsere Stadt in Dieser glücklicherweise noch zur rechten Zeit geschaffenen Einrichtung besitzt.

Vergebung von Arbeiten und Lieferungen.

Tie Liescrung von Stahlfenst:rn für Dir Trep­penhäuser Der Pestalozzischule wird Der Feineisen-InDustrie G. m. b. H. in DorimunD zum Angebotsprei.3 von 3384,80 Mark übertragen.

Die ErD--, Beton- und Sisenbetonarbeiten für Das Schalthaus Des Elektrizitäts­werk e s ;u De r Einheit P.eise 1 im Gesamtbetrag von etwa 24 000 Mark werden an Die Firma H. W. Rimr in Gießen vergeben.

Die Eisenkonstrultion für Den Reubau Des Schalthauses Des Elektrizitäts­werks wird Der Firma Dönges G. m. b. H. in DarmstaDt zu ihrem Angebotspreis von 43 605 Mark zugesprochen.

Für Die Beschaffung von 5000 Meter Kabel- abdecksteinen wird zu Lasten Des Elektri­zitätswerkes ein Kredit von runD c22OQTit zur Verfügung gestellt. Die Lieferung WirD Der Firma Schleß & Roßmann, Kassel, übertragen.

Zur Beschaffung Der für Die Unterhaltung Der Leitungsnetze und Herstellung von Reuanlagen im Stadt- unD älebcrlandgebiet des Elektri­zitätswerkes er, ordern chen 165 Holzmof en wird ein Kredit von rund 4200 Mark zur Ver­fügung gestellt. Die Lieferung wird Den Mindest- fordernden, Den H l i.ü u r exer en I. Benz A.G. in Löffingen (Scywarzwald), übertragen.

Zur Instandsetzung Des Hintergebäudes Sel­tersweg 11 wird ein Kredit von 900 Mark be­willigt.

Zentraluhrenanlage in der Stadt Gießen.

Der Drtriebsausschutz beantragt folgende Be­schlußfassung:

Für die Lieferung, Umänderung von öffent­lichen Turm- und Innenuhren und deren An- schluß an die von der Firma Wagner in Wies­baden in Gießen herzustellende Zentral-Uhren- anlage wird ein Betrag von 8500 Mk. bewilligt.

Der Ausschußberichterstatter Stadtratsmitgl. G 0 e r z weist auf Die gegenwärtige und schon seit Iahren bestehende Differenz unserer öffent­lichen Uhren hin und betont, durch Die Zentral­uhrenanlage solle nun endlich auch hier eine gleiche Uhrzeit aller Uhren herbeigeführt wer­den. Da dies eine wesentliche Verbesserung für unsere Bürgerschaft bedeute, habe der Betriebs­ausschutz sich einstimmig für diese Vorlage aus­gesprochen. zumal die Firma Wagner ein außerordentlich günstiges Angebot gemacht habe.

In der Aussprache macht sich auf verschiedenen Seiten eine ablehnende Stellungnahme bemerkbar. Die Stadtratsmitgl. Ricolaus (Wirtsch. Vgg.). Loeb er (D. V.) und Horn (D. D.) erklären, aus den Kreisen Der Gießener Uhrmacher und Elektriker seien ihnen Beschwerden zugegangen, daß sich diese Handwerkskreise durch die Schaf­fung dieser Anlage in ihren geschäftlichen Inter­essen geschädigt fühlten, da ihnen hier wieder eine Einnahmequelle genommen werde. Während Stadtratsmitgl. Ricolaus die Zurückverwei­sung der Vorlage an den Ausschuß beantragt, empfiehlt Stadtratsmitgl. L 0 e b e r, diese Ange­legenheit, durch Die sich Handwerkskreise wieder benachteiligt fühlten, für bessere Zeiten zurückzu­stellen, da sie gerade jetzt nicht notwendig sei. Stadtratsmitgl. Horn spricht sich für die Zurück­weisung an den Ausschuß aus. Beigeordneter Dr. Hamm erklärt gegenüber diesen Bedenken, daß sich in dieser Sache eine ganze Anzahl Irr­tümer eingeschlichen hätten. Der Stadtrat habe bereits beschlossen, diese Anlage von Der Firma Wagner ausführen zu lassen.

Arie aus ber Weihnachtskantate (mit Solovioline). Die Stimme der Sängerin berührt zumal in ?cr Kirche überaus sympathisch; in ber Tiefe erscheint sie ergiebiger als in ber Höhe; bennoch weiß sie ihr Organ geschickt auszunutzen unb durch zarte, weiche Tongabe in ber Höhe die Hörer für sich zu ge­winnen. In ihrem Vortrag vermag sie sehr fein die melodische Linie in organischer Gestalt herauswachsen zu lassen, und im Zusammenwirken beider aufein­ander eingestellten Solisten erstand der Aufführung ein besonderer Höhepunkt. Die Rezitative gestaltete sie mit dramatischem Einfühlen unb auch mit innigem Versenken. Der Engelchor mit seiner thematischen Verschlungenheit, seinem gegensätzlichen Stimmungsgehalt unb seiner Koloraturoerhäkelung leitete hin zum SchlußchoralWir fingen dir ... , in dem die Themen der Hirtenmusik als Begleitung dazu treten und so die Verbindung zwischen der idealen Gemeinde (Chor) und dem Weihnachts­geschehen hergestellt wird. Auch hier bewährte der Chor seine ausgezeichneten Fähigkeiten.

Das Collegium musicum war ein treuer Helfer am Gelingen, vornehmlich durch feine treffliche Be­setzung in den Geigen. Herrn Dr. Temesvary aber werden alle die verbunden fein, die diese musi­kalische Weihcstunde in sich aufnehmen konnten. An der Orgel waltete Organist Johannes N e b e I i n g ; auch bes unbenannten Begleiters am Klavier sei mit Anerkennung gedacht. Dr. H.

Lamarck.

- Heute sind hundert Iahre verflossen, seit Die Tochter des vielverkannten Raturphilosophen Dem Sterbenden den Trost zusprach: La posterite vous honorera, mon pöre die Rochwelt wird Euch ehren, mein Vater! Und in der Tat scheint end­lich der eigentlichste Begründer der Abstam­mungslehre, den seine unreife Zeit nicht ver­stand, und der später durch den glücklicheren Darwin in den Schatten gedrängt wurde, immer mehr Anerkennung zu finden. Er war einer der wenigen Großen, und unter seinen Werken er­freut heute noch den Biologen und Den Züch er DiePhilosophie zoologique, in der Lamarck Die allmähliche Entwicklung der Tierarten zu erklären versuchte. Kleinliche Geister haben viel an diesen Auffassungen zu mäkeln gesucht, aber der Grundgedanke wird sich siegreich erweisen: daß Die Umwelt und der Lebensraum in all uyren Ausstrahlungen bestimmend eingreifen in Die Entwicklungsvorgänge Der Organismen und Die Ausgestaltung Der Arten. Wir freuen uns. bah morgen abend im Hörsaal des Forstinstitutes des großen Toten durch einen Vortrag gedacht werden soll. H.