Rr. 219 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 18. September 1929
Aus Natur und Technik.
Die Baustoffe unserer Baudenkmäler.
Don L. Oberdeck.
Der Reichtum der deutschen Länder an Bausteinen der verschiedensten Art kommt in unseren neuen Wohn- und Werkhäusern, den Deschästs» Palästen und Industriebauten nicht so zur ©el- tung wie bei den Baudenkmälern der Vergangenheit. Bei der Betrachtung dieser Denkmäler zwingt uns die Form ehrfürchtige Bewunderung ab, in der der Gestaltungswille und das Gest alten können der Baumeister ihren Aus- druck fand. Der Baustoff, der die Formen erst ins Leben treten lieh, wird im allgemeinen weniger beachtet und noch seltener wohl die Frage nach der Herkunft des Gesteins gestellt.
Im norddeutschen Flachlande, wo es an natürlichen Gesteinen mangelt, entfaltete sich die Schönheit der gotischen Backsteinarchitektur. In Wien, Rom, Paris bildeten das wichtigste Baumaterial Kalkgesteine, in Deutschland überwiegend der S a n d st e i n. Die Wiener Baumeister holten sich den lichtgelben Kalkstein und Kalksandstein aus dem Leithagebirge, die Römer benutzten den bekannten Travertin von Tivoli, aus dem z.B. die Kuppel der Peters- kirche errichtet wurde. Die mächtigen Kalkgestein- ablagerungen in der näheren und weiteren Um- gebung von Paris erklären es, daß Paris für seine Bauten fast ausschließlich Kalksteine verwendete. Mit Dorliebe bedienten sich auch die alten Aeghpter bei der Errichtung von Pyramiden und anderer Bauwerke eines Kalkgesteins, des in Rordafrika allgemein verbreiteten Dum- mulitenkalks. ....
In den geologischen -Zeitaltern bildeten srch auf deutschem Boden gewaltige Ablagerungen von Sandsteinen. In den Städten am Rhein, am Deckar und am Main begegnet uns überall das warme Rot des D u n t s a n d st e ins, so in den Bauten Heidelbergs, am Dom zu Frankfurt: auch das Schloß zu Aschaffenburg, das Rathaus von Nürnberg, das Münster zu Freiburg im Dreisgau sind aus ihm gefügt.
In Mitteldeutschland ist der Elbsandstein vorherrschend. Der weiße, auch gelblich getönte Stein gibt den Straßen Dresdens ihre lichte, vornehme Eigenart. Alle Prachtbauten dieser Stadt sind aus ihm errichtet, so die Hofkirche und die Kreuzlirche, die Frauenkirche und der Zwinger. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts holten sich auch die Berliner Baumeister ihr Baumaterial aus dem Elbsandsteingebirge. Schinkel verwendete ihn hier fast allein für seine mvnumen- talen Bauwerke, so für das Museum, das Schauspielhaus und die Reue Wache. Man findet den Elbsandstein auch in den großen Bauten Leipzigs, am Reichsgerichtsgebäude und an der neuen Universität, ferner am Hamburger Rathaus.
Den Reichtum des deutschen Landes an Sandsteinen hat W a l l o t an einem Bauwerk sichtbar gemacht, am Reichstagsgebäude. Wallvt war bei diesem Bau, wie er selbst erklärte, bestrebt, „tunlichst alle deutschen Sandsteine der erforderlichen Güte, soweit es die bis zu einem gewissen Grade unentbehrliche Übereinstimmung der Farben zulieh, zur Errichtung des Werkes heranzuziehen". Die grauweißen Sandsteinquadern des Reichstagsgebäudes stammen aus Schlesien, aus Sachsen, aus dem Hannoverschen und vom Teutoburger Wald, aus dem Elsaß, aus dem Moseltal, aus der Rheinpfalz und vom Main. Beim Unterbau für die goldstrahlende Kuppel kam der schlesische Kudowastein zur Verwendung. Das Baumaterial für die südliche Eingangshalle lieferten die Brüche von Baherfeld in der Rheinpfalz, den Baustoff für die DordHalle die Brüche von Udelfangen bei Trier.
Bei den deutschen Bauwerken aus Elbsandstein wurde auch oft in großem Umfange der schlesische Qu oder st ein benutzt. Die Brüche bon Alt- Warthau bei Dunzläu lieferten u. a. Baumaterial für die Südfront des Reichsgerichts, für das Rathaus zu Hamburg, für den Berliner Dom und für die Süd- und Westfront, den Dordhof sowie für drei Ccktürme des Reichstagsgebäudes. Weit über die deutschen Grenzen hinaus ist der hellgelbe, auch gelblichgraue, feinkörnige und äußerst wetterfeste Sandstein von Obernkirchen bei Bückeburg bekannt. Er wird als einer der besten Bausteine Deutschlands geschäht, der nicht allein an der Berliner Siegessäule, an der Börse und am neuen Rathaus zu Hamburg.am Sockel des Diederwalddenkmals und am Kölner Dom zu finden ist, sondern auch beim Dau der dänischen Königsschlösser, des neuen Theaters zu Oslo und des Schlosses Zarskoje Selo bei St. Petersburg Derwendung fand. Als hervorragender, wetterbeständiger Baustoff ist auch der tourt» tembergische „Stubensandstein" seit Jahrhunderten erprobt. Der lockere Sand des schönen, weihen Steins wurde früher gern zum Fegen der Stuben (Stubensandstein) benutzt. Die Brüche von Echterdingen und Schlattdorf lieferten Material für den Kölner Dombau, die von Schlaitdorf und Oberensingen für das Ulmer Münster und den Bau des neuen Rathauses in München, die Brüche von Dettenhausen für den Hauptturm des Ulmer Münsters und für die Tübinger Uni- versität. Eine Auslese von deutschen Sandsteinen fand bei den Kölner Dombauten Derwendung. Außer den schon genannten solche vom Teutoburger Wald, vom Osterwald bei Dordstemmen, vom Süntelgebirge und der wenig wetterharte A n d e s i t vom Siebengebirge.
Das Baumaterial der Wartburg ist besonders eigenartig zusammengestellt. Die unteren Geschosse des Landgrafenhauses wurden aus dem gelblichen Sandstein aus der Dähe Eisenachs errichtet. Die Säulen und sonstigen Zierarten bestehen aus Sandstein vom Großen Seeberg bei Gotha. Der größte Teil der Burg ist aber aas dem sog. „Griefen st ein" hergestellt, den man vom Abhang des Wartberges selbst brach. Es ist ein dunkelfarbiges Trümmergestein aus der Zeit des Rotliegenden, das wegen seines an griefenhaltige Wurst erinnernden Aeußern vom Dollsmunde den Damen „Griefenstein" erhalten hat.
Deben dem Sandstein muh als Material der schönsten Baudenkmäler auch der T opf ste in genannt werden, ein grünlich-grau gefärbtes Gestein, das fich schneiden und schnitzen läht und
schon in vorgeschichtlicher Zeit zu Urnen, Schalen und Töpfen verarbeitet wurde. Aus Topfstein ist eins der herrlichsten Bauwerke Dor- wegens, die Domkirche in Drontheim, errichtet. Der Hauptbestandteil des Topfsteins ist der Speckstein, der bei uns auch als Schneiderkreide bekannt ist. Cs wird überraschen, dah neben der Schneiderkreide auch der B i m s st e i n als Baustein diente. Er fand u.' a. Verwendung für die Kuppel der Hagia Sophia in Konstantinopel.
Zu den bevorzugten Baustoffen unserer Baudenkmäler muh auch der Granit und Marmor gezählt werden. Wir finden hier den Granit vor allem zu Säulen und Denkmalssockeln geformt und als Material für das Treppenhaus. Die Treppen im Reichsgericht und im Reichstag sind aus blauem Granit vom Fichtelgebirge gearbeitet. Den Sockel des Derolina-Denkmals auf dem Alexanderplatz in Berlin bildete roter schwedischer Granit. Das edle Marmorgestein diente früher und auch heute noch mehr zu Dekorations»
zwecken. Den bei Laos und Schlanders in Tirol gewonnenen Laaser Marmor benutzte u. a. Schwanthaler beim Dau der Glyptothek, der Propyläen, des Siegestores und anderer Münchener Monumentalbauten. Das Denkmal Herzog Eberhards, des „Grafen im Bart", in Stuttgart besteht ganz aus Laaser Marmor. Die hierzu verwendeten Figurenblöcke hatten ein Gewicht von 100 000 Kilogramm.
Die alten natürlichen Baustoffe werden in neuerer Zeit immer mehr verdrängt. An ihre Stelle tritt künstlich hergestelltes Material. Die Erfindung des einfachen Maurers Joseph Aspdin aus Leeds, der im Jahre 1824 vom König Georg IV. von England ein Patent auf die Herstellung eines K u n st st e i n s erhielt, dem er wegen seines dem berühmten englischen Baustein, dem Portland st ein, ähnlichen Aussehens den Damen Portlandzement gab, war der Beginn der größten Umwälzung in der Bauweise, die ihren Höhepunkt noch nicht erreicht zu haben scheint.
Reihenbriefumschläge.
Von Patentanwalt Oipl.'Zng. Paul Goldstein.
Nachdruck verboten.
Jeder, der Briefe mit der Schreibmaschine schreibt, weih, dah das Cinspannen und Ausrichten der Briefumschläge bedeutend mehr Zeit und Mühe beansprucht als das eigentliche Schreiben. Bei einem umfangreichen Briefversand, etwa bei der Verteilung von Rundschreiben und dergleichen fällt der Zeitverlust erheblich ins Gewicht. Es gibt zwar Adressiermaschinen, bei denen Druckplättchen mit eingeprägter Anschrift unter Zwischenschaltung eines Farbbandes nach
t>
Rechts das ausgestanzte Papier für die Reihenbriefumschläge, links die fertig geklebten Umschläge. Die Zahlen zeigen, wie die Umschläge zusammengefaltet und verklebt werden.
einander auf die in Reihen zugeführten Briefumschläge abgedruckt werden. Die Verwendung dieser Maschinen ist aber nur dann zweckmäßig, wenn immer wieder die gleichen Anschriften gebraucht werden, also für den sich in regelmäßigen kurzen Zeitabständen wiederholenden Versand irgendwelcher Mitteilungen an einen bestimmten Kreis von Empfängern.
Dun kommt es aber auch häufig vor, daß einmalige oder sich nur selten wiederholende Mitteilungen an viele Empfänger verschickt werden sollen, z.B. Diederlassungsanzeigen, Mitteilungen über die Verlegung des Wohnfitzes, Glück
wünsche, Familienanzeigen usw., wofür man keine Adressiermaschine benutzen kann, da es sich nicht lohnt, die Anschriften für eine einmalige oder seltene Verwendung zu prägen. Häufig werden daher bei solchen Sendungen die Anschriften mit der Feder geschrieben, weil dies schneller geht als das Schreiben mit der Maschine, da eben das Einspannen und Ausrichten zu viel Zeit beansprucht.
Es gibt zwar zufammenhängende Postkarten, die man fortlaufend mit der Maschine beschreiben kann, so dah man nicht jede einzeln einspannen und ausrichten muh. Man hat aber bisher noch keine solchen Umschläge gehabt, Wohl weil man annahm, man könne sie nicht aus einem Stück Herstellen. Dies ist nun aber doch gelungen, und zwar so, dah die Vorderseite mit der Verschluh- klappe ununterbrochen durchläuft, während die Rückseite und die untere sowie eine seitliche Klappe seitlich herausstehen und in der Fabrik zu Umschlägen zusammengefaltet und verklebt werden. Der fertige Umschlag sieht dann aus wie ein gewöhnlicher Umschlag, der mit seiner aufgeklappten Verschluhklappe unten am vorhergehenden Umschlag angewachsen ist. Damit er dort leicht abgetrennt werden kann, ist die Verbindungslinie mit einer Lochreihe — wie bei Briefmarken — versehen.
Die Umschläge können aufgerollt und von einem Rollenträger abgezogen werden. Man kann die einzelnen Umschläge aber auch wie die Blätter eines Leporelloalbums flach aufeinander legen und in Kasten verpacken, aus denen sie bann unmittelbar der Schreibwalze der Maschine zugeführt werden. Dabei wird viel Zeit gespart, indem hundert und mehr Briefumschläge hintereinander beschrieben werden können, ohne dah jeder einzeln eingespannt, ausgerichtet und abgelegt werden muß.
Die Aufgabe, eine Form zu finden, wie das Papier ausgeschnitten werden muh, damit man es zu zusammenhängenden Briefumschlägen zusammenfalten kann, mutet an wie eine der bekannten Denksportaufgaben, die sich der Erfinder selbst gestellt, und die er auch in sehr hübscher Weise gelöst hat.
Kohle, Koks, Teer.
Von Or.'Zng. Otto Huppert.
Was ist Kohle? „Ein brennbarer, schwarzer Stoff": viele werden nicht wesentlich mehr zu sagen wissen. Andere wissen schon, dah Kohle seit undenklichen Zeiten in der Erde liegt, daß Koks und Teer, unter Umständen auch das giftige Kohlenoxyd daraus entstehen können, und dah die Industrie Kohle und Koks braucht. Dur die wenigen, die am meisten von der Kohle wissen, wissen, dah man eigentlich nichts von ihr weiß, mit anderen Worten, dah unsere Erkenntnis vom Wesen der Kohle gleich Dull ist, angesichts der ungeheuren Zahl ungelöster Fragen über die verwickelte Zusammensetzung dieses eigentümlichen, uns so vertrauten Brennstoffes.
Diele Menschen heutiger Zeit sind mit der Kohle weniger bekannt als wir älteren, die wir einst noch keine Warmwasserheizung hatten, sondern selber unseren Ofen bedienten und dabei feststellen konnten, dah manche Kohlen in unserem Zimmerofen nüt langer Flamme mehr oder weniger knatternd brennen, andere, z. B. Anthrazit, ganz ohne Flamme. Kohle ist aus vermodertem Holz, oft mit tierischem Faulschwamm zusammen, unter dem Einfluh von Bakterien und unter hohem Gebirgsdruck im Laufe langer Zeiträume entstanden. Anthrazit ist älteren Ursprungs und hat daher, da die Vermoderung schon weiter fortgeschritten ist, nicht mehr viel an flüchtigen Bestandteilen, die die Ursache davon sind,- dah eine Kohle langflammig brennt.
Deutschland fördert zur Zeit rund 131 Millionen Tonnen Steinkohle. Reichlich i/4 davon wird zu Koks verarbeitet. Warum stellt man nun überhaupt aus der Kohle Koks her? Datürlich entsteht bei der Leuchtgasgewinnung Koks als Debenerzeugnis, denn Leuchtgas bildet sich beim Erhitzen von Kohle in Retorten. Selbstverständlich kann man dazu nur Kohle mit vielen flüchtigen Bestandteilen, nicht etwa anthrazitartige Kohle gebrauchen. Dun entfällt aber von den rund 27 Millionen Tonnen Koks, die jährlich in Deutschland erzeugt werden, nur 1/6 als Debenerzeugnis auf Gaswerke. 23 Millionen Tonnen Koks werden dagegen jährlich als Haupterzeugnis her- gestellt. Warum? Die Frage ist um so berechtigter, als aus 1000 Kilogramm Kohle nur 780 Kilogramm Koks gewonnen werden. Für die dabei abfallenden 320 Raummeter Gas besteht meist keine seinem Wert entsprechende Verwendungsmöglichkeit. Das Verkoken der Kohle an sich ist also äuherst verlustreich, und man könnte tatsächlich viel Geld sparen, wenn man, vom Gas
werksbetrieb abgesehen, Kohle statt Koks verwendete. Dies ist aber nicht möglich, weil unsere Süßte Industrie, die Eisenindustrie, für ihren ochofenbetrieb unbedingt Koks nötig hat. Es gibt zwar einzelne Kohlensorten, die im Hochofen verwendet werden können, und tatsächlich geschieht dies z.B. in Schottland. Es muh sich aber dann um Anthrazitkohlen besonderer Art handeln' sie dürfen nicht zerbröckeln und nicht „backen": sie müssen also, da sie als Anthrazit ja auch keine flüchtigen Bestandteile enthalten, schon als Kohle im ganzen so beschaffen fein wie Koks. Die meisten Kohlen werden bei einer bestimmten Temperatur weich bis flüssig, sie „baden“. Wenn der größte Teil der flüchtigen Destandtelle entwichen ist, werden sie trotz zunehmender Temperatur wieder fest, und nun entsteht das gleichmäßige Gebilde, das man Koks nennt; Koks ist fast immer wesentlich härter als Kohle. Bei der Erzeugung von Eisen im Hochofen handelt es sich darum, aus Koks, der mit dem Erz in abwechselnden Schichten gelagert wird, das Gas Kohlenoxyd — ein Kohlenstoff mit einem Sauerstoff — herzustellen, das dem Eisenerz — Eisen und Sauerstoff — den Sauerstoff entzieht, also Eisen bildet und dabei selbst in Kohlensäure — ein Kohlenstoff und zwei Sauerstoff — übergeht. Dähme man statt Koks die gewöhnliche Kohle, so würde sich einmal durch das Backen der Kohle und dann durch den mit den flüchtigen Bestandteilen entstehenden Teer in kurzer Zeit alles zusetzen, und der Hochofen müßte erkalten oder zerknallen.
Auf der Ausstellung „Gas und Wasser" war eine Tafel mit den wichtigsten aus Kohle her- gestellten Stoffen und ihren Anwendungsgebieten zu sehen. Die Tafel war sehr stattlich, aber sie hätte in der" großen Halle keinen Platz gehabt, wenn man die aus Kohle gewonnenen chemischen Verbindungen auch nur einigermaßen vollzählig hätte anführen wollen. Dicht nur die zahlreichen Farben, sondern auch Aspirin, Pyramidon, Sal- varsan, Sacharin sind Kinder des Steinkohlenteers, der im wesentlichen die Grundlage der weltumspannenden organisch-chemischen Großindustrie Deutschlands bildet.
Auf die Frage: „Was ist Teer?" lauten die verschiedenen Antworten ähnlich wie bei der Kohle: toer ihn am besten kennt, weih, wie viel noch zu erforschen ist. Die Hauptbestandtelle des Teers sind Verbindungen, die lediglich aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen, „Kohlenwasser
stoffe". Diese lassen sich in verschiedene Gruppen oder Rechen einteilen, deren einzelne Gliedes in bezug auf Zusammensetzung und Eigenschaften eine ausgesprochene Zusammengehörigkeit zeigen. So sind z. D. in den Verbindungen der Paraffine reihe Kohlenstoff und Wasserstoff in einem solchen Verhältnis vorhanden, daß immer die Zahl der Wasserstoffatoine um zwei größer ist, aL8 die doppelte Zahl der Kohlenstoffatome. Das einfachste Glied, das Methan z. D., besitzt ein Kohlenstoff — auf vier Wasserstoffatome 2X1=2; 2x2=4 Wasserstoffatoine. Beim nächsten ©Hebe, dem Aethan, kommen zwei Kohlenstosfatome auf sechs Wasserstoffatome usw. 2x2=4; 4+2=6 Wasserstoffatoine. Je mehr Kohlenstoff, desto dichter werden die Glieder. Die vier unteren, bis zu vier Kohlenstoffatomcn sind Gase, die folgenden bis zu sechzehn Kohlenstoffatomen (und biet* unddreihig Wasserstoffatomen) sind flüssig; di« höheren, uns allen von den Parafsinkcrzen her betannten, sind fest. Besonders bemerkenswert ist es, daß die Glieder mit zunehmendem Kohlenstoff weniger Wasferstosf enthalten. Aethan z. B. hat zwei Kohlenstoff auf sechs Wasserstoff. Könnt« man noch zwei Wasserstoffatome hinzufügen, sy wäre man z. D. imstande, aus einem Molekül« Methan zwei Moleküle Methan herzustellen, also ein niedrigeres Glied aus einem höheren. Man hätte dann zwei Kohlenstoff auf acht Wasserstoff; eine solche Verbindung kann es aber aus bestimmten Gründen nicht geben. Sie fiele gleichsam auseinander, noch bevor sie gebildet wäre, und es entständen dann zwei Moleküle Methan, von denen jedes aus einem Kohlenstoff und vier Wasserstoff besteht. Man kann heute tatsächlich Wasserstoff in dieser Weise an Kohlenwasserstoff« anlagem, und das Bergiusverfähren ist nichts anderes, als eine Wasserstoffanlagerung an höhere Kohlenwasserstoffe der verschiedensten Reihen zur Herstellung von niedrigeren Kohlenwasserstoffen. Notwendige Mittel dazu sind hohe Temperatur und hoher Druck und in vielen Fällen gewiss« Vermittlungsstofse oder Katalysatoren. Die Interessengemeinschaft der Farbenindustrie ist heut« imstande, 90 vom Hundert des SteinkohlenteerS durch Wasserst off anlagerung in wasserhelles Benzin zu verwandeln, wobei 10 vom Hundert als Gas entweichen, ©ie Gesellschaft beherrscht das Verfahren der Verwandlung eines Stoffes in einen anderen so weit, daß sie Kohle oder Teer ganz nach Bedarf, entweder hauptsächlich zu Benzin oder Petroleum oder Gasöl oder Schmieröl verarbeiten kann.
©ie Verfahren zur Herstellung der Kohle- erzeugnifse spielen in der Gesamtentwicklung der Technik eine wichtige Rolle. Hier steht deutsch« Wissenschaft an führender Stelle.
Sichre den Raum!
Elektrozellen sehen, hören und alamieren.
Je weiter die Technik fortschreitet, um so energischer arbeitet das raffinierte Handwerkszeug der Einbrecher, um so empfindlicher werden aber auch die Mittel, um diesem Ansturm zu begegnen. Wie weit man damit gekommen ist, zeigte ein Experimentalvortrag, den kürzlich eine der namhaftesten deuffchen elektrotechnischen Firmen in ihrem Berliner Verwaltungsgebäude veranstaltete. Die elektrischen Schutzeinrichtungen haben natürlich immer nur den Sinn, die üblichen mechanischen zu ergänzen, aber sie tun das in einer so präzisen, gewissenhaften und unauffälligen Art, daß es den Einbrechern heut« eigentlich unmöglich sein dürfte, in Räume einzudringen, die mit diesen besonderen Konstruktionen ausgestattet sind.
Da ist zum Beispiel des Tresvrpendel« das an Geldschränken angebracht wird: ein sehr empfindlicher Apparat, der in der Lage ist. die geringsten Verschiebungen zwischen dem Befestigung spunkt der ganzen Schutzeinrichtung und einem Fühlpunkt erheblich zu vergrößern. Dieses Hebelshstem arbeitet auf eine Zusammenstellung von Kontaktarten und bringt Veränderungen in einem Stromsystem hervor, die mit einer unfehlbaren Sicherheit und an einer weit entfernten Stelle alarmierend wirken. Diese Einrichtung arbeitet absolut geräuschlos, so dah der Einbrecher nicht feststellen kann, wann unö ob sein Versuch, den geschützten Tresor anzugreifen, gemeldet wird.
Es ist natürlich die Voraussetzung für di« sichere Wirkung aller dieser Vorrichtungen, dah die Leitungen zwischen dem Alarmsignal und der Einbruchstelle in Ordnung sind; daher werden sie oft von den Einbrechern zerschnitten, die meinen, nunmehr gegen alle Überraschungen gesichert zu fein. Hier befinden sie sich, wenigstens soweit es an den vorgeführten Apparaten gezeigt wurde, in einem traurigen Irrtum. Es waren nämlich Verbindungsleitungen frei durch den Raum verlegt, und an ihnen wurde gezeigt, wie Leitungen zerschnitten, überbrückt oder unschädlich gemacht werden können. Zugleich stellte es sich aber auch heraus, dah solche Versuche zwecklos sind — die Apparatur arbeitet trotzdem!
Diese Warnungszellen sind ungemein empfindlich gegen Bewegung und Wärme. Bekanntlich pflegen sich die Einbrecher ihren Objekten mit Gebläsen zu nahen, um die Panzerwände zu zerschmelzen. Eine solche Hiheentwicklung ist aber gar nicht notwendig, um ein Signal in Bewegung zu setzen. Es wurde z. B. die Seitenwand eines üblichen Geldschranks mit einer gewöhnlichen Heizsonne bestrahlt. Die lokale Ausdehnung dieser bestrahlten Stelle veränderte das garue Gefüge des Schranks auf dem gewih beträchtlichen Umwege über die Tür und den Türrahmen so stark, daß auch bei dieser geringen Wärmeentwicklung die Alarmsignale einsetzten. Man sollte denken, daß auch die geübtesten Knacker vor so sensiblen Apparaten machtlos sind. Wenn natürlich auch die Tür eines Geldschranks die Stelle ist, an welcher der Einbrecher seinen Angriff zunächst ansetzen wird, so dah sie besonders zu schützen ist, so schrecken auch die Geldschrankkolonnen selbst vor armierten Wänden und umfangreichen Erdarbeiten nicht zurück, um zum Ziele zu gelangen, wie seinerzeit der aussehenerregende Einbruch in der Berliner Diskvntobank in der Kleiststraße bewiesen hat.
Die großen Wände der Panzerkammern kaffen sich natürlich nicht so schützen wie die eine Tür,


