Einzelbild herunterladen

Nr. 2(9 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Mittwoch, 18. September 1929

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag».

Beilagen:

Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle.

Mcuiatr-Vczugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt.

ücrnsprechanschlüfse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfittir-Vuch- und Zteindruckerel «.Lange in Gietzen. Schristleltung und Seschaftrftelle: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh/Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

England ladet zur SeeabriistungSlonferenz nach London ein.

Oie Bombenaiientaie.

Die in Altona Verhafteten nach Berlin gebracht. Gerichtliche Voruntersuchung.

2( l f o n a , 17. Sept. (1DB.) Der im Zusammen­hang mit den Sprengstafsanschlägen verhaftete Land­volkführer Wilhelm hamkens hat seine Mit­wisserschaft bei den Bombenanschlägen rin­ge st a n d e n. Die ZeitungDas Landvolk" hatte bisher jeden Zusammenhang zwischen Hamkens und den Attentaten entschieden bestritten.

Die U e b e r s ü h r u n g der im Zusammenhang mit der Sprengstosfangelegenheit in hast gehaltenen 21 Personen nach Berlin ist heute vormittag oor- gcnommen worden. Der Dentist v e st m a n n aus hohn bei Rendsburg wurde aus der haft e n t - lassen. Die in Altana verhafteten Personen sind in einem dem fahrplanmäßigen Hamburger Zuge an­gehängten Sanderwagen um 12.45 Ahr in Berlin c i n g e l r a f f e n. Sie wurden unter Bewachung einzeln aus dem Wagen geführt und in 21 Drosch­ken nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit gebracht. Zu ihrer Abholung waren Be­amte der politischen Abteilung des Berliner Polizei­präsidiums nach Altona gefahren. Ein starkes Auf­gebot der Schutzpolizei sorgte dafür, daß der Ab­transport sich völlig reibungslos abspielte.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst ferner mitteilt, hat der Generalstaatsanwalt bei dem Land­gericht I Berlin nach Prüfung des Ergebnisses der polizeilichen Ermittlungen nunmehr gegen sämtliche Personen, die wegen der in Berlin und auswärts verübten Sprengstoffatlentate festgenommen sind, bei dem Untersuchungsrichter des Landgerichts I Berlin die gerichtliche Varuniersuchung beantragt. Es handelt sich um 28 Angeschuldigte, u. a. Timm und die vier anderen seines Kreises, Ernst v. Salomon, Plaas, gegen welche be­reits durch den Vernehmungsrichter in Berlin rich­terlicher Haftbefehl erlassen war, Nickels, Bruno v. Salomon, Weschke, heim, Bohm und h a m ke n s. Die Staatsanwaltschaft legt sämtlichen Angeschuldiglen zur Last, sich zur fortgesetz­ten Begehung von verbrechen gegen das Spreng st offgeseh verbunden zu haben. Gleichzeitig hat die Staatsanwaltschaft bean­tragt, die bereits bestehenden richterlichen Haftbe­fehle zu bestätigen, und im übrigen gegen die Ange­schuldigten Haftbefehl zu erlassen. Der wegen Ueber- lastung der übrigen Unlersuchungsrichler bei dem Landgericht I Berlin vom Kammergerichtspräsiden- tcn mit Genehmigung des Justizministers noch zum Untersuchungsrichter bestellte Landgerichtsdirektor 2H a f u r hat die Bearbeitung der Sache über­nommen.

Das Volksbegehren.

Stahlhelm, Landbnnd und Bauernpartei gegen den Landcsvcrratsparagraphcn.

Berlin, 18. Sept. (Priv.-Tel.) Der Zu­sammentritt des Präsidiums imReichs- ausschuß für das deutsche Volksbegehren" ist auf den 21. September angeseht worden. Geheimrat Hugenberg wird heute nach Berlin zurück­kehren. um persönlich die Verhandlungen wegen der Abänderung des Volksbegehrens zu führen. LautD. 21. Z." hat sich nunmehr auch der Stahlhelm dem Protest des Reichs­landbundes und der Christlich-natio- nalen Bauernpartei gegen den Para­graphen 4 des Volksbegehrens angeschlossen. Die Rationalsozialisten verharren ihrerseits ultimativ auf der Beibehaltung des umkämpften Paragraphen. Für den 20. September sind Be­ratungen zwischen den führenden Persönlichkeiten der Deutschnationalen Partei über die Lage vorgesehen.

Reichswehr uno Adersgenoffenschast.

Berlin, 18. Sept. (Priv.-Tel.) Reichswehr- Minister G r o e n e r hat auf Grund des § 36 des Wehrgesetzes, der den Angehörigen der Reichswehr und Reichsmarine die Mitglied­schaft in politischen Vereinigungen oder Verbänden verbietet, die Deutsche Adelsgenossenschaft für politisch erklärt. Diese Verfügung des Reichswehrministcrs bedeutet für sämtliche Offiziere der Reichswehr und Reichs­marine den Befehl, aus der Lldelsgenossenschaft, sofern sie Mitglieder sind, sofort auszutreten. Der Befehl des Reichswehrminifters ist erlassen worden, weil in den Blättern der Lldelsgenossen- schaft unqualisizierbare Angriffe gegen die R e i ch s r e g i e r u n g und ihre Mitglie­der veröffentlicht worden sind, und weil die Lldelsgenossenfchaft sich aktiv an dem Volks­begehren von Hugenberg-Hitler beteiligt.

Oie Räumung von Koblenz.

Koblenz, 17. Sept. (WTB.) Mit dem Abtransport der französischen Truppen aus Koblenz ist begonnen. Heute hat die hier lie­gende 121. Autoabteilung 28 Fahrze uge ver­laden. Gestern find vom 39. Artillerieregiment 238 Pferde nach Frankreich abgegangen; auch hat das Regiment bereits mit der Auflösung begonnen. Die Reservisten werden und sind z. T. in die Heimat entlassen, während die übri­gen Mannschaften in der nächsten Zeit aus andere Regimenter in Frankreich verteilt werden. Am

London, 18. Sept. (WTB. Funkspruch.)Ti­mes" meldet: Premierminister Macdonald hat die französische, italienische und die ja­panische Regierung davon verständigt, daß An­weisung an die britischen Botschafter in Paris, Rom und Tokio ergangen sind, die drei Regierun­gen zur Teilnahme an einer Fünf­mächtekonseren; über die Abrüstung zur See einzuladen. Es wird beabsichtigt, daß die Konferenz in der 3. Januarwoche nächsten Jahres in London zusammentreten soll. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die sich an der Einladung beteiligt, wird ihren diplomatischen Ver­tretern in den genannten Ländern gleiche Anwei­sungen geben. Die britische und die amerikanische Regierung werden der vollkonferen; die Einzel­heiten ihrer provisorischen Vorschläge mitteilen und den eingeladenen Regierungen zu verstehen geben, daß ein günstiges Ergebnis nicht ohne ihre vollstän­dige und sympathische Mitarbeit erreicht werden kann, besonders in der Frage der Einschrän­kung der Tonnage der Zerstörer und Unterseeboote.

Japans Konferenzprogramm.

Gegen eine Verminderung der U-Boote.

Tokio, 17. Sept. (WB.) Heute fand eine Ka- binettssihung statt, in der der Marineminister Admiral T a k a r a b e einen Lieberblick über die Marineabrüstungsverhandlungen gab und den Standpunkt Japans in folgenden Hauptpunkten festlegte: Japan ist bereit, dem Vorschlag näher­zutreten, die Periode, in der keine Groß- k a m p f s ch i s f e gebaut werden sollen, b i s zum Jahre 1 936 zuverlängern. Japan ist der Ansicht, daß die amerikanische Gefechts­stärke in Kreuzern er ft er Klasse, die mit achtzölligen Geschützen bewaffnet sind, a l s Maßstab für das japanische Stärke­verhältnis von 70 Prozent zu dienen hat. Japan.ist bereit, feinen Bestand .an Zer­stör e r n um annähernd 17 000 Tonnen auf 105 000 Tonnen zu vermindern, wenn der amerikanische und der englische Bestand an Zer­störern auf je 150 000 Tonnen beschränkt werden. Japan widersetzt sich der Abschaffung oder einer drakonischen Verminderung der Llnterseeboote, da es diese als die wirk­samste Waffe gegen eine überlegene Flotte be­trachtet.

Frankreichs Vorbehalte.

Keine Parität im Mittelmeer.

Paris, 17.Sept. (WB.) Im Zusammenhang mit den Genfer Abrüstungsverhandlungen zeigt man sich in Frankreich außerordentlich be­sorgt über d i e englisch-amerikani­schen Flottenverhandlungen, die man als endgültig gesichert ansieht. Die Annahme einer Einladung zur Teilnahme an der für Januar näch­sten Jahres geplanten Konferenz, so bemerkt das Journal des Debüts", durch Japan und Italien scheint unzweifelhaft zu sein, und zwar zwei­fellos unter der Bedingung, daß Frankreich kei­nen Vorbehalt mache. Niemals werde Frank­reich vor einer so ernsten und für fein Prestige in der Welt und die Zukunst seines Kolonialreiches so folgenschweren Entscheidung gestanden haben.

Das Blatt präzisiert sodann den französischen Standpunkt in der Frage der Rüstungsbeschränkung zur See. Es schreibt: Was uns interessiert, ist, daß wir nicht die Ko st en für diese Kombi­nation tragen, und daß wir nicht mit dem Ver - l u st unserer Unabhängigkeit die zerbro­chenen Töpfe dieser Küche- bezahlen. Worauf wir

Freitag kehren die letzten Mannschaften des 23. Infanterieregiments aus Griesheim zurück, und dann rüstet sich dieses Regiment und das 151. Infanterieregiment zum Abtransport. Zu­nächst wird die Bagage abtransportiert; ihr werden später die Mannschaften folgen. Morgen kehren von jeder Kompagnie des 151. Regiments je vier Mann als Quartiermacher nach Metz zurück, wohin diese Regimenter ver­legt werden. Geschlossene Mannschaststrans- Porte der beiden genannten Jnfanterieregimenter sind der Reichsbahn noch nicht, angefagt; da­gegen hat die R h e i n l a n d k o m m i s s i o n heute wieder Wagen zum Abtransport von Ge­päck nach Frankreich angefordert.

Oer Räumungsbeginn in Königstein.

K ö n i g st e i n i. T., 17. Sept. (Wolff.) Der Be- sahungs-Abzug ist hier in vollem Gange. Täglich verlassen mit den fahrplanmäßigen Zügen Fa­milienangehörige der Truppen und ein­zelne Militärpersonen die Stadt, um endgültig in die Heimat zurückzukehren. Am Freitag abend wird mittels Sonderzugs, zu dem 13 Waggons angefordert sind, das Material des hier stationierten Truppenteils abtransportiert. Der Weggang der Truppen ist auf Montag, 23. September, festgesetzt. Sie verlassen mit einem Sonderzug, der jedenfalls von hier direkt nach Antwerpen zur anschließenden Verschiffung nach England geleitet werden soll, um 1.40 Llhr Kö­nigstein. Wenngleich auch das Verhältnis zu den

nicht verzichten können, das läßt sich in drei Apho­rismen zusammenfassen.

1. Wir wollen die Unlerseebootsslolle behalten, die als durchaus notwendig für die Deckung der vorgeschobenen Verteidigung unserer Küsten (Rordaftika einbegriffen) und unseres Kolonialreiches anerkannt worden ist. Die Zusammensetzung dieser Flotte wird be­stimmt durch das Gesetz über das Seestatut.

2. wir müssen die Sicherung unserer Ver­bindungswege mit unseren Kolo­nien sicherstellen und über die Sicherung und Freiheit dieser verbinduvgswegc wachen, an­dernfalls wird unser Kolonialreich gefährdet.

3. Wir dürfen nicht vergessen, daß Frankreich m i l zwei Seefronten, dem Atlantischen Ozean und dem Mittelmeer versehen ist. Infolgedessen

der um 12.15 Uhr Rheine überflogen hatte, traf um 12.37 Uhr über Osnabrück ein, von der Ein­wohnerschaft auf Straßen und Plätzen, auf den Dächern und an den Fenstern auf das Freudigste begrüßt. Die Kirchen, öffentlichen Gebäude und zahl­reiche Privalhäuser hatten Flaggenschmuck angelegt, um den Gast zu begrüßen. Glockengeläute und Si­renengeheul von Fabriken und Schissen brausten mit dem Hurra der Menschenmenge vermischt dem im Sonnenschein dahinziehenden Luftriesen entgegen. Das Luftschiff flog dann weiter über Oldenburg. Bremen nach Hamburg. DerGras Zeppelin" er­schien um 16.40 Uhr über den Landeanlagen der ha- pag in E u x ha v e n , von einer gewaltigen Men­schenmenge mit Tücherschwenken und Zurufen und von den Dampfern durch Sirenengeheul begrüßt. Das Luftschiff fuhr dann auf See hinaus und umkreiste den bei der Kugelbaake aufkommenden DampferRenyork". Der hell in der Sonne glänzende Leib des Luftschiffes über dem langsam näher kommenden, in seinen Konturen noch undeut­lichen Riesendampser bot ein wundervolles Bild. Der Graf Zeppelin" kreuzte dann wieder über Lux- Haven, während dieReuyork" von der Kugelbaake her sich langsam ihrem Pier näherte. DieReuyork" hatte um 15.10 Uhr bei dem FeuerschiffElbe I das Luftschiff gesichtet, das steuerbord aufkam und sich in schneller Fahrt und geringer höhe näherte und dann über derReuyork" kreiste. Den Passa­gieren, die durch die Dampfpfeife des Dampfers ans Deck gerufen worden waren, bot sich ein prächtiger Anblick. AlsGraf Zeppelin" am Backbord des Schiffes dicht entlang fuhr, entboot er derReuyork" mit Flaggengruß herzlichen Will­komm. Dr. E ck e n e r sandte von Bord des Damp­fers aus folgendes Begrüßungstelegramm an Kapitän Lehmann:Ihnen und der ganzen Be­satzung herzliche Grüße und Dank für die eindrucks­volle Begrüßung über dem Wasser. Wünsche weiter­hin gute Fahrt bei schönem Wetter. Grüße auch an die Passagiere. Dr. Eckener."

englischen Besahungstrnppen ein erträgliches ge­nannt werden konnte, so wird doch der Abzug der fremden Truppen freudig begrüßt und eine glückliche Entwicklung und ein stetiger Wie­deraufstieg des reizendes Kurortes erwartet.

Diez a. d. Lahn besahungssrei.

Diez, 18.Sept. (TU.) Nachdem vor geraumer Zeit die Truppenteile von hier abgezogen sind, ist jetzt auch in aller Stille d i e französische Gen­darm erie st ation aufgelöst worden und mit ihr die französische Trikolore aus dem Stadt­bild verschwunden.

Oer Kampf um die amerikanischen Zölle.

Borat; gegen die neuen Zollerhöhungen.

Washington, 17. Sept. (WTB.) Bei der Beratung der Zolltarifnovelle haben sich, ob­wohl auf der Tagesordnung des Senats der administrative Teil des Zolltarifs steht, bisher die meisten Redner mit Zollerhöhungen in der Form, wie sie vom Senatsausschuh und vom Repräsentantenhaus festgelegt worden sind, be­schäftigt, teils als Gegner, teils als Befürworter.

In der Montagssitzung hielt Senator B o r a h eine längere Rede gegen die Rovelle, die dem Wahlversprechen der republikanischen Partei zu­widerlaufe. Borah wies unter Vorlage statisti­schen Materials auf die Profitquoten der International Harvester Eompanh sowie der

können wir uns mit keinen anderen europäi­schen kontinentalen Mächten aus eine Pari­tät der Abrüstung zur See einlaj- s e n, die die Erdrückung unserer Seesfreitkräste im M i 11 e l m e e r zur Folge hat und uns da­hin führen würde, den Verbindungsweg Marseille Algier, der für die Mobili­sierung unserer Armee unerläßlich ist, unter fremde Kontrolle geraten zu lassen.

Hier liegt das Geheimnis der gegenseitigen Ab­hängigkeit unserer Streitkräfte zu Wasser, zu Lande und'in der Lust. Zusammenfassend kann man sagen, daß wir auf einer Flottenkonferenz nicht erscheinen können, ohne die Gewißheit zu haben, daß diese drei lebenswichtigen Punkte unseres Programms respek­tiert werden.

Eckeners Landung.

Die Besprechungen in Amerika.

Hamburg, 17. Sept. (WTB.) Kurz nach 17 Llhr lag dieReuyor t am Cuxhavener Pier fest. Llngeheurer Jubel umbrandete das Riesenschiff. Die Menschenmenge schwenkte Fah­nen und Tücher und tausend Stimmen riefen nach Dr. Eckener. Den Pressevertretern wurde in Dr. Eckeners Kabine ein kurzes Interview ge­währt. Die Hauptfrage galt naturgemäß dem Stand der Verhandlungen mit dem Ziel der Schaffung eines regelmäßigen Luft­schiffverkehrs. Dr. Eckener schnitt diese Frage sogleich mit der Feststellung ab, daß von Verhandlungen überhaupt noch nicht die Rede fein könnte. Er habe in Amerika mit zahlreichen Interessenten, so mit Herren von der Harryman- Gruppe und von der Rational City Bank, Be­sprechungen gehabt und freue sich, sagen zu können, daß das Interesse an der Zep­pelins ache sehr groß sei. Verhandlungen oder gar Abmachungen habe er nicht führen und treffen können, da zunächst die deutschen Be­sprechungen vorangehen müßten. Er komme m i t {einerlei Bindungen in die Heimat z u r ü ck. Die Tatsache, neue Freunde und Inter­essenten gewonnen zu haben, sei aber natürlich ein nicht zu unterschätzendes Plus. Auch dem Besuch in Akron scheine man in Unkenntnis des Verhältnisses des Luftschiffbaus Zeppelin zu der dortigen Gesellschaft eine falsche Deutung gegeben zu haben.

Als Dr. Eckener das Schiff verließ, wurde ihm auf dem Weg zum Hapag-Sonderzug ein jubelnder Empfang der wartenden Menge bereitet. Ein gleich herzliches Willkommen empfing ihn bei der Ankunft in Hamburg um 21 Uhr. Vom Bahnhof aus begab sich Dr. Eckener mit Graf Brandenstein, der ihm nach Cuxhaven entgegen- gefahren war, ins HotelVier Jahreszeiten". Der Reichspräsident hatte den Führer des Graf Zeppelin" mit einem herzlichen Telegramm- brief, in dem er ihm Dank und Anerkennung für die durch die Weltfahrt für Deutschland geleistete Tat ausspricht und der Hoffnung Ausdruck gibt, ihn bald in Berlin begrüßen zu können, aus deutschem Boden willkommen geheißen. Dr. Eckener sandte folgendes Antworttelegramm:Für das überaus gütige Begrüßungsschreiben gestatte ich mir meinen ergebensten und ehrfürchtigsten Dank auszusprechen.

Stahlindustrie hin. Der Stahlindustrie fei es gelungen, im letzten Halbjahr ihren Rein­gewinn um 80 Prozent zu steigern. Trotzdem verlange und erhalte sie weiteren Z o l l s ch u h. Der Farmer müsse die großen Gewinne der Industrie für LandwirtschaftS- maschinen allein aufbringen. Die Einfuhr von Fertigwaren betrage schon jetzt nur 4Prozent der einheimischen Pro­dukt i d n. In den Vereinigten Staaten bestehe praktisch also schon jetzt eine Sperre gegen die Einfuhr von Auslandwaren; nun solle diese Sperre noch verschärft werden.

Die Senatoren Reed und S m o o t traten da­gegen für die Zolltarifnovelle ein, wobei sie erneut die von den amerikanischen Gewerkschaften formulierte Forderung zitierten, daß der h ö h e r c Lebens st andard der amerikanischen A r b e i t e r s cha st geschützt werde. Die De­mokraten haben inzwischen eine Liste von etwa 200 Firmen auf gestellt, die für ihre Fabrikate Zollschuh verlangen. Die Demokraten wünschen, daß das Schatzamt dem Senat Steuererklä­rungen dieser Firmen vorlegt, Smoot hat aber bereits durchgeseht, daß die Ramen dieser Firmen nicht veröffentlicht werden dürfen. Für Dienstag haben die Senatoren der nordwestlichen Staaten eine inoffizielle Zusammenkunft einbe­rufen, in der eine Opposition gegen die Zolle auf Schindeln und Bauholz organisiert werden soll, während andererseits betrieben werden soll, daß Manganerz wieder zollpflichtig wird. Ferner vertritt diese Gruppe den Wunsch, daß Häute mit Gewichts- statt mit Wertzoll beleat werden.

Gras Zeppelin" heißt Dr. Eckener

in Hamburg

willkommen.

Osnabrück, 17. Sept. (WB.)Graf Zeppelin",