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genügt. Cs reicht nicht aus, wenn wir in Deutsche land ein soziale- Arbeitsrecht schaffen: viel- mehiT- muh sich die soziale Tendenz auf die gesamte Rechtsordnung erstrecken. Wir brauchen klare, anschauliche und damit auch der breiten Volksschicht verständ­liche Formulierungen, damit das Recht von allen Seiten verstanden und innerlich er­lebt werden kann. Recht und Rechtspflege dürfen weiterhin nicht lediglich Sache der Juristen blei­ben. Äe christlichen Gewerkschaften erkennen die großen Zusammenhänge auf dem Gebiete des Rechtslebens und sind gewillt, aus dieser Er­kenntnis die notwendigen Folgerungen zu ziehen, wozu auch ein einheitliches ^Zusammenarbeiten bei der Bewältigung der nächsten Aufgaben ge­hört.

Aus aller Welt.

ISTote des Grubenunglücks in Kleinrosseln.

Forbach, 17. Sept. (WTD.) Bei" den Auf- räumungsarbeiten an der Grube St. Charles wurden weitere vier Leichen gefunden. Die Gesamtzahl der Toten beträgt mithin 19. Von den Opfern stammen 7 aus Preußen und dem Saargcbict. Der durch die Explosionskata­strophe verursachte Sachschaden dürfte un­gefähr 20 Millionen Franken ausmachen. Gene­raldirektor Precheur erklärte dem Sonderbericht­erstatter, das erste Unglück am Sonntagmorgen, bei dem 4 Bergleute umkamen und 5 verletzt wurden, sei auf die große Unvorsichtig­keit eines Arbeiters zurückzuführen, der einen Wagen mit einem eisernen Faß Benzol nach dem Schacht transportieren sollte. Er habe in der Annahme, daß die Förderschale tan Ort und Stelle sei, den Wagen in den Schacht gestoßen. Die ganze Ladung sei aber i n d i e Tiefe gestürzt, da die Förderschale nicht da war. Beim Aufschlagen auf dem Boden sei das Faß explodiert und durch den Brand wurde die Explosion verursacht.

2HU dem vom Großen Los gekauften Motorrad tödlich verunglückt.

Auf der Toster Landstraße ereignete sich kurz hinter Warmuntowitz ein Verkehrsunfall. Ein Eisenbahnbediensteter aus Warmuntowitz, der bei der letzten Ziehung der Preußischen Klassen­lotterie einen Anteil von dem nach Groß- Strelih gefallenen Großen Los bekommen hatte, hatte sich auf Grund dieses Gewinnes ein Motorrad angeschafft, mit dem er eine Probefahrt unternahm. Da er im Fahren noch nicht ganz sicher war, verlor er bei der Begegnung mit einem, Fuhrwerk die Gewalt über sein Rad und fuhr direkt in das Ge­spann hinein. Der Motorradfahrer war so­fort tot. während sein Begleiter mit schweren Verletzungen darniederliegt.

Vulkanausbruch auf der Insel Martinique.

Auf der Insel Martinique soll sich infolge eines leichten Ausbruches des Vulkans Mont Pelee oberhalb von St.Pierre ein Krater von 50 Meter Durchschnitt mit schwacher Aktivität gebildet haben. St. Pierre und Berne Rouge find von der Bevölkerung freiwillig g e- räumt worden. Die Behörden haben alle Vor« sichtsmahnahmen getroffen.

Oie Wetterlage.

gez. Eckener/ Dr. Eckener wird voraussichtlich morgen abend von Hamburg direkt nach Friedrichs­hafen Weiterreisen.

Lieber Hamburg.

Jubelnde Begrüßung durch eine große Menschenmenge.

Hamburg, 17. Sept. (WB.) Das Luftschiff Graf Zeppelin" erschien um 18.10 ilfjr, die Elbe aufwärts kommend, über Hamburg. Es be­schrieb zunächst über dem Hafen eine Schleife und überflog dann das Weichbild der Stadt.Graf Zeppelin" wurde durch eine Eskorte von acht Flugzeugen und von dem Reklameluftschiff P.N. 28 über Hamburg begrüßt. Die Stadt trägt reichen Flaggenschmuck. Auch die Schiffe im Hafen haben geflaggt. In sämtlichen Schulen fiel heute der Unterricht aus. Aus der näheren und weiteren Llmgebung sind zahlreiche Menschen herbeige­strömt, um das Luftschiff zu sehen. In den Straßen der Stadt herrschte außerordentlich star­ker Verkehr. Die freien Plätze und die Haus­dächer waren bereits von 16 Ähr an dicht be­seht. Es läuteten die Glocken, und die Dampfer und Barkassen im Hafen ließen ihre Sirenen er­tönen. Durch jubelnde Zurufe und durch Tücher- schwenken gab die ungeheure Menschenmenge ihrer Freude über das seltene Erlebnis Ausdruck. Das Luftschiff kreuzte längere Zeit über der Stadt und setzte dann die Fahrt in der Richtung nach Lübeck fort.

Lieber Lübeck/ Schwerin und Wismar.

Lübeck, 17. Sept. (WTB.) Das Luftschiff Graf Zeppelin" überflog Lübeck kurz nach 19 Uhr, um 20 Uhr traf es über Wismar ein. Cs fuhr in niedriger Höhe eine große Schleife über der Stadt und schlug dann um 20.15 Uhr die Richtung nach Schwerin ein, das um 20.30 Uhr erreicht wurde. Rach einer Schleife über der Stadt entschwand es den Blicken der zahl­reichen Zuschauer in südwestlicher Richtung. Bei dem hellen Mondschein war der Riesenkörper des Luftschiffes deutlich erkennbar. Er wurde außer­dem von Scheinwerfern, die auf den Kirchtürmen aufgestellt waren, beleuchtet. Glockengeläut von allen Kirchtürmen kündigte das Rahen desGraf Zeppelin" an.

DerRüüflug desGras Zeppelin"

Friedrichshafen, 18. Sept. (WTB.) Am 17. September um 21.20 Uhr erschien das Luft­schiffGraf Zeppelin" erneut über Hamburg und nahm Kurs auf Lüneburg, wo es um 22 Uhr eintraf. Die Positionslaternen waren sehr gut zu sehen. Das Luftschiff wurde in Lüneburg ourch eine zahlreiche, durch den Rund­funk aufmerksam gemachte Menge lebhaft begrüßt. Es verschwand dann in südlicher Richtung. Um 23.48 wurde derGraf Zeppelin" über Han­nover gesichtet und überflog die Stadt in , südlicher Richtung. 0.25 Uhr erschien es über Hildesheim und passierte 0.45 Uhr die Stadt Alfeld. Es fuhr dann an der Bahn­strecke nach Kassel entlang und überflog die Stadt Rortheim um ein Uhr. Um 1.18 Uhr wurde das Luftschiff über Göttingen gesichtet und überflog Mülhausen in Thüringen um 1.57 -llljr, von wo es nach einer nach Vesten gerich­teten Kurve über dem Zentrum der Stadt um 2.01 Uhr nach Südwesten verschwand. Ueber Eisenach wurde derGraf Zeppelin" um 2.15 Uhr gesehen. Die Silhouette des Luftschiffes bot bei der Ueberfliegung der Wartburg ein malerisches Bild. Ulm wurde um 6 Uhr pas­siert. Um 7.10 Uhr erschien das Luftschiff wieder über dem Werftaelände in Friedrichshafen und ist um 7.24 Uhr auf dem Werftgeländeplah gelandet.

Oie Organisation der internationalen Zahlungsbank.

Paris, 17. Sept. (WB.) Wie Havas berichtet, rechnen gutunterrichtete Kreise immer noch damit, daß die erste Sitzung des Organisationsausschusses für die internationale Zahlungsbank verzögert wer­den könnte, da gewisse Vorfragen noch zu lösen blieben. Der Ausschuß werde seine vorbe­reitende Sitzung wahrscheinlich nicht wie ursprüng­lich vorgesehen, am 2 3. September in Brüs- s e l abhalten. Diese Verzögerung deute aber nicht auf noch bestehende ernste Hindernisse hin. Tief­gehende Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vertretern der verschiedenen Emissionsbanken feien nicht vorhanden: die noch zu regelnden Fragen be­zögen sich anscheinend vor allem auf einzelne Punkte des einzuschlagenden Verfahrens.

Oie deutsche Sprache in den englischen Schulen.

London, 17. Sept. (WTB.) 3n einem heute von dem Unterrichtsministerium veröffentlichten Bericht wird darauf hingewiesen, daß nur in wenigen englischen Schulen die deutsche Sprache gelehrt wird. In dem Bericht wird mitgeteilt, daß sich bei den Reifeprüfungen im Iahre 1928 mehr als 54 000 Schüler in fran­zösisch prüfen ließen, dagegen nur 3837 in deutsch und 719 in spanisch. Der Bericht sagt, die Wichtigkeit der beiden letztgenannten Sprachen sei noch nicht genügend erkannt worden. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, daß nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

Bcrbandstag des Reichsverbandes Deutscher Post- und Telegraphcnbcamtcn

Berlin, 17. Sept. (WTB.) Im Plenar- sihungssaal des Reichswirtschaftsrates begann in Anwesenheit von etwa 200 Delegierten aus allen Teilen des Reiches der 18. Verbandstag des Reichsverbandes Deutscher Post- und Tele­graphenbeamten e.D. Der erste Vorsitzende K u g - l e r betonte, der Verbandstag werde sich nament­lich mit der Erhaltung des Berufsbe­amtentums gerade auch bei der Post zu be­schäftigen haben, die stark gefährdet sei. Der Präsident des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, hob hervor, es sei zu hoffen, daß die deutsche Republik endlich beginnen werde, für ihre Beamtenschaft die Rechtsgrundlagen zu schaffen deren sie bedürfe. Es sei zu begrüßen, daß sich zu gemeinsamer Abwehrarbeit eine Reichs- postarbeitsgemeinschaft gebildet habe, die, wie es auch das Ziel des D. B. B. sei, durch rein sachliche Arbeit den Interessen des Berufs- beomtentums dienen wolle. In seinem Geschäfts­bericht erinnerte Vorsitzender Kugler an das Zustandekommen der Arbeitsgemeinschaft aller

Postbeamtenverbände mit Ausnahme der Allgem. P reust. Postgewerkschaft und reklamierte die Post­schaffner für den Reichsverband. Er kündigte neue Gehaltsforderungen namentlich für Schaffner an. Wenngleich der Reichsverband parteipolitisch neutral sei, so bedeute das nicht, daß er nicht den republikanischen Staat absolut bejahe. Im Oktober werde in einer Ministerbesprechung die Frage der Vorbildung bzw. die Rotwendig­keit des Abiturs beim Postdienst entschieden werden. Die unteren Postbeamten müßten dar­auf bestehen, daß ihnen der Aufstieg nicht un­

möglich gemacht werde. Am Dienstagabend fand noch in den Sommersälen eine Kund­gebung der Postbeamten gegen den Abbau des Derufsbeamtentums bei der Reichspost statt. Den Schluß der Kundgebung bildete die Annahme einer Entschließung, die im Interesse der Wah­rung des Post- und Telegraphengeheimnisses und der Aufrechterhaltung eines geordneten Dienst betriebes die ungeschmälerte Erhaltung des Derufsbeamtentums für den Betriebsdienst der Reichspost fordert.

Rußland und

Berlin. 18.Sept. (Priv.^Lel.) Das Thema Kriegführung ist freilich keine unbedingt sym­pathische Angelegenheit, aber soweit die Kriegs­schuldfrage von den strategischen Vorbereitungen zum Weltkrieg belastet wird, hält auch die deutsche 0-Dootofsen'sive das konti­nentale politische Interesse gefangen. Im ein­zelnen auch bei den Russen. Die Verteidi­gung ihres Lebensraumes gegen Seemächte im Weltkrieg und bei der ihm folgenden Abwehr gegenfreundschaftliche" Interventionen der Kriegsverbündeten des Zarismus führt sie un­weigerlich zur Ruhanwendung auch fremder kriegs­taktischer Erfahrungen, und zwar sowohl die Sowjetleute als auch die Emigranten. Beide Parteien erkennen heute klar ihre kontinentalen Bindungen gegenüber der See, und so ist es nicht uninteressant, zu welchem nüchternen Schluß dabei russische Marinefachleute über die deutschen Erfahrungen im O-Dootkrieg gelangen.

Seine unabschätzbaren Vorteile für die Vertei­digung des Landes stellt im letzten Heft des Sarubeshny Morskoj Sbornik" (einer Marine­zeitschrift der Emigranten) der frühere russische Kapitän zur See, Podgornh, an Hand einer Statistik fest. Danach haben die Alliierten in zwei Iahren O-Dootkrieg über 15 Millionen Tonnen ihrer Handelsflotte berlaren, wobei al­lein Englands Verlust 9 Millionenbetrug.Groß­britannien stand dicht vor der völligen Vernichtung, und mit ihm auch die Alli­ierten", schrieb dazu gelegentlich einmal der Manchester Guardian". In den gleichen zwei Iahren konnte Deutschland bei einem Menschen­verlust von 5000 Mann 33 0-Doote mehr neu- einstellen, als es verlor. Darum auch strebt, sagt Podgornh, England nach einem Verbot des l-l-Bootkrieges und der Verminderung der

-er Seekrieg.

Zahl kleiner Kreuzer, während Landmächte wie Frankreich gerade in dieser Waffe zur See stärksten Rückhalt spüren.

Für Rußland schlußfolgert der Kapitän hieraus:Deshalb muß Rußland bei seiner Wiedergeburt in den ersten Iahren die Auf­gabe seiner Verteidigung zur See dadurch lösen, daß es der Entwicklung seiner Seestreitkräfte das P^ä^ zugrunde legt: aktive Verteidi­gung in seinen Meeren und energischer Lieber­fall auf die Seehandelswege des Gegners. Aus diesem Grunde müssen wir den Kreuzer­krieg aufmerksam studieren und aus diesem Grunde auch braucht ein wiedergeborenes Ruß­land eine Linker- und Llebersee- kreuzer-Ozeanflott e." Die natürliche Basis einer solchen Flotte sieht Podgornh in dem geschützten Hafen Murmansk. Der Hafen ist eine natürliche Basis für eine große Anzahl von Schiffen und friert das ganze Iahr hin­durch nicht zu. Hier, meint der Beobachter, ist auch die für den Feind unzugängliche Basis der russischen Kriegsflotte einzurichten. Auf Len ersten Schuß des Gegners erwidert sie mit dem Lieberfall auf seine Handelswege an jedem xbelie- bigen Punkt in jedem xbeliebigen Ozean.

Diese russische Ruhanwendung ist im Hin­blick vor allem auf einen möglichen englisch- amerikanischen Krieg im Stillen Ozean sestgehalten worden, in dem die Rolle I a p a n s von größter Bedeutung auch für Rußland sein wird. Aber sie bestätigt auch wieder sehr klare geopolitische Erkenntnisse auf die leider noch immer zu wenig realisierbaren, oft auch noch zu wenig erkannten Lehren einer Schicksalsgemeinschaft des deutschen und russi­schen Lebensraumes auf dem eurasischen Konti­nent und gegenüber dem Ozean.

Das Schicksal der ArbeiislosenversicheMg.

Zwischenspiel.

Berlin, 18. Sept. (Priv.-Tel.) Der ganze Kampf um die Arbeitslosenversicherung wächst sich immer mehr zu einem Schulbeispiel aus für eine Politik, wie sie nicht getrieben werden soll. Mit Hilfe des Reichsrats sind wir jetzt zwar glücklich so weit, daß endlich eine Vor­lage da ist, die im Reichstag als Grundlage der Beratungen ld,ienen kann. Aber praktisch kommt sie doch um ein Dreivierteljahr zu spät. Seit dem vorigen Winter wußte die Regierung, daß die Arbeitslosenversicherung vor dem Bankrott stand. Immer wieder ist ge­drängt worden, daß etwas geschehen sollte, das Kabinett Müller hat sich bewußt um die Entscheidung herumgedrückt, solange, bis man auch im Sommer mit einem Stoßseufzer der Erleichterung alles bis zum Herbst vertagen konnte. Schließlich kam der Arbeitsminister auf den verzweifelten Ausweg was in der par­lamentarischen Geschichte wohl noch gar nicht dagewesen ist einen Entwurf einzureichen, der nur zur Hälfte fertigge stellt war, der absichtlich in den wichtigsten Fragen keine Entscheidung treffen wollte, sondern' das dem Kuhhandel zwischen den Parteien überließ. Die­ser Kuhhandel hat bisher zu nichts geführt. Die Regierungssraktionen sind in immer schärfere Abwehrstellungen gegeneinander hineingeraten, der Bruch war eigentlich unvermeidlich.

Da hat denn der preußische Minister­präsident eingegriffen und wenigstens eine Verlegenheitslösung zustande gebracht. Mehr war sie nicht. Mehr ist sie auch nicht ge­

worden, nachdem sie den Reichsrat glücklich passiert hat. In beiden Lesungen fand sich eine Mehrheit von einer Stimme gerade für die kritischen Entscheidungen. Lind wenn man die Ab­hängigkeit kennt, in der die kleineren Länder von Preußen stehen, wird man sich ungefähr vor­stellen können, welchen starken Druckes es be­durft hat, um das Land Lippe, das mit seinen 12 000 Saisonarbeitern gerade an der Regelung dieser Frage stark interessiert ist, dazu zu be­wegen, einem Vorschläge zuzustimmen, der den Saisonarbeitern weniger gibt, dafür aber höhere Beiträge auferlegt, wenn sie auch danach freilich immerhin noch erheblich mehr bekommen, als sie in die Dersicherungskasse einzahlen.

Diese eine Stimme im Reichsrat hat aber jedenfalls keinerlei Wirkung für den Reichs- t a g. Es ist vorauszusehen, daß hier der Kampf eigentlich erst beginnt. Die D o l k s p a r t e i lehnt jede Beitragserhöhung ab, die Sozialdemo­kraten bezeichnen auch den Kompromißvorschlag des Reichsrats, obwohl er zu Dreiviertel ihre Wünsche erfüllt, als unannehmbar. Hier einen Mittelweg suchen, hieße die Quadratur des Zir­kels entdecken. Rormalerweise müßte das Kabi­nett im Laufe der nächsten Woche über die Arbeitslosenversicherung stolpern, aber keine von den Parteien wird die Verantwortung tragen wollen, vor der Verabschiedung der Boung- Gesehe eine Krise heraufzubeschwören. Deswegen steht heute schon fest, daß irgendein kümmerlicher Rotausweg entdeckt wird, bei dem freilich das Reich und das Stück noch vorhandener Regie­rungsautorität die Kosten zu tragen haben.

Der Frankfurter Kongreß der christlichen Gewerkschaften.

Frankfurt a. M., 17. Sept. Die Diens- tagssihung des 12. Kongresses der christlichen Gewerkschaften begann mit einem Bericht von Schmitz (Duisburg), 2. Vorsitzenden des christ­lichen Metallarbeitcrverbandes, über

Gewerkschaften und Wirtschaftspolitik"

in dem er u. a. darlegte: Die Hebung der Lohn- und Lebensbedingungcn, fortschrittliche Sozial­politik im ganzen, sind in entscheidendem Matze abhängig von erfolgreicher Wirtschaftsgestaltung. Soziale Fürsorge ist das Fundament für die Volksgesundheit, und Volksgesundheit ist wie­derum die Grundlage gesunder und kräftiger Wirtschaftspolitik. Sozialpolitik und Wirtschafts­politik mutzten sich daher ergänzen. Zur Wieder­belebung der Idee der Arbeitsgemein­schaft sieht der Referent drei Aufgaben, die in inniger Beziehung zueinander stehen: Die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit, die Lieber­windung der Agrarkrise und die Hebung der Reallöhne der Arbeiter. Der Lösung dieser Pro­bleme stellten sich aber äußerst starke Hemmungen und Hindernisse in den Weg. da unsere Volks­wirtschaft in hohem Maße durch die Tri­butleistungen und durch die pri­vate Kapitalverschuldung an das Ausland vorbelastet sei, was auch in entscheidendem Maße Llrsache unserer großen Arbeitslosigkeit sei. Die He­bung des Reallohnes muh in erster Linie erfolgen durch eine Preissenkung und eine durch sie be­dingte Steigerung des Konsums: des weiteren muh sie aufbauen auf den Erfolgen der Rationa­lisierung. Der Landwirtschaft muß geholfen wer­den durch Schaffung günstigerer Produktions­und Abiahbedingungen, Senkung der Selbst­kosten durch Steuererleichterungen und Zinsbei­hilfen, ferner durch Rationalisierung, Siedler­tätigkeit usw.

Gustav H ü l s e r, Spandau (M. d. R.), refe­rierte hierauf über

Die Sozialpolitik und ihre Gegner.

Gerade in letzter Zeit haben die Gegner der Sozialpolitik versucht, die öffentliche Meinung einseitig und unsachlich gegen die Sozialpolitik einzunehmen. Der Redner setzte sich in diesem Zusammenhang besonders mit der Schrift Pro­fessor Horneffers auseinander und wies auf das schädliche und gefährliche Beginnen hin, den Spargedanken in einen Gegensatz tzur Sozial­versicherung zu bringen. Gerade die Sozialpolitik habe ihren Teil zur Stärkung und Stabilisierung des deutschen Binnenmarktes geleistet, indem sie einen Teil des Arbeitsertrags für den Unter* halt der kranken und arbeitslosen Arbeiter sicher­stellte. In unserem Volke ist und bleibt eine ent­schlossene Sozialpolitik der notwendigste Bestand­teil jeder fruchtbaren Staatspolitik und die in der Sozialversicherung verwirklichte Gemeinbürg- schast der Starken und Schwachen ist ein not­wendiges Gegengewicht gegen den Geist des schrankenlosen Egoismus und Individualismus, wie er durch die heutige kapitalistische Wirt­schaftsform entfesselt worden ist.

Als letzter Redner des Tages referierte sodann Gesamtverbandssckretär Adolph (Berlin) über

Das Arbeilsrechl

als Wegbereiter einer sozialen Rechtsordnung".

Er hob darin u. a. hervor: Das schwere Los der Lohnarbeiterschaft wäre heute unerträglich, würde ihr nicht durch Gesetzgebung, Rechtspre­chung und Verbände eine bescheidene Sicherung ihrer Existenz geboten. Das Arbeitsrecht hat heute aber nicht nur den Charakter von Schutz­vorschriften, sondern ist vielmehr die notwendige ErgäiHung unserer Rechtsordnung geworden, die den Bedürfnissen eines sehr erheblichen Teiles unseres Volkes, nämlich der Arbeiterschaft, nicht

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Wettervoraussage.

Durch die Störung über Frankreich, die sich weiter nordostwärts ausbreitet, kommt der Hochdruckeinfluß mehr zum Schwinden. Während das östliche Deutsch­land noch im Bereich hohen Drucks liegt und somit dort heiteres Wetter herrscht, zieht im Westen be­reits Bewölkung auf, die sich auch in unserem Gec biet bemerkbar macht. Auch die Winde drehen mehr nach Südosten und Süden um. Infolgedessen weisen die heutigen Morgentemperaturen stärkere Gegen­sätze auf. Im Westen erreichen sie bereits 17 Grad, dagegen werden aus Osten Werte unter 10 Grad gemeldet. Der Einfluß der westlichen Störung wird auch bei uns namentlich nachts zur Erwärmung fuhren und Bewölkung bringen, wobei später die Neigung zu Niederschlägen zunimmt und vielleicht auch einzelne Niederschläge nicht ausgeschlossen sind, zumal es in Frankreich vielfach zu Niederschlägen kommt.

Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkiges Wetter, wärmer, Temperaturen zwischen Tag und Nacht mehr ausgeglichen, Neigung zu Niederschlägen.

Wettervoraussage für Freitag: Teils wolkig, teils aufheiternd, allmählich wieder etwas kühler.

Lufttemperaturen am 17. September: mittags 24,7 Grad Celsius, abends 16,7 Grad: am 18. September: morgens 11,4 Grad. Maximum 25,1 Grad, Minimum - 6,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 17. September: abends 22 Grad: am 18. September: morgens 15,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 9 Stunden.

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