Preußen.
Kreis Wetzlar.
-z- Hochelheim, 17. 3uli. 3n den ausge« dehnten Kirschbaumanlagen unserer Gemarkung ist die Kirschenernte soweit beendet. 3m Gegensatz zu den letzten Jahren ist die diesjährige Ernte im Durchschnitt gering ausgefallen, nur vereinzelt brachten Bäume in guten Lagen befriedigende Erträge. Das gleiche Ergebnis wird auch aus dem benachbarten Klein-Rechtenbach berichtet, welches ebenfalls über größere Kirschbaumstücke verfügt. Trotz der geringen Erträge ist der Preis der Kirschen niedriger als im Vorjahre, und zwar beträgt der Verkaufspreis pro Pfund durchschnittlich 40 Pf. Die hier erzeugten Kirschen werden hauptsächlich von den zahlreichen hiesigen Händlern im Kleinverkauf abgeseht: nur bei reichen Ernten werden größere Mengen an den Obftgrohhandel verkauft.
O Hörnsheim, 17. 3uli. Am vergangenen Samstag fand im Garten des 2llbert Engel die 1. Lokalziegenschau des Kreisziegenzuchtvereins Wetzlar statt. Die Gesamtbeschickung betrug 44 Ziegen und zwei Böcke aus den Orten der Bürgermeisterei Rechtenbach. Als Preisrichter waren tätig Landwirtschaftsrat Dr. II» r i ch (Wetzlar) und Oekonomierat Dr. Wagner (Gießen). Cs wurden die Ziegen folgender Besitzer prämiiert: Klasse 1 (1 3ahr alte Ziegen): Anton Ohly (Hörnsheim) 1^-Preis (10 Ult?); Heinrich Zörb (Hörnsheim) 18-Preis (10 Mk.): Wilhelm Fuhr (Büblingshausen) IC-Preis (10 Mk.); Anton Ohly (Hönsheim) 2^-Preis (8 Mk.): Ludwig Volk (Hönsheim) 28-Preis (8 Mk.): Louis Rinker (Hörnsheim) 3^°Preis (6 Mk.): Wilhelm Lang H. (Hörnsheim) 36- Preis (6 Mk.): Georg Hedrich (Hörnsheim) 4^-Preis (5 Mk.): Albert Engel (Hörnsheim) 48-Preis (5 Mk.): Friedrich Luh (Hörnsheim- lobende Anerkennung (3 Mk.); Georg Weber (Hörnsheim) lobende Anerkennung (3 Mk.); Heinrich Schmalbach (Hochelheim) lobende Anerkennung (3 Mk.): Friedrich Arnold (Lützellinden) lobende Anerkennung (3 Mk.). Klasse 2: Böcke (zwei 3ahre und älter): Ziegenzuchtverein Hörnsheim 2. Preis (12 Mk.): Gemeinde Lützellinden 3. Preis (10 Mk.). Klasse 3 (2- und 3jährige Ziegen): Wilh. Lenz I. (Hörnsheim) 1. Preis (12 Mk.): Ferdinand Engel (Hörnsheim) 2^-Preis (10 Mk.): Wilh. Fuhr (Büblingshausen) 28°Preis (10 Mk.); Wilh. Fuhr (Büblingshausen) 2C-Preis (10 Mk.): Rlbert Engel (Hörnsheim) 2v-Preis (10 Mk.); Georg Weber (Lützellinden) 3^-Preis (8 Mk.); Wilh. Schmidt (Hörnsheim) 38-Preis (8 Mk.); Aug. Wedel II. (Hörnsheim) 4. Preis (6 Mk); Heinrich M ä s s e r (Hörnsheim) lobende Anerkennung (3 Mk.). Klasse 4 (4- und mehrjährige Ziegen): Gg. Hin kl er (Hörnsheim) 2^-Preis (10 Mk.); Wilh. Lenz (Hörnsheim) 28-Preis (10 Mk.); An ton Ohly (Hörnsheim) 3^°Preis (8 Mk.); Wilh. Bepler (Hörnsheim) 38-Preis (8 Mk.); 3oh. Mandler (Hörnsheim) 3C-Preis (8 Mk.); Gg. Hedrich (Hörnsheim) 30-Preis (8 Mk.): Heinrich Zörb (Hörnsheim) 4. Preis (6 Mk.); Ludwig Volk (Hörnsheim) lobende Anerkennung (3Mk.); Wilh. Ludwig (Hörnsheim) lobende Anerkennung (3 Mk.); Otto Weber (Hörnsheim) lobende Anerkennung (3 Mk.); Gg. Weber III. (Hörnsheim) lobende Anerkennung (3 Mk.); Wilh. Müller (Hörnsheim) lobende Anerkennung (3 Mk.). Rach der Vorführung der prämiierten Ziegen versammelte man sich zu einem gemütlichen Beisammensein im Gasthaus „Zur Traube". Hierbei hielt Oekonomierat Dr. Wagner (Gießen) eine kurze Ansprache, in welcher er seine Anerkennung über die Ziegenschau im allgemeinen und insbesondere die Ziegenzucht in Hörnsheim aussprach; würde so weitergearbeitet, wie bisher, so würden die Ziegenzüchter gar bald die oberhessische Zucht, die heute noch an der Spitze in Deutschland marschiere, eingeholt haben. Zum Schluß brachte Oekonomierat Dr. Wagner noch ein Hoch auf die deutsche Ziegenzucht aus. Abends fand eine Versammlung des Ziegenzuchtvereins Hörnsheim statt, in
Kommunalpolitische Aufklärung.
Vor kurzem hat der Verliner Oberbürgermeister den Versuch gemacht, das Radio in den Dienst der kommunalen Aufklärungsarbeit zu stellen. 3n Form einer sogenannten „Kommunalen Stunde" hielt er einen Vortrag über Selbstverwaltung und Großstadtbevölkerung. Etwa alle vier Wochen soll durch eine kommunalpolitisch geschulte Persönlichkeit ein weiterer Vortrag über ein ähnliches Thema folgen. Auf diese Weise hofft man das Verständnis der Zuhörer für Kommunalpolitik zu wecken und rege zu halten. Man wird abwarten müssen, ob das Berliner Vorgehen erfolgreich sein wird. Es steht aber zu befürchten, daß ein großer Teil der Zuhörerschaft für diese in mehr oder weniger akademischer Form vorgetragenen Dinge wenig Interesse haben wird. Worauf es ankommt, ist, dem Zuhörer, der Bevölkerung nicht städtische Organisationsfragen zu erläutern, sondern d i e Bedeutung städtischer Angelegenheiten populär darzu st eilen. Die kommunalpolitisch eingestellten Kreise der Einwohnerschaft finden heute genug Möglichkeiten, sich weiterzubilden und zu informieren — die Städte leisten ja heute auf dem Gebiete der erweiterten Publizität Beträchtliches —. es gilt, die große Masse für die Kommunalpolitik zu gewinnen, sie davon zu überzeugen, wie eng ihr Sein mit dem Wohl und Wehe der Stadt verknüpft ist. Das bedeutet nicht Züchtung übertriebenen Lo- kalpatriotismüsses, sondern Weckung desHei- m a t g e f ü h l s und Stärkung des Heimatgedankens.
Wenn ein großer Teil der Bevölkerung an den Angelegenheiten der Gemeinde heute noch keinen regen Anteil nimmt, so liegt das meistens an der Llnkenntnis der vielfachen und wichtigen Aufgaben der Kommunalpolitik. Kennt der Bürger erst diese Aufgaben, dann wird er zu der äleberzeu- gung kommen, daß die Beschäftigung mit ihnen nicht nur interessant, sondern für ihn auch sehr nützlich ist. Die praktische Aufklärungsarbeit hat sich selbstverständlich der Größe der Gemeinde, der Struktur und den jeweiligen Verhältnissen anzupassen. Von den Finanzen ausgehend versuche man, der Bevölkerung ein Bild von den Vermögensverhältnissen, den Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde zu geben. Man erkläre ihr den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern
und Gemeinden, zeige, wie stark sie miteinander verflochten und voneinander abhängig sind. Von den Finanzen geht es zu den Gemeindebetrieben, wie Wasser, Gas und Elektrizität, Straßenbahnen und Krankenhäusern, Dildungs- und Kunstpflege, Sozialpolitik und Gesundheitsfürsorge usw.; es ist ein fast unerschöpfbares Gebiet städtischen Waltens und kann hier nur angedeutet werden. Jedenfalls liegt hier ein reiches Betätigungsfeld vor, auch für die Frauen, die für die Gemeinde wirken. Es ist nicht möglich, in kurzer Zeit umfangreiche und wirksame kommunalpolitische Aufklärungsarbeit zu leisten, es kann nur systematisch vorgegangen werden. Wege dazu gibt es genug, vor allem auch durch die Tagespresse.
Auch in mittleren und kleineren Gemeinden kann für die kommunalpolitische Aufklärung viel geschehen. Durch den engeren Konnex zwischen Stadtvätern und Bürgern liegen die Verhältnisse hier an sich schon günstiger als in der Großstadt. Zwei Beispiele mögen kurz erwähnt werden. Die Gemeindeverwaltung von Lammersdorf (Kreis Monschau im Rheinland) hielt vor einiger Zeit unter dem Vorsitz ihres Bürgermeisters eine Versammlung ab, die großen Besuch, auch von Frauen, aufwies, in der ein erfahrener Gemeindevertreter einen Vortrag über die Verwaltung der Gemeinde in den letzten Jahren hielt. Eine anschließende allgemeine Aussprache machte diese Aufklärungsarbeit außerordentlich ertragreich. Die Gemeinde Heesingen an der Ruhr hat auf Veranlassung ihres Bürgermeisters eine Arbeitsgemeinschaft zur Pflege der Heimatkunde gebildet, der ebenfalls große Bedeutung für die kommunalpolitische Aufklärungsarbeit zukommt. Sinter praktischer Mitarbeit der Bürger wurde alles zusammengetragen, was für die Gemeinde und die Heimat charakteristisch und wertvoll war, und in einer öffentlichen Versammlung wurde das Ergebnis der ganzen Bürgerschaft mitgeteilt. Durch die zwangslose, volkstümliche Behandlung des Stoffes wurde das Interesse für die heimatkundlichen Dinge, für die Angelegenheiten der Gemeinde erfolgreich geweckt.
Diese Beispiele zeigen, wieviele Möglichkeiten für fruchtbringende Zusammenarbeit vorhanden sind. Man schöpfte sie nur in passender Form aus, und die Bevölkerung wird diese kommunalpolitische Aufklärung gern empfangen.
der. nach kurzen Worten des Vereinsvorsihenden Hedrich und des Gemeindevorstehers I u n g, welche den Verein zu seinen Erfolgen beglückwünschten und zu weiterer Arbeit anspornten, Landwirtschaftsrat Dr. äl l l r i ch einen Vortrag hielt über erfolgreiche Ziegenzucht. — Im ganzen konnte der hiesige Ziegenzuchtverein über 20 Preise für Ziegen von einem Iahr und älter, ernten, welches als ein großer Erfolg bezeichnet werden muß. — Die Lämmerschvu des Kreisziegenzuchtvereins mit Prämiierung und Verkauf findet am 24. Iuli in Wetzlar statt.
Maingau.
WSN. Frankfurt ci.M., 16.Juli. Die Firma Ullrich Strobel, Spedition, Frankfurt a.M., bittet uns bekannzugeben, daß ihr Betrieb bei dem Großfeuer im Gallusviertel nicht in Mitleidenschaft gezogen worden ist, wie irrtümlich mitgeteilt worden war.
Amtsgericht Gießen.
• Gießen, 12. Iuli. Daß Fahrräder, schon seit sie Verkehrsmittel wurden und von vertrauensseligen Fahrern während ihrer Abwesenheit in Straßen, Höfen, Einfahrten und dergleichen ungeschlossen aufgestellt zu werden pflegen, einen starken Anreiz, namentlich für Gelegenheitsdiebstähle, bilden, ist eine allgemein bekannte Tatsache, die aber leider von Radfahrern noch viel zuwenig beachtet wird. Auch im Frage
fall hatte ein Gast eine Wirtschaft betreten und sein Fahrrad in die Einfahrt gestellt. Rach einer Weile entfernte sich ein anderer Gast, der heutige Angeklagte, der das Fahrrad mitnahm. Ein dritter Gast war diesem begegnet, als er dasselbe aus der Einfahrt drückte. Er lenkte, als der Radfahrer später sein Rad vermißte, den Verdacht auch auf ihn, äußerte aber dabei, der betreffende Mann sei offensichtlich besoffen gewesen. Der Verdacht bestätigte sich auch, und der Radfahrer erhielt erst später sein gestohlenes Rad zurück. Der Angeklagte leugnete nicht, behauptete aber, er sei betrunken gewesen und könne für die Tat, von der er nichts mehr wisse, nicht verantwortlich gemacht werden. Die Beweisaufnahme drehte sich auch schließlich nur um die Frage, ob tatsächlich die Trunkenheit des Angeklagten eine derartige gewesen sei. Das Gericht hat die Frage verneint. Mag er auch — er hat fast die ganze Rächt durchgekneipt — hinsichtlich der Vorgänge an dem fraglichen Abend kein Erinnerungsvermögen mehr haben, so sind doch hinreichend feste Anhaltspunkte für die Annahme vorhanden, daß er zur Zeit des Vorkommnisses und kurz darnach recht wohl wußte, was er tat. Er erhielt eine erhebliche Gefängnisstrafe.
Berliner Börse.
Berlin, 18. Iuli. (WTB. Funkspruch.) Es lagen zwar feine neuen Momente vor, und die
Verstimmung über die Kurseinbrüche bei einigen Werten gestern war noch nicht ganz überwunden, aber trotzdem scheint es im heutigen Frühverkehr im Grunde aber nicht unfreundlich zu sein, da die leichteren Geldsähe in Reuyork befriedigten. Das Geschäft ist natürlich sehr klein und zuverlässige Kurse werden noch nicht genannt. Für Schiffahrtswerte scheint wieder einiges Interesse zu bestehen. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,87, London gegen Mailand 92,76, London gegen Spanien 33,35 zu 33,40, London gegen Kabel 4.8515 zu 4,8520, London gegen Berlin 20,3575 zu 20,3600, Kabel gegen Berlin 4,1965.
Kunst und Wissenschaft.
Hofmannsthals Nachlaß.
Von den Freunden des verstorbenen Dichters Hugo v. Hofmannsthal erschien Max Mell als einer der ersten in der Villa in Rodaun. Mell erzählt, daß das Antlitz Hofmannsthals den Ausdruck erhabenen Friedens trage. Im Tode glich fein Gesicht den Bildern seiner Frühzeit, es war von einer erschütternden Schönheit und Jugend. Der tote Dichter wird im Kleide der Franziskanermönche aus der Villa, die er seit seiner Vermahlung 28 Jahre hindurch bewohnte, zu Grabe getragen werden. Der Wunsch, von den Mönchen des dritten Franziskanerordens bestattet zu werden, den er schon zu Lebzeiten wiederholt äußerte, wird ihm nun erfüllt. — Im literarischen Nachlaß des Dichters soll sich ein Werk befinden, das noch keinen Titel besitzt. Für Richard Strauß schrieb er eine seiner letzten Arbeiten, eine Operndichtung „Dorabella". Die Dichtung liegt als fertiges Werk vor, an dem Hofmannsthal allerdings noch einige Aenderungen vor- zunehmen gedachte.
Bücheriisch.
— A. A. Kuhnert: Kriegsfront der Frauen. Roman. Geh. 3Mk, Ganzleinen 4,80. Sammlung „Iunge Deutsche". Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. (321) — Zu den Crlebnis- büchern des Mannes gibt Kuhnert die große Ergänzung, die erst das Bild der schicksalhaften Iahre vervollständigt. ..Kriegsfront der Frauen" behandelt das Schlachtfeld, auf dem die Frauen kämpften und litten: daö Schlachtfeld des Heimkrieges mit seinen ungezählten Opfern.
— Der Schicksalshof. Roman von Warwick D e e p i n g. Deutsch von Marguerite T h e - fing. (Verlag Grethlein & Co., Leipzig. Ganzleinen 9 Mk.) (100). — Warwick Deepings neues Werk, „Der Schicksalshof", zeigt den großen englischen Erzähler auf neuen Wegen. Halb auf einem großen bäuerischen Gut, halb in der mondänen Gesellschaft sich entwickelnd, bietet der Roman eine Fülle prägnant gesehener Einzelzüge, sowohl aus dem Treiben des high life, wie aus dem harten Kamps um die Scholle. Sind wie in dieses Schicksal eines halben Dutzends moderner Menschen immer wieder Ratur und Landschaft hineinfpielen, heiter und drohend, das ist spannend. Das Buch nimmt den Leser in hohem Matze gefangen und fesselt ihn bis zum Schluß lebhaft.
— Der „Kun st wart" (Verlag Callweh- München) weist im Iuliheft mit einem Aufsatz von Franz Glück mit Rachdruck auf das dichterische Werk Otto Stoeßls hin und gibt einige umfangreiche Proben seiner Darstellungskunst. K. Kurt Eberlein bringt an Hand von 9 Abbildungen nach Kalckreuth, Blechen, Hosemann, Brendel u. a. in einem Aussatz über „100 Iahre Berliner Kunst" eine viel zuwenig gewürdigte, bedeutsame Spanne deutscher Kunstgeschichte zu verdienter Ehrung. Sieber neue Lyrik berichtet Hans Böhm mit zahlreichen Belegen. Auch die „Simschau" bringt allerhand wissenswerte und zeitwichtigte Mitteilungen.
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