mit der Handl IA* *
und bequemer!
NDTA-G STF.
tfiu hme 'rinder M
Mli
29 liattRnbrn«
1 3icßcuMv it I4456D fflWro wm 1. JumM rich Weber ll„
rne iel Modelle jswah! tott. sterweg 47 4-"
«g!
i t unftrt&fiMH* af unb Junfl un* 03132
MM*.* 4bigt würbe, wirb orto wirb öergukO i tcenben. eäS>
MWl
js® fM> tadttheater sHB
n Äte<n
S§F ,..‘Sr
-:S'L
Oe am Lager» 91 Mk. 100 Mk. [lablune' E und iacdacma".
3d in bei
Rr. 115 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Samstag, 18. Mai 1929
Europäische Gemeinschaft und deutsche Zukunft.
Don Alfred von Nostih-Wallwih, Staatsminisier a. O.
Dos in der werdenden Christenheit fortwirkende Feuer der ersten Pfingsten glüht noch in Augustins Idee vom „Gottesstaat". Auf sie aber geht letzten Endes der Gedanke einer Gemeinschaft der europäischen Völker zurück, wie er im frühen Mittelalter im heiligen römischen Reich Leben und Form gewann: Religiöser Schwung hat auch den „europäischen Gedanken" geboren. Ein Europa, das sich dieses Zusammenhanges heute erinnern wollte, hätte allein schon von hier aus gesehen, Grund genug, das Fest der Pfingsten mit einiger Beschämung zu begehen. Von europäischer Gemeinschaft ist freilich mehr denn je die Rede. Der Ueberschwang der Worte aber verrät auch hier die Schwäche der Position täuscht nicht hinweg über die tatsächlich bestehende Zerklüftung. Das gilt insbesondere auch für den Redeschwall, der die Demokratisierung des Erdteils als Schritt auch für die Völkerversöhnung anpreist: die geschichtliche Erfahrung spricht nicht eben dafür, daß es die Ueber- brückung gefühlsbetonter Gegensätze zwischen Volk und Volk erleichtert, wenn das vereinfachende Denken und Fühlen der Massen mehr und mehr als entscheidender Faktor in oas politische Kräftespiel eingeschaltet wird. Bedeutungsvoller sind die Auswirkungen der die politischen Grenzen allenthalben überschneidenden Interessengemeinschaft der nationalen Wirtschaftsgebiete — und wertvoll auch die mancherlei Bestrebungen, die angesichts des gemeinsamen Geistescrbes der europäischen Nationen und der wechselseitigen Befruchtung ihrer Bildungskreise d i e kulturelleEin- hcit in der Mannigfaltigkeit auch heute wieder betonen.
Die Wirkungsmöglichkeiten wirtschaftlicher Verflechtung liegen indessen nicht nur in der Richtung neuer und stärkerer Bindungen, sondern zugleich in der Richtung vermehrter Reibung; der Anschauungsunterricht des Streites um die „Reparationen" ist auch in dieser Beziehung lehrreich. Und kulturelle Gesichtspunkte sind als solche noch nie entscheidend gewesen, wo „hart im Raume sich die Dinge stießen". Demgegenüber erhebt die Ideologie des Völkerbundes den grundsätzlichen Anspruch, das Schwergewicht des Völkerfriedenproblems in die Ebene der politischen Ethik zu verlegen; und ein Ernstnehmcn dieser Ideologie wäre vom europäischen wie auch vom deutschen Standpunkte aus nur zu begrüßen. Denn auch wer zutiefst um die irrationale Wucht politischer Dynamik weiß und damit um den tragischen Einschlag alles politischen Geschehens, wird die wenigstens annähernde Lösung des Problems dringend wünschen — und kann sie nur erwarten von einem gesteigerten Bewußtsein politischer Verantwortlichkeit, das über das unmittelbare Eigeninteresse hinaus die Umwelt als lebendigen, des Zusammenspiels aller Teilkräfte bedürftigen Organismus begreift. Daß eine Gedanken- und Willenscinstellung solcher Art im Völkerbund tatsächlich mitspricht, und zumal innerhalb der Genfer Bundesbureaukratie ihre ehrlichen Vertreter findet, sei nicht bestritten; und auf philanthropischem, kulturellem und juristischem Gebiete sind dem mancherlei Erfolge zu danken. Leider nun aber findet diese Einstellung überall da ihre Grenzen, wo politische Interessen ernstlich kollidieren. Auf dem Felde der großen Politik ist der Völkerbund nach wie vor keine Instanz des billigen Ausgleichs, sondern lediglich das Instrument, mit dessen Hilfe die durch den Status quo priveligierte Mächtegruppe eben diesen Status machtpolitisch verankert: hierüber besagt der von Redensarten kaum noch verschleierte Zynismus, mit dem
Writlaus um WM.
Roman von Senta Neckel.
Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6. Nachdruck verboten.
..Einsteigen. Expreß Reuyork!"
Ein ungeheures Hasten und Drängen erfüllte hie weite Bahnhofshalle: Die endlose Reihe der Waggons entlang stieß, schrie und gestikulierte eine buntscheckige Menge.
Aufgeregte Hände griffen nach Gepäckstücken, Zeitungen wurden den Händlern aus der Hand gerissen. Männer fluchten, Frauen riefen nach ihren Kindern. Die ganze Atmosphäre einer fieberhaften Aufregung drängte sich in diesem Moment der Abfahrt zusammen.
Heber allem schwebte eine beklemmende Luft von Schweiß, Kohlendunst. Leder, diversem Parfüm usw., die so lange anhalten wurde, bis sich die Wagenfchlange keuchend aus der Halle schob uüd der letzte Mensch Abschied gewinkt hatte. ...
Am herabgclassenen Fenster ihres Abteils stand Ellinor und sah mit heißen Augen auf das brennende Leben vor ihr.
Ihr war noch alles wie ein Traum Der kurze Llbschied vom Vater, die heimliche <zahrt zum Bahnhof, und nun dieses berauschende Macyt» gefühl, hineinzufahren in ein ungewisses Leben, voll von Abenteuern, voll von Gefahren, aber wert, gelebt zu werden.
„Pardon, Madame!"
„Bitte!" ,
Ellinor trat zurück und ließ einen lungcn Herrn an sich vorüber, dem ein Gepäckträger nut einem wundervollen Lederkoffer folgte.
Sie erfaßte blitzschnell lachende dunkle Augen, die bei ihrem Anblick bewundernd aufzuleuchten schienen, freie geschmeidige Bewegungen, suhlte bis in ihr Innerstes den Klang der vollen, etwas verschleierten Stimme, dann war er vorüber.
Der Zug sauste durch die Landschaft.
Rasende Telegraphenstangen geisterten vorbei, Berge, winzige Menschlein, die im Ru verschwanden.
Aufatmend zog Ellinor das Fenster hoch und setzte sich auf einen der kleinen Klappsitze im Gaiig des Waggons. Das leise, gleichmäßige Schlittern des Zuges begann sein wohltätiges Werk und beruhigte die Rerven.
Ellinor dachte nach. Hinter ihr blieb eine Vergangenheit, eine besonnte Jugend ohne Sorgen. Reichtum und Schönheit hatten' sie umgeben, vor ihr war alles neu, lauerte die Zukunft, unheimlich und drohend.
Ellinor dehnte den sportgestählten Körper.
die Genfer Abrüstungsverhandlungen geführt worden sind, allein schon genug. Der Frieden als solcher wird gleichgesetzt dem Frieden von Versailles. Auch diese Haltung nimmt, nicht anders als die mancher absolutistischer Regierung früherer Jahrhunderte, für sich in Anspruch, daß die autoritative Sicherung des „Bestehenden" lediglich dem Gesamtinteresse diene — und spielt dabei doch ein Spiel, an dem unsere gesamte Kulturwelt zugrunde gehen kann.
Denn Geschichte, und zumal europäische Geschichte ist nicht totes Beharren, sondern flie - ßendesWerden — Resultante auf- und absteigender Kräfte und wechselnder Spannungen; und das Untragbare einer derart „statischen" Politik, wie sie die Entente uns gegenüber noch immer vertritt, liegt nicht nur in der einen und anderen konkreten Forderung, sondern in her lebenswidrigen Gesamttendenz, die hier zu Schrumpfungen, dort zu Kräftestauungen von unberechenbarer Gefährlichkeit führen muß. An Wctterzeichen fehlt es schon heute nicht. Von den grollenden Minoritäten ganz abgesehen: die „Versteppung" des deutschen Nordostens, der jahrhundertelang eine der stärksten Grenzwachtcn europäischer Kultur gewesen ist, der Umschlag der tausendjährigen West-Ost-Wanderung in eine Rückwanderung von O st nach West und der zunehmende Zwang, der das überbürdete und zugleich raumlosc Volk der europäischen Mitte mehr und mehr in Industrialisierung und Prolctarisierung hineintreibt, bedrohen letzten Endes nicht nur Deutschland, sondern Europa. Uns selbst kann dabei sicherlich alles andere oorgc- worsen werden, als daß sich unsere Nachkriegspolitik ihren übernationalen Verpflichtungen entzöge; und trotz aller bitteren Enttäuschungen ist auch heute noch der europäische Gedanke in einem Maße lebendig, das der nationalen Schwäche ost bedenklich nahe kommt. Wann aber werden diejenigen, die es angeht, sich ihrer Mitverantwortlichkeit für die europäische Zukunft erinnern?
Deutschland an seinem Teile wird inzwischen lernen müssen, ohne Kleinmut, aber auch ohne ner-
vöse Ungeduld, zu warten, bis einmal wieder seine -stunde schlägt — und sich dabei auf s i ch s c l b st z u besinnen. Denn auch heute wieder gilt jenes Königswort von 1810, daß „der Staat durch geistige Kräfte ersetzen müsse, was er an physischen verloren": sofern diesen geistigen Kräften auch der klare politische Wille zuzuzählen ist und zugleich der sittliche E rn st. Ein innerlich gesundes Volk von sechzig Millionen, das an sich selber glaubt und seinem politischen Wollen wirksam Form zu geben weiß, läßt sich für die Dauer durch keinen Druck aus der Entwicklung ausschalten. Aber die Verworrenheit und Sterilität unseres Parteiengetriebes stellt die politische Willensbildung selbst in Frage. Und bedenk- kicher vielleicht noch ist die auch im bürgerlichen Leben zunehmende Zermürbung organischer Bindungen durch den überwuchernden Egoismus des Individuums. Man mag an den verantwortungslosen, auch das Ausland irreführenden Luxus denken, der sich hier und dort inmitten von Not und Elend noch immer breit macht, oder an den naturwidrig selbstsüchtigen Rationalismus, wie er in der schlechthin erschreckenden Kurve des Geburtenrückganges zum Ausdruck kommt. Wer derartigen Erscheinungen nachgeht, wird zweifeln, ob auf lange Sicht gesehen, sie nicht noch bedrohlicher sind als alle äußere Gewalt. Verlangen auch schon die Beziehungen von Volk zu Volk den Ausgleich zwisck)en Eigeninteresse und gemeinsamen Verantwortungen, so gilt innerhalb. des Volksorganismus, der sich nicht selbst auf- gebcn will, das ungleich strengere Gesetz des Opfers. Täuschen wir uns nicht, jo wächst zumal in den Kreisen der Jugend die Zahl derer, die wiederum gewillt sind, sich unter dieses Lebensgesetz zu stellen; und darauf beruht trotz allem unsere Hoffnung. Tiefster Quellgrund der Opserbereitschaft aber ist Glaube an überpersönliche und letzten Endes religiöse Bindung — auch daran mag Pfingsten uns erinnern.
Deutsche md amerikanische iimverWen.
Äolschaffer der Vereinigten Staaten in Äerlin.
Von Or. h. c. Jacob Goutt) Schurman,
Die 28 Jahre, die ich als Präsident der Cornell-Universität in Reuyork verbrachte, vermittelten mir einen tiefen Einblick in das amerikanische Universitätswesen. Aber auch die deutschen Hochschulen sind mir gut bekannt. Vor 50 Jahren studierte ich selbst in Deutschland, schon damals erschien mir Berlin eine große Universität, ja ich glaubte damals, Berlin sei die größte Universität der Welt und überhaupt die bedeutendste, seit es ein Paris und Bologna gab. In Berlin kam ich mit einer Reihe hervorragender Persönlichkeiten wie Helmholtz, Zeller, Dubois- Retzmond und Treitschke in Berührung.
Aber ich will nicht von den deutschen Universitäten sprechen, sondern in erster Linie von ben amerikanischen. Mit dein Ramen „Universität" bezeichnet man in Amerika eine Fülle von Institutionen, die häufig mehr schul- oder tollege- artigen Charakter tragen. Die eigentlichen Universitäten entstanden vor etwa 50 Jahren, vor allem dank der Tätigkeit John Hopkins. Er eröffnete eine Schule für „graduates“, für Studenten, die ernsthafte Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Ralur- und Geisteswissenschaften leisten wollten. Dieses Vorbild wirkte stark und bald entstanden Harvard, Pale, Columbia, Chi- cago-University.
Die frühsten Institute für höheren Unterricht waren die Colleges, die von den ersten Kolo-
niften von Oxford und Cambridge herübergebracht wurden und die englische Colleges als Vorbild nahmen. Herrschte bei ihnen also der englische Einfluß vor, so standen die Universitäten im eigentlichen Sinn von vornherein überwiegend unter deutschem Einfluß. Das erklärt sich leicht durch die Tatsache, daß die Mehrheit der graduierten Studenten, die nach dem Auslande zum Studium gingen, die deutschen Universitäten bezogen; wenige gingen nach England und vereinzelte auch nach Frankreich oder Holland. Einer der ersten war mein Vorgänger Dancroft, der, wie ich selbst, in Göttingen, Berlin und Heidelberg studierte. Ich erinnere noch an Longsellow, Perce. Motleh, der sein Leben hindurch mit Bismarck in ungetrübtem, engstem und freundschaftlichem Verkehr stand. Mit ihnen zogen ganze Scharen, ja Hunderte von amerikanischen Studenten nach Deutschland hinüber, so daß in jeder deutschen Universität Amerikaner zu f inden waren. Sie alle wurden mit Bewunderung für die deutschen Universitäten erfüllt, und ihrem Einfluß ist in erster Linie die Entstehung der amerikanischen Universitäten zuzuschreiben.
Dabei waren drei Kräfte wirksam. Die älteren Universitäten verdankten ihre Entstehung dem Einfluß der Kirchen, die Schulen zur Heranbildung der Geistlichen brauchten. Sie entfalteten auf diesem Gebiet eine rege Tätigkeit, vor allem im Osten, in den zuerst besiedelten Teilen.
Es würde gehen, sie würde es schon schaffen uni) je mehr Skandal es gab, desto besser war es für ihre Pläne.
Stunden vergingen, die Dämmerung breitete sich über die Landschaft.
Sie trat an das Korridorfenster. Deutlich suhlte sie. daß zwei dunkle, etwas schwermütige Augen sie wohlgefällig betrachteten.
Ohne sich zu verraten, genoß sie die stumme Bewunderung des Mannes.
Mit gemacht gleichgültiger Stimme fragte sie:
„Wo sind wir bitte?"
Der Mann fuhr herum. Er lehnte mit breiten Schultern am Rahmen des Korridorfensters. Die untergehende Sonne wob einen roten Schein um das kühne, glattrasierte Gesicht.
„Kurz vor Datzton, Madame!"
Die ganze Erscheinung des Fremden, in seiner sicheren, etwas überlegenen Art fesselte Ellinor ungemein.
Sie wußte, daß ihre blendende Erscheinung wie immer Eindruck gemacht hatte.
Sie freute sich an der tadellosen Haltung ihres Gegenübers, an seiner ausgewählt geschmackvollen Kleidung, an seinem edel geformten Kopf, den nervigen schmalen Händen, die fest und sicher neben den ihrigen auf dem Rahmen des Fensters lagen.
„George Wellton", stellte er sich vor.
In wenigen Minuten hatte ihn Ellinor in em fesselndes Gespräch gezogen, hatte erfahren, daß er der einzige Sohn seiner Eltern war, riesige Spinnereien besaß, für die er sich nicht gerade sehr interessierte und am liebsten globctrottenö in der Welt herumgaunerte.
Sie nahmen einen gemeinsamen Tisch im Speisewagen.
Sie sprachen mit gedämpfter Stimme, nahe zueinander geneigt. Ihre Augen suchten sich immer wieder, sanden sich und flammten auf.
„Ich kenne mich nicht wieder," dachte Ellinor; „selbstverständlich das>Dümmste. was mir passieren kann, mich auf der ersten Etappe meiner Reise so restlos zu verlieben."
Aber sie lauschte der dunklen, warmen Stimme, die alles vernünftige Denken einlullte.
Die Kellner räumten ab.
Ein wenig benommen erhoben sich die beiden und tasteten sich zu ihrem Wagen zurück.
Sie fanden den Schlafwagen bereits ausgestor- ben, unsäglich düster mit dicht verhangenen Türen und dem trüben Licht der Rachtampeln.
Ihre Kupees lagen nebeneinander.
Der Mann griff nach Ellinors Hand, die sie ihm willenlos überlieh.
„Warum sagst du mir nicht, wer du bist?"
Ellinor lächelte.
„Was tuen Ramen? Es ist so schön, ohne zu wissen glücklich zu sein!"
Der Schlafwagenschaffner streckte den Kopf aus feiner Kabine und murmelte irgend etwas.
Erschrocken fuhren die beiden auseinander.
In diesem Moment riß Ellinor Georges Kops an sich, preßte ihren Mund auf den seinen im Uebermaß des Gefühls und küßte den Mann heiß und sehnsüchtig.
George hielt ganz still. Es war ihm, als verbrenne ihn ein glühender Strom. Jester griff et nach dieser rätselhaften Frau. Plötzlich löste sie sich von ihm.
Ehe George etwas sagen konnte, war sie in ihrem Abteil verschwunden, die Riegel schnappten ein.
* Der Mann stand allein. Seine Hände krampften sich in die Klinke, fein Mund flüsterte liebestolle Worte. ...
Kein Laut, die Tür blieb verschlossen.
Grau dämmerte der Morgen herauf.
Die Menschen sehen mit übernächtigten, unfreundlichen Gesichtern in den Regentag.
Im Korridor des Schlafwagens standen Ellinor und George wortlos nebeneinander.
Sie hielten sich bei den Händen. In beider Augen brannte die durchwachte Rächt.
Ellinor wußte, sie durfte Öen Mann nicht Wiedersehen, ehe sie nicht ihre Ausgabe erfüllt hatte. Aber sie wußte auch genau, daß sie diesen seltsamen Mann liebte, wie sie noch nie im Leben einen Menschen geliebt hatte, und daß dieser Junge ihr verfallen war mit Haut und Haar, daß er ihren Kuß mit sich nehmen würde, wohin er auch ging, und daß er nicht eher ruhen würde, bis er sie wiedergefunden hatte.
„Wir kommen an!"
Sie nickte.
Die ersten Häuser der Riesenstadt flogen an ihnen vorbei. Die schmutzigen Fenster der Hinterhöfe stierten sie an. wie tote Augen. Die Großstadt hatte sich über ihnen geschlossen.
„Und du sagst mir noch immer nicht, wer du bist?"
„Ich kann nicht, George!"
Behutsam löste sie ihre Hand aus der verzweifelten Umklammerung des Mannes.
„Wann sehe ich dich wieder?"
„Suche mich, George, wenn du mich liebst, wirst du mich finden. Du weiht und hast es gefühlt, wie ich dich liebe, aber du mußt nicht fragen. Ich darf dir nichts sagen!"
Brüsk wandte der Mann sich um und ging in sein Abteil, stellte den Koffer bereit und gab dem Schaffner eine Anweisung.
„George, nicht böse fein. Du wirst von mir hören!"
Die Bahnhofshalle schloß sich rauschend über ihnen.
„Reuyork Central! Alles ausfteigen!“ „Gepäckträger! Porteur! Bos! Here, Here!"
Eine zweite Gruppe von Universitäten entstand durch die Initiative einzelner weitschauender Männer, die auf Deutschlands Hochschulen studiert hatten und etwas ihnen Gleichwertiges in Amerika schaffen wollten, wie HopkinS, Cornell, Rockefeller und viele andere.
Eine große Anzahl von Universitäten wurde schließlich von den Staaten begründet, besonders im mittleren Westen, wo Michigan führend voranging, und in Kalifornien.
In ihrer inneren Organisation ist die amerikanische Universität von der deutschen sehr verschieden. Ihre Grundlage bildet eine „Charter". die der Staat, in dem die Universität liegt, erläßt. Dieses Gesetz schafft eine Korporation, den „Board ot Trustees" (oder „Board ot Rc- gents“ an den Staatsuniversitäten), der sich gewöhnlich durch Zuwahl ergänzt. Diese Körperschaft stellt gesetzmäßig die höchste Macht in der Universität dar. Sie hat die Befugnis. Professoren und Beamte zu ernennen. Vermögen zu haben, das Einkommen zu verwalten, für Bauten, Sportplätze usw. zu sorgen, vor allem also die Finanzen zu leiten. Der Board of Trustees ernennt schließlich auch das Haupt der Universität, den Präsidenten. Er ist nach dem Gesetz selbst ein Mitglied des Board, außerdem Vorsitzender der Komitees z. B. für Bauten, für Finanzen usw.; er ist ferner Vorsitzender des Senats und auch der einzelnen Fakultäten. In der Praxis freilich ist es unmöglich, stets an allen Sitzungen jeder Fakultät teilzunehmen. Daher wird deren Arbeit im wesentlichen den Dekanen (Deans) überlassen. Auf dem Präsidenten der Universität ruht also ein starker Teil der Der- waltungsarbeit. Er kennt feine Universität von außen und innen und ist auch für alles verantwortlich, selbst für Ausschreitungen der Studenten. Schließlich ist er der Repräsentant der Universität nach außen hin.
Die Professoren werden gemäß der Charter ernannt durch den Board o! Trustees, aber nach der Vorschlagsliste, die der Präsident im Verein mit den Professoren der betreffenden Fakultät zusammenstellt. Der Board of Trustees wird sich in der Praxis fast stets der Wahl des Präsidenten anschliehen — ein von seinem Vorschlag abweichender Entschluß würde einen Mangel an Vertrauen dem Präsidenten gegenüber bedeuten.
So erwuchs die Universität um das College herum, das meist Zentrum blieb. 2m Laufe der Zeit gliederten sich auch andere Abteilungen an. Rechtsschulen und medizinische Institute, die ursprünglich private Einrichtungen und unabhängig waren, wurden nach und nach ein Teil der Universität. Denn sie konnten in der Einrichtung von Laboratorien z. B. mit der Universität nicht Schritt halten, und die von der Universität erteilten Grade erhielten immer höheren Wert. Diese Entwicklung ist noch sehr jung, etwa 25 bis 30 Jahre alt. Sie wurde aber stark beschleunigt durch die reichen Mittel, die weitschauende Männer stets großzügig zur Verfügung stellten. In ähnlicher Weise wurden auch Institute für Landwirtschaft und Technik angegliedert, die ebenfalls zuvor private Einrichtungen waren. Selbst ein so bedeutendes technisches Institut wie das Massa- chusett Institute of Technology arbeitet heute mit der Universität (Harvard) zusammen.
Materiell ist also ein gewaltiger Fortschritt zu verzeichnen. Auf geistigem Gebiet ist die Entwicklung noch nicht so weit vorgeschritten. In einigen Fächern, wie Jurisprudenz. Medizin und technischen Wissenschaften haben die amerikanischen Universitäten Hervorragendes geleistet, so daß sich die besten amerikanischen Universitäten darin mit den besten europäischen vergleichen können. Man kann dagegen nicht behaupten, daß die durchschnittlichen amerikanischen Universitäten
. .ILIM ..... " TT---1WT»~W~~
Alles wogte durcheinander und drängte nach den Ausgängen.
Die Großstadt sog die Menschen auf wie ein trockener Schwamm. Sie verschwammen im Dunst. Unersättlich, wie der Rachen eines Ungeheuers, nahm die Riesenstadt täglich neue Massen in sich auf, unbarmherzig und kalt.
„Lebewohl, George — vergiß nie, daß ich dich liebe!"
Ellinors schlanke Gestalt verschwand in der Masse.
„Ich werde sie finden, und wenn ich die ganze Welt nach ihr absuchen müßte. Aber wo. wie? Roch nicht einmal den Ramen weiß ich von ihr."
Im Glanz der unzählig schimmernden und flirrenden Lichter lag Reuyork - die Millionenstadt — geheimnisvoll, drohend und schweigsam.
II.
Die Vierradbremse kreischte.
Der elegante Sportwagen stand zitternd.
Menschen schoben sich eilig vorbei, Chauffeure fluchten. Hupensignale bellten.
Der Broadway dampfte und zitterte. Die Lust hallte wider vom Atem der Menge.
Wie heiseres Seehundsgebell klang die Stimme der Zeitungsjungens, die die Abendblätter aus» tiefen. _ '
Diese Schar von keuchenden, brüllenden Bengels war überall und nirgends.
Sie tauchten im Straßenlärm unter wie Insekten. klebten an den fahrenden Autobussen, hingen sich an die Taxis und warfen sich immer wieder schreiend und gestikulierend in den Strudel, kämpfend und siegend.
Die lange Reihe der wartenden Automobile tutete nervös.
Der riesige Verkehrspolizist an der Straßenkreuzung schwenkte verzweifelt die Arme.
Irgendwo hatte sich ein Wagen festgefahren.
George Welltvn blickte nervös auf die Armbanduhr. Schon sechs durch!
Ein struppiger Bursch schwang sich aufs Trittbrett des eleganten Sportwagens.
„Abendblatt! Abendblatt!"
Die beinah noch nasse Zeitung wirbelte vor Georges Gesicht.
Ein Geldstück flog zurück, von schmutzigen Fingern geschickt aufgefangen.
Gelangweilt las George über die ersten Zeilen hinweg.
Er kannte sich selbst nicht mehr. Seit der Rachtfahrt im Reuyorker Expreß war er vollkommen verändert.
Das schöne Bild der fremden Frau hämmerte in feinem Blut.
Er war wild, launenhaft, vollkommen unbe- rechenbar, von entmutigender Unlust zu jeder Arbeit.
(Fortsetzung folgt.)
t


