storben; — 1882: der Naturforscher Charles Darwin lj in Down bei Beckenham gestorben; — 1895: der
Äfrikareisende Gustav Nachtigall bei Kap Palmas in Westafrika gestorben; — 1906: der französische Physiker Pierre Curie, Entdecker des Radiums, in Paris gestorben.
Kursus zur Förderung der Musik- und Sprecherziehung.
Sn der letzten Ferienwoche veranstaltete Las Hessische Ministerium für Kultus und Bildungs- wesen gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Musik - und Sprecherziehung Hessens in Gießen einen Einführungskursus für die an der Erfüllung der Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft interessierten, im Dienste hessischer Schulen stehenden Lehrpersonen.
Das Physiologische Institut und die Ohren- Aasen- und Halsklinik mit ihren herrlichen Einrichtungen sind in hohem Maße dazu berufen, in das Wunder des menschlichen Organismus einzuführen, und hier insbesondere in das den Musikerzieher besonders interessierende Teilgebiet der Physiologie: Ohr und Kehlkopf und deren Funktionen, Hören, Sprechen und Singen — Akustik und Phonetik.
Der Direktor des Physiologischen Instituts, Professor Dr. D ü r k e r, führte in die wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden der Akustik und Phonetik ein, und Professor Brügge- mann, der Direktor der Universitäts-Ohren-, Aasen- und Halsklinik, dozierte über Hygiene der Stimme und Stimmstörungen. Bei den sich anschließenden praktischen Uebungen fanden die Hörer reichlich Gelegenheit, das Gehörte durch Experimentieren zu erproben.
Ergänzt wurden diese Borträge und Hebungen, welche die physiologische Seite der Musikerziehung behandelten, durch Dorträge, welche mehr das psychologische und philosophische Moment der Musikpflege zum Gegenstand hatten. Universitäts-Musikdirektor Dr. Temesvarh sprach in einem einleitenden Dortrag über den Sinn der Musik als einer „selbständigen Geistessprache, die ihre stärkste Wirkung dann entfaltet, wenn ihre Eigengesetzlichkeit von keinem außermusika- lischcn Element beeinträchtigt wird." In mehreren Vorlesungen wurde an Werken Beethovens, Bachs und Mozarts gezeigt, wie große Meister der deutschen Musik dem Gemüt und dem Verständnis der Schüler nähergebracht und jugendliche Seelen zum Erlebnis absoluter Musik hingeführt werden können.
Die von großer Liebe und Hingabe zur Sache zeugenden Dorlesungen der Dozenten riefen größtes Interesse hervor und lösten oft rege Aussprachen aus.
Ein gemütliches Zusammensein im Hotel „Hindenburg" lieh Dozenten und Kursusteilnehmer in anregender Unterhaltung einander persönlich näherkommen. Sm.
Gausängeriaa des Gaues Lahn im Hessischen Sängerbund.
Am Sonntag fand in Gießen im Saale der „Stadt Wetzlar" der Gausängertag des Gaus Lahn im Hess. Sängerbund statt. Vertreten waren dabei die Gießener Vereine, drei Wetzlarer, Liederkranz (Weilburg), Kirchhain, Marburg, Homberg a. d. Ohm, Grünberg, Butzbach, Aieder-Ohmen, Freienseen, Atzenhain u. o., ferner die Sängerbünde: Chattia (Sih Ettingshausen), Oberhefstscher Sängerbund, Lahntalsängerbund, Lumdabund und Ohm-Lumda- bund.
Den Degrüßungschor trug „Frohsinn" (Gießen) vor. Der Gauvorsitzende, Emil Koch (Gießen), begrüßte die Vertreter, darunter den Provinzialvorsitzenden, Derufslehrer Gengnagel (Grünberg), und dankte für den überaus starken Besuch am ersten ®au‘-~. Sodann erstattete er den Jahresbericht und behandelte die im Jahre 1928 vollzogene Organisation der Gesangvereine in der Provinz Oberhessen. Am 25. März 1928 wurde der Lahngau mit 64 Vereinen gegründet. Zum Gauchormeister wurde Musiklehrer K a st e n (Gießen) gewählt. Nachdem noch der Oberhessische Sängerbund und die „Chattia" beigetreten sind, zählt der Gau Lahn jetzt in sechs Bezirken 95 Männergesangvereine, so daß er der stärkste Gau des Hessischen Sängerbundes ist. Der Lahntalsängerbund ist als zweiter Bezirk mit seinen 22 hessischen und preußischen Vereinen und 1050 Sängern der größte Bezirk des Gaues. Die Gesamtsängerzahl des Gaues beträgt 3681. Der Gauvorsihende nahm im ersten Geschäftsjahr als Vertreter an Sängerfesten teil in Kirchhain, Lahntalsängerfest, Gießen (50jähriges Jubiläum der „Heiterkeit"), Homberg, Nordeck, Lardenbach.
Gaurechner Decker (Kesselbach) erstattete den Nechnungsbericht. Darnach betrugen die Iahreseinnahmen 1215,79 Mk., die Ausgaben 1055,79 Mk., so daß ein Kassenbestand von 160 Mark verblieb. Auf Antrag der Rechnungsprüfer erteilte der Gauvorsihende Koch mit Dankesworten dem Rechner für seine mühevolle Arbeit Entlastung.
Das zweite Hessische Sängerbundesfest zu Darmstadt rief eine sehr rege Aussprache hervor. Gauvorsteher Koch bedauerte, daß die Deranstaltung eines Gaukonzertes wegen geringer Beteiligung der Gauvereine nicht möglich sei; es solle aber wenigstens eine
Kundgebung in Darmstadt stattfinden. Mehrere Redner, darunter Gemeinderechner Karl Jung (Klein-Linden), B r o d t (Daubringen), traten für die Beteiligung am Fahneneinzug und an der Gaukundgebung ein. Neben den großen Gesangvereinen aus Gießen, Wetzlar, Grünberg, Butzbach wollen auch zahlreiche Landvereine teilnehmen. Die Gaukundgebung soll im Herrengarten stattfinden. 40 Vereine mit 800 Sangern haben sich dazu gemeldet. Das Programm sieht vor: 1. Deutscher Sängergruß, 2. Schenkenbachs ..Reiterlied", 3. „Wie's daheim war" von Wohl- gemuth, 4. Ansprache des Gauvorsitzenden, 5. „Wo gen Fimmel Eichen ragen" von Heinrichs. Am Fohneneinzug in Darmstadt nehmen 750 Vereins- fahnen teil.
Der Punkt Gauveranstaltungen wurde in längerer Aussprache erschöpfend erörtert. Cs soll vorerst von Gaufesten abgesehen werden. Die großen Feste sollen zeitlich möglichst weit hinausgeschoben werden, so daß größere Zeitabschnitte dazwischen liegen.
Zu zahlreichem Besuch des 100jährigen Jubiläums des „Liederkranz", Weilburg lud dessen Vertreter für 22. bis 24. Juni ein. Der Gauvorsihende Koch empfahl, am Jubiläum dieses Veterans der Männerchöre mit Fahnen teilzunehmen.
Der Schriftführer, Klein, Gießen, legte sein Amt als Schriftführer nieder, bis zur nächsten Vorstandssitzung will er noch das Amt führen.
Zum Schluß der arbeitsreichen Tagung wurde unter Leitung von Gauchormeister Kasten, Gießen, der „Sängergruß" vorgetragen.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 50, Weißkraut 20 bis 30, Rotkraut 20 bis 35. gelbe Rüben 25 bis 30. rote Rüben 25 bis 30, Spinat 50 bis 60. Unterkohlrabi 10 bis 15. Rosenkohl 70 bis 75, Feldsalat 200 bis 300, Tomaten 80 bis 100, Endivien 150 bis 300, Zwiebeln 25 bis 30, Meerrettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 60 bis 90. Kartoffeln 6 (pro Zentner 5.50 Wk.), Aepfel (inländ.) 30 bis 40. (ausländ.) 50 bis 80, Dörrobst 35 bis 40, Nüsse 70 bis 80. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130. Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund; Tauben 90 bis 100, Eier 11 bis 12. Blumenkohl 50 bis 120, Salat 30 bis 60. Salatgurken 100 bis 120, Lauch 15 bis 30. Rettich 20 bis 30. Sellerie 20 bis 100 pro Stck.; Radieschen 25 bis 30 Pfennig pro Bd.
Bornotizen.
— Tageskolender f ü r Donnerstag. Bund der Kaufmannsjugend im DHV.: Ettern- und Freundesabend, 8 Uhr, im DHD.-Heirn. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Geschlecht in Fesseln". — Astoria-Lichtsviele: „Rache für Eddy".
— „Hallo Theaterl" Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der bunte Theaterabend, ein Mimen-Nachtspuk, zugunsten der Wohlfahrtskassen der Mitglieder des Stadttheaters, beginnt um 20,30 Uhr. Es werden aufgeführt „Äachtbeleuchtung" von Curt Goetz, „Bobby", Uraufführung, von Dr. Karl Ritter, Dramaturg am Stadtth«ater, „Die Mücke", lustiger Dialog von Rudolf Presber, „Ein ruhiges Heim", Burleske in einem Akt von Georges Courteline. Die Uraufführung von Dr. Karl Ritter ist von Ludwig Dreyfuß vertont. Der Komponist wird vom Flügel aus die Uraufführung selbst leiten. Karl Ritter hat die Spielleitung seines Sketches selbst übernommen. Die vorkommenden Tänze find von dem Tanzinstitut E. Bäulke ein* studiert. E. Bäulke und seine Partnerin werden selbst im Rahmen des Stückes auftreten. Die künstlerische Oberleitung an dem Abend liegt in Händen von OberspieUeiter Hans Tannert. Die musikalische Leitung hat Franz Arzdorf übernommen. Im Foyer: Tanz, Tombola, Jazzmusik, Sektauss^ank, Büfett.
— Der Evangelische Arbeiterverein Gießen veranstaltet am kommenden Samstag einen Familienabend. Näheres in der heutigen An» zeige.
*
** Jahresabschluß der Feuerwache. Ueber die Tätigkeit der städtischen Feuerwache in der Zeit vom 1. April 1928 bis 31. März d. I. liegt jetzt der Bericht vor. Danach mußte die Feuerwache insgesamt in 178 Fällen in Tätigkeit treten. Davon entfallen auf Kellerbrände 4 Fälle, Zimmerbrände 7, Dachstuhlbrände 3, Kaminbrände 12, Wald- und Rasenbränbe 3, sonstige Brände 27, auswärtige Brände 2, auf sonstige Inanspruchnahme (Kellerauspumpen. Einsetzen von Schachtdeckeln, Beseitigung von Erdsenkungen, Heben von Grohtieren, Hilfeleistung gegen Eisganggefahr, Rohrbrüche usw.) 59, blinder Alarm 13, Unfug 47, Probealarm 1. Am auffälligsten bei diesem Jahresbericht ist die große Zahl der Unfugfälle. Kürzlich sind wieder einmal zwei solcher „Helden" zum Glück gefaßt worden. Hoffentlich klopft das Gericht ihnen ganz kräftig auf die Finger, damit andere übermütige Nachtschwärmer oder Schabernacke eine eindringliche Warnung erhalten.
** Sitzung des Provinzialausschus- s e s. Am nächsten Samstag, vormittags 8,30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: Gesuch des
Heinrich Baumann zu Gießen um Erteilung eines Wandergewerbescheines. Antrag des Kreisamts Alsfeld auf Entziehung des Führerscheines des Artur Schmidt von Altenburg. Beschwerde des Heinrich Volk in Nieder-Ohmen gegen den Bescheid des Kreisamts Alsfeld vom 13. November 1928 wegen Heranziehung zu den Beiträgen der SHneiderzwcngs nnung für den K eis QIL fei).
** Dienstjubiläum. Der Institutsgehilfe Karl G r ü g e r kann heute, am 18. April, auf eine 25jährige Tätigkeit in der Medizinischen Veterinärklinik der Universität Gießen zurückblicken. Aus Anlaß dieses Tages wurden dem Jubilar zahlreiche Ehrungen erwiesen. Auch der Tierschutzverein Gießen hat dem liebe- und verständnisvollen Tierpfleger zur Erinnerung an fein Jubiläum ein geschmackvolles Diplom überreicht.
*• Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Cs verstarben in der Zeit vom 1. bis 15. April: 4. April: Hanna Eva Boden- Heimer, 3 Jahre alt, Lanografenstr. 6; Mathilde Wissendorf, geb. Erfurt, Wwe., 69 Jahre alt, Gartenstr. 14; Elise Margarete Becker, geb. Schmidt, Wwe., 52 Jahre alt. Krofdorfer Str. 2; 5. April: Karl Kraus, Kraftfahrer, 44 Jahre alt, Friedrichstr. 18; Hans Robert Karl Diehl, 4 Monate alt, Mäusburg 5; 8. April: Chaimas Fai- vusinski, Student, 27 Jahre alt, Hillebrandstr. 6; Elisabeth Ruppel, geb. Gerresheim, 63 Jahre alt, Lindengasse 10; 9. April. Elisabethe Holbricher, geb. Bingel, Wwe., 79 Jahre alt, Krofdorfer Straße 16; 10. April: Babette Henrich, geb. Beck, 51 Jahre alt, Liebigstr. 101; Johann Heinrich Berg, Dreher, 79 Jahre alt, Schillerftr. 19; 11. April: Juliane Köhler, geb. Schüßler, Wwe., 82 Jahre alt, Westanlage 35; Christian Kruse, Musiklehrer, 90 Jahre alt, Weserstrahe 16; Johanna Schäffer, geb. Schmidtborn, Wwe., 80 Jahre alt, Iohannesstr. 15; 12. April: Johannes Hofmann, Bahnarbeiter, 64 Jahre alt, Bruch- strahe 22; 13. April: Margarete Petri, geb. Jost, 61 Jahre alt, Wehsteinstr. 42; 15. April: Peter Aliendorf, Bureaudirektor i. R., 72 Jahre alt, Wilhelmftrahe 63.
** Stadttheaterabonnement. Die Einlösung des 8. (letzten) Abschnitts des Stadttheater- abonnements muß von kommenden Montag ab erfolgen. Näheres in der heutigen Bekanntmachung.
** Zirkus Hagenbeck besucht Gießen. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, wird der Original-Zirkus Willy Hagenbeck, der eine große Raubtierschau mit sich führt, nach Gießen kommen. Sein Gastspiel wird in aller Kürze beginnen. Auf Oswaldsgarten wird sich eine Riesenzeltftadt erheben, in der eine große Zahl Artisten ihr Können zeigen werden. Der Tierpark mit etwa 200 Tieren dürfte für unsere Stadt und die Umgegend eine ganz besondere Sehenswürdigkeit sein. Wie uns aus vorgelegten Presseurteilen über die zahlreichen Gastspiele dieses Unternehmens in allen Gegenden des Reiches bargelegt wurde, hat der Zirkus Hagenbeck überall in vollem Maße die Erwartungen der Besucher erfüllt und für seine Leistungen starken Beifall gefunden.
** D i e „Bereinigung ehemaliger hes- sischer Artilleristen in Fulda" — Mitglied des Artilleriebundes in Hessen — begeht am 11. und 12. Mai in Fulda die Einweihung eines Gedenksteins für die im Weltkriege gefallenen Kameraden des Großherzoglichen Artilleriekorps. Der Gedenkstein wird in der Kaserne des 5. Artillerie- rcgiments in Fulda errichtet. Zu dieser Feier wer- den alle ehemaligen Angehörigen der beiden Ar- tillerieregimenter 25 und 61, sowie ihrer Reserve- und Kriegsformationen eingeladen.
Erweitertes
Schöffengericht Gießen.
* Gießen, 17. April. Ein Obergefreiter des hiesigen Bataillons stand heute unter der Anklage des militärischen Ungehorsams in Tateinheit mit Verrat militärischer Geheimnisse. Als Angehöriger der Funkstation war ihm zur Last gelegt worden, Anfang vorigen Jahres einen von einer anderen Funkstation aufgefangenen Funkspruch den hierfür ausdrücklich bestehenden Vorschriften zuwider gefunkt und dadurch die Schlagfertigkeit, bzw. Ausbildung der Truppe erheblich gefährdet zu haben. Wegen Gefährdung der Staatssicherheit sand die ganze Verhandlung, zu der eine große Zahl Zeugen und ein militärischer Sachverständiger geladen waren, unter Ausschluß der Oef- sentlichkeit statt. Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit wurde das auf Freisprechung lautende Urteil verkündet und zur Begründung angeführt, daß das Gericht trotz erheblicher Verdachtsmomente von der Schuld des Angellagten sich nicht in einer zur Verurteilung ausreichenden Weise überzeugen konnte.
Das Defizit im Darmstädter Haushalt.
WSN. Darmstadt, 17. April. Der Vo r - anschlag der Stadt Darmstadt für 1929/30 sieht einen Fehlbetrag von rund 3 Mill. M k. vor. Das Defizit wird durch Abstriche der Ausgaben, Mehrablieferungen der Betriebe, Mehreingang an Reichssteuerüberweisungen und sonstige Abstriche auf die Hälfte vermindert.
Oberheffen.
Brandstiftung im Licher Krankenhaus.
D L i ch, 17. April. Gestern abend brach int städt. Krankenhaus in verschiedenen Räumen Feuer aus. Durch die Rauchentwicklung wurde es zum Gluck zeitig bemerkt. Es liegt zweifellos vorsätzlicheBrandftiftung durch ein in dem Krankenhaus beschäftigtes Dienstnrädchen aus Gießen vor. Das Mädchen steht in Fürsorgeerziehung und hatte gestern von berufener Seite einen Verweis über tadelhaftes Betragen erhalten. Abends gegen 7.30 Uhr entfernte sie sich aus ihrer Dienststelle. Gegen 9 Uhr abends machte sich in dem Gebäude starker Brandgeruch bemerkbar. Bei der von dem Pfleger R o 11 h a u s vorgenommenen Durchsuchung des Gebäudes fand er die Tür des Mansardenstockes verschlossen vor. Kurz entschlossen öffnete er gewaltsam die Türe und ebenfalls gewaltsam die verschlossene Tür des Mädchenzim- m e r s. Das in dem Zimmer befindliche Bett brannte lichterloh. Hinzueilenden beherzten Mannern gelang es, die F l a m m e n i m K e i m e 3 u e r sticken. Bei der sofort vorgenommenen Untersuchung des Bodenraumes fand man in einem bcr dort abgestellten Betten einen weiteren angelegten Brandherd mit zerkleinertem dürren Holz überdeckt. Das Federdeckbett und die Matratze waren bereits angebrannt. Auch dieses Feuer konnte noch leicht erstickt werden. Jede Minute Zeitverlust hätte einen Dachstuhlbrand zur Folge haben müssen. Hiermit glaubte man, das aus« gebrochene Feuer bekämpft zu haben. Erst gegen 12 Uhr nachts wurde in einem gleichfalls abgeschlossenen, zur Zeit unbenutzten Krankenzimmer des ersten Stockes Feuer bemerkt. Auch hier mußte die Zimmertüre gewaltsam geöffnet werden. Das Bett, die Tapetenwand, ein -Leit des Fußbodens und aufbewahrte Wäschestücke' standen in hellen Flammen. Durch die Hitze war bereits ein Fenster zersprungen. Nur bem Umftanb, daß das Feuer feine Zugluft hatte, und frühzeitig entdeckt wurde, ist es zuzuschreiben, daß das ganz aus Holzfachwerk befteheirde Gebäude nicht ein Raub der Flammen wurde. Auch dieser Zimmerbrand konnte nach längeren Bemühungen erstickt werden. Feueralarm fand nicht statt. Die Feuerwehr brauchte nicht in Tätigkeit zu treten. Soweit inzwischen bekannt geworden, ist der Mobiliar- und Wäscheschaden durch Versicherung gedeckt. Die Brandstifterin, die offenbar aus Rache gehandelt hat, wurde heute in Gießen ei> mittest und verhaftet.
Landkreis Gießen.
— G roß en-Linden, 16. April. Für den» unerwartet und für seine Gemeinden und Angehörigen viel zu früh Heimgegangenen Pfarrer Becker fand gestern nachmittag in unserer stimmungsvollen Kirche eine erhebende Trauer- feier statt. Das große Gotteshaus war bis zum. letzten Platz gefüllt, vor dem Altar hatten zu beiden Seiten der Bahre die Chargierten des Akademisch-Theologischen Vereins Gießen mit der Fahne die Totenwache übernommen. Pfarrer Schultheis (Großen-Linden) sprach im Anschluß an die Iesusworte Ev. Ioh. Kap. 9, Vers 4 herzliche Abschieds- und Trostesworte und zeichnete ein treffendes Charakterbild des in Treue bewährten Pfarrers, Seelsorgers und Familienvaters. Die Srauerfeter war von Gemeindegesang und zwei Chören des Kirchengesangvereins Allendorf a. d. Lahn umrahmt. Ein langer Trauerzug bewegte sich dann zum Friedhof. Die zahlreichen Kranzniederlegungen, die nach der Einsegnung erfolgten, legten Zeugnis ab von der allseitigen Verehrung, die Pfarrer Becker entgegengebracht wurde. Cs sprachen u. a. die Vertreter der Dekanate Gießen unb Lauterbach, der Gemeinden Allendorf, Großen-Linden, Mörfelden, Herbstein, Hopfgarten, des Akademisch- Theologischen Vereins Gießen und seines Alt- herrenbundes, des Kirchengesangvereins Allendorf, auch die Konfirmanden und Schulkinder ließen es sich nicht nehmen, noch einmal ihres Seelsorgers zu gedenken. Mit einem Chor des Gesangvereins Allendorf und dem Segen fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Pfarrer Becker war am 12. April 1874 in Worms geboren, wurde nach bestandenen Prüfungen am 29. Oktober 1899 als Pfarrvikar in Okarben ordiniert und wirkte in großem Segen in den Gemeinden Hopfgarten, Mörfelden, Herbstein und feit Jahresfrist in
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