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xu fetzen, es toirö des eigenen Heeres nicht sicher sein. Hierin liegt ohne Zweifel eine Bedeutung der flämischen Bewegung für den europäischen Frieden. _________________

SaSArbeit-programm des Provinzialtags.

Der Provinzialtag der Provinz Oberhessen wird sich in feiner diesjährigen ordentlichen Tagung am Samstag, 23. März, vormittags 11.30 Uhr beginnend, im Sitzungs- faale des Regierungsgebaudes xu Sieben mit folgender Tagesordnung beschäftigen:

1. Diensteinweisung und Verpflichtung der neu in den Provinzialtag berufenen Mitglieder a) Professor Friedrich Müller, ^Studienrat, Büdingen; b) Fürsorge-Obersekretär Fritz Luft, Lauterbach.

2. Derwaltungsbecicht des Provinzialausschus- ses der Provinz Oberhessen über den Stand der Provinzialverbandsangelegenheiten und Rech­nung über die Einnahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen im Rj. 1927.

3. Voranschlag über die Einnahmen und Aus­gaben der Provinz Oberhessen im Rj. 1929. 3n Verbindung hiermit:

a) 1. Antrag des Provinzialausschusses auf Ge­nehmigung zur Kapitalaufnahme in Höhe von 1 Million Reichsmark zur Instand­setzung von O-Straßen;

2. Antrag des Provinzialausschusses auf Ge­nehmigung von Strahenumbauten und Drückenumbauten;

3. Antrag des ProvinzialausschusseS auf Er­mächtigung, die Materiallieferung für die Unterhaltung der Provinzstraben im Rj. 1939 bereits im Herbst 1929 zu vergeben und die hierzu erfordelichen Mittel be­reitzustellen;

b) Antrag des Provinzialausschusses auf Ge­nehmigung der zur Erhebung vorgesehenen Provinzialumlagen und Ausschläge und um Ermächtigung, die Gewerbesteuerausschläge festzusehen, sobald für das Rj. 1928 das Gewerbekapital und der Gewerbeertrag fest­gestellt ist.

4. Rechenschaftsbericht des Provinzialausschus­ses über die Verwaltung des Wasserwerks In­heiden und Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des Wasserwerks Inheiden im Rj. 1927.

5. Voranschlag über die Einnahmen und Aus­gaben des Wasserwerks Inheiden für Rj. 1929.

6. Rechnungsabschluß über die Verwaltung des äleberlandwerks Oberhessen für das Rj. 1927.

7. Voranschlag über die Einnahmen und Aus­gaben des Ileberlandwerks Oberhessen im Rj. 1929.

8. Antrag des Provinzialausschusses auf lieber- nähme der Trägerschaft für die durch das Gesetz vom 20. Dezember 1928 der ^Unfallversicherung neu unterstellten Betriebe unö Tätigkeiten.

9. Auszug aus der Rechnung des lieberland- Werks Oberhessen (Dau) für die Rechnungsjahre 1924 bis 1927.

Geh. Oberbaurat Schoberth f.

Dieser Tage verstarb, 81 Jahre alt, der. in Wiesbaden im Ruhestand lebende Geheime Ober­baurat Georg Schobert h, der durch seine Tätigkeit in G i e b e n auch hier noch in bester Erinnerung steht.

Er war lange Jahre Vorstand deS Cifenbahn- bauamtes in Alsfeld, wo er bis zum lieber­gang der Oberhessischen Eifenbahnen in die Preußisch-Hessifche Cifenbahngemeinschaft am 1. April 1897 wirkte. Von da ab wurde ihm die Leitung des Cisenbahnbetriebsamts 1 in Gieben übertragen, dem er mehrere Jahre vorstand. In Würdigung seiner groben Arbeitskraft und seiner reichen Erfahrungen auf dem Gebiete des Eisen­bahnbauwesens wurde er sodann bautechnischer Oberbaurat bei der Eisenbahndireltion Mainz,

Die Liebe derBrigitta Hottermann Roman von Elisabeth Ney.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 9 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Süll sah sie in ihrem Sessel am Fenster und grübelte mit blassem, verstörtem Gesicht vor sich Hin.

Sie bemerkte nicht, tote die Zeit verging und draußen langsam die Dämmerung hereinbrach.

Plötzlich stand die alte Hanna vor ihr. Dri- gitta hatte die alte Getreue nicht kommen hören.

Hanna legte ihr einen großen Strauß Herbst­blumen in den Schoß.

Von wem?" fragte Brigitta zusammenzuckend.

Don dem jungen Herrn Doktor; er bittet seine Aufwartung machen zu dürfen," antwortete die alte Frau zögernd.

Da. nimm die Blumen fort," rief Brigitta, wie vom Ekel erfaßt, den Strauß von sich stobend,unö sag' ihm. daß ich ihn nicht empfan­gen will. Hörst du!"

Da hob die alte Dienerin verstört die Blumen vom Fuhboden auf und verließ schnell das Zimmer.

Am nächsten Mittag nahm Brigitta Holler­mann, auf die inständige Bitte ihrer Mütter hin, zum ersten Male wieder an der gemein­samen Mittagstafel teil.

Traurig blickte sie auf den leeren Platz ihres Vaters. Sie vermochte kaum einen Dissen zu essen.

Frau Evelyn konnte sich nicht genug an Liebes- bezeugungen für ihre Aelteste bctun, und lüjte wieder und wieder deren bleiche Stirn.

Wein Herzenskind, wie freue ich mich, daß du nun wieder gesund bist!" rief sie immer und immer wieder seufzend aus.Wenn du wüßtest, wie ich mich um dich gebangt habe! Ganz elend und krank bin ich dabei geworden. Aber nun ist alles wieder gut, und wenn du erst Fritz Bei- lingers grau bist, reift du mit ihm einige Wochen nach dem Süden, wo du bald deine völlige Ge­sundheit wiederfinden wirst. Ich habe während deiner Krankheit schon alles mit ihm bespro­chen. Richt wahr, Isa?" wandte sie sich an ihre jüngste Tochter.

Isa zog nur etwas mürrisch die Schultern hoch und sah gelangweilt vor sich hin.

Brigitta aber war mit flammenden Augen aufgesprungen und stand nun hochausgerichtet vor ihrer Mutter.

Ich hatte geglaubt, daß mir diese Ausern- anderfetzung erspart bleibt, Mama" sagte sie,

Buntes Allerlei.

Merkwürdige Luftfracht.

Das Flugzeug hat sich immer mehr auch für die Güterbeförderung eingebürgert, und die Schnelligkeit und Sicherheit des Transportes bringen es mit sich, daß der Luftweg gerade für wertvolle oder leicht verderbliche Waren be­sonders gern benutzt wird. Betrachtet man die Liste der Transporte, die in der letzten Zeit zwischen London und dem Kontinent im Flug­zeug befördert wurden, dann findet man, recht eigenartige Frachten darunter. So traf kürzlich eine Anzahl von Seepferdchen für den Londoner Zoo wohlbehalten auf dem Flugplatz Croydon ein. Man hatte große Vorsichtsmaß­regeln angewendet, um diese phantastischen Ge­schöpfe, die in der Dai von Biskaya gefangen worden waren, glücklich nach ihrem Destun- mungsort zu bringen; sie befanden sich in einem großen Wasserbehälter, dem während des ganzen Fluges in Abständen von 10 Minuten Luft zu­gepumpt wurde. Auch Goldfische, die ja längere Reisen schwer vertragen, werden häufig auf diese Weise nach England gebracht, aber die kostbarste Fischfracht, die durch die Luft mitge­führt wurde, war eine Anzahl von überaus seltenen ostindischen Goldfischen, die eine Regen- bogenfärbung haben und sehr hohe Preise er­zielen. Ein Käfig mit schweren Eisenstäben wurde kürzlich in ein Flugzeug eingebaut, um einen auiggetoachfenen Löwen aufzunehmen, der, be­gleitet von seinem Bändiger, eine Reise durch die Luft von London nach Le Dvuraet unter­nehmen sollte. Der König der Tiere befand sich augenscheinlich recht wohl, als er mit einer Ge­schwindigkeit von 160 Kilometer in der Stunde durch die Wolken dahinsauste, äleberhaupt be­dient man sich des Flugzeugs häufig zur raschen Desörderung kostbarer dressierter Tiere; so kamen kürzlich in einem Flugzeug von Amsterdam ein Bär, ein Affe und eine Anzahl von Papageien nach der englischen Hauptstadt. Das Flugzeug ist aber auch für den Transport von Waren nach sehr hochgelegenen Orten von unschätzbarem Wert, und ebenso ist es unentbehrlich bei der Anlage von Wegen und Bauten in den höchsten Dergspitzen. Roch vor 20 Jahren wäre es kaum möglich gewesen, einen Weg bis zu dem neuen Observatorium auf dem Mont Blanc anzulegen. Das Flugzeug aber brachte ohne große Mühe Steine und andere notwendige Stoffe bis zu einer Höhe von über 4300 Meter; der Weg, der auf diese Weise gebaut werden konnte, ist aller­dings einer der teuersten, die es in der Welt gibt. Merkwürdig berührt es. daß sich unter den Frachten, die von London nach Paris im Flugzeug gebracht werden, auch Milch befindet, denn man sollte nicht glauben, daß es nötig wäre, auf so kostspieligem Wege ein auch in

in welcher Stelle er bis zu feiner Pensionierung verblieb.

Oberbaurat Schoberth war ein Mann von edler Gesinnung und strenger Pflichterfüllung, der aber auch an Freud und Leid seiner Mit­arbeiter und Untergebenen großen Anteil nahm und die berechtigten Wünsche nach Möglichkeit zu erfüllen suchte. Seine Persönlichkeit wird allen, die ihn kannten und mit ihm gearbeitet haben, unvergeßlich bleiben.

Ferierisorrderzüge 1929.

Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. ver­öffentlicht jetzt die D e r ! e h r s t a g e der für diesen Sommer vorgesehenen Feriensonder- züge. Das Programm ist noch nicht endgültig; Aendcrungen können noch eintreten. Die Der- kehrstage und die Fahrpläne werden erst bei der Feriensonderzug-Konferenz im Mai 1929 in Baden-Baden festgelegt. Die Fahrpreise ent-

sich mit aller Gewalt zur Rizhe zwingend, wäh­rend ihre Lippen verräterisch bebten.Du weiht recht gut, daß ich zur Verlobung mit Doktor Bellinger gezwungen worden bin, und daß ich niemals eingewilligt habe, dessen Frau zu wer­den."

Aber Brigitta, um GotteS willen, waS ist dir, tote sprichst du mit mir!" rief die Geheimrätin erschrocken unö zugleich unsicher aus.

Ich sage nur, was jetzt gesagt werden muh, Mama. Vielleicht ist es besser, wir erörtern das Thema sogleich, um Klarheit zu schaffen."

Aber Brigitta, so nimm doch Vernunft an. Doktor Bellinger ist unser Retter! Ohne ihn wären wir dem Elend preisgegeben. Wir sind ihm doch zu Dank verpflichtet."

Zu Dank. Mama? Da irrst du dich Wohl. Unsere pekuniäre Lage ist absolut nicht so nieder- drückend. daß du dafür eine Tochter opfern müßtest. Für Papas Klinik hätte sich ebensogut ein anberer Arzt als Pächter gefunden, vielleicht sogar zu viel günstigeren Bedingungen. Deilin- gers Handlungsweise entspringt niemals einer guten, wohltätigen Absicht, sondern einzig und allein seinem brutalen Egoismus; er will sich die Leitung der Klinik so schnell wie möglich sichern."

Brigllta, Undankbare, wenn du wüßtest, wie furchtbar bitter unrecht du dem QHanne, der dich liebt, tust," stöhnte die Geheimrätin fassungs­los.Er ist ein edler Mensch, dem wir nicht nur pekuniär zu Dank verpflichtet sind, sondern dem auch die Reinhaltung des Ramens deines Vaters zu verdanken ist."

Wie wie soll ich das verstehen?" fragte Brigitta 'Hollermann, erbleichend.

So sollst du auch noch das letzte erfahren, da­mit du deines Verlobten Wahrhaftigkeit vollauf erkennst. Dein Vater tötete in feiner fanatischen, krankhaften Sucht von Menschenliebe einen Pa­tienten durch Gift. Doktor Bellinger wußte von der Tat, und brachte es doch nicht fertig, deinen Vater dem Gericht auszuliefern. Er half also einem Mörder. Gut ist, daß die furchtbare Mord­tat wenigstens dann durch den Selbstmord ge­sühnt wurde und somit für deinen armen Ver­lobten die Schweigepflicht nicht zu schwer wurde."

Kreideweiß war Brigitta bet dieser Enthül­lung zurückgetaumelt.

Du, du weiht also von allem," stammelte sie tonlos. Entsetzlich! Das Geheimnis, das nur sie alleinzu wissen glaubte, war auch schon zu Ohren der Mutter unö Schwester gelangt.Wer hat dir daS gesagt?"

Bellinger natürlich. Wir wollten nur erst eure Verlobung bekanntgeben, bann hätte ich mit Hilfe DeillngerS deinen Vater, um ihn vor der Gerechtigkeit zu retten, in eine Anstalt brin­gen lassen. Denn zweifelsohne ist derjenige, der eine solche Tat vollbringt, nicht mehr zurech-

Paris in reichlicher Wenge erhältliches Rah- rungsmittel zu befördern. Aber reiche Ameri­kaner hatten sich so an die englische Milch ge­wöhnt, dah sie sie auch in Paris nicht ent­behren wollten, und so wurde täglich eine be­stimmte Wllchmenge in fest verschlossenen Flaschen von dem Flugzeug mitgenommen. Schmuggler suchen das Flugzeug für ihre Zwecke auszunuhen. So sind z. D. durch die Luft Glücksspiel- Maschinen von London nach Deauvllle ge­bracht worden und wurden boEt_ eifrig benutzt, nachdem man sie den Zollbehörden von Le Bourget wohlweislich verheimlicht hatte. Die kostbarsten Waren, für deren Transport man sich des Luftweges bedient, sind Goldbarren, die fast tagtäglich auf der Frachtliste deS Flug­zeugdienstes erscheinen. Die großen Dankfirmen haben diesen Weg als den sichersten und be­quemsten erkannt, unö häufig geht ein beson­deresGoldfluazeug" ab. das von einem be­waffneten Wächter begleitet wird. Selbst ein Mensch ist schon auf einem Güterflugzeug mit­genommen worden. Ein Reisender, .der das letzte Passagier-Flugzeug verfehlte, aber dringend noch am Abend in Paris zu tun hatte, be­merkte auf dem Flugplatz ein Güterflugzeug, das startbereit war. Er setzte durch, dah er selbst als Frachtgut behandelt und mit der übrigen Ladung befördert wurde, und dieses sonderbare .Paket" wurde auch richtig an Ort und Stelle abgeliefert.

was ein Löwenoperateur verlangen darf.

Dadurch, dah es keine amtlich festgelegten Sähe für Operationen bei Löwen gibt, ist das Be­rufungsgericht in Rancy vor eine schwierige Frage gestellt worden. Es sollte nämlich entscheiden, ob die Rechnung, die ein gewisser Doktor De- nuler einem Zirkusdi ektor geschickt hat, zu hoch war oder nicht. In der Rechnung waren ver­schiedene kleinere Leiftungen aufgeführt, wie z. D. der Besuch und das Verschreiben von Heil­mitteln bei einem Eisbären, die Behandlung eines Gefchwürs an dem Dein ei/.es Dromedars usw. Der beanftanöete Posten aber war die Entsernung einer Kugel aus dem Leibe eines Löwen, den fein Bändiger nur mit dem Re­volver hatte in Schach halten können. Für diese gewiß nicht einfache Operation verlangte der Arzt den Hauptteil der 17 000 Franken, die die ganze Rechnung betrug. Das Gericht kam zu der Entscheidung, daß die Summe auf etwa di: Hälfte herabgesetzt werden sollte. Unter den Gründen, die dafür bestimmend waren, wurde aufgeführt, daß der Arzt durch die glückliche Ausführung dieser Operation feiten Ruf sehr verbreitet habe und daher seitdem einen größeren Zulauf erhalte.

sprechen denen des Vorjahres. Von Frankfurt a. M. aus sind vorgesehen:

1. Rach München, am 13. Juli abends, am 14. Juli vormittags, am 20. Juli vormittags, am 27. Juli vormittags und am 3. August abends.

2. Rach Basel und K o n st a n z. am 14. Juli vormittags unö am 20. Juli vormittags.

3. Rach Hamburg und Bremen, am 13. Juli abends, am 16. Juli abends, und am 20. Juli abends.

4. Rach Rorddeich, am 14. Juli vorrn.

5. Rach Berlin, am 13. Juli abends und am 2. August abends.

6. Rach Stralsund unö Carlshagen- Trassenheide, am 13. Juli abends.

7. Rach Breslau unö Deuthen O. S. am 13. Juli abends und am 30. Juli abends.

Räheres über diese Feriensonderzüge wird nach der Feriensonderzug-Konferenz veröffentlicht.

nungsfähig und gefährlich für feine Umgebung. Oder sollte Teilinger lieber tatenlos zusehen, wie ein Geisteskranker seine Patienten tötet, um sie nicht leiden zu sehen?"

Mama, halt ein! schrie Brigitta, von Abscheu geschüttelt, außer sich.Ich selbst weiß aus des armen Vaters Munde, wie sich die Sache ver­halten hat!"

Rach einer Pause sprach sie erregt:Dei- (inger ist ein Schurke, ein gefährlicher Erpresser, und du konntest diesem Elenden die Hand zur Vernichtung deines Mannes reichen? Du weißt recht gut, daß Vater nicht geisteskrank war. Oh, nun verstehe ich alles, jetzt begreife ich seine Worte in jener Rächt erst voll. Papa ging, well er sich von dem liebsten Menschen, Öen er besaß, von dir, Mama, verraten sah. Er wußte, daß du und Bellinger ihn auf Grund der Mordtat, wie ihr sie nennt, für unzurechnungs­fähig erklären lassen wolltet, und zog, in Ein­sicht der Ohnmacht diesen teuflischen Intrigen gegenüber, den freiwilligen Tod vor."

Brigitta, hüte dich! Wessen bezichtigst du mich?" rief Frau Evelyn gellend aus.

Verbiete Bellinger noch in dieser Stunde dein Haus, mache um jeden Preis den Pachtvertrag mit ihm rückgängig, selbst auf die Gefahr hin, daß die Klinik geschlossen werden müßte, und lasse bereits morgen öffentlich die Bekannt­machung meiner Entlobung folgen, dann dann will ich dir glauben, daß du unwissend und schuldlos an dieser Abscheulichkeit bist," ertlärte Brigitta, vor der Mutter stehend, mit flammen­den Blicken.

Doch die Geheimrätin lachte schallend auf, und mit grausam eisigen Hohn antwortete sie:

Was du wünschest, wird nun und nimmer geschehen, mein Kind. Bellinger bleibt Wenn hier jemand ein Elender, ein Schurke ist, so war es der Derstvrbene, dein Vater, auf den du so baust. Zum Schluß rate ich dir noch, den Dogen nicht zu straff zu spannen. Du wirst dich meinem Wunsche fügen unö noch in diesem Jahre Doktor DeillngerS Frau werden."

Fassungslos stand Drigitta Hollermann vor ihrer Mutter; dann trat plötzlich ein ängstlicher Ausdruck in ihre Augen, und sie wandte sich hilfesuchend an 2sa, die der Unterredung mit vergnügtem Interesse gelauscht hatte.

Isa," fragte fie fast tonlos,kannst du ruhig bleiben, wenn Mama unseren Vater so schmäht Warst du nicht sein Liebling?"

,Ach was. Brigitta, laß mich doch mit der ganzen Geschichte in Ruhe; er war ja nicht einmal mein Vater", antwortete diese achsel- zuckend.

Isa!" Doll Entsetzen erklang dieser Ruf auS DrigittaS Mund. Doch auch die Geheimrätin hatte einen Schreckensschrei ausgestoßen. .Dann

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

8 Aus dem Bufecker-Tal, 17. März. Infolge der jüngsten warmen Tage konnten die Dienen ihren Reinigungsflug vornehmen. Da­bei zeigte sich, daß sich die Stöcke im allge­meinen trotz der starken Kälte des Winters b c f - s e r gehalten hatten, als man annahm. Un­ter der Voraussetzung günstig-r T:a. t.erhältni se ist also Hoffnung aus eine gute Ernte vorhanden.

> Alten-Buseck, 17. März. Zum ersten Male geht man in diesem Jahre in hiesiger Ge­markung bei der Bekämpfung der Obst- baumschädlinge planmäßig vor. Der Obst- bauverein Alten-Buseck hat zu diesem Zweck mit den Obstbauvereinen einiger umliegender Gemeinden eine fahrbare Obstbaumspritze an- geschafft, wozu die Landwirtschaftskammer einen Zuschuß leistete. Unter Leitung von Daumwart H. Gruber findet feit einigen Tagen das De- fpritzen der Bäume statt, wobei man an einem Tage bis zu 200 Bäume behandeln konnte. In Anbetracht des niedrigen Preises und der gro­ßen Vorteile, den diese Behandlung bietet, wäre zu wünschen, dah alle Obstbaumbesitzer regen Gebrauch von dieser guten Einrichtung machten.

3 2111 e n ö o r f a. b. Lda., 17. März. Der jüngste Schweinemarkt war schwach befahren. Es standen nur Ferkel zum Verkauf. Diese kosteten im Durchschnitt 36 Mk. das Stück. Läuserschweine waren nicht aufgetrieben. Bei der im hiesigen Stadtwalde, Försterei II abgehaltenen fünften diesjährigen Brennholzversteigerung wurden wieder verhältnismäßig hohe Preis: er­zielt. Es kosteten: Buchenscheitholz 15 Mk., Du- chenknüppel 13 Mk., Buchenreiiholz 3 Mk., Du- chenstockhvfz 11 Mk., Eichenknüppel 9 Mk., Fich­tenknüppelholz 8 Mk., je Raummeter. Für das mit zur Versteigerung gekommene Buchenstamm­holz reichten die Erlöse nicht ganz an die Tarif­preise heran. Die Versteigerung war von vielen auswärtigen Kaufliebhabern, besonders aus Clim­bach. besucht.

st. Stockhausen, 17. März. Durch den Tod des Gemeinderechners Heinrich K n ö ß war die hie­sige Gemeinderechner st eile frei geworden. Auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei hat­ten sich neun Bewerber gemeldet. Der Gemeinderat entschied sich für keinen der Bewerber, sondern über­ließ der Gemeinde die Entscheidung. Kurz vor der Wahl traten noch fünf Bewerber zurück, so daß die Gemeinde unter den vier verbliebenen wählen konnte. Der Schwiegersohn des seitherigen Rechners, Karl B i n g m a n n, erhielt im ersten Wahlgang die meisten Stimmen. Es hätte nun eine Stichwahl stattfinden müssen, da keine absolute Stimmenmehr­heit vorhanden war. Auf diele Stichwahl verzichtete jedoch der zweite Bewerber, so daß Bingmann wohl bald die Geschäfte des Gemeinderechners überneh men wird.

KrerS Friedberg.

5 Rieder-Weisel, 17. März. Unsere alte Orgel, die von der Orgelbaufirma Förster in Lich nach Angaben des Friedberger Seminar­musiklehrers Thurn um die Mitte des vorigen Jahrhunderts für etwa 1900 Gulden erbaut wurde, ist für 400 Mk. an die Firma Gebr. Link in Stengen (Württemberg) auf Abbruch ver­kauft worden. Diese Firma erstellt nun die neue Orgel, die dritte, die hier geweiht werden kann. Die erste Orgel wurde bereits 1687 von dem Licher Orgelbauer Johannes Wagner für 111 Gulden verkauft. Diese ^rste Orgel hatte eine lange Geschichte. Sie stand bis 1850, in welchem Jahre sie für 31 Gulden verkauft wurde.

Kreis Büdingen.

£ Ridda, 16. MKrz. Die ordentliche Ge­neralversammlung des hiesigen Pferdever­sicherungsvereins, die dieser Tage in der Traube" ftattfanö, war stark besucht. Rach den Degrüßungsworten erstattete der Direktor des

wäre, dann", hauchte Brigitta, mit ver­zweifeltem, ungläubigem Blick auf die Mutter.

»Gott ja, so etwas kommt, wie du siehst, in Öen besten Familien vor", entgegnete Isa Holler- mann gleichmütig.Weshalb nimmst du auch alles gleich so tragisch? Schließlich hätte ich doch viel eher ein Recht, mich darüber aufzu- regeru Du kannst aus meinem Gleichmut ersehen, daß es mir im Grunde genommen höchst gleich­gültig ist, wem ich mein Dafein verdanke."

Isa!" rief die Geheimrätin.schweig' augen­blicklich! Wie, mein Sott, wie kamst du hinter mein Geheimnis?"

Aber, Mama, beruhige dich doch! Ich hörte zufällig, wie du es Papa mitteiltest."

Du, du hast also gelauscht, du Ungeratene!" zischte Frau Evelyn, außer sich vor Zorn unö Scham zugleich.

Wenn du es so bezeichnen willst, ja. Ich ftanö zufällig an der Tür."

Brigitta hörte sich diese entsetzliche Zwiesprache der beiden Frauen nicht länger mit an. Sie wußte plötzlich mit vernichtender Klarheit, daß sie in dieser Stunde Mutter und Schwester für immer verloren hatte, unö daß sie mit ihnen nichts mehr gemein haben konnte.

Von Abscheu getrieben, verließ sie das Zimmer. Ihr Bleiben hier war nicht mehr möglich; sie mußte um jeden Preis das Haus noch heute verlassen.

Gerade, als sie die große Vordiele zum Speise­zimmer überquerte, erschien Doktor Bellinger an der Eingangstür.

Zögernd blieb sie stehen, denn sie mußte, um in ihr Zimmer zu gelangen, an ihm vorüber.

Bellinger aber vertrat ihr Öen Weg, unö sagte:

Liebste Brigllta, was für eine freudige Heber- raschung. Ich gratuliere xur Genesung." Damit machte er Miene, sie an sich zu ziehen.

Geben Ste augenblicklich die Tür frei! herrschte ihn Brigitta Holle.mann an.

Hallo, mein Schatz, noch immer widerspen­stig!" rief Bellinger, hochrot in plötzlicher Wut­aufwallung.

Da trat Brigllta hart vor ihn hin, und in ihren Augen leuchtete Verachtung, vermischt mit grenzenlosem Abscheu und Ekel, als sie ausrief:

Ihr Spiel ist aus, mein Herr! Wenn Sie sich bisher auch Ihrer Sache sehr sicher fühlten. Sie sind ein Schurke, ein Erpresser, unö ich sehe in Ihnen Öen Mörder meines Vaters, denn nur Sie allein haben den Aermsten in den Tod getrieben! Wagen Sie keine Einwände! Mein Vater hat sich mir in jener Hnglücksnacht anvertraut. Einer Anzeige wäre mein Vater ruhig entgegengetreten, aber Ihren abscheulichen, hinterlistigen, abge­karteten Machenschaften war der Aermste nicht gewachsen. Kommen Sie mir nicht wieder zu nahe, denn ich verachte Sie aus tiefster Seele."

(Fortlegung folgt.)

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