sichen und deutschnationalen Anträge wird das Kapitel bei Sümmenthaltung der Sozialdemokraten angenommen.
Kapitel 7 (Landestheater) wird gegen Bauernbund, Deutschnationale. Volksrechtpartei, Kommunisten und vier Zentrumsstimmen genehmigt.
Kapitel 8 (Zuschüsse), 10 (Landessteuern), 15 (Auheg chatt), 18 (Landtag), 33 (Polizei) und 34 (Arbeitshaus Dieburg), sowie die Kapitel des Staatspräsidenten und der Landesstatistik werden in der Ausschußfassung unter Ablehnung aller kommunistischen Anträge genehmigt, ebenso die Kapitel 39 (ärztlicher Dienst) und 40 (tierärztlicher Dienst).
Bei Kapitel 41 (Hebammenlehr anstalt in Mainz) verlangen die Kommunisten Kommunalisierung und dosiere Ausbildung der Hebammen. Abg. Donath (Dem.) lehnt die Kommunalisierung des Hebammenwesens ab, verlangt aber längere Ausbildungszeit durch obligatorische Rcchkurse. Innenminister L e u s ch n e r erklärt, daß er die beschleunigte Vorlage des modernen Hebammengesehes angeordnet habe. Der Entwurf werde demnächst dem Hebammenverband und dem Städtetag zur Stellungnahme zugehen. Ein Beschluß der Regierung gestehe den beamteten Aerzten eine Privatpraxis nur bis zu einem Einlommensbetrage von 1500 Mk. jährlich zu. Die Krankenkassen ließen ab 1. Januar 1929 nur noch nichtbeamtete Aerzte Praxis ausüben. Unter Ablehnung aller kommunistischen Anträge wird das Kapitel gebilligt.
Bei Kapitel 42 (Landesheil- und Pflegeanstalt) bedauert Abg. Donath (Dem.) das langsame „Aussterben" der Assistenzärzte an den Irrenanstalten und die heutigen Delo^- dungsverhältnisse des Pflegepersonals. Abg. Reuter (Soz.) und Haury (D. Vp.) bringen Wünsche vor. die Beschäftigung von Kranken über das Maß der Arbeitstherapie hinaus zu untersagen. Minister Leuschner stellt fest, daß die Arbeitstherapie viel Geld koste und keinesfalls zur kapitalistischen Ausnutzung von Anstaltsinsassen gebraucht würde. Das Kapitel wird angenommen; ebenso Kapitel 44 (Tolksgesund- heitspflege). Kapitel 45 (Jugendfürsorge), Kapitel 49 (Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke) und die restlichen Baukapiiel des Innenministeriums.
Trohki hofft immer noch.
Noch kein endgültiger Beschluß über die Einreiseverweigerung.
London, 16. März. (WTB.) Trohki erklärte in einer Unterredung mit einem Berichterstatter des „Daily Telegraph" in Konstantinopel u.a., er habe bisher noch keine Antwort auf sein Schreiben, in dem er um Aufenthaltserlaubnis in Deutschland nachsuchte, erhalten. Aber er hoffe, daß er sie schließlich doch erhalte. Deutschland sei dos einzige Land, wo er zu wohnen wünsche. Er wolle jedoch einmal sehr gern das Britische Museum besuchen. Er frage sich, ob er von der britischen Regierung die Erlaubnis dazu erhalten werde. Es sei unbedingt notwendig für England, die diplomatischen und Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland wieder auf« zunehmen. Beide Länder müßten bis zu einem gewissen Maße das Dergangene auslöschen. Der Tag werde kommen, an dem Großbritannien an die Tür Rußlands werde klopfen müssen. Es stche in der großen Gefahr, von Amerika verdrängt zu werden. Trotzki betonte schließlich, er wolle nichts mehr mit der aktiven Politik zu tun haben und sich künftig ganz schriftstellerischer Arbeit widmen.
Das Reichskabinett ist sich bisher über die Einreiseerlaubnis für Trotzki noch nicht schlüssig geworden, weil offenbar die bürgerlichen Minister Bedenken haben, und fürchten, daß Trotzki revolutionäre Propaganda machen wird, auch wenn er sich vorher feierlich verpflichten sollte, sich von jeder politischen Betätigung fernzuhalten. Aber die Sozialdemokraten, Die plötzlich Herrn Trotzki in ihr Herz geschlossen haben, lassen nicht locker. Herr L o e b e hat sich schon einmal für ihn eingesetzt, ihm ist dann der Abg. Rosenfeld gefolgt, der den Briefträger zwischen Trotzki und der Reichsregierung gespielt hat, jetzt hat sogar noch der preußische Innenminister G r z e s i n s k i zum Ausdruck gebracht, daß er gegen eine Einreise des Verbannten nichts einzuwenden habe. Unsere Sozialdemokraten haben offeirbor vergessen, daß noch vor gar nicht allzu langer Zeit eine kommunistische Revolution die andere ablöste, daß hinter allen diesen Umsturzversuchen Rußland steckte und daß in einer kommunistischen Räterepublik sie die e r st e n gewesen wären, die man an die Wand gestellt hätte. Sie haben aber aus der Vergangenheit nichts gelernt; sie dürfen sich also nicht wundern, wenn Trotzki bei der ersten sich bietenden Gelegenheit das Asylrecht verletzt und gemeinschaftlich mit unseren Kommunisten eine neue staatszerstörende bolschewistische Propaganda in die Wege leitet.
Die Kämpfe um Torreon.
Mexiko, 17. März. (WB.-Funtfpruch.) Der Fall der Stadt Torreon, vor der die Armee Ealles in der Stärke von 3333 Mann steht, wird in militärischen Kreisen in den nächsten 24 Stunden erwartet. Die Aufständischen in Torreon sollen über 5030 Mann verfügen. Aufständische, die aus Durango flohen, haben sich, da sie Torreon nicht erreichen konnten, in der Richtung nach Parral gewandt. Don feiten der Dun- destruppen wurde gestern ein Flugzeugangriff auf Torreon unternommen, wobei ein französischer Staatsangehöriger verwundet und ein Einwohner der Stadt getötet wurde. Amtlich wurde ferner bekanntgegeüen, Flieger der Bundestruppen hätten erkundet, daß General Escobar, der Befehls;aber der Aufständischen in Torreon, begonnen habe, die Stadt zu räumen. Die Kavallerie der Regierungstruppen hat die Ortschaft San Pedro besetzt, von wo aus Torreon in 40 Minuten Automovilfahrt erreicht werden kann. — Präsident Portes G t l hat angeordnet, daß alle Rebellen unter dem Rang eine» Oberstleutnants, die zu den Streitkräften des Rebellenführers Aguirre gehörten und bei den Kämpfen im Staate Veracruz gefangen genommen wurden, freigelassen werden feiten. Die Anordnung erfolgte, da die gefangenen Truppen erklärten, sie hätten nichts von der Aufstandsbewegung gewußt und sich den Re- gierungStruppen bei der ersten Gelegenheit ergeben.
Landwirtschaft und Staat.
Rede des Reichslandbundpräsidenien Schiele.
Eine programmatische
Schneidemühl, 16.März. (TU.) Auf dem Landbundtag der Grenzmark Posen-Westpreuhen ergriff Reichsernährungsminister a. D. Dr. h. c. Schiele, der Präsident des Reichslandbundes, das Wort zu einer längeren Rede, in der er bedeutsame Ausführungen über die Ziele des Reichslandbundes machte. Der Minister führte u. a. etwa folgendes aus: Es ist eine g e führ- liche Stimmung unterwegs. Die Dinge sind In das Stadium der Verzweiflung eingetreten; man hat das Gefühl, einem Staat gegenüberzustehen, dem wir gern zu dienen bereit sind, von dem man nicht verstanden wird. Ich möchte noch eimnal betonen, daß der deutsche Landwirt als der geborene Staatsbürger gar kein Interesse an irgendwelchen Uebertretungen der Ordnung hat. Aber wir haben seit vielen Jahren eine Entwicklung durchgemacht, aus der heraus sich jetzt dieser Haß entwickelt.
Zwei Grundtatsachen sind eS, an denen wir nicht vorbeikönnen, zwei Grundtatsachen, die mit der Entwicklung im Osten zusammenhängen. Die erste, daß wir über ein Heer von Arbeitslosen verfügen, das in seinem Ausmaß eine ungeheure Last für das deutsche Vaterland bedeutet. Wenn man an die Belastungen denkt, die der Reichsfinanzminister darlegle, stehen wir vor der Frage: Sind wir auf dem rechten Wege? Solange in der Landwirtschaft heute eine Belastung von 25 Prozent besteht, solange daneben noch die Rotwendigkeit besteht, fremdländische Arbeitskräfte über die deutsche Grenze zu holen (weil wir in der Landwirtschaft trotz der Lohne, die wir zahlen, gezwungen sind, diese Kräfte zu nehmen, weil wir keine anderen bekommen), solange stimmt etwas nicht in der Devölkerungseinteilung Deutschlands. Dabei gehen wir kaputt. Die Arbeitslosigkeit darf nicht geradezu gezüchtet werden.
Die Tatsache, daß wir heute eine Einfuhr an Lebensmitteln in Höhe von drei bis vier Milliarden Mark haben, ist ungeheuerlich. Es ist falsch, einfach von einem Kassendefizit des Haushalts zu sprechen, als wenn das eine vorübergehende Erscheinung wäre. Unser Wirtschaftsleben ist eben nicht imstande, d i e Steuern aufzubringen. Es kommt darauf an, zu entlasten und nicht zu belasten. Es kommt darauf an, uns Preise zu geben, aus denen heraus sich wirtschaftlich Positives ergibt.
„Die Zeit der Streitigkeiten innerhalb der einzelnen Verbände muß einem Burgfrieden Platz machen, der uns zu einem entscheidenden Schlage ausholen läßt. Deutschland muß die Agrarschlacht im Reichstage mit einheitlicher Front aus« fechl.n. Wir verlangen, daß der Weg gegangen wird, der uns aus dem Elend und der Verschuldung herausführt. Wir brauchen die Reichs- bauernfront! In Kürze werden wir der Reichsregierung ein Programm überreichen, in bem sehr stark betont wird, daß keine Zeit mehr für die Verwirklichung der Forderungen hinaehen darf." Der Minister kritisierte dann das langsame Tempo der Umschuldungsaktion, verglich die gegenwärtigen Schuldoerhältnisie mit denen früherer Zeiten und setzte sich sodann für eine Umwandlung der Wechsel« schuld in eine Hypothekarschuld ein, da dann die
ungeheure Zinslast herabgedrückt werden könne und die Wechselreiterei aufhöre. Der Schwerpunkt liege darin, die Preise zu ändern. „Wir sind uns darüber klar," so fuhr er fort, „daß bei der gegenwärtigen Regierung nur ein Bruchteil des Programms, das ich Ihnen in großen Zügen hier entwickele. Der» wirklicht werden wird. Um so stärker setzen wir die Initiative ein bei den dazu berufenen Parteien des Reichstags. Nationalwirtschaftliche Politik muß das Ziel der Zukunft fein. Es geht nicht an, daß man bei dem polnischen Handelsvertrag nur das privatgeschäftliche Moment im Auge hat. Kein Solnifcher, fein östlicher Handelsvertrag darf auf .'m Rücken der Landwirtschaft geschlossen werden.
Diese Frage ist für den Osten eine Lebensfrage. Die Drosselung der ü b e r f l ü s s i g e n E i n- fuhr muß gesichert werden. Eine solche Politik kann nur getrieben werden durch die Reichsbauernfront. Darum: Hinein in die Regierung mit aller Macht, hinein In das Parlament! Es gibt nur diesen einen Weg. Der andere Weg ist unzugänglich, ich warne vor ihm. — Seit einiger Zeit wird wieder einmal viel von neuenParteigründungen gesprochen. Das ist ein Beweis für die Unklarheit und Hilflosigkeit unserer politischen Verhältnisie. Ich wiederhole deshalb auch hier meine frühere Aeußerung: Es ist jetzt nicht mehr Zeit, neue Parteien zu gründen."
Bedenkliche Symptome.
Berlin. 18. März. (Priv.-Tel.) Sechs Bauern, die kürzlich in Osterohrstadt (Holstein) einem Vollzugsbeamten tätlichen Widerstand entgegensetzten, als er eine Pfändung vornehmen wollte, wurden vom Husumer Schöffengericht zu Geldstrafen verurteilt. Das Gericht hoo hervor, daß es nur deshalb von schweren Freiheitsstrafen abgesehen habe, weil die Rot in manchen landwirtschaftlichen Gebieten zweifellos groß sei, und alle Angeklagten bisher nicht vorbestraft gewesen seien. Die Staatsautorität müsse jedoch gegen alle Aktionen möglichst geschützt werden. — Auf Anordnung des Unter» suchungsrichters beim Landgericht Oldenburg wurden drei Hofbesitzer in Sewelten und We- steremsteck in Untersuchungshaft genommen. Ein Hofbesitzer ©ermann hatte sich an das Ministerium in Oldenburg gewandt und um Stundung der Staats st euer nachgesucht. Die Stundung wurde abgelehnt und das Beitreibungsverfahren durchgeführt. In dessen Verfolg wurde dem Hofbesitzer ein Eber gepfändet. Bei dem angesetzten Verkauf ging das gepfändete Tier in den Besitz eines anderen Hofbesitzers im Rachbarort über. Freitag abend wurden dort die Brandglocken geläutet, und es kamen etwa fünfzig Personen zusammen, die zum Hause des Hofbesitzers zogen, den Eber dem neuen Besitzer fortnahmen und dem alten Besitzer wiederb .achten. Der Oberstaats nwalt von Oldenburg hat an Ort und S elle eine Untersuchung durchgeführt und etwa acht bis zehn Personen als Teilnehmer festgestellt. Die Voruntersuchung gegen die drei Verhafteten geht auf Landfriedensbruch.
Oie Dominions
und der britische Steatsrai.
London, 18. März. (WTB. Funkspruch.) „Daily Ehronicle" berichtet: Die Zusammensetzung des Staatsrates, ber für die Zeit der Erkrankung des Königs eingesetzt worden ist, ist vom Irischen Freistaat angefochten worden. Das Kabinett Eosgrave machte geltend, daß der Rat entweder aus Mitgliedern der königlichen Familie allein bestehen müßte oder aber daß er Vertreter des britischen Reiches und nicht nur eines Bestandteiles des Reiches (nämlich Großbritanniens) enthalten müßte. Diese Frage sowie die Frage der Regentschaft wird wahrscheinlich auf der nächsten Retchskonferenz aufgeworfen werden. Der Staatsrat fetzt sich jetzt bekanntlich aus der Königin, dem Prinzen von Wales, dem Premierminister, dem Lord-Großkanzler und dem Erzbischof von Canterbury zusammen. — Prinz Georg von England, der jüngste Sohn des Königs, wird xeitroeifig in die Westabteilung des Foreign Office eintrcten, um angesichts seiner wahrscheinlichen baldigen Verwendung in einem Flottengeschwader imStillenOzean, wo er hauptsächlich in Fühlung mit den Völkern des amerikanischen Kontinents kommen wird, die damit zusammenhängenden Fragen von der diplomatischen Seite kennenzulernen.
Aus aller Wett.
Neberschwemrnungs-Katastrophe in den Bereinigten Staaten.
In Georgia, Florida und Alabama wächst sich das Hochwasser zu einer immer größeren Katastrophe aus. Mehrere hundert Quadratmeilen Landes sind völlig überschwemmt. Mehr als 20 030 Menschen schweben in Gefahr. Die Zahl der Opfer, die in Elba durch das Hochwasser des Flusses Pea ums Geben kamen, beläuft sich bereits auf 150. Die Rettung der Bewohner aus den Orten im Überschwemmungsgebiet ist vielfach nur durch Boote möglich. Auch dabei haben sich noch zahlreiche Unglückssälle durch das Kentern der überlasteten oder unvorsichtig geführten Boote ereignet Dazu kommen vielfache Entgleisungen von Zügen auf den unterwaschenen Bahndämmen. Die Hoffnung auf eine baldige Abnahme des Hochwasiers sind durch die Wolkenbrüche der letzten Tage vernichtet. Rach allen Berichten ist vielmehr ein weiteres Anschwellen des Hochwassers, das in sonst trockenem Gebiet stellenweise sieben Meter hoch steht, zu befürchten.
Rach neueren Meldungen sind entgegen früheren Schätzungen bisher 13 Todesfälle im Hochwassergebiet in Alabama und den an* grenzenden Staaten festgestellt worden. DaS Rettungswerk schreitet rasch vorwärts. Etwa 20 000 Personen mußten bisher in den verschiedenen überfluteten Ortschaften die Häuser räumen. Etwa 100 Kinder sind in Elba in einem Schulhause isoliert. 3n dem tiefliegenden Geschästsviertel der südlich von Elba gelegenen
Stadt Geneva wurde ein Wasserstand von etwa sieben Meter festgestellt, der seine Ursache darin hat, daß der Choctawhatchee-Fluß über die Ufer getreten ist. Rach den letzten Meldungen sind 3500 Einwohner von Geneva in Sicherheit gebracht worden.
Aus Madison Park (Alabama) wird gemeldet. daß der Alabamafluß das Land in sechs Meilen Breite überflutet hat. Die Flußtiefe beträgt 18 Meter, das sind über sechs Meter mehr als sie bei Flut beträgt. Flugzeuge überfliegen die überschwemmten Gebiete und
werfen Lebensrnittel und M e b i tarn e n t e auf öie Dächer der Häuser ab. Das Rote Kreuz trifft weitgehende Vorkehrungen zur Verhütung von Krankheiten in den Flüchtlingslagern. Aus einem Flüchtlingslager nördlich von Elba wird bereits der Ausbruch einer Masernepidemie unter den Kindern gemeldet. Dringende Forderungen nach Typhusserum sind aus Garland eingetroffen. Der Wohlfahrtsbeamte des Staates Alabama hat eine angemessene Menge abgesandt. Die Ttegicrung beabsichtigt, an die gesamte Ration einen Appell des Roten Kreuzes zu veröffentlichen, um Fonds zur Unterstützung des 15 000 obdachlosen Personen zu sammeln.
Reichskonseren;
des Allgemeinen Lijenbahnerverbandes.
Der dem parteipolitisch neutralen Gewerk- schaftsring angeschlossene Allgemeine Eisenbahnerverband veranstaltete eine aus allen Heilen des Reiches von mehr als 600 Delegierten besuchte Reichskonferenz. Rach eingehender Aussprache wurde einmütig eine Entschließung angenommen, in der darauf verwiesen wird, daß die Eisenbahner zunächst beim Ablauf der Sperrfrist ihres Lohntarifes diesen zunächst nicht gekündigt hätten, um der unverständlichen Preispolitik anderer Wirtschaftskreise einen Riegel vorzuschieben, daß sie jedoch geradezu gezwungen worden seien, eine allgemeine und einheitliche Erhöhung ihrerGrund- löhne zu fordern. In der Entschließung wird ferner zum Ausdruck gebracht, daß die steuerliche und sonstige Bevorzugung anderer Verkehrsmittel in einem unerklärlichen Gegensatz äu der Deparationsbelastung der Reichsbahn und Den daraus sich ergebenden wirtschaftlichen und sozialen Schädigungen deS Aeichsbahnpersonals stehe.
2Ui! dem Motorrad gegen die Straßenbahn.
Ein 20 Jahre alter Motorradfahrer aus Essen versuchte in Essen-Bredeney verbotswidrig einen Straßenbahnwagen zu überholen. Er roste dabei gegen einenentgegenkommen- den Straßenbahnwagen und wurde dabei so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf st a r b. Eine 18jährige Mitfahrerin erlag g l e i ch f all s aus dem Transport zum Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.
Mit dem Auto in das Schaufenster.
Ein schweres 'Autounglück ereignete sich am Sonntagabend in ndqjfter Rahe Oer Kottouser Drücke am Warenhaus von Hermann Ttetz tn Berlin. Eine Kraftdroschke, deren Führer anscheinend die Gewalt übet den Wagen verloren hatte, »aste tu voller Fahrt r Bürger*
steig. Mehrere Personen, die vor dem letzten der hellerleuchteten Schaufenster des Kaufhauses standen, wurden zu Boden gerissen. Der Wagen durchbrach die Glasscheibe und kam erst an der Hinterwand der Auslage zum Stlllstand. Eine Frau wurde schwer verletzt und muhte ins Krankenhaus gebracht werden. Ihre Tochter und zwei weitere Personen, bar« unter der Wotorradrennfahrer Fritz BeherSdorff, trugen leichtere Verletzungen davon. Der Chauffeur der Kraftdroschke kam ohne erhebliche Der- letzpngen davon.
(Ein japanisches Schwert für Hindenburg.
Marquis Okuma, Sohn oes verstorbenen japanischen Staatsmannes und Präsident der Zeitung .Hochi", hat dem Reichspräsidenten v. Hindenburg durch Dr. Jkeda, einem Mitglied der genannten Zeitung, ein kostbares, alt» japanisches Schwert überreichen lassen.
Schandung der Schlageter-Gedenkslatte.
In der Nacht zum Samstag wurde die Schlageter- Gedenkstätte auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf von unbekannten Tätern vollkommen zerstört. Das Holzbrett mit der Inschrift: „An dieser Stelle wurde am 26. Mai 1923 Albert Leo Schlageter von Franzosen erschossen", wurde durchgesagt, die an der Gedenkstätte gepflanzte Eiche wurde umgebrochen.
Die russischen Dokumentensälscher in Berlin.
In dem Ermittelungsversahren gegen die russischen Dokumentenfälscher, das die Abteilung 1 A der Berliner Polizei zur Zeit durchführt, sind weitere acht Angehörige der russischen Emigrantenkreise in Berlin fest - genommen worden, darunter der ehemalige russische StaatSrat v. G u m a n s k i und der Mitinhaber des russischen Jermak-Derlages Arthur Bay sowie ein ehemaliger russischer Oberstleutnant. 3n den Räumen des Jermak-Verlages wurde bei einer Haussuchung umfangreiches Material gefunden, das noch einer eingehenden Sichtung bedarf. Der Jermak-Derlag, der eine anti- bolschewistische Korrespondenz her- ausgibt, hatte gerade die Herausgabe einer anti- bolschewistischen Zeitung begonnen, als die Polizei die Haussuchung durchführte. DaS Borge* fundene Material scheint auf eine sehr rege Tätigkeit der Rachrichtenstelle schließen zu lassen. Material, das auf die Vornahme von Fälschungen be m CermaI-Q3e;I g h nvxis.n könnte, wurde bisher nicht gefunden.
Wie Kalifornien seine Reichtümer schützt.
Kalifornien, das Land des ungeheuren Relchstums an Früchten aller Art, ist auf eine recht eigenartige Weise dazu übergegangen, seine großen Plantagen vor dem gewaltigen Auftreten von Schädlingen, die jährlich für viele Millionen Dollar Schaden an- richten, zu schützen. Vor allem soielt die Bekamp- sungderBlutlaus eine sehr beträchlliche Rolle. Dazu hat man nun inmitten der verseuchten Gebiete große M a r i e n k äse r f a r m e n angelegt, auf denen täglich 50 000 Marienkäfer, das sind im Jahr 18 Millionen gezüchtet worden. Die Vermehrung der Marienkäfer ist so gewaltig gewesen, daß es tatsächlich gelungen ist, mit ihrer Hilfe die Blutläuse radikal zu vertilgen. Auch in Deutschland spielt die Zucht von Marienkäfern eine gewisse Rolle, jedoch werden hier nicht, wie in Kalifornien, regelmäßige Marienkäferfarmen unterhalten. Die Forstbehörden begnügen sich vielmehr damit, in Jahren mit besonders häufigem Auftreten von Blattläusen Farmen von geringem Umfang von Fall zu Fall einzu- richten.
Die Wetterlage.
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Wettervoraussage
Der hohe Luftdruck gab der Wetterlage keine Sten- derung. Ein- und Ausstrahlung bestimmten weiter- hin die Temperaturen. Sie nahmen tagsüber weiter zu und erreichten in den gestrigen Mittagsstunden 14 Grad und darüber. Dagegen führte die ungehinderte nächtliche Ausstrahlung wieder einen Tempera- turrückgang bis zu — 3 und 4 Grad herbei. Wenn auch teilweise im nördlichen Deutschland mildere Luftmassen vorgedrungen sind, die dort zu Nebel- bildung und Bewölkung sowie nächtlichem Temperaturanstieg geführt haben, so wird doch die Hochdruck- wetterlage noch anhallen. Jedoch ist leichte Bewölkung oder Nebelbildung auch bei uns nicht ausgeschlossen.
Wettervoraussage für Dienstag: Stellenweise neblig-wolkig, tagsüber meift heiteres und trockenes Wetter mit langsam weiter ansteigenden Temperaturen, nachts noch leichter Frost.
Wettervoraussage für Mittwoch: Neblig-wolkig mit Aufheiterung, trocken, Temperaturen wenig verändert.
Lufttemperaturen am 17. Marz: mittags 13,2 Grad Celsius, abends 1,5 Grad: am 18. März: morgens — 31 Grad Morimum 13,5 Grad, Minimum — 4,3 Grad. — Erdtemperaturen tn 10 cm Ttefe am 17 März: abends 3,9 Grad; am 18. März: morgens — 0,2 Grad Celsius. —- Sonnenscheindauer 8% Stunden.
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