Seitdem hat sich daS CiS beS RheineS nie mehr gefetzt.
Man rechnete in Anbetracht der verbesserten Stromregulierung ja eigentlich gar nicht mehr damit, daß das Eis des Rheines sich sestfetzen würde. 3m De.gieich mit früheren Jahren muhte also schon eine erheblich starke Kälte kommen, um ein« so gefährliche ©Lauung zu verursachen. Denn recht bedeutend ist der Unterschied in der Dew> gung der Oberflächen des Rheines, des großen Stromes, und seinen Rebenflüssen, die wesentlich kleiner sind, deren Strömung nicht so stark, die ruhiger mit weniger bewegter Oberfläche dahinfliehen, so dah sie leichter festfrieren können. Der zur Zeit herrschende niedrige Wasserstand, ein Glück im Hinblick auf die bei späterem Tau- Wetter eintretende Hochwa sergrsahr. brachte -eine Verengung des Flußbettes. wodurch die Mögl.ch- feil einer ©Lauung natürlich größer wurde, denn die RandschoLlen, di« sich zuerst am Ufer gebildet hatten, brachen ab, trieben vn die offene Strömung. stiehen sich in dem enger und enger werdenden Flußbett und klemmten sich endlich an der engsten Stelle, an der Loreley fo fest zusammen, daß der Rhein stand. An dieser engsten Stelle, an der Loreley, sind die Ufer kaum 9) Meter voneinander entfernt, während der RheLn oberhalb Dingen, zwischen Geisenheim und Winkel annähernd 600 Meter breit ist. Erschwerend und besonders bei niedrigem Wasserstand gefahrvoll sperren in diesem vom Rohstem, Kammereck und Loreley eingeengten Tal unterhalb Oberwesel die Klippen der „Sieben Jungfrauen" den Flußlauf. Hier staute sich das Treibeis zuerst und Oberwesel sah di« ersten Fuh- gängec über das Rheineis gehen.
3nzwifchen hat sich das nachtreibende Eis Weiter auswärts.ebenfalls sestgefetzt. Don Lorch- Ha u l c n führt ein Weg hinüber nach dem Dacharacher Ufer, ein Weg. der in vielen Zickzackfuhrungcn durch kleine Stecken mit Fähnchen gezeichnet ist, etwa wie man im Hochgebirge mit Farbfleckcn den Wanderer durch das Steinmeer zu führen versucht. Unterhalb Dacharach sieht man aber vom Ufer aus noch dunkle Waficrlöchcr, an deren Rändern hundert und mehr Enten und Möven fitzen. Don Eaub zur Pfalz und weiter zum linken Ufer ist ein reger Fußgängerverkehr. Und wenige Meter weiter unterhalb sieht man wieder Wasserlöcher, die bei der anhaltenden Kälte wohl bald zu- fricrcn oder sich mit Windeis bedecken werden, dann für Waghalsige sehr gefährlich sind, wie überhaupt das Ueberschreitm des Rheines sicherlich nicht ohne Gefahr ist, es sei denn, daß man die von den Fährleuten meist an den Stellen der sonstigen Fähren angelegten Wege benutzt. Unterhalb des Blücherdcnkmals ist ein solcher Weg, und der beste und breiteste ist bei Oberwesel. Hier ist der Weg mit kleinen Fichtenbäumchen abgesteckt, in g.rader Linie hat der Fährmann einen ebenen etwa anderthalb Meter breiten Weg durch das Cis geschlagen, an den Ufern wehen Fahnen und drüben am Roßstein hat sich ein fliegender Händler installiert, der Glühwein und Grogs verschenkt. Auf dem Eise steht ein Photograph, der Dilder zur Erinnerung macht- kühn auf den Eisschollen inmitten des Stromes, im Hintergrund das malerische Rheinstädtchen Oberwe el mit seinen prächtigen Türmen und Kirchen läßt sich manche Gruppe phctographieren — den bequemen Weg sieht man ja nicht — und der Photograph hat dauernd Arbeit, kamen doch schon in den beiden Tagen, seitdem der Rhein steht, mehrere hundert Fremde, um dieses Schauspiel zu sehen.
So hat die altertümlich« ©Ladt Oberwesel plötzlich einen regen Fremdenverkehr, und man kann diese kurz« Elückszeit der emsigen Stadt wohl gönnen. Aber die Freude ist getrübt, denn die Furcht und Sorge vor dem kommenden Unheil lastet schon schwer auf dem Bürgermeister und den Einwohnern. Da sieht man. wie die vor dem Bahndamm stehenden Schuppen bereits
Das große Grauen.
Vornan von H. A. von Byern.
Urheber-Rechtsschutz d rch Verlag Oskar Meister. Werdau.
10 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Ein zweiter Fansarenstoß. di« Flügeltüren nach dem riesigen S^ei'esaal wichen geräuschlos zurück, und ich bot meiner Tischdame den Arm.
3n den breiten goldgeränderten Sektschalen perlte der prickelnde Schaumwein, ein alter Herr mit burgunderfrohem, borteauxro «in Gesicht und wehendem, weißem Schnurrbart klingelte an sein Glas.
^Wec ist das, bitte, ©täfln?“ fragte ich flüsternd.
„®raf Erdödy Ianos...“
Der Typ eines Grand-seigneurs der alten Schule, straff, sehnig wie ein Vollblutpferd. Die Schnurrbartenden hingen herab, daß es aussah, als seien zwei Polarfüchse, deren buschige Lunten herausragtcn. in der scharf gebogenen Hakennase zu Dau gefahren.
Knittelverse aus dem 6tcgreif:
„llnb ich sehe sie schon von weitem
Auf Eseln und Kamelen reiten!“
Aber die Hauptsache wat da, Stimmung! Run mußte auch ich als Braut,ühtet ein paar Worte sprechen, keine lange Rede, nur einige pro verbes, die in ein »Weidmannsheil auf allen Wegen" audLlangen.
Gräfin Sophy drückte mir die Hand, fest, hir$:
„Weidmannsheil, ja, was Lieber s hätten Sie mir nit wünschen können!"
„Und daß Sie und Vinzenz glücklich werden!" tagte ich ernst, dann klangen mit feinem, Hellem Bitbcrton unsere Römer aneinander.
„Glück... was verstehen Sie darunter?“
3ch beugte mich vor, sprach leise, hastig:
„Das Cinswifen zweier Menschen in guten und schweren Tagen, in frohen und trüben Stunden, eine Liebe, die tief ist wie das Meer und lauter wie Gold, die das Höchste und Einzige sein muß im Leben und Sterben!"
„Das... Einzige?" Cs war nur wie ein Hauch.
„3a, Gräfin, — das Einzige, was Bestano hat, wenn alles andere zusammenbricht, wenn der Alltag grau in grau erscheint und das Herz müde werden will auf dem steilen, steinigen Lebensweg. Dann zu toifien; Einer steht bei mir als mein treuer Kamerad, einet, öefien Hand ich fassen und halten kann, der mir Schutz und Schirm ist. dem ich mein Höchstes gebe, meine Liebe und Treue!"
Ganz tief neigte sich das Haupt mit der gölte schimmernden Flechtenfrone, dem spinnwcbseir.en Schleier unter dem grünenden Myrthenkranz, und
abgebrochen werden, die Landebrücke der stolzen Rheindampfer ist schon in Sicherheit gebracht, und die Bäume der Anlagen werden einen schweren Stand haben, wenn das Cis bricht und sich in Bewegung setzt!
Rur mit Grausen kann man daran danken, was da kommen wird! Wenn das TauweLler plötzlich kommen sollte, wenn sich die Schollen hochbäumen, so wie ein Bild in der Stadtchronik aus dem 3ahre 1833 zeigt, wo die Eisberge vielfach hoch übereinander geschichteter Schallen bis zum Bahndamm standen, wenn sich an der Loreley ein Eis- Wall höher und höher schiebt, das Tal gleichsam wie eine Talsperre verriegelt und aus den dahinterliegenden vier Kilometern einen Stausee machen würde, bann kämen Hochwasser und Cistreiben über die Stadt und kein Keller, fein Haus bliebe davon verschont. So sorgt man vor — und sucht dem Unheil zuvorzukommen. Die Strombauverwaltung sprengte an der Loreley bereits ein etwa 200 Meter großes Stück ab, ein Versuch, der bei einer gefahrdrohenden Stauung bann wiederholt werden fort, um so die Bildung eines hohen Ciswalles zu ocr, intern, zu verhindern, daß sich das enge Tal auf viele Kilometer hinauf in einen Stausee verwandelt und Hochwasser die Stadl Oberwesel überflutet und das gigantisch« Raturschauspiel des in Eis gebändigten Stromes nicht zu einer Katastrophe wird, deren Ausmaß man nicht auszudenken vermag. Denn bet gefesselte Riese könnte seine F:s- seln sprengen und sich für die angetane Fesselung schwer rächen. So ist bereits überall die Stromwache eingerichtet und im Falle dar Gefahr gibt es viel Arbeit und Mühe. Einstweilen aber freut man sich noch des seltenen Schauspiels, genießt den sonderbaren Anblick und wandelt auf dem Promcnatenweg ruhig plaudernd über den Rhein, hinüber und herüber, und ist sich des geradezu historischen Augenblickes bewußt, des Ereignisses, daß man über den Rhein geht!
Aus der Pwvinzialhauptstadt.
Gießen, den 18. Februar 1929.
Kälte Erinnerungen.
Aus Ranstadt (Kreis Büdingen) wird uns geschrieben: Die nunmehr über sechs Wochen anhaltende Kält« weckt die Erinnerung an ä.jn* sich« lange Frostperioden. Schon mehrmals wurde in dieser Zeitung des den älteren Leuten nur zu gut noch bekannten Winters 1879/83 gedacht, der vielen Schaden anrichtete, besonders auch an Bäumen, die noch zu sehr im Saft standen, so baß bie stärksten Buchenbäume im Walde an besonders kalten Plätzen mit bonnerähnlichem Krachen aufeinanderbarften. Der Chronist von Dauern he im bei Ranstadt berichtet darüber: „Rachdem am 19., 23. und 21. Rovember 1 bis 2 Grad Reaumur Kälte herrschte, begann bereits am 26. Rovemter bis 28. Dezember (in£L), also 4y2 Wochen lang, eine Kälte, die bis zu 18 Grad Reaumur stieg. Bis zum 10. Januar herrschte Tauwetter. Becev.s am il. 3anuar 1880 s:hte Die Kaur erneut em unv hielt vrS zum 8. Februar (infL), also volle vier Wochen, an. Der kälteste Tag war der 20. 3anuar mit 19 Grad Reaumur." Doch sei hier auch noch des Winters 1829/30 gedacht, der e.enfalls ungewöhnlich lang und hart war, über den uns der Chronist von Ranstadt erzählt: „Cs fror 80 Rächte hintereinander, so dah das Thermometer nicht eine Minute während dieser Zeit über Rull stieg. Der Schnee lag 2 Fuß tief. Die Mühlen, die kein Quetltocf er hatten, standen aber in dieser Zeit stille, und di.se mußten täglich geeist werden. Einige Wochen hatte man nur geschroten Brot, viele hatten gar keins und lebten von Kartoffeln. Aus der Wetterau ließen viele, namentlich die Bäcker, in dem Dörfchen Merkensritz im Vogelsberg bei Gedern mahlen. Das Holz war teuer, zu Frankfurt galt der Stecken (ein klein wenig
wieder fühlte ich einen Händedruck, leidenschaftlich. heiß...
Ein schwirrender Ton flog auf, das Lachen und Gläserklingen verstummte... Zwei Lakaien zogen an vergoldeten Schnüren einen weinroten Vorhang zurück, der den Saal nach einem zweiten, kleinen Raum hin abschloß. Auf einem erhöhten Podium saß eine Zigeunerkapelle, braune, sehnige Gesellen, hochaufgerichtet stand der Primas, die Geige am Kinn, und nun sang und schluchzte es, dazwischen raste das Cimbal, eine wilde, alle Sinne und Rerven aufpeitschende Weise — Tschardasch.
Wie die Augen der Frauen blitzten, die Stirnen der Herren glühten! Das war nicht der Wein allein, war ein Erbteil, bas im Blute lag — Pußtaluft!
Mit einer schrillen Dissonanz brach das Spiel ab. langsam stieg der Primas herab, ging hoch- ausgerichtit, den scharf geschnittenen Kopf leicht zurückgeworsen, auf meine Tischdame zu und beugte das Knie.
Ein paar ungarische Worte, die ich nicht verstand. dann wandte sich das junge Mädchen lächelnd zu mir:
„Kennen Sie die Sitte des 3ns-Ohr-Geigens? Es ist die zarteste Huldigung, die ein Ungar einer Dame erweisen kann..
So still war es geworden, bah man bas leiseste Knistern der Fkammenke.zen in den hohen, sechs- armigen, aus Si'ber getriebenen Armleuchtern hören konnte. Und nun klang ein Ton auf, süß, sehnsüchtig, werbend... die „Daccarole" aus „Hoffmanns Erzählungen".
„Schöne Rächt, du Liebesnacht, Komm', stille das Verlangen! Süßer als der Tag uns lacht Tie holde Li:besnacht!
Es entflieht die Zeit mit Macht Der zarten Liebe Dangen, Ferne dieses Ortes Pracht Entflieht die Zeit mit Macht. Zephyre lind und sacht. Die uns kosend um angen, Zephyre lind und facht.
Haben uns Küfse gebracht!"
3ch fühlte einen Schauer der Erregung, heißer, schneller rann baS pul ende Dlut durch die Adem. Aber da tönte auch schon Händellat chen: „Cljen! Eljen!" 3d) blickte auf: die Türen standen weit offen, ein Dutzend Durschen und Mädels in grün- rotweißen Kostümen schritten paarweise in den Saal, und nun raste Droben aus dem Podium wieder ein Tschardasch los. knallten die Sekt- pfropfen. - Der Vinzenz trank mir zu, nach allen ©eiten hin mußte ich Bescheid tun.
Gras Pernegg hob sein Glas:
„Baron, wenn's 3hna recht is. mach' ma halt Bruderschaft!" Und Der Poldi Pürkstcin tat's ihm nach. Die jungen Damen wiegten sich in
mehr als V/i Meter) 12 bis 13. ja 18 Dulden, hier 9. (Das sind knapp die heutigen Preise, nur mit dem Unterschiede, bah bas Geld damals einen vielleicht dreifachen Wert hatte. D. D.) Weil infolge bes langen Frostes bar Main und alle Flüsse zugefroren waren, fo baß nach Frankfurt Den Main herao fein Holz aus Bayern zuslos.en war. so wurde von Lande her, auch aus ur.farer Gegend viel Holz nach Frankfurt gebracht. So fuhren di« Reinstädter Dauern mit ihren Karren etwa 500 ©Leden dorthin. Die schwersten Frachten gingen über ban Main und große Fässer wurden von Den Küfern über Dem Feuer Darauf gebunden. Bei dieser großen lang- andauernden Kälte blieben aber Me. schon und Vieh, nur die Schafe ausgenommen, bi* fast alle zugrunde gingen, recht gefrnb.“ — Die jetzige Kälte bringt stark in bie Gebäude ein, überall in unseren Dörfern entstehen Waffe.'laitungsrvhr- drüche. Heule wurde der ganze Keller eines hiesigen Hauses in Wasser gesetzt, so daß bi? Hauptleitung abgestellt werden und bie Bewohner Ranstadts wieder, wie ehemals, an Den paar Brunnen, die f:it Anlegung Der Wasserleitung übriggeblieben, ihr Was er i * Eimern holen mußten. Selbst in Felsenkeller "ß.'ingt bie Kälte ein und sind schon Kartoffeln und Dickwur^eln erfroren. Die Schäden für bie Landwirtschaft (<f en sich erst im Frühjahr und Sommer recht ersetzen.
Weiter liegt uns noch folgend« Zuschrift vor: Der Winter 1740/41 war sehr hart und streng, besonders der 9., 10., 11. 3anuar waren am strengsten. Dielen Leuten sind Hände, Fühe, Rasen und Zehen erfroren, namentlich Soldaten, die Schildwache standen. Vieles Vieh ist erfroren, in Bleichenbach allein 40 Schafe in einer Rächt. Heber die Kälte berichtet eine Zeitungsnotiz aus Mainz vom 22. Februar 1741 wörtlich: „Der Rhein ist so fest und tief zugefroren, daß bei Mainz verschieden« junge Leute, mit Bändern artig geziert, einen Tanz hielten. Mitten auf dem R'reine waren Weiber mit Obst, Däckertische mit Brot und Wecken im Ueberflusse anzutrefsen. Di« Dendermeister in Mainz schlugen am 19. Februar ein großes Faß auf, so ihrer Aussage nach 6 Fuder halten soll, wobei die Meistersöhne mit roten und weihen Dändern auf den Hüten geziert waren. Tie Küfer schlugen zum Ende Hütten und Zelte auf, um darinnen bie Festteilnehmer mit rotem und weißem Wein zu accomobieren. Am 20. Februar wurde noch eine lange Kegelbahn und verschiedene Spieltische aufgerichtet. Mit Kutschen und Wagen wurde auf dem Rheine spazieren gefahren. Zu Frankfurt und Hanau haben bie Denbermeister auf bem Maine auch Weinfässer aufgeschlagen. Dieser Winter hat sehr frühe angefangen und sehr lange gedauert, nämlich von Ortenberger Markt (1. Rovember) bis nach Ostern. Es entstand darum im Frühjahre auch großer Mangel an Dahrungsmitteln für Menschen und Vieh. Der Zentner Heu hat gekostet 1 Gulden 20 Albus und das Fuder Roggenstroh 6 Gulden.“
So wirkt ein Inserat!
Immer wieder bietet der Alltag Beweise Dafür, wie wirkungsvoll das Inserat ist.! Zwei Beispiel« aus Der jüngsten Zeit mögen es belegen, wie selbst die sogenannte Heine Anzeige oft ungeahnte Wirkungen auslöst. In beiden Fällen sind es — — Heiratsanzeigen, bie als Mittel zum Zweck bienten. Oder meinen Sie, dah das Konzert der nicht gerade bekannten Wiener Dirigentin in der Berliner Philharmonie von so vielen jungen Leuten ausgerechnet auf Den teuersten Plätzen des Saales besucht worden wäre, wenn nicht — eine kleine Heiratsanzeige sie dazu veranlaßt hätte? — Ein ähnlicher Fall von geschickter Ausnutzung Der kleinen Heiratsanzeige, durch einen Mann, Der den Erfolg des Inserates kannte, wird aus England berichtet. A.s der jüngste Spröhling des Herrn
Den Hüften, ungeduldig stampften die kleinen Füßchen, das spiegelnde Parkett — Tschardasch — Tschardasch!
Ein Rücken von Stählen, Händedrücken und dazwischen der Bah des Hausherrn:
„Bitt schön, bis Platz g schafft is, gehen wir derweilen durch den Park!"
„Ach ja, Mondscheinpromenade, reizend, entzückend!"
Die Diener eilten herzu, brachten Pelze, Schals, Tücher, Ueberschuhe. Auf den Wegen war der Schnee weggeschaufelt, in tiefer, tiefer Stille, umschlossen von blauf.lbcrn flutendem Licht, lag bie weite Ebene. Und nun ein allgemeines „Ah!" atemloses Staunen. — An hundert Stellen zugleich flammte es auf: blutrote, grüne, ultramarinblaue bengalische Flammen, wie Sternschnuppen schossen Raketen in das Dunkel empor, sandten einen Sprühregen von Feuerkugeln herab, Flammenräder drehten sich, Silbergarben sprudelten gleich dem Strahl einer Fontäne.
Ich stand wie erstarrt, lonnle nur schauen. Da! Heller Iagdhocnllang — der Fürstengruß, all oie neben, vererauncyen Signale, b.e ich so oft im träum stillen Forst, auf dämmerumwobener Heide gehört hatte, und nun das „Siebenbür zische Iägerlied". — Halblaut summte Gräfin Sophy dHarancourt den Text mit:
»Ter teilte Falk ist mein Gesell, Ter Wolf mein Kampfgefpan: Der Tag geht mir mit Hundsgebell, Di« Rächt mit „Hussa" an.
Ein Tannreis schmückt statt Dlumenzier Den schweitzbefleckten Hut--
Und dennoch schlug die Liebe mir 3ns teilte Iägerblut. — —"
Sie Wangen tes jun,en Mädchens glühten, in ihren Augen stand wieder dies sellsame Leuchten. Und plötzlich wußte ich: diesen gleichen B.ick hatte ich schon einmal g<e)en — in Schloß Terosal. auf dem Bild tes Hubertus Silvester, des „teilten Jägers'.
„Sie werden sich erkälten, Gräfin!"
„Ich?" Ein helles Lachen. „Ach, Baron, so verzärtell bin ich nicht, hab manches liebe Mal eine Winternacht beim Ansitz am Luterplatz zugebracht, allein
„Donnerwetter! Verzeihung, ich wollte sagen: alle Hochachtung und natürlich. Sie haben Weidmannsheil gehabt, aus Wöll«?"
„Dein, an Wolf schieß i nit. Schauen S'. di« Grauhund' sind meine guten Freunde, sind bad einzige Raubwild, welches wirllich jagt, vom letzten Sonnenstrahl bis zum ersten HaHnen- kräh'n."
„Aber — es ist doch Raubzeug'"
„Das sind wir Menschen auch, und i mein' manchmal, wann's a ©eelenwanterung gibt, e neues Leben, bann will i lieber a Wolf fein als a Mensch.“---
Smith sich sehnllchst eine Briefmarkensammlung wünschte, ließ der £eHe Papa in einem Londoner Weltblalt eine [lerne Anzeige erscheinen, in ter eine junge hübsche und noch dazu reiche Maid einen wenn auch armen netten jungen Mann suchte. Sie Spekulation tes Vaters auf die Wirkung und den Erfolg tes Inserates war richtig. Cs liefen aus allen Teilen ter Welt an die 20 000 Briefe ein ... und bas Söhnchen hatte auf billige Art und Weise feine Briefmarkensammlung. — So soll man es zwar nicht machen, sondern das Inserat wirklich nur in den Sienffc einer ehrlichen Absicht stellen. Diese beiden kuriosen Fälle aber zeigen doch, welche Wirkung ein kleines Inserat haben kann, wenn es zur rechten Zeit in richtiger Form am rechten Ort erscheint.
Der $itm
über das 14. Oeu sche Turnfest in Rö'tt
Man schreibt uns: Set Gießener Turnerschaft ist es gelungen, ten Film, „DaS 14. Deutsche Turnfest in Köln", für Sonntag, 21. Febr, za erhalten. Vor den Augen der Besucher soll sich nun der Film vom gewaltigen Deutschen Turnfest in Köln abrollen. Er teil! versuchen, Erinnerungen an die unvergleichlich schönen Tage in denen wachzuru'en, bie mit dabei sein durften, er will aber auch all denen, bie das Fest nicht mit erleben konnten, einen Eindruck geben von all dem Schönen und Herzerheben- den, was sich in den 3uli!agen 1923 am deutschen Rheine zugetragen hat. Zwar sind es nur stumme Bilder, die da vor unseren Augen sich abrollen werten. Aber wer ein fühlendes Herz in feiner Brust hat, der wird auch bald etwas spüren von den Schwingungen jener herrsichen Festtage. Ein gewaltiges Fest ist es in Köln gewesen, nach Hunderttausenden zählten die Teilnehmer. Es ist ein Fest ter Arbeit und der Leistungen gewesen, Denn mehr als 15 000 Wett- turner, Spieler, Schwimmer und Fechter, beteiligten sich an den Wettkämpfen. Vor allem aber war es ein Fest, das in wuchtigen Bildern zeigte, was es um bie Deutsch: Turnerschaft ist. 3m gewaltigen Festzuge bekannten sich Huntert- taufenbe zu Friedrich Ludwigs) Jahn und seinem Werk, dem deutschen Turnen. In den Wettkämpfen wurde gezeigt, welche Früchte Fleiß und zähes lieben am Körper zu vollbringen vermögen. Gerate für uns Gießener ist der Film von besonderer Bedeutung. Sehen wir doch eine Anzahl Gießener auf der Leinwaick), besonders mehrere Male unseren 1. Zwölfkampf - f i e g e r Karl Reuter. Aber auch für bie Bezirke und den Gau, Deren Miiglieder nur in geringer Zahl nach Köln kommen konnten, kann es nichts Schöneres geben, als sich an bem reichen Wechsel der Bilder des FilmeS zu erbauen. Der Film ist mehr als ein lebloser Zelluloidstreifen, er ist pulsierendes, tatkräftiges, turnerisches Leben, er ist Wegbereiter der großen, unendlich wertvollen Arbeit der Deutschen Turnerschaft. Die Besichtigung des Filmes ist daher sehr zu empfehlen. Ilm jedem die Gelegenheit zum Besuche des Filmes zu geben, insbesondere auch den benachbarten Turnbrüdern, wird er an dem genannten Tage, vormittags 1 1 Uhr, im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, daS 1000 Personen faßt, laufen. Räheres in ter Anzeige vom Samstag.
•• Misfionsvortrag. Wan berichtet uns: Misiionar Simon aus ter Brüdergemeinde hielt hier am Dienstag einen Mi sionsvortrag über Die Herrnhuter Mi.fion in Labrador. Aus seinen Darlegungen ist zu erwähnen: Labrador ist ein« rings von Eismassen umgebene Insel. Kein Gold und 6 Iber gibt es hier, aber unsterbliche Seelen ter Eskimos. 3n ten neun Monat m. in denen hier strenger Winter herrscht, kann kein Schiff landen. Aeer ein Schiff kantet einmal im Jahr. Cs ist Die „Harmonie" ober wie es in der Eingeborenensprache heißt: „Humiaxo.ie". CS
Es Hang eigentlich gar nicht wiL ein Scherzwort, doch ich wollte mir die Stimmung nicht verderben lassen, und so entgegnete ich nur leichthin:
„Dis zum Sterben ist noch viel Zeit, Sie überlegen sich's wohl noch einmal, Gräfin."
Vanglam gingen wir nach dem Schlosse zurück. Die Rachtluft hatte die vorn Wein erregten Rerven etwas abgekühlt, und nun wurden Molla. Liköre, Zigarren und Zigaretten angeboren. Aber bie tanzlustige Jugend Drängte schon nach dem Saal, auf der einen Seite hakte mich ter Poldi Pemegg, auf Der anderen der Riki Pürkstein unter:
„Drah'n ma oan rum — juchhul" Ob ich wollte ober nicht, es half alles nichts, ich mußte bas Tanzbein schwingen. Und meine beiden neuen Duzfreunde brachten mich ter Reihe nach an die niedlichsten Mädels heran:
„Du, dös fan koane vermaschkerten Ungarinnen. . alles waschecht, koane unter aner Halden Million Gulden Mitgist, grab’ daß d dir oa.re auszusuchen brauchst, bann kannst in jedem Herbst zum Herrn Schwiegerpapa und schießt ihm bie testen Hirsch tot!"
Aber auch ber fitelfte Polterabend hat einmal, ein Ende. Punkt zwölf Uhr wurde Halali geblasen. Eigentlich war ich ganz fro), baß^ ter Hauptrummel nun vorüber toar; am ärmeren Vormittag um elf Uhr sollte die ^rauunj in ter Dorfkirche stattfinden, bas junge Paar wollte noch vor bem Hochzeitsdiner wegfahren, und ich hatte gebeten, ob ich zu dem Rachizuge, ter zwei ©tunten nach Mitternacht von Körögülü auS ging, einen Wagen bekommen könnte, da brauchie ich Keresz-Erdö erst ge,en sechs Uhr aaends zu verlassen, konnte noch am 16. Ro «m.er Wien erreichen und auf ter Rückreise ein paar Bekannte besuchen.
In meinem Zimmer glosteten die Kaminfeuer. Ich machte nicht erst Licht und offne c ein Fenster, um bie kühle, erfrischende Rachtluft hereinzulafsen. Deutlich zeichne.en sich die hellerleuchteten F:n- sterrahmen von ter Schneedecke ab; denn bet Mond hatte eine Zipfelmütze über die Obren gezo en und war hinter eine im Westen auf- steigend« Wollend an! gekrochen. Ich brannte mir eine Zigarette an. streifig zog der zerflatternte Rauch ins Freie. Und nun erlosch ein Lichtschein nach dem anteten. Irgendwo klappt« eine Tür, bie sich, leise quietschend, in den verrosteten Angeln dreht«. Durch ten Schnee kamen eilige, — knisternd« Schritt«, — Schritte, di« man nicht hören sollte und teren Geräusch in der Stille ter Rächt doch deutlich vernehmbar war. Unwillkürlich horche ich auf. Da! Eine dunkle, schlanke Gestatt huschte laut oS wie eine Katze an meinem Fenster vorüber, trat in den Schatten einer Tarushecke. und nun ©timmengeflüfter. einzelne rasch gesprochene Worte.
(Fortsetzung folgt)


