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18.2.1929
 
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Nr. 41 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag. (8. Februar (929

Gießener Gtadttheater.

Ter Mikado."

Der Mikado" (oder:Ein Tag in litipu"), ältere Operette von Gilbert, Musik von Sul­livan, erlebte in der stimmungsvollen Inszenie­rung von fiand Baars (a. (93 und unter der sorgfältigen Orchesterleitung von Gustav G ö r l i ch eine hübsche Neuausführung, die man ruhig durchs Abonnement laufen lasten sollte.

Die zweiaktige, burleske Operette erscheint in mo­dernem Gewände, als ein Ausstattungsstück und gewissermaßen ein Mittelding zwischen phantastisch- romantischer Oper und Tanzrevue. Bunte Drachen- und Blumenvorhänge, Kimonos, Laternen und Sänften deuten stilgerecht die fernöstlichen Schau- Plätze Nippons an, geben Rahmen, Kulisse und Hintergrund für eine Handlung, die in manchen Motiven an dasKirschblütenfest" erinnert, hier aber ganz ins Opernhafte, Unwirkliche, Groteske und Arodistische gewendet ist.

In schnellem, fliehenden Wechsel folgen vieren bewegte Silber aufeinander, mit Tan^ Gesang, Re- zitativ, mit Solo-, Gruppen- und Mastenszenen.

Im Mittelpunkt nicht nur dieser, sondern wohl jeder Aufführung, steht, dem Libretto entsprechend, seltsamerweise viel weniger die im wesentlichen repräsentative Figur des Mikado, als die groteske Erscheinung des Ro-fio, Iustifizierungs-Oberscharf- richters und beeidigten Hauptoperateurs in Tttlpu. Karl Reul, der sich nachgerade und verdienter­maßen zum Liebling auch des hiesigen Operetten- Publikums entwickelt, machte aus seiner PaUenberg- rolle mit Parodie und Frankfurter Dialekt-Impro­visationen im Februar etwas sehr Drolliges: das berühmte Bachstelzenlied (zweiter Akt, 13. Bild), sang er virtuos.

Jenö N a b o r, lyrischer Lautensanger und senti­mentaler Liebhaber, war stimmlich in großer Form, befriedigte aber weniger in den kurzen Dialogpar­tien: »in Höhepunkt seiner Darstellung war die schwärmerische EinlageIch weiß ein kleines Haus am Michigansee".

Don den drei Schwestern und Mündeln Ko-Kos gefiel besonders die anmutige Steffi Domes- Orth in der Rolle der bräutlichen Vum-Pum; ihr zur Seite Käthe Itter und Elfe Mil berg.

Fritz D i e st e l als würdiger Mikado, Nuschi Wiesner, eine drastische Katisha, und die Solo­

II papa italianissimo.

Oie Aussöhnung mit dem Königreich Italien.

Bon unserem ^-Korrespondenten

Rom, 12. Februar.

Als der Kardinal Ratti vor sieben Jahren zum Papste gewählt wurde, durchbrach er mit dem ersten Schritte die Tradition zweier Menschcnatter. Seit dem 20. September 1870, da die Truppen Viktor Emanuels die Bresche in die Mauer bei der Porto Pta schlugen und den Kirchenstaat zertrümmerten, hat kein Papst mehr die Arme gegen die Stadt der sieben Hügel, die in Wirklichkeit dreizehn sind, ge­öffnet. Schweigender Krieg herrschte zwischen Rom und Rom.

Einmal ober, so ging die Legende, werde die Stunde kommen, wo der letzte zürnende Papst die Augen schließt und weißer Rauch aus dem Kon- klaoe die Wahl des großen Kirchenfürsten verkün- bet. Der wird bie Fenster öffnen lasten, bie zur äußeren Loggia über betn Portal bes Peters- domes führen, und wird hinaustreten und stehen über dem knienden Volk, umgeben von den Wür­denträgern bes apostolischen Hofes mit ihren Ban­nern und Fahnen, zur Seite bie rotgekleideten Kar- binäle, die das Violett der Trauer abgelegt hoben, und während bie Schweizergarben die schweren Hellebarden aufsetzen und die Nobelgorden den blanken Degen nicht mehr verbergen, werden drun­ten die Soldaten des Königs die Waffen prüfen- Heren. Dann wird der neue Papst wie in alten Zeiten die Arme heben und den großen Segen aus- sprechen, über Stadt und Erdkreis. Und dann wird Frieden werben zwischen Kirche u n b Staat, zwischen König und Papst unb zwi­schen den Völkern, die guten Willens sind.

So wollte e» bie Legende und sie erfüllte sich vor sieben Jahren, nach den sieben Jahren, die der Krieaspapst Benedikt XV. auf dem Stuhle Petri gesessen war. Pius XL schritt an der vorbereiteten inneren Loggia vorbei, ließ die Fenster zur äußeren öffnen, kaum daß der weiße seine Rauch aus dem Konklave aufgestiegen war, der verkündete: II Papa - fattof Das Teppichbanner mit dem Wappen des neuen Statthalters Christi wurde über bie Brüstung gehängt unb Kardinal Bisleri verkündete die frohe Botschaft: Nuncio vobia gaudium magnum! Ha- bemua pontificem ...

Urbi et orbi, her Stadt und dem Erdkreis wahrhaftig dos Volk fiel auf bie Knie der Papst hebt die Arme ... gegen Italien ... gegen Rom!

Und die Soldaten des Königs erwiesen dem Pontifex die militärischen Ehren unb bie Glocken dröhnten über dem Grabe des ersten Apostels.

Eine Woche später, am 12. Februar, der zweite historische Augenblick: die feierliche Krönung. Unb am 12. Februar bicses Jahres wird der Papst aber­mals in die Peterskirche herabsteiaen unb bann, so hofft man, abermals auf bie äußere Loggia hin- oustreten, biesmal aber zum Zeichen, daß na* siebenjährigem Kampfe der Friede nun tatsächlich gesch^xi sei. Bliebe nur noch der Friede zwischen den Völkern ...

Nichts Neues also unter der römischen Sonne, denn diese Aussöhnung mit dem Quirinal wurde damals schon in die Wege geleitet. An Kraft unb Entschlossenheit allen Vorgängern seit hundert Jahren weit überlegen, betritt mit dem neuen Papste, so schrieb ich unter dem Eindruck feiner Persönlichkeit unb seiner ersten Hanblungen, ein Mann bie vatikanischen Gemächer, der sich der Macht feiner Stellung wohl bewußt ist. Mit ihm zieht der Wille zur außerkirchlichen Politik ein, dem wohl bie Tiara ansteht, ber aber auch das Zepter der weltlichen Stärke aus dem Staube ber Ideolo­gie hervorzuholen gesonnen ist. Das ist der Sinn dieses Papstwechsels, das bte Bedeutung dieses Bruches mit ber Trabition, bie fein italienisches Rom kannte. Denn wenn Pius XI. gibt, so wird er auch fordern. Er wird der politische Papst aus Dillen werden, wie Benedikt XV. der Kriegspapst aus Schicksal wurde. Habemus papam: wir müssen das Wort wieder mit einem Anklang an die histo­rische Zeit der großen Päpste oussprcchen.

Heuft kann man sagen, daß Pius XL, wenn bie Zeichen nicht länger trügen, wenn nicht im letzten Augenblick ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel ein mühsames Werk zerstört, sein erstes Ziel erreicht

hat: die Aussöhnung mit dem König- reich Italien, wie sie diesem Papa italianissimo, wie ihn das Volk sogleich nannte, von Anfang an vorschwebte. Freiliiy darf man, um gerecht zu fein, nicht übersehen, bah schon sein Vorgänger auf dem Sterbebette ausgerufen haben soll: Mit Gottes Hilfe wirb es meinem Nachfolger gelingen, mein Werk zu vollenden! Das Werk ber Wiederannäherung an Italien. Anbere sagen aüerbings, Giacomo della Chiesa habe von dem Tage an, da er Benedikt XV. wurde, Italien völlig ignoriert und Gasparri, fein Staatssekretär, fei dabei sein Einbläser gewesen. Ganz Eingeweihte wußten dagegen, daß der scharfe Gegensatz nicht zwischen Papst unb König, sondern zwischen Benedikt unb Gasparri bestand. Wie dem auch sei, jedenfalls ist es jetzt Gaf parri, ber un­ter dem Schweigen bes Palazzo Chigi bie bevor- stehende Lösung ber römischen Frage verkündet.

Unheimlich, dieses Schweigen des Part­ners. Noch nie ist wohl von ber Presse eines gan­zen Landes soviel Disziplin verlangt und gehalten worden, wie in dieser Sache von ber italienischen. Das heißt: sie schweigt nur, seit bas Ringen zwi­schen Kurie und Faszismus in seine letzte, entschei­dende Phase eingetreten ist. Vorher konnte man, wie erinnerlich, einer oft recht fdjarfen Fehde zwi­schen dem Osservatore Romano unb bem Popolo d'Italia beiwohnen, einem Kampfe, ber zuweilen durch ein Duell zwischen Arnaldo Mussolini, dem Bruder des Duce, unb Gasparri ausgefochten wurde. Aber seit dem Herbste des vorigen Jahres blieb die öffentliche Behandlung des Streites der ausländischen Presse, den Gerüchtemachern und Friedensstiftern überlassen.Wir erleben bis zu die­ser Stunde bas groteske Schauspiel, baß in einer Frage, bie bas gesamte Christentum bewegt, bas italienische Volk völlig aus dem Spiele gelassen, wie ein unmündiges Kind behandelt wird", um mit dem alten Giolitti zu sprechen. Während außer- halb Italiens die Spatzen auf allen Dächern von einem neuen Kirchenstaat pfeifen, jeder freilich auf feine besondere Weise, härt man im Lande, das den Papst beherbergt, keinen Laut. Dreifache Herr­schaft über Rom: Zepter, Tiara und Liktorenbün- Del aber über die Teilung ber Herrschaft wirb nur hinter den Kulissen verhandelt. Wie ist das zu erklären?

Nun, ganz einfach mit bem Wunsche bes Faszis­mus, sich keiner Niederlage mehr auszusetzen, noch- dem ber Vatikan auf alle direkten Annäherungsver- suche so grob geantwortet hatte. Erst mit bem Fak­tum wird Mussolini vor sein Volk treten unb bamit mit einem Siege, wie ihn keine Regierung vor bem Faszismus aufroeifen konnte. Es würde zu weit führen, alle Erfolge und Rückschläge, wie sie beide Lager kennen, aufzuzählen. Der durch die äußere Loggia symbolisierte Gedanke bes Papstes stieß noch im gleichen Jahre, im Oktober 1922, auf ein schweres Hindernis: die Einnahme Roms durch bie im Grunde kirchenfeindlichen Faszisten. Bald aber erkannte Mussolini, was eine Versöhnung mit dem Papste für sein Prestige bedeuten mußte. Er führte alfo das Kruzifix wieder in die Schulen ein, in das Kolosseum und auf das Kapitol zurück. Auf der anderen -Seite aber zerstörten feine Schwarz- Hemden rücksichtslos alle katholischen Zirkel und Kultstätten, so daß der Papst noch im heiligen Jahre, 1925, in einen wahren Derzweiflungsschrel ausbrach. Nach langem Hin und Her sand man sich aber wieder. Der Faszismus führte im Inneren eine Art Zentrumspolitik durch, die schärfsten Ge­setze gegen bie Geburtenbeschränkung, bie Sitten- losigkeit, ben Schmutz unb Schund auf allen Gebie­ten, die familienzersetzenden Kräfte: der Vatikan seinerseits schwieg zu ben Dingen in Südtirol. Man verstand es allmählich, sich gegenseitig in die Hände zu arbeiten, der Zeit, bie seit 1870 stille geftanben war, einen neuen Impuls zu geben. Der Papst gab unb forberte.

Es wird sich wohl bald zeigen, daß vor dem ver­meintlichen neuen Kirchenstaat ein Konkordat steht, bas tief in die kirchenpolitischen Verhältnisse Italiens eingreift, unb das ist wichtiger als die vielen Quadratkilometer italienischen Territoriums, mit denen jetzt soviel phantasiert wird, bie Musso- lini aber nun unb nimmer hergeben wird Sicher scheint nur das zu sein, daß das bisherige Nutz- niehungsrecht des Papstes an ben vatikanischen Pa­lästen in ein souveränes Eigentums- recht umgewanbelt, also ein schon praktisch

tänzerin Elly Herley sind aus bem großen En- femble mit Anerkennung zu erwähnen. Au-stat- tungschef: Hans Mohr; Tanzregie: Hans-Heinz K l ü f e r.

Die Neuerscheinung fand vor schwachbesuchtem Hause eine freundliche Aufnahme. Wiederholungen werden empfohlen. Dr. Th.

Oberhessischer Kunstverein.

Conrad Felixmüller und Otto Jung.

In der gestern, am Sonntag, eröffneten neuen Ausstellung des O b e r h e f s i s ch e n Kun st Ver­eins findet man neben einzelnen, aus ber vorher gezeigten Kollektion übernommenen Arbeiten von Lenz, Spengel, Hecht unb Achenbach Delgemälbe und Aquarelle von Otto Jung (Stuttgart) unb Aquarelle, Zeichnungen und Holz­schnitte von Conrad Felixmüller (Dresden).

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Beginnen wir mit Felixmüller, besten Arbeiten sich über ben vorderen Teil des Saales verteilen. Da sind zunächst acht große Zeichnungen figürlichen Inhalts Porträt und Akt, deren Eindruck vor­nehmlich von ihrem ausgesprochen linearen Charak­ter bestimmt wird. Kopf- und Körperprofil werden in großen, festen, z. T. ausfallend sicheren Konturen gehalten, bei fast völligem Verzicht auf irgendwelche plastische Rundheit, figürliche Fülle ober perspekti­vische Raumbeziehungen. Nur hier unb da die not­wendigsten Strichschatten unb leichte Wischer. Die allenthalben stark betonte Augen- unb Mundpartte gibt in den meisten Fällen den Bilbern einen über die trockene Modellwiedergabe hinausreichenden Eigencharakter, ein wenig von ber berühmtenper­sönlichen Note". Dennoch interessieren bie Stücke in ihrer Eigenschaft als Atelierstudien und Finger­übungen mehr formal als gehaltlich; die gefühls­mäßige Annäherung des Beschauers wird auch durch eine gewisse, manchmal fast brutal wirkende Härte bes Ausdrucks bie in ber2Irbeiterfrou mit Kind" merkwürdig an Dix erinnert nicht un­wesentlich erschwert.

Noch härter und unoermitielter stellen sich bie vorwiegend figürlichen und szenischen Kompositionen der Federzeichnungen bar, die im Gesamteindruck teils chaotisch und aufgewühlt, teils trocken unb gegenständlich tat Sinne ber neuen Sachlichkeit er»

vorhandener Zustand jetzt legalisiert wird. Es bleibt bann jedermann unbenommen, bie schon in päpst­lichen Besitz besinblichen Liegenschaften hinzuzu- nehmen und das Ganze als einen Irchen - ft a a t" zu bezeichnen.

Man wirb auch in ber Folge darüber streiten, ob nun bie römische Frage endgültig gelöst ober nur

ein wodns vivendi gefunden ist, ober es kann kaum mehr daran gezweifelt werden, daß Pius XL nun auch ben Weg von der äußeren Loggia herunter auf die Straße, zum Quirinal und Palazzo Chigl finden wird. Papst und Duce Arm in Arm fia fordern ein Jahrhundert in bie Schranken.

Der Rhein stehi!

3« -er Eiswüste zwischen Mainz und Loreley. Ein seltenes Aaiurschauspiel. Zu Kuh zur Pfalz bei Eaub. Hochwassergefahr bei Oberwesel.

Don X A. Zichner, Regierungsbaumeister.

Wiesbaden, 17. Febr. 1829.

Der Rhein steht! Da, wo sonst jahraus jahrein der Rhein feine Wasfermassen durch die hochragenden Derguser des Mittelrheingebietes zu Tal wälzt, wo sonst reger Verkehr herrscht von Frachtdampsern, langen Sch'e-pzügen mit sechs und mehr Kähnen, mit Kohlen, Holz, Erz, Oel und vielen vielen anderen Waren schwer beladen, im Sommer viele srohZestimmte Reisend«, Fremde und Einheimische, aus den Dampfern fahren und die alten, malerischen Rheinstädtchen mit ihren Türmen und den Burgen und Ruinen voll Lust und Freude am Sehen an sich vorbeiziehen lassen. da ist jetzt Winlertod. Statt des immer gewohnten Rauschens ist jetzt Stille, lautlose Stille, so daß man erstaunt sein Ohr anstrengt, aber eS ist alles still, nur hin und wieder bange jammervolle Schreie von Enten und TRö- ven, die keine Rahrung mehr finden können und ängstlich suchend über dem Gis schwebend, plötzlich in der irrigen Hoffnung, Was'er und Rahrung zu finden, abwärts niederstoßen auf eine dunkle Stelle in dem wild durcheinander getürmten weihen Schollenmeer.

Totenstille ist eingetreten nach den Tagen, an denen sich die Schollen krachend gegeneinander fttehen. Mit donnerähnlichem Getöse barsten manche: an den Userrändern schoben sie sich zu­sammen, drängten übereinander, stellten sich schräg, hoch, senkrecht und die nachfolgenden rannten dagegen und so türmte sich das grau­sige Meer mit seinen zahllosen Zacken und Spitzen, seinen Spalten und Rissen. 2ln den Felsen im westlichen Lauf neben der Pfalz bei Taub hat sich solch ein Eisberg aus Schollen zusammengeschoben, über zwei QKeter hoch ragt er au8 der zerklüfteten Eismasse empor, llrfraft der Raturgewalten! Bei Oberwesel sank in der Rächt von Mittwoch zu Donnerstag das unter der Eisdecke fliehende Wasser um etwa zwei Meter und mit Krachen barst die große Eisdecke des Rheines an den Ufern, die große Mittelmasse senkte sich und am Rand ent­standen tiefaufklassende Spalten von zwei bis drei Meter Tiefe. Glatt gebrochen ist die Wand, zerplatzt, und man kann erkennen, wie die Eis­decke dicker und dicker wurde, wie sich die Schol­len, durchschnittlich 15 bis 23 Zentimeter stark, übereinander geschoben haben, dann zusammen­gefroren sind und so sieht diese abgeborstene Eiswand aus wie eine Detvnmauer, an der man die Spuren der Schalungsbretter noch erkennen fann. Reun, elf, ja dreizehn solcher Schollew- schichten konnte man am Fuße des Rohkopses vor den Felsen der 3ungfrauen gegenüber von Oberwesel am Donnerstag zählen, und einen Einblick tun in das geheimnisvoll-gewaltige Schaffen der Ratur.

Run steht der Rhein! Dor dem türmereichen Mainz, daS in früheren Jahrhunderten seiner Pracht wegen dasgoldene" genannt wurde, gleiten gemächlich breite, tellerförmig rund ge- stoßene Eisplatten von vier, sechs, zehn und mehr Meter im Durchmesser zu Tal, dazwischen Heinere Stücke, und stoßen gegen die kantigscharf im Strom stehenden Brückenpfeiler. Der Main steht schon länger, kein Eis strömt von dort in den Rhein. Unb um die großen Inseln des Rheingaues haben sich breite, zehn bis zwan­zig Meter breite Eisgürtel gebildet. Dichter und dichter wird das weihe Geschiebe, je weiter ab­wärts man kommt, und nur ein dunkler Streifen

in der Witte verrät, daß dort noch der Rhein flieht. Die Heineren Seitenarme sind fest au- zugefroren wie eine breite, breite Strohe für Riesen mit zackigen scharfen Schottersteinen aus zerbrochenen Glasscheiben frisch hergerichtet, bie der glättenden Dampfwalze harrt, so sieht solch ein gefrorener schmaler Rheinarm von weitem vorn erhöhten Ufer auS. Lllles drängt sich mehr unb mehr zusammen. Bei der Hindenburgbrücke staut es sich unb eS hat ben Anschein, als ob man schon einen zusammenhängenden Weg über bie Schollen finden könnte. Zwischen RüdeS- heim und Bingen ist noch viel Wasser zn sehen. Die Rahe ist schon längst eine glatte Eisfläche, zum Rhein hin mit abgrenzenden Pfosten abgesteckt, beim dort schieben sich noch Die Schollen. Am Mäuseturm und am Dinger Loch staut sich daS Eis: über die Felsen befl Dinger Loches türmen sich die Schollen hoch und sausen mit Krachen und Donnern, denk Drängen der nachfolgenden nachgebend, über bie FelSbarriere rheinabwärts. Die dunllen Flecke, letzte Spuren deS Wassers, werden immer sel­tener. Lei AhmannShausen sind keine mehr zu erspähen, und schon kann man waghalsige Dorschen sehen, die, über die Schollen hin unb her springend, sich einen Weg suchen zum aiw deren Ufer.

Run steht der Rhein! Kein Schieben und Krachen und Reiben der Schollen mehr! Allent- halben sieht man schwarze Strichlein über bem Eise tanzen. Meist ZungenS von 15 bis 18 Zäh­ren klettern unb springen jubelnb in den zackigen und kantigen Eisbergen herum, lleberall, wo eine Ortschaft ist. sind viele Einwohner trotz ber scharfen Kalte von 20 Grad Celsius am Ufer, manche steigen auf bem Eife herum, vor­sichtig staunend zaghaft, denn eS ist nicht nur das seltene Raturschauspiel, es ist auch das zu Dewußtsein kommende Unfaßliche, daß der gefürchtete Strom nun in Eisseffeln gebän- dicht sei! Bei Drcchtingshaufen sind am Rande noch viele Wasserlöcher von dem Einsinken und Drechen der Eisdecke während der letzten Rächt. Strudelnd quirlt daS Wasser unter dem Eis hervor unb überflutet die Ränder, wenn solch ein Gisstück berstend sinkt. 3n Riederheimbach sieht man ein damp- sendeS Wasserloch: ob hier aus dem Grunde des Rheines eine warme Quelle entströmt, tote sp manche kohlensauren Sprudel weiter rhein- «abwärtS bei Rhens, bei Andernach wer weiß es? Der sonst so bekannte Rhein ist plötz­lich gleichsam ein ganz neues, interessantes Stück Erde, ein neues Forschrmgsgebiet, geworden. Don Lorch über die Inseln nach Riederheimbach hat sich scheinbar eine Verbindung gebildet, eine Linie von kleinen, schwarzen Strichen, sprin­gende, winzige Menschen, tanzen dort hinüber und herüber. Es ist ein toilber Weg, aber jeder will es versuchen, alt unb jung, ein Vater mit seinem kleinen Zungen von etwa 4 Zähren klettert behend von Scholle zu Scholle, unb dem Dübchen wird erst später, nach Zähren, in der Erinnerung die Wichtigkeit dieses seltenen, eigen­artigen Spazierganges voll zum Dewußtsein kommen. Denn solches bleibt unvergessen, und selbst In einem ganz jungen Kindergehirnchen wirb ein berartiges Ereignis sehr scharf re­gistriert. Wie gut erinnere ich mich noch an den Tag im Winter 1892/93, wo ich als fünf­jähriger Zunge über ben Rhein gehen durfte!

scheinen. Einige (,,Moulin Rouge" z. B.) muten wie expressionistische Restbestände an, die noch nicht überwunden oder modifiziert werden konnten. Alles übrigens fehr energisch, z.T. minutiös in der Tech­nik. Sehr gut das ausdrucksvolle Bildnis eines Musikers, an der Settenwand.

Wie weich und mit welchem subtilen Farbengesühl Felixmüller zu arbeiten versteht, zeigen einige der hiernach und demgegenüber beinahe Überraschenden Aquarelle: etwa der fast empfindsam gemalteSeg­ler vor Helgoland" und ein vortreffliches Selbst­bildnis, sehr fein im Ton, übrigens auch noch mit Nachklängen vom Expressionismus her im Kolorit. In anderen, benachbart hängenden Stücken wirkt sich die Freude am Farbenspiel für unser Empfin­den zu stürmisch und unharmonisch aus, zumal hier die oft weich ineinanderfließende, typische Aquarell­technik nicht überall angewandt ist, am wenigstens gerade da, wo sie die Temperamentsausbrüche einer ziemlich undisziplinierten Palette wohltuend hätte ausgleichen können. (Waldlandschaft z. B.) Gut und charaktervoll sind hie Holaschnittbildnisse von Rohlfs, Kreis und Felixmüller felbft

MS ein ausgezeichneter Porträtist erweist sich ber Stuttgarter Maler Otto Z u n g. ber mit einer Reihe von Dilbnisfen (vorwiegend aus Gießener Privatbesih) vertreten ist unb im Hinte­ren Raum außerdem eine Kollektion von Frei­lichtstücken vorführt. Unter den Porträts be­sticht vor allem das sehr reife Dildnis Prof. M. im Profil nach rechts: ber markante Kopf vor einem ruhigen, dennoch kräftig heraushebenden Hintergrund pointillistisch aufgelodert, in un- gemeiner Lebendigkeit und Raturtreue. Wir hal­ten dieses Bildnis für bas beste Stück der gan­zen Ausstellung.

Eine ähn iche. leicht pointill erenbe Manier zeigt auch daS benachbarte Freilichtporträt emes Kin­des. Ueberhoupt beweist Zung eine leichte unb glückliche Hand gerade für Ätnberbllbniffe, wie mehrere, sehr gelungene Beispiele beweisen. Der Eindruck ist um so überzeugender in jenen Fal­len, wo bet Deschauer auf Grund persönlicher Dekanntschast Dildnis und lebendes Modell zu vergleichen in ber Lage ist. Zwei liebenswürdige Frauenporträts unb zwei koloristisch ein wenig an Zumbusch erinnernde Kinderköpfe seien noch genannt

Die gleiche vornehme Faroenkultur findet sich in einer größeren Gruppe von heimatlichen Land­schaften, Architekturstücken und Etädtebildern wie­der. Wir notieren hier etwa das in Beleuchtung, Farbton und Gesamtstimmung sehr eigenartige, große Stuttgarter Strahenbild, den stillen, be­ruhigten(Sbätfommertag an der Elbe", bie Schwäbische Alb" und eine weiträumige Lahn- landschaft. hth.

Kunst und Technik.

Gemeinsam ist Kunst unb Technik die Gestaltung, wobei die technische Form nicht selten ein ebenso starkes Vorstellungsoermögen erfordert wie die Kunst: aber diese Gestaltung ist verschiedener Art, hat andere Ziele und Mittel, damit einen anderen Gesamtcharakter. Die Kunst bleibt auch dort, wo die Technik in sie eingreift, oder sich mit der Technik verbindet, in weitgehendem Maße selbständig, be­nützt jene nur als Mittel zum Zweck und beeinflußt deren Form als Form im künstlerischen Sinn. Die Technik ist eine wissenschaftlich-praktische Leistung, die sich der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, Er- kahrungen und Gesetz« wie der Mathematik bedient, um mit vorzugsweise mechanischen Hilfsmitteln ihre Zweckaestaltuug durchzuführen. Die Kunst ist eine sinnlich-geistige Schöpfung, die den ganzen Men- fchen sinnlich-geistig-seelisch erfaßen will nicht für einen realen Zweck, sondern für eine durchaus ide­ale Wirkung: sie ist in praktifcher Hinsicht vollstän­dig interesselos. Die Technik hat aus sich keine ästhetischen Absichten, diese eignen ihr nur zufällig: ihr Fehlen beeinträchtigt deshalb auch nicht chren Wert. Für die Kunst ist das Aefthettsche Wesens- sorderung." (Entnommen einem AufsatzeKunst und Technik" von Josef Popp im Februarheft desÄ u n ft m a r t s", München, Verlag Georg D. W. Callwey.)

Lochschulnachrichten.

Bon der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt a.M. sind als Privatdozenten zuge- lassen worden: der Assistent Dr. med. Helmut Mommsen für das Fach der Kinderheilkunde und der Abteilungsvorsteher am Sozialhygienischen Un­tersuchungsamt Dr.med. Ernst Srmonson für das Fach der Arbeitsphysiologie.