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Nr. 41 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Montag, 18. Februar 1929

CEr|d)tint »ügl'ch, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen

Die 3duftriertt Gießener Jamilienblättet Heimai im Bild Die Scholle

Vezvgrprels für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trüge» lol)n, auch bei Nichter­scheinen emzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanlchlliff«: 51, 54 und 112.

Anfchrift für Drohtnach- richten Mnjeiger Siebe». pofifchecNonto:

granlfurt am Main 11686.

Siebener Tintiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Vrvck vnd verleg: vriihl'sche Unloerfilülr-Viich. und Steinöniderei R. tanze in Gietzen. Schriftleitnng und Seschäftsstelle: S^ul^tra^e 7.

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher.

Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8. auswärts 10 Reichspsennig; für Re- hlameantetgen von 70 n m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2OU , mehr.

Chefredakteurs

Dr. Friedr With Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyrwt; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Biegen.

Nach den Faschingsferien.

Don unserer 'Berliner Redaktion.

Die alljährlichen Faschingsferien des Reichstags, die nach und nach im Interesse vor allem der sub- deutschen Abgeordneten zu einer Gewohnheit ge­worden sind, sind zu Ende. Die Ruhepause hat, das mutz festgestellt werden, der innerpolitischen Situa­tion ordentlich wohlgetan. Aus dem unüberbluf- baren Chaos der Stoalitionsbebatte hat sich ein Zuftand geordneten Stillschweigens um dieses Problem entwickelt. Allerdings ist der Kampfesmut schon wieder sichtbar geworden, indem man gleichsam als Auftakt das Konkordats- problem aufrollte. Trotzdem wird vor der ftanb öte Abkühlung der erhitzten Gemüter die Lage be­herrschen. Zum Kamps dürfte es erst am 28. Fe- bnrnr kommen, wenn das Parlament endlich nach mehrwöchiger Verspätung den Haushaltsplan zu behandeln hat. Immerhin hat die Ruhe wenig- ftens insoweit gut getan, daß das geradezu verhäng­nisvolle Anwachsen der Mißverständnisse aufhorte und eine Klärung herbeigeführt werden konnte. Der Reichstag wird die Sage zwar wieder so oorsinden, wie vor den Faschingsferien, trotzdem aber etwas weniger beunruhigt von dem Koalitionsgespenst sein. Seine ersten Arbeiten werden weniger politisch be­stimmt sein, wenn auch die Beratung der Klein­rentnerfürsorge schon Veranlassung geben wird, Parteinanfichten und -Meinungen gegenüberzu- stellen.

Doch daraus kommt eS Im Grunde genommen gar nicht so sehr jetzt an. Krise des Parlamen­tarismus. ja noch mehr, Zerfall des Parla­mentarismus. so resignierte in diesen Tagen Dr. Wirth. Es war dies eine einseitige Auslassung, eine Auffassung, die ohne Frage von dem per­sönlichen Erleben diese» Manne« diktiert war. der. einstmals mitbestimmend, heute vor allem In seiner Partei einsam geworden ist. Dieser Parlamentarismus, und das ist das Wesentlichste, was man im gegenwärtigen Augenblick beim Wiederzusammentritt des Reichstags und In be­zug auf feine nächstliegenden Aufgaben festhalten muß. wird ganz bestimmt in den nächsten Wochen und Monaten eine schicksalsschwere Zeit durchzu­machen haben. Der Parlamentarismus mutz be­weisen. dah er auch in der Lage ist. über da» Mannigfaltige der Parteianschauungen und Par­ieidoktrinen hinweg zu klaren und Der- antwortungsbewutzten Enischctdun- gen zu kommen. Kann er diese Entscheide tref­fen. kann er den Haushaltsplan ohne innerpoli- iische Erschütterungen erledigen, kann er sich zu einer starken geschlossenen Macht zusammenfinden, um den eventuellen Reparationsentscheiden eine Basis zu geben, bann wird die Koalitionsfrage ohne gröbere Schwierigkeiten eines Tage» ganz von selbst gelöst werden. Diese Vorurteile, diese gegenseitigen mitztrauischen Vorbehalte, die das Gespenst der Grotzen Koalition bi» jetzt im­mer belasteten, werden alle in ein Richt» zer­rinnen, wenn die praktische Arbeit, die notwendigerweise unbedingt gelöst werden muh. auch gelöst werden kann. Seien wir unS doch klar darüber, daß die Lösung einer konkreten Aufgabe viel schneller zu einer Klärung führt, als da» Herumbasteln an Ideologien, eben weil die Praxi» keine Zeit zu solchem Phrasen- geschwelter hat. sondern nur Handlungen. Taten sehen will. Lassen wir deshalb die endlosen, nur zu typischen deutschen Erwägungen beiseite, dann werden wir auch zu einer klaren Innenpolitik, wie sie sich aus der innerpolitischen Lage ergibt. Emen. Rach dem Fasching an die prak- che Arbeit. daS mutz und dars nur die ung sein.

Konkordat und Koalition.

Eine neue Situation -

Berlin. 18. Febr. In der immer weiter fortgesetzten Aussprache über die Regie- rungs Umbildung in Preußen und im Reich ist neuerdings ein überaus störendes Moment hinzugekommen. Von volksparteilicher Seite wurde nämlich in der Debatte ein Gesichtspunkt hineingeworsen, der die allergrößte Beachtung verdient. Es wurde schon beim Abschluh des italienischen Konkordates darauf hingewiesen, dah sich durch die Wiederherstellung der welt­lichen Macht des Papstes vielleicht ein ganz neues sttaarsrechtlicheS Verhältnis Insofern ergäbe. alS künftig für den Abschluh von Verträgen mit dem päpstlichen Stuhl das Reich allein zuständig sein müsse.

Zwar haben die offiziellen volksparteilichen Stel­len ein Bekenntnis zu dieser Auffassung einstweilen »bgelehnt. wahrscheinlich um die Verhandlungen Iber die Regierungsbildung nicht noch weiter zu »schweren, aber zweifellos hat der Hinweis auf tin Reichskonkordat beim Zentrum sehr un­angenehme Gefühle auLgelöst, denn die gegen mär- tige politische Situation des Zentrums ist doch die, ^ es seine Truppen im Reich aus der politischen Jeuerlinie zurückgezogen hat, um sie nach dem «rlustreichen Wahlkampf neu zu ordnen, daß be­legen bas Zentrum an dem Brennpunkt seines po- ütischen Interesse», in Preußen mit in vor- ) e r ft e r Linie steht, wo es gilt, ein Konkorbat in seinem 6Inn unter Dach und Fach zu bringen. Pessimisten behaupten übrigens, daß diese Konkor­dats Verhandlungen noch monatelang anbauern kön­nen, woraus sich die betrübliche Tatsache ergibt, daß iine Festigung unserer Reichspolitik wesentlich wegen )er Kontordat-meinungsoerschiebenheiten zwischen Zentrum und Deutscher Dolkspartei nicht zustande- kommt. Diese unselige Verquickung zwischen preu- Mischer Politik und Reichspolitik die sich immer wieder lähmend auf das Gesamtschicksal der deut­schen Ration auswirkt, kann nur durch eine ein­schneidende Reichsreform beseitigt werden, bte

pariser Stimmungsmache um die Sachverständigen.

Wenn sich auch heute noch keineswegs ein Urteil über den Verlauf der Pariser Sachver­ständigenkonferenz zur Reparations^rage fallen läßt, und wenn auch, was man trotz der spär­lichen Äommuniquvd zuverlässig feststellen kann, der Verkehr der Sachverständigen untereinander ein durchaus verbindlicher, sachlicher und viel­leicht sogar herzlicher ist. so zeichnet sich doch immer deutlicher der Kamps ab. der fchlietzlich um das Ergebnis der Verhandlungen, also u m das Sachverständigen-Gutachten ge­führt werden wird. Die Begleitmusik der Presse, besonders der französiichen Zeitungen, ist wohl vielfach eine von dem Rachrichtenbedürfnis be­einflußte, und sie beruht nur zum kleinsten Teil auf wirklichen Informationen, obwohl es ja nach den mehrfachen diesbezüglichen Zwischenfällen nicht allzu schwer zu fein scheint, auch als Jour­nalist gelegentlich in den Verhandlungsfaal zu geraten. Aber diese Begleitmusik zeigt doch, was gespielt wird oter was, mindestens von französischer Seite, als Tonart gewünscht wird.

So erwartet man bereits am Montag die Nennung von Zahlen. Der Malin versteigt sich in dieser Beziehung zu der Phantasie, dah die ehemaligen Alliierten 3>/r Milliarden, die Deutschen kaum ly2 Milliarden, die Amerikaner eine mittlere Ziffer nennen würden; die e werde sich zwischen 2,2 und 2,4 Milliarden bewegen. Wir glauben nicht, dah ein derartiger Schematis­mus Platz greifen wird. ES wäre töricht, vor einer ziffernmäßigen Würdigung aller Unter­lagen. die bisher ja nur symptomatisch und im Zusammenhang mit Gesamtdarstellungen der deut­schen Finanz- und Wir.schaftelage. der besonderen landwirtschaftlichen Krisis, der Kapitaleinfuhr usw. erörtert wurden, mit Gesamtziffern zu kom­men. Und noch törichter wäre es, dabei so plump zu verfahren, daß man einerseits dir Forderung nach einer Erhöhung der ohnehin schon so drückenden und nach allgemeiner Ansicht revi­sionsbedürftigen vollen Dawesannuität um ungefähr den Betrag fordern sollte, von dem man erwartet, dah ihn die Gegenseite von der bisherigen Höhe der Annuitäten a b g e s e tz t wissen mochte, um dann den wirklich oder ver­meintlich Neutralen der Konferenz die Aufgabe zuzuweisen, aus der Mitte zwischen diesen beiden Postulaten die bisherige Ziffer ungefähr fest zuhalten.

Die so prophezeien stellen sich die Abfassung eines Sachverständigen-Gutachtens als einen Vor­gang nach dem Muster diplomatischer Verhand­lungen vor. verkennen also vollständig das, worum es seht in Paris geht. Denn diese diplomatischen Verhandlungen sollen ja auf Grund eines ob­jektiven Gutachtens hinterher kommen. Man würdigt die Tätigkeit der Experten herab, wenn man ihnen unterstellt, dah sie nach wenigen Tagen des Beisammen eins und bevor sie noch in eine gewissenhafte Prüfung detaillierter Unter­lagen. ja, überhaupt in Ko.nmi siionSarbe.ten ein­getreten sind, sich auf ein Aushandeln von Ge­samtzahlen einlafien könnten, die erst am Ende ihrer abgesch'-ossenen Arbeit stehen dürfen. Außer- dem ist dieser Gesichtspunkt sehr engherzig. Denn in dem Augenblick, wo es sich um die Festsetzung einer deutschen Gesamtschuld handelt, tritt die Frage bet Jahresraten in den zweiten Plan. Wenn man eine bestimmte Milliardenschuld fest- seht und. wie das in Frankreich geschieht, mit ihrer börsenmätzigen Flüssigmachung wenigstens

in gewissen Teilbeträgen rechnet, so ist eS belang­los, ob die Tilgung in größeren ober geringeren Jahresraten erfolgt, ob sie etwas länger oder etwas weniger lange laufen, vorausgesetzt, dah man die Gewißheit schafft, dah die Zahlung wirk­lich pünktlich und ohne Schwierigkeiten, vor allem ohne Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichen Gesundheit deS Schuldners ge­leistet werden kann.

DaS muh der leitende Gesichtspunkt fein, und daS i st er wohl auch mindestens bei bet Mehrheit ber Sachverständigen. Man sollte al o den Pariser Leitartikeln mit ihrer mehr politischen als wirt­schaftlichen Sachkunde und Orientierung wenig­stens vorläufig kein übertriebenes Gewicht bei- messen, denn ihr Versuch, die Finanzmänner von Paris zu beeinflussen, ist zu plump und ein­seitig, um Erfolg zu haben.

Die ersie Woche.

In vollkommener Offenheit und Sach- lichkeit"

pari», 16. Febr. (7DIB.) Rach Beendigung ber ersten verhanblungswoche kann über den Verlauf ber Beratungen des Sachverständlgenausschusses von unterrichteter deutscher Seite fol­gendes gesagt werden: Vie Erörterungen, die zum Zweck haben, eine endgültige und vollständige Lö­sung des Heparationsproblemd zu suchen, haben sich mit den Erfahrungen beschäftigt, die In den

Berlin. 16. Febr. (D. D. Z.) 3m Haupt- ausschuh des Preußischen Landtags «Härte der Abg. Heilrn a n n (Ö.) zur Konkordats- f r a ge . alle Parteien, von den Deutschnalio- nalen bis zu den Kommunisten, seien sich darin einig, dah die staatliche Schulhoheit nicht angetastet toerben dürfe. Auch das Zentrum werde keine andere praktische Politik treiben können.

Abg. Dr. Leidig (DVP.) stimmt dieser letz­ten Auffassung zu, fordert aber, daß vor dem endgültigen Abschluh ber Konkordatsverhand- lungen der Landtag gehört werde, weil sonst ohne Aend«ungsmöglichkeiten nur noch Annahme oder Ablehnung bleibe (Zustimmung). Er könne die These nicht vertreten, dah die Arbeiter nach Klärung der Schuldfragen kein Interesse mehr daran hätten. Insbesondere die religiösen Sozialisten würden wohl doch eine an­dere Auffassung vertreten. In den Konflik­ten zwischen Reich und Ländern liege die Schuld nicht an Preußen. sondern besonders bei Bayern. Es sei nicht ganz richtig, den Hof­bräuhauston in diplomatische Verhandlungen zu übertragen.

Ministerpräsident Dr. Brann.

Ich möchte doch die Gelegenheit nicht vorüber­gehen lassen, ohne zu betonen, dah die Frage, ob es mit der Stellung des Beamten noch zu vereinbaren ist. wenn er sich aktiv im Stahlhelm betätigt, jetzt ernstlich im Schoße

vier Jahren des vawesplanes sich füt Deutschland und die Weltwirtschaft aus der Durch­führung der Reparationszahlungen ergeben haben. Unter stärkster Beschränkung auf die konkreten auf die Lage zurückzuführenden Probleme sind die aus der bisherigen Verhandlung bereits bekannt gewor­denen Gegenstände in vollkommener Offen­heit und Sachlichkeit behandelt worden. Irgendwelche Beschlüsse oder Vorschläge sind bisher nicht vor die Konferenz gebracht worden. Es ent­spricht auch nicht den Tatsachen, daß es sich etwa im Lause ber ersten Verhandlungswoche nur um Er­örterungen von deutscher Seite gehandelt habe. Im­mer stärker seht sich die Erkenntnis durch, dah es sich hierbei um eine alle Beteiligten ge­meinsame Angelegenheit handelt. Da die Generaldebatte abgeschlossen Ist. dürfte ohne Zweifel im Lause der kommenden Woche mehr eine Er­örterung von Spezialfragen flattsinden. Bei dieser Erörterung werden, wie bisher, die Ex­perten vom rein ökonomischen Gesichts­punkt aus die Möglichkeiten prüfen, die sich aus bet gegenwärtigen internationalen Wirtschaftslage ergeben, wenn die Verhandlungen in der gleichen weise wie biefjer sich fortsehen sollten, bars mit einer Klärung ber Frage, ob überhaupt eine Lösung möglich sein wird, in verhältuimäßig kur­zer Zeit gerechnet werden.

der Gtaatsregierung erörtert wird. Der Stahl« Helm hat seinerzeit eine programmatische Er­klärung Herausgaben lassen, in der es heitzt. dah ermit seiner ganzen Seele den augen­blicklichen Staatsaufbau, seine Form und feinen Inhalt und sein Wesen hatzi".

In der Konkordatsfrage ist der Zeit­punkt noch nicht gekommen, der breiteren politi­schen Oefsentlichkeit über daS Ergebnis der Ver­handlungen etwas zu sagen. Von Geheimnis­krämereien kann dabci leine Rede fein. Wenn wir mit dem Vertragspartner einig sind, werden wir zweifellos zu ermitteln haben, ob der Ver­tragsentwurf auch Aussicht auf Annahme im Parlament hat.

Hierauf kam der Ministerpräsident nochmals auf den preußisch-bayrischen Konflikt zu sprechen und bezeichnete die Ausführungen der Bayrischen volkspartellichen Korrespondenz, die die Tatsache des bayrischen Bedau­erns bestritten habe, als unverständlich.Ich muß," so erklärte er, .demgegenüber feststellen, dah das. was ich durch den Amtlichen Preutzi- schen Pressedienst in dieser Frage veröffentlichen lieh, Wort für Wort richtig ist. Herr v. Preger hat mit dies im Rainen seines Ministerpräsi­denten wörtlich gesagt, und amtlich ist eS bis heute auch nicht bestritten worden. Damit erscheint für mich der bayrisch-preußische Zwi­schenfall erledigt." Zur Frage der Auflösung oct preußischen Gesandtschaft i n München erklärte der Ministerpräsident, er

Braun verteidigt den preußischen Kurs.

Beamte und Stahlhelm. Das Konkordat. Länder und ^eichsreform.

den Dualismus zwischen Preußen und Reich und das Bestehen zweier Zentralregierungen in Ber­lin an der Wurzel abfchneibet.

Der Verrat

der Groener-Oenkfchrift.

Als Hintergrund das Lstlocarno.

Berlin. 17. Fcbr. Der BerlinerBorwärts". der bekanntlich als erster in der Lage war. die Rachricht von der Deröfsentlichung der geheimen Groener-Denkschrift in London zu bringen, teilt in seiner Sonntags-Ausgabe mit, au« wel­chen Gründen der Herausgeber der englischen ZeitschriftReview of ceviews", Mr. Wickham S t e e d diese Veröffentlichung unternommen hat. Offenbar hat sie die Absicht gehabt, eine Er­örterung zwischen Deutschland und Polen über die Ostgrenze herbeizufüh- ren. Steeb hat angeblich Zale fki zu einer Rückäutzerung über die Groenersche Denk­schrift aufgeforbert und hierdurch gewinnt die ganze Angelegenheit erneut ein hochpolitisches Interesse. Denn Zaleski erklärt in feinem Ant­wort-Telegramm, selbstverständlich, daß kein vernünftiger Mensch in Polen an eine Eroberung Ostpreußens denke. Der Pferdefuß der Zaleskischen Antwort liegt aber in dem Schlußsatz, der wörtlich folgender­maßen lautet:Um jedweden Zweifel bezüglich, ich weih nicht welcher polnischer, angeblich ge­gen Deutschland gerichteter Eroberungspläne weg­zuräumen. kann ich Sie versicherrn, dah die pol­nische Regierung bereit wäre, mit Deutsch­land einen Vertrag abzuschlietzen. der die territoriale Unantastbarkeit der beiden Staaten gegenteilig ga­rantiert Roch deutlicher wird der Sinn dieser engllschen Aktion durch die Bemerkung des Herrn Steeb, dah es nunmehr an Deutschland fei. auf dieses Angebot sich zu äutzern. Bei der flutorganifierten Zusammen­

arbeit der englischen amtlichen Auhenpvlitik und privaten Publizisten und Politikern darf man ohne weiteres voraussetzen, dah es sich hier um die Tendenzen ber englischen Politik handelt, die im engen Zusammenarbeiten mit Polen nunmehr Deutschland auch veranlassen wollen, jene Garantie der Ostgrenze freiwillig nachzuholen, gegen die es sich in Lugano mit Erfolg gewehrt hat. Keine deutsche Regierung kann einen solchen Plan auch nur erwägen, um so verwerflicher ist das Spiel jener Kreise, die die Denkschrift in die Hände Englands haben gelangen lassen. Leider hat trotz der erneuten Haussuchungen die Rachsor- schung noch kein abschliehendesErgeb- nis gehabt.

Oer Fall lllitz.

ZaleM verkeidittk die Verhaftung. Die Klage beim Völkerbund.

Warschau. 16. Febr. (WB.) Der polnische Außenminister Zaleski empfing gestern pol­nische Pressevertreter zu einer Besprechung, in der er sich zur Klage deS Deutschen BolkSbundes äußerte, ällih fei angeklagt, Dokumente gefälscht zu haben, die Stel- lungSpflichtigen die Flucht i n S Ausland erleichterten. Wenn jemand von den Gerichts­behörden festgenommen werde, so kann sich außer den Gerichtsbehörden sonst niemand in diese 2Iw gelegen^eit mengen. Wenn der Völkerbund auf dem Standpunkt stehen sollte, dah er hier eingreifen kann, so würde eine derartige Argumentation, logisch durchgeführt, zu dem Schlüsse führen, dah es für einen polnischen Bürger genügt, nichtpolnischer Ratio­nalität zu fein, um Verbrechen begehen zu können, ohne die Konsequenz der Fest­nahme fürchten zu müsien.

Zu diesen Aeußerungen Zakeskis liegt noch ein inspirierter Kommentar vor, in dem behauptet

wird, daß die Arretierung des Abgeordneten Ulitz keineswegs int Zusarnrnenhana mit der Tätigkeit des Volksbundes steht.

Der zuständige Untersuchungsrichter in Kattowitz hat den Antrag auf Haftentlassung des tlb- gcorbneten Ulitz gegen Sicherhellsleistung abac- lehnt. Die polnische Presse wendet sich heute sehr scharf gegen die Wünsche der reichsbeutschen Presse, welche fordert, ber Völkerbund möae einen Spe­zialdelegierten nach O st o v e r s chle s i e n zur Untersuchung der deutschen Minberheitsoerhölt- Nisse entsenden. Die polnische Presie betrachtet die Entsendung eines solchen Delegierten als eine schwere Verletzung ber polnischen Staatsautorität, betont jedoch, daß es etwas anderes wäre, wenn die polnische Re­gierung sek bst. an den Völkerbund ein der­artiges Ersuchen stellen würde.

Keine Konsequenz aus dem KeUogg-patt.

Washington, 16. Febr. (WB.) Staats­sekretär Kellogg äußerte sich über den von dem Mitglied des RepräfentantenhauseS P o r - t e r geflelLen Antrag, der den Präsidenten er­mächtigen soll, gegen eine Ration, die in Ver­letzung deS Kelloggp^ k :i eine andere Ration an- ?;reift. ein Waffenausfuhrverbot zu er» assen. Der Staatssekretär enl-irte, bah es eine unneutrale Hanblung barstellen würbe, wenn ber Präsident bei einem kriegerischen Kon­flikt eine bet krieg führenden Rationen a l s de» Angreifer bezeichnen wollte. ES sei nicht unstatthaft für den Präsidenten, die Aus.uhr von Waffen nach zwei krieg ährenden Ländern zu verbieten. Der Wert eines solchen Verbots fei jedoch zweifelhaft, da daS Kriegsmaterial auch von anderer Seite geliefert werden könne. (Amerika wünscht also feine eig.ne Waffen» und Munitionsindustrie in jedem Fall« im Ge­schäft zu erhalten!)