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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag, 18. Januar 1929
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1929
Die ungünstige Gestaltung der Arbeitsmarktlage kennzeichnet sich auch in dem Hüdgang der Dermittlungstätigkeit des Arbeitsamtes. Es hat nur 307 männliche und 64 weibliche Personen im Monat De» zember in Arbeit vermitteln können. 3m 3n*
3m Bereich des Arbeitsamt.bezirks Gießen hat sia) die Lage desallgemeinenArbeits- Marktes im Monat Dezember zwar weiter verschlechtert, doch ist die Verschlechterung in ihrem Tempo gegenüber dem Monat November um über die Hälfte zurückgeblieben. Die Arbeils ojgteU hatte im Novcm- ver insgesamt um 133 Prozent zugenommen, während für Dezember eine Zunahme von 63 Prozent zu verzeichnen ist. Gegenüber allen anderen Berufsgruppen ist das Baugewerbe und die Berufsgruppe Lohnarbeit wechseln-
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Schmutz verkrustet. Unö aus den Pfoten des völlig erschöpften Tieres, das auf einmal, gesenkten Hauptes, durch die Türe schleicht und. im Hause angelangt, heftig atmend umsinkt, sickert Blut.
Was ist geschehen? Tumini ist nach Hause gegangen — weiter nichts. Tumini hat mit jenem tierhasten Spürsinn, dessen Geheimnisse der menschlichen Forschung verschlossen sind, den Heimweg gesucht und gefunden und ihn, diese vierhundert Kilometer zwischen Cardiff und Aipon, in einem Zeitraum von zehn Tagen hinter sich gebracht. Tumini ist. um so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen, dorthin nämlich, wo sie aufgewachsen ist und wo sie ihrem innersten Gefühl nach hingehärt, am Tage rund vierzig Kilometer gelaufen — am Tag, das besagt, genau genommen, wahrscheinlich zur Nachtzeit, wo das schwarze Geschöpf in einer ihm selbst unbekannten, doch vollkommen richtigen Dichtung durch halb England gelaufen ist, um sich am Tag vor Menschen und Hunden zu verbergen, bis es endlich, wenn auch nur mehr ein kärglicher Rest seiner selbst, am Ziel einzutreffen, von der Last einer unheimlichen Angst befreit.
Die mystische, die ganze Natur durchdringende Anziehungskraft der Heimat gibt einem schwachen Tier den Willen und die Fähigkeit, vergleichsweise mehr als Menschenmögliches zu tun; die Sehnsucht nach dem Ort, wo es für sein
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unbeirrbares Gefühl daheim ist, macht ein Tier, das der Mensch gemeiniglich als lebendes Schmuckstück betrachtet, zum Helden. Das ist der Sinn dieser ebenso wahren wie kurzen Geschichte; denn im Grunde liegt in jeder Katze lichkeit, was diese eine, den Menschen erstaunend, verwirklicht hat — diese mim, der kleine schwarze Held.
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Der Gefreite H.
Don Max Mohr.
Diese Geschichte hat nichts mit unserem Zeitgeist zu tun, auch nichts mit Krieg und Frieden, es ist eine einfache Geschichte, eigentlich nur ein Bild, das ich sah am 21. September 1917. Wie es kam. daß wir, unser sechs, an diesem Tage zum Tode verurteilt wurden, hat auch nichts mit unserem Bilde zu tun, eS war kurz nach unserer
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Gefangennahme, es war sogar der einzige Funke Necht. der im Kriege genügt hat. auf feiten unserer Feinde und Dichter. Zwei waren schon an die Wand gestellt und erschossen, dann kam der dritte, das war der Gefreite H.. wir drei letzten wurden begnadigt — aber hier handelt es sich nur um das Bild des Gefreiten H.. wie er an der Wand stand und auf seine Kugel wartete.
Er hatte um Gnade geschrien, jetzt stand er still, gleich darauf war er tot. in diesem Augenblick begab sich unser Bild: H. steht still, die Salve wird angelegt, einer von den Richtern tritt noch schnell zu H.. nimmt ihm den Stahlhelm ab. ich weiß nicht warum, vielleicht will er seinen lieben Kinderchen einen schönen und neuen und völlig unversehrten und undurchlöcherten Helm als Souvenir de la guerre mit nach Hause bringen, in der Eile läßt der Mann den Helm fallen, vermutlich ist der Diemen aufgesprungen oder sonst eine älngeschicklichkeit geschehn, bestimmt war es nicht das „Zittern seiner Hände", denn das war ein fester Kerl, ein betrunkener Diesen-, kerl. das Souvenir gleitet jedenfalls zu Boden, fällt gerade vor die Füße des Gefreiten H., der bückt fich schnell und hebt es aus und reicht es dem Riesenkerl hin. der sagt danke, tritt zurück, die Salve kracht los. und hier ist unsere Geschichte zu Ende: wie der Gefreite H. sich bückt in dieser langen Minute, wie er das Souvenir de la vie aufhebt und es dem andern Menschen hingibt, in dieser langen Minute — das ist unser ganzes Bild.
bezirks haben ihre Zustimmung gegeben, daß die für die Berufsberatung als Grundlage dienenden Schüler-Personalbogen an alle Schulen hinausgegeben werden können, aus denen Knaben oder Mädchen zur Entlassung kommen. Handwerksund Hank^lskammern. sowie die Arbeitgeberverbände unterstützen das Bestreben, damit künftig möglichst alle offenen Lehrstellen bei der De- russberatung angemeldet werden.
teresse der Derminderung der Arbeitslosigkeit wäre es sehr zu begrüßen, toemi die Arbeitgeber bei ihren Einstellungen sich des Arbeitsamtes bedienten. Eine solche Benutzung des Ar-, beitscuntes trägt zweifellos mit zur Entlastung der Gesamtwirtschaft bei.
Seil Dezember besteht beim Arbeitsamt auch eine besondere Abteilung für Berufsberatung, die mit einem hauptamtlichen Berufsberater und mit einer hauptamtlichen Berufsberaterin besetzt ist. Da der Arbeitsamtsbezirk räumllch sehr groß ist und sich fast mit der Provinz Oberhessen deckt, so sollen nach und nach
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Hochschulnachrichten.
Der durch das Ableben des Prof. 3uliu5 Köael an der Universität Kiel erledigte Lehrstuhl der Neutestarnentlichen Theologie ist Professor 0. Dr. Hans Win di sch an der Universität Leiden (Holland) angeboten worden.
Der Professor in der Leipziger 3uristen- fakullät Dr. jur. Erich Molitor hat einen Rus an die Universität Graz erhalten. — Der mit dem Titel eines ordentlichen Professors bekleidete Extraordinarius an der Wiener Universität Dr. mcd. Otto Fürth ist zum ordentlichen Professor für angewandte medizinisch« Chemie ebenda als Nachfolger des verstorbenen Prof. Emil Fromm ernannt worden.
ihre Eltern. Die sind natürlich "ehr beglückt durch den Besuch ihrer Tochter und haben auch viel Freude Über Tumini. die schwarz dem weißen Korb entsteigt und sich die ungewohnte Fahrt im engen Gelaß zunächst einmal gähnend au? den Knochen reckt. Dann schaut sie sich um und beäugt und beschnuppert mit der den Katzen eigenen Vorsicht ihre neue Umgebung. Ob sie ihr gefällt, ist ungewiß. Sie wird sich schon gewöhnen, denkt Frau White und streichelt aufmunternd das schwarze, knisternde Fell, und die alten Herrschaften lind ebenfalls davon überzeugt, daß Tumini sich wohl bei ihnen fühlen wird.
Aber Mensch und Tier sind zweierlei, nicht nur von außen besehen, sondern auch im Fühlen und Denken. Der Mensch meint freilich, sein Denken und Fühlen sei von solcher Vollkommenheit, daß das Tier sich dem ohne weiteres unter- ordnen müsse. Das Tier jedoch ist manchmal anderer Meinung. Tumini gibt einem selbst in öen Annalen der zoologischen Wissenschaft erstaunlichen Beweis davon.
Als Frau White unö ihre Eltern am nächsten Morgen ausstehen unö sich Der Katze erinnern, ist Tumini nicht mehr da. Sie ist nirgends zu finden, die Schwarze, weder in der 'Wohnung noch im Keller oder im Garten. Sie ist durchaus unsichtbar geworden, denn auch in der Nachbarschaft findet sich keine Spur. Lediglich ein paar Leute, die an der übrigen nahe vorüberführenden Bahnstrecke wohnen, glauben auf oder an den Schienen etwas Schwarzes gesehen zu haben, das auch eine Katze gewesen sein kann. Mehr ist indes nicht zu ermitteln. Und als mehrere Tage vergangen sind, wird die Hoffnung, daß Tumini doch noch einmal auf tauchen werde, endgültig begrabem Die Trauer um das verschwundene Tier währt die unter Menschen übliche. währt kurze Zeit. Wer wird auch wohl um eine Katze viel Wesens machenI
Nach zehn Tagen kommt eine merkwürdige, kommt eine höchst sonderbare Nachricht von Ripon nach Cardisf: Tumini ist wieder dal Tumini. die Sd;warze mit den gewaltig grünen Augen, hat sich zu Hause eingesunden. Sie sieht nicht so schön und glänzend aus wie bei der Abreise, nein, wahrlich nicht. Sie ist so abgemagert, daß ihre Rippen durch das Fell zu sehen sind, und was dieses Fell, der Stolz des Hauses White zu Ripon, anlangt, so ist es arg zerzaust, ja teilweise sogar zerfetzt und von Staub und
der Art von der Arbeitslosigkeit im Dezember besonders empfindlich betroffen worden; das hängt in erster Linie mit von den Witterungseinflüssen ab. denn der Baumarkt ist an sich verhältnismäßig gut beschäftigt. Die Arbeitslosigkeit in diesen beiden Derufsgruppen wird deshalb sofort wieder erheblich zurückgehen, wenn die Witterung die Fortführung der Bautätigkeit gestattet. 3n der folgenden Uebersicht zeigen wir die Zunahme der Arbeitslosigkeit in einigen typischen Derufsgruppen. Aus dieser Uebersicht ist die sprunghaft zugenommene Arbeitslosigkeit in den bereits genannten Derufsgruppen ersichtlich.
3m einzelnen suchten am Schluß des Berichtsmonats Arbeit in den Berufsgruppen:
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Tumini.
Don Will Scheller.
Diese Geschichte hier gibt dem Erzähler keinen Älnlah, auf seine Phantasie besonders viel sich Mnzubilden. Denn was er berichten wird, ist rächt mehr als eine wirkliche und wahre Begebenheit, die sich unlängst in England zugetra- gen unö einen Teil der dortigen Oeffentlichkeit L.-nsthaft beschäftigt hat. Es handelt sich im folgenden also um nichts anderes als um eine Aussage von jener Art. bei der nichts verschwie- $tn unö nichts hinzuyesetzt wird.
3n Ripon, einem alten, sonst aber, unö von feinet Eigenschaft als Bischofssitz abgesehen, Mm sich unbedeutenden Städtchen der Grafschaft Äork, lebt eine Frau White. Vielleicht gibt es icvrt noch mehrere Frauen dieses Namens; doch te'iti'te schwerlich eine darunter zu finden fein, die sich in gleicher Weile des Besitzes einer so stattlichen Hauskatze rühmen kann wie die, von der c den gesprochen wird. Die Katze selbst ist schwarz unö hört, wenn sie will, auf öen immerhin garten Namen Tumini. Ob sie nun nicht ganz
ost, wie Frau White sich's wünschen mochte, aus diesen ihren Namen gehört oder sonst etwas fi;<tan oder unterlassen hat, was nicht im Sinne O'ir Herrin lag — denn der Mensch wird ja so laicht des Tieres überdrüssig, wenn es nicht bequem sich behandeln unö seinem Besitzer als tftte Sache (unö nicht als ein Wesen) sich überlebt — kurzum: Frau White kommt eines Tages oifden Gedanken, Tumini. öai schwarze, eigen» billige Geschöpf, zu verschenken. Sie tut also
Tier in einen Korb, geht mit ihm unö anderem Gepäck zur Bahn unö besteigt Öen 3hg nach Cardiff, wo ihre Eltern in einer Dor- n»cbt den Lebensabend verbringen. Frau White dankt, daß Tumini diesen Lebensabend recht gut ein wenig erheitern unö dergestalt so etwas tv e einen vernünftigen Dasein.zweck erfüllen «um. Frauen denken ja bei allem mit einer Eiffen Vorliebe an die Vernunft. Und alte te haben ja auch gewöhnlich viel Zeit und lallen sich die Wärme eines schmeichelnden Tiers ai<ht ungern gefallen.
Stau White fährt also mit der Eisenbahn. iKmini, die Schwarze mit den gewaltig grünen «egen, im Korb neben sich, die rund vierhundert Kilometer von Ripon nach Cardiff und besucht
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jW.unb 21. jammt -MsM-,Avldmlagrl5 Mag wortn, tinnen ’tn lEen auch einmalig ™. bewußter Slim, tüe seelische u. nervöse ’Wlofigta'LWti. iCrüaneunbßrüfenunb i dem Menschen Höchst.
an größeren Orten Hilfsstellen b Berufsberatung errichtet werden, um l... Ratsuchenden allzuwelt« Wege zu ersparen. Dank bereitwilligsten Entgegenkommens seitens der Schule unö der Vertreter der Wirtschaft konnte der Organisationsaufbau gute Fortschritte machen. Sämtliche Schulämter des Arbeitsamts-
Theater, Musik usw.
Gast, und Schankwirtschaft Verkehrsgewerbe
Häusliche Dienste
Lohnarbeit wechselnder Art
Maschinisten und Heizer aller Art
Kaufmänn. Angestellte, Bureauangestellte, Techniker aller Art, Freie Berufe
tion auferlegt, aber Benito und Pius sind nicht die letzten ihres Geschlechts und wenn auch der D ice eine singuläre Erscheinung bleiben sollte, die selber von ihrer Einmaligkeit durchdrungen ist und daher keine Zeit zu haben glaubt — nun, der Papst ist immer nur ein Vorgänger, die Kirche hat diese Zeit. Sie kann warten.
Unüberbrückbar erscl^einen die Gegensätze vom außenpolitischen Standpunkt aus. Mussolini kann, wenn er sich selber treu bleiben will, das nicht geben, was der Papst als sine qua non verlangt: ein Stück Italien. Denn damit wäre nach der Auffassung des Kriegsministers Mussolini auch ein Miniaturlirchenstaat, der aus innerpolitischen Gründen im Kriegsfälle neutral bleiben müßte, allen Gefahren und Einslüsten dieser Neutralität ausgesetzt. Italien müßte in seiner eigenen Hauptstadt nicht nur Vertreter fremder Mächte, kirchliche, gewiß, aber damit nicht unpolitische dulden, sondern auch die taktischen und technischen Möglichkeiten eines Geländes ertragen, das frei mit dem Feinde korrespondieren kann. Aus solchen Erwägungen heraus muß das strategische Italien schon zögern, das päpstliche Nutznießungsrecht an den vatikanischen Palästen in ein Eigentumsrecht umzuwandeln. So, wie die Dinge jetzt liegen, und nur so kann es beispielsweise die Einrichtung einer starken Radiostation verhüten oder kontrollieren.
Eines Tages wird freilich der Fortschritt über solche Hemmungen hinwegfliegen. Schon heute kann man mit einem drahtlosen Fernsprecher, einem Kasten, den man im Koffer mitfuhren und auf jedem Tisch eines Hotelzimmers einzuschalten vermag, zum Beispiel von Berlin nach Buenos Aires sprechen. Das moderne Italien ist gar nicht für allgemeines Arme- und Türenöffnen, für Weltver- brüderung und Grenzfreiheit. Wenn man im Aus- land lagt, es fei unter Ruten und Beil das langweiligste Land der Welt geworden, so nimmt es diesen Vorwurf mit Gelassenheit, ja, mit einem gewissen Stolz hin, jenem Stolz, den der stille Arbeiter gegenüber dem fröhlichen Bummler hat. Warum sollen wir das Forum in einen Luna- park, das Kapitol in ein mondänes Hotel mit Jazz und Sektnischen verwandeln? Um der Fremden willen? Mögen sie nach Paris oder Berlin gehen; Italien zieht es vor, eine einzige stahlglühende Werkstatt zu sein. Wegen der Hotelindustrie? Soll sich umstellen und ihr Kapital in die Bodenverbesserungen, in die Rüstungsindustrie stecken! Wir können auf die allwinterliche Invasion der reichen Amerikaner und Engländer verzichten. Seinerzeit, als Italien nichts Besseres vorhatte, mögen sie willkommen gewesen sein, jetzt wollen wir Herren im eigenen Hause fein, nicht mehr Portiers!
Das kann man nicht nur hören, sondern schwarz auf weiß lesen. W?«- erinnert sich da nicht der schicksalsschwangeren Tage vor der Intervention, als D'Annunzio predigte, Italien habe es satt, das entzückende Nest für Hochzeitspärchen zu fein? Wem es Spaß macht, der mag noch viel weiter zurückgehen auf der Suche nach einer ähnlichen Geistes- richtung, und bann wird man mit dem Kopf an die große Mauer stoßen, die China errichten ließ, als es das auserwählte Land zu sein glauote, das „von niemand mehr etwas lernen könne". Ein Satz, den Kammer, Presse und Auslandsorgane des vierten Italiens ausgenommen haben. Zum Glück ist die llebertreibung, die darin steckt, eine bewußte, mehr für die Stärkung des Nationalgefühls, als für den Oremdenverkehr bestimmte. Daß die italienischen inanzpolitiker, die wissen, welche gewaltigen Summen die Reisenden ins Haben des Staatskontos buchen, etwas nüchterner denken, beweisen schon die Anstrengungen der Propagandastellen für den Tourismus, die staatliche Unterstützung erhalten. Sie sollten die Fremden nicht abschrecken, sondern ihnen und dem italienischen Volke im Gegenteil den Zugang zu den ehrwürdigen Stätten einer uralten Kultur wieder verbilligen, nachdem für Forum und Palatin wie für Pompeji die Eintrittspreise so unzweckmäßig hinaufgeschraubt worden sind. Gerade oer Faszismus knüpft ja so gerne an die klassischen Ueberlieferungcn an — warum, also Einheimische und Fremde, die doch wahrhaftig nicht alle ein Chambre säparee auf dem Kapitol suchen, von den wirksamsten Propagandapunkten abhalten?
Die toeitemarfflage im Mnai Dezember 1928
Bericht des Arbeitsamtes Gießen.
Römischer Bries.
Don unserem ständigen ^-Korrespondenten.
Rom, Januar 1929.
Zweimal im Jahre, zu Weihnachten und zu Ostern, wird die römische Frage gelöst und zur schönen Sommerszeit verläßt der Gefangene im Vatikan seinen goldenen Käsig, um sich nach Castel- gandolfo zu begeben. Alle Jahre wieder kommt diese Seeschlange aus der Leostadt hervorgekrochen, schwimt ifen Tiber hinauf und sucht die Redaktionsstuben heim. Und jedesmal „endgültig". Wer kann auch fern von Rom wissen, ob nicht „diesmal wirklich etwas daran ist?" Heuer fällt überdies Ostern so frühe, daß kaum eine Besinnungspause zwischen den beiden Besuchen bleibt — der Fasching ist außergewöhnlich kurz.
Urheber, meistens unfreiwillige, des Karnevalsscherzes sind immer Leute, die es „v o n besonderer Seite" haben und hier wäre einmal ein kräftiges Wort vom Pfuschertum in der Presse am Platze. Soeben hat Mussolini Titel, Begriff und Beruf des Journalisten geschützt, wie den des Arztes und Rechtsanwaltes auch, im freieren Europa aber darf sich noch immer ein jeder Pressevertreter nennen, der nichts Besseres zu tun hat. Mehr- er darf tatsächlich der Presie Berichte und Informationen einsenden, die auch abgedruckt werden. Wenn ein Unberufener im Krankenhaus den Assistenzarzt spielt, dann wird er, sofern man ihn erwischt, zur Rechenschaft gezogen; in der Politik aber darf jeder Ecken st eher ungestraft mit» wirken. Ist es nun schon eine zweifelhafte Sache, wenn Nichtfachleute in das heikle Getriebe einer Tageszeitung hineingreifen, wohlverstanden: nicht bloß mit einem gelegentlichen Meinungsartikel, son- dem als Berichterstatter, also als Tatsachenmelder, so kann nichts anderes herauskommen als das, was wir beklagen, wenn Zeitungen sich von dort, wo Botschafter am Platze sind, durch Laufburschen unterrichten lassen: aus den Hauptstädten des Auslandes. Ein Pressevertreter, der dort seinen Mann hellen will, muß nicht nur gut schreiben können, er muß auch wissen, und er muß vor allem jenes Maß non Beurteilungsvermögen besitzen, das man nur in jahrelangem journalistischen Dienst erwerben kann. Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, unö boch erleben wir immer wieder staunend die beneidenswerte Kühnheit, mit der sich entgleiste Exi- kienzen oder blutige Anfänger als „eigene Korre- iponöenten" oder „Sonderberichterstatter" auf dem schwierigsten Gelände der Berichterstattung nieder- lassen, über Nacht häuslich cinrtdjten und mit dem ersten frohen Morgen unbekünnnert ihre Stilproben in die Welt hinausschicken.
In Rom schießen diese Glückspilze — den Ausguck Glücksritter wollen wir vermeiden — besonders nach den nordischen Herbstregen auf, wenn die berühmte-Sehnsucht nach dem Süden erwacht. Dann ist die römische Frage gerade gut genug, den Weihnachtsbraten pikant zu garnieren. Im Frühling deckt sie die Kosten der ersten Weinreise nach Frascati und leitet mit der Sensation von Castelgan- ■folfo, dem Sommersitz des Papstes, zwanglos in die Ferien über. Es ist durchaus beachtenswert, wie l?id)t die Herren den Konflikt zwischen “51 a a t und Kirche, an dem nun schon viele Generationen herumgrübeln, zu lösen verstehen, wie fflink sie einen Korridor vom Vatikan zum Meere tauen, wie spielend sie einem Mussolini den Staat im Staate mundgerecht machen können. Diesmal ab ex, das muß zugeben werden, sind auch ältere Wüchse in die Falle gegangen, denn tatsächlich hat Biesmal eine „besondere Seite" etwas verlautbaren Riffen, nämlich eine Gruppe der diesseits und jen- i?its des Tibers interessierten Streitschlichter. Fragt ff-ch nur, ob dieses Interesse auch zwischen Vatikan I ®nö Palazzo Chigi — die Formel „Quirinal und Vatikan" hat sich überlebt — so rege ist. Es gibt Kenner in beiden Lagern, die der Meinung sind, fric gegenwärtige Lage bilde die beste Lösung der römischen Frage. Mag {ein, daß Mussolini den lebhaften Wunsch hat, sein Prestige Virch ein diplomatisches Meisterstück zu vergrößern: Mag sein, daß der gegenwärtige Papst, der fünf» Mndsechzig Bergbesteigungen vor seiner Krönung unternommen hat, persönlich sehr unter der frei» willigen Gefangenschaft leidet, die ihm die Tradi-
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Land- und Forstwirtschaft
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Bergbau
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Chemilche Industrie
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Zellstoff- und Papierherstellung Lederindustrie und Industrie leder-
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Holz- und Schnitzstoffgewerbe Nahrungs» und GenußmiUel-
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Bekleidungsgewerbe ■
Gesundheits- und Körperpflege^
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Reinigungsgewerbe
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Baugewerbe
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