Ausgabe 
17.7.1929
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Rr. (65 Zweites Blatt

Mittwoch. 17. Zuli 1929

Sturm über Asien!

Sowjetultimatum an China. - Die Mandschurei, der Zankapfel der Großmächte. Japans bedrohte Schatzkammer.- Eisenbahnen, die ein Land beherrschen.

Don Or. Georg Häfner.

Wenn ein Land, das die Hälfte von Europa dar- | stellt und den ganzen Norden Asiens bis zur Küste des Stillen Ozeans einnimmt, dem volkreichsten Staat der Erde ein Ultimatum stellt, so stehen Ver­wicklungen bevor, die das Gespenst eines neuen, großen Krieges vor uns erstehen lassen. Aus der Sowjetunion kommen alarmierende Nach­richten über Vorbereitungen in der Roten Armee; ferner ist erwiesen, daß die chinesische Regie­rung an der Grenze der Mandschurei mobili­sierte Truppen zusammengezogen hat, um für alle Fälle gerüstet zu sein; da sowohl Rußland, wie das Reich der Mitte viele Gegner haben und in zahllose politische Verwicklungen verstrickt sind, ist noch nicht abzusehen, welche Dimensionen der aus­gebrochene Konflikt onnehmen wird.

Als die Russen im Jahre 1924 mit der chinesi­schen Regierung den Vertrag über den Besitz und die Verwaltung der o st ch i n e s i s ehe n Eisen­bahn abgeschlossen hatten, gelang es ihnen durch einen äußerst geschickten Schachzug, sich neue Sym- pachien bei ihren asiatischen Nachbarn zu erwerben und gleic^eitig ihren Einfluß auch äußerlich in Peking zu erhöhen; sie schlugen nämlich den Chi­nesen vor, gegenseitig ihren diplomatischen Missionen den Rang von Botschaften .zu­zuerkennen, und da das schwache China bisher bei allen anderen Mächten nur das Recht zur Ent­sendung von Gesandten besitzt, wurde diese Ehrung von dem um nationale Unabhängigkeit kämpfenden Volk dankbar begrüßt. Während China nun von diesem Zeitpunkt an ebenso wie die Großmächte in Moskau einen Botschafter besaß, rückte der Ver­treter Rußlands in Peking ebenfalls in diesen Rang auf, und die Gesandten Englands, Ameri- kas, Japans und Frankreichs mußten neidvoll ihrem bisher verachteten russischen Kollegen bei allen di­plomatischen Ereignissen in Peking den Vortritt laßen.

Damals waren die Chinesen sehr stolz, daß sie cs erreicht hatten, neben den Russen in die Ver­waltung der chinesischen Ostbahn einzuziehen und Teilhaber dieses politisch und wirtschafllich sehr wichtigen Unternehmens zu werden. Die 1725 Kilo­meter lange Bahnstrecke verbindet die transsibi­rische Eisenbahn mit Wladiwostok, führt also quer durch die Mandschurei von Sibi­rien nach der Sowjetrepublik des Fernen Djt e n 5. In CHarbin zweigt sich die Linie nach Mukden ab, die einerseits Peking auf dem schnellstem Wege mit Europa verbindet und andererseits durch die beiden Arme der südman­dschurischen Bahn die wichtigste Verbindung Ja­pans und Koreas mit der westlichen Welt darstellt. Im Jahre 1903 ist diese Bahnlinie vollendet wor­den, die Rußland praktisch zum Herrn der Man­dschurei machte und ihm sogar das Recht verlieh, im Gebiet der Bahn Militär- und Polizeigewalt auszuüben. Die Russen haben aus einem arm­seligen chinesischen Dors die große Handelsstadt Chardin gemacht, die heute nahezu 400000 Einwohner zählt und deren wettläufige Anlage auch dem Fremden sofort den russischen Städte­bauer verrät. Um die Herrschaft in der Mandschu­rei entstand dann vor einem Dierteljahrhundert der russisch-japanische Krieg, der den Einfluß der Zaren zurückdämmte und die südman­dschurische Bahn in japanischen Besitz überführte.

Damals wohnten in der Mandschurei, einem Gebiet, das doppelt so groß wie das Deutsche Reich ist, etwa sechs Millionen Menschen, jetzt werden es über 30 Millionen sein. Die B e o ö l - kerung hat sich also in 25 Jahren mehr als verfünffacht, und das Land hat damit einen Aufstieg genommen, der nur mit dem raschen Wachstum amerikanischer Städte verglichen wer-

den kann. An der sprunghaften Entwicklung dieses fruchtbaren und an Naturschätzen reichen Gebietes haben Russen, Japaner und Chinesen mitgearbeitet. In der Mandschurei leben etwa 200 000 Russen und nach manchen Schätzungen ebensoviel Japa­ner; Baron Tanaka hat freilich vor einem hal­ben Jahr, als er noch japanischer Ministerpräsident war, die Zahl seiner Landsleute in der Mandschu- rei auf nahezu eine Million beziffert, aber diese Angabe darf wohl nur als politisches Argument und daher in unabhängiger Berichterstattung über­haupt nicht gewertet werden. Von den Japanern, die in der Mandschurei leben, sind nur verhältnis­mäßig wenige Ackerbauer; denn japanische Kolo- nisten vertragen das rauhe Klima und die harten Lebensbedingungen in der Mandschurei ebensowe­nig, wie südchinesische Einwanderer. Die Japaner sind die Herrenkaste des Landes; sie treiben Handel, besitzen Bergwerke, legen Fabriken an. Die süd- mandschurische Eisenbahn bient nicht allein dem Verkehr, sondern ist auch industrielle Unternehme­rin, der Kohlenbergwerke, Oelmühlen, Eisen- und Stahlwerke, aber auch Hospitäler und Schulen ge- hören.

Russischer Eisenbahnbau und japa­nische Industrialisierung waren die Vor­aussetzung, aber die chinesische Einwande­rung ist die Grundlage des schnellen Aufittegs der Mandschurei Aus den Provinzen Schantung und Chili ergießt sich Jahr für Jahr em breiter Strom chinesischer Bauern in das weite Land, des­sen fruchtbarer Ackerboden erst zum dritten Teil bearbeitet wird. Mit der Eisenbahn, zu Schiss, sogar zu Fuß kommen die anspruchslosen gelben Männer mtt ihren Familien, die den Boden ur­bar machen, Sojabohnen pflanzen, Weizen bauen, sich einige Jahre durchhungern und so das Land mit ihrem Schweiße erobern. Die alten Herren der Mandschurei, die kriegerischen Mandschus und an­dere Restoölker, sind längst in entlegenere Gegenden gedrängt worden. Die Mandschurei, die staatsrecht­lich in einem lockeren und nicht völlig geklärten Zu­sammenhang mit dem Reich der Mitte steht, wird durch den ständig stärker fließenden Strom der chinesischen Einwanderer schnell zu einem ganz chi­nesischen Gebiet; aber vorläufig sind die Ansprüche, die die Staatsmänner in Nanking auf dieses nörd­liche Land machen, weder moralisch, noch historisch, noch wirtschaftlich ebenso unbestritten gerechtfertigt, wie der Wunsch der chinesischen Nationalisten, die fremden Pachtgebiete an der pazifischen Küste zu­rückzuerhalten.

Schritt für Schritt mußten die fremden Mächte in China auf ihre Vorrechte verzichten und ein­sehen, daß dieser Staat mit 400 Millionen Ein­wohnern nicht in eine Reihe von Kolonialreichen aufgeteilt werden kann. Die Sowjetunion hat von vornherein freiwillig eingeräumt, was sich I a- p a n und England mühsam abtrotzen ließen; wenn Rußland jetzt auf ein Recht vernichten soll, das ihm zweifellos aus einem erst fünf Jahre alten Vertrag zusteht, so könnte Japan einerseits erleichtert aufatmen, einen gefährlichen Rivalen losgeworden zu fein; andererseits müssen die Macht­haber in Tokio fürchten, daß der gewaltsamen Ent­eignung der chinesischen Ostbahn die ebenso ver- tragswwrigeEroberung der südmandschurischen Bahn" folgen werde. Das wäre für Japan weit verhängnisvoller, als für Rußland. Schließlich ist die Mandschurei für die Sowjetunion nur eine ent­fernte Jnteressenssphäre, ein Vorposten im Fernen Osten, der der Sicherung Sibiriens dient. Für Ja­pan ist dieses Land aber viel mehr. Auf den japa­nischen Inseln gibt es kein Eisen und nur wenig Petroleum; beides findet man in der Mandschu­rei, und die Japaner haben die Gewinnung die-

Gießener Gtavttheater.

Roderich Benedix:

Die zärtlichen Verwandten".

Benedix. Schauspieler, Theater'oirektor und Schriftsteller aus Leipzig (1811 bis 1873) hat ja zwar die kaninchenhafte Produktion des seligen Kotzebue nicht ganz erreicht, hat es aber unter anderem immerhin auf 27 (siebenundzwanzig) BändeGesammelter dramatischer Werke" ge­bracht; er war nicht nur der Liebling seiner Zeit: einige seiner Stücke haben ihn lange überlebt. Man glaubt sie immer wieder endgültig begraben. Aber sie leben noch und haben Erfolge selbst heute wieder... wie zu Lebzeiten ihres Schöpfers. *

Es ist ganz objektiv festzustellen, daßDie zärtlichenBerwandten" an einemHunds- tagsabend eine Io stürmische Zustimmung sanden, wie sie bei uns nicht häufig ist und wie sie vielen, unendlich wertvolleren Stücken nie oder nur sehr selten entgegengebracht wird.

Selbst wenn man die Ausführung in Rechnung stellt, die recht hübsch war, und die Anwesenheit eines beliebten Gastes: man muß sich Wundern, wie so ein Erfolg zustande kommt. Es ist doch ernstlich über Benedrx nicht mehr zu diskutieren. Heber seinen philiströsen Humor; über seinen abgestandenen Witz; über seine zahme Satire, die ständig mit dem Zaunpfahl winkt; über den lappischen Dialog; und über die knallig insze­nierte Situation, die nicht dem Lustspiel, sondern dem Schwank entstammt.

Heber den Inhalt ist natürlich auch nichts mehr zu sagen. Denn wenn man begriffen hat und wer merkt es nicht schon in den ersten fünf Minuten, daß der Titel eine augenzwinkernde Ironie ist, die drei Akte lang knüppeldick aus- geschlachtet und ausgekostet wird, dann weiß jeder­mann hinlänglich Bescheid.

3e nun" (mit Denedixen zu reden): er verfügt doch über etwas, was den Erfolg, um den viele Zeitgenossen ihn beneiden könnten, wenigstens teilweise erklären mag. Heber Span­nung. Man wird nämlich gespannt: nicht ob sie sich kriegen (dies versteht sich von selbst), sondern wer sich kriegt. Hub es ist weise dafür gesorgt, daß die verschiedensten Kombinationen getätigt werden können.

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Soviel vom Stück. T a n n e r t, der die muntere Inszenierung besorgte, erfaßte die einzig mög­

liche Situation; er lieh das Stück im Stil der Zeit spielen: im verschollenen Biedermeier. Dicht nur als Theaterstück, sondern zugleich als Kostüm­ulk, mit kräftiger Hnterstreichung, markierter Ironie, breit, behäbig und geflissentlich; er schien das Ganze nicht ernst zu nehmen, und es war das Beste, was er tun konnte. Der Erfolg hat ihm jedenfalls rechtgegeben.

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Frau Prasch-Grevenberg als Gast, oder die verkehrte Welt; sie gibt nämlich nicht etwa eine reife und würdige Dame, sondern ein Mädchen (Määädchen"), ein älteres zwar, doch ein heiratslustiges, um nicht zu sagen manns- tolles; schäkernd und knicksend und kichernd, wei­nend und greinend, boshaft und hämisch nach der wildesten Enttäuschung. In der brillant ge­spielten großen Szene pes zweiten Aktes gewann ihre Rolle stellenweise, über allen Hlk und alle Karikatur hinaus, den Hmriß einer mensch­lichen Wesenheit; hier merkte man, was eine große, überlegene Schauspielerin aus einem schlechten Stück herauszuholen vermag.

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Auch die übrigen Damenrollen: sehr gut be­setzt. Am besten gefiel uns Fräulein Heß; weil sie die Grenzen nicht überschritt, im Rah­men einer Lustspielfigur blieb und wirklichim Stil der Zeit"; obwohl man auch darüber noch lächeln muß. Eine dezent und anmutig gespielte Partie.

Etwas sehr Drolliges machte Ilse Jahn: einen himmlisch lispelnden Backfisch, sonst nichts, nur einen Backfisch; zwar war es auch em biedermeierlicher, aber dies nur äußerlich, denn der Backfisch ist gewissermaßen zeitlos und an keinen Stil gebunden; allerdings scheint er, leider, auszusterben.

Lieselotte Fuhrmann, abermals die verkehrte Welt, als eine nadelspitze, gallenbittere, hoch­gestochene Witwe, Tante und Tunte sehr ge­setzten Alters. Ingeborg Scherer, ein er­freulich aus dem trauten Kreise ausbrechendes, tanz-, lach- und lebenslustiges Mädelgeschöpf, das verdientermaßen unter die Haube kommt. Luise Jüngling, der Blaustrumpf mit wuchtigem Schritt und dröhnender Stimme, war recht in ihrem Element und erntete Sonder- appläuse.

Von den Herren fanden sich Ebert-Gras- sow. Arzdorf und Wefener mit Anstand

ser Bodenschätze auch unter beträchtlichen Kosten in Angriff genommen. Japan ernährt sich außerdem Aum großen Teil von den Bodenfrüchten der Man- oschurei. Würde man dem östlichen Jnselvolk diese Produkte wieder entziehen, so müßte Japans Welt­machtpolitik schnell zusammenbrechen. Den Japa­nern kann daher nichts daran liegen, einen ge­fährlichen Präzedenzfall zu schaffen und die Ent­eignung der ihnen sonst sehr unbequemen Rusten zu begünstigen.

Noch schwieriger ist die Lage, in die England bei einem Krieg Zwischen der Sowjetunion und China geraten würde. Der englisch-russische Gegen­satz hat sich sehr gemildert. Man konnte aber schon unter der konservativen Regierung des britischen Weltreiches die merkwürdige Beobachtung machen, daß den Engländern an der Schwächung der rus­sischen Stellung in aanz China viel, aber gerade in der Mandschurei sehr wenig liege. Ein bolsche­wistisches China würde für das größte Kolonial­reich nicht nur den Verlust eines wichtigen Mark­tes, sondern eine Bedrohung seiner gesamten Ko­lonialpolitik bedeuten. Sollte dagegen die Sowjet­union aus der Mandschurei verschwinden, so könnte der japanische Einfluß leicht zu gewaltig werden. Deshalb steht England zur Erhaltung des poli­tischen Gleichgewichts im Fernen Osten gerade in der Frage der Mandschurei den Rusten nicht unfreundlich gegenüber. Auch die Amerikaner würden es begrüßen, wenn Japans Macht in der Mandschurei nicht zu groß würde. Die Welt­mächte wünschen also keine Veränderung des be­stehenden Zustandes, und die Chinesen werden sich wohl dem Druck der ganzen Welt nicht widersetzen können.

Oberheffen.

Geißsest in Langsdorf.

ds. Langsdorf, 16. Juli. Begünstigt vom schönsten Wetter konnte am Sonntag der Zie­genzuchtverein Langsdorf sein 2 5 i ä h r i - ges Bestehen festlich begehen. Gegründet wurde der Verein 1903 durch den Altbürger­meister, Land- und Reichstagsabgeordneten Phil. Köhler, Langsdorf. In Anbetracht dessen, daß im vorigen Jahr Turnfest war, hat der Geiß­verein sein Jubiläum auf dieses Jahr verlegt. Vor 25 Jahren feierte man hier das Gründungs­fest, ein Fest, zu dem der Abgeordnete Köhler- Lugge die ganze Hmgegend mobil gemacht hatte, das in vielen Zeitungen Erwähnung fand und noch heute in Langsdorf und der Hmgegend in Erinnerung geblieben ist. Seitdem hat die Ziegenzucht hier immer mehr Anhänger gefunden. Hnd nun, nach 25 Jahren, wollte man wieder einmal einGaaßefest" feiern. Unter den Klän­gen einer Kapelle bewegte sich ein stattlicher F e st z u g, in welchem die mit Bändern ge­schmückten Geißen durch Schuljungen geführt wurden, zum Festplah, als welchen man den Sportplatz gewählt hatte. Dort begrüßte der erste Vorsitzende Heinrich Weber II. die Fest­gäste, worauf Bürgermeister Kneipp das Wort zur F e st r e d e ergriff. Er führte aus, daß die Ziege schon unseren germanischen Vorfahren ein liebes Tier gewesen und von welch hoher volks­wirtschaftlicher Bedeutung dieses fälschlicherweise so oft verspottete Tierdie Kuh des kleinen Man­nes" sei. Er ermahnte die Erschienenen, dieses Fest, das das erste dieser Art sei, nicht als Jux und als Auswuchs des allgemeinen Fest- rummels zu betrachten. Cs sei ein berechtigtes Jubiläum, wenn man bedenke, wie schwer es gewesen, bis man den Wert der Ziegenzucht erkannt habe. Die Ziege spiele insofern eine wichtige Rolle, als sie dem kleinen Mann bei ihrer Anspruchslosigkeit sein Los zu bessern helfe, ja, sie sei berufen, mitzuhelfen an dem wirtschaft­lichen Wiederaufbau. Rach einem Hoch auf das Vaterland fang dann der GesangvereinCon­cordia" ein Lied. Alsdann ergriff der Kreis­vorsitzende des Ziegenzuchtvereins, Landtags­abgeordneter Fenchel, das Wort zu längeren Ausführungen. Nachdem auch er den Wert der

in ihre konventionellen Rollen und ihren leder­nen Dialog.

Kurt D o m m i s ch, der neue Komiker, hatte mit der Partie des Schurnmrich, eines elend aufgeblasenen und taktlosen Gecken auf der Braut­schau, zwar sofort einen stürmischen Erfolg, spielte aber für unfern Geschmack viel zu deutlich und stellte am Ende eine Zirkusfigur, was reichlich übertrieben wirkte.

Friedrich Zingel und Hanns Heitzig, eben­falls neu engagiert, waren in kleineren Chargen­aufgaben beschäftigt, nach denen sich kaum ein Urteil über ihre Fähigkeiten bilden läßt.

Vom Erfolg wurde gesprochen; es gab Beifall bei offener Szene und viele schöne Blumen zum Schluß. Dr. Th.

Afrikanische Medizinmänner.

Auch die südafrikanischen Medizinmänner und Zauberer folgen dem Zug der 3eit und haben sich jetzt zu einem Verband zusammengeschlossen, um chren durch die fortschreitende Aufklärung schwer bedrohten Stand zu schützen und sich mehr Ansehen zu verschaffen. Die Zauberer und Wun­derdoktoren besitzen unter den eingeborenen Stämmen Südafrikas noch immer eine große TkBeutung, und es ist dem weißen Manne noch nicht gelungen, trotz alles Unterrichts und strenger Gesetze den uralten Aberglauben aus den Herzen der Schwarzen zu reißen, in denen er durch Jahrtausende alte Heberlieferung wur­zelt. DerZauber", den diese Leute ausüben, ist häufig auf geschickte Autosuggestion zurückzu­führen. Dabei kommen die sonderbarsten Behand­lungsformen vor. So wurde kürzlich aus Ratal berichtet, daß bei einer furchtbaren Malaria- Epidemie der Zauberdoktor die Bewußtlosen mit höchst modernen Mitteln" heilte. Der Medizin­mann zermalmte nämlich eine Grammophonplatte zu Pulver, mischte dieses Pulver mit dem Wasser von einer Lokomotive und erklärte, daß er auf diese Weise den Kranken zum Sprechen und zum Laufen bringen werde. Rach dem Bericht ist ihm dies auch tatsächlich gelungen, so daß die sprechende Macht des Grammophons und die Fortbewegungskraft der Eisenbahn auf den Pa­ttenten übergingen. Trotz solcher Quacksalberei finden sich aber in den halb medizinischen und halb religiösen Prakttken der Wunoerärzte auch manche beachtenswerte Kenntnisse und Ferttg- keiten. So haben z. D. die Medizinmänner, lange bevor die moderne Heilwissenschaft auf diesen

Ziege geschildert, betonte er, daß es das Wer? seines Vorgängers im Landtag, des Abgeordneten Philipp Köhler-Lugge gewesen sei, daß Ziegenzuchtvereine entstanden. Köhler habe sich mit seiner ganzen Persönlichkeit unermüdlich für die Ziegenzucht eingesetzt und sei beim Landtag und allen maßgebenden Stellen vorstellig ge­worden, um die Ziegenzucht zur Blüte zu bringen. Alles, was in den 25 Jahren geschehen und er­reicht sei, müsse auf seine Initiative zurückgeführt werden. Köhler, ein Mann von ungewöhnlichem Weitblick, habe erkannt, was die Ziege dem Minderbemittelten bedeute. Die Festgäste ehrten daher sein Andenken und das der übrigen För­derer des Langsdorfer Ziegenzuchtvereins durch Erheben von ihren Plätzen. Im Ramen des Kreisvereins, der im nächsten Jahre sein 25jäh- riges Bestehen feiern kann, überreichte Ab­geordneter Fenchel denen, die 25 Jahre im Zucht­verein Langsdorf tätig sind, als Zeichen der An­erkennung und des Dankes eine silberne Radel. Rach einem zweiten Lied des Gesangvereins fand dann die Prämiierung der Ziegen und Lämmer statt. Anschließend folgte Tanz und Volksbelustigung.

Die vom Kreisvorsihenden Fenchel durch Heberreichung einer silbernen Radel für 25jährige Mitgliedschaft Geehrten sind: Heinrich Theiß, Heinrich HeilVI.. Georg Walther, Adam Ries und Wilhelm Theiß.

Bei der Prämiierung wurden zunächst drei- und mehrjährige Tiere gewertet. Je einen ersten Preis erhielten Hermann Roth IV., Heinrich TB e b e r II. und Heinrich Schäfer I. Den zwei­ten Preis bekamen Gustav Roth und Elise Schäfer. Der dritte Preis fiel zweimal an Georg Reih und einmal an Otto Pauli. Für ein- und zweijährige Ziegen erhielten einen zweiten Preis Gustav Bender und Gustav Weisel, einen dritten Preis Heinrich Theiß. Auch Lämmer wurden prämiiert: erster Preis Heinrich Roth II. und Wilhelm Theiß, zwei­ter Preis: Karl Krämer und Gustav Roth, dritter Preis Emil Roth, Wilhelm Theiß und Gustav Weisel.

Landkreis Gieren.

Z Großen-Linden, 16. Juli. Jrn Gegen­satz zu anderen Gemeinden der Umgegend ist die Wohnungsbautätigkeit in unserer Stadt in diesem Jahre äußerst rege. Insgesamt wer- den nahezu 20 Wohngebäude errichtet, außerdem werden noch an zahlreichen landwirtschaftlichen Ge­bäuden Umbauten und Reparaturen vorgenommen, so daß hier auch noch zahlreiche auswärtige Bau­arbeiter Beschäftigung finden. Erheblich begünstigt wird die Bautätigkeit durch die im vorigen Jahre durchgeführte wirtschaftliche Zusammenlegung der Grundstücke in unserer Gemarkung, wodurch wert­volles Baugelände erschlossen wurde.

gr. ©rüningen, 16. Juli. Der 12. Juli, der Heinrichstag, ist für die hiesigen Schul­kinder von besonderer Bedeutung. Jeder Schüler bekommt an diesem Tage einen großenHein- richsweck", der nach dem Sttfter Heinrich Bender so genannt ist. Außerdem erhalten die letztjährigen Konfirmanden, die Lehrer, sämt­liche Schulvorstandsmitglieder, der Pfarrer, Bür­germeister, Polizeidiener und Sttftsrechner einen solchen. In diesem Jahre hatte man die Re i ch s- jugendwettkämpfe auf diesen Tag ge­legt. Der 1. Sieger in jedem Einzelkampf bekam noch einen Siegerweck. Ausgetragen wurde in jeder Gruppe ein volkstümlicher Dreikampf, be­stehend aus 100- bzw. 75-Meter-Lauf, Weit- bzw. Hochsprung und Schlagballweitwurf. Die Anforderungen waren gegenüber dem Vorjahre z. T. etwas gemildert. Die Sieger: Gruppe I, Knaben: Erwin Leidich 40 P., Christian Petri 40 P. Gruppe I, Mädchen: Marie ©roßhaus 48 P., Emma I s h e i m 45 P.« Frieda Albach 44/2 P., Else Buß 44 P., Ottilie Kaus 42 P. VoÄasse, Knaben: Ger­hard Bender 50V2 P., Wilhelm Petri IL 47V2 P- Albert Leidich 46 P., Paul Jsheim 441/2 P., Wilh. Petri I. 42'/, P. Dorklasse,

Gedanken kam, die Paralhttker von Malaria- Mostttos beißen lassen, um ihnen so die Krank­heit beizubringen und dadurch die Paralyse zu bekämpfen. Auch bei der Gründungsversamm­lung, die der neue Verband der Medizinmänner in einer großen Halle an den Abhängen des Randgebirges abhielt, zeigten sie erstaunliche Künste und entfesselten die wildeste Begeisterung bei ihren zahlreich erschienenen Anhängern. Man darf sich diese modernen Medizinmänner nicht alsWilde" mit Lendenschurz und Bemalung vorstellen, sondern sie traten in europäischer Kleidung und mit einer merkwürdigen Eleganz' auf. Der Präsident der Versammlung trug einen vortrefflich sitzenden Anzug, steifen weihen Kra­gen und eine dunkle Brille; ein anderer war mit einem Schwalbenschwanz und grauen Bein­kleidern geschmückt. Der eine brachte seine Zauber­geräte in einem Tabakbeutel, ein anderer in einem Opernglasfutteral, ein dritter im leder­nen Handkoffer. Diesen Behältnissen entnahmen sie zunächst die Zauberknochen, aus deren Wurf die Zukunft erkannt werden kann. Es gibt hier Hauptknochen, die flach und lang sind; sie heißen der große Mann", derBeißer",die große Tante" und ..die Heine Tante". Auf einer Seite ist jeder dieser Knochen mit Flecken bedeckt, die andere ist glatt. Wenn alle Knochen beim Werfen auf die gefleckte Seite fallen, dann steht großes Hnheil bevor. Fallen drei Knochen auf die ge­fleckte Seite und eineTante" liegt nach west­licher Richtung, dannbist du tot vor Sonnen­untergang". Drei mit gefleckter Seite und eine Tante" nach Rorden gewandt, bedeuten Glück, und so gibt es zahllose Deutungen. Die Proben, die mit diesem Knochenwerfen gemacht wurden, erregten die größte Bewunderung, ebenso auch die Anwendung derriechenden Rute", das sind Stäbe, mit denen eine bestimmte Person, die dem Medizinmann ganz unbekannt ist, festge- stettt werden kann, die Diebe, Schätze und über­haupt unbekannte Dinge entdeckt. Vier Europäer, die anwesend waren, wurden gebeten, ihre Ra­men auf ein Stück Papier zu schreiben. Alle, darunter auch ein bekannter Arzt des Rand­gebietes, der sichMr. Williams" nannte, schrie­ben falsche Ramen auf. Auf die Aufforderung des Präsidenten hin:Mr. Williams", der allen Medizinmännern unbetarmt war, herauszufinden, ergriff der Rutenträger seinen Stab, flehte die Götter an, ihn zu leiten und warf dann die Rute, die direkt vorMr. Williams" niederfiel. Auch die Geheimnisse der Heilung durch Kräuter wurden an verschiedenen Kranken vorgeführt.