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Ausnahme gewisser Etnzelhetten über die Zah- lungsbank. Ich bin überzeugt, daß der Friede einen großen Schritt vorwärts machen wird.

Briand erklärte ferner, die Regierung dürfe sich nicht der Gefahr aussetzen, daß man chr nach der Konferenz in der Kammer vorwerfen könne, daß sie schlecht verhandelt habe. Wenn wir das R h einland räumen, so erklärte er werter, und wenn einige Monate später DeutsHland sich seinen Verpflichtungen entzieht, während wir ge­zwungen wären, unsere Schulden Zu bezahlen, so würde das nicht eine Atmosphäre des Friedens zwischen den beiden Völkern schaffen: tm Gegen­teil, es würde zwischen ihnen einen nicht wieder gutzumachenden Zustand der Feindseligkeit herbei- sühren.Der Friede," so fuhr Briand fort,wird sich übrigens nicht allein aus dieser Konferenz ergeben, er muh auch aus einer allgemeine­ren Verständigung zwischen den verschie­denen Ländern Europas entstehen. Seit mehreren Jahren habe ich persönlich bei verschiedenen mei­ner Kollegen, die die europäischen Staaten tm Völkerbund vertreten, eine Propaganda im Sinne einer

Organisierung Europas

übernommen. Ich habe eine sehr große Anzahl zustimmender Erklärungen erhalten und erst kürz­lich die wichtigsten Zustimmungen. Anter den gegenwärtigen Amständen bin ich der Meinung, daß Europa organisiert werden muh, um Kon­fliktsmöglichkeiten, die eine Gefahr für den Frie­den sind, zu beseitigen. In diesem Sinne suchen wir die Organisierung Europas als Pfand des Friedens. Es ist also nicht möglich zu sagen, daß die Regierung in irgend einem Augenblick das Interesse des Friedens in der Welt und vor allem in Europa außer acht lassen wird. Ich versichere der Kammer, dah man auf der nächsten Konferenz unsere ganze Aufmerksamkeit, unseren ganzen Willen nicht einen Augenblick von diesem Ziel abbringen wird.

Rach der mit Beifall aufgenommenen Rede Briands wurde die Fortsetzung der Aussprache auf morgen vormittag vertagt.

pariser Presse-Kommentare.

Paris, f7. Juli. (WTB. Funkspruch.) Einige Blätter vertreten auf Grund der Tatsache, daß in der gestrigen Kammersitzung die Tagesordnung Dubois mit 65 St im men Mehrheit abae- lehnt worden ist, die Ansicht, daß nunmehr der Antrag über die Ratifizierung der Schul­denabkommen angenommen und daß Ende dieser Woche die Angelegenheit erledigt ist.

Briands Aeußerunge n in der gestrigen Kammersitzung über die Regierungskonferenz ver­anlassen einige Blätter zur Stellungnahme. So schreibtEre Rouvelle": Briand war geist­reich, bezaubernd und allegorisch. Er kann zwar

ben Rhein nicht behaupten, trotzdem ist er entschlossen, ihn keineswegs für einLin- f eng «richt herzugeben. Was er ausführte, kann als die Vollendung der Technik desWenn und Aber" bezeichnet werden.- Die Art, in der er argumentiert, ist folgende: AlleS sagen kann ich eussh nicht, aber ihr müßt Vertrauen zu mir haben, zu mir, dem Mann von Locarno. Er hat auch etwaS durchblicken lassen von dem Zukunftsplan des europäischen Bundes des Frie­denseuropa.

Die radikaleRepublique" schretbt: Als Briand von der bevorstehenden internatio­nalen Konferenz sprach, war seine Zu­rückhaltung sehr groß. Wenn jemand in seinen Worten entdeckt hat, welche Haltung die Regierung dort eigentlich einzunehmen gedenkt, dann muß der Betreffende schon sehr schlau gewesen sein. Eins ist unbestreitbar: Briand hat uns versprochen, daß er auf die Konfe- renz einen fest en Willen mitnehmen wird. Er hat uns außerdem noch versichert, daß er unsere Auffassung zu verteidigen gesonnen und bereit ist, nach seiner Rückkehr dem Parlament Mitteilungen zu machen. Abgesehen aber von diesen allgemeinen Redensarten und oberfläch­lichen Apercus war nicht zu erkennen, was unter der Oberfläche steckte. Diel Stroh bringt nicht das geringste Korn, das ich der ganze Ertrag.

Ouotidien" schreibt: Briand kann nicht sagen, wir werden morgen räumen, dürfte sogar nicht sagen, wann wir räumen werden. Genau wie vor kurzem Henderson hat er sich bemüht, zu zeigen, wie sehr es in dieser Frage der Zurückhaltung bedarf. So hat Blum auf seine Frage zu der Angelegenheit keine präzise Antwort von Briand er­halten können.

Figaro" sagt: Briand, der Frankreich auf der kommenden Konferenz vertreten wird, hatte allen Anlaß, eine Antwort auf die an ihn gerichtete Frage unzweideutig abzu­lehnen. Er wünscht sich die Freiheit des Handelns zu bewahren, und er hat auch ein Recht zu schweigen. Aber er hat uns in feiner Form Gelegenheit gegeben, zu erraten, was er will, und es ist bewundernswert, daß das genügte, um die Sozialisten auf der einen, wie die Rationalisten auf der anderen Seite zu. be­ruhigen. Aehnlich wie Poincars hat er die Zukunft resigniert beurteilt, aber Poincar^s Resignation ist jüngeren Datums und schmerz­licher. Briand ist an Resignation gewöhnt und jagt inzwischen auf dem gefährlichen Terrain des Plans eines europäischen Bundes Chimären nach.

V i c t o i r e" schreibt: Der alte Fuchs von Locarno hat die Falle gewittert und sein Recht geltend gemacht, nicht von vorn­herein auf der Tribüne der Kammer zu erzählen, was er demnächst mit seinen Exgenossen Müller und Macdonald ins Werk zu setzen gedenkt.

Eine klare Feststellung des Reichskanzlers.

Berlin, 16.3uli. (IBB.) Mik Beziehung auf die Behaupkungen, die noch immer in einem Teil der französischen presse unter Berufung auf die Genfer Verhandlungen vom September o. 3. über den plan der Einsetzung einer beson­deren Kommission für die demilitari­sierte Rheinlandzone ausgestellt werden, wird uns von dem Herrn Reichskanzler, als dem damaligen Führer der deutschen Delegation, mitgeteilt, dah er nur die schon verschiedentlich von amtlicher deutscher Seite abgegebenen Erklärungen über dieses Thema wiederholen könne. 3nsbesondere stimme er in allen Punkten den Ausführungen zu, die noch vor wenigen Tagen der Herr Reichs- minifterdesAuswärtlgen gegenüber einem Vertreter derFrankfurter Zeitung" gemacht habe.

Bei den Verhandlungen im September habe er in keinem Augenblick einen Zweifel darüber ge­lassen, dah für Deutschland eine über das 3ahr 1935 hinaus tätige Kommission der in Rede stehenden Art keinesfalls in Frage kommen könne. Keine deutsche Regierung würde sich finden, die in diesem Punkte über den Ver­sailler Vertrag hinaus Konzessionen machen würde.

Aus der Haltung der deutschen Delegation in der Septembertagung erkläre sich auch die Tatsache, dah über die Dauer der Kommission, wie das bei Ab­schluß der Genfer Tagung veröffentlichle Kom­munique zeige, keine Einigung habe erzielt werden können.

Macdonaldsprichtvongewiffsn anderen Mächten.

London, 16. Juli, (WB.) Im Unterhaus fragte das konservative Parlamentsmitglied B o o t h b y heute den Unterstaatssekretär für auswärtige An­gelegenheiten, ob die Regierung in der Lage sein werde, eine Erklärung über die Frage, w o die kommende internationale Reparations­konferenz abgehalten werden wird, abzugeben, bevor das Haus sich für die Sommerferien ver­tagt, Churchill stellte hierauf an den Pre­

mierminister die Zwischensraae. ob er in die­ser Angelegenheit der Tatsache Rechnung tragen werde, daß die britische Regierung, wenn die Kon. ferenz in London abgehalten wird, und daß, wenn die britische Regierung in die Lage kommt, Gast­geberin zu sein, sie sehr wahrscheinlich dazu ge­drängt werden wird, größere Zugeständnisse zu machen, als wenn die Konferenz auf neutralem Gebiet stattfinde. Macdonald antwortete:Ich wünschte, Churchill würde gewisse andere Mächte davon überzeugen, daß dieses der Fall ist,"

Es ist nicht ersichtlich, ob diese Antwort Mac­donalds ironisch gemeint war, oder nicht, Schluß mit dem Rotenkrieg.

Paris, 17.3uli. (WTB. Funkspruch.) Rach dem Echo de Paris" scheint die britische Regie­rung auf die Fortsetzung des Rotenaus­tau s ch s mit Frankreich in Sachen des Ortes der Regierungskonferen, verzichten und statt dessen durch ihren Botschafter in Paris direkt mit Briand und Poincare verhan­deln zu wollet». Wan dürfte, dem Blatte zufolge, in einigen Tagen über das Ergebnis dieser Unter­redungen unterrichtet werden.

Englische Räumungsvorberettungen getroffen.

London, 16. Juli. (WTB.) Im Unterhaus erklärte der Finanzsekretär im Kriegsministerium Shinwell auf eine Anfrage, endgültige Wei­sungen für die Räumung des Rhein­landes durch die britischen Trup- p e-n könnten erst erteilt werden, wenn der Räumungsbeschluß vorliege. Aber die Maßnahmen, die dann erforderlich seien, seien vom Kriegsmini st erium in einer Besprechung mit dem Kommandeur der bri­tischen Rheinlandtruppen schon geprüft wor­den. Auf eine weitere Frage, worin diese Maß­nahmen beständen, erklärt Shinwell, es hätten bereits Erörterungen über Einzelhe iten stattgesunüen, aber es sei noch nichts Endgültiges beschlossen worden.

Chinas Antwort an Rußland.

Es foll verhandelt werden.Oie kommunistische Propaganda.

Nanking, 16. Juli. (WTB.) Der Minister des Auswärtigen, Wang, hat den interimistischen chinesischen Geschäftsträger in Moskau telegraphisch beauftragt, der Sowjetregierung die d) i n e > fische Antwortnote auf das russische Ultima­tum zu überreichen. In dieser Antwortnote wird mitgeteilt, daß

der chinesische Geschäftsträger sich demnächst von Ranking mit allen Vollmachten ausgestattet nach Moskau begeben werde, um alle schweben­den Fragen mit dem Sorojetfommiffariat des Auswärtigen zu besprechen.

Die Note besagt weiter, die chinesische Regierung und das chinesische Volk hätten immer freund schaftliche Gefühle gegen Regierung und Volk der Sowjetunion gehegt. Es seien aber jüngst auf chinesischem Gebiet Beweise dafür geliefert wor­den, daß Sowjetagenten kommuni­stische Propaganda betrieben mit dem Ziele, die chinesische Regierung und die G e s e l l s ch a f t s ordnung Chinas zu gefährden. Um die

Ordnung aufrechtzuerhalten, hätten die mandschu­rischen Behörden non der ostmandschurischen Eisen­bahn Besitz ergriffen und das Sowjetkonsulat in Eharbin geschlossen. Die mandschurischen Behörden berichteten, daß

die russischen Beamten der ostchinesischen Bahn das Uebereinkommen von 1924 nicht genau be­folgt hätten, so dah man die Handlungsweise der Rationalregierung nicht als Verletzung des genannten Uebereintommens ansehen dürfe.

Die Nanking-Regierung verlange, daß die Sowjet- behören erstens die jetzt in Rußland gefangen ge­nommenen Chinesen fr eil affe, zweitens die Chinesen in Rußland in gleicher Weise gegen Re­pressalien und Angriffe beschütze. Die chinesische Note schließt: Die Nationalregierung werde handel­treibende aus der Sowjetunion immer g u t aufnehmen, aber die kürzlich erfolgte Verhaf­tung von Russen in der Mandschurei fei nur g e - recht und eine notwendige Maßnahme zur U n - terbrüctung der kommunistischen Pro.

paganda in der Mandschurei tffii) zur Aufrecht, erhaltung der Ordnung gewesen.

Ein russisches Kommunique.

M o s k a u , 17. Juli. (WTB. Funkspruch.) Das Auhenkommissariat veröffentlicht folgendes (Kom­munique: Der chinesische Geschäftsträger 6 i a W e i 6 u n g teilte am Abend des 16. Juli dem Auhenkommissariat folgende, ihm vom QHinv sterium des Aeußern in Ranking zugegangene telegraphische Instruktion mit:Obwohl wir noch nicht den vollen Text der Pro­testnote des Außenkommissariats, die eine Antwort innerhalb einer bestimmten 5rift for­dert, erhalten haben, sind wir über ihren Grund­gedanken im Klaren. Gewöhnlich unterhält unsere Regierung freundschaftliche Be­ziehungen zur Sowjetunion. Diesmal mach­ten die Eharbiner Ereignisse es notwendig, die bekannten Maßnahmen in bezug auf die Ost- chinabahn zu ergreifen, jedoch können diese nicht auf die vorhandenen diplomatischen Beziehungen der beiden Staaten Einfluß ausüben.

Der Gesandte wird bald nach Woskau zurück- kehreu und zur Ausübung seines Amtes schrei­ten. Falls die Sowjetregierung eine bestimmte Auffassung hat, kann man sie baldigst beider­seitig besprechen. Unserer Ansicht zufolge mühten alle Streitigkeiten auf Grund der Aussprache der beiden Staaten beigelegt werden.

Unter dieser Bedingung sind ade Fragen gleich au lösen. Wir befehlen Ihnen, schon jetzt münd­lich dem Außenkommisfariat darüber Mitteilung zu erstatten und hinzuzufügen, daß wir sofort

nach Empfang der Protestnote de? AußeickE^ nnssariats sie beantworten/'

Wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion von amtlicher Seite erfährt, wird die Sowjet­regierung auf diese Mitteilung des chinesischen Ministers des Aeußeren nicht anttoorten, son­dern die Antwort der chinesis chen Re­gierung auf die Rote des Außenkommissariats vom 13. Juli abwarten, die das Rankinger Ministerium des Aeußern sofort nach Eingang k«s Gefamttextes der Rote zu geben verspricht.

Richt ernst genommen.

Washington, 17. Juli. (Reutcr-Funkspr.) Eine Meldung aus Riga, der zufolge die Vereinigten Staaten vielleicht den Wunsch äußern würden, in dem Stteit zwischen China und der Sowjetunion zu vermit­teln, wird hier nicht ernst genommen. Die Vereinigten Staaten haben die Sowjetunion nicht anerkannt und außerdem herrscht all­gemein die Ansicht, daß die Regierung strenge Neutralität zu beobachten wünscht.

Ehina klopft bei Japan an.

Tokio, 17. Juli. (T. U. Funkspruch.) Der chinesische Gesandte in Tokio hat dem japanischen Außenminister, Baron Schide- Hara, amtlich den Abschluß eines Freund­schaftsvertrages zwischen China und Japan vorgeschlagen. Die Rankinger Regie­rung legt großen Wert auf möglichst be­schleunigten Abschluß dieses Vertrages, selbst wenn die anderen wirtschafllichen und poli­tischen Fragen zwischen beiden Ländern noch nicht gelöst sind.

Oie Jungfernfahrt derBremen".

Bremerhaven, 16. Juli. (WB.) Heute um 17,52 Llhr hat der RiesendampferDre - men seine erste Fahrt nach Amerika angetreten. Eine unübersehbare Menschenmenge, die die Kaianlagen umsäumte, jubelte ihm in un­beschreiblicher Begeisterung zu.

Zugleich mit derBremen" hatte auch der SeebäderdampferRoland" mit den in- und ausländischen Pressever­tretern an Bord vom Kai abgelegt und fuhr vor derBremen" in die See hinaus. Im Laufe der Zeit gewann derRoland" aber einen großen Vorsprung, da dieBremen" in dem Fahrwasser der Weser noch nicht von ihrer vollen Maschinen­stärke Gebrauch machen konnte. Auf der Höhe des Weser-Feuerschiffes drehte derRoland" und fuhr derBremen" wieder entgegen, um sie auf halbem Wege au umkreisen und zugleich die letzte Post an Doro zu geben. In einem Post­beutel befand sich der Film, den die Para- mount-Gesellschaft von der Ausreise der B r e m e n am Rachmittag ausgenommen hatte. Der Film wird mit dem Bordflugzeug der Bremen" nach R e u h o r k befördert werden und, bevor dieBremen" dort ankommt,

bereits in den Theatern zur Vorführung gelangen. Unter Absingung des Deutschland­liedes und begeisterten Hurra-Rufen trennten sich die beiden Schiffe. Während dieBremen" in der Ferne verschwand, steuerte derRoland" wieder Bremerhaven an, wo er gegen 22 Uhr eintraf.

OieBremen" spricht zum deutschen Rundfunk.

Hamburg, 17, Juli, (WB.) Die U e b e r» tragungsverfuche der Norag über den T e - lepyoniesender des Lloyd-DampfersB r e men" find gestern abend restlos gelungen. Fast alle deutschen Rundfunksender waren angeschlossen. Die Wotte des Sprechers wa­ren mit allen Empfangsgeräten sehr gut ver­ständlich, Die Rundfunksendungen derBre­men" von hoher See wurden in Norder- ney und Zehlendorf aufgenommen und sämt­lichen Sendern zugeleitet, Die Uebertragungen werden jeden Abend gegen 22 Uhr bis zur Ankunft des Dampfers nach feiner Jungfern- reife in Neuyork fortgesetzt.

Oos Befinden des Königs von England.

L o nd o n, 16. Juli. (WB.) Rach einer offi­ziellen Mitteilung im Buckingham Palast von jeute abend hat der König einen guten Tag jefjabt. Sein Befinden mache befriedigende Fortschritte.

Chilenischer Generalsbesuch.

Washington, 16. Juli. (WB.) Der Chef der chilenischen Heeresleitung, General D i a z, ist heute hier eingetroffen. Er wird am Mittwoch durch den chilenischen Botschafter D a - Vila Präsident Hoover vorgestellt werden. General Diaz tritt am Donnerstag seine Reise nach Berlin an, um den kürzlichen Besuch des Chefs der deutschen Heeresleitung General Heye bei der chilenischen Armee zu erwidern.

Oer Giinnes-prozeß.

Berlin, 16.Juli. (WTB.) Im Sttnnes- Prozeh wurden heute die Plädoyers der Verteidiger geführt. Zunächst plädierte Rechtsanwalt Dr. Sanbad, Berlin, für eine Freisprechung des der Beihilfe beschuldigten An­geklagten Schneid. Rach der Mittagspause plädierte für den Angeklagten Leo Hirsch dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Whgodzinski. Er kam zunächst auf das Geständnis zu sprechen, das sein Klient vor dem Untersuchungsrichter abgelegt hat und erklärte, der Angeklagte habe sich darin der Wahrheit zuwider selbst belastet, denn er könne bei der Wiener Verabredung vom 31. Oktober zwischen Bela Grosz und Roth- mann nicht zugegen gewesen sein. Der Verteidi­ger bat, seinen Mandanten von der Mittäter­schaft am versuchten Betrüge freizusprechen, zum mindesten aber das Strafmaß erheblich herab­zusetzen. Die beantragte Strafe von sechs Mo­naten Gefängnis sei für den wenig aktiven Anteil, den Hirsch genommen habe, weitaus zu hoch. Der Verteidiger legte am Schluß noch dar, daß, wenn man strafbare Handlungen für vorliegend erachten sollte, diese ja in Oesterreich begangen sein müßten und dementsprechend dann eine Ver­urteilung hier in Deutschland nicht erfolgen könne.

Am Mittwoch wird Rechtsanwalt Dr. Münch für den Angeklagten Böla Grosz plädieren.

Aus aller Well.

Lloyddampfer Derfflinger" vor Tsingtau aufgelaufen.

London, 17.3uli (WTB. Funkspruch.) Rach einer Reulerrneldung aus Schanghai, ist der DampferDerfflinger des Norddeutschen Lloyds auf dem Wege von Dairen nach Tsingtau bei dem etwa 40 Meilen vor der Küste von Tsing­tau liegenden Felseneiland Tscha-lien- t a u auf ein Riff geraten. Die Laderäume Rr. 1 und 2 find v o l l g e l a u f e n. Bon Schanghai find Bergungsdampfer unterwegs. DerDerff­linger" hat 40 Passagiere an Bord.

Schiffskatastrophe vor Valparaiso.

Am Dienstag wurden, einer Meldung aus Reu- yort zufolge, Süd- und Mittelchile von

einem heftigen Sturm heimgesucht. Besonders be­troffen wurden die Gegenden von San Antonio und Valparaiso. Gegen mittag sandte das chile­nische TruppentransportschiffAbtao" SOS-Rufe aus, worauf mehrere Schifte schleunigst zur Hilfe herbeieilten; jedoch sank das Transportschiff fast unmittelbar darauf vor dem Hafen von Balparaifo Bon der 40 Mann starken Besatzung konnte nur ein einziges Mitglied gerettet werden.

700 Todesopfer

der Neberschwemmnng in der Türkei.

Rach ergänzenden Meldungen über die Heber- schweinmungskatasirophe im Gebiet von Trapezunt sind dabei 7 0 0 Personen ums Leben gekommen. 3500 Personen sind obdach­los. Die Erdrutsche dauern an einigen Orten an und bilden eine Gefahr für die Bevölkerung. Der allein in Surmene am Schwarzen Meer angerichtete Scha­den wird auf 700000 türkische Pfund geschätzt.

Furchtbare Verbreitung von Augenkrankheiten in Persien.

Teheran, 17.3nli. (WTB. Funkspruch.) Die letzten Statistiken, die auf Ersuchen des Bölferbun- des ausgestellt worden sind, besagen, das übe t 4 000 000 Personen in Persien Augen- krankheiten haben. Die gesamte Bevölkerung beträgt 10,5 Millionen. Die Zahl der Blinden be­läuft sich auf 31 12 5.

Vier Tote bei einem Grubenbrand.

Dortmund, 16. Juli. (WB.) Das Oberberg­amt teilt mit: Die bei dem Grubenbrand auf der ZecheKatharina" bei Essen vermißten Bergleute sind nunmehr t o t geborgen worden. Sie sind in den Brandgasen erstickt. Der Brand ist so eingedämmt worden, daß er keine weitere Gefahr bildet. Heber die Ursache des Grubenbrandes ist feftgestellt worden, daß verbotswidrig auf einer Bremskammer mit einem Schweißapparat gearbei­tet wurde und daß dabei Putzwolle und andere brennbare Gegenstände entzündet wurden.

Der Streit um den Eibsee.

DasBerl. Tagebl." meldet aus G a r m i f ch - Partenkirchen, die Familie lerne, die Be­sitzerin des Eibfees, habe mitgeteilt, daß die mit den nunmehr abgereisten Herren des in Frage kommen­den amerikanischen Klubs geführten Verhandlungen soweit gediehen feien, daß Herr lerne den Eibsee mit dem Hotel an die Amerikaner verkaufen könne. Die Endverhandlungen feien nur deshalb verzögert worden, weil sich Herr lerne erst mit seiner Ver­wandtschaft über die ihm unterbreiteten Vorschläge verständigen müsse. Herr lerne habe weiter mitge­teilt, daß befriedigende Angebote aus Deutschland nicht vorlägen. Er sei der Schikanen und Vergewal­tigungen des bayerischen Staatsfiskus endgültig müde geworden. Terne habe auch durchblicken las­sen, daß ein größeres Entgegenkommen des baye­rischen Staates bei ihm vielleicht den Wunsch, seinen Besitz zu verkaufen, zurücktreten lassen würde.

Amerikanische Expedition von Eingeborenen getötet.

Rach einer Meldung derChicago Tribüne" aus Caracas (Venezuela) ist eine Expe - - bition amerikanischer Ingenieure und Geologen in den Dschungeln von Venezuela von eingebore­nen Pygmäen getötet worden. Die Expedi­tton hatte nach Petroleumquellen gesucht.