Montag, 17. Juni 1929
179. Jahrgang
Nr. 159 Erstes Blatt
GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnick und Verlag: VrLhl'fche Univerfitüts-Vuch- und Ztelndruckerei R. Lange in Gletzen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7.
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Deutsch-polnische Verständigung in der Liquidationsfrage.
Weitere direkte Verhandlungen. - Schluß der Madrider Ratstagung.
Madrid, 15. Sunt. (WTB.) Gegen 13.30 Uhr trat der Rat zu seiner Schluhsihung zusammen, in der 2l d a t s ch i den auf gründ bet Bemühungen um eine Einigung zwischen Polen und Deutschland in der Liquidationsfrage entstandenen Bericht verlas. Sn dem Bericht wird festgestellt, daß die beiden Regierungen sich dahin geeinigt haben, in kürzester Frist direkte Verhandlungen zur Regelung der Angelegenheit unter dem Vorsitz von Adatschi aufzunehmen. Dieser ist beerchtigt, den Effektivvorsih bei den Verhandlungen einer ihm geeignet erscheinenden Persönlichkeit zu übertragen. Es wird die bestimmte Hoffnung ausgesprochen, daß die Verhandlungen mit der größten Beschleunigung geführt werden. Der Bericht vermerkt, dah die polnische Regierung in den Fällen, in denen nachgewiesen worden sei, dah die betroffenen Personen Anspruch auf die polnische Staatsangehörigkeit hatten, die Aufhebung der Liquidation der Güter angeordnet habe und dah, wenn sich bei der schwebenden Nachprüfung der Staatsangehörigkeitsverhältnisse einiger der Liquidation unterworfener Personen ergeben sollte, dah sie Anspruch auf die polnische Staatsangehörigkeit besitzen, die polnische Regierung ihnen gegenüber analoge Maßnahmen treffen würde. Die Aufhebung der Liquidation würde nach Mitteilung des polnischen Vertreters an den Berichterstatter grundsätzlich die Rückgabe der liquidierten Güter an ihre früheren Eigentümer bedeuten. Sn den Fällen, in denen die Rückgabe auf praktische Schwierigkeiten stößt, soll sie d u r ch die Zahlung einer angemessenen Entschädigung erseht werden.
Reichsminister Dr. Stresemann dankte dem Ratspräsidenten für seine Bemühungen um das .Zustandekommen dieser Verständigung, und ging bann auf die gestrigen Erklärungen des polnischen Außenministers Z a l e s k i ein, der den O p p eine r Z w i s ch e n f a l l in die Debatte über die polnische Liquidationspolitik hineingezogen hatte. Stresemann stellte fest, daß dieser Zwischenfall mit der auf der Tagesordnung stehenden Frage nichts zu tun habe und bedauerte, daß der polnische Vertreter diese Angelegenheit nicht nur vor den Rat, sondern auch in Form von Interviews vor das Forum eines gastgebenden Landes gebracht habe. Die Angelegenheit sei dem Völkerbund unterbreitet und werde im September vom Rat verhandelt werden. Stresemann verwies auf die energischen Maßnahmen, die die zuständige preußische Regierung sofort gegen die Schuldigen
ergriffen habe und stellte zusammenfassend fest, daß ein Staat, der selbstverständlich nicht für das Verhalten jedes einzelnen seiner Angehörigen verantwortlich sei, nicht mehr tun könne. Gegen die Loyalität der deutschen Regierung könne nicht der geringste Vorwurf erhoben werden. Wenn von einer Trübung und Störung der Beziehungen zwischen den beiden benachbarten Völkern gesprochen werde, so sei dies nicht auf den bedauerlicher Zwischenfall selbst, sondern auf seine systematische fortdauernde Ausnutzung zu Propa- gandazwecken bis in die Madrider Ratstagung hinein zurückzuführen. Solche Vorgänge wie in Oppeln seien nicht zu verhindern. Sie würden aber sehr viel weniger Wirkung ausüben, wenn man es unterließe, sie zum Gegenstand politischer Agitation zu machen.
In einer kurzen Ansprache dankte hierauf der Ratspräsident der spanischen Regierung für die gewährte Gastfreundschaft und erklärte die 55. Rats- tagung für geschlossen.
Keine Arbeitslosenversicherung der freien Berufe.
Berlin, 17. Sunt (Priv.-Tel.) Seit einiger Zeit sind Bestrebungen im Gange, auch die freien Berufe in die Arbeitlosenverficherung einzubeziehen. Diesen auf einer Entschließung des preußischen Landtages beruhenden Wünschen ist besonders seitens der Aerzte- schäft lebhafter Widerstand entgegengesetzt worden. Das Reichsarbeitsministerium hat daraufhin ein Gutachten von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eingefordert. Der Vorstand der Reichsanstalt ist in Liebereinstimmung mit den Landesarbeitsämtern zu dem Schluß gekommen, daß die Einbeziehung freier Berufe in der Form einer Zwangsversicherung oder einer freiwilligen Versicherung weder erwünscht noch durchführbar ist. Das Reichsarbeitsministerium hat nunmehr dem ärztlichen Spitzenverband eine Mitteilung zugehen lassen, wonach man an zuständiger Stelle von einer Weiterverfolgung der Angelegenheit a b s e h e n werde.
Wilhelm Kahl.
Zum 80. Geburtstag am 17. Juni
Don Dr. Gustav (Stresemann, Michöminister des Auswärtigen.
Sn der Nationalversammlung in Weimar spricht man über den Frieden von Versailles. Auf der Rednertribüne steht ein Mann, der die Siebzig überschritten hat, und gibt eine Erklärung für seine Parteifreunde ab. Seine Fraktion ist eine der kleinsten in dem neugewählten Hause und hat im Wahlkampf im scharfen Gegensatz zu ihren Gegnern gestanden. Aber in dem Augenblick, da er spricht, lauscht das ganze Haus ohne irgendeine Llnterbrcchung. Wie die Töne einer Kirchenglocke, so klingen seine Worte und Sähe an das Ohr der Versammelten. Das Erz kann kunstvoll geformt und der Ton fein gestimmt sein, — bei diesem Redner verbindet sich die Wucht mit der Vielseitigkeit des menschlichen Snstrumentes der Stimme, und man spürt das Eine: hier spricht nicht nur der Mund, hier spricht dasHerz. Man weih, dah der bejahrte Redner zu Denen Sehört, die einst am Tage von Versailles im :ahre 1871 der Errichtung des Kaisertums beiwohnten, das nun zu Grabe getragen ist. Kein verletzendes persönliches Wort findet sich in der von größtem sittlichen Ernst getragenen und von einer kaum unterdrückten Leidenschaft erfüllten Rede. Um fo stärker ist der Eindruck, der sich von der äußersten Linken bis zur Rechten fortseht.
Der Reichstag verhandelte am 21. Suni 1927 den Entwurf eines allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches. Die Reichstagsberichte zu lesen, ist nicht immer ein Vergnügen. Was an sachlicher und guter Arbeit geleistet wird, das geschieht meist in den Ausschüssen. Der Saal ist, wie man ihn genannt hat, der Saal der Wiederholungen, weil die Volksvertretung sich erst dann mit großen gesetzgeberischen Arbeiten beschäftigt, wenn sie in der öffentlichen Meinung bis zum Letzten durchgearbeitet worden sind. Parteipolitische Leidenschaften toben sich hier aus. Oft will keiner dem andern auch nur den guten Glauben beimessen. Seder sucht den Eindruck zu erwecken, als ob der echte Ring nur bei denen ist, die die Farben seiner Partei tragen. Die Sozialdemokratie ist außerhalb der Regierung. Syre Auffassung zum Entwurf eines Strafgesetzbuches widerspricht der Auffassung des Redners in vieler Beziehung. Da geschieht etwas im Deutschen Reichstag kaum Wiederholtes: Der sozialdemokratische Redner, der Abg. Landsberg, beginnt seine Rede mit einer Verbeugung vor dem Manne, der soeben gesprochen hat und führt unter Zustimmung aller Parteien folgendes aus:
„So vieles uns auch voneinander trennt, es gibt doch erfreulicherweise auch Dinge, in denen wir übereinstimmen, und dazu gehört die Verehrung des Verehrungswürdigen. Sch denke, Sie werden mich als Shren Herold gelten lassen, wenn ich dem verehrten Herrn Vorredner meine aufrichtige Bewunderung ausspreche zu dieser Rede, in der sich die Weisheit des Alters mit dem schönen Eifer der Sugenb gepaart hat, und die unsere Verhandlungen auf das würdigste eingeleitet hat."
Seit dem Sahre 1919 ist Kahl Vorsitzender aller Parteitage der Deutschen Dvlkspartei gewesen. Diese Versammlung von 1000 bis 2000 Menschen hat nie eine Debatte über die Wahl des Vorsitzenden gekannt. Sie liegt in ihrer Hand. Die Stellung des Vorsitzenden dieser Versammlung ist politisch eine bedeutsame. Sn jeder Partei gibt es Gegensätze, die um die Macht ringen. Aber nie ist in irgendeinem Moment der Gedanke aufgetaucht, daß ein anderer als Kahl die Versammlung leiten könnte. Die Form, in der er diese große Versammlung eröffnet, die Begrüßung, die er an die Vertreter des Auslands richtet, der Dank, den er den Rednern ausspricht, alles das ist so fein abgewogen, so sorg- fällig überdacht, so stark in der Wirkung, dah niemand wüßte, wer ihn an dieser Stelle ersehen könnte.
Das sind wenige aus Erlebnissen wiedergegeben« Erinnerungen an den Politiker Kahl. Er gilt nich als Parteipolitiker, obwohl er in der Debatte eint scharfe Klinge zu schlagen weiß. Aber was ihn da vor bewahrt, in dem Sumpfe des Parteiegoismustecken zu bleiben, das ist — ich möchte sagen — da- Ewige seiner Gedanken. Vieles sehen wir heut« unter Sonne oder dem grauen Gewölk des Tages Wie viel Parteileidenschaft verschwenden wir ar diese Tagesfragen! Er sieht darüber hinaus, rott dieser oder jener Beschluß sich auswirken wird ir der Entwicklung, in der Verständigung aller Schich ten des deutschen Volkes.
Jeder Interessentenstandpunkt steht ihm fern Seine Seele ist nie in den Versuch gekommen eine Frage danach zu entscheiden, ob es einer be stimmten Gruppe im Volke nutzt Was ihn übe diese Jnteressenkämpfe erhebt, das ist sein nur voi der Sorge um die Zukunft getriebenes, unbestech liches Gewissen
Wie der Politiker, so auch der Mensch. Auch hier für gilt das Wort seines parteipolitischen Gegner- von der Verehrung des Verehrungswürdigen Pflichttreue, Güte und Freundschaft dem Freund seine hervorragendsten Eigenschaften. Gebe tn- ein gütiges Geschick, daß uns diese Persönlichkei noch lange erhalten bleiben möge. Gebe ein gütige: Geschick dem deutschen Volke, daß es seinesgleichei noch oft erleben möge!
Macdonald fordert entschiedene MinderheitenpoMk. Gegen die Oeutschenverfolgung in Tirol. — $ür einen ständigen Minderheitenausschuß des Völkerbundes.
London, 16. Juni. (BJIB.) „Sunbag Times" veröffentlicht einen Aussah des Premierministers Macdonald über die Minderheitenfrage, in dem es u. a. heißt:
Wenn nicht eine Lösung des Minderheiten- Problems imGeist gegenseltigerAchtung und gegenseitiger Zugeständnisse cr- olgt, so wird es ernste Schwierigkeiten in Europa geben. Die siegreichen Staaten haben keinen 23er- uch unternommen, die Balkanstaaten entsprechend ihren Rassen abzugrenzen, da Präsident Wilson den Grundsatz des Selbsibestimmungsrechtes nur auf d i e besiegt en Staaten anwandte. So ist z. V. Mazedonien in einem Zustand der Gärung geblieben. Auch Fälle wie die des Elsaß und des Saargebietes dürfen bei einer Betrachtung des Minderheitenproblems nicht unberücksichtigt bleiben. Für ein demokratisches Regierungssystem sollte es keine Unterschiede im Genuß der bürgerlichen Rechte geben. Sprachliche und religiöse Unterschiede sollten bei Gesetzgebung, Verwaltung und Unterricht geachtet werden. Wo Minderheiten zu staatlichen Einheiten zusammengeschlossen werden können, sollte Selbftoer- ro a 11 u n g gewährt werden. Mißbrauch dieser Vorrechte kann nur durch Geduld und durch zweckmäßige Unterweisung entmutigt werden.
In Jugoslawien hat die verserbung der Kroaten eine Lage geschaffen, in bet keine der Nationalitäten mit der anderen zusammenarbeitet, und die nur die Wahl zwischen zwei gleich großen Hebeln läßt, einer fortdauernden parlamentarischen Krise ober einer Diktatur. Die Friedensverträge haben Italien eine große deutsche und serbische Minderheit gegeben, die Italien durch jede mögliche Art der Unterdrückung zu italianifieren versucht. Angesichts der Umstände, unter denen diese Gebiete ihren Staaten jugeteilf wurden, und angesichts der Tatsache, daß dies infolge eines Krieges geschah, für den roir alle gezahlt und gelitten haben, sollten Minder
heiten wie diese Zutritt zum Völkerbund als einer letzten Versöhnungsinstanz haben. Es ist ein großes Unglück, daß die Befugnis des Völkerbundes, die Erfüllung der Pflichten der Staaten ihren Minderheiten gegenüber zu kontrollieren, nicht auf alle Staaten wie Italien angewendet worden ist, und dah sie, soweit sie besteht, in praxi geschwächt wurde. Dem sollte ungesäumt ein Ende gemacht werden. Eine wirksame Aufsicht durch den Völkerbund sollte wiederhergestellt werden. Die technische Schwierigkeit, die die Einbringung von Gesuchen verhindert, sollte beseitigt werden, und die Verteidigung der angeschuldigten verantwortlichen Staaten sollte veröffentlicht werden. Ein ständiger Minderheitenausschuß ähnlich dem Mandatsausschuß sollte eingesetzt und die Vertuschungsdiplomatie sollte bei feiner Tätigkeit ausgeschaltet werden.
Der Aufsatz schließt, Dr. Stresemann hat nach dem Protest, zu dem er im Dezember in Lugano provoziert worden war, angekündigt, daß er die ganze Frage des Schuhes der Minderheiten auf der nächsten Zusammenkunft des Völkerbundes aufwerfen werde. Jeder, dem die Fortdauer der Demokratie und die Sicherung des Friedens in Europa am Herzen liegt, wird ihm Glück dabei wünschen.
Steht Macdonaid zu seinem Wort?
London, 17. Suni. (WTD. Funkspruch.) „Daily News" meldet, sie habe gestern abend die Aufinerffarnkeit des Premierministers auf den obigen Artikel in der „Sunday Times" über die Minderheitenfrage gelenkt. Macdonald habe Ermächtigung zu folgender Erklärung gegeben: „Der Artikel ist vor mehreren Monaten für eine Agentur Leschrieben worden und wurde damals zur Veröffentlichung übergeben; es war nicht beabsichtigt, daß er jetzt veröffentlicht werden sollte und zu der heute erfolgten Veröffentlichung war keine Ermächtigung gegeben."
Sin deufschnaiionales Volksbegehren gegen den Uoungplan.
Berlin, 15. Juni. (VDI.) Der deutschnationale Parteivorstand nahm nach Ausführungen von h u g e n b e r g und Quaal) eine längere Entschließung an, in der die Ablehnung des Pariser Sachverständigenplans u. a. damit begründet wird, daß wir schon jetzt Tributleistungen und Einfuhr fremder Lebensmittel aus geborgtem Gelbe bezahlten und daß die Weiterführung der Schuldenpolitik eine G e - ährdung der Währung und völlige Preisgabe unserer wirtschaftlichen und politischen Zukunft bedeute. Auch würde die völlige Zerstörung des deutschen Kredites und Ansehens im Auslande sowie die zunehmende Verwirrung unseres innerdeutschen Lebens die Folge der Annahme sein. Wie die deutschnationale Presse meldet, hat der Vorstand im Einvernehmen mit der gesamten Rcichstagssraktion einstimmig beschlossen, den Weg für ein Volksbegehren gegen den Pariser Plan freizumachen.
„Vom Vürgerstaal zum Volksstaat".
Dortmunder Tagung des Jungdcutscheu
Ordens.
Dortmund, 16. Suni. (Sil.) Die Dortmunder Kundgebung des Sungdeutschen Ordens, die unter dem Leitwort „V o m Bürgerst aat zum Volks st aat" steht, begann mit einer Pressekonferenz, in der Hochmeister Mahraun nochmals die bekannten Ziele des Ordens eingehend darlegte. Gegen Mittag formierten sich die Sungöoleute aus Westfalen und Norddeutschland mit ihr>n Dannern zu einem Zuge, der sich durch die Stadt zur Westfalenhalle bewegte, wo eine öffentliche Kundgebung stattfand. Der Grohkorntur der Dallei Westdeutschland, Dr. Scholz, machte Mitteilung von einem an den Reichspräsidenten gerichteten Begrüßungstelegramm. Sodann sprach Hochmeister Mahraun über das Thema „Vom Dürgerstaat zum Volksstaat". Sn seinen Ausführungen rief er zur Sammlung der Kräfte für den Volksstaat auf, der die politische Gleichheit und die soziale und kulturelle Gerechtigkeit für alle Staatsbürger gewährleiste. Nur der soziale Volksstaat werde den Gefahren des 20. Sahr- hunderts, dem Bolschewismus und der Welt- plutokratie, begegnen können. Das deutsche Volk sei des Haders und der Demagogie der Parteien müde. Nur der Zusammentritt verantwortungsbewußter, staatsbejahender Persönlichkeiten aller Richtungen zu einem Dolksparlament im Sinne des Volksstaates könne die im Volk schlummernden politischen Kräfte wieder zur Blüte bringen. Als Voraussetzung fordere er aber die Aechtung der Flaggenbehe, die das deutsche Volk zersplittere. Er fordere Achtung vor der Reichsflaqqe, Achtung aber auch vor den Farben Schwarz-Weiß-Rot als dem Symbol der Großtaten deutscher Vergangenheit. Die Einstellung des Sungdo zum P a z i s i s m u s präzisierte Mahraun dahin: Wir lehnen es ab, irgendeinen weltfremden Pazifismus zu treiben, der die natürlichen Derteidigungsmittel unseres Volkes zerstören würde. Auch wir sind von Liebe zum Frieden erfüllt. Wir wollen aber unsere Freiheit und die Grenzen unseres Landes schützen. Dem Reichsbanner habe der Sungdo entgegen den Behauptungen der Rechtspresse kein Bündnisangebot gemacht, da ein Bündnis beiden Organisationen Schwierigkeiten bringen würde. Der Sungdo habe aber erkannt, daß alle politischen Grupven, die sich für den Grundgedanken der deutschen Erhebung und Wiedergeburt bekennen, dazu gehöre auch das Reichsbanner, sich die Hände zu g e - meinfamem Wollen reichen müßten. Nach weiteren Ansprachen von Führern anderer Politischer Gruppen, die sich ebenfalls zur volksnationalen Aktion äußerten, fand die Dortmunder Tagung des Sungdeutschen Ordens chr Ende.
Oie Reichsbahn beantragt Tariferhöhung.
Berlin, 17. Suni. (Priv.-Tel.) Der angekündigte Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn ist jetzt bei der Reichsregierung eingegangen. Es wird vorgeschlagen, diejenigen Tarife, die im vorigen Sahre geschont worden sind, zur Erzielung von Mehreinnahmen heranzuziehen, also eine Reihe von Gütersähen und im Personenverkehr die Tarife für die zweite Klasse, während die Preise für die dritte Klasse unverändert bleiben. Sm einzelnen sollen, wie versichert werde, die Crhöhungssätze mäßig sein, da insgesamt nur die infolge der Lohnerhöhungen benötigten 55 Millionen aufgebracht werden sollen. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn habe ausdrücklich betont, daß sie der Reichsregierung für jede andere Lösung der Finanzfrage dank«' bar fei.
Das Sparguiachien für Hessen.
Darmstadt, 16. Suni- Sn diesen Tagen ist der Reichssparkommissar S a e m i s ch in Darmstadt gewesen und hat sich mit der Regierung über sein Spargutachten unterhalten. Einige seiner Referenten sind hier geblieben, um mit


