Nr. M Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zreitag, (7. Mai (929
Frauenturnen im Gau Hessen O. T.
-o- Der Einladung zu einer Llebungs- st u n de am Sonntag in die Turnhalle des Tv. 1846 zu Gießen waren die Leiter und Leiterinnen der Frauenabteilungen, sowie Turnerinnen aller Stufen so zahlreich gefolgt, daß der Leiter, Gau- frauenturnwart Rudolf Paul (Gießen), nahe- zu 100 Teilnehmer aus 40 Turnvereinen antreten lassen konnte. An neuen Abteilungen sind hinzugelommen diejenigen von Echzell. Ranstadt, Bernsfeld, Rauborn und Burgsolms. Die Gesamt- zahl ntit 53 Frauenabteilungen umfaßt nunmehr ein Drittel aller Turnvereine im Gau.
Rach einleitenden Liebungen aus dem Gebiet der Körperschule wurden die allgemeinen Stabübungen für das 9. Gau-Frauenwetkrirnen, das vom Tv. L ich für den 1. September vorbereitet wird, eingehend behandelt und bis zur rhythmischen Wiedergabe nach Musik hinaufentwickelt. 2m Volkstanz unterrichteten in drei Tanzkreisen der Gauwart, die Abteilungsleiter Hch. Schnei- d e r vom Tv. Wetzlar und Frl. Luise Schwarz von der Tgde. Friedberg. Die Pflichtübungen für die verschiedenen Stufen des Wettkampfs am Beck, Barren und Pferd, sowie die Pflichtfreiübung wurden erläuternd durchgeturnt und fest- gelegt, während die Pflichtstabübung später den allgemeinen Stabübungen entnommen wird. An volkstümlichen Liebungen wurden in den Mehrkampf eingegliedert Kugelstoßen. Weitsprung und 75-Mcter-Lauf, die wiederum in Verbindung mit Hochsprung zu einem in sich abgeschlossenen volkstümlichen Vierkampf zusammengefaßt werden, der für alle Stufen offen ist und n«tch den Maßen der Oberstufe gewertet wird. Mit einer Besprechung, insbesondere der Gauwettkämpfe, schloß der Gauwart die anregende Arbeitstagung.
Schwimmen im Gau Hessen D. T.
-o- Jin Städtischen Schwimmbad zu Gießen fand am Sonntag unter Leitung des Gauschwimmwartes Franz Sauer (Gießen) eine planmäßige Gau- B o r s ch w i m m e r st u n d c statt, die vorwiegend für Turnerschwimmcr in leitender Stellung und für Kampfrichter bestimmt und von den Schwimmabteilungen der Gauoereine zahlreich beschickt war. Im Mittelpunkt der praktischen Arbeit stand die Vorbereitung auf die Wettkämpfe für das Gauschwimmen, das diesmal wieder mit den großen turnerischen Wettkämpfen im Gau verbunden wird, zumal die Gaufeststadt Alsfeld eine Schwimmanlage zur Verfügung stellen kann, die bei einer Kampfbahn von 50 Meter Länge und einer Tiefe von 3,50 Meter mit zureichender Sprunganlagc allen Anforderungen entspricht. Zur Bewerbung sind 15 verschiedene Wettkämpfe ausgeschrieben, die am Sams- tag, 20. Juli, als Auftakt zum Gaufest ausgetragen werden. Außer je einem Mehrkampf (Brust- und Rückenschwimmen, Streckentauchen und Springen) für die Unter-, Mittel- und Oberstufe der Schwimmer und Schwimmerinnen ist auch ein entsprechend abgcstufter, für die Jugendklasse (Jahrgang 1912 bis 1915) und für die Altersklasse (Jahrgang 1894 und früher) vorgesehen. Unter den an Ausdehnung und Art verschiedenen Staffeln wird die Hessenstafsel mit 1500 Meter, an der zehn Schwimmer zu je 50 Meter und ebcnsoviele Läufer zu je 100 Meter beteiligt sind, erhöhte Anteilnahme auslösen.
Nachmittags vereinigten sich die Teilnehmer zu dem jährlichen G a u s ch w i in m e r t a g , bei dem der Gauschwimmwart seinen Jahresbericht erstattete. In der Aussprache wurde eindringlich darauf hin- gewiesen, daß die Schwimmabteilungen bei aller Pflege ihrer schönen Fachleistungcn sich nicht zu einem Verein im Verein entwickeln, sondern die lebendige Verbindung mit dem allgemeinen Turn- betrieb'ihres Vereins aufrcchterhaltcn sollen. Jeder Turner soll ein Schwimmer werden, aber jeder Schwimmer soll auch ein Turner bleiben. Die Entwicklung geht dahin, daß das Schwimmen ein wesentlicher Bestandteil des turnerischen Mehrkampfes, insbesondere in seiner volkstümlichen Ausprägung, wird: so ist z.B. in den Kampfspielen der D. -t.
Nachdruck verboten.
30 Fortsetzung.
Roman einer Rächt
Von Paul Rosenhayn.
„3d) weiß nichts von einer politischen Mission, antwortet Riedinger. , -.
.Rein," sagt mein Mann, „hier sprechen Sie vielleicht die Wahrheit. Der einzige, der keine Rolle in diesem Drama hatte, waren Sie. Muß ich es wirklich in allen Einzelheiten aufrollen? Riedinger zuckt die Achseln.
„Run gut, wenn Sie es nicht anberä wollen Also dieser Boris Remisow war Beauftragter eines zaristischen Klubs. 3hm war der Plan eines zaristischen gegenrevolutionären Putschcs anver- traut. Man hatte ihn nach Skandinavien geteuft, er sollte die Einzelheiten mit den skandinavischen Mitgliedern des Klubs besprechen. Lind nun kommt der Gegenschlag: die ®cgenbartei erfuhr von Remisows Mission: sie erfuhr welch kos^ baren und gefährlichen Schah Remisow mit sich führte — und sie setzte alles daran, Remisows Putschplan in ihre Hände zu bekommen. Zuerst mit Güte, Herr Riedinger. jawohl, Sie, Herr Riedinger, wurden nach Kopenhagen entsandt. Sie sollten Herrn Remisow jede Summe bieten, tDenn er Ihnen die Pläne aushändigte.
Remisow lehnte ab. Riedinger verdoppelte sein Angebot. Remisow sagte: Rein.
Run kam Marfa Ermolieff.
Denn die Gegenpartei wußte, daß eine schöne Frau manches vollbringt, was einem Manne unmöglich ist. — Marfa Ermolieff wurde mit a[[en Geldmitteln ausgestattet, die ein kostspieliges und mondänes Leben ermöglichen. Sie nahm Wohnung im Grand-Hotel: sie machte auf geschickte und unauffällige Weise die Bekanntschaft ihres Landsmannes Doris Remisow. Sie hatte die Aufgabe, ihm die Papiere abzunehmen. Lind nun kommt die tragische Wendung: Marfa Ermo- liess verliebte sich in ihr Opfer."
„Mein Gott!" sagte Linda.
„Sie verliebte sich in Remisow, und sie erklärte ihren Auftraggebern, sie vermöge nicht, diesen Mann ins Unglück zu bringen.
Run kam der dritte und entscheidende Schlag: Fedor Sokoloff trat auf den Plan.
Turnen, Sport und Spiel.
in Breslau 1930 das Schwimmen in den Sechskampf der Turner und in den volkstümlichen Mehrkampf der Turnerinnen ausgenommen worden. In gleichem Sinne haben bei dem Gaufest zu Alsfeld alle Schwimmer des Gaues Hessen an den allgemeinen Freiübungen der Turner teilzunehmen, und ihre Urkunden und Kränze werden gemeinsam mit denen aller übrigen Turner im Rahmen der allgemeinen Siegerverkündigung ausgcgebcn. Das Wasserballspiel ist in seiner Entwicklung soweit fortgeschritten, daß Spielrunden innerhalb des Gaues eingerichtet werden, und zwar in der für Handball gesperrten Jahreszeit (Juni bis August). In der ^-Klasse spielen Tv. 1846 Gießen, To. Wetzlar und Tgde. Friedberg: in der 8-Klasse alle übrigen Schwimmabteilungen und die zweiten Mannschaften der Vereine aus der ^-Klasse. Die Endspiele in beiden Klassen werden beim Gauturnfest zu Alsfeld ausgetragen. Zur Unterstützung des Gauschwimmwartes wurde ein Gauschwimmausschuß gebildet, in den Aug. Balser (Tgde. Friedberg), Fricdr. Eifert (To. Lauterbach) und Ferd. Götz (Tv. Wetzlar), gewählt wurden. An dem kreisoffenen Schwimmwettkampf, den die Marburger Turnerschaft für den 23. Juni vorbereitet, wird sich auch der Gau Hessen beteiligen, ebenso an den Wettkämpfen um die M e i st e r s ch a f t e n des 9. Kreises (Mittelrhein) am 27. und 28. Juli zu Frankfurt a. M.
Turnerfechien.
Der Gau Hessen unterliegt im Gaukampfe gegen Frankfurt.
bpw. Wie wir seinerzeit berichteten, trafen sich am 17. März in Bad-Rauheirn die besten Altmannen der Gaue Hessen und Frankfurt a. Main zu einem Gaumannschaftskampf im Florett. Damals war die Ausgeglichenheit des Kampfes überraschend. Mit 18 zu 18 Siegen wurde das Treffen auf Llnent schieden gestellt.
Der Rückkampf, der jetzt in Frankfurt ausgetragen wurde, brachte wieder 36 Einzelgefechte, die einen ganz vorzüglichen Sport boten. Die Leitung der Veranstaltung lag in Händen von Dippei (Frankfurt a. M.). Die Hessen - mann schäft setzte sich wie folgt zusammen: L. Gerhardt, Tv. 184b Gießen: K. Kühn, Tgm. Friedberg: Karl Mulch, Tv. Wetzlar: Gg. Schu- chardt, T. u. Spv. Marburg: K. Hahn. Tv. 1860 Bad-Rauheim: Peter Pfeffer, Tv. 1860 Bad- Rauheim. Diesmal muhte sich die Hessenmannschaft mit 21:15 geschlagen bekennen. Wenn Kühn (Friedberg), der beim Vorkampfe vier Siege, jetzt aber nur einen Sieg errang, und der mehrmalige Gaumeister Hahn (Dad-Rauheim), der es ebenfalls nur auf einen Sieg brachte, sich besser geschlagen hätten als man erwarten durfte, wäre auch jetzt ein Ausgleich leicht herbeizuführen gewesen. Die Hessenmannschaft wurde am würdigsten vertreten durch S ch u ch a r d t (Marburg) und Pfeffer (Bad-Rauheim), die je vier Siege errangen (beim Vorkampf vier bzw. drei). Tapfer hielt sich auch der Wetzlarer Mulch mit drei Siegen. Gerhardt (Gießen) brachte es beim Dorkampfe auf zwei Siege. Der beste Frankfurter war Gluck (Tgm. Eintracht) mit fünf Siegen.
Turngau Lahn Oünsberg.
Spielersihung In Allen darf (Lda.).
Am Sonntag fand in Allendorf a. d. Lda. eine Spielersitzung statt, in der von handball- spielenden Vereinen vertreten waren Allendorf. Garbentcich. Kinzenbach. Londorf, Wieseck: neue Vereine: Beuern und Staufenberg, zu denen noch höchstwahrscheinlich Dorlar und Rodheim hinzukommen. Für Faustball waren nur Launs- bach und Hausen vertreten. Auf der Tagesordnung stand als Punkt 1: Letzte Handballrunde: Das am Himmelfahrttag in Garbenteich abgebrochene Spiel Kinzenbach-Garbenteich
wird an einem noch zu bestimmenden Termin auf einem neutralen Platze wiederholt. (Zu dem am Dienstag im „Gieß. Anz." erschienenen Bericht über das Spiel Garbenteich — Kinzenbach ist zu bemerken, daß bad Resultat nicht 3:2 für Garbenteich, sondern 2:2 (1:1) lautete.) Der Tabellenstand ist folgender: 1. Londorf, 2. Garbenteich mit 2 Spielen im Rückstand. Der Gau- meister im Handball und Faustball fährt am 14. 3uli nach Dorheim (Gau Wetterau) zur Austragung der Verbandsmeisterschaftcn. Punkt 2: Faustballmeisterschaften: Die Faust- ballmeisterschaft, zu welcher der Termin noch bekanntgegeben wird, wird wahrscheinlich auf dem Wiesecker Platz zur Durchführung kommen. Punkt 3: Wahl eines neuen Spiel- warts: Vorgeschlagen wurde D r o l s b a ch, Garbenteich. Punkt 4: Von der neuen Spielserie ab werden die bereits den Vereisten zugeschickten Spielerpässe in Kraft treten.
Handball Tv. Radheim I — Tv. Dorlar I 5:1 (1:0).
Die Mannschaften trafen sich am Sonntag auf dem Rodheimer Platz zu einem Gesellschaftsspiel, das Rodheim verdient für sich entscheiden konnte. Rodheim, welches von Spielanfang au schon leicht überlegen spielte, konnte in der ersten Hälfte nur ein Tor vor le gen, während es in der zweiten Hälfte durch eine Llmstellung bedeutend besser wurde und noch vier Tove erzielen konnte. Dorlar, welches zum Schluß des Spieles besser
Wandertag des Gaues Hessen O. T.
*o- Der 97. Gauturntag des Gaues Hessen, der im März zu Gießen tagte, hat den alljährlichen G ö tz - Wandertag diesmal aus den Vereinen in den Gau und vom Himmelfahrttag auf den zweiten Pfingsttag verlegt, um durch zahlreiche Beteiligung dem Bruderoerein zu St I o ft e r Haina bei Gemünden an der Wohra seine Anerkennung bafür auszudrücken, daß cs ihm nach vierjähriger Arbeit gelungen ist, an diesem Tage einen großen Turn- und Spielplatz inmitten eines herrlichen Buchenwaldes einzuweihen. Außer einer gastfreien Aufnahme^ hat der rührige Verein eine Befidstiaung der Sehenswürdigkeiten der alten historischen Klosterstätte vorgesehen. Landcsobermedizinalrat Dr. Wickel wirb durch einen Vortrag in der Winterkirche und durch eine Führung die jetzige Verwendung der ausgedehnten Anlage zu einer Heil- unb Pflegeanstalt erläutern.
Handball im Männerturnverein (D.T.)
Die c r ft e Mannschaft des M. T. V. hat für den 2. Pfingstfeiertag die 1. Mannschaft der Turngemeinde Fr an k f u r t-R ö b e l- heim 18 4 7 zu einem Hanbball-Freundschaftsspiel nach hier verpflichtet. Die Rödelheimer, die zur Zeit Meister der Gauverbanbs-Sonber- klasse Main-Rhein sind, mußten beim Vorspiel auf eigenem Platze vorn M. T. V. eine 8:5-Rie- berlage hinnehmen. Während die Männerturner damals in stärkster Aufstellung an traten, wird die Mannschaft bei diesem Rückspiel infolge der Abwesenheit des Bataillons mit Ersah antreten müssen.
Handball Tv. 1899 Großen-Buseck.
Am 1. Feiertag stehen die Großcn-Busecker auf eigenem Platze der Tgeß Walldorf bei Frankfurt am Main gegenüber. Die Gäste stellen beste Klasse der Maingegend dar und sind bekannt wegen ihrer Schnelligkeit. Der Gastgeber tritt stark geschwächt an und wird sich sehr anftrengen müssen, um auf eigenem Platze ein ebenbürtiges Spiel zu liefern.
Am zweiten Feiertag empfängt die Reservemannschaft die 1. vom Tv. Treis. In Treis verloren die Busecker knapp, allerdings in sehr schwacher Aufstellung.
wurde, konnte in dieser Zeit fein verdientes Ehrentor erzielen.
Londorf I — wieseck I 2:0.
2lm Sonntag trafen sich diese Mannschaften in Londorf zum Verdandsspiel, bei dem sich schon bald eine leichte Ueberlegenheit Wiesecks geltend machte. Dann fand sich aber der Londorfer Sturm sehr gut zusammen und brachte den Wiesecker Angriff zum Stocken. Bald konnte die Londorfer Mannschaft mit 2:0 in Führung gehen und diese in dem gleichen Verhältnis bis zum Schluß behalten.
Tv. Niedergirmes II — Londorf II 5:4.
Niedergirmes spielte von Anfang an leicht überlegen und konnte schon bald drei Tore erringen. Die Londorfer Mannschaft konnte dann aufholen, mußte aber beim Schlußpfiff den Sieg mit 5:4 Niedergirmes überlassen.
Niedergirmes I — Londorf I 5:4.
Bei dem anschließenden Spiel der ersten Mannschaften sah man auf beiden Seiten seine technische Leistungen, durch die dieses Treffen über das vorherige Verbandsspiel hinausragte. Stieber- girmes ging schon rasch in Führung, dem aber Londorf sofort den Ausgleich entgegenstellte. 3n dieser Weise blieb es weiter bis zum Schluß, wo es Riedergirmes gelang, unmittelbar vor dem Schlußpfiff das Siegestor zu schließen und damit das Ergebnis auf 5:4 für sich zu entscheiden. Ein Llnentschieden für die ebenbürtigen Mannschaften hätte dem Spielverlauf entsprochen.
Die sehr rege Schülerabteilung bringt diesmal zwei Mannschaften auf die Beine, die beide gegen Treiser Schülennannschaften antreten werden.
V. f. B.
Die Ligamannschaft empfängt am ersten Feiertag ..Kickers Viktoria" Mühlheim zum Rückspiel. Das im Dezember v. 3. auf dortigem Platze ausgetragene Vorspiel endete mit einer 1:4-Riederlage Gießens. „Kickers Viktoria" hat inzwischen die Meisterschaft des Rordmain- kreises errungen und seine Spielstärke noch bedeutend verbessert. Die Stärke der Elf liegt int Sturm. V.f.B. wird bemüht fein, dem Gegner in der bestmöglichsten Aufstellung entgegenzutreten. Auch mit Ersatz, der sich am Sonntag in Marburg recht gut anließ, sollte die Mannschaft in der Lage sein, ein ansprechendes Spiel zu liefern und, mit etwas Glück, ein günstiges Resultat herauszuholen. — Am zweiten Feiertag hat die Liga die bekannte ..Germania 94" Frankfurt zu Gast. Das letzte Spiel zwischen beiden Mannschaften sand vor etwa einem 3ahre auf hiesigem Platze statt und endete mit einem hohen Sieg der Germanen. Wenn die Gäste heute auch nicht mehr das sind, was sie vor mehreren 3ahrcn waren, so spielen sie doch in der Kreisliga eine sehr gute Rolle und nennen noch eine feine Spielkultur ihr eigen. Am vergangenen Sonntag schlugen sie den V.f.L. Frankfurt a. M.- <3üb, der an Himmelfahrt die D.f.D.-Liga mit 5:1 abfertigte, hoch mit 6:1. Man darf gespannt sein, wie die Dlahmannschaft in diesem Kampfe abschneiden wird. Zu ihrer Aufstellung ist dasselbe zu sagen wie vorher. Sie wird um eine Riederlage kaum herumlommen, zumal Frankfurt in bester Besetzung spielen wird.
Die Ligareserve hat für den ersten Feiertag ein Spiel auf hiesigem Platz mit der ersten Mannschaft des PostsportvereinsFrank- f u r t vereinbart. Vor zwei 3ahren weilten die Pvstsportler schon einmal hier und gaben damals der Ligareserve mit 2:1 das Rach sehen. V.f.B. wird sich sehr anftrengen müssen, wenn er -diesmal gegen die stark aufgekommenen Gäste nicht wieder verlieren will.
Die dritte Mannschaft fährt am Pfingstsonntag nach Frankfurt, um der gleichen bet
Der Sport an den pfingsifeieriagen.
Fedor Sokoloff, der keine Rerven kennt, keine Hemmungen, keine Bedenken — der nichts sieht als das Ziel — für den es nur eine Schwierigkeit gibt: den Weg zu finden, der zu diesem Ziele sührt. Et stellte Marfa Ermolieff vor ein Ultimatum: „Bis morgen abend wünsche ich die Papiere. Sonst muß er sterben — und bu wirst als seine Mörderin verhaftet werden."
Sie hat an feine Drohungen vielleicht nicht geglaubt — vielleicht hat sie Remisow ins Vertrauen gezogen. Riemand weiß es — denn Marfa Ermolieff hat über diese Dinge nie gesprochen. Rur dies weiß man: daß die Tat mitten in der Rächt im Grand Hotel geschehen ist — und daß man Marfa Ermolieff bei dem Toten gefunden hat.'
Voll Entsetzen fragte Linda:
„Habe ich Sie recht verstanden, Marcelle? Sokoloff ist der Mörder?"
„3a."
„Das ist nicht wahrl"
„Das sagte auch Marfa Ermolieff."
„Warum sollte sie eine Tat auf sich nehmen, die ein anderer begangen hat? Warum sollte Rie- binger sich für eine Tat einsetzen, die Sokoloff begangen hatte?"
„Sie wissen nicht, wie straff gezogen das Retz der Disziplin unter diesen Leuten ist, Linda. Beide hatten sich, ohne mit der Wimper zu zucken, für Sokoloff bestrafen lassen. Der Chef mußte geschont werden. So lautete der Befehl. Hätten sie ihn mißachtet, so wäre ihr Schicksal besiegelt gewesen."
„Aber Sie sagten doch vorhin, daß Sokolosfs Schuld sich herausgestellt hätte. Lind jetzt erklären Sie mir, die beiden hätten bis zum letzten Atemzuge seine Unschuld beteuert!“
„Als olles nichts fruchtete, spielte mein Monn den letzten Trumpf aus. Er ging auf Marfa Ermolieff zu. „Sie schützen Sokoloff, weil er zu 3hrer Partei gehört. Werden Sie auch für ihn büßen wollen, wenn ich 3hnen sage, daß Fedor Sokoloff ein Spion war, der zugleich in den Diensten der Gegenpartei stand?"
„Das ist nicht wahr!" schreit Marfa Ermolieff auf.
„Sehen Sie,“ sagt Krentz, „dies ist der Angelpunkt der Dinge. Was werden Sie tun, wenn ich 3hnen beweise, daß ich die Wahrheit sage?"
„Es ist eine Lüge!" sagt Riedinger.
„Hier" — damit öffnet Ole seine Brieftasche und legt Marfo Ermolieff drei Briefe vor, von Sokoloffs Hand gerichtet an die Leitung der zaristischen Partei in Paris.
Marfo Ermolieff greift noch den Papieren, überfliegt sie, stöhnt auf. Sie sieht mit entsetztem Blick hinüber zu Riedinger, zu ihrem Mann: Krentz geht zu Riedinger hinüber und gibt auch ihm die Briefe. Und dann geschieht es: Riedinger steht auf und sogt:
„3d> habe die Unwahrheit gesagt: meine Frau hat die Unwahrheit gesagt. Wir hoben keinen Grund mehr, Sokoloff zu schonen — hot sich nun doch herousgestellt, daß er ein Spion ist. Fedor Sokoloff ist der Mörder Remisows.“
Linda lehnte am Kamin, totenbleich, mit zitternden Gliedern, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, unfähig, ein Wort zu erwidern. Sie hörte die Stimme jener grau, die dort drüben in dem kleinen Gobelinfessel saß, die Verkünderin einer furchtbaren Botschaft, die alles zusammenbrechen lieh, was sich aus Liebe, aus Hoffnungen und beseligendem Gefühl in ihr aufgerichtet hatte. Sie begriff nichts als dies eine: daß eine Sturmflut hereingebrochen war, die alle Stimme niederrih, die alles zerstörte. Sie hörte dieses entsetzliche Rauschen vor ihren Ohren, das Wasser schien zu steigen. Deutlich sah sie, wie das Licht blasser, schwächer wurde: ober war das der Komps mit dem Zwielicht, in dem die künstlichen Flammen der Rocht unterlagen? Kamen nun, do die Sonne siegend emporstieg, olle Dinge auf ihr Maß zurück? War der Spuk der Rocht gewichen? Wurde nun alles nüchtern, klar und erbarmungslos?
3a, so muhte es wohl fein. Die Augen der Freundin dort drüben leuchteten in einem harten, grünlichen Lichte. 3hr Blick schien den Raum in sich aufzusaugen! Die gepackten Koffer — die Kleider — es war wohl keine Frage: Marcelle wußte, um was es ging. Dies war wohl ihre letzte und furchtbarste Rache — die Rache einer getäuschten und verratenen Frau. Run wuhte Marcelle, dah sie ihrer Gegnerin den Todesstoß verseht hatte.
Als ob die Besucherin die Gedanken erraten hätte, die durch Lindas Hirn gingen: sie sagte plötzlich, nicht ohne einen gewissen lächelnden Stolz:
„Sie sollen alles wissen: Richt mein Mann war es. der diese letzten Dinge aufgedeckt Hot. 3ch hatte die Briefe an die zaristische Partei in Händen. 3ch habe Sokoloff überführt: ich habe Riedinger dazu gebracht, Sokoloffs Ramen zu nennen."
Linda trat einen Schritt ins Zimmer. Sie schloß die Augen. Sie fühlte die unendliche Schwere der Lider, sie spürte den Schmerz, den jede Bewegung bereitete. Leise sagte sie:
„Es ist gut, ich danke 3hnen, Frau Marcelle. Lind nun bitte ich Sie, zu gehen."
Augenblicklich erhob sich Marcelle. 3nbem sie Linda die Hand reichte, sagte sie freundlich:
„3eht ist der Präfekt doch Sieger geblieben. Denn Sokoloff wird kaum aus Kopenhagen herauskommen."
Des Rätsels Lösung.
Während Marcelle die Treppe hinunterging, unter der Obhut des Dieners, stand Linda immer noch mit geschlossenen Augen am Fenster. Kam ntet bet Piertakt eines Autos durch die Rächt?
Plötzlich schrak sie zusammen: das Telephon klingelte.
Es war ihr Mann.
„Denke dir, Liebling, der Prozeß ist entschieden: Sokoloff ist der Täter!"
„3ch weih," sagte sie mit matter Stimme. „3<b weiß, Frau Krentz war hier."
„3ch bin in der Präfektur."
„3ch habe eine gute Rachricht für dich." sagte Linda. — Sie richtete sich auf; sie fühlte das wahnsinnige Pochen ihres Herzens: aber sie fühlte, daß es ihre Pflicht war, dies zu sagen:
„Richt wahr, du hast den Wunsch, Fedor Sokoloff zu fangen?“
Mit leisem Lachen antwortete er:
„O ja. den Wunsch hätte ich.“
„3ch kann dir dazu verhelfen."
„Wie wolltest du das fertigbringen?"
„Er wird in fünf Minuten hier sein. Du brauchst nur zu kommen und Hand auf ihn zu legen."
Sie hörte, wie feine Stimme betroffen wurde: „Sokoloff kommt zu dir? 3n die Wohnung? Was bedeutet das, Linda?"
„3ch werde es dir seöbst sagen. Komm!"
(Schluß folgt.)


