hiesige
Nachdruck verboten.
5. Fortsetzung-
die
Oberheffen.
Landkreis Giefzen
sitzende weiter, „3a.“
„Hast du sie
„Gewiß. Ich und sah ihnen
„Ditte, Herr Staatsanwalti"
.,3n welcher Sprache unterhielten sich beiden?"
weiter beobachtet?"
stand in der geöffneten Tür nach. Herr Riedinger geleitete
„Auf Dänisch“, gab der 3unge Auskunft.
„Dann stiegen die beiden," fragte der Vor- im ersten Stock aus?"
klingelt; ich muhte ins Parterre fahren. Ungefähr eine halbe Stunde später sah ich Herrn Riedinger und Fräulein Ermolieff zusammen die Treppe herunterkommen und in den Speisesaal gehen."
„Hast du sie später wiedergeschen?"
„Ja. Don diesem Augenblick an waren sie immer zusammen. Zweimal hat Herr Riedinger ein Auto bestellt; sie sind zusammen ausgefahren. Einmal nach Skodsborg, dann noch ein zweites Mal; wohin weih ich nicht."
„Fräulein Ermolieff," sagte der Vorsitzende mit seiner dunklen Stimme, in deren Tiefe immer eine versteckte Auge zu klingen schien — „Fräulein Ermolieff: Wäre es nicht an der Zeit, dah auch Sie uns ein paar Worte der Erklärung geben?"
Schweigen legte sich über den Saal; hundert Köpfe wandten sich der Angeklagten zu, die bleich, fast anteillos auf ihrer Dank sah; nur ihre glänzenden, dunklen Augen verrieten ihre innere Unruhe.
Die Aussage des Chauffeurs.
„Sie haben von der ersten Stunde an auf alle Anklagen geschwiegen. Glauben Sie im Ernst, dah Ihnen diese Taktik zum Vorteil gereichen wird?“
Die junge Russin blickte an dem Präsidenten vorbei ins Leere und schüttelte langsam den Kopf.
„Es ist möglich, dah manches zu Ihren Gunsten sprechen würde — wenn Sie dieses Schweigen brächen. Was soll also dies merkwürdige Verhalten? Wollen Sie sich etwa interessant machen? Eines Tages werden Sie bitter bereuen, dah Sie nicht zur rechten Zeit begriffen haben, um was es ging. Dämlich um Ihren Kopf, Fräulein Ermolieff! Gefallen Sie sich in d^c Dolle der beleidigten Königin, die es unter ihrer Würde hält, sich zu verteidigen? Das wäre eine Torheit, Fräulein Ermolieff! Sie stehen im Kampf mit der Justiz — und die Justiz ist die Stärkere in diesem Kampfe."
Die Angeklagte machte eine Handbcwcgung.
„Sagen Sie, was Sie auf dem Herzen haben; jedes Wort von Ihnen wird ein williges und freundliches Gehör finden.“
„Ich kann nur sagen," antwortete die junge Angeklagte, mit einem leicht russischen Akzent in ihrer Stimme, dah es mir aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist, eine Erklärung zu geben."
Dem Präsidenten schwoll die Zornesader. „Ich verlange von Ihnen eine klare Antwort auf die Frage: Bekennen Sie sich schuldig oder nicht?“
Die Angeklagte erhob sich. Mit leiser Stimme sagte sie:
„Ich kann auf diese Frage keine Antwort geben, Herr Präsident."
Gemurmel erhob sich; der Präsident zuckte resigniert die Achseln; aus den Augenwinkeln
AomM einer Mchi
Von paul Rosenhayn.
„Wissen Sie vielleicht, wie die beiden bekannt geworden sind?"
„Ich selbst weih es nicht. Aber ein Boy unseres Hotels hat es zufällig miterlebt."
„Er soll hereinkommen."
Der junge Page trat an die Schranke, zugleich schüchtern und stolz über die Wichtigkeit seiner Mission, mit den wissenden Augen des Frühreifen.
„Du sollst uns Auskunft geben über Herrn Riedinger und über Fräulein Ermolieff. Du warst doch dabei, als die beiden sich kennenlernten?"
Der Junge, durch das unerwartete Du ein bihchen gekränkt, schürzte die Lippen. „3a“, sagte er kurz.
„Du muht alles erzählen, was du davon weiht. Deine Aussage ist sehr wichtig."
3m Gefühl seiner wiedererlangten Würde richtete sich der Jüngling auf. „Ich bin Liftboy im Grand Hotel."
„So, so! Und eines Tages kam vermutlich Herr Riedinger und stieg in den Fahrstuhl."
„Vein. Fräulein Ermolieff kam."
„Ohne Herrn Riedinger also?"
„Sie stieg ein. Wir wollten eben abfahren — oder vielmehr: wir fuhren schon. Ich legte eben den Schalthebel herüber — da kam Herr Rie- dingcr eilends aus der Halle. Der Fahrstuhl war schon in Dewegung; ich bedeutete Herrn Riedinger durch einen Wink, dah ich gleich zurückkommen würde; da sagte Fräulein Ermolieff: „Sie müssen halten. Der Herr soll nicht warten." So dirigierte ich den Fahrstuhl zurück, öffnete die Tür und lieh Herrn Riedinger eintreten.“
„Run bedankte er sich wohl?"
„Er hatte gesehen, dah es Fräulein Ermolieff gewesen war, die sich so höflich benommen hatte. Er zog den Hut und sprach ein paar freundliche Worte zu der Dame."
Der Staatsanwalt machte ein Zeichen.
Der Direktor sah ein wenig unruhig nach der Tür. „Ich muh gestehen, Herr Vorsitzender, dah ich über diesen Punkt nicht so ganz orientiert bin. Ich war zufällig an jenem Abend, als Fräulein Ermolieff einzog, nicht im Hotel."
„Wer kann uns darüber Auskunft geben."
„Mein Oberkellner Hansen."
„Rufen Sie ihn herein, Gerichtsdiener. Uni) Sie können gehen, Herr Poulsen."
Durch die sich öffnende Tür trat Herr Hansen ein: mit den kurzen, schnellen und geräuschlosen Schritten des Kellners.
„Können Sie uns Näheres über den Einzug des Fräulein Ermolieff ins Grand Hotel sagen?"
„Gewiß."
„Sie kannte den später ermordeten Herrn Riedinger nicht?"
„Rein»"
„Woher wissen Sie das?"
„Herr Riedinger stand zufällig in der Halle, als Fräulein Ermolieff ins Hotel kam. Ich stand neben der Rezeption. Fräulein Ermolieff ging an Herrn Riedinger vorüber, dem ich eben Briefe reichte. Die beiden kannten sich nicht; sie sahen aneinander vorüber, wie Leute, die sich fremd sind."
„Konnte das nicht vielleicht Verstellung gewesen sein?"
Der Stellner sah dem Vorsitzenden ins Gesicht. „Das wäre... Ich glaube es zwar nicht, Herr Präsident..., aber unmöglich wäre es natürlich nicht."
„Oder, um eine zweite Version zu erwägen: vielleicht kannte Herr Riedinger das Fräulein Ermoliefs nicht — wohl aber Fräulein Er- moliefs den Herrn Riedinger? Vielleicht war sie in dieses Hotel gezogen, um in seiner Rähe zu sein?"
„Es wäre möglich."
„Welche Zimmer-Rummer hatte Riedinger?"
„Rümmer sieben."
„ilnb Fräulein Ermolieff?"
„Rümmer vierundzwanzig."
„Aeuherte sie irgendwelche Wünsche betreffs ihres Zimmers?"
„Sie verlangte ein Zimmer im ersten Stock."
„Wir kommen jetzt zu der entscheidenden Wendung", sagte der Vorsitzende. „Aus den Akten geht Hervor, daß Herr Riedinger drei Tage, nachdem Fräulein Ermolieff ins Grand Hotel eingezogen war, ihre Bekanntschaft gemacht hat."
„Ja, Herr Präsident."
CO Klein-Linden, 16.April. Der Evangelische Frauenverein hielt am Sonntagabend im Saale der Kleinkinderschule seine Schlußfeier ab. Einige Mitglieder der Jugendvereinigung eröffneten die Feier mit einem Lied zur Laute. In seiner Ansprache über Epheser 1, Vers 3 ff. wies der Vorsitzende, Pfarrer Bremmer, auf bte Aufgaben und Ziele eines Frauenvereins hin. Viel zur Verschönerung der Feier trugen die Gedichtvorträge von einigen Mädchen und einige mehrstimmige Chöre von Frauen bei. Die Rechnungsablage der Kassiererin zeigte in Einnahme 380,61 Mark, in Ausgabe 309,10 Mark, von welch letzterer der größte Posten auf die Anschaffung eines Harmoniums entfiel. Die allwöchentlich abgehaltenen Vereinsabende fanden im letzten Winter reges Interesse der Mitglieder. An den Abenden wurden die beiden Werke von Erwin Gros „Das Opfer der Maria Bach" und „Das leuchtende Haus" gelesen. Den gestrigen Abend beschloß ein gemütliches Kaffekranzchen und die übliche Verlosung von gestifteten Gegenständen.
aL Wieseck, 16. April. Ein Wohltätigkeit skonzert zum Besten der Kriegsblinden fand am Sonntagabend im Saale des Gastwirts Hormann „Zum kühlen Grund" statt. In anerkennenswerter Weise hatten sich für diesen edlen Zweck die hiesigen Gesangvereine, Arbeitergesangverein Sängerkranz, Männerquartett Harmonie, Gcsangsabteilung des Turnvereins, Eintracht und Sängervereinigung, zur Verfügung gestellt; ebenso wirkten die Kapelle Mank und das Mandolinen-Orchester mit. Es war ein genuh- reicher Abend; das Gebotene zeugte davon, dah man in Wieseck bemüht ist, wirklich nur das Beste zu leisten. Hoffentlich gelingt es auch bei anderen Anlässen, wie hier das Trennende gegenüber dem höheren Ziel zum Ruhen aller zurück-
zustellen. Kriegsblinder Reallehrer Krantz (Friedberg) dantte im Ramen der Kriegsblinden den Mitwirlenden, sowie dem Gemeindevorstand für die tatkräftige Unterstützung, und hob besonders hervor, dah nur der einen Schatz zu schätzen wisse, der ihn nicht mehr besitze. Er teilte mit, dah die eingegangenen Beträge nur dazu benutzt würden, den Kriegsblinden eine Freude zu bereiten und ihnen ihr hartes Los zu erleichtern.
4- Grünberg, 16. April. An der hiesigen Oberrealschule sind zu Beginn des neuen Schuljahres eine Anzahl Veränderungen eingetreten. Außer Oberstudiendirektor A n gelbe r g e r , der an das Realgymnasium Gießen geht, sind weiterhin versetzt: Studienrat Dr. B u tz an das Realghmn. Gießen, Studienrat Dr. R i t- sert nach Reu-Isenburg, Studienrat Schmidt nach Alzey. Reu treten in den Lehrkörper ein: Studienrat S ch w ö r e r von Wimpfen, Studienrat Stotz von Hungen und die beiden Studienassessoren Roth und Schneider von Darmstadt. — An die Volksschule wurde Schulverwalter Rothermel aus Rodau (Kr. Bensheim) als Gehilfe für die erkrankte Lehrerin Eifert beordert.
4- Grünbera, 16. April. Der hiesige P f e r de - V e rs i ch er u n g s - De re i n (g.- grünbet 1876) hielt am Sonntag in der Wirtschaft Adolf Repp Witwe unter dem Vorsitz von Direktor Karl Schäfer seine 52. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Rach dem Geschäftsbericht zählt der Verein 545 Mitglieder. Im Laufe des Jahres traten ihm 52 neue Mitglieder bei, in diesem Jahre sind bis heute bereits 26 Reuaufnahmen erfolgt, so daß die Mitgliederzahl noch weiter zugenommen hat. Der Tätigkeitsbereich des Vereins erstreckt sich außer Grünberg und Umgebung auch auf die Orte des Busecker-Tales, der Rabenau und des Ebsdorfer Grundes, auch in der Gegend von Hungen und sogar von Büdingen sind Mitglieder vorhanden. An Pferden waren 797 im ersten Halbjahr mit 459 350 Mark und im zweiten Halbjahr mit 470 250 Mark versichert. Insgesamt wurde für 48 Tiere mit 13 948,25 Mark entschädigt. Der Verein verfügte am Schlüsse des Geschäftsjahres über ein Vermögen von 9 469,50 Mark, hinzu kommen noch aufgewertete Kapitalien im Werte von ungefähr 2000 Mark. Rach der Rechnungsablage wurde dem Rechner Wilhelm Heinz- mann jun. Entlastung erteilt. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der Herren Direktor Schäfer und Karl Frank Hl. von hier. An Stelle der Herren Adolf Repp,. hier, welcher infolge Tod ausschied, und Ludwig Münch, Wetterfeld, wurden durch Zuruf gewählt: Bier- verleger Sebastian Riedmann, Grünberg, und Johannes Pfeiffer L, Wetterfeld.
* Leihgestern, 16. April. Am Samstagabend hielt der Turnverein „Frischauf" im Vereins lokal einen turnerischen Werbe- a b en d ab. Der erste Vorsitzende Wilhelm Will betonte einleitend, daß die Kräfte des Südwestdeutschen Turnverbandes von der regen Arbeit und den hohen Zielen der Turnerei hier Zeugnis ablegen möchten. Sodann begrüßte der zweite Vorsitzende des Turngaues Wetterau, der in seiner Ansprache auf den Wiederaufschwung des Turnvereins „Frischauf" hinwies. Aus den wechselnden Darbietungen der Verbands- und Dereinsriegen an den verschiedenen Geräten sah man, mit welchem Geist und welcher Energie die jungen Turner sich der edlen Turnerei widmen Die Darbietungen waren sehr gut und wurden durch reichen Beifall des Publikums belohnt. Gegen IP/? W schloß der erste Vorsitzende die offizielle Feier, an die sich noch einige gemütliche Stunden anschlossen. — Bei den „Bundes-Waldlauf-Meisterschaften 1 9 2 9“, verbunden mit der Verbands-Waldlauf- Meisterschast des Südwestdeutschen Turnverbandes, errang am Sonntag unser Turner Wilh. Zöller in der 1. Klasse der Verbandsmeister- schaft des S.T.V. den 1. Sieg, Otto Mar -
tinl in der S-Klasse den 3. Sieg unb Richard Schaum in der 0-Klasse den 5. Sieg.
Bellersheim, 16. April. Mit Schluß des letzten Schuljahres trat unser allgemein beliebter Lehrer Sprengel in den wohlverdienten Ruhestand, nachdem er über 40 Jahre im öffentlichen Schuldienst tätig gewesen war. Da er seinen Lebensabend im Kreise von Verwandten in seinem neuer= bauten Eigenheim verleben will, nahm er in diesen Tagen Abschied von hier. Die Einwohnerschaft brachte ihm unter Vorantritt des hiesigen Musikvereins ein Ständchen dar. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Männerchor des Gesangvereins „Germania" unter feinem bewährten Dirigenten A. Göbel. In feiner Abschiedsansprache hob Bürgermeister Müller nochmals die großen Verdienste des Scheidenden um unsere Gemeinde hervor und sprach herzliche Worte des Dankes als Anerkennung für seine segensreiche Wirksamkeit. Allezeit und überall sei er in uneigennützigster Weise hilfreich tätig gewesen. Posthalter Ferdinand Bopp dankte im Namen aller Schüler, die zu Füßen ihres.nun scheidenden Lehrers gesessen hatten — es sind dies während seines fast 30jährigen Schuldienstes am hiesigen Orte etwa zwei Drittel aller hiesigen Einwohner — und wünschte dem gerechten Erzieher und guten Berater einen gesegneten Lebensabend. Im Namen des Kirchenvorstandes feierte Pfarrer Gehrig den Scheidenden. Tiefgerührt dankte Lehrer Sprengel für die Ehrung, lieh seine Amtszeit noch einmal an dem geistigen Auge vorüberziehen und versicherte, daß er Bellersheim als seine zweite Heimat nie vergessen werde.
—o— Ober-Bessin gen, 16. April. Am Sonntag feierte der Landwirt und ehemalige Schäfer Johannes Rinker I. mit seiner Ehefrau das Fest der Goldenen Hochzeit. Seit wenigen Jahren ist diese goldene Hochzeit die sechste in unserem kleinen, kaum 400 Einwohner zählenden Dorfe. Das Ehepaar hatte es sich nicht nehmen lassen, sich nochmals kirchlich trauen zu lassen. Der Hochzeitszug bestand aus den 10 Familien von acht Söhnen und zwei Töchtern; sieben Söhne hatten den Weltkrieg mitgemacht und kehrten alle glücklich zurück. Weiter folgten 25 Enkel und sieben Urenfel, so_ daß die ganze Familie schon über 50 Personen zählt. Der siebente Sohn ist ein Pate des ehemaligen Großherzogs von Hessen. Das Jubelpaar erhielt von allen Seiten Ehrungen. Die hessische Regierung, die Landeskirche und der Kreisdirektor hatten Glückwünsche gesandt. Die hessische Regierung hatte mit dem Glückwunschschreiben auch em Geldgeschenk von 25 Mk. überreicht. Die Gemeinschaftsmitglieder brachten durch den Posaunenchor em Ständchen dar.
Kreis Büdingen.
# Nidda, 16. April. Gestern fand durch Studiendirektor L a u k h a r d t die erste S ch üler- aufnahmeimneuerbautenRealschul- g ebäube statt. Es traten in die unterste Klasse im ganzen 36 Schüler und Schülerinnen ein, von denen der überwiegende Teil von auswärts kommt. Die Anstalt hat nunmehr nahezu 120 Schüler. In der Volksschule kamen durch Rektor Mer- g o 11 66 Abcschützen zur Aufnahme. Davon stammen sieben aus dem Schulbezirk Kohden und drei von Bad Salzhausen. , w
# Geiß-Nidda, 16. April. Nachdem im Spätherbst des Vorjahres die Bahnstrecke in Richtung Friedberg von Grund aus umgebaut tourbe, ist jetzt eine Rotte Bahnarbeiter damit beschäftigt, bei Häuserhof Erneue- r u n g s a r b e i t e n am Oberbau des Bahnkörpers vorzunehmen. Es werden neue Schwellen gelegt, und anstatt der früheren neun Meter langen Schienen werden solche von 15 Meter Länge mit stärkerer Krone und größerer Höhe gelegt. Auch das Schottermaterial, das teilweise noch aus Sand und Kieselsteinen besteht, wird durch Basaltgrobschlag erseht, das von dem Haribasaltwerk Nickel von Ober-Widders- heim geliefert wird. Demnächst wird mit dem
deutsche Forschung, insbesondere diejenige Sommers. zurückzuführen, der die Ermüdungsursachen in der Entstehung der seelischen und nervösen Erkrankung auffand. Sommer veröffenilichte 1902 seinen ersten epochemachenden Entwurf zur Einrichtung öffentlicher Ruhehallen, insbesondere in den Verkehrszentren der Großstädte, um die überhastete Bevölkerung vor der Erschöpfung zu bewahren. Die ersten Anfänge der Bewegung scheiterten an vielen Widerständen. Die ersten, in großem Umfange nach Sommers Plan gebauten Ruhehallen bei der Dresdener Hygiene- Ausstellung hatten nach dem dort ausgelegten Gästebuch einen ganz außerordentlichen und begeisterten Erfolg. Trotzdem schritt die Dewegung zunächst in Deutschland nicht fort, sondern sprang anläßlich der Internationalen Weltausstellung in Saint Louis 1904 nach Amerika über und kehrte von dort in großzügiger Weise nach Deutschland zurück, wo sie von Sommer mit Unterstützung des Reichsministeriums des Innern und mit lebhafter Beteiligung der deutschen Fach- verbände neu organisiert wurde. Psychotherapie sei erweiterte fortgebildete Psychiatrie. Psychische Hygiene sei Dorbeugungslehre, Lebenskunst zum Kampf gegen die Ermüdung und Entmutigung im Lebenskampf. Die erste große Tagung der Gesellschaft für psychische Hygiene in Hamburg 1928 anläßlich des Naturforscherkongresses habe ein Zusammenarbeiten aller Arbeitsgebiete der psychischen Hygiene gegeben, das in sich schon vorbildlich war. Vorbeugende Lebenshygiene, De- schäsiigungstherapie, Außensürsorge für Geisteskranke, Kinder- und Psychopathenfürsorge und viele andere Bestrebungen greifen zu einem einheitlichen umfassenden System zusammen.
Die vier Kongresse für Psychotherapie in Bad- Nauheim und Baden-Baden ergänzten ebenfalls dieses neue und hoffnungsreiche Gebiet zu einem umfassenden System der Heilkunst, des Seelenlebens, des harmonischen Denkens und der Leistungskraft.
Fräulein Ermolieff bis ans Zimmer vierundzwanzig. Dort wohnte sie nämlich."
„Ging sie gleich hinein?"
„Nein, Herr Präsident. Die beiden mußten wohl eine sehr interessante Unterhaltung haben. Fräulein Ermolieff lächelte, einmal hörte ich sie auflachen; an ihrer Tür blieben sie stehen. Ein paar Minuten später wurde von unten ge-
Umbau des Streckenteils Beienheim— Friedberg begonnen.
-+- Unter-Schmitten, 16. April. Beim Ueberqueren des Schienengleises am Eingang der Staffelschen Papierfabrik stürzte gestern der Betriebsleiter R. mit seinem Motorrad so unglücklich, daß er mit dem Kopf aufdasEisenaufschlug. Neben einem Bruch des Nasenbeines und anderen Kopfwunden dürfte ein Schädelbruch wohl nicht oorliegen, wenn auch eine starkeGehimerschütterung ärztlicherseits festgestellt ist. Man hofft, daß keine inneren Der- letzungen vorliegen.
j:[ Gelnhaar, 16. April. Am Samstagabend hielt der hiesige Landwirtschaft l.Konsum- und Kreditverein seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Direktor Christian Bellinger gedachte zu Anfang der erst kürzlich verstorbenen beiden Mitgliedern Fritz Müller und Karl Landmann. Sodann verlas der Rechner Konrad Henrich die Bilanz vom 31. Dezember 1928. Beanstandungen sind von der Revision nicht gemacht worden. Die Aktiva und Passiva schließen mit einem Reingewinn von 1368 Mark. Besonders begrüßt wurden die Spareinlagen von 1928 in der Höhk von 8000 Mark. Dem Rechner, sowie dem Vorstand wurde Entlastung erteilt Ein gemütliches Zusammensein mit den Frauen schloß die Versammlung.
Kreis Schotten.
)—( Ruppertsburg, 16. April. Nachdem am Sonntag 12 Kinder (6 Knaben und 6 Mädchen) unserer Schule konfirmiert worden sind, konnten gestern 12 n e u e S ch ü l e r in die zweite Klasse ausgenommen werden, und zwar 4 Knaben und 8 Mädchen. Unsere zweiklassige Schule zählt im neuen Schuljahre 90 Kinder. Die Schülerzahl wächst in den nächsten Jahren stets und erreicht nach 3 Jahren annähernd 120 Kinder.
T Steinberg b. Gedern, 16. April. Durch Feuerlärm wurde unser Dors in der Nacht auf Dienstag aus dem Schlafe geschreckt Es brannten Scheune und Stall deS Bürgermeisters Kaiser. Das Gebäude brannte des Eingreifens der hiesigen und der Glashütter Feuerwehr vollständig nieder. Nur das Vieh konnte mit vieler Mühe aus dem brennenden Stalle gerettet werden. Das Wohnhaus blieb infolge seines größeren Abstandes vom Brande verschont. Kurzschluh scheint als Brandursache nicht in Frage zu kommen. Cs wird Brandstiftung vermutet.
wg. Gedern, 16. April. Ihren 80. Geburtstag feierte gestern in völliger körperlicher und geistiger Frische Frau Katharine Karo- line Ober heim, geb. Diehl, Witwe deS im Jahre 1889 verstorbenen hiesigen Bürgermeisters Christian Oberheim V. Die außergewöhnlich rüstige und allgemein beliebte Jubilarin hat somit 40 Jahre, also gerade die Hälfte ihres Lebens, im Witwenstanoe zugebracht.
Kreis AlsfeN».
Alsfeld, 16. April. Eine sthr beachtenswerte Erweiterung erfährt zur Zeit bas Hei- matmufeum des Geschichts - und Altertumsvereins, das im sog. Hochzeitshause am Marktplatz untergebracht ist. Die Notwendigkeit wurde immer dringender, für die vielen noch nicht zur Aufstellung gebrachten Gegenstände neue Räume zu schaffen. Infolgedessen stellte die Stadt die erforderlichen Mittel zum Ausbau des dritten Stockes des Museumsgebäu- des zur Verfügung. Mit dieser Arbeit ist in den letzten Tagen unter Leitung von Stadtbaumeister Maurer begonnen worden. Die Museumsräume erhalten eine bedeutende Erweiterung durch die Einrichtung von vier großen Zimmern. Infolge liebenswürdigen Entgegenkommens des bekannten Malers Professor Richard Hoelscher in Darmstadt, eines geborenen Alsfelders, wird diesem ein besonderes Zimmer zwecks Errichtung einer G e -
—«.um uni—■ ■■■ iwn -i Hin" "—"—j blickte er hinüber zum Staatsanwalt, der, immer mit seinem undurchdringtiPen Lächeln, eine Notiz in seine Akten machte.
„Ich kann Sie natürlich nicht zwingen. Aber ich mache Sie daraus aufmerksam, dah Sie die Folgen, die sich aus Ihrer Weigerung ergeben, auf sich nehmen müssen."
Wieder blickte er erwartungsvoll zu Marsa Ermolieff hinüber; aber sie neigte nur stumm den Kops.
„Ich darf also den Herrn Polizeipräfekten bitten, uns nunmehr mit den Dingen bekannt zu machen, die sich nach seinen Feststellungen um den Mord gruppieren."
Der Präfekt erhob sich von der Zeugenbank und trat an die Barriere. Er mochte um die Fünfzig herum sein; obwohl groß und breitschultrig, machte er den Eindruck eines ' Gelehrten. Der Blick der Angeklagten glitt über seine Erscheinung, blieb auf seinem Gesicht haften — in seinen Augen schien sie die Antwort auf eine unausgesprochene Frage zu suchen.
„Ich darf um die Erlaubnis bitten, Herr Präsident," begann der Präfekt, und es schien, als ob er mit einer leisen Schüchternheit kämpfte, „in dieser Sache von der Gepflogenheit des reinen Protokollstils abzusehen. Die einzelnen Prämissen der Sache Ermolieff sind, ich kann es unbedenklich sagen, so außerordentlich differenziert, daß ihnen mit Schwarz und Weiß, mit Ja und Nein nicht ohne weiteres beizukommen ist. Ich selbst habe, das muß ich offen gestehen, mir, auch rein privat, bis heute kein abschließendes Urteil bilden können — und gerade, um auch das Gericht in dieser Hinsicht in seinen eigenen Erwägungen völlig unbeeinflußt zu lafsen, halte ich es für das Richtige, wenn in meinen Darlegungen auch sozusagen halbe Töne aufklingen."
„Wir wünschen uns nicht Besseres, Herr Präfett", antwortete der Präsident.
„Ich darf also kurz rekapitulieren" — die Stimme des Vortragenden Präfekten festigte sich ; „am neunundzwanzigsten August stieg im Grand Hotel ein Gast ab, der sich Bruno Riedinger nannte. Er bezog das Zimmer sieben mit Ausblick nach dem Köngens Nytorv. Er war im Besitze bedeutender Barmittel. Trotz seines deutschen Namens hielt man ihn für einen Russen. Er bekam mehrfach Briefe — wie man sich zu erinnern glaubt, aus Rußland. Er war von höflichen, etwas kühlen Umgangsformen; sichtlich hatte er den Wunsch, ungestört zu sein. Aus verschiedenen Anzeichen durfte der Schluß gezogen werden, daß Herr Riedinger irgendeinen Verfolger fürchtete — oder aber auch der umgekehrte Schluß, daß er irgend jemanden verfolgte und daß er aus diesem Grunde nicht bemerkt zu werden wünschte."
(Fortsetzung folgt)


