Nr. 294 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Montag, 16. Dezember (929
Sängertagung in Gießen.
Der seitherige Lahngau des Hessischen Sängerbundes hielt am gestrigen Sonntag im Schippkapaß zu Gießen eine stark besuchte Delegiertenversammlung ab. Had? der Begrüßung der Erschienenen durch den Gauvor- sitzenden E. Koch (Gießen) teilte dieser mit, daß
eine Teilung des Gaues sich wegen dessen Große erforderlich mache. Zu diesem Zwecke habe bereits im Oktober in Grünberg eine Gauvorstandssihung stattgefun- den mit folgendem Ergebnis: Der Bezirk 2 (Lahntalsängerbund) und der B e z i r k 3 (Ohm-Lumdatalsängerbund) lösen sich von dem Gau los und bilden je einen Gau für sich. Der Bezirk 7 (Solmser Sängerbund) schließt sich mit den Wetzlarer Vereinen Mnionklub, Lahngruh und Musikalischer Verein zusammen und bilden den GauSolms- Wehlar. Die Bezirke 1, 4 (Lumdatalsängerbund). 5 (Oberhessischer Sängerbund) und wahrscheinlich der Bund 6 (Chattia-Sängerbund) schließen sich zu einem Gau mit 4 Bezirken zusammen und bilden so den Gau Gießen Stadt und Land. Diese Veueinteilung sei notwendig, um die Schwierigkeiten in der Verwaltung zu verringern und eine st ä r k e r e Vertretung Oberhessens im Vorstand des Hessischen Sängerb.undes zu erreichen.
Vach diesem Bericht des Vorsitzenden gab zunächst ein Mitglied des Lumdatalsänger- b u n d e s davon Kenntnis, daß dieser vor wenigen Tagen einen eigenen Gau (Lumdatalgau) gegründet habe, was in der Versammlung Erstaunen auslöste. Der inzwischen erschienene Vorsitzende des Lumdatalsängerbundes, Lehrer Eberle (Lollar), rechtfertigte die Haltung seines Bundes in dieser Frage. Der Vorsitzende bedauerte den vom Lumdatalbund gefaßten Beschluß, zumal der Bund nur sieben Vereine mit 300 bis 400 Mitglieder zahle und mit einer Genehmigung dieser Gründung durch den Hessischen Sängerbund nicht zu rechnen sei. Der Vorsitzende des Provinzialverbandes, Gengnagel (®rün* berg), wies darauf hin, daß den besonderen Verhältnissen in den einzelnen Bünden weitgehend Rechnung getragen werden müsse. Es sei auch durchaus verständlich, wenn diese Bünde an den alten Traditionen festhalten. Es werde die Zeit kommen, wo eine einheitliche Organisation sich auch in Oberhessen durchringc. Die jetzt vorgeschlagene Regelung, der alle Beteiligten zustimmen müßten, sei nichts endgültiges, man wolle nur dem Ziele zustreben, eine große Organisation zu schaffen. 3n der weiteren Aussprache wurde die Haltung des Lumdatal-Sängerbundes bedauert und versucht, ihn zur Aenderung seiner Stellungnahme zu bewegen, was aber nicht gelang. Weitere Redner vertraten die Auffassung, daß eine geographische Einteilung des Gaues besser zum Ziele führe, die Aussprache ergab aber, dcrß dies nicht möglich ist, solange noch die einzelnen Bünde bestehen. Ley (Gießen) beidauerte, daß die Hauptziele zu sehr in den Hintergrund gedrängt würden, die Sonderinter- essen der Bünde sollten doch etwas zurückgestellt werden. Was in Starkenburg und Rheinhessen bezüglich der Schaffung einer einheitlichen Organisation möglich gewesen sei, müsse doch auch in Oberhessen durchführbar sein. Auch Becker (Treis) hält einheitliche Organisation für notwendig, die nach der Auffassung von Eberle (Lollar) erst nach Auflösung aller Bünde zu erwarten ist. 3m weiteren Verlauf der Aussprache wurde von Ley (Gießen) der Vorschlag gemacht,
einen Gau Gießen Stadt und nähere Umgebung und einen Gau Giehen-Land zu errichten. Dieser Vorschlag wurde insofern erweitert, als außer dem Gau Gießen-Stadt (mit näherer Umgebung) zwei weitere Gaue nördlich und südlich von Gießen errichtet werden sollen. Schließlich wurde noch ein Gau Grünberg-Lich verlangt. Vach weiterer Aussprache, in der von einem Vertreter des Lumdatalsängerbundes nochmals mitgeteilt wurde, daß dieser seine Haltung nicht aufgebe, wurde schließlich bei Stimmenenthaltung des Lumdatal- sängerbundes die vom Gauvorstand vor- geschlagcneEinteilunggutgeheihen.
Es wird sodann in die Besprechung der vom Vorsitzenden vvrgetragenen
Richtlinien
eingetreten, deren Hauptpunkte wir nachstehend wiedergeben:
Der Gau Gießen Stadt und Land ist ein Bestandteil des H. S. B. und ist den Satzungen dieses voll und ganz unterstellt.
Der Gau Gießen Stadt und Land seht sich zusammen aus: a) den Männergesangvereinen der Stadt Gießen und deren nächster Umgebung, b) dem Bezirk 1 (Oberhessischer S. B), c) dem Bezirk 2 (Chattia-Sängerbund). Alle Vereine unter a) unterstehen dem Gauvorstand direkt, die Vereine unter b) und c) sind durch ihren Bezirksvorstand dem Gauvorstand unterstellt. Der Gauvorsihende hat in den Bezirksvorständen beratende Stimme. Er ist zu allen Sitzungen dieser einzuladen.
Der Gauvorstand setzt sich zusammen aus: dem Gauvorsihenden, dessen Stellvertreter, dem Schriftführer, dessen Stellvertreter, dem Rechner, je einem Beisitzer aus den angegliederten Bezirken und dem Gauchormeister.
Der Gauchormeister wird von den Dirigenten des Gaues gewählt.
Zur fachmännischen Beratung der musikalischen Angelegenheiten, sowie zur Beratung der Dirigenten innerhalb des Gaues wird ein Musik- und Fachausschuß gebildet. Dieser setzt sich zusammen aus dem Gauchormeister als Vorsitzenden, je einem Chormeister aus den angegliederten Bezirken, einem Chormeister aus den Männergesangvereinen der Stadt Gießen und deren nächster Umgebung, dem Gauvorsihenden und Gauschriftführer.
Die Höhe der Beiträge wird auf dem jährlichen Gausängertag festgesetzt. Die Rückvergütungen des H. S. B. fließen in die Gaukasse und werden, soweit notwendig, zu Verwaltungszwecken verwandt. Ueber jede weitere Verwendung beschließt der Gausängertag.
Die Männergesangvereine der Stadt Gießen und deren nächster Umgebung halten in jedem 3ahre einen Gauliedertag, die übrigen Vereine einen Bezirkslieder- tag ab. Alle Vereine sind verpflichtet, an dem für sie bestimmten Liedertag teilzunehmen. Die Liedertage werden, damit diese nicht zusammen- faFIen, auf dem Gausängertag festgelegt. Vach kurzer Aussprache wurden die Richtlinien angenommen.
Die Wahl de» Gauvorstandes
hatte folgendes Ergebnis: E. Koch, Gießen, 1. Vorsitzender, Lehrer Eberle, Lollar, 2.Vorsitzender, H. Rinn, Klein-Linden, Rechner. Der Schriftführer soll vom Bauerschen Gesangverein, sein Stertvertreter vom Gesangverein Concordia (Gießen) gestellt werden. Außerdem sollen die Vorsitzenden der Bezirke, sowie Wilh. Becker, Treis, als Beisitzer des Gauvorstandes fungieren. Der Gauchormeister soll gelegentlich einer
Das Erbe
-es Herrn von Anstetten.
Zftoman von J. Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschuh durch
Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Würz?" Anstettens Gesicht hob sich leichenfarben von den geblümten Kissen.
„Reg'ns Ihnen net so auf. Herr Baron! Das schad Ihnen wieder! Er is einfach nimmer da- g'wes'n."
„Würz." — Anstetten wollte den Fuß aus dem Bette setzen, aber Stefan hielt ihn kräftig zurück.
„Das hat jetzt gar keinen Zweck, wann's Ihnen so nunter tun, Herr Baron. Morgen in aller Früh geh ich nunter und kundschaft aus, ob der Herr Bernd z'rückkommen is und was sonst noch alles wiss'n woll'n. Jetzt, bei der Stockfinster laßt sich nix mehr rnach'n. Rixa, halt's Maul!" Er zog den Hund von der Türe, vor welcher er winselnd stand, zurück.
„Ich glaube, du kannst sie ruhig für eine Viertelstunde fortlassen," sagte Anstetten deprimiert.
„Wann's meinen, Herr Baron! Ich glaub selber, daß net lang ausbleibt! — Komm aber schön wieder, Madam!" Er drohte Rixa mit dem Finger, als sie mit freudigem Gebell durch die Hüttentüre sprang.
„Was nun," sagte Anstetten, als Würz, ins Zimmer zurücktretend, eine neue Kerze in den Leuchter steckte.
„Das hab ich mich auch schon g'fragt, Herr Baron. Ich find keine Luck'n nimmer zum Vauskommen. Is eh ein Wunder, daß noch keiner in der Hütten g'sucht hat. — Herrgott, jetzt gibt das Vieh Standlaut!" Er sprang nach der Türe und lieh sie hinter sich ins Schloß fallen.
Daumen und Zeigefinger jeder Hand zwischen die Lippen nehmend, stieß er einen gellenden Pfiff aus, der von Rixas Gekläff übertönt wurde. Wit langen Sähen sprang er den Hang hinab nach der Stelle, wo die Hündin Laut gab. Sie hetzte ihm ein Stück entgegen, riß ihn beinahe über den Haufen und jagte wieder zurück.
Hoffentlich hat sie keine Geiß zerrissen, dachte Würz. Er sah sie in einer Höhle verschwinden und wieder herauskommen. Vachsehen konnte er ja, was sie so sehr in Harnisch brachte. Vielleicht ein Dachs, oder sonst ein Tier, das ihr fremd war.
Er holte Zündholz aus der Tasche seines Beinkleides, bückte sich, um durch den Spalt
zu schlüpfen und fuhr zurück, denn die Stimme, die von innen kam, war ihm merkwürdig bekannt.
„Rixa, komm doch - so komm doch, Rixa?"
Der Hund drängte sich durch die Lücke und brach in ein Freudengeheul aus. Würz ließ im Knien ein Streichholz aufflammen. Zwei Augenpaare senkten sich vor der momentanen Grelle des Lichtscheins und suchten ineinander.
„Stefan!"
„Iesfas, der Herr Baron!"
„Mein Gott, Stefan, ist denn die Rixa jetzt bei dir?"
Der Jäger nickte.
„Seit wann?"
„Seit — feit —“
„Vater verschwunden ist," ergänzte Bernd.
„Ja!"
Eine Sekunde des Schweigens. „Lassen Sie mir den Hund, Stefan." Bernd hielt Rixa am Halsbande fest. „Er muß mir suchen helfen! Zu zweien ist es leichter. Er hat eine so vorzügliche Vase! Stefan, warum haben Sie die Rixa nicht auf Vaters Spur gesetzt?"
Würz hatte keine Antwort.
„Sie hätte ihn totsicher gefunden. Jetzt ist es natürlich viel, viel schwerer, aber ich gebe trotzdem das Hoffen nicht aus. Haben Sie irgenbtoo Unterschlupf gefunden bei dem Wetter?" Er sah nach Stefans trockenen Kleidern und dessen sorgfältig gezogenem Scheitel.
Der Gefragte fand auch jetzt nur noch ein stummes Bejahen und dann Tagte er etwas, das nicht mehr gutzumachen war. „Das Jagdhaus liegt keine hundert Schritt weiter oben. Woll'ns net lieber in der Hütt'n nächtigen, Herr Baron?"
Bernd nickte zustimmend. „Es ist sehr dumpf hier. — Vielleicht habe ich deshalb auch so fürchterlich schwer geträumt.“
3m Aufwärtssteigen hatte Würz nur den einen Gedanken: Wie mache ich's, daß der junge Baron nichts von der Anwesenheit seines Vaters erfährt! Er bückte sich und warf der Rixa, welche sich wie toll gebärdete, einen Tannenzapfen nach. Beim Eintreten in den Flur sagte er leise, aber bestimmt: „Der Herr Baron schlaf'n am besten oben in dem Giebelzimmer. Da is es luftig und alles in Ordnung. Das Gewand nehm ich mit runter und schür in aller Früh ein kleines Feuer, damit's trocken wird. — Schlaf'ns 3hnen nur tüchtig aus, Herr Baron! Sie werden net wenig müd sein."
Er ging, das Licht hochhaltend, die Stufen voran und wandte ab und zu den Kopf, ob ihm der junge Gebieter auch folgte. Der mittelgroße aber behaglich möblierte Raum, den er öffnete, warf ihnen eine modrig eingeschlossene Luft entgegen, daß Bernd eilig nach dem Fenster sprang und es aufrih.
Würz deckte das Bett ab und steckte die Kerze
demnächst stattfindenden Dirigententagung gewählt werdem
Der Beitrag soll einheitlich auf 1 Mark festgesetzt werden. Die Festsetzung des Gauliedertages bleibt dem Gauvorstand überlassen.
Zu Punkt „Verschiedenes" besprach Becker, Kesselbach, noch Deitragsangelegenheiten, während Leh, Gießen, dem Vorsitzenden für seine ersprießliche Tätigkeit den Dank der Versammlung zum Ausdruck bringt.
3n einem kurzen Schlußwort dankte der Vorsitzende den Delegierten für die rege Mitarbeit. Er sprach die Hoffnung aus, daß es bald gelingen möge, auch in Oberhessen zu einer einheitlichen Organisation zu kommen, im 3nteresse des deutschen Männergesangs. Mit dein eindrucksvoll vorgetragenen Deutschen Sängergruß fand die Tagung ihren Abschluß.
Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Friedberg.
Die 3ndustrie - und Handelskammer Friedberg hielt am Donnerstag in ihren neuen Dureauräumen in Friedberg (Ludwig- straße 27) eine Vollversammlung ab, die sehr gut besucht war. Die Verhandlungen standen unter der Leitung von Kommerzienrat Langsdorf, der den Beigeordneten Dr. Leucht- gens als Vertreter der Stadt Friedberg begrüßen konnte.
Der Vorsitzende gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Kammer auch in den neuen Räumen zum Wohle der bezirkseingesessenen Wirtschaft und der Gesamtwirtschaft gedeihliche Arbeit leisten möge. Für die Stadt Friedberg sprach Beigeordneter Dr. Leucht gens, der
die guten Beziehungen zwischen Stadtverwaltung und 3ndustrie- und Handelskammer besonder- betonte.
3m Mittelpunkt der Beratungen stand ein Referat von Syndikus Dr. Göbel über die Steuer- und Finanzrcform. Der Redner behandelte zunächst die verschiedenen Reformvorschläge und ging vor allem auf den Stolperschen Finanzplan näher ein, den er besonders bezüglich der Veugestaltung der Verbrauchssteuern einer Kritik unterzog. Weiter brachte der Referent die Richtlinien der Spihenverbände der deutschen Wirtschaft, unö zwar diejenigen des Deutschen 3ndustrie- und Handelstags und des Reichsverbandes der Deutschen 3ndustrie, zum Vortrag. Grundsätzlich wird hiernach verlangt, daß die für die nächsten 3ahre eintretende Minderleistung gegenüber dem Dawesplan der Wirtschaft tatsächlich zugute kommt und nicht etwa zu Erhöhungen der öffentlichen Ausgaben Verwendung findet. Mit allergrößter Deutlichkeit wird hervorgehoben, daß die Erfüllung des Voungplans nur im Bereich der Möglichkeit liegt, wenn eine grundlegende Aenderung unserer Steuer- und Wirtschaftspolitik erfolgt. Das von der Reichsregierung dieser Tage vorgelegte Finanzpro- gramm läßt den systematischen Zusammenhang vermissen, die vorgesehene Realsteuersenkung ist völlig unzureichend.
3m weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde der heutige Stand der Gasfernversorgung besprochen und Richtlinien für die Eintragungen ins Handelsregister erörtert. Schließlich nahm die Vollversammlung einen Bericht über die Eröffnungssitzung der Verbindungsstelle Frarckfurt des Deutschen Landwirtschaftsrats entgegen.
Tumen, Sport und Spiel.
Kußball in Hessen-Hannover.
Die gestrigen Fußballspiele im Bezirk Hessen- Hannover hatten folgendes Ergebnis:
S. C. Kassel — Borussia Fulda 3:2 Hermannia Kassel — Hessen 09 7:0 abg. Göttingen 05 — Kurhessen Kassel 1:5.
Fußball in Süddeuischland.
Am gestrigen Sonntag, an dem die süddeutschen Fuhball-Verbandsspiele mit Ausnahme einiger weniger rückständiger Kämpfe ihrem Ende zugeführt wurden, gab es noch einmal zahlreiche überraschende Ergebnisse.
Der Bezirk Main-Hessen hatte in der Gruppe Main zwei Treffen zwischen den Spitzenvereinen, bei denen es sich um die Ermittlung der beiden Teilnehmer an der Trostrunde handelte. Union Viederrad brachte hierbei dem seither ungeschstagenen Gruppenmeister. Eintracht Frankfurt, mit 3:2 Toren die erste Vieder- lage bei. Auch F. Sp. D. Frankfurt siegte auf eigenem Matze gegen den 1. F. C. 1893 Hanau mit dem gleichen 3:2. Da die beiden Sieger dieser Spiele und Lotweiß Frankfurt nunmähr punktgleich sind, sind Ausscheidungsspiele erforderlich. — In oer Gruppe Hessen holte sich der neue Gruppenmeister, Wormatia Worms, beim S. V. Wiesbaden mit 1:6 eine schwere Vie- derlaae. Der S. V. 98 Darmstadt spielte gegen den V. f. L. Veu-Isenburg 2:2 und entrann durch Den Gewinn dieses einen Punktes für diesmal dem Abstieg, denn die seither mit ihm punktgleiche Hassia Dingen wurde auf fremdem Boden von F. Sp. V. 05 Mainz mit 0:2 geschlagen. Hassia steigt also ab.
3m Bezirk Bayern konnte in der Gruppe Vordbahern die Sp.Vgg. Fürth gegen Bayern Hof, die auch dem 1. F. C. Vürn- berg bekanntlich zwei Niederlagen beibringen: konnte, nur 1:1 spielen. Auch der F. V. 04 Würzburg enttäuschte ungeheuer, denn er lieh sich auf eigenem Platze von der absteigenden Sp. Vgg. Hof mit 1:5 Toren schlagen. — Der Gruppe Südbayern gelang auch nicht alles nach Erwartung. So siegte Schwaben Augsburg mit 5:0 über den Zweiten der Liste, S. V. 1860 München- Teutonia München gegen Wacker München endete 2:4, F. V. 94 Mim verschlechterte seine Lage durch fein 1:4 gegen 3ahn Regensburg. 3ahn belegte durch diesen Sieg nunmehr den zweiten Platz der Tabelle.
Ein Turnergau Groß-Frankfuri?
Wie wir erfahren, planen die durch die Eingemeindung zu Groß-Frankfurt zählenden Turnvereine demnächst dem Gau Frankfurt der D. T. beizutreten, dessen Mitgliederzcchl sich dadurch auf etwa 30 000 erhöhen würde. In Verbindung mit diesem Zusammenschluß soll dann dem Gedanken nähergetreten werden, einen Gau Groß-Frankfurt zu bilden.
Saven-TeWiS-KampsRhelnland-Saden.
Dav Rheinland siegt mit 4:3.
Ihrem Siege über Hamburg und Bremen reihten die rheinländischen Tennisspieler ihren dritten Erfolg in der neuen Hallensaison an und schlugen dies- mal Baden, allerdings nur mit 4:3 Siegen. Die ohne Cohn spielenden Rheinländer brachten 4:3 Siege, 13:10 Sätze und 129:113 Spiele. Der Erfolg der Rheinländer wurde ziemlich sicher erfochten.
in den Leuchter, der auf dem Vachttisch stand. „Waschwasser stell ich 3hnen morgen früh vor die Tür, Herr Baron. Wann's etwa noch Durst hab'n jetzt?" —
„Sehr!" Bernd fühlte die Zunge am Gaumen kleben.
„Legen's Ihnen nur einstweilen zu Bett, Herr Baron. 3ch mach noch schnell eine Limonad und bring's Ihnen herauf. Ein bissel was zu essen hätt ich auch."
„Vein, danke, Stefan."
Bernd hörte den Jäger die Treppe hinabgehen und wie dieser etwas vor sich hinsagte. Vielleicht war es ihm unangenehm, daß er ihm so hereingeschneit kam. Er horte Rixa vor der Türe um Einlaß bitten und öffnete. Sie sprang an ihm in die Höhe und legte den Kopf gegen seine Brust. Dann rannte sie wieder nach dem Ausgang und heulte auf, als er ihr stille zu sein gebot. „Morgen, kleines Mädchen — morgen! Heute können wir nicht mehr fort.“
Ehe er sich's versah, war sie selbst nach dem Drücker gesprungen und setzte die Stufen hinab.
Würz stand vor Anstettens Bett und kratzte sich hinter den Ohren. „Habens uns reingeh'n hör'n, Herr Baron? — Ölet?“
„3ch habe gemeint, du wärst allein'"
Ein verlegenes Spiel des Mundes: „Ich hab den Herrn Bernd mitbracht.“
„Wen?"
„Den Herrn Bernd!"
Hans Peter maß ihn von oben nach unten: „Du hast ihn geholt!"
„Bewahre, Herr Baron! Die Rixa hat ihn gestellt. Er hat unten in der großen Höhle vor dem Wetter Zuflucht gesucht und ist dort einge- schlaf'n und da hat's ihn halt aufg'stöbert. Der Akab ist ein Depp. Aber ich bin ein zwiefacher: Ich hab ihn eing'lad'n, daß er heroben ein Bett hab'n kann, da is er halt mitkomm'n."
„ Aber Stefan!"
..3a —" er schüttelte über sich selbst den Kopf und trug ein verlegenes Lächeln im Gesicht: »3etzt is schon wie's is, Herr Baron. - - Eine Limonad muß ich ihm noch bringen, weil er soviel Durst hat."
„Wie kommt denn .Bernd überhaupt hier herauf?"
„Sein Vater geht er such'n — und die Rixa soll ihm helfen. Pudelnah is er bis auf die Haut. Ein frisches Hemd dürft ich ihm auch geb’n, daß er sich nicht Verkält."
„Dann bringst du ihm besser einen Tee als eine Limonade! — Hörst du, Stefan?"
„3a, Herr Baron. — Aber wann einer Durst hat, hilft ihm der Tee nix.“ Er entfernte sich und Günther hörte ihn in der kleinen Küche rumoren und dann die Treppe hinaufgehen.
Was nun? — Das ganze, so sorgfältig ausgedachte und durchgeführte System der Verheim
lichung brach kläglich in sich zusammen. Brun- Hilde war zurück, mit ihr der General und Bernd. Der Forstmeister wußte darum und wie Stefan sagte, schon die halbe Welt. Er konnte und durfte feinen Aufenthalt nicht länger mehr verschleiern, wenn er nicht den Schein des Theatralischen auf sich laden wollte und nichts war ihm ferner gelegen als das. Er hatte gehofft, daß niemand etwas von der Sache erfahren und er selbst bis zu Drunhildes Rückkdhr längst wieder genesen war und seinen Posten auf Anstetten wieder ausfüllen würde.
Das beste war, darüber zu schlafen. Bis morgen früh hatte sich vielleicht doch ein Weg gefunden, der sich als gangbar erwies. Auf keinen Fall durfte der arme 3unge länger in der Mn- gewißheit der folternden Angst um fein Schicksal gelassen werden.
Als Stefan zurückkam, fand er feinen Herrn eingeschlummert, mit einem friedlichen, sorglosen Ausdruck des seitwärts geneigten Gesichtes. Auf den Zehenspitzen ging er nach seiner kleinen Stube nebenan und streckte sich ebenfalls auf der Matratze aus.
Sein Schlummer war so tief, daß er es gar nicht horte, wie sich gegen sechs Mhr früh eine Türe öffnete und Anstetten die Treppe hinauf- ging. Er war noch etwas schwach auf den Füßen und ein Gefühl des Schwindels ließ ihn mehr als einmal nach dem Holzgeländer greifen. Als er oben stand, hatte er das Empfinden, eine schwierige Klettertour gemacht zu haben.
Aus der Stube, welche in die Westseite des Giebels eingemauert war, kam kein Laut. Bernd schlief also noch. Er drückte auf die Klinke und gewahrte den Kopf des 3ungen, auf dem Roh- haarkissen liegend. Vähertretend, neigte er sich beschauend darüber und bog das Gesicht herab, bis es auf die gebräunte Knabenstirne zu liegen kam.
Zwei Hände tasteten traumverloren ins Leere. „Such, Rixa, such!“
„Bernd!"
Dessen Augen öffneten sich und umfaßten ihn mit ungläubigem Staunen. Der noch schlaftrunkene Körper schob sich zu halber Hohe hoch. „Vaterl"
„Mein guter 3unge!“
„Vater!“ Das Knabengesicht siel in den Ann. der sich auf das Kissen stemmte, und ein heißes mühsam verhaltenes Schluchzen klang durch den Raum.
Anstetten sah auf dem Bettrand und strich über Bernds zuckenden Rücken. „3ch konnte nicht ahnen, daß es so kommen würde, mein Bub. Cs lag nicht im entferntesten in meinem Willen, dir Leid zu bringen. Ich hoffte, bis zu eurer Rückkehr würde wieder alles im Geleise fein. Daß die Mama so früh davon erfuhr, stand außer meiner Berechnung.“
(Fortsetzung folgt)


