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würde er gegen seine De amten Pf licht verstoßen, wenn er das Volksbegehren unter­stützen wollte.

Oie Finanzlage der Arbeitslosenversicherung.

Wann wird der Neberbrückungskredit beansprucht?

Berlin, 15. Dtf (Priv.-Tel.) Nach der Verab­schiedung der vorläufigen Reform der Arbeitslosen­versicherung wurde von einem sogenannten Ueber- brückungskredit in der Höhe von 120 bis 150 Millionen Mark gesprochen, der der Reichs­anstalt vom Reich zur Verfügung gestellt werden sollte, wenn aus laufenden Mitteln und Reserven ihre Leistungen nicht mehr zu decken sind. Die Ar­beitslosigkeit'steigt langsam an. Aber es scheint, daß man etwa für die nach st en 1 i Monate aus eigenen Kräften die Versicherung weiterführen kann. Zurzeit ergeben sich sogar noch geringe Ueber- schüsse, so daß man mit einer Reserve von etwa 20 bis 30 Millionen Mark rechnet, aber da bei den Landesarbeitsämtern die Betriebs­mittel, die ständig vorhanden sein müssen, ziemlich zusammengeschmolzen sind, hat die Reserve der Zen­trale keine allzu große Wirkungsmöglichkeit. Man rechnet deshalb damit, daß dieser Ueberbrückungs- kredit, der im strengen Sinne allerdings gar keine Ueberbrückung" bedeutet, da ja das Reich nach den gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet ist, die Reichsanstalt durch Darlehen finanziell zu unter­stützen, und hier irgendwelche Einschränkungen nicht gemacht worden sind, etwa Ende November in Anspruch genommen werden muß. Selbst­verständlich werden nicht die ganzen 150 Millionen, sondern erst einzelne kleinere Beträge abgerufen werden. Von unterrichteter Seite verlautet, daß die bei der letzten Versicherungsreform vertagten Fra­gen, wie vor allem die Beitragserhöhung, wohl erst dann erneut Gegenstand parlamentarischer Beratungen werden, wenn im Zusammenhang mit dem Noungplan überhaupt die Finanzreform entschieden wird.

Oie Balkanfahrt desGraf Zeppelin".

Friedrichshafen, 15.Oft. (WB.) Der heu­tige Start des LuftschiffesGraf Zeppelin" Aur Balkanfahrt gestaltete sich zu einem außcrgewöhn- lichen Schauspiel angesichts des dichten Boden­nebels, der den ganzen Tag schon über dem Bodensecgebiet gelagert und sich gegen Abend noch verstärkt hatte. Die Nebelschwaden, die durch das zur Abfahrt geöffnete Osttor in das Hallen­innere eindrangen, waren so dicht, daß man kaum von einem Ende zum anderen Ende der Halle sehen konnte. Zur Unterstützung der Aufstiegsmanöver waren am Osttor der Halle Scheinwerfer postiert. Das Herausbringen des Luftschiffes aus der Halle ging trotz der schlechten Sichtoerhältnisse ohne jede Schwierigkeit vonstatten, zumal das M o n d l i ch t inzwischen einigermaßen zur Geltung gekommen war. Auch der Aufstieg ging glatt vor sich. München wurde um 22.25 Uhr erreicht und um 23.30 Uhr die Ortschaft Ostermiething an der österreichisch-bayrischen Grenze überflogen.

Das Luftschiff passierte um 0.30 Uhr die Stadt Wels, flog dann südlich an Linz vorbei, wo viele Tausende den Zeppelin erwarteten und sehr enttäuscht waren, daß er die Stadt selbst nicht überflog. Die Fa^rt ging dann donauabwärts. Um 1.35 Uhr überflog das Luftschiff St. Pölten und setzte seine Fahrt dann längs der Westbahnstrecke über den Wiener Wald nach Wien fort, das es in der Zeit von 2.05 bis 2.15 Uhr in knapp 100 Meter Höhe überflog. Bei dem schönen warmen, etwas dunstigen Wetter mit immerhin ziemlich günstigen Sichtverhältnissen hatten sich viele Tausende auf den Straßen, Häusern und freien Plätzen, besonders auf dem Stephansplatz in Erwartung des Luftschiffes eingefunden. Ebenso viele andere verfolgten die Fahrt des Luftschiffes zu Hause nach den Meldungen des Radio. DerGraf Zeppelin" setzte seine Fahrt in Richtung Preßburg fort.

Oie Regentschastskrisis in Rumänien.

Königin Maria greift das Kabinett an.

Bukarest, 15. Oft. ($11.) Die rumänische Nationalversammlung hat auf Vorschlag der Ne­gierung den Rat am obersten Kassationsgerichts­hof Sarazeanu zum Mitglied des Regent- schastsrnts gewählt. DerUniversal" berichtet nun, daß die Regierung an Stelle Sarazeanus mit der Kandi da tur der Königinwitwe einverstanden gewesen wäre, wenn Prinz Niko­laus dafür zurückgetreten wäre. Das Blatt veröffentlicht hierzu eine Erklärung der Königin­witwe, aus der hervorgeht, daß die Königin diesen Wechsel im Regentschaftsrat als ^Kuh­handel" abgelehnt hat. Sie habe im übri­gen nicht die Absicht gehabt, im Regentschaftsrat der Dynastie die bevorstehende Rolle zuzu­schanzen, sondern habe lediglich beabsichtigt, den Prinzen Nikolaus durch ihren Rat zu unter­stützen. Wenn die Regierung die Absicht habe, den Regentschastsrat zu beherrschen, so möge sie dies deutlich erklären. Die Erklärung der Köni­ginwitwe Maria hat großes Aufsehen her­vorgerufen. 3n Regierungskreisen wird diese Stellungnahme der Königinwitwe als beispiel­los bezeichnet und erklärt, daß das Parlament durch ein Mitglied der Dynastie, dasfeine amt­liche Funktion bekleide", beleidigt worden sei. Die Regierung werde die Auslassung der Königinwitwe nicht unwidersprochen lassen. Ministerpräsident Maniu führte in der Angelegenheit auch sogleich längere Besprechun­gen mit dem Hofminister und verschiedenen an­deren Ministern.

Menschenschmuggel an der polnischen Grenze.

Warschau. 16. Oft. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Meldung desKurier Poranny" sind i n $ h o r n mehrere Personen verhaftet wor­den, die sich damit beschäftigt haben sollen, deutsch stämmige Militärpflichtige aus Polen über die Grenze nach Deutschland zu schmuggeln. An der Spitze des Unternehmens soll ein im Grgänzungs- bezirkskommando Thorn beschäftigter polni­scher Wachtmeister gestanden haben. In

Eine württembergische Schuhfabrik von -en Sklareks schwer geschädigt.

Aufdeckung neuer Betrügereien.

St u 11 g a r t, 15. Oft. (WB.) Die Gebrüder Sfla- rek standen auch in Verbindung mit der Tuttlinger Schuhfabrik E. Reichte, die nun einen Buchverlust von über 100 000 Mark er­leidet, der sich aber durch Versicherung auf etwa 50 000 Mark ermäßigt. Die Sklareks haben, wie erst jetzt festgestellt wird, diese Geschäftsverbindung zu großen Betrügereien benutzt. Nach dem Sklarekschen Kassenbuch sollen in der Zeit vom 2. bis 19. September d. I. 1,5 Millionen Mark andieTuttlingerSchuhfabrikgezahlt worden sein. Von diesem Betrage ist jedoch in Tutt­lingen nicht ein Pfennig eingegangen. Dieser verbuchte Betrag Übersteigt den Umsatz der Fabrik mit den Gebrüdern Sklarek um ein Viel­faches, da dieser Umsatz nur etwa 250000 Mark erreichte. Das gleiche Betrugsmanöver ist auch mit anderen Firmen gemacht wor­den. Dieser Tage weilten zwei Berliner Kriminal­beamte in Tuttlingen, die das Sklareksche Kassenbuch mit dem Reichleschen verglichen und feststellten, daß die angegebene Summe in Tuttlingen tatsächlich nicht eingegangen ist. Die Berliner Kriminalpolizei ist nun dabei, aufzuklären, wohin die Gebrü­der Sklarek die 1,5 Millionen Mark verschoben haben, und wie hoch der Betrag ist, von dem sie später in Ruhe zehren wollten. Der Betrieb der Tuttlinger Schuhfabrik wird wahrschein­lich aufrechterhalten werden können, zumal noch reichlich Aufträge vorliegen, und auch die Stadt Berlin mit der Schuhfabrik in Verbindung getreten ist, um die weitere Belieferung der Berliner Bezirks­ämter durchzuführen.

Oie Gefängnispost.

Reger Kafsiberverkehr der Sklareks.

Berlin, 15. Oft. (TU.) Die Untersuchung gegen die drei Brüder Sklarek wegen der Durch­stechereien hat allerlei interessante Dinge er­geben, die dazu führen dürften, daß man auch im Untersuchungsgefängnis selbst die Aufsicht erheblich strenger durchführen sollte, als es bisher der Fall gewesen ist. Wie jetzt bekannt wird, haben die Sklareks, denen natürlich darum zu tun war, sich über ihre Aussagen vor dem Vernehmungsrichter zu verständigen, sich bei den Beamten beliebt zu machen gesucht Zu diesem Zwecke gaben sie reichliche Zigarrenspenden und suchten auch auf andere Weise sich das Wohlwollen des Aufsichts­personals zu erringen. Da es ihnen jedoch zu gefährlich erschien, mit Hilfe der Beamten einen Verständigungsverkehr einzurichten, machten sie sich an die Kalfaktoren, also an andere Gefangene, die innerhalb des Gebäudes Dienst verrichten und eine gewisse Bewegungsfreiheit besitzen. Offenbar von diesen haben sie den Rat erhalten, schriftliche Mitteilungen in der Form weiterzugeben, daß sie sich gegenseitig Zigarren und Zigaretten sandten, in die die Kassiber geschickt eingefügt waren. So hatte man z. D. bei den Zigaretten am oberen Ende den Tabek zu Zweidritteln aus der Ziga­rette entfernt, den Geheimbrief hineingesteckt und die Zigarette oben wieder mit Tabak gefüllt, so daß dem Uneingeweihten diese Art derGc- fängnispost" kaum auffallen konnte. 3n ähnlicher Weise wurden auch die Zigarren präpariert.

Vorüber hinaus haben die drei Sklareks ver­sucht, sich mit Lehmann in Verbindung zu setzen. Auch hier wurde wiederum die Hilfe der Kalfaktoren in Anspruch genommen. 3n

- Die Sklareks im Gefängnis.

diesen Briefen haben die Sllareks zwar in sehr höflicher, aber doch in unverhüllter Form Leh­mann davor gewarnt, etwa allzuvielaus­zupacken". Sie drohten damit, daß auch in ihrer jetzigen Lage ihre Machtmittel durchaus noch nicht erschöpft seien. Die Gebrüder hatten jedoch das Pech, daß Lehmann sich durch die Drohungen nicht einschüchtern ließ, sondern von dem Kas- siberverkehr Mitteilung machte, so daß durch verschärfte Aufsicht den drei Sklareks das Driefschreiben im Untersuchungsgefängnis jetzt einigermaßen erschwert worden ist.

Oie Amerikareise des Oberbürgermeisters.

Deutschnationale Kritik im Rathaus.

Berlin, 15. Oft. (WTB.) 3n der Berliner Stadtverordnetenversammlung lag von deutsch­nationaler Seite eine 3nterpellation vor, in der die Frage aufgeworfen wurde, ob der Besuch des Berliner Oberbürgermeisters in Neuhork, der so große Ko st en verursachte, nötig gewesen sei. Weiter wurde gefragt, ob die gleichzei­tige Abwesenheit des Magistrats- dirigenten und dreier Stadträte mit der jetzigen Geschäftslage Berlins vereinbar sei, und aus welchem Fonds die Reise- ko st en b e st ritten werden.

Bürgermeister Scholz wies darauf hin, daß der Bürgermeister von Neuyork, Walker, in Berlin durch das Auswärtige Amt und die amerikanische Botschaft eingeführt worden sei. Der Gegenbesuch der Berliner Stadtver­treter könne daher nicht als private An­gelegenheit betrachtet werden. Die Reise solle deutsche und amerikanische Städte einander näherrücken. Sie werde 75 bis 80 000 Mark kosten. Da die Fahrt eine Angelegenheit der laufenden Verwaltung sei, habe man die Stadtverordneten Nicht vorher befragt. Die Reisespesen würden als Dienstreise­kosten verbucht und, wenn notwendig, aus Vorbehaltsmitteln bestritten werden. Die Kosten für die an der Reise teilnehmenden Damen würden von ihren Gatten getragen werden.

Nach einer ziemlich bewegten Sitzung wurde eine ganze Reihe von Anträgen angenommen, die mit der Angelegenheit Sklarek in innerem Zusammenhang stehen, so ein sozialdemokratischer auf Veröffentlichung der Sklarek- s ch e n K u n d e n l i st e n, ein demokratischer, wo­nach künftig die Vergebung von Auf­trägen nur im Wege der freien Aus­schreibung erfolgen soll und ein kommunisti­scher, wonach auf die Herbeischaffung der in der Angelegenheit SNarek veruntreuten Millionen eine Belohnung ausgesetzt werden soll. A b - gelehnt wurde dagegen ein kommunistischer Antrag, daß die in der Angelegenheit Sllarek kompromittierten Magistratsmitglieder ihre Aemter niederz ulegen hatten.

Der Berliner Bezirksvorstand der Sozial- d em otratischen Partei hat den Bürger­meister Schneider nach beendigter Prüfung beigebrachten Materials aus der Partei ausgeschlossen und ihn aufgefordert, sein Amt als Bürgermeister niederzulegen. Die deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Wolf und Bruhn wurden aus der Frak­tionsgemeinschaft beurlaubt.

die Affäre sei auch ein höherer Beamter der Starostei Mlawa verwickelt, der für hohe Geldsummen den nach Deutschland flüchtigen Stellungspflichtigen Pässe und Grenz­übertrittsscheine eusgefolgt hat. Wie Kurjer Poranny" behauptet, sind Anzeichen da­für vorhanden, daß sich die Angeklagten auch mit Spionage beschäftigt haben.

Frankreichs Heeresreform.

Die Einberufung der Reserven ohne Mobilmachung.

Paris, 15. Oft. (WTB. Funkspruch.) Kriegs­minister Painleve hielt in der Sorbonne eine Rede anläßlich der Tatsache, daß die in den näch­sten Tagen einrückenden Rekruten zu dem Kon­tingent gehören, das als erstes nur ein 3ahr lang dient. Painlevö erklärte, diese Reform stelle einen großen wirtschaftlichen und sozialen Nutzen dar. Sie beweise außerdem den Friedens­willen Frankreichs, das niemals die 3nitiative zu einem Krieg ergreifen werde. Wenn aber ein Angriff Frankreich zwingen sollte, zu mo­bilisieren, dann würde das neue französische Heer durch Zahl und Ausrüstung ein mächtiges Offensivwerkzeug sein. Die Vorbedingungen für die Einführung der einjährigen Dienstzeit, nämlich Schaffung von entsprechend starken nordafrikanischen und Ko­lonialtruppen, Einstellung von 106 000 Berufs­soldaten und Wiedereinführung des CinsteUungs- alters der Rekruten von 21 3ahren seien be­reits erfüllt oder würden bis 1930 erfüllt sein. Der Kriegsminister wies den Vorwurf, daß der französische Mobilisierungsplan zu schwer­fällig sei, zurück, und führte aus, eine der we­sentlichen Bestimmungen des französischen Mo­bilisierungsplanes sei die Möglichkeit, ohne Mobilisierung durch individuelle Einberufung einen Teil oder die gesamten verfügbaren Reserven, d. h. die ersten drei Reserveklassen, einzube- rufen, was weniger als drei Tage Zeit beanspruchen würde. Eine dann etwa an- geordnete Mobilisierung werde rascher vonstat­ten gehen und die dadurch geschaffene unmittel­bare Deckung stärker sein, als im 3ahre 1914. Dre Verantwortung der Regierung im Falle der Einberufung der drei Reserveklassen werde beträchtlich vermindert durch die gesetzliche Der» pfllchtung, diesen Beschluß dem Völkerbund mitzutcilen. Painlevö bezeichnete dann die Hypothese eines plötzlichen Angriffes eines 100 000 Mann starken Berufsheeres (Deutschland) als die am wenigsten wahrscheinliche und am wenig­sten gefährliche. Denn eine völlige Niederlage wurde gewiß eine derartige Verwegenheit be­strafen.

Minister Delacroix -f.

Der Delegierte Belgiens im Baden-Badener Organiiationskomitee plötzlich verstorben.

Baden-Baden, 15.Oft. (Telun.) Arn Diens­tagmorgen ist der belgische Hauptvertreter im Or­ganisationsausschuß der Banf für Internationale Zahlungen, der ehemalige Minister Delacroix, an einem Herzschlag plötzlich verstor- den. Delacroix, der mit seiner Gattin im Hotel Stephanie wohnte, wurde heute früh gegen 5 Uhr von einem Unwohlsein befallen und verschied, ehe ein Arzt zur Stelle war. Die Leiche wird nach Paris übergeführt werden, wo der Heimgegangene seinen ständigen Wohnsitz hatte. Heute abend findet im Sterbezimmer des Heimge­gangenen Ministers für die Delegationen eine furze Trauerfeier statt.

Zu Beginn der üblichen Besprechung des Orga­nisationskomitees der internationa­len Banf gedachte der Vorsitzende, der Präsident der First National Bank of New York, Reynold, des unerwartet Verstorbenen. Auch der französische Delegierte Morret würdigte den Heimgegangenen belgischen Delegierten. Reichsbankpräsident Dr. Schacht führte u. a. aus: Mit dem Minister Dela­croix ist ein Mann dahingegangen, der nach dem Kriege durch feine ruhige Hand viel a u r Ent- fpannung der Gegensätze zwischen den europäischen Völkern beigetragen hat. Mit klarem Blick erkannte er, daß die wirt­schaftlichen Nöte der Nachkriegszeit nur durch ge­meinsame verständnisvolle Zusammenarbeit beho­ben werden. Bereits im Jahre 1920 hat er der Brüsseler Finanzkonferenz ein Gutachten zur Grün­dung eines internationalen Finanzinstituts oorge- legt. Delacroix war ständiger Vertreter der belgi­schen Regierung in der Reparationskom- Mission, und wir wissen, daß er es war, der für eine mildere und ruhigere Ver­handlungsart eintrat. Wir kennen ihn in Deutschland weiter aus feiner Tätigkeit a l s Treu­händer für die Eifenbahnobligatio- nen. Auch dieses Amt hat er mit großem Takt und Verständnis ausgeübt. Wir alle schätzen seine große Arbeitskraft er hat neben diesem Komitee auch noch dem Organisationskomitee für die Reichs - banf angehört und vor allem (ein konziliantes Wesen und seine Persönlichkeit.

Aus aller Welt.

Einweihung des Deutschen Musikheims.

In Frankfurt a. d. O. wurde das Musikheim für Volksmusik eingeweiht. Zu dieser Feier waren in großer Zahl Vertreter der Behörden, von Kunst und Wissenschaft und aus Kommunen erschienen. Das Musikheim soll der Mittelpunkt der deutschen Dolksmusikbewegung und in der Haupt- fache von der deutschen Jugendbewegung oe-

fragen werden. Es ist dazu bestimmt, der Pflege des Volksliedes, der Volksinftrumentalmufik und auch der neuen Kulturbewegung zu dienen, die sich im Tänzerischen bemerkbar macht. Jedes Jahr sollen in drei Zweimonatskursen d i e Volksschullehrer je eines preußischen Regierungsbe­zirks im Musikheim Frankfurt zusammengezogen und von Georg G ö t s ch , dem Leiter des Heims, in die Ideenwelt der Volksmufikbewegung einge- führt werden. $n den übrigen sechs Monaten jedes Jahres soll das Heim zu gleichen Zwecken der Ju­gendbewegung und ähnlichen Bewegungen zur Ver­fügung stehen. Kultusminister Prof. Dr. Becker erläuterte das Wesen und das Neuartige am Frank- furter Musikheim, das dazu bestimmt fei, in enger Verbindung mit der Akademie für Kirchen- und Schulmusik bahnbrechend im Sinne der neuen Mu- fifbcmegung zu wirken.

Der UeberfaU im Grünewald. Trofeffor v. Linstow gestorben.

Der Landesgeologe Professor Wilhelm von Linstow, auf den, wie gemeldet, im Grünewald« ein Revolveranschlag verübt wurde, ist heute nachmittag seiner schweren Verletzung im Krankenhause erlegen. Für die Ergreifung des noch unbekannten Täters hat die Kriminal­polizei für Meldungen aus dem Publikum eine Belohnung von 1000 Mark ausgesehll

Leipact operiert.

Der frühere Staatsminister und Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes, Theodor Leipart, der bei einem Autounfall auf der Avus einen schwe­ren Schädelbruch erlitten hatte, ist am Dienstagnachmittag im Hildegard-Kranfenhaus operiert worden. Die Operation ist befrie­digend verlaufen. Das Befinden ist jedoch nach wie vor ernst, wenn auch die Aerzte be­stimmt damit rechnen, den Verunglückten am Le­ben zu erhalten.

Schwere Explosion in Paris.

Infolge der Explosion eines Gasbehälters ist eine große Automobilwerk st att in der Nähe von Paris z e r st ö r t worden. Da der Unfall während der Arbeitszeit erfolgte, ist die Zahl der Opfer beträchtlich. Dis jetzt sind die Leichen von vier Arbeitern aus den Trümmern hervorgeholt worden: etwa 30 sind verletzt worden. Heber die Ursache des Un­glücks sind zwei Versionen im Umlauf. Nach der einen soll ein Behälter mit komprimier­ter Luft im Keller explodiert sein, nach der anderen soll es sich um die Explosion eine- Gemisches von Luft und Kohlenstoff handeln, der aus dem Heizkessel abgesondert worden war, Der Sachschaden soll bedeutend sein, kann aber noch nicht genau angegeben wer­den. Etwa 300 Arbeiter werden auf zwei Wochen ohne Beschäftigung sein.

Deutscher Kompaß auf einem englischen Kriegsschiff.

Wie der englischen Oeffenllichkeit erst jetzt be­kannt wird, ist das Prunkschiff der englischen Marine, das neue LinienschiffN e l s o n", mit einem deutschen Kompaß ausgerüstet. Dies hat ein Mr. Brown, der Erfinder eines englischen Kreiselkompasses entdeckt. DieNelson" war wie andere englische Kriegsschiffe in der soeben zu Ende gegangenen Marinewoche für den Be­such durch das Publikum freigegeben. Hier machte Drown die obige Feststellung und beschwert sich jetzt in der englischen Presse über diese Zurücksetzung der englischen Erfinder. Der auf derNelson" eingebaute Kompaß ist der deutsche Kreiselkompaß der Firma Anschütz aus Kiel.

Oie Wetterlage.

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Wcttervo caussage.

Das Hochdruckgebiet hat feit gestern an Stärke verloren. Da das Barometer stark fallende Tendenz zeigt, so ist mit einem weiteren Abbau zu rechnen. Dadurch wird dem über den britischen Inseln neu erschienenen Druckfallgebiet ein Weg gebahnt. Seine Warmluft, die bereits über Irland Regen bringt, wird auch über Deutschland hinwegziehen und Ein­trübung verursachen. Die Temperaturgegensätze zwi- schen Tag und Nacht werden dadurch mehr behoben. Auch sind bei dem Aufgleiten der Warmluft später­hin Niederschläge nicht ausgeschlossen.

Wettervoraussage für Donnerstag: Stellenweise Frühnebel, sonst meist wolkiges Wetter, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich mehr ausgleichend, zunehmende Niederschlagsneigung.

W i 11 e r u n g s a u s s i ch t e n für Freitag: Unsicheres Wetter mit vereinzelten Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 15. Oktober: mittags 15,7 Grad Celsius, abends 7,1 Grad: am 16. Oktober: morgens 5 Grad. Maximum 16,6 Grad, Minimum 4,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Oktober: abends 16 Grad: am 16. Oktober: mor­gens 9,6 Grad Celsius. Sonnenfcheindauer vier Stunden.