rich & Strobel. Die Feuerwehr hatte unter starkem Wassermangel ,u leiden und muhte sich daraus beschränken, ein Uebergreifen des Brandes auf die großen Lagerhäuser der jkma Altschüler zu ver- hindern.
Die Ursache des Brandes konnte einwandfrei immer noch nicht festgestellt werden. Man vermutet Selbstentzündung des großen Korb- lagers der Firma Burmeister-Weiß-Bilger, doch ist auch nicht ausgeschlossen, daß der Brand durch
die Explosion von Denzinfassern hervorgerufen worden ist. Der Sachschaden ist ziemlich hoch und dürfte sich nach vorsichtiger Schätzung auf mehrere 100 000 Mark belaufen. Um 9 Uhr vormittags war die Feuerwehr noch immer mit vier Schlauchleitungen mit der Bekämpfung des Brandes beschäftigt, doch besteht eine Gefahr für ein nochmaliges Umsichgreifen nicht mehr. Die außerordentlich großen Korb- und Kohlenvoräte schwelen noch stark und verbreiten starkem Qualm.
500000 Deutsche kegeln.
Das XVH. Deutsche Bundeskegeln in Leipzig.
Don Kurt Hallberg.
Bom 14. bis zum 19. 3uli findet in Leipzig das Kegeln um die Deutsche Dundes- meisterschaft statt, an dem 20 000 Kegler des In- und Auslandes teilnehmen.
Helden der Witzblätter waren die gemütlichen Kegelbrüder noch vor wenigen Iahren, trainierte Spvrtsleute sind die Meister der Holzkugel heute: in dieser Feststellung spiegelt sich die Wandlung wider, die unsere ganze Generation durchgemacht hat, und die vom spielerischen Zeitvertreib zur organisierten, leidenschaftlichen Hingabe an sachliche Leistungen führte. Auch Kegeln ist längst ein Sport geworden, in dem es Rekorde, Meisterschaften, Titel und Preise zu erringen gilt. Zwanzigtausend Kegler^ von Ehrgeiz und Kampfeslust erfüllt, treffen sich vom 14. bis zum 19. Juli in Leipzia , um dort die Deutsche Kegelmeisterschaft von 1929 auszutragen. Man hat große Vorbereitungen getroffen, um die Kegelvereine würdig zu empfangen. 3n der riesigen Leipziger Messehalle sind sechzig Kegelbahnen errichtet worden, um die Abwicklung der Wettkämpfe zu ermöglichen. Das 17. Deutsche Bundes- kegeln ist aber nicht nur eine interne Angelegenheit der Kegelvereine, auch die Leipziger bekommen etwas zu sehen: ein riesiger Festzug wird veranstaltet, in dem mehr als tausend Bundes- und Vereinsbanner mitgeführt werden: außerdem sollen fünfundzwanzig Musikchöre Proben ihrer Sangeskunst ablegen. Richt nur deutsche Kegler nehmen an diesem Bund essest teil, das in Zukunft nur alle vier 3ahre stattfinden soll: der Präsident der größten amerikanischen Kegler- Vereinigung, die zwei Millionen Mitglieder zählt, ist ebenfalls in Leipzig anwesend. Der amerikanische Klubpräsident Thum ist in Deutschland geboren: er hat sein Vaterland vor vierzig 3ahren verlassen und ist in den 3ahrzehnten, die er in den Vereinigten Staaten weilt, ein eifriger Propagandist des Kegelsports gewesen. Außerdem werden schwedische, finnische, amerikanische und dänische Kegler in Leipzig ihre Kräfte mit deutschen Sportsfreunden messen.
Roch vor wenigen 3ahren stellte man sich unter einer Kegelvereinigung eine Anzahl älterer, beleibter Herren vor, die nach reichlichem Alkoholgenuß einige Kugeln schoben, um dann die Würfe ihrer Klubgenossen am Stammtisch zu kritisieren. Dieses Zerrbild eines Kegelklubs ist völlig überholt. Kegeln ist heute ein Sport wie jeder andere, wie Laufen, Schwimmen oder Leichtathletik. Man könnte sogar der Meinung sein, daß der Betrieb allzu sportmäßig, die Organisation allzu straff geworden sei. Das liegt wohl daran, daß das Land der Organisation zugleich die Hochburg der Kegler ist. Man schätzt die Zahl der deutschen Kegler auf etwa 5 0 0 0 0 0, von denen 100 000 im Deutschen Keglerbund organisiert sind, der seinen Sih in Wernigerode hat. Diese große Schar von Kegelsportlern gehört zu außerordentlich zahlreichen Klubs und Vereinigungen: allein in Berlin zählt man 350 solche Bünde. Die
Spihenorganisatwn der Berliner Vereinigungen ist der Verband Berliner Kegelklubs, der wieder dem Deutschen Keglerbund angehört.
Dumpfes Poltern empfängt den Besucher, der das Heim des Verbandes Berliner Kegelklubs aufsuchte. Trotz der glühenden Sommerhitze üben eifrige Mitglieder auf den zwanzig Dahnen des Verbandes, um zum bevorstehenden Dundes- treffen „in Form" zu sein. Mit einem Ernst, der an Fanatismus grenzt, trainieren die „Kegelbrüder". „Die meisten Mitglieder gehen leidenschaftlich in ihrem Sport auf," versichert einer der leitenden Herren. „Seit einem 3ahr ist der Zeitpunkt festgesetzt, an dem unser Dundestreffen stattfindet, und die meisten Mitglieder haben sich mit ihrem Urlaub so eingerichtet, daß sie an dem Bundeskegeln teilnehmen können. Diele haben auf die Sommerreise verzichtet, um bei diesem Ereignis dabei zu sein. Die ^Beteiligung ist so rege, daß die Reichsbahn zahlreiche S ander z ü g e bereitgestellt hat."
Die Leipziger Tagung bietet dem sportlichen Kegler aber auch tatsächlich Anziehendes genug. Das „Startbuch" ist ein kleines Werk, das nicht weniger als 46 Seiten enthält. Aus ihm entnimmt man, daß es deutsche Einzel-Bundesmeisterschaften, deutsche Senioren- und deutsche Frauen-Bundes. Meisterschaften gibt. Neben den Derbandsmeifter- schasten werden Gaukämpfe ausgefochten, und die ausländischen Teilnehmer ringen um den Wanderpreis, den Max S ch m e l i n g vor einigen Jahren gestiftet hat. Dieser Preis, ein silberner Pokal, fiel vor drei Jahren an Finnland. Die Kämpfe „rollen" sich auf ganz verschiedenen Bahnen ab. Da gibt es eine Asphaltbahn, eine Bohlenbahn und daneben eine dritte Dahnart, die „Scher e" genannt wird. Die Ausländer kämpfen meist auf amerikanischen Parkettbahnen.
Die Teilnehmer an den Wettkämpfen werden es nicht gerade leicht haben, denn es sind Einzelkämpfe angesetzt, in denen hundert Kugeln hintereinander geworfen werden müssen, und die Gaukämpfe gehen sogar über 2000 Kugeln. Leichter haben es die Senioren und die Frauen, die „nur" fünfzig Kugeln zu werfen brauchen. An den Senioren-Bun- desmeisterschasten dürfen nur Mitglieder teilneh- men, die das sechzigste Lebensjahr vollendet haben. Der Kegelsport scheint den Körper geschmeidig zu erhalten, denn der älteste Teilnehmer am Seniorenkampf ist 7 5 Jahre alt, während das älteste aktive Mitglied des Berliner Kegelklubs sogar 7 9 Jahre zählt. In letzter Zeit beginnt auch die Jugend mehr Geschmack am Kegelspiel zu gewinnen: während früher das Durchschnittsalter der Klubmitglieder 41 Jahre war, beträgt es jetzt un- gefähr 38. Seitdem die großen Berufssportverbände sich Kegelabteilungen angegliedert haben, gibt es sogar Bereinigungen, die nur aus jungen Leuten von 18 oder 19 Jahren bestehen. Doch kann man das Kegeln auch jetzt noch als den „Sport des gereiften Mannes^ bezeichnen.
Ob es wohl richtig war, die Kegelvereinigungen nach dem Muster der Fußballklubs zu organisieren?
Roman von Edgar Wallace.
28. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie bewies ihre Autorität, indem sie Diana sofort ins Dett schickte, was das junge Mädchen kleinlaut genug befolgte. Aber Schlaf war unmöglich für sie. Um zwei Uhr morgens hörte Larry, der arbeitend an seinem Schreibtisch sah, das leichte Knarren einer sich öffnenden Tür, blickte auf und sah sie im Türrahmen stehen. Sie war im Morgenrock, und ihr Haar war in einen langen, goldenen Zopf geflochten.
„3ch kann nicht schlafen," sagte sie nervös, beinahe schroff. Larry sah, sie war überreizt, und zog einen bequemen Sessel für sie heran.
Was ihm besonders auffiel, war, daß sie mit keinem Wort ihre Kleidung oder ihren nächtlichen Desuch entschuldigte. Aber Dianas Gedanken waren mit einer so wichtigen Frage beschäftigt, daß sie gar nicht an diese äußerlichen Förmlichkeiten dachte. Sie sah still mit gefalteten Händen in ihrem Sessel. Kein Laut ließ sich hören, nur das Ticken der Uhr auf dem Kaminsims und dann das Knarren von Larrys Stuhl, als er sich ihr zuwandte.
„Was bedrückt Sie, Diana?"
Sie blickte schnell zu ihm auf.
„Glauben Sie, daß ich bedrückt bin?“
„Wenn nicht, sind Sie wirklich ein Pracht- mädel,' sagte Larry sanft. „Sie haben heute Unglaubliches durchmachen müssen, aber, ich weih nicht warum, ich kann mir nicht mal denken, daß das Sie noch quält.“
Sie nickte.
„Sie haben recht, nur die Frau .oben' läßt mir feine Ruhe."
„Die Frau .oben'? — Ach. Sie meinen die Frau, von der 3ake gesprochen hat? Aber Diana, ein .oben' gab es ja gar nicht mehr. Sie waren ja schon in der obersten Etage des Hauses, und das Haus ist ein Stockwerk niedriger wie ToddS Heim."
Aber Diana konnte sich nicht zufrieden geben.
„Außerdem," fuhr er schnell fort, „wenn wirklich eine Frau dagewesen sein sollte, ist sie sicherlich von demselben Schlage wie die anderen De» wohner des Hauses. Die Tatsache, daß sie nicht hübsch war, wie 3ake sagte, beweist noch nicht, dah sie auch unschuldig war."
„Arme Seele, arme Seele." murmelte das junge Mädchen und begann zu Larrys Schrecken leise zu weinen. „Der Gedanke an sie läht mir keine Ruhe, läht mich nicht schlafen," schl^Hzte sie. „Sie werden sie festhalten. Sie dürfen sie ja gar nicht freilassen."
„Warum denn?" rief er mit stockendem Atem. „Wollen Sie vielleicht sagen, daß die Frau Clarissa Stuart ist?"
Sie blickte ihn mit tränenüberströmtem Gesicht an.
„Clarissa Stuart? — Rein, ich denke nicht, dah sie Clarissa Stuart ist."
„Wer kann es bann sein?" fragte er. „Weir denken Sie denn überhaupt, wer sie ist?"
„3ch denke es nicht — ich weih es sicher," mit qualvoller Langsamkeit suchte sie nach den Worten. „Die Frau ist Emma. Die Aufwärterin Emma aus der Pension."
Larry sprang auf die Fühe und sagte dann langsam:
„Die Aufwärterin! — Sie haben recht!"
Wieder war das leise Ticken der Uhr das einzige Geräusch in dem Zimmer, als sie sich beide, jeder mit feinen Gedanken beschäftigt, gegenüber» sahen.
„Sie glauben also, dah zwischen dieser furchtbaren Dande und dem Fall Stuart ein Zusammenhang besteht?"
Sie nickte.
„Auch ich glaube das," sagte Larry, „und habe meine sehr guten Gründe dafür. Und doch kann ich nicht sehen, was sie durch den Tod Stuarts gewonnen haben, falls sie natürlich nicht mit dem Mädel, das sich Clarissa Stuart nannte, unter einer Decke stecken?"
Sie machte mit den Armen eine kleine hoffnungslose Bewegung und erhob sich.
„3ch kann den ganzen Zusammenhang erkennen", sagte sie. „Er ist für mich ganz klar, aber —" sie lächelte schwach — „in einer Sache bin ich Ihnen gegenüber im Vorteil."
„Sie werden in sehr vielen Dingen einen Vorteil über mich haben." gab Larry gutwillig zu. „Und jetzt, liebes Kind, schnell zurück ins Bett und schlafen."
Aber sie schien seine Worte nicht zu hören.
„Einen einzigen Menschen konnte ich in die Angelegenheit nicht hineinbringen." fuhr sie fort, „aber Sie haben mir jetzt auch dafür eine Erklärung geliefert.“
„Und wer ist das?"
„Flimmer Fred! — Er ist weiter nichts wie ein gewöhnlicher Verbrecher, der in die ganze Sache mit hineingezogen wurde, ohne selbst davon eine Ahnung zu haben." Sie nickte nachdrücklich, als ob sie sich erst in diesem Augenblick über den Punkt völlig klar geworden wäre. „Aber die anderen? — Der blinde 3ake, der für einen unbekannten Herrn arbeitet? — Die Aufwärterin, das bedauernswerteste Opfer von allen! — Armer Lew, mit seinen tauben Ohren und armen, wunden Fingern — Sie haben ja die Finger nicht gesehen. 3ch wollte gerade darüber mit Ihnen sprechen, als wir von dem Doktor unterbrochen wurden."
Das System der Gaue, Kreises, Bezirke und Verbände ist nicht leicht zu übersehen. Es hat außerdem zur Folge gehabt, daß die Wettkämpfe zwischen den einzelnen Abteilungen sehr langwierig sind: so wurde um einen Pokal, den ein großer Berliner Verlag gestiftet hat, ein halbes Jahr lang gekämpft. Um die wertvollsten Preise entbrennt der Streit sehr heftig, zwischen den Hochburgen des deutschen Kegelspo rts, die sich außer in Berlin in Dresden, Leipzig, Hamburg und Kiel befinden: aber auch andere «tädte besitzen tüchtige Bereine, die auf dem Plan erscheinen, wenn ein wichtiger Wettkampf bevorsteht. Die Bundes- leitung achtet stets darauf, daß keine Stadt zu kurz kommt, und deshalb werden die Bundeskegelfeste immer in einer anderen Stadt wie im Vorjahr aus- getragen. Berlin, Leipzig, Hamburg, Magdeburg, Hannover, Dresden, Braunschweig, Bremen, Chemnitz, Altona, Solingen, Kiel, Frankfurt a. M., Helzen und Mainz waren die Schauplätze der großen Bundestreffen, die bisher stattgefunden haben. Man kennt in diesen Orten die schmucke einheitliche Kleidung der Kämpfer, die aus einem weißen Hemd, aus weißen Hosen, Gürtel und weißen Sportschuhen besteht. Die Vorschriften sind in dieser Beziehung sehr streng. Selbst dem tüchtigsten Kegler würde es übel genommen, wenn er sich etwa die Aerrnel bis zur Schulter hochstülpen wollte, denn die Bundesleitung erlaubt nur, den Unterarm zu entblößen.
Wie bei anderen Sportarten gibt es auch für di« Kegler ein Abzeichen, das nur durch besondere Leistungen erworben wird. Wer diese Dekoration erwerben will, wird durch seinen Sport stark in Anspruch genommen. Er muß in der Woche ein oder zwei Abende für seinen Verein zum Trainieren opfern: außerdem finden fast an jedem Sonntag interne Kämpfe statt, und die Ausscheidungskämpfe vor einem großen Ereignis nehmen Monate in Anspruch. Seit dem Januar d. I., also seit sieben Monaten, toben erbitterte Kegelschlachten. Diele tausend Kugeln sind die Bahn entlanggerollt und viel Schweiß ist geflossen, bis sich die Elite herauskristallisiert hat, die ihren Verband oder Gau in Leipzig repräsentieren soll.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
(J Lollar. 15. Iuli. Vom schönsten Wetter begünstigt fand am letzten Sonntagnachmittag das Iugendfest für die hiesigen Schulen statt. Unter Vorantritt der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr marschierten die bekränzten Kinder im Zuge, dem Schulvorstand und Gemeinderat vorangingen, nach dem Sportplatz, auf dem sich die Einwohnerschaft eingefunden hatte. Rach einem Degrüßungslied der ersten Klasse und einem sehr gut von einer Schülerin gesprochenen Gedicht begrüßte Rektor Da ab die große Fest- berfammhmg mit einer Ansprache, in der er u. a. in wirkungsvoller Weise mit dem Sinn und Wesen des 3ugendfestes bekannt machte und ermahnende Worte an die Heranwachsende 3ugend richtete, unter Betonung der engen Beziehungen und der gemeinsamen Aufgaben und Pflichten von Elternhaus und Schule. Mit einem dreifachen Hoch auf Heimat und Vaterland schloß der Redner. Der erste Vers des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles" unter Musikbegleitung erscholl darauf über den weiten Platz. Die anschließenden Spiele und Vorführungen der einzelnen Klassen zeigten gute Schulung und fanden allseits lebhaften Anklang. 3n dieser Zett erfreute die Kapelle der Feuerwehr die zahlreichen Besucher mit einem vortrefflichen Konzert. Bürgermeister Schmidt sprach gegen Ende der Veranstaltung dem Lehrkörper der Schule für die Vorbereitung und Durchführung der wohlgelungenen Veranstaltung den Dank der Gemeinde aus und gab der Hoffnung und dem allseitigen Wunsche Ausdruck, daß die Feier in gleich schöner Weise alljährlich sich wiederholen möchte. De-
„Wunde Finger?" fragte er erstaunt. „Rein, ich habe sie nicht bemerkt."
„Ich habe es gefühlt," schauderte sie zusammen, „als er mein Gesicht berührte. Alle seine Finger waren an den Spitzen mit Blasen bedeckt, verbrannt."
„Aber, mein Gott, warum denn nur?"
„Damit er weder Braille-Schrift schreiben noch lesen kann!" sagte sie langsam.
„Das ist unmöglich, ganz unmöglich," rief Larry entsetzt. „Eine solche Gemeinheit kann es in der Welt nicht geben! — Liebes Kind, ich bin mit einigen der schaurigsten Verbrechen in Berührung gekommen, die je in Europa begangen wurden. Ich habe die Opfer gesehen und die Täter auf» gespürt, verfolgt und hängen lassen. Menschen können grausam, lasterhaft, gewissenlos, blut« dürftig sein, aber sie begehen nicht kalten Blutes solche Scheußlichkeiten, wie sie Ihrer Meinung nach diesem armen, blinden Mann zugefügt tour» den."
Sie lächelte wieder.
„Ich glaube. Sie haben sich selbst noch nicht klar gemacht, wie schlecht, wie grundschlecht diese Menschen sind. Denn wenn das so wäre, würden Sie niemals behaupten, daß dies oder jenes unmöglich sein könnte. Was nun Dearborn betrifft —“ sie lachte laut auf.
„Diana, liebe Diana, Sie haben jetzt das Stadium erreicht, wo man gegen jeden Menschen mißtrauisch ist. Aber doch nicht mißtrauisch gegen den armen Iohn Dearborn, der aus reinster Menschenliebe in jener Spelunke und inmitten dieser fürchterlichen Menschen arbeitet?“
Sie nickte.
„Ich gab Iohn Dearborn die Hand, als ich dorthin kam. Ich gab ihm die Hand als ich wegging," sagte sie.
„Das macht ihn doch nicht zum Verbrecher, lächelte er.
„Und als ich ihm meine Hand hinhielt, ergriff er sie. — Denken Sie doch, bitte, daran, daß ich zwei Iahre lang Schwester in einem Blindenheim war ... als ich meine Hand hinhielt, ergriff er sie."
„3a, aber warum denn nicht?" fragte Larry verständnislos.
„Weil er sie nicht sehen konnte, wenn er blind war. Und Iohn Dearborn ist ebensowenig blind wie Sie ober ich."
27.
„Sagen Sie das bitte noch einmal,“ rief Larry. „Sie hielten die Hand hin, und er ergriff sie." Sie nickte.
„Wissen Sie denn nicht, dah man immer die Hand eines Blinden ergreift, wenn man ihn begrüßen will, weil er doch die ausgestreckte Hand uicht sehen kann? — Aber Dearborn erhob seine
sondere Worte des Dankes des Redners galten der langjährigen Arbeit des aus dem Dienste scheidenden Rektors Da ab. Eine besondere Abschiedsfeier für den verdienten Schulmann sei bei dessen endgültigem Ausscheiden aus dem Schuldienst in Aussicht genommen. Rektor Saab dankte für die anerkennenden Worte, dankte feinen Mitarbeitern im Lehramt, dem Schulvorstand und der Gemeinde, Bürgermeister und Gemeindevertretung für die stete Hilfsbereitschaft. Als Zeichen opferbereiter Arbeit im Dienste der Allgemeinheit lobte Rektor Saab die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Lollar, die sich vollkommen kostenlos für diesen Tag zur Verfügung gestellt habe, und deren Mitwirkung es zu danken sei, daß die Veranstaltung so vortrefflich gelang. Verteilung von Brezeln und Würstchen an dis Kinder beschloß die Veranstaltung. Mit klingendem Spiel ging es dann in geschlossenem Zuge ins Dorf zurück. — Ein Haferacker am Holzmühlenweg, dem Ernst Wilhelm Kutscher gehörig. findet wegen der außerordentlichen Höhe des Halmes große Beachtung. Ein uns vorgelegter Halm hatte die erstaunliche Länge von 1,76 Meter.
—.— Grünberg. 15.3uli. Der Kreis- rinderzuchtverein Gießen veranstaltete dieser Tage eine 3ungviehprämiierung für den Bezirk Gründer g/ Zweck der Prämiierung ist, gute Leistungen in der 3ung- dieh-Aufzucht auszuzeichnen, um die Züchter auf die Wichtigkeit einer rationellen Iungvieh-Auf- zucht hinzuweisen. Es konnten nur solche Iung- tiere prämiiert werden, die in den Iungvieh» Registern des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen eingetragen und mit Ohrenmarken gekennzeichnet sind. Zur Schau wurden sehr gute 3ungtiere vorgeführt. Als Preisrichter waren tätig: Bürgermeister Müller. Bellersheim, und Kaspar Georg Gung, Leihgestern. Zugelassen waren Tiere der hessischen Fleckviehrasse von drei bis sechs Monaten, sieben bis neun Monaten, zehn bis zwölf Monaten beiderlei Geschlechts. Erste Preise erhielten: 3oh. Reunobel, Stangenrod: Heinrich Pfaff. Weiters- hain: K. Erbil.. Bellersheim: Richard Schmidt. Kolbenmühle bei Harbach: Georg Samer. Röthges. ZweitePreise: K. Erb, Heinr. Klös III., Heinrich Knaus und Ed. Knaus. Stangenrod: Heinrich Scheid, Harbach: 52. Göbel, Londorf; W. Stork, Wirberg, K. Keller III. und W. Kaus, Weitershain. Dritte Preise: Karl Schön- Hals und K. Frank, Grünberg: Heinrich Knaus und Heinrich Dietz, Beltershain: Otto Wagner. Otto Horst, Stangenrod: L. Grohhaus. Grün- berg; August Schmidt und Rudolf Theiß, Stockhausen. Anerkennungen: Otto Hopp, Stockhausen: K. Schultheiß und Otto Becker, Stangenrod: W. Albert, Münster: Albert Schäfer Grün- berg, und Heinrich Riebergall, Göbelnrod.
D L i ch, 15. 3uli. Bei schönstem Sommerwetter feierte am gestrigen Sonntag unsere Stabt ihr neuntes 3 ugendfest, ein Fest, an dem alle Parteien, alle Stände sich mit der Iugend freuten. Den Auftakt bildete der Weckruf der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr. Gegen 11 Uhr fand eine Feier in der neuen Kleinkinderschule statt, wo die Kleinen nach niedlichen Vorträgen und Spielen, die sie unter der Leitung der Schwester Lina machten, und nach einer Ansprache des Bürgermeisters der Stadt ihre Brezeln bekamen. Die würdige Einleitung zum Fest war der Fest- gottesdienst am Mittag in der Marienstistskirche, an dem sich die Vereine geschlossen mit ihren Fahnen beteiligten und in dem Stiftsdechant Kahn predigte. Rach einer Kaffeepause stellte sich um 2,30 Uhr am Rathaus ein stattlicher Festzug auf und zog unter den Klängen der Musikkapelle Sommer durch die festlich geschmückten Straßen hinaus auf die Hardt, wo im Schatten der alten Eichen die Licher von altersher ihre Volksfeste feiern. Einen herzerfreuenden Anblick bot die Schuljugend mit bunten Fähnchen und ihren von der Stadt gestifteten Brezeln in
Hand im gleichen Augenblick, wo ich ihm meine entgegenhielt."
Larry starrte sie fassungslos an.
„Wenn er nicht blind ist, warum ist er dann überhaupt in dem Heim? — Auf jeden Fall ist er doch aber ein Geistlicher."
„Es gibt feinen 3ohn Dearborn in der Lists der Geistlichen," sagte das junge Mädchen ruhig. „3<b habe die ganze Liste sorgfältig durchgelesen: sein Rame findet sich auch nicht auf den Listen der Independenten, Baptisten und Wesleyaner.'«
Larry sah sie voller Bewunderung an.
„Sie sind wirklich ein Wunder! Haben Sie aber auch daran gedacht, daß er von Australien gekommen ist?"
„Auch die australischen Listen kann man hier erhalten," antwortete sie sofort, „und der einzige Iohn Dearborn ist ein sehr alter Herr, der in Totooma lebt und sicherlich nicht mit dem unter igen identisch ist."
Sie hatte sich einen Stuhl dicht an seinen Schreibtisch gezogen und beugte sich mit verschlun-, gen en Händen ihm zu.
„Larry," sagte sie, „— außerhalb der Dureau- stunden werde ich Larry zu Ihnen sagen — ist es Ihnen denn nicht aufgefallen, daß Iohn Dearborns Stücke trotz aller ständigen Durchfälle immer wieder von dem Theater angenommen werden?"
„Darüber habe ich schon oft nachgedacht," gab Larry zu, und sie nickte mit dem Kopf.
„Ich wünschte, Sie würden sich mal über daS Direktorium des Macready-Theaters informieren," sagte sie. „Man müßte herausfinden/ ' aus welchen Personen sich das Syndikat zasam- : mensetzt, das das Geld für Inszenierung dieser Stücke bewilligt oder aufbringt. — Ich kann nicht vergessen, daß Mr. Stuart von diesem Theater aus verschwunden ist."
„Ich auch nicht," sagte Larry nachdrücklich. „Aber Iohn Dearborn! Das ist nicht öenfbar.“
„Jetzt werde ich müde," sagte sie, sich erhebend. „Ich habe mein Herz erleichtert. — Lassen Sie die Wäscherei beobachten?"
„Ich habe da zwei Mann auf Posten, die I jeden ein- und ausfahrenden Wagen anzuhalten und sich zu informieren haben, wer der Führer ist und was der Wagen enthält."
„Dann kann ich mich ja beruhigt zu Bett legen," lachte sie leise. Als sie an ihm vorbeiging, strich sie iljm zart mit der Hand über das Haar und sagte: „Für einige Zeit noch ist Emma nicht in direkter Lebensgefahr. Die eigentliche Gefahr für sie beginnt in dem Augenblick, toemr sie von der Wäscherei weggebracht wird."
„Sie können darüber völlig beruhigt fein“, entgegnete Larry, und mit dieser Zusicherung verschwand sie in ihrem Zimmer, und er hörte, wie sich ihre Tür schloß.
' - (Fortsetzung folgt.)
KW jr£ land. toad ÄÄ kW W veM feÖ: rfe Mgcnne'sters
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„Scrinanra JJ Ansprachen w vvrsihendm sihenden Äfl1 Vertreter, Aed Sie Mitglieds dazu bei, daß Darbietungen, i Frauengruppe. kchsten Svmmei eigentliche Feftt versammelte sich Aemeindemitgiie Gefallenen. Der Dorten aus die' bin. 3m Olamcr Schmidt eint spielte „Ich W zig Aachbarvere 14 llhr bewegte das reichgeschmi famfeit erregte gen mit der Au lands Zukunft", unb Mädchen z M dem Zug lnechisunisvm. hatte seine-Ar jedes Fahrzeug Die Musil wur kapelle Duhde der Ehrenvoll ders darauf hi kunst gewissen große Saufest, seid gefeiert t gelegenen Fest. tridelte fid> ba Kftnden lang j ihre Kunst an d Tanzplah führt- vor. Auch der Darbietungen nihgen.) Den Rungen bildet die auf einei Festplah, von gen der Musi Watt Lang Der zweite F toar zugleich •. starke Anteiln. wundervolle 2 dieses Jubelfest bleiben wird.
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- Aad-Ac s-bulprosess und Darmstadt savmenkunst. D Men Einrichtu tJni9jen sich di KurhauSierr<G !Ä Pierer ;U. .* bCt N ''Mgung beä 6le botanisch \ naben Dissen
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