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Dienstag, 16. ZulN92y
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 164 Zweites Blatt
Die literarische Generation, die nach dem Kriege
Hofmannsthal "t
Wirbel der Zeit vergessen wurde.
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groß wurde, hat kaum einen Dichter aufzuweisen, wie jene, der ihr so unbedingt Maß und Art ihrer künstlerischen Gesinnung und ihres dichterischen Empfindens bestimmte, wie es damals Hofmannsthal und Rilke getan haben; kaum ein Buch, das so bedingungslos geliebter Besitz eines jungen Geschlechtes war wie der „Kornett" oder „Der Tor und der Tod".
Es ist unendlich schwer, im Drange der Zeit sich zu sammeln und eine Formel zu finden für Wesen und Wert des Dichters Hofmannsthal in der Geschichte und der modernen Entwicklung unserer Literatur.
Als Siebzehnjähriger begann er zu schreiben, zwei Jahre später schon schenkte er (1894) jener Zeit eine seiner schönsten und ganz unvergänglichen Phantasien — „Der Tor und der To^. 1894, in einer Zeit also, wo der Naturalismus das Feld weithin beherrschte, und wo eine Schöpfung wie diese, von Wien her kommend, als etwas unerhört Neues, als der Einbruch einer anderen Welt empfunden werden muhte. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen. Vielleicht ist es aber gut, sich die Daten des „äußeren Lebens" kurz zurückrusen, die zwischen dem ersten Auf tauchen und dem Ende liegen.
Privatmann seinen Neigungen leben darf. Eins Schar von Reportern folgt ihm auf Schritt und Tritt, um das amerikanische Volk dauernd darüber zu unterrichten, was sein Präsident in der Ferienzeit beginnt. Coolidge war das sehr peinlich; er hätte es vorgezogcn, einmal einige Zeit den Mund überhaupt nicht zum Reden zu öffnen, war aber in Süd-Dakota den Fragen der Reporter erbarmungslos ausgeliefert. Man erzählt sich sogar, daß er von Zeit zu Zeit gezwungen war, mehrere zusammenhängende Sähe zu sprechen, und das machte Coolidge sehr ungern.
Am besten geht es in den Ferientagen und am Wochenende dem englischen Premierminister. Im Jahre 1917 stiftete nämlich Lord Lee den Ministerpräsidenten von England seinen Landsitz Chequers in nächster Nähe von London. Diese prächtige Besitzung ist von waldreichen Hügeln umgeben. Dor etwa vierhundert Jahren wurde das Schloß zum letztenmal umgebaut; eine große Halle lädt zu Besprechungen ein, und die vornehme Ruhe, die die altflämischen Gobelins an den Wänden ausstrahlen, muh selbst erregte Gemüter besänftigen. Das Innere des Schlosses birgt reiche historische und literarische Erinnerungen, die Galerien enthalten kostbare Kunstwerke. In der umfangreichen Bibliothek findet man neben vielen wertvollen Büchern historische Andenken, z. D. eine Anzahl Briefe Napoleons I. Traditionsgemäh ist ein Zimmer — wie in allen großen englischen Landschlössern — für den König reserviert, wenn er einmal unerwartet eintreffen sollte. Der frühere Eigentümer dieses Landsitzes war ein großzügiger Mann, der alles bedachte. Er hat dem Premierminister für jeden Wochenendaufenthalt, der mindestens anderthalb Tage dauert, ein Taschengeld von 15 Pfund ausgesetzt.
Großfeuer in Frankfurt.
Frankfurt a. 7N„ 16. 3uli. (2DIB. Funk- sprach.) heule nacht gegen 2 Uhr brach im Gallus-Viertel, in dem Gebäudeviereck, das gebildet wird von den Linien der Eisenbahn, der ha- senslrahe und der verlängerten Nidda-Straßs, aus bisher noch ungeklärter Ursache ein Brand aus, dem das ganze Viereck zum Opfer fiel. Niedergebrannt find mehrere Lagerhäuser; sie gehören den Firmen Hartmann & Schulze, Burmeister & Weih, Nordseefischerei, lll-
Kriegsfolgen bietet, steht ja auch noch der Der- s u ch Briands zur Diskussion, mit dem Hinweis auf eine nebelhafte paneuropäische Aussprache die kommende Londoner oder Luzerner Konferenz unter Ausschaltung aller Räumungsfragen nur auf die Inkraftsetzung der neuen Tribute zu konzentrieren.
war tief bedeutungsvoll für Hofmannsthal; Symbol feines schweifenden, sich versenkenden, zweifelnden und melancholischen Lebensgefühls.
Zum Leidwesen aller Berufspolitiker läßt sich die Weltgeschichte nicht einmal in den großen Ferien anhalten. Dennoch müssen auch die Minister einmal im Jahre ihre Arbeit unterbrechen. Wenn im Hochsommer der Reichstag seine Pfoten schließt, atmen die Reichsminister auf. Es geht ihnen besser als ihren italienischen Kollegen, denen der Diktator Mus solini in diesem Jahr den Urlaub entzogen hat; der Duce meint nämlich, Ministerserien seien für den Faschistenstaat eine allzu demokratische Angelegenheit. Das ist freilich eine merkwürdige Begründung, denn unter jedem Regime haben arbeitsame Männer - und das sind die Minister — baö Bedürfnis gehabt, sich einige Zeit auszuruhen. Ob man diese Arbeitsunterbrechung nun Urlaub, Ferien oder „dienstliche Erholungsreise" nennt, ist gleichgültig. Zweiundvierzig Urlaubotage haben die höchsten Beamten des Reiches zu beanspruchen. Da aber die Minister ihre eigenen Vorgesetzten sind, kann ihnen niemand vorschreiben, wann sie sich wieder einzufinden haben, und so kommt es wohl zuweilen vor, daß besonders überlastete Politiker sich noch ein paar Tage Extraurlaub gönnen. Gewöhnlich vereinigt der 11. August, der Verfassungstag, sämtliche Mitglieder des Kabinetts vorübergehend noch einmal in Berlin, und da einige Minister ihren Urlaub nicht gern unterbrechen, reifen sie erst in der zweiten Hälfte des August in die Ferien.
Reichskanzler Her mann Müller hat allerdings seinen Urlaub schon früher antreten müssen. Ein hartnäckiges Gallenleiden fesselte ihn seit einiger Zeit ans Bett, und seine Aerzte rieten ihm deshalb dringend, sobald wie möglich fortzureisen, um in Bad Mergentheim sein Leiden zu kurieren. In diesem Kurort haben,schon vor Hermann Müller viele Politiker Ausspannung und Gesundung gesucht. Auch der verstorbene Reichspräsident Friedrich Ebert pflegte dort jedes Jahr eine Kur zu machen. Ebenso idyllisch wie Mergentheim und noch viel zurückgezogener liegt Bühlerhöhe, wo der Reichsaußenminister Dr. Stresemann in einem sehr vornehmen, exklusiven Sanatorium seine Urlaubstage verbringt. Ties im Schwarzwald, nicht weit von Baden-Baden, treffen sich dort erholungsbedürftige Großindustrielle, Politiker, Diplomaten und Finanzleute des In- und Auslandes. Ob sich Dr. Stresemann wenigstens an diesem einsamen Ort einmal einige Wochen ganz von der Politik zurückziehen kann, ist sehr zweifelhaft, um nicht zu sagen unwahrscheinlich. Früher verbrachte Dr. Stresemann seine Ferien ost im Süden, denn das milde Klima schützt ihn dort vor Erkältungen, die ihn oft befallen, Locarno, San Remo, und Cannes sind die Orte, die seiner Gesundheit am zuträglichsten sind. Da aber entscheidende Konferenzen vor der Tur stehen, hat er Deutschland diesmal nicht verlassen. Vielleicht spielt bei der Wahl seines Kuraufenthaltes auch noch etwas anderes mit. Kürzlich ist bekannt geworden, daß Lloyd George eine Sommerreise in den Schwarzwald unternimmt. Selbstverständlich begeben sich Dr. Stresemann und der Führer der englischen Liberalen nur zu ihrer Erholung in
„Den Erben laß verschwenden An Adler, Lamm und Pfau Das Salböl aus den Händen Der toten alten Frau ..."
Wie ein Funkspruch aus Wien meldet, ist der Dichter Hugo von Hof mannsthal am Montag auf dem Wege zum Leichenbegängnis seines Sohnes Franz, der sich am Samstagnachmittag erschossen hatte, plötzlich zusammengebrochen und war kurz darauf tot; die Ursache seines Todes ist ein Gehirnschlag gewesen.
Eine weitere Meldung aus Wien besagt, daß sich Franz von Hofmannsthal, der älteste Sohn des Dichters, in der Villa seiner Eltern in Rodaun bei Wien durch einen Schuh in die Schläfe das Leben genommen hat. Man vermutet, daß die Aussichtslosigkeit, sich eine Existenz gründen zu können, den jungen Mann in den Tod getrieben hat. Er hat keinerlei Abschiedsbriefe hinterlassen; das einzige, was zur Aufklärung des Motivs dienen könnte, ist der Brief eines Verwandten an ihn, in dem es heißt, daß Franz jetzt bereits 26 Jahre alt sei und darangehen müsse, sich selbst zu erhalten. Er könne nicht weiter Dom Gelde feiner Eltern leben. Der Tote war ursprünglich Bankbeamter und wurde dann Volontär im Empfangsbureau des Hotels „Adlon" in Berlin.
Hofmannsthal wurde am 1. Februar 1874 in Wien geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er an der Universität seiner Vaterstadt Jura und romanische Philologie und promovierte zum Dr. phil. Schon im Alter von 18 Jahren veröffentlichte er unter dem Pseudonym Theophil Morren eine dramatische Studie „Gestern". Im selben Jahre schrieb er das dramatische Gedicht „Der Tod des Tizian". Das nun folgende Drama „Der Tor und der Tod" begründete mit einem Male den Ruf des Dichters. 1899 erschien der Band „Theater in Versen", der verschiedene einaktige Dramen zu- sammenfaßte („Die Frau im Fenster", „Die Hochzeit der Sobeide", „Der Abenteuerer und die Sängerin"). Dann entstand eine Neubearbeitung der „Elektra", die später von Richard Strauß vertont wurde, und „Oedipus und die Sphinx". Weiter übersetzte er „Oedipus" selbst. Ebenso bearbeitete Hofmannsthal für Max Reinhardt das mittelalterliche Spiel von „Jedermann" (1912), wie auch später „Das Salzburger Große Welttheater" (1924) für die Salzburger Fest-
Schluß des hessischen Gängerbundesfestes.
WSN. Darmstadt, 15. Juli. Der heutige Montag brachte unter dem Motto „T a g der Freude" den Abschluß des glänzend verlaufenen 2. Hessischen Sängerbundes- festes. Der Vormittag diente Besichtigungen der Museen und der Kunstausstellung „Der schöne Mensch in der neuen Kunst", während die Sänger zum größten Teil mit Sondertransporten dem Gau Bergstraße einen Besuch abstatteten durch eine Fahrt nach Seeheim und Jugenheim. Damit aber auch die Kleinen der auswärtigen Besucher auf ihre Rechnung kamen, brachte der Nachmittag auf dem großen Festplatz ein Kinderfest, das allerlei Kurzweil bei den Spielen und bei einem Heidelbeerkuchen-Wettessen unbändige Heiterkeit auslöste. Im Kleinen Haus des Landestheaters gab am Abend die Opern- schule der städtischen Akademie, für Tonkunst eine Sonderausführung des Mozartschen Singspieles „Bastien und Bastienne". Ein Dnl- lantfeuertoert, das eine ganze Stunde dauerte und die neuesten Errungenschaften der Feuerwerkskunst auswertete, schloß mit einer riesigen leuchtenden Lyra am dunklen Nachthimmel das Sängerbundesfest, das allen Teilnehmern in gutem Gedächtnis bleiben wird. Da sämtliche Lokale Darmstadts während des Festes die ganze Nacht hindurch geöffnet waren, ergab sich noch genügend Gelegenheit zu persönlicher Art des Abschlusses des „Tages der Freude".
jeglicher Prognose für die Konferenz. Die kommen» den Verhandlungen werden sehr, sehr schwierig fein, und zu irgendeinem Optimismus für ihren Ausgang liegt auch nicht der geringste Anlaß vor. Ganz abgesehen von den Möglichkeiten, die eine geschlossene Front Frankreichs, Italiens, Belgiens und der Kleinen Entente mit ihren Anhängseln für eine Verhinderung der wirklichen Liquidation der
Wenn Staatsmänner Jenen machen...
Deutsche Minister im Schwarzwald. - Lloyd George reist in Stresemanns Nachbarschaft. - Oie Sommerresidenzen der republikanischen Staatsoberhäupter. Das Taschengeld des englischen Ministerpräsidenten.
Don Legatus.
spiele. Für Richard Strauß schrieb der Dichter den Text zu dessen komischer Oper „Der Rosenkavalier" (1911) und seiner einaktigen Oper „Ariadne und Naxos" (1912).
Außerdem sind noch zu nennen: „Das gerettete Venedig", Trauerspiel (nach Thomas Otway, 1905), „Alkeste", Trauerspiel (1916), ein Lustspiel „Der Schwierige" (1920), die Komödie „Christinas Heimkehr", die Erzählung „Die Frau ohne Schatten", „Florindo"; „Buch der Freunde" (1922), „Der Turm", Trauerspiel (1925). Daneben hat Hof- mannsthal die Sammelwerke: „Deutsche Erzähler und „Deutsche Epigramme" herausgegeben und zahlreiche Aufsätze und Abhandlungen geschrieben, die zum großen Teil in einer Ausgabe „Die prosaischen Schriften" (1907) vereinigt find.
Mit Hofmannsthal ist nun, nach Rilke, der zweite aus dem berühmten Dreigestirn der vorigen Generation, aus dem Kreise der „Blätter für die Kunst" dahingegangen. Und wenn es seit langem still geworden war um Hofmannsthal, so wirkt nun dieses plötzliche und unter so traurigen Umständen herein- gebrochene Ende doppelt schmerzlich auf die Zurückgebliebenen — zumal wenn sie, nicht mehr ganz jung und noch nicht vollkommen der neuen Zeit und ihren Gesetzen und künstlerischen Urteilen verschrieben sind, sondern wenn sie ihre entscheidenden geistigen, literarischen, bildungschaffenden Eindrücke und ihre ästhetischen Wertmaßstäbe noch in der Zeit vor dem Kriege empfangen Haven. Es ist schwer abzuschätzen, wieviel diese Generation ihren Dichtern verdankt; Rilke ist tot; Hofmannsthal schwieg lange vor diesem erschütternden Ausgang, und nur George, wiewohl auch er sehr einsam und sehr ab- aewandt von der Zeit, hat letzthin wieder feine Stimme erhoben.
Es würde zu weit führen, Gefühl und Weltbild, aus dem feine Schöpfungen sich formten, im ein» zeknen zu deuten; sie liegen weit ab und sind sehr verschieden von dem, was die Jungen und Jüngsten auf ihre Fahnen geschrieben haben. Ihnen ist Hofmannsthal nicht entfernt mehr so Vorbild und Wegweiser, wie ihren Vätern. Unsere Zeit in» teressiert sich für ganz andere Erscheinungen des literarischen Lebens. Hofmannsthal gehörte nicht einmal der Akademie an.
Immerhin wird eine spätere Zeit, die Abstand gewann und ruhiges Urteil besitzt, Hofmannsthals Persönlichkeit und sein dichterisches Werk noch anerkennen müssen, wenn mancher Akademiker schon ittt
merksam. .
Diese Auseinandersetzung zwischen Pans und London über eine doch recht zweit rangige Frage beweist, wie sehr sich das englisch-fran- Msche Verhältnis seit dem Regierungsantritt der Arbeiterpartei verändert hat. Denn wenn die Konservativen noch am Ruder wären, so hätte das fron» »ösjsche Kabinett sicher nicht die leisesten Bedenken geqen eine Abhaltung der Konferenz in der englischen Hauptstadt. Und während in den französischen Roten nur rein formelle Gesichtspunkte gegen die Wahl Londons angeführt werden, weiß man in Paris und London sehr genau, welche tieferen Gründe die französische Regierung dazu veranlassen, solche formalen Gesichtspunkte gegen London ins Feld zu führen. Die französische Presse spricht es ganz offen aus, daß zwischen der englischen und der französischen Regierung eigentlich über (eins der auf der Konferenz zu behandelnden Probleme Einstimmigkeit herrscht. P o i n c a r 6 hat □on seinem Standpunkt aus allen Grund, die Luft oon London z u fürchten, den zweifellos zu erwartenden Druck der öffentlichen Meinung Englands auf eine in London tagende Konferenz zu scheuen und einen in London unvermeidlichen Macdonald als Vorsitzenden für unerwünscht zu halten. In Luzern weht eine andere Lust — das Klima mancher Schweizer Gegenden ist für i Franzosen besonders zuträglich —, dort hatte Pom- corö als ältester Ministerpräsident den Vorsitz und könnte den französischen Delegierten ihre Arbeit in jeder Hinsicht erleichtern.
Um sich nun auf alle Fälle gegen peinliche englische Ucberra|d)ungen zu schützen, macht die französische Regierung trotz aller inneren Schwierigkeiten verzweifelte Anstrengungen, sich die belgische und italienische Unterstützung zu sichern. Die Verabredung mit Belgien ist bereits gesichert: Frankreich unterstützte Belgien in der Frage der Einlösung der deutschen Marknoten und □Belgien wird dafür auf der Konferenz an Frankreichs Seite kämpfen. Auch die Abreden mit Italien sind auf gutem Wege. Hat doch die ! [Regierung Mussolinis nicht allzu viel Grund, sich über die in England herrschende Arbeiterpartei zu freuen. Es ist beinahe sicher, daß auch Italien recht- 1 Zeitig in die französisch-belgische Front eingeordnet werden kann. Man ist in solchen Fragen in Paris nicht engherzig und läßt sich die italienische Bundesgenossenschaft schon etwas kosten. Daß Italien nicht billig ist, weiß man. Gerade jetzt hat Musso- üni wieder auf seine kolonialen Forderungen m Afrika hingewiesen. Es handelt sich diesmal nicht nur um die Staatsangehörigkeit der ins französische Tunis eingewanderten Italiener, die auf Genera- t onen hinaus auch Italiener bleiben sollen, es handelt sich diesmal auch um die Erfüllung des alten Italienischen Wunsches, das Mandat über die frühere deutsche Kolonie Kamerun zu bekommen. Trotz des gesegneten italienischen Appe-
• lites pricht man in Paris von der Annäherung ! (in Italien und von freundschaftlichen Zugestand-
"‘siefes* ganzes Hin und Her während der fieber- basten Vorarbeiten zur Konferenz zeigt mit überraschender Deutlichkeit, wie sehr sich bie gejamb «uropciische Situation seit dem Amtsantritt der I reuen englischen Regierung geändert hat. Die A^ ' beitsgemeinschaft der Entente cord.ale ist praktisch schon jetzt nicht mehr vorhanden, und dies allein genügt einerseits zur Verdoppelung &er franjof^ schen Schwierigkeiten, anderseits zur Verhinderung
Hofmannsthal hat nur eine ganz kleine Sammlung oon Gedichten zurückgelassen; aber es sind die wundervollsten, zartesten und adligsten Schöpfungen einer ungemein empfindlichen und kulturvollen Persönlichkeit, es ist kein falscher Ton, kein blasser und flacher Vers dazwischen; diese Lyrik wird bleiben und ihren Wert und ihre Leuchtkraft behalten so gut, wie Rilke und George über unsere aufgeregte Gegenwart hinweg Bestand und Gültigkeit haben werden.
*
Hofmannsthal war ferner — was oft übersehen wird — einer der ausgezeichnetsten Prosaisten, die wir seit langem besessen haben. Wer sich in die Bände Der kleinen Prosaschriften vertieft, wird es bestätigen müssen. Und es ist dem Referenten unvergeßlich: jenes ganz kurze Vorwort zu einer Anthologie jüngster Lyrik das die weitschweifige Einleitung des jugendlichen Herausgebers in feiner gelassenen Reife unendlich überstrahlte und einer der tiefsten Eindrücke des ganzen Buches war, das ja den andern, den Jungen gehören und für sie werben sollte —.
Oer Bücherturm.
Die Flut der jährlichen Neuerscheinungen, die in Deutschland etwa 30 000, in England 12 000, in Frankreich 11000, in Amerika 10 000, Italien 6000 beträgt, ist für die Bibliotheken hinsichtlich der Unterbringung schon seit langer Zeit ein sehr schwieriges Problem geworden, da ein erheblicher Teil dieser Neuerscheinungen alljährlich den großen Büchereien zufließt. Die Räume reichen bei vielen deutschen Bibliotheken schon heute keines- wegs mehr aus, um die neuen Bücher so unterzu« bringen, daß sie sofort erreichbar sind. Ein sehr be» achtlicher Vorschlag, der sich mit der Platzfrage in den Bibliotheken beschäftigt, wird nun im Buch« Händler-Börsenblatt von Dr. Richard Oehler gemacht, der auf einen Versuch hinweist, der jetzt in Frankfurt gemacht worden ist, und durch den man Platz für die neuen Bücher für die nächsten 100 Jahre schaffen will. Es handelt sich bei diesem Vorschlag um einen „Bücherturm". Man will die Bücher auf enger Grundfläche in einem Hochhaus« magazin unterbringen, an das sich die Be« nutzungs- und Derwaltungsräume in mehreren Stockwerken unmittelbar anschließen. Der Bücher- türm soll etwa 40 bis 50 Meter hoch und in der Lage sein, rund 2 Millionen Bände zu fassen. Wenn man annimmt, daß die Frankfurter Zen« tralbibliothek etwa 1 Million Bände enthält, so würde der Turm bei einem Zuwachs von rund 15 000 Bänden jährlich gegen 60 Jahre ausreichen, ein Projekt, das sicherlich für die übrigen deutschen Bibliotheken von allergrößtem Interesse ist.
den Schwarzwald. Sollten sie sich dann wirklich an einem Orte tresten, so wird diese Begegnung ganz zufällig sein. Vielleicht handelt es sich bei einer solchen Begegnung auch nur um einen Akt der Höflichkeit, bei dem sich aber eine Ansprache über die politische Lage nicht vermeiden lassen wird. Reichsernährungsminister Dietrich hat sich übrigens ebenfalls in den Schwarzwald begeben, aber wahrscheinlich ohne politische Nebenabsichten. Er hat sich in einen kleinen Ort nach Glotterbach zurückgezogen und wird dort nur seiner Erholung leben.
Fern von allen Staatsgeschäften wird sich in der Urlaubszeit der preußische Ministerpräsident Otto Braun halten. Wenn er nicht gerade in seiner ostpreutzischen Heimat weilt, hält er sich am liebsten im Jagdschloß Hubertusstock auf. Er ist bekanntlich ein leidenschaftlicher Jäger, der beim Weidwerk alle politischen Sorgen und allen Parteiärger vergißt. Ganz in der Nähe von Hubertusstock liegt die bescheidene Jagdhütte, die dem deutschen Reichspräsidenten zur Verfügung steht. Repräsentativ ist das Sommerhäuschen, das den höchsten deutschen Würdenträger beherbergt, freilich nicht. Fast unmittelbar an der Landstraße liegt dieses primitive Blockhaus, das manchem Gutsbesitzer für längeren Aufenthalt zu kümmerlich wäre. Der Reichspräsident sucht es nur selten auf; er pflegt seine Llrlaubszeit auf dem Gut einer befreundeten Familie in Bayern zu verbringen, wenn er es nicht vorzieht, seinen Stammsitz aufzusuchen, der für ihn aus einer Spende zu seinem 80. Geburtstag gekauft worden ist.
Großzügiger als die deutsche Republik ist das kleine Oesterreich gewesen, das seinem Präsidenten einen schönen Sommersih in Baden bei Wien eingeräumt hat. Der Präsident der Tschechoslowakei verfügt unweit von Prag über ein herrliches Palais. Besonders gut hat man für Frankreichs Präsident gesorgt, der sich während der Sommermonate auf fein herrliches Schloß Rambouillet zurückziehen kann. Prächtige Wälder umgeben diesen Palast, wundervolle gepflegte Parks laden zum Spazierengehen ein. Doumergue liebt die Einsamkeit; in Rambouillet kann er viele Stunden durch die Wälder streifen, ohne einem Menschen zu begegnen. Eine umfangreiche Bibliothek verscheucht die Langeweile an den Regentagen, und in den großen Prunkräumen läßt es sich gut arbeiten, falls Doumergue auch in der Ferienzeit einmal die Amtsg:schäfte nicht ruhen lassen will. P oi n- care verbringt nicht nur seine Ferien, sondern auch das Wochenende gewöhnlich in ©am- pigny in den Argonnen, wo er ein kleines Schloß besitzt, während Driand sich im allgemeinen auf sein Gut Cocherel an der Eure zurückzieht.
Weniger glanzvoll ist der Präsident der (Bereinigten Staaten während seiner Ferienzeit untergebracht. Zwar steht ihm ein herrlicher Landsitz zur Verfügung, und Süd-Dakota liegt weit genug von Washington, um eine Unterbrechung der politischen Tagesarbeit zu gewährleisten. Aber der Präsident darf nicht damit rechnen, daß er nun einige Wochen nur als
Als Dramatiker hat Hofmannsthal dies beides vor allem entfaltet und bestrickend vor uns aufge» tan: fein — fast romanisches — Formgefühl und eine in erstaunlich vielen, bunten und immer wechselnden Masken eingefangene Wandlungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit an Stil und Ausdruck oft sehr fernen Zeiten und Völker. Wer hat wie er die Klassizität der Griechen, das deutsche Mittelalter, das gallisch-heitere Rokoko verstanden, nachempfunden und zum Leben erweckt!
Und eben diese vielfältige Gestalt und das immer wechselnde Gewand, worin er seine Figuren kleidete.
London oder Luzern?
Don unserem L.. ^.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Paris, 13. Juli 1929.
Die Frage der Wahl des Tagungsortes der kommenden großen Konferenz hat einen schon seit drei Wochen dauernden Austausch sauersüßere n g lisch-französischer Noten veranlaßt. So oft die englische Regierung mit unzweideutigen Gelten zur Konferenz nach London aussordert und freundlichst einlädt, macht die französische Regierung mit nicht geringerem Nachdruck auf die Vorteile einer Tagung in der Schweiz, etwa m Luzern auf-


